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Franz Mon - Sichtbare Sprache



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BEVOR ES SCHWINDET

Franz Mon abstrakt

[ Franz Mon : abstrakt ]

Im Zeitalter von Photoshop , After Effects sowie des ubiquitären Layouts eines durchdesignierten Alltags scheint die “visuelle poesie” der fünfziger bis siebziger Jahre längst gegessen . Anders und nach einem Diktum Elfriede Gerstls formuliert : Seit den sechziger Jahren sahnt speziell die Reklame systematisch die Erkundungen und Experimente der Avantgarden ab .

Im Kontext des “Radical Advertising” - wie im NRW- Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf bis 18. August zu sehen - sieht die klassische Avantgarde oft “alt” aus . - Um die Verfasstheit des jetzt scheinbar so Selbstverständlichen zu erkennen , ist ein ‘back to the roots’ unabdingbar .

Das hat weniger mit Kunst- Nostalgie oder einer Verklärung des “Avantgarde”- Begriffes zu tun als mit der Sicherung eines vorgängigen Quellcodes , dessen gefällige Interfaces unsere Zeitgenossenschaft illustrieren . Dies betrifft optische Gestaltungen ebenso wie akustische : Wer die frühen Artikulations- und Mundhöhlenerkundungen Franz Mons oder Henri Chopins einmal wahrgenommen hat , wird sich von neuerdings als “radikal” verbratenen Sound- , Kunst- und Musikdarbietungen weniger beeindrucken lassen . Beziehungsweise wird in den Stand gesetzt sein , diese historisch zu kontextualisieren und kulturgeschichtlich zu verorten .

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ZU SEHEN : IN ERLANGEN

Franz Mon Hommage A Karl Valentin

[ Franz Mon : Hommage à Karl Valentin ]

In Korrespondenz zum Erlanger Poetenfest wurde in der Städtischen Galerie die Ausstellung “Franz Mon – Sichtbare Sprache | Verbale , visuelle und akustische Texte” eingerichtet :

Franz Mon, 1926 in Frankfurt geboren und bis heute dort lebend, gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Konkreten Poesie. Er schreibt verbale, visuelle und akustische Texte. Seine visuellen Arbeiten wurden seit 1963 in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u.a. auch 1970 auf der Biennale in Venedig, gezeigt. Die retrospektive Schau zeigt Arbeiten aus allen Phasen und Bereichen seines Schaffens, darunter viele Arbeiten, die hier erstmals öffentlich zu sehen sind. Gezeigt werden u. a. die Mappenwerke ‘Makulatur’ und ‘Knöchel des Alphabets’, Arbeiten aus den Serien ‘Doppelporträts’, ‘zentrierte Collagen’ und ‘versalcollagen’, eine Auswahl aus den ‘Schreibmaschinentexten’, den ‘ideografischen Texten’ und den Schreibtexten ‘Papiergüsse’, Textfahnen und Textplakate, Diaprojektionen und akustische Installationen, ausserdem Bücher und Buchobjekte.

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ZU HÖREN : WÖRTER VOLLER WORTE

Franz Mon vetri

[ Franz Mon : vetri ]

Heute , 29. August , 19 Uhr , Markgrafentheater, Erlangen : Lesung Franz Mon und Gespräch mit Klaus Ramm

Für Franz Mon ist die Sprache ein offenes Gelände für künstlerische Grenzüberschreitungen in alle Richtungen: Sein Werk ist eines der konsequentesten, weiträumigsten und auf untergründige Weise bis heute einflussreichsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur. Mons Poetik nimmt die Sprache so ernst wie kaum eine andere: ‘Das Realitätsschlamassel ist auch ein Sprachschlamassel’. Im Widerspiel mit den von Franz Mon gelesenen Texten versucht der Literaturwissenschaftler und Verleger Klaus Ramm, der Poetologie von Franz Mon auf die Spur zu kommen.

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HÖREN UND SEHEN VERGEHEN

Franz Mon Mortuarium

[ Franz Mon : Mortuarium ]

Leider schon nach Ende der zeitlich äusserst knapp gehaltenen Schau - 22. bis 28. August ( ! ) wird Sonntag , 31. 8. , um 19 Uhr im Theater in der Garage das HR- Hörspiel “ausgeartetes auspunkten” ( pdf HörDat , 2007 ) aufgeführt . Der einleitender ist freilich filmisch : “Schuhe besetzen ein Haus” ( SR , 1983 ) : Immerhin spricht Franz Mon selbst zur Einführung .

Eine scheinbar ganz einfache Spielanleitung bildet das Gerüst, auf dem die Stimmen der vier Sprecher dieses vom Hessischen Rundfunk 2007 urgesendeten Hörspiels (Eva Garg, Chris Pichler, Markus Meyer und Peter Lieck) alle schauspielerischen Freiheitsgrade haben. Ihre Stimmen „verdichten/verwandeln/verzaubern/vertuschen das Gesagte“. Franz Mon hat das 40-minütige Sprachspiel selbst realisiert. Zwei der vier Premieren-Schauspieler variieren das Hörspiel live unter der Anleitung von Franz Mon. Der Abend wird eingeleitet von dem 9-minütigen Film ‘Schuhe besetzen ein Haus’ von Franz Mon, Saarländischer Rundfunk, Redaktion Kunst und Wissenschaft Klaus Peter Dencker.

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FRANZ MON IM ORF- KUNSTRADIO

Franz Mon sternförmig

[ Franz Mon : sternförmig ]

Als wir im ORF- Kunstradio als erster europäischer Sender mit 5.1- surround- Produktionen ins Studio und auf Sendung gingen , schien es uns angemessen , Franz Mon als einen der Pioniere des stereophonen “Neuen Hörspiels” ( Ende der sechziger Jahre ) als einen der ersten Gäste zu laden . In Parallelaktion zu einem “Radiokunst”- Seminar am Germanistischen Institut der Universität Wien entstand die Produktion “Käm’ ein Vogel geflogen” , wo der damals Achtzigjährige sehr munter das von ihm eingelesene modulare Textmaterial per Joystick durch den Rundum- Raum jagte . Wir servieren die knapp sechzehnminütige Arbeit aus gegebenem Anlass ( und leider in reduzierter Klangqualität ) im heutigen KLANGAPPARAT .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Franz Mon über seine 5.1- Surround- Produktion “Käm’ ein Vogel geflogen” ( Ursendung : 17. 7. 2005 ) für die Reihe “Literatur als Radiokunst” im ORF- Kunstradio :

Ich mache seit über vierzig Jahren radiophone Stücke, die für mich czz-hoerempfehlunggenau so wichtig sind wie die geschriebenen, weil ich ganz früh entdeckt habe, dass meine Stimme mit zur Substanz meiner poetischen Arbeit gehört. Die eigentliche radiophone Arbeit konnte beginnen, als die Stereophonie erfunden wurde – das war in den späteren 60er Jahren. Seitdem habe ich rund 14 Hörspiele machen können, die auf der Basis der Stereophonie zu realisieren waren. Für mich war es ein enormes Erlebnis jetzt, die neue Technik – Dolby Digital Surround – kennen zu lernen und praktizieren zu dürfen. Wir begeben uns da in eine Dimension der Stimmerfahrung und Stimmproduktion, die auch von der Stereophonie nicht erreicht werden konnte, weil ich als Sprechender wie als Hörender in einem akustischen Zentrum bin, das homogen ist mit meiner Stimmleistung und Stimmfähigkeit. In diesem Sinne haben wir das Stück ‘KÄM’ EIN VOGEL GEFLOGEN’ konzipiert und realisiert: ein Stück, das mit den Beweglichkeiten, welche die neue Technik erlaubt, arbeitet und dadurch Stimmqualitäten und Worterfahrungen ermöglicht, die bisher nicht zugänglich waren.

Franz Mon : “Käm’ ein Vogel geflogen” ( 15:44 , MP3 / WMP , Produktion ORF 2005 , Technik : Anna Kuncio )

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Discovering Electronic Music 1968 | 1983



||| LEHRFILM 1983* | MÖGLICHER MODE D’EMPLOI | KLANGAPPARAT

LEHRFILM 1983*

Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 Title

Hart an der Zeitenwende , da Tontechniker ( “Herr Ingenieur” ) zwischen ihren Spulen , Kabeln , Drähten und Oszillatoren noch weisse Arbeitsmäntel trugen , muss jener Informationsfilm entstanden sein, welcher 1983 eine Einführung in die Welt der Synthesizer und digitalen Klangerzeugung gab .

Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 02Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 08

Analoger Ton und elektonisches Signal , Filter , Sampler und Sequenzer : Um den fast noch als Fremdwort prononcierten “Computer” mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Autorität zu erklären , bedurfte es offenbar der aus den Sechziger Jahren vertrauten Experten- und Intellektuellenbrille .

Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 03Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 04

Wo wir zunächst nostalgisch auf die bauchigen Interfaces blicken , sollten wir uns dennoch nicht prima vista überlegen fühlen : Die Einführung ist klug und konzise und könnte auch jedem “Literatur als Radiokunst“- Performer als Schnellkurs zur bevorstehenden Studioarbeit dienen .

Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 10Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 07

Mit dem Komponisten Gerald Strang ist ein kalifornischer Schönberg- Schüler und Musikpionier zu hören , wie er über neue Notationsformen für elektronisch aufzuführende Musik reflektiert .

Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 06Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 05

Bemerkens- und durchaus hörenswert auch die Betonung des intuitiven und experimentellen Charakters elektronischen Komponierens : Immediate Klangresultate fördern und fordern die Trial- and Error- Flexibilität des Individuums .

Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 11Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 09

Entstanden ist Bernard Wilets‘ knapp 22- minütige Dokumentation in Zusammenarbeit mit den Bell Laboratories , der UCLA ( wo ja sowohl Arnold Schönberg als auch sein Schüler Gerald Strang unterrichteten ) und den legendären Fairlight CMI- Herstellern . Dank ans Kraftfuttermischwerk für den Hinweis -

Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 01Discover Electronic Music Bernard Wilets 1983 12

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DISCOVERING ELECTRONIC MUSIC 1968 | 1983

 

 

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*Edit , 28. 8. - Mitunter braucht’s ein wenig zeitlichen Nachhall , um einen schlummernden Verdacht zu identifizieren und zu formulieren . Die Bilder und Technologien - zumindest die Aufnahmen mit Gerald Strang - sind deutlich älter als das angegebene Jahr 1983 es suggeriert . Bestärkt durch den Fach- und Sachkommentar , sind wir noch einmal durch den Film und die Bücher gegangen und würden als Entstehungszeit dieser Aufnahmen und Features etwa das Jahr 1968 annehmen . Wilet’s “Discovering Music“- Reihe entstand durchwegs in den Jahren 1967 bis 1971 ( Music of Africa , Music of Japan , Dynamics in Music , Middle East , American Indian Music , American Folk Music …. ) entstanden . Für “Discovering Electronic Music” wird im Nachruf auf Wilets ( 2007 ) als Copyright- Jahr “1968” angeführt . -

Kleines Problem dabei : Die Fairlight- Synthesizer hat es zu dieser Zeit noch nicht gegeben .

Mögliche Lösung : Der Film könnte anlässlich des Ablebens von Gerald Strang im Jahr 1983 revidiert worden und mit aktuellem Material angereichert worden sein . Damit würden auch die Fairlight- Sequenzen passen .

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MÖGLICHER MODE D’EMPLOI

In|ad|ae|qu|ater Vorschlag zum “mode d’emploi” : Video erst “roh” betrachten , Tasse Tee trinken und dann auf REPLAY gehen - Diesmal allerdings hinterlegt mit dem Stream der eloquenten Electronika der im folgenden KLANGAPPARAT freundlich vorgestellten Zengineers . Sounds und Bilder legen sich reizvoll übereinander und obwohl sich die Leistungen der frühen Grossrechner längst per Laptop erledigen lassen , bleiben die Prinzipien von Tongeneration und -Modulation dieselben . Switches , pitches , Schwingungen , Sequenzen : Was 1983 noch schrankgrosser Apparaturen bedurfte , erledigen heute die Algorithmen der Plug- Ins .

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KLANGAPPARAT

Weil’s so schön war und ungewöhnlich gescheit , kehren wir heute noch einmal zum Netlabel iD.EOLOGY zurück : Wurde mit Michael Hoffmann czz-hoerempfehlunggestern ein intelligent gesponnenes Verständnis des Genres “Ambient” vorgestellt , geschieht dies heute für die Kategorie Drum’n'Bass : Auch hier eine eher feingeistige Variante des Kölner Duos Zengineers ( MySpace ) , dessen Name nicht zufällig auf Fernöstliches weist . Avancierte Elektronik zwischen Dancefloor und Reflexion : Harte Ecken und krude Kanten stehen mit Vorbedacht nicht auf dem Programm der sanft und elegant bewegten Kölner - gleichwohl wird man der knapp 70- minütigen Release “Hikari” kaum in die konturlose “Lounge” werfen dürfen . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM .

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NEUES VON FREUNDEN



||| LAST CALL FOR “SOMMERFRISCHEN” | AUSGEZEICHNETES VON UND FÜR MONIKA RINCK | TRANSPIRATION STATT INSPIRATION : WETTBEWERB , REELL | TIERBABYBINGO & BEGRIFFSSTUDIO | BERNHARD KATHAN : DAS INDISKRETE ORGAN | HANNO MILLESI SUCHT ALTENBERG | UND ES DREHT SICH DOCH NOCH : LINKES WORT @ VOLKSSTIMMEFEST | KLANGAPPARAT

Sax DIOSCUR

LAST CALL FOR “SOMMERFRISCHEN”

“Befiel dem letzten Früchten , voll zu sein” , oder so ähnlich müsste man wohl das in den Untergeschossen der obenhin spätsommerlichen Ruhe fiebrige Feilen , Fummeln , Basteln und Eilen der Kulturarbeiter bezeichnen : Im Gewirr von Dead- Linien für die Herbstausgaben von Zeitschriften , für Buch- Erscheinungstermine , für Programme und Präsentationen mag sich Mancher verstricken . Aber hélas : Den einen oder andern mild lächelnden Tag des Altweibersommers sollte wir für uns uns die Unsrigen noch herausschlagen , bevor die spätestens Mitte September anhebenden regulären Stunden- und Tagespläne der urbanen Literaturveranstaltungsprogramme wieder anheben .

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AUSGEZEICHNETES VON UND FÜR MONIKA RINCK

czz-neuesvonfreundenZum Genuss der Gunst der Stünde würde zunächst einmal zählen , sich mit und für MONIKA RINCK zu freuen - in|ad|ae|qu|at via SALON und “Literatur als Radiokunst” wohlvetraut - : Der Berliner Autorin wurde für ihren Lyrikband “zum fernbleiben der umarmung” ( Kookbooks 2007 ) eben der mit 13.000 Euro dotierte Ernst- Meister- Lyrikpreis der Stadt Hagen zuerkannt.

Man lasse sich durch solche Ziffern allerdings nicht blenden : Wie die bisher nur inoffiziell belegten Ergebnisse der noch unveröffentlichten Studie der vom zuständigen Bundesministerium in Auftrag gegebenen Studie “Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich” ( wir berichteten | Dokumentation ) belegen , verdienen 37 Prozent der österreichischen Künstler weniger als 839 Euro im Monat - d. h. , mehr als ein Drittel der Kulturschaffenden in Österreich bezieht ein Einkommen , welches unter der offiziellen Armutsgrenze liegt . Und das trotz des laut FAZ angeblich überreich durch Preise und Stipendien alimentierten Literaturbetriebs ( “Autorenförderung ? Hungert sie aus !” , 30. 4. 2008 ) …

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TRANSPIRATION STATT INSPIRATION : WETTBEWERB , REELL

Das Bild vom frei auf den Wellen von Alimentationen und Inspirationen schwebenden Dichten ist so falsch wie veraltet : Per Lesungen , Übersetzungen und Jurytätigkeiten wird das oft nötige Zubrot verdient . Wo dies nicht funktioniert , werden Autorinnen und Autoren ( auch diese Fälle sind uns wohlbekannt ) zu irgendwelchen Hartz IV- Arbeiten vergattert .

Als erfahrene Lesebühnen- Autorin wurde jedenfalls mit Monika Rinck eine respektable Jurorin für den 16. open mike- Wettbewerb der Literaturwerkstatt Berlin erkoren : Im Trio mit Thomas Glavinic und Feridun Zaimoglu wird sie am 15. / 16. November die Sieger aus den live lesenden Bewerbern küren : Auch hier verdient die Relation “Bewerbung - Auswahl - Kür” Beachtung : Aus den über 650 anonymisierten Einsendungen wählen sechs Lektoren bis zu 22 zur Lesung aus - 3 ( in Worten : drei ) Preise werden schliesslich vergeben .

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TIERBABYBINGO & BEGRIFFSSTUDIO

czz-neuesvonfreundenDa wir aus raum- zeitlichen Gründen die Berliner “Rotten Kinck Shows” von ANN COTTEN , SABINE SCHO und Monika Rinck leider nicht leiblich wahrnehmen können ( # 2 u. d. Titel “DIE EVOLUTION FRISST IHRE KINDER - wie bereitet sie sie zu ?” am 20. 8. im Lokal ) , sei auf die schriftliche Wiedergabe von # 1 ( “Tierbabybingo” ) in der Nummer 41 der Literaturzeitschrift “kolik” verwiesen : Exklusiv und sinnlich lediglich im Print - “viele kleine tiere frieren sich die augen rund” .

Wir kompensieren diese verpassten “bunten abende in der whisky-destille” ( # 2589 ) mit einem Extrakt der jüngsten Lieferung aus dem BEGRIFFSSTUDIO:

2555 trotzyoga
2556 das pony in der truhe
2557 simple thing for the devil
2558 nießbrauch
2559 der willenlos auf mich zu polternde resonanzraum
2563 große tiere mit kleinen stimmen
2564 stimmimitat
2565 raschwüchsig und frosthart
2566 der schlafkranke schwachkopf
2567 ein laubblattrauschender schrecken
2568 per pergulam ambulare
2569 das laub der geselligen linde
2573 strandwermut
2574 stân in einem înkaffenne - verharren in einem anstarren
2575 in eremo, der waldeinsamkeit
2576 le goût du néant
2577 lamettawuchs und kopfschneitelung
2578 ein gewaltiger zicklus
2579 das belutschistan-ohnehorn
2583 wächter der weltflucht
2584 weizenfeldgelb
2585 fälschungssichere falter
2586 antikatz-kalender
2587 schlacke im hauptraum
2588 zwischenschaftlich

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BERNHARD KATHAN : DAS INDISKRETE ORGAN

czz-neuesvonfreundenAnzukündigen und zu dringend ver- störenden Lektüre empfohlen sei das eben im Studien- Verlag erschienene Resultat der langjährigen Beschäftigung unseres SALON- Autors BERNHARD KATHAN mit dem Thema “Organtransplantation” : “Das indiskrete Organ . Organverpflanzungen in der Literatur” ist eine konsequente Fortschrift von Kathans bisherigen kulturhistorischen Untersuchungen zur Medizingeschichte , Körpertechnik , Ein- und Ausverleibung , Lebenswissenschaften und Mortifikationen . Der Denk- und Assoziationsraum wird dabei - wie stets - weit gesteckt und subjektiv inspirierend illuminiert .

Auch im HIDDEN MUSEUM , dem “zweifelhaftesten Museumsprojekt der Gegenwart” , gibt es Neuigkeiten zu betrachten : Zu den - in einigen Beispielen aus Hunderten auf in|ad|ae|qu|at publizierten - Kuhportraits ist nun eine diskursive Überlegung zum Thema “Kuhfotografie” zu lesen . Handfesten Kulinarikern sei dahingegen ein “mobiles Essmuseum” in Form eines konzentrierten Küchenschranks empfohlen . Klassischer titel : “Die Kredenz” .

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HANNO MILLESI SUCHT ALTENBERG

czz-neuesvonfreundenVon den einigermassen vergeblichen Unternehmungen , den Fin de siècle- Bohème- Poeten Peter Altenberg in der Wiener Echtwelt aufzusuchen , berichtet HANNO MILLESI in der Wochenendausgabe des “Standard” . Zur Verkürzung der Wartezeit bis zum Erscheinen des Prosabandes “Der Nachzügler” ( 29. 9. , Literaturverlag Luftschacht - wir werden berichten ) , sei diese “Grenzerfahrung” an den grauen Mauern der Wiener Wirklichkeit in einem kurzen Auszug zitiert :

Im Abbildungsteil eines Katalogs, der sich mit den Wohnverhältnissen berühmter Künstler meiner Stadt beschäftigt, stoße ich auf Fotografien jenes Hotelzimmers, in dem Peter Altenberg einen Großteil seiner bekannten Werke verfasst hat. Die Wände des Zimmers sind mit gerahmten Bildern übersät. Fotos, Grafiken, Zeitungsausschnitte. Ich sehe beispielsweise eine Reihe von Porträts junger Frauen. ( … ) Sein Zimmer trägt die Nummer 51 und befindet sich im Grabenhotel in der Dorotheergasse 3 im 1. Bezirk. Ich beschließe Peter Altenberg dort zu besuchen. Schließlich verfüge ich über alle notwendigen Informationen.

In der Dorotheergasse angekommen, bin ich erst einmal überrascht. Im Erdgeschoß des Grabenhotels, in dem Peter Altenberg residiert, befindet sich eine Trattoria namens Santo Stefano. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir das anders vorgestellt. ( … ) Nachdem ich mich vorgestellt habe, teile ich der Rezeptionistin mit, dass ich Peter Altenberg besuchen möchte. Mit einem verständnisvollen Lächeln bittet sie mich zu warten und tippt etwas in den Computer. Während ihre Pupillen den Bildschirm abtasten, verfinstert sich ihre Miene. Schließlich teilt sie mir mit, dass sich niemand dieses Namens unter ihren Gästen befindet. Mir ist klar, dass sie die Liste derjenigen durchgesehen hat, die vorgelassen werden dürfen. Ich weise sie darauf hin, dass es sich bei mir um einen Kollegen handelt, und sie nimmt an, dass ich ebenfalls in der Hotelbranche tätig bin. Ich antworte mit einem Seufzer und wiederhole, dass die ganze Stadt - was rede ich - die ganze Welt wisse, dass Peter Altenberg in diesem Hotel wohne. ( … ) Ich verheimliche nicht länger, dass ich sogar weiß, welches Zimmer Peter Altenberg bewohnt: Nr. 51 im 5. Stock.

Die dreiste junge Frau will mir weismachen, dass das Grabenhotel gar nicht über so viele Zimmer verfüge und der von mir gesuchte Herr - sie sagt tatsächlich der gesuchte Herr - daher unmöglich ein Zimmer 51 bewohnen könne. Offenbar folgt sie strikten Anweisungen. Ich bedanke mich höflich, als hätte ich meinen Irrtum eingesehen, und wende mich dem Stiegenaufgang zu, der zu den Zimmern führt. Mein Name mag auf keiner Liste aufscheinen, Peter Altenberg wird mich nichtsdestotrotz empfangen. Schließlich kenne ich intime Details seiner Lebenssituation und seiner Körperpflege.

Die Frau hat inzwischen ihr Rezeptionspult verlassen und stellt sich mir in den Weg. Einen Moment lang sieht es so aus, als müsste ich sie mit Gewalt beiseite räumen. Ehe mir das gelingt, kommt ein stattlich gekleideter Herr die Treppe herunter. ( … ) Zu meiner Überraschung wendet sich die Rezeptionistin mit meinem Anliegen an den unvermutet aufgetauchten Mann, als handle es sich bei ihm um einen von irgendwo oben herabgestiegenen Richter. Ich bin damit einverstanden, ihn als Unparteiischen zu akzeptieren, und erkläre, dass ich nichts weiter wolle, als Peter Altenberg auf Zimmer 51 zu besuchen. Der kompetent wirkende Mann sieht mich eindringlich an und bedeutet der ahnungslosen Angestellten, sich wieder an die Rezeption zu begeben. Er scheint begriffen zu haben, worum es mir geht, ich glaube sogar, dass er den Schriftsteller in mir erkennt. Verständnisvoll legt er einen Arm um meine Schulter und - man könnte fast sagen: geleitet mich behutsam zum Ausgang. ( … )

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UND ES DREHT SICH DOCH NOCH : LINKES WORT @ VOLKSSTIMMEFEST

czz-neuesvonfreundenMan wird dem traditionellen Volksstimmefest der KPÖ am letzten Augustwochenende im Wiener Prater und im Kontext des akuten Wahlkampfes eine gewisse Chuzpe nicht absprechen dürfen : Wenn’s nicht ( wie oft schon ) regnet , könnte die musikalische Stimmung zwischen dem unverwüstlichen Guitarrero Harri Stoijka und den Linzer Rappern “texta” recht nett werden . Dazu gibt es unter dem Titel “Linkes Wort” ( seit 1975 ! ) eine Reihe von Lesungen , welche diesjahr anhand der historischen Marker “1918 - 1938 - 1968″ aus dem “Bilanzbuch des 20. Jahrhunderts” erzählen . On stage u. a. : Werkkreis Literatur der Arbeitswelt , Gerhard Ruiss , Helmut Rizy und Rolf Schwendter . Detailprogramm und Hintergründe erschliesst die Seite “LINKES WORT” .

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KLANGAPPARAT

Langer Text , langer Abgesang : Heute mit Sascha Müllers ( MySpace ) Juni- Mix für Loopzilla , trefflich unter dem Titel “1 IST 2 UND 2 IST czz-hoerempfehlungSCHRAEG” rubriziert : Eine Stunde , acht Minuten , zwölf Sekunden lang aparte Mnipatterns á discretion : Besondere Beachtung verdient die so kurz wie herrlich schräg hereindrängende Querflöte bei Laufzeit 41:20 . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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Audio aktuell : Auf- und Ausbruchsversuche



||| UTOPIEN - ( K ) EINE PRIVATSACHE ? | ERINNERUNG - ALTER - VERSCHWINDEN | TALKING ‘BOUT MY GENERATION : BEATS IM MIX | LINKS | RELARED | KLANGAPPARAT

icon listening whiteEin paar Nachträge zur akustisch publizierten Frühjahrsernte , bevor Ho ( r ) ch- Sommer , Vers- druss und ( - Drusch ) sowie die heranreifenden Herbst- Spezialitäten das eben noch Frische in die Regale des ver- Gessenen jagen .

Obwohl wir uns in|ad|ae|qu|at weiter weigern wollen würden , auf das minder beleumundete Wort des “Hörbuchs” zurückzugreifen , kommen wir gegen die Masse einer so genannten “Warengruppe” nicht an .

Die ausschliesslich auf CD veröffentlichte Live- Erzählung des Peter Kurzeck leistet dabei für das Gemeinverständnis genuin auditiver Literatur womöglich mehr als zehn Jahre aufwendig vorbereiteter , produzierter und auch vor Live- Publikum vorgeführter “Literatur als Radiokunst” . Tant mieux .

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UTOPIEN - ( K ) EINE PRIVATSACHE ?

icon listening blackVom Schreiten der Utopien gescheiterten handeln - je auf seine Weise und jeder von einem anderen Perspekivpunkt auf der Skala zwischen dem Intimen und dem Gesellschaftlichen aus - Lars Gustafssons früher Roman “Wollsachen” ( in einem feinen Hörspiel des SWR | edition parlando ) sowie Urs Widmers duale Verabschiedungen der Eltern : Da der stimmlich versatile Autor selbst spricht , kommen alle Nuancen der diversen Befremdlichkeiten im scheinbar leichten schweizer Singsang ambivalent zu Geltung .

Allerdings sei - wer etwa Widmer Shakespeare - Nacherzählungen nicht kennt - hinsichtlich akustisch atemberaubender Energieschübe bereits an dieser Stelle zart vorgewarnt ( Diogenes ) .

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ERINNERUNG - ALTER - VERSCHWINDEN

icon listening whiteDass Ruth Klügers epochale Erzählung über in Kindheit verschiedenen KZs weit über diese Opfergeschichte hinausreicht , sondern zudem von einer höchst problematischen Muter- Tochter- Beziehung handelt , wird manchem , auf “Themem” fokussierten Leser leicht entgangen sein . Grund genug , das Buch und eine während der achtziger Jahre eingespielten und im Medium der Tonkassette weit hinter Zeit und usability zurückgefallene Lesung jetzt endlich auf einer MP3- CD zugänglich zu machen ( Wallstein ) .

Von ähnlichem Trotz gegen den unabwendbaren Gang der Verhältnisse ist die stets originelle Literaturwissenschafterin Silvia Bovenschen erfüllt : Mit ihrem Bestseller “Älter werden” erlaubt die exquisite Stilistin erstmals diskrete Blicke ins Private , ohne sich dabei preiszugeben . Auf ihre eindrucksvolle Stimme hat Bovenschen für den tückischen Erzählkranz “Verschwunden” aus nahe liegenden Gründen verzichtet , was der Wirkung der sich narrativ immer enger zuziehenden Schlinge allerdings nicht den geringsten Abbruch tut ( tacheles | roof music ) .

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TALKING ‘BOUT MY GENERATION : BEATS IM MIX

icon listening blackDie verdienstvolle Co- Edition von Prit und CD bleibt indes nicht dem Wallstein- Verlag mit der Re- Edition von “weiter leben” vorbehalten . Der Junge Verlag Voland & Quist hat sich Publikationsform ( ähnlich wie onomato ) geradezu zum Prinzip erhoben : Wir haben uns diesmal den rasanten kroatischen Erzähler Edo Popovic ausgesucht - kongenial übertragen von Alida Bremer - sowie die Lyrikerin Lydia Daher , welche hoch professionell sowohl das Print- als auch das akustische Medium bespielt .

Aus Herbert Kapfers Werks und Forschungsstätte “Literatur und Medienkunst” gehen gleich zwei BR- Produktionen des Schriftstellers , Popkultur- Theoretikers und Musikers ( FSK ) Thomas Meinecke hervor , beide male unter beat- mächtiger Unterstützung des Producers , DJs und Musikers David Moufang ( ala Move D ) . Von der basalen Arbeit am Laut ( ““übersetzungen | translations” ) bis hin zu einer narrativ- diskursiven Reflexion über das ( Gender- ) Wesen der w | m “flugbegleiter ” : Linguistik als tanzbares Mantra ( BR | intermedium ) .

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POST STRCITRUM , 7. 7. 23:53

Alle Jahre wider tagt in München das sog AUDItorium , eine von der Akademie des Deutschen Buchandels , des AK Hörbuchverlage sowie einem potenten Sponsor ausgerichtete Tagung im Münchner Literaturhaus . Im Unterschied zum vorigen Jahr , wo die Ankündigung de Generalthemas noch weit blumiger formuliert war und das proklamierte ““Comeback des Hörens” bzw. dessen “Renaissance” den Konferenzfokus auf den Themenbereich zu “Neuen Marketing- und Vertriebskonzepten für Hörmedien” schob , gibt sich das 4. AUDItorium inzwischen deutlich pragmatischer : “Qualität um jeden Preis ? - Produkt- und Pricingstrategien für den Hörmedienmarkt der Zukunft” lässt diesmal weniger heisse Marketing- Luft vom Stapel , sondern befasst sich “down to earth” mit den Kriterien und Handabungen handwerklicher Qualität .

Kein Wunder , kann doch nur ein Bruchteil der täglichen “Hörbuch”- Ware dem alten Kriterium der ( radiophonen ) “Sendefähigkeit” genügen und ist die Wachstumsrate der “Warengruppe Hörbuch” im Jahr 2007 mit nur 2,6 Prozent erstmals deutlich aus bisher zweistelligen Höhen ( 2006 : 17,4 Prozent , 2005 : 14,1 Prozent ) auf einen kargen Wert abgesunken .

Dafür hat man den im vorigen Jahr unübersehbaren Privatsponsor ( Sat- Sender und Discount- Hörbuch- Vermarkter Radioropa ) der nach wie vor kostenprfkchtigen Veranstaltung diesjahrs ( à 690.-) so keusch vesteckt , dass sich DIE ZEIT als Geldgeber erst über drite Quellen ermitteln lässt .

Ob hier ein Zusammengang mit dem von Florian Illies vor Die ZEIT konzipierten vierjährlichen glossy Literaturmagazin besteht, angetreten , um dem LITERATUREN sas Wasser abzugraben , bleibe vorerst dahingestellt .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Dass jeder Moment augenblicklich seine Vergangenheit generiert , manifestiert sich in den unmittelbaren reverses , welche der Ire Jimmy czz-hoerempfehlung Behan ( MySpace | Discogs ) seinen musikalischen Motiven einmontiert : Ihrerseits lautliche Manifestation , werden auch Rück- Spiegelmelodien , Echos und fades wiederum von der Furien des Verrschwindens erfasst und so versickern die a priori minimal gesetzten Ton- Konstellationen allmählich ins Jenseits des Hörbaren : Die beim Netlabel Zymogen erschienene EP “The Sudden Distance” gibt eine konsequent ins Werk gesetzte Studie des Erinnerns , die - obzwar minimalistisch angelegt - gleichwohl mit maximal klanglicher Grazie bezaubert . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Box of Broken Things | 02. Embers | 03. Cathedral | 04. Downpour | 05. From a Height |||

radio | on air on line on site



||| Time for some Sunday Late Night Art Radio Show Propaganda :

LITERATUR ALS RADIOKUNST / Summer Edition , ORF_1_ Kunstradio , Sunday , 1. 6. 2008 , 11.03 pm - 11.45 pm [ via UKW , via live- stream Oe1 , webcast KUNSTRADIO , Dolby Digital Surround ( 5.1. ) via OE1DD ]

ÜBERSETZUNG - ÜBERTRAGUNG

czz icon kunst radio brunDem dem fundamentalen Thema der Übertragung eines geschriebenen Textes ins auditive Medium wenden sowohl die namhafte deutsche Lyrikerin MONIKA RINCK als auch der bislang als der in Wien lebende ( Hörspiel- ) Autor und Literaturwissenschafter MICHAEL HAMMERSCHMID zu . Beide , die Dichterin und Literaturwissenschafter , haben bisher an anspruchsvollen Übersetzungen gerabeitet .

In der Literatur gebraucht man dafür allerdings eher das Wort von der “literarischen Übertragung” , wobei wir bereits mitten im Thema sind . Nämlich : Wie kann ich einen auf Papier nieder geschrieben Text adaequat ins akustische Medium übertragen ? - Wie kriege ich die Vieldeutigkeit der poetischen Rede gleichsam ins Radio hinein und wie wirkt sich dies wiederum auf die Hörenden dort draussen aus ? |||

AM APPARAT

Zunächst aber zitieren wir MONIKA RINCK , die sich am Telefon meldet und dabei die leicht antiquierte Formal “Am Apparat - ” gebraucht . Es gibt , erklärt die 1969 Geborene , heute in Berlin lebende und eben mit dem Heimrad- Bächer- Förerungspreis ausgezeichnete Dichterin , keinen Ausweg aus der universalen Apparatur .

Sei es der Telefonapparat , sei es der von Freud beschriebene psychische Apparat , sei es der Staatsapparat : Allesamt sind diese Apparate quasi “Maschinen” , die etwas prozessieren , verändern , weiterleiten , umleiten . Und das gilt für den Radio- Apparat nicht weniger als für den Entsafter , neben dem das Küchenradio steht , aus welchem einsame Stimmen in’s traute Heim sickern . |||

BLACK BOX & GEISTERSTIMMEN

czz icon kunst radio brunNicht zuletzt ist eben auch der Sprech- Akt eine Art von Apparat und nie können wir wissen , ob bei unserem Gegenüber auch tatsächlich herauskommt , was wir an Gefühlen und Wünschen in diese “black box” hineingelegt haben . Um diese Missverstädnisse, Fehlinterpretationen und Projektionen zu illustrieren , hat MONIKA RINCK den Telefonapparat als Metapher gewählt . Beziehungsweise das Handy , welches ubiquitär unseren ambulanten Alltag prägt : Was geschieht , fragt sie , mit all diesen nie angenommen oder unterbrochenen Gesprächen : sind sie es , die sich als Geisterstimmen per Radioapparat endlich Gehör und Erlösung verschaffen ? |||

IDEAL IM INNEREN OHR

Mit dem Übertragen von Schrift in Klang hat der 1972 geborene Literaturwissenschafter , Übersetzer und Hörspielautor MICHAEL HAMMERSCHMID bereits vielerlei Erfahrungen gesammelt . Vier Hörspiele wurden vom ORF aus Hammerschmids Textenvorlagen realisiert , dazu kamen zwei “freie” Produktionen . Und es ist ihm wie ( fast ) jedem Hörspielautor gegangen : Das , was schliesslich aus dem Radio drang , klang ganz anders als er es beim Schreiben dem Inneren Ohr vorschwebte . - Grund genug , es selbst auszuprobieren . Und zwar in Eigenregie . Und mit der eigenen Stimme . Denn auch diese ist ja ein eigensinniger Apparat , welcher sich nicht immer unserem Wollen und Wünschen fügt . |||

PREKÄRES PENDELN : PERSONEN & GENRES

czz icon kunst radio brunIm Experimentieren , im Entdecken und Wieder- Verwerfen fand sich schliesslich der richtige Ton , die geeignete Form , um sich sensibel anzunähern an das prekäre Setting von Hammerschmids Text : Ein minmaler Dialog pendelt sachte zwischen zwei Figuren , die recht eigentlich auch zwei Teil- Ichs einer einzigen Person sein könnten .

Mal keck und schlagfertig , dann wieder lyrisch oder gar in Form kleiner monologischer Essays : Mit Absicht bleibt es unentschieden , Wer es ist , der da eben spricht . Es ist just diese minimale Textur , gewebt aus diskret differenten Gepsrächsresten und -Themen , um welche es MICHAEL HAMMERSCHMID in seinem Hör- STÜCK geht : “ENDE GUT , ALLES GUT” ist eben dezidiert “Kein Hörspiel” .

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KLANGAPPARAT

Auf polymorphe Sound- Explorationen vorbereiten sollte sich wohl , wer sich in die “Regional” Zone des Sound Designers Tinitus aka Andres Nudelman ( Montevideo ) begibt . Versponnene melodische Fäden nähen czz hörempfehlungsich durch pastose Flächen und irgend wie weiss man nicht , wem das so entstehende Klangmäntelchen letztlich passen wird : Wir plädieren für’s Bucklicht Männlein” im Benjamin’schen Sinn . Fragil und Atari- kindlich , vermag es doch recht herrisch mit dem Taktfuss zu stampfen , wobei allerdings manches Krüglein überkommener Songformen und musikalischer Erzählverläufe zu Bruche geht . Echt eigen , was das Netlabel Phonocake da serviert . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. El beat de la contemplacion , el mate ( 4:00 ) | 02. Sushi de Pollo ( Chicken Sushi ) ( 3:35 ) | 03. Atardecer y enderezar ( 4:12 ) | 04. Ping Pong Andino ( 4:05 ) | 05. Astronautines ( to Ardilla Cereza ) (5:11 ) | 06. Quelonio ! ( 2:30 ) |||