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Alte Schmiede : 3 Aufrufe - 3 Repliken



||| I. VIELE FRAGEN - KAUM DISKURS | II. BRIEF , BLOG , PRESSE | III. IG AUTOREN AUTORINNEN | IV. GAV | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

I. VIELE FRAGEN - KAUM DISKURS

Alte Schmiede Was tunInstitutionen und Privatpersonen , Mitarbeiter und Gestalter , Musiker und Autoren : sie alle wollen wissen , wie es nach dem Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 um die künftigen Geschicke der “Alten Schmiede” steht . Mit dem seit über 30 Jahen im Haus Numero Neun situierten “Literaischen Quartier” ( 30 Jahre ) und der “Musikwerkstatt” ( 30 Jahre ) steht freilich nicht nur ein pittoreskes Ambiente auf dem Spiel , sondern das zunehmend rar werdende kulturpolitische Anliegen langfristiger Förderung neuer Kunst im Entstehen sowie im Verstehen seitens des Publikums . Die entsprechende Formulierung der Trägerorganisation “Kunstverein Wien” lautet wie folgt :

Der Kunstverein Wien wurde im Jahr 1972 gegründet und hat gem. § 2 der geltenden Statuten den gemeinnützigen Zweck, Kunst und Künstler sowie das Verständnis für diese zu fördern. Seine Tätigkeit ist nicht auf Gewinn gerichtet.

Langfristige Planung , Offenheit für Unkonventionelles sowie “realistische” Honorare für künstlerische und kulturvermittelnde Leistungen haben die “Alte Schmiede” zu einer für viele Kunst- und Kulturschaffende buchstäblich lebensnotwendigen Institution gemacht . Entsprechend gross ist die Aufregung über eine mögliche Gefährdung von Bestand und Betrieb der “Alten Schmiede” .

Es ist bemerkenswert , dass - seit die Nachricht um einen möglichen Verkauf des Hauses kursiert ( 17. Mai , Der Standard ) - kein nennenswerter Diskurs über das Thema entwickeln will : Dabei geht es um nichts weniger als um die Frage , inwieweit sich die Kulturadministration der Stadt Wien zu Zeiten der Event- und Spektakelkultur zum kulturpolitischen Wert von “Bildung , Partizipation und Entwicklung” bekennt , in deren Geist der “Kunstverein” gegründet worden ist .

Statt statt klar beantworteter Fragen gibt es Protestnoten und unverbindliche Repliken . So brauchte es zehn Tage bis der zuständige Stadtrat auf die dringlichen Fragen seitens der “IG Autorinnen Autoren” sowie der “GAV ” reagierte . Drei Beispiele für “die nicht gegebene Antwort” werden im Folgenden dokumentiert .

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II. BRIEF , BLOG , PRESSE

Alte Schmiede Was tunAm 27. 5. ging ein Mail- Rundschreiben von Seiten des Vorstandes des “Kunstvereins Wien” zur “Information und Erklärung zur Situation der Alten Schmiede” an viele Autorinnen und Journalisten . Unter der dezidierten Erklärung ,

dass sich der Kunstverein weiterhin mit Nachdruck um eine gedeihliche Lösung der entstandenen problematischen Situation bemühen wird, damit der in seinen Satzungen festgelegten Aufgabe, diesen ‘Mittel und Einrichtungen zur Ausübung, Vervollkommnung ihrer schöpferischen Kapazität zur Verfügung zu stellen’, verantwortungsvoll nachgekommen werden kann ,

wurden die Fakten wie folgt dargelegt :

Seit kurzer Zeit hat die Wiener Städtische Versicherung, ihr Generaldirektor Dr. Günter Geyer war 12 Jahre Präsident des Kunstvereins Wien und zeigt sich in der Angelegenheit persönlich engagiert, bekannt gegeben, das Gebäude Schönlaterngasse 9 verkaufen zu wollen.

Trotz mehrfacher Bemühung seitens des Kunstvereins hat eine gemeinsame Problemberatung von Hauseigentümerschaft, Kulturabteilung der Stadt Wien, auf deren Initiative der Kunstverein 1969 gegründet und 1975 in der Alten Schmiede etabliert worden war, und dem Kunstverein Wien bislang nicht stattgefunden.

In spontaner Reaktion verfasste der Wiener Autor Michael Hammerschmid ein flammendes Plädoyer für die “Alte Schmiede als Bleibe” , welches den historischen , symbolischen und gesellschaftlichen Raum der Institution plastisch umschrieb . Ungeachtet dessen , dass die Immobilie inzwischen tatsächlich in neue Eigentümerschaft übergegangen war , publizierte Hammerschmid seinen Essay am 30. 5. auf in|ad|ae|qu|at . Per Brief ging der Text auch direkt an die Wiener Städtische Versicherung . Voriges Wochenende wurde das Plädoyer : Für die Alte Schmiede als Bleibe von der Tageszeitung “Die Presse” abgedruckt .

Dem in Form eines offenen Briefes formulierten Essay fügte die Netz- Redaktion den Hinweis auf die “Antwort von Dr. Günter Geyer, Vorstandsvorsitzender der Wiener Städtischen Versicherung” hinzu . Zu dumm nur : Der Link führte den ganzen Samstag und Sonntag lang ins Nichts . Online also : keine Antwort .

Alte Schmiede Günter Geyer Vorstandsvorsitzender der Wiener Städtischen Versicherung ( click to XL )

Sehr wohl online ist dahingegen ein Interview mit Günter Geyer über Expansionspläne der Wiener Städtischen im Montags- “Standard” .

Edit : Montag wurde schliesslich auch der defekte Link der “Presse” zur Replik von Dr. Günter Geyer , dem Vorstandsvorsitzenden der Wiener Städtischen Versicherung , “repariert” . Im Volltext :

Sehr geehrter Herr Dr. Hammerschmid!

Herzlichen Dank für Ihr Schreiben, dass Sie mir per E-Mail am 30. Mai übermittelt haben. Aus Ihren Zeilen wird deutlich, dass Sie sich um die Zukunft der Alten Schmiede große Sorgen machen und einen Appell an uns richten, von einem Verkauf des Hauses in der Schönlaterngasse Nr. 9 abzusehen.
Der Verkauf des Hauses Schönlaterngasse Nr. 9 ist eine unternehmenspolitisch notwendige Entscheidung. Die Immobilienpolitik der Wiener Städtischen Versicherung AG Vienna Insurance Group hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Wir investieren heute in größere Objekte, Zinshäuser oder Immobilienfonds. Mit dem Kunstverein Wien besteht ein aufrechter Mietvertrag, der vom neuen Eigentümer übernommen werden muss.
Die Wiener Städtische ist bereits seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Förderin von Kultur und Kunst. Dies ist integraler Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie und –kultur. Dabei stellen wir den Gedanken an den Nutzen für eine möglichst breite Allgemeinheit in den Mittelpunkt unserer kulturellen Aktivitäten, für die wir bereits vielfach ausgezeichnet worden sind. Aktuell unterstützen wir seit Jahren die artothek der Alten Schmiede – im Sinne unserer Förderung der zeitgenössischen Bildenden Kunst in der Österreich. Auf dem Gebiet der Literatur engagieren wir uns seit Jahren für Projekte zur Lese- und Schreibförderung der heimischen Jugend.
Ich selbst war vor einigen Jahren Mitglied im Vorstand des Kunstverein Wien und weiß daher sehr gut, welchen Beitrag der Kunstverein Wien in der Vermittlung von Kunst und Kultur leistet. Ich bin zuversichtlich, dass für die Zukunft des Kunstverein Wien eine konstruktive Lösung gefunden werden kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Günter Geyer
(Vorstandsvorsitzender Wiener Städtische Versicherung AG)

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III. IG AUTOREN AUTORINNEN

Alte Schmiede Was tunAuch die “IG Autorinnen Autoren” hat auf die Nachricht vom ( möglichen | erfolgten ) Verkauf des Hauses reagiert . Zum einen mit der Aktion “1.000 Stimmen für die Alte Schmiede” , zum andern mit den expliziten Äusserungen des Geschäftsführers Gerhard Ruiss , den “katastrophalen Zustand der Wiener Literaturförderung ganz allgemein offensiv thematisieren” zu wollen ( Der Standard online , 2. 6. 2008 ) .

Die Aktion läuft , eine öffentlich “offensive Thematisierung” der Wiener Literaturförderung ist dahingegen ausgeblieben . Mit Ausnahme der Debatte im Gemeinderat der Stadt Wien ( 4. 6. ) , wo Marco Schreuder ( Die Grünen ) den Antrag einbrachte , die Stadt Wien - in Person des Kulturstadtrates Andreas Mailath-Pokorny - solle “sofortige Verhandlungen” aufnehmen , “um die Zukunft der Alten Schmiede zu sichern” . Dieser Antrag wurde “mit der Zustimmung aller Fraktionen angenommen” .

Andreas Mailath-Pokornys Replik auf die Aktion und Äusserungen der “IG- Autorinnen Autoren” wurde in der Samstagsausgabe des “Standard” ( 7. 6. ) wie folgt paraphrasiert :

Kulturstadtrat Mailath-Pokorny sicherte postalisch wiederum seine Gesprächsbereitschaft mit allen beteiligten Parteien zu.

Genau 21 Tage nach der ersten Meldung zur “ungewissen Zukunft” der Institution : Eine Replik , aber keine Antwort .

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IV. GAV

Auch die “Grazer Autorinnen Autorenversammlung” ( GAV ) hat sich mit einer Bekundung der Besorgnis an Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gewandt . Zehn Tage später erfolgte eine Replik . Mit dem ausdrücklichen Einverständnis der GAV- Geschäftsführung dokumentieren wir im Folgenden den Wortlaut beider Schreiben . Zunächst die Anfrage der “Grazer Autorinnen Autorenversammlung” vom 20. Mai 2008 :

Sehr geehrter Herr Stadtrat,

mit großem Befremden haben wir gelesen, dass die Alte Schmiede als Ort der Literatur bedroht sei. Wir möchten hiermit, im Namen unserer Mitglieder, als die größte Autorinnen/Autorenvereinigung unter dem Dach der IG, hiermit unserer Besorgnis Ausdruck verleihen: Dieser Ort darf nicht verlorengehen. Es ist ein Ort der Begegnung, der Erfahrung, der Möglichkeiten. Zahlreiche Mitglieder unseres Vereins haben im Literarischen Quartier / Alte Schmiede nicht einfach nur Lesungen bestritten, sondern, in bester Zusammenarbeit mit Kurt Neumann, waren Projekte möglich, die es so nie hätte geben können: Symposien, Autorenmonate, usw. Es ist dies ein Ort von besonderem Wert, der dem Austausch unter den Schreibenden ein ganz besonderes Podium bietet und hoffentlich noch weiterhin bieten wird. Die neu hinzugekommene Galerie der Literaturzeitschriften setzt dies auf ganz besondere Art und Weise fort. Das Literarische Quartier soll eines bleiben: Quartier.
Und mit Kurt Neumann. Und dank Kurt Neumann.

gezeichnet: Christine Huber, Gerhard Jaschke.
(Geschäftsführung; im Namen zahlreicher Mitglieder der GAV)

Replik von Andreas Mailath-Pokorny ( Amtsführender Stadtrat für Kultur und Wissenschaft von Wien ) vom 30. Mai 2008 :

Sehr geehrte Frau Huber!
Sehr geehrter Herr Jaschke!

Ich bestätige den Erhalt Ihres Briefes vom 20. Mai 2008 und danke für Ihr Engagement in Sachen Alte Schmiede. Ich teile Ihre Ein- und Wertschätzung dieses Hauses und bin mit Ihnen einer Meinung über die Bedeutung des dort Gebotenen und Geleisteten. Deshalb gibt es ja keinerlei Zweifel an der Fortsetzung der Unterstützung für die Alte Schmiede. Aufgrund der gültigen Mietverträge gibt es auch keinen Anlass, die Existenz der Alten Schmiede als gefährdet anzusehen.

Was hingegen die Aus- und Umbaupläne betrifft, hat sich die Stadt gesprächsbereit gezeigt, diese sind jedoch in der Tat mit dem neuen Eigentümer abzuklären, ehe darüber befunden werden kann. Ich sehe daher weder die Existenz der Alten Schmiede, noch deren Zukunft gefährdet, sondern diese durchaus hoffnungsfroh.

Mit Dank und freundlichen Grüßen,
gezeichnet Andreas Mailath-Pokorny.

Zehn Tage nach dem brieflichen Ausdruck von “Besorgnis” seitens der GAV : Ein Papier , aber keine Antwort .

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KLANGAPPARAT

Dass in|an|ae|qu|at seine besondere Vorliebe für das Netlabel broque bei jeder sich bietenden Gelegenheit verkündet , wird dem geneigten , ja gar manch zufälligem Leser bereits aufgefallen sein . Die Eigenwilligkeit der Tunes , die Der Werte Herr Christian regelmässig aus dem Kosmos möglicher Töne herauszupft , mag dabei ebenso mitspielen wie gewisse Konkordanzen hinsichtlich der Auffassung des elektronischen Lebens . Jetzt , da wir eben unser Ränzlein schnüren , um auf Reisen zu gehen , meldet broque seine Übersiedelung … wenn wir recht informiert sind , dann geschieht czz hörempfehlungdies leider doch nicht , wie einmal erwogen , Richtung Wien . Als vorläufige Abschiedsgabe vor der Resettlement- und Sommer- Pause gibt es nicht nur die mittlerweile 12. Echtvinyl- LP , Good Guy Mikesh & Filburt : “Hypnopoint” , sondern auch eine frische EP ( # 43 ! ) als Damen- und Herrenspende . Getroffen und gefunden wurde der Musiker und Grafiker Ricardo Mestre aka Pseudónimo in Pessoas Lissabon und mit ihm ein musikalischer Mikrokosmos entdeckt , welcher dem genius loci ebenso wenig schuldig bleibt wie den mitunter melancholischen Vorlieben des Labels . Sensitiv elegisch , reduziert auf wenige Harmonien , brennt da ein starkes Licht auf kleiner Flamme : Das Artifizielle ebenso offensiv herausstellend wie die vermeintliche Simplizität , navigieren die fünf Tracks von “Terra Firma” in einer unbesehenen Zwischenwelt , von wo sie sichere psychoakustische Wirkungen mitbringen . Diskrete Eleganz . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. terra firme | 02. outside | 03. a rosy wisp of cloud | 04. no quarto dos pais ( interlúdio ) + tormenta | 05. estória dos dias curtos |||

Gemeinderat Wien | Grüne Wien : Zukunft der Alten Schmiede sichern !



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GEMEINDERAT WIEN | VOR DER DEBATTE

APA , 4. 6. 2008 , 12:30

Grüne Wien : Zukunft der Alten Schmiede sichern !
Schreuder bringt Antrag im heutigen Gemeinderat ein

Alte Schmiede Was tunWien (OTS) - Die älteste kommunale Literatur-Institution Wiens, die Alte Schmiede, ist mit einem Eigentümerwechsel ihrer Heimstätte konfrontiert. Das Haus in der Schönlaterngasse 9 wurde - für die dort ansässigen Kultur-Institutionen völlig überraschend - von der Wiener Städtischen Versicherung an einen Privatbesitzer verkauft. Dies betrifft auch die Büro- und Veranstaltungsräume des Kunstvereins Wien, das Literarische Quartier und die Musikwerkstatt.

Grün-Gemeinderat Marco Schreuder wird daher heute im Gemeinderat einen Antrag einbringen: “Damit die künstlerische Arbeit in den Bereichen Literatur und Musik weitergehen kann, sind räumliche Anpassungen nötig. Um die Zukunftsperspektive der im deutschsprachigen Raum einzigartigen Institution abzusichern ist die Hilfe der Stadt Wien notwendig.”

Schreuder fordert in den Antrag Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny auf, sofortige Verhandlungen aufzunehmen, um die Zukunft der Alten Schmiede zu sichern: “Die Alte Schmiede ist ein unverzichtbarer Bestandteil nicht nur der Wiener, sondern auch der österreichischen und der internationalen Literatur. Es liegt an der Kulturpolitik, ihr eine Zukunft zu garantieren”, so Schreuder abschliessend.

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GEMEINDERAT WIEN | NACH DER DEBATTE

APA , 4. 6. 2008 , 14:47

Wiener Gemeinderat

Alte Schmiede Was tunWien (OTS) - GR Marco Schreuder (Grüne) meinte, dass es der SPÖ nur darum gehe, sich gegenseitig “Jobs zuzuschanzen”. Die Szene Wien sei eine kulturpolitische Frage, aber für die SPÖ sei es eine Machtfrage. Darüber hinaus mache er sich Sorgen um die “Alte Schmiede”, da diese einen neuen Privatbesitzer hätte. Die Alte Schmiede wäre eine einzigartige Kulturinstitution und gehöre geschützt. Er brachte einen dementsprechenden Antrag ein.

Abstimmung: Mehrstimmig angenommen. Der Antrag der Grünen ebenfalls mit der Zustimmung aller Fraktionen angenommen.

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KLANGAPPARAT

Ohne offensiven Krach , viel eher sanft und elegisch erinnert sich DJ Gerald ( MySpace ) an seine Heimatstadt , wo er während des Kriegesczz hörempfehlung aufwuchs . Muss man “Krieg” wirklich mit Pauken , Posaunen und Donnerblech evozieren , um glaubwürdig zu tönen ? - Die beim Feinkosthändler unter den Netlabels , arteque , erschienene EP “Beirut” lässt jedes Klischee vermissen : In Melodik und Takt subtil arrangierte Electronica- Piècen werfen mehr Fragen auf , als sie beantworten . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. beirut | 02. simyra | 03. bireme ( la!nes & ruben dominguez re-production ) | 04. bireme |||

Für die Alte Schmiede als Bleibe - Ein Plädoyer von Michael Hammerschmid



||| Gastbeitrag von Michael Hammerschmid

Die Wiener Städtische Versicherung möchte ein altes Haus im Ersten Bezirk, in der Schönlaterngasse 9 verkaufen. Es ist die sogenannte “Alte Schmiede“.

EIN EXPANDIERENDES UNTERNEHMEN

Alte Schmiede Was tunDie Wiener Städtische Versicherung ist ein stolzes Unternehmen. Es expandiert in den Osten, findet neue Partner und vergrößert seine Kundschaft, die ihr vertrauen. Wie jedem Unternehmen, das floriert und für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgt und sich als stabilisierender Faktor in einer Gesellschaft positioniert, gebührt ihm dieser Stolz. Nicht zuletzt, wenn so ein Unternehmen Verantwortung für unsere Gesellschaft übernimmt, indem sie ihre Aufgabe darin sieht, mit allem, womit es zu tun hat und wofür es Verantwortung übernommen hat, auch sorgsam umzugehen. Und so für das, was in und um dieses Unternehmen wächst, möglichst große Sicherheit bietet.

Der Verkauf, ein grundsätzlich legitimer Vorgang, kommt im konkreten Fall jedoch einer Zerstörung gleich mehrerer sozialer Gefüge gleich, die in dem Haus beherbergt sind und die vom Kunstverein Wien als Musikwerkstatt und als Literarisches Quartier geleitet werden. Warum die Stadt und die Autorinnen und Autoren nicht nur dieser Stadt dieses Haus und diesen Ort dringend brauchen, und weshalb ich die Verantwortlichen in Politik und in der Wiener Städtischen dazu aufordern möchte, einer gleichgültigen und sorglosen Beseitigung dieses weitverzweigten Gewächses zu wehren, möchte ich hier erläutern.

EIN NACHHALTIGES HAUS

Seit nunmehr 31 Jahren hat Kurt Neumann, der Leiter der Alten Schmiede, dieses Haus nicht nur zu einem der geliebtesten literarischen Veranstaltungshäuser gemacht, sondern auch zu einem der lebendigsten und produktivsten. Es ist schier als ein unvergleichliches Ereignis zu bezeichnen, dass dies über so viele Jahre möglich ist und nicht zuletzt seinem Leiter und seinen engagierten Mitarbeiterinnen zu danken. Dabei ist diese Alte Schmiede vor allem eines: ein unscheinbarer Ort, der unterhalb der Oberfläche der Vermarktungsphantasmen wirkt und nachhaltig wirkt, wie man das so gerne in der Politik von etwaigen Maßnahmen behauptet. Die Alte Schmiede ist ein Beispiel für Nachhaltigkeit. Ihre Arbeit ist nahezu gleichzusetzen mit Nachhaltigkeit. Die darüber hinaus eine allen Menschen, allen Bürgerinnen und Bürgern offene Arbeit mit Literatur ist, die von Seiten der Autorinnen und Autoren, von Seiten der Besucherinnen und Besucher, von Seiten der Wissenschaften kontinuierlich geleistet wird. Es ist also eine Arbeit für und von Professionellen und von Laien. Und die Alte Schmiede somit beides, populär und elitär, extensiv und intensiv. So dass sie zum Inbegriff dessen werden konnte, was sich Universitäten und anderen Institutionen gerne auf ihre Fahnen heften, ohne so leicht die ihnen eingeschriebenen Schwellen zu überwinden.

LITERATUR LOKAL | INTERNATIONAL

Alte Schmiede Was tunVor allem ist die Alte Schmiede dabei tief verbunden mit dem lokalen Literaturleben. Jeder Autor, jede Autorin kennt die Alte Schmiede und liest hier gerne, weil er sich an diesem Ort vor Nachlässigkeit und Ignoranz, vor jeder Art der Ungenauigkeit im zwischenmenschlichen und professionellen Umgang bewahrt weiß. Denn die Alte Schmiede und ihr Kurt Neumann liest eben auch die Werke, die hier zur Geltung kommen sollen, die hier besprochen, diskutiert werden, und die Konzepte der Veranstaltungen sind dieser Grundhaltung entsprechend konzise, überlegt und gemeinschaftlich besprochen. Und in ihrer Feinmechanik auf die verschiedenen Faktoren abgestimmt, auf Raum, persönliche Lebensumstände, auf intellektuelle Profile und künstlerischen Eigensinn. Die Vereinbarungen sind klar und verbindlich. Die Bezahlung ist ehrlich und autor(innen)orientiert.

Denn im Fokus der Alte Schmiede steht die Arbeit, der Text, die Sprache, die Autorinnen und Autoren, das Gemeinschaftliche, das Forschen, die Neugier. Die Alte Schmiede ist somit zu einem Ort der literarischen und nicht nur der literarischen Sozialisation für viele Menschen geworden. Man könnte sie als eine Art geheime und gleichzeitig offene Universität oder allgemeiner Bildungsinstitution bezeichnen, genauso wie als einen Abendtisch der Literatur, an dem sich Menschen und Literaturinteressierte einfach austauschen. Als ein quirelnder, sprechender Ort mithin, der sich permanent neu erfindet, ohne seine Grundhaltung neu erfinden zu müssen. Die Alte Schmiede ist bei all seiner Verwurzelung mit Wien und seinen Bürgern aber gleichzeitig international ausgerichtet, indem sie Gäste aus aller Welt in diese Stadt lockt und mit ihnen Verbindungen eingeht, intellektuelle und auch freundschaftliche, die über Jahrzehnte bestehen. Seit 30 Jahren kommen diese Gäste auch immer wieder und loben die Alte Schmiede als einen Ort, in dem man sich um ihr Wohl kümmert und mit ihnen, und das ist das Wesentliche, immer wieder von neuem auch die Auseinandersetzung sucht und pflegt.

LEBENDIGES WORT

Aus diesem gemeinsamen Dritten, das zwischen den Menschen und ihren Zeilen entsteht, könnte man vielleicht sagen, besteht der Stoff aus dem die Alte Schmiede gemacht ist. Das lebendige Wort, der kritische Gedanke, die freundschaftliche Emphase kann man als wesentliche Bestandteile dieses Stoffes extrahieren, ohne ihn aber so noch ganz erfasst zu haben. Zu ihm gehört eben auch der Ort selbst, die Alte Schmiede. Das Haus, in dem sich im Keller tatsächlich und wie der Name sagt, noch eine Alte Schmiede birgt und zeigt. Es ist eine der ältesten Europas. Es ist eine der schönsten. Mit alten Hämmern und Zangen.

Fast will man nicht glauben, dass das Zufall sein kann. Erzählt doch diese Alte Schmiede auf ihre Weise vom Machen, vom Werken an einem Stoff. In jenem Fall vom Eisen, in diesem vom Sprachstoff, in dem wir uns alle bewegen, den wir alle täglich in unseren Mündern formen, verändern, tradieren und auch neu erfinden, mit Leben behauchen. Seit Anfang des Jahres ist diese Alte Schmiede im Untergeschoss Teil des sogenannten Galerie der Literaturzeitschriften. Einem weiteren, einzigartigen Projekt, das der sich besonders um das Haus und dessen Umbau engagierende Direktor Walter Famler gemeinsam mit Kurt Neumann iniziiert hat. Darin werden österreichische und ausländische Literaturzeitschriften gesammelt und liegen zur freien Lektüre auf. Unentgeltlich. Wie dies auch der Besuch der Alten Schmiede ist. Der Zeitschriftenleseraum ist ein Projekt, das also gerade erst seine Eröffnung erfahren hat und sich zu etablieren beginnt. Ein zarte Pflanze mithin, die nun wieder auszureißen, undenkbar absurd anmutet. Wie vor allem und in ganz grundlegender Weise die Vorstellung, der Geschichte der Alten Schmiede als Literaturveranstaltungsort nun ein Ende durch einen simplen Verkauf setzen zu wollen.

AURATISCHER ORT

Alte Schmiede Was tunEs ist ein Ort, den alle die Gäste wiederfinden würden, weil die Flexibilität des Gedankens, gleichsam als Gegengewicht Kontinuität braucht. Das Haus der Alten Schmiede steht für diese Kontinuität ein. Es ist jener Ort, der seine Aura, seine Atmosphäre über die Jahre entwickelt hat. Es ist etwas Unauslöschbares daran. Unauslöschbar, was hier gewachsen ist, heißt aber nicht unzerstörbar. Nach Jahrtausenden ist auch an anderen historischen Stätten die Energien der Geschichte, die Aura der Orte noch vorhanden. Denn sie ist menschengemacht. Die Zerstörung eines solchen Ortes, der sorglose Verkauf, käme einer elementaren Entwurzelung gleich, einer Gewalt, die sich über das Gewachsene, über die unendlich vielen, unsichtbaren Fäden menschlichen Zusammenhalts hinwegsetzt. Die Alte Schmiede ist aus diesem Grund nicht dislozierbar. Die Alte Schmiede ist ein Begriff geworden. Ein Teil der Stadt. Teil des Bewusstseins und des Unbewussten dieser Stadt. Ein Kraftzentrum. Weil ein Produktionszentrum.

Sie steht für ein Programm, das durch eine Sensibilität gekennzeichnet ist, wie kaum ein anderer Ort. Dieses Sensiblität gilt in erster Linie dem Wort, auf das man hören muss, um es zu vernehmen. Es gilt den Menschen, die sich mit diesen Worten auseinandersetzen, als Menschen und für die Menschen. Der Dichter Ernst Jandl, häufiger Besucher und Lesender in der Alten Schmiede schrieb einmal: “Sprache ist von uns gemacht, und wir können, dürfen, sollen alles mit ihr machen, was mit ihr zu machen möglich ist - ohne Scheu, ohne Ehrfurcht, doch dafür mit Freude, Liebe, Heiterkeit.” Das könnte auch für die Alte Schmiede gelten, als ihr humanistisches Programm. Ein Projekt jenseits der Angstschüre, kein bewahrendes, konservatives Programm von Literatur, sondern eines, das sich über seine Verbindungen, seine Verbindlichkeit, seinen Einsatz definiert und deshalb gar nicht definieren braucht. Was die Alte Schmiede ist und kann, äußert sie von selbst. Selbst ein emphatischer Aufsatz wie dieser, trifft nur einen Zipfel von dem, was sie macht, indem sie der Literatur dieser Stadt einen Ort gibt, ohne sie auf diesen festzuschreiben.

VON “ALPHABETISIERUNG” BIS “ZERSTÖRUNG”

Gerade weil das so ist, weil sie selbst den Ort nicht in den Mittelpunkt stellt, ist dieser so schützens- und bewahrenswert. Es braucht unter Besucherinnen und Besuchern, unter Autorinnen und Autoren nicht der Versicherung, um das glaubwürdig zu machen. Keiner würde es argumentieren wollen. Das die Absurdität dieses Artikels. Denn was die Alte Schmiede ist, ist Selbstverständlichkeit. Selbstverständlichkeit ist aber nichts, was einfach nur da ist, weil es da ist. Kein tautologisches etwas. Sondern etwas, das täglich von neuem hergestellt wird. Für das Existenzen einstehen, sich ihm widmen, es wollen, wünschen, ihre Fantasien durch es und mit ihm anregen lassen. Dieser Art von Selbstverständlichkeit ist diese Alte Schmiede in einer Stadtgesellschaft, die wie jede Gesellschaft durch Desolidarisierung, Gier und Neid bedroht ist.

Was immer die Motive für den Verkauf sein mögen, sie können sich nicht aufwiegen lassen mit dem, was so ein Verkauf zerstören würde. So schwer und vielleicht auch leicht es für Mitarbeiter und Chefs der Wiener Städtischen Versicherung auch ist, diese Selbstverständlichkeit zu erkennen, wenn sie noch nicht daran teilgehabt haben. Die tausenden Veranstaltung, Symposien, Autorinnen und Autoren-Projekte usw., die hier in den letzten 30 Jahren stattgefunden haben, die unzähligen Buchprojekte, die aus den Veranstaltungen hervorgegangen sind, der kontinuierliche Besuch so vieler Intellektueller und Bürger, wären auf der Seite der Zahlen und Fakten anzuschreiben, und sind doch nur ein Teil von dem, was diesen Ort zu dem macht, was er ist.

Alte Schmiede Was tunEin Ort der Sozialisation, der Alphabetisierung in einem anderen, sehr feinen, filigranen und darum menschenwürdigen Sinn . Ein Ort, an dem sich jenseits äußerlichen Wollens, dem Entstehen von Sprache, Bewusstsein und Mündigkeit Raum gegeben wird. Keiner Versicherung bedarf es. Und doch bedarf es der Städtischen Versicherung. Der ich versichere kann, der Wert dieses Hauses als Ort der Literatur ist unverkäuflich. Verkaufen Sie es deshalb nicht! Besinnen Sie sich auf Ihren zentralen Auftrag als Versicherung, das zu sichern, was für eine Gesellschaft und deren Menschen als Wert gilt.

Die Unterlassung des Verkaufs wäre mehr als ein wertvoller Beitrag. Ein unbezahlbarer. Und ließe Ihr Unternehmen nach wie vor im Lichte erscheinen, jenes stolze Unternehmen zu sein, als das Sie gelten könnten. Und worauf Sie ein Recht haben, wenn Sie es sich zur Pflicht machen.

Wien, am 29. Mai 2008

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RELATED :

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1.000 Stimmen für die Alte Schmiede - Aufruf der IG Autorinnen Autoren + Update



||| Mit der Bitte um Unterstützung | Unterzeichnung :

AUFRUF DER IG AUTORINNEN AUTOREN : 1.000 STIMMEN FÜR DIE ALTE SCHMIEDE

Alte Schmiede Was tunEiner der renommiertesten europäischen Literaturveranstalter, die Wiener Alte Schmiede, zugleich die älteste kommunale Literatureinrichtung, ist durch einen Eigentümerwechsel mit anstehenden baulichen Veränderungen im Haus Schönlaterngasse 9 konfrontiert, die auch die Büro- und Veranstaltungsräume des Kunstvereins Wien, das Literarische Quartier und die Musikwerkstatt betreffen sollen.

Damit der Kunstverein Wien seinen öffentlichen Auftrag im Sinne der aktiven Künstlerförderung im literarischen und musikalischen Bereich weiterhin in vollem Umfang erfüllen kann, werden durch die von außen kommenden Veränderungen raumtechnische Lösungen erforderlich, die finanziellen Mehraufwand nach sich ziehen und daher budgetäre Maßnahmen von Seiten der Wiener Kulturpolitik dringend notwendig machen.

Die Unterzeichner/innen fordern ein klares Bekenntnis der Wiener Kulturpolitik zur Institution Alte Schmiede und ihrem Standort sowie verbindliche Budgetzusagen der Stadt Wien für die notwendigen Adaptionen und baulichen Maßnahmen.

Unterstützt von:

Erhan Altan, C. Angelmaier, Friedbert Aspetsberger, Dieter Bandhauer, Sylvia Bartl, Elisabeth Bartosch, Sertan Batur, Hellmut Butterweck, Georg Bydlinski, Lucas Cejpek, Ann Cotten, Elfriede Czurda, Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur, Alexander J. Eberhard, Hemut Emersberger, Gustav Ernst, Brigitta Falkner, Bernhard Fetz, Gundi Feyrer, Andreas Fischer, Karin Fleischanderl, Franzobel, Christian Futscher, Clemens Gadenstätter, Petra Ganglbauer, Karl-Markus Gauß, Elfriede Gerstl, Grazer Autorinnen- und Autorenversammlung, Sabine Gruber, Hans Haider, Michael Hammerschmid, Händl Klaus, Josef Haslinger, Hermann J.Hendrich, Peter Henisch, Christine Huber, Roland Innerhofer, Eva Jancak, Gerhard Jaschke, Elfriede Jelinek, Nils Jensen, H. W. Käfer, Ingrid Karl, Christoph Kepplinger, Marie-Thérèse Kerschbaumer, Ilse Kilic, Edit Király, Ralph Klever, Helga Köcher, Franz Koglmann, Johanna König, Traude Korosa, Andreas Kövary, Margret Kreidl, Erika Kronabitter, Michael Krüger, Jürg Laederach, Ludwig Laher, Rudolf Lasselsberger, Benedikt Ledebur, Hubert Lengauer, Michael Lentz, Rudi Lindorfer, Heinz Lunzer, Christoph Mauz, Robert Menasse, Hanno Millesi, Anna Mitgutsch, Florian Neuner, Alfred Noll, Christian Nothegger, Burak Özyalcin, Helmut Peschina, Renate Pittroff, Reinhard Prenn, Doron Rabinovici, Werner Richter, Monika Rinck, Kathrin Röggla, Peter Rosei, Eva Rossmann, Gerhard Ruiss, Brigitte Salanda, Dieter Scherr, Robert Schindel, Ferdinand Schmatz, Eva Schobel, Helmuth Schönauer, Simone Schönett, Heidi Schrodt, Franz Schuh, Rolf Schwendter, Lisa Spalt, Ulli Stecher, Marlene Streeruwitz, Daniela Strigl, Christoph Theiler, Sylvia Treudl, Peter Turrini, Liesl Ujvary, Anja Utler, Günter Vallaster, Alma Valazza, Astrid Wallner, Renate Welsh, Fritz Widhalm, Herbert J. Wimmer, Peter Paul Wiplinger, Hayati Yildiz, O.P. Zier, Christiane Zintzen …

Wien, 3. 6. 2008

IG Autorinnen Autoren
E- mail : ig@literaturhaus.at

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UPDATE : APA , 3. 6. 2008 , 14:11

1.000 Unterschriften zum Erhalt der Alten Schmiede in Wien

Bestandsgarantie des Literaturveranstalters am bisherigen Standort angestrebt - “Jetzt ist die Stadt Wien aufgefordert, etwas zu tun”

Alte Schmiede Was tunWien (APA) - Mit 1.000 Unterschriften - darunter von namhaften Autorinnen und Autoren - soll die Wiener Kulturpolitik aufgefordert werden, eine Bestandsgarantie der Alten Schmiede an ihrem bisherigen Standort abzugeben und ihr die ungehinderte Fortsetzung ihrer Arbeit zu ermöglichen. “Es ist wirklich Feuer am Dach”, zeigt sich der Initiator der Unterschriftenaktion, Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren, gegenüber der APA besorgt.

Die Alte Schmiede gilt als einer der renommiertesten europäischen Literaturveranstalter. Durch einen Eigentümerwechsel ist sie mit anstehenden baulichen Veränderungen im Haus Schönlaterngasse 9 im ersten Bezirk konfrontiert. Diese sollen auch die Büro- und Veranstaltungsräume des Kunstvereins Wien, das Literarische Quartier und die Musikwerkstatt betreffen.

Am vergangenen Freitag wurde das Haus laut Ruiss “überfallsartig” von der Wiener Städtischen Versicherung an einen Wiener Privateigentümer verkauft. Da dieser die leerstehenden Teile des Gebäudes adaptieren und in weiterer Folge vermieten möchte, sind raumtechnische Lösungen erforderlich, damit der Kunstverein Wien seinen öffentlichen Auftrag im Sinne der aktiven Künstlerförderung im literarischen und musikalischen Bereich weiterhin in vollem Umfang erfüllen kann. Wie hoch der finanzielle Mehraufwand ausfallen wird, kann erst abgeschätzt werden, wenn konkrete Umbaupläne vorliegen.

Ruiss sieht gute Chancen auf eine Einigung zur Gemeinschaftsnutzung des Gebäudes, wundert sich jedoch, dass dieses von der Stadt Wien vor dem Verkauf an einen Privatmann nicht in ein kommunales Projekt überführt worden ist: “Jetzt ist die Stadt Wien aufgefordert, etwas auf finanzieller Ebene zu tun.”

Die Ankündigung des heute gestarteten Aufrufs zur Rettung der Alten Schmiede hat dazu geführt, dass dieser innerhalb weniger Stunden bereits von über 100 Unterzeichnern, darunter u.a. Elfriede Jelinek, Robert Menasse, Marlene Streeruwitz und Peter Turrini, mitgetragen wird. Ruiss ist sich sicher, dass “wir die 1.000 Unterschriften in Kürze zusammengetragen haben werden. Diese Unterschriften sollen für die Tausend-Stimmigkeit und Vielfältigkeit der Projekte der Alten Schmiede stehen.”

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RELATED :

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Österreichs Autoren besiegen Deutschland 6:3 - “katastrophaler Zustand” der Wiener Literaturförderung



Während das Schicksal des “Literarischen Quartiers Alte Schmiede” öffentlich beschwiegen wird , liefert die APA literarischen Fussball .
Zwei Meldungen .

APA , 2 . 6. 2008 , 10:22 Uhr

Cordoba verdoppelt”: Österreichs Autoren besiegen Deutschland 6:3
Auswärtssieg der heimischen Literaten-Elf gegen die Deutsche

Wien/Nürnberg - Mit einem 6:3 (4:0)-Auswärtssieg gegen die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur hat sich Österreichs Literaten-Nationalmannschaft am Samstag in Nürnberg nach ihrem schlechten Abschneiden bei der Literaten-EM “Doppelpass” rehabilitiert. “Wir haben Cordoba verdoppelt”, gab sich Österreichs Kapitän Gerhard Ruiss danach euphorisch. Je dreimal netzten Reinhard Prenn (darunter ein Elfer) und Thomas Schafferer, die Gegentore erzielten Harry Riedel, Jochen Wagner und der frühere Fußballprofi Manfred Wasner.

Am 23. Juni treffen die österreichischen Literaten-Kicker in Wien auf die offizielle Autorennationalmannschaft Deutschlands. Das Match wird mit einer Lesung im Kasino am Schwarzenbergplatz abgerundet.

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Der Standard online , 2. 6. 2008 , 18:15 Uhr ( Ronald Pohl )

Alte Schmiede Was tunUnterschriften für die “Schmiede”
Die heimische IG Autorinnen Autoren sammelt noch bis Dienstag Mail-Unterschriften

Wien - Die heimische IG Autorinnen Autoren sammelt noch bis Dienstag Mail-Unterschriften mit der Absicht, die Zukunft des Veranstaltungsortes Alte Schmiede in der Wiener Schönlaterngasse gewährleistet zu sehen. IG-Sprecher Gerhard Ruiss in einem Aufruf: Im Sinne des Kunstvereins Wien seien “dringend budgetäre Maßnahmen vonseiten der Wiener Kulturpolitik notwendig”, um zu neuen raumtechnischen Lösungen zu gelangen.

Bekanntlich will die Wiener Städtische Versicherung als Liegenschaftsinhaberin die Räumlichkeiten von “Literarischem Quartier” und “Musikwerkstatt” eventuell veräußern. Ruiss verspricht internationale Solidaritätsbekundungen - und möchte den “katastrophalen Zustand” der Wiener Literaturförderung ganz allgemein offensiv thematisieren.

E- mail : ig@literaturhaus.at

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