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Lesen und Lesen lassen



||| I. FLUT UND PERLEN | II. MEDIEN , HANDVERLESEN | III. EUROZINE | IV. UMBLÄTTERER | V. BONAVENTURA & LESEMASCHINE | VI. LESEZEICHEN | KLANGAPPARAT

I. FLUT UND PERLEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeMag sich die kulturpessimistische Rede über die “Informationsflut” ( die ~ unbewältigbare ) auf Buchmarkt , im Presse- und Journalwesen in stereotypem Kreislauf ereifern : Längst gibt es zahhlrecihe Rezensions- und Referatmagazine , wo fleissige Vorkoster ihres Amtes walten und praktikable Übersichten zu Feuilleton , Esayistik und allerlei Buchwerk anlegen . Allen voran hat der “Perlentaucher” bereits im Jahr 2000 die Eignung des WWW zur Präsentation von Résumées der Feuilletons der wichtigsten deutschsprachigen Tageszeitungen entdeckt - lange bevor deren Inhalte jederzeit frei im Netz abzurufen waren .

Ein Team ausgeschlafener Vor- Leser war wochentags zu unbürgerlichen Zeiten zugange , um bis 9 Uhr früh die “Feuilletonrundschau” fertig zu stellen : pünktlich zum Frühstück des Zeitgenossen und Kulturmenschen . Eine “Bücherschau des Tages ” hatte bis 14 Uhr die wichtigsten Rezensionen assembliert , was - “steter Tropfen” usw. - zu einer mittlerweile unverzichtbaren Buchdatenbank mit 35.000 Einträgen führte . Deren eigentliche Qualität liegt indes weniger in dieser Breite , sondern vielmehr in der Tiefenperspektive : organisch gewachsen , entwickeln die “Substrate” der in den diversen Besprechungen zu einem einzelnen Titel publizierten Ansichten und Meinungen ihren “Mehrwert” erst in der synoptischen Zusammenschau . Womit tendenziell ein Apparat zur Vefügung stünde für eine “Kritik der Kritik” …

All dies ist - ebenso wie die wöchentliche “Magazinrundschau” und die mittlerweile hinzugekommenen Rubriken “Medienticker” und “Aus den Blogs ” - ebenso weidlich bekannt wie der Gerichtshändel mit FAZ & SZ , die in den Resumées - genauer : in deren Weiterverkauf an den Onlinebuchhändler Libri.de - eine unrechtmässig merkantile Ausschlachtung Verwertung fremden geistigen Eigentums sahen . Vorigen Dezember scheiterten die Zeitungen damit vor dem Oberlandesgericht Frankfurt in zweiter Instanz .

Damit wurden Abstracts und Artikelzusammenfassungen bis auf Weiteres als eigenständige Werkschöpfung anerkannt . Für Feuilleton- und Watch- Blogger bedeutet dies einstweilen eine gute Nachricht , für die professionelle institutionelle Publizistik indes - so die FR in einem via “Börsenblatt online” konservierten Kommentar - einen “Flurschaden” : Instrumentiert durch das einstmalige Argument- Inventar wider den “Häppchenjournalismus” wird das journalistische Urheberrecht eingeklagt sowie - originelle Idee - eine Art finanzieller Rückvergütung von seiten des Zweitverwerters von Inhalten an deren Erstersteller gefordert :

Man interessiert sich für das Prospekt und nicht für die Ware, für das Testergebnis, nicht den Test. Im Schnelldurchlauf durchs Feuilleton wird die Urteilskraft, der Blick auf Argumente, Differenzen, Nuancen eingeebnet.
Auch wenn der Bundesgerichtshof das Frankfurter Urteil noch revidieren kann: den Zeitungen bleibt nichts anderes übrig, als sich auf ein Geschäft mit dem Internet einzulassen. Denn im Internet wird zu viel resümiert, abgeschrieben, geklaut. Da ist der Perlentaucher im Vergleich sogar eine Service-Adresse mit Qualität. Wäre der Austausch finanziell geregelt, dann könnte man die Kritiken ruhigen Gewissens vollständig lesen und sich ein Urteil bilden. |||

II. MEDIEN , HANDVERLESEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeBis auf Weiteres ( = mögliche Revision ) können also auch kleinere bzw. private Zeitschriften- und Feuilletonbeobachter sorglos ihrer Schau- und Analyselust fröhnen und auch Blogger ruhigen Blutes ihre Digests komponieren . Bahn frei also für Blogs wie “medienlese” , dessen Rubrik “6 vor 9″ dem “Perlentaucher” täglich um sechs Minuten mit Hinweisen auf bemerkenswerte Artikel der Tagespresse zuvorkommt . Darüber hinaus fasst man in den ausführlicheren Features diverse Presseerzeugnisse wie “BLICK” , “Österreich” oder Online- Spekulationsobjekte wie “zoomer” nicht eben mit Samthandschuhen an , zeigt sich allerdings auch bereit , etwas halbgaren Pulbikumsmagazinen wie der Zeitschrift “hörBücher” durchaus Wohlwollen entgegenzubringen . Dezent und stets lesenswert : Der schweizer “Medienspiegel” . Zum Beispiel mit Tipps , via Suchmaschinen und Torrents against all odds auf kostenpflichtige Zeitungsartikel zuzugreifen . Und wer unterzieht sich schon gerne der ewigen Log- In- Prozdur ?!

Für die “BILD” ist ohnehin das “BILDblog” zuständig , welches - wie das aufs kritische Korn genommene Brutal- Boulevard- Blatt - zu den meistgelesenen seiner Gattung zählt . Dies provoziert natürlich seinerseits Kritik …. und so druckt das Springer- Blatt “Die Welt” mit Gusto jene ( frei nach Thomas Bernhard formuliert ) “Erregung” nach , welcher der paradierende Provokateur Henryk M. Broder ursprünglich auf seinem Privatblog “Die Achse des Guten ” unverblümt vom Stapel gelassen hatte .

III. EUROZINE

czz presseschau presse amtsgericht stade Mit solchen Aufregern hält sich “Eurozine” , das gediegen auf Vielfalt bedachte “Magazin der Magazine” kaum auf : Entsprossen 1998 aus einem Netzwerk von ( mittlerweile 70 ) europäischen Kultur- , Literatur- und Denk- Zeitschriften , bietet “Eurozine” nicht nur ein laufend aktualisiertes Portal mit allerlei Lektüre- Verführungen ins Reich antipopulistischer Periodica , sondern bietet darüber hinaus die Möglichkeit , anregende Magazin- Digests oder ausgewählte Aufsätze mittels separaten RSS- Feeds zu abonnieren . Nichts da also …. mit Reissern, Räuberpistolen , Schnellschüssen oder Lifestyle- Kurzware : Hier ist die Nachhaltigkeit des Nachdenkens gefragt .

So erreichen uns John Clark’s Bemerkungen zur “Acting up“- Methode des “Allzeit- bereit”- Philosophen Slavoj Zizek aus dem britischen “The Humanist” . Für die slowenische Szene erschliesst sich der Artikel unter dem Titel “Ali nas varietejski filozof vlece za nos ?” . - Womöglich ist ja auch das Englische nicht Jedermanns Sache : Folglich ist es Martin Halas Darstellung des chiesischen Medienwandels sowohl im englisch in der Zeitschfit “Transit” abgedruckten Original als auch in der deutschen Fassung “Von der Wandzeitung zum Blog : Meinungs- und Gedankenfreiheit in China heute ” zu lesen .

Umgekehrt erschliessen sich deutschsprachige An- und Aufsätze in Form englischer Übersetzungen dem internationalem Interesse : Von Jürgen Habermas’ “Die Dialektik der Säkularisierung” (”The dialectic of secularization” ) aus dem “Blättern für deutsche und internationale Politik” ) bis hin zu selbständigen Beiträgen von Eurozine- Redakteuren wie Simon Garnett , der sich vergleichend mit den Reaktionen des deutschen Feuiletons auf aktuelle Gewaltakte von Jugendlichen mit Migrationshintergrund einerseits und anderseits mit der RAF- Debatte befasst ( “Citizen Victim - The migrant youth , the RAF terrorist , and the German feuilletons ” ) .

Die neuen Ausgaben der assoziierten Zeitschriften werden regelmässig präsentiert - und dies selbst bei Offline- Magazinen mit vollständigen Inhaltslisten . Solcherart ist über die Jahre ein exquisites Archiv gewachsen , welches Topics , Themen und Theorien aus Zeitschriften von A wie “A Prior Magazine” ( Belgien ) , “Akadeemia” ( Estland ) , “Arche” ( Weissrussland ) , “Artistas Unidos Revista” ( Portugal ) bis Z wie “Zeszyty Literackie” ( Polen ) . Klassiker wie “du” [ hmmm : die letzte indizirte Nummer datiert mit 12 | 2007 : ein Votum gegen Walter Kellers neue Ägide ?! ] , “Merkur” , “Mittelweg 36” , “osteuropa” und “Wespennest” inklusive . Finanziert wird dieses für den User kostenfreie Angebot von europäischen und staatlichen Institutionen sowie von Sponsoren aus der Privatwirtschaft … |||

IV. UMBLÄTTERER

czz presseschau presse amtsgericht stadeAus der Not des physischen Armausrenkens bei der vergleichenden Lektüre jener grossformatigen Papier- Erzeugnisse , hinter welchen die klugen Köpfe stecken , hat ein Leipziger Fähnlein Feuilleton- Fachleser eine deklarierte Tugend gemacht : Dem literarischen , kritischen und essayistischen Ausfältelungen des Feuilletons , seinen Höhen und Niederungen gleicherweise lustvoll zugewandt wie assortierten Regionen der Popkultur , ist es dem Blog “Der Umbätterer” innert weniger Jahre gelungen , singuläre Features zu entwickeln : So etwa wurde die “Best of Feuilleton”- Jahresabrechnung 2005 von satt.org auf den “UBL” übersiedelt und gewährt nichts Weniger als einen amüsanten Rückblick auf die jeweils herrschenden Zeit- ( Un- ) Geister verflossener Jahre .

Nicht Wenige unter den habituellen Feuilleton- Selbstlesern werden sich angesichts dieser Listen mit “mémoires involontaires” konfrontiert sehen : So können wir uns in|ad|ae|qu|at noch bestens erinnern an den UBL- Favoriten 2005 : Stephan Maus : “Beim nächsten Glas wird alles besser – Leider kein wirklich anonymer Alkoholiker” ( über Augusten Burroughs “Trocken !” , SZ , 8. 4. 2005 ). Die “Best of 2006” erinnern u. a. an Hubert Winkels’ treffliche Kategorisierung der Fronten im Streit um Volker Weidermanns “Lichtjahre” in “Emphatiker und Gnostiker” ( ZEIT , 30. 3. 2006 ) . Auch die Cuvée 2007 wartet mit einem schlagwortprägenden Klassiker auf : Henning Sussebach : “Bionade- Biedermeier” ( ZEITmagazin LEBEN , 8. 11. 2007 ) .

Mit der Einführung eines “Sonntagstauchers” - einer ässerst genüsslichen Sonntagspresseschau - ist den “Umblätterern” ein bislang unbesetztes Okkupatonsgebiet aufgefallen und ein veritabler Coup gelungen . Für diese privat engagierten Vor- Lese- Leistungen wurde das Mikromedium kürzlich im “Börsenblatt” ( Printausgabe 14 | 2008 ) ausdrücklich gewürdigt ( und noch VOR den spät auf das Genre aufgesprungenen FAZ- “Reading Room” gestellt ) :

Auch “Der Umblätterer” ist ein Non-Profit- Unternehmen. Gestartet wurde das literarische Themen- Blog im Mai 2007 von sieben jungen Feuilleton- Afficionados, die es nach dem Studium an der Leipziger Universität in alle Himmelsrichtungen verstreute. Nach dem Vorbild moralischer Wochenschriften des 18.Jahrhunderts beschäftigt sich das selbst ernannte “Consortium Feuilletonorum Insaniaeque” unter seinem Wappentier, dem Maulwurf, vor allem mit den Feuilletons und Kulturseiten der meinungsbildenden Zeitungen und Magazine, aber auch mit Online- Medien, Filmen und amerikanischen TV-Serien [ ... ] . “Wir lieben das Medium”, sagt Frank Fischer, der für das Berliner Online- Magazin satt.org schon 2005 und 2006 eine Feuilleton- “Best-of”- Liste kompilierte und unter dem Pseudonym Paco so etwas wie der Spiritus Rector des “Umblätterers” ist. “Wir halten das deutschsprachige Feuilleton für eine Errungenschaft, die auf der Welt ziemlich einmalig dasteht und wollen seine Grenzen ausloten.” Für Fischer und seine Freunde heißt das vor allem: Meinungsfreudigkeit und exemplarisches Ausschreiten noch ungenutzter Möglichkeiten des Netzes. Während die manischen Freizeit- Leser mit Versuchsballons wie einem “Spiegel”- oder “Sonntagstaucher” ( frech kommentierte Zusammenfassungen des ab Samstagabend als E-Paper zugänglichen “Spiegels” oder von ausgewählten Sonntagsblättern ) den etablierten Kollegen vom “Perlentaucher” womöglich künftige Vermarktungsmöglichkeiten aufzeigen, ist die englische Synopsis von Matusseks “Kulturtipp”- Blog eher etwas für Hardcore- Fans.
Sind die Umblätterer Kulturwissenschaftler mit zu viel Zeit ? “Ein gewisser Hang zum Wahnsinn spielt bei uns schon rein”, gibt Frank Fischer zu. “Aber gerade das Feuilleton ist ja ein Medium, in dem dieser Wahnsinn Platz hat”. Kommentare aus der Blogosphäre sind selten – dafür gibt es häufiger freundliches Feedback aus den Redaktionsstuben in Hamburg, Frankfurt und München: Solche Leser wünscht man sich.

Bei allem Respekt vor den Bemühungen des Buchhändler- Branchenblattes , seine Klientel über Kosmos und Genre des “Blog” empfehlend zu belehren , sind die kleinen Indizien eines kategorialen “Kannitverstan” unschwer zu übersehen : Die Frage nach dem “Zuviel” an Zeit , welche noch dazu auf die nicht remunerierte Arbeit des Bloggens verwendet wird , mag ebenso von einer gewissen Befremdung zeugen wie die Bezeichnung von Matusseks Video- Manifestationen als “Blog” . Wo doch sogar Wikipedia weiss :

Seit dem 16. Oktober 2006 veröffentlich Matussek wöchentlich ein Vlog namens Matusseks Kulturtipp auf Spiegel Online.

Na , egal . Das Lob bleibt dessenungeachtet würdig und recht . Trotzdem können wir es uns in|ad|ae|qu|at nicht verkneifen , auf einen unserer “UBL”- Favoriten der jüngeren Zeit hinzuweisen : “Walsers Propaganda- Krawatte ” . |||

V. BONAVENTURA & LESEMASCHINE

czz presseschau presse amtsgericht stadeZugegeben : Unser Hang zum Enzklopädischen kollidiert mit der nicht minder ausgeprägten Liebe zu Einzelheiten . Weshalb wir - um die Sendezeit nicht hoffnungslos zu überziehen - im folgenden noch einige der veröffentlichenden Vor- Lesenden so kurz wie freundlich streifen : Unter den literarischen Lese- Chronisten zählt “Bonaventua” ( “Lektüren eines Nachtwächters” ) fraglos zu den Inspiriertesten , scheint überdies aus einem geradezu enzyklopädischen Wissen zu schöpfen , so dass der Kommentator sich etwa auch eines in Belletristik verpackten Schachproblems elegant annehmen kann : Unzeitgemäss im besten Sinn !

Zeitgeistiger verhält sich da schon die “Lesemaschine” , schon wortwörtlich kenntlich als Ableger der notorischen “Riesenmaschine” . Autoren wie Jochen Schmidt ( der sein Proust- Blog- Chronik “Schmidt liest Proust” kürzlich abschloss und bei Voland & Quist demnächst als Echtbuch herausbringt ) berichten von ihren Lektüren , genauer gesagt : von den jeweils per Seitenziffern indizierten Tagespensen . Was soviel bedeutet , dass der Blog- Leser seine eigenen Lektüren hinsichtlich Gegenstand und Tempo dem Vor- Lesenden angleichen könnte und die jeweiligen Eindrücke ver- bzw. abgleichen . Erinnert uns im Übrigen stark an die “reading assignments” der US- Colleges ( tja , das waren 150 Seiten mindestens pro Tag ) : Heutzutage würden wir den tatsächlichen Vollzug der Studi- Lektüren via Blog oder Online- Forum überprüfen …

Beispiele aus der “Lesemaschine” : Jochen Schmidt liest : Liebe als Passion ( Niklas Luhmann ) , André Fromme liest : Esra ( Maxim Biller ) , Sascha Lobo liest : Der ewige Spiesser ( Ödön von Horvath ) , Kathrin Passig liest …. natürlich auch und weitere unvermeidliche Feuchtgebiete . |||

VI. LESEZEICHEN

czz presseschau presse amtsgericht stadeNet- Mags , Foren oder Gemeinschaftsblogs : Auch Primärliteratur liest bzw. legt sich online vor . Freilich mit enormen Qualitätsunterschieden . Die man diplomatischer auch als solche des “literarischen Geschmacks” bezeichnen könnte . Mit dem “Forum der 13” , “der goldene fisch” , “lyrikline” , “poetenladen” oder - werbeästhetisch von Don Dahlmann verpackt - @ “mindestens haltbar” . Die “shortlist” verzeichnet mitunter unter ihren culture cuts sogar kastrationsangstfrei lesende männer und der behutsame Blütenleser figuriert ( in Kooperation mit “Perlentaucher”- “Medienticker” und “Titel“- Magazin ) mit Hörspiel- , TV- und Buchhinweisen seit Kurzem auch in Form eines Blog namens “Lesewoche” : Chapeau zur trefflichen Empfehlung von Silvia Bovenschen’schens hintersinnig komponierten Erzählkreis “Verschwunden” -

Das Literaturblog- Kombinat “litblogs.net” wurde als eine der in|ad|ae|qu|aten Herbergen bereits vorgestellt , NEU ist ein vierteljährlich erscheinendes Digest , welches als “Lesezeichen” direkt aufrufbar und ergo selbstverständlich auch via RSS abonnierbar ist . Hier führt freilich kein Redakteur die strenge Schere , sondern ein Jedes gibt , was ihm als zeichenweise tauglich dünkt .

Edit : Mittels Lotrees Kommentar nähern wir uns dem Sinn einer solchen Kompilation auf’s Erfreulichste an , welcher da wohl lauten könnte : “Wahlverwandte bitte melden !” - Also voilà : “Lottrees Journal . Leben . Schreiben . Lesen .” Literaturnachrichten aus eher näher denn fern , Gerüchte , Preise und allerlei Hinweise . P. s. : Auch über “Schriftsteller heute” lässt sich dann & wann twittern . “Chaqu’un … ” , halten’s wir’s mit der der Strauss’schen “Fledermaus” , ” … à son goût !” - |||

KLANGAPPARAT

Ist es der launische April oder was treibt die Netlabels derzeit an , so viel in den Wind Gespieltes zu lancieren ?! - Wenig Intensitäten , kaum czz hörempfehlungCharakterbeats . Da stossen wir , just bevor wir den Mut endgültig sinken lassen , auf ein interessant instrumentiertes kleines Stück aus dem Hause auflegware . Als “Trip around Midnight” tituliert , spielt sich Tosol (aka Marc Sims ) immerhin so lange mit seinen Midis , bis Apartes herausklingt . Den billigen “clap- hands” überhören wir geflissentlich , ermuntern uns trotzdem am Pitchen und Synkopieren . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Rent a Trend | 02. Format 2000 | 03. Before I get Drugs *Fluff Edit* | 04. Better Bass | 05. Init Score |||

LITERARISCHE BLOGS | poetologische positionen



||| WEBLITERATUR : EIN HYPE … | … UND SEINE FOLGEN | BLOGS , LITERARISCH | POETOLOGISCHE POSITIONEN | NON- EGO & ALLMÄHLICHE VERFERTIGUNG | PRAXIS ABSEITS DER INSTITUTIONEN | CHANCE TO CONNECT , ICH IN RELATION | MASSE UND MASSAGE | DISEMBODIED ONLY | LIVE-ACT MIT FRISCHEN IMPERATIVEN | SPIELMODELL “AUTONOMIE” IM “KÜNSTLICHEN PARADIES” | “WIR” - WO ANDERS ? | POETISCHER MOTOR WIEDER FLOTT | LINKS | KLANGAPPARAT

WEBLITERATUR : EIN HYPE …

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereEs muss irgendwann gegen Ende der 80er Jahre und ergo mitten im Web 1.5 gewesen sein : Als “Globalisierung” noch kein Unwort war und infinite Informationsströme nicht Synonym für Attention Deficit Disorder . Die Nerds out there im bläulichen Licht ihrer Konsolen verstanden sich als Synapsen eines superhumanen Hirns . Das Global Village bot neben den gesellschaftlichen Utopien von Dezentralisierung und Partizipation , der Hoffnung auf die ( dann tatsächlich eingetretenen ) Flexibilisierung von Tages- , und Lebensläufen auch eine Menge Treibstoff für Theorie- strotzende Triebabfuhr . Noch war man nicht “Schwarmintelligenz” , sondern Elite , Bleifuss fest auf dem “Diskurs” . Schliesslich galt es , mit babylonischen Neologismen , entlehnten Epistemen und laufend aufdatierten Projektdesigns Kredit zu kriegen in den realen und symbolischen Ökonomien .

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… UND SEINE FOLGEN

Als das Web Zwei Null plötzlich schnöde für Jedermann da und Rainald Goetz’ “Abfall für Alle” gedruckt , gebunden und teils schon wieder beim Antiquar gelandet war : Wo sind sie geblieben , die Apologeten des Hyper- , Meta- , Ultra- und Infra- Literarischen , respektive : des exquisiten Kadavers einer genuinen Netz- Literatur ? - Projekte wie “PooL” sehen heute nachgerade archäologisch aus , Protagonisten des Hypertext- Hypes haben sich einträglicheren Geschäftsmodellen wie readme zugewandt . Geblieben sind praktikable Online- Anthologien wie lyrikline.org , lyrikwelt.de oder lyrikkritik , Serviceportale wie Bluetenleser und das zeitweilig belachte Marbacher Literaturportal . Geblieben sind die Online- Schaufenster von Frischtext- Print- Periodica . Geblieben sind aber auch Kollektiv- Text- und Tagebücher wie Nensch . Geblieben die in sich geschlossenen kommunizierenden Gefässe wie Forum der 13 oder der goldene fisch .

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BLOGS , LITERARISCH

Geblieben ist allerdings auch eine Fülle “literarischer” Weblogs : Meist Ego- Shooter , welche mit mehr oder weniger Ernst teils in in strengen Kammern oder auf den Registern eines “erweiterten” Literaturbegriffs spielen . Gilt den Einen das ICH als hyperbolischer Weltenspiegel , splittern sich Andere knirsched oder grinsend in Partialsubjekte auf : also ganz wie in der belletristischen Echtwelt . Unter solchen Umständen ist es praktisch , wenn sich notorische Mono- Publisher

  1. zu einem Netzwerk der unterschiedlichen Temperamente und Performanzen zusammen schliessen sowie
  2. sich und einander je eine Definition des individuellen Verständnissen “literarischen” Bloggens abnötigen .

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POETOLOGISCHE POSITIONEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollerePunkt eins wurde mit litblogs.net ins Leben gerufen . Und Punkt zwei liegt mit Ausgabe 5 der Zeitschrift spa_tien in gedruckter Form vor . Der jetzt fällige DISCLAIMER folgt promt : Wenn sich in|ad|ae|qu|at seit kurzem zu den Benetzten zählen darf , so geschah dies nicht aufgrund ästhetischer Präferenzen oder literarischer Sekten und Schulen . Entsprechend stiessen wir erst längst nach Redaktionsschluss des vorliegenden Heftes hinzu . Nicht zum Liebesdienst , nicht als Eigenwerbung taugen unsere kurzen Bemerkungen zur diskursiven Selbstdarstellung “literarischer” Blogger : Die Überprüfung manch vollmundiger Thesen anhand der tagtäglich ins Web fliessenden Texte sei dem p. t. Lesenden selbst vorbehalten . Wir nehmen es jetzt strikt alphabetisch .

Manche der Selbstaussagen zum eigenen Blog- Werken wurden ihrerseits in bewusst poetischer Desinvolture gehalten , dass diese sich einer diskursiven Paraphrasierung ( vulgo theoretischen Einordnung ) entziehen . In diesem Sinne mag sich der Leser der spa_tien selbst ein Bild machen von den immanenten Poetiken , wie sie Helmut Schulze für sein Blog PARALLALIE oder Andreas Louis Seyerlein zu AIRMAIL formulieren .

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NON- EGO & ALLMÄHLICHE VERFERTIGUNG

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollere HARTMUT ABENDSCHEIN ( *1969 ) ist - zusammen mit Markus A. Hediger ( *1969 ) - Begründer von litblogs.net sowie Herausgeber der “spa_tien - zeitschrift für literatur” . In den diskursiven Überlegungen zum Thema praktiziert Abendschein die auch für sein Blog TABERNA KRITIKA charakteristische Form des ( fiktiven ) Dialogs . Was , nebenbei bemerkt , weniger “literarisch” anmuten muss , als es auf den ersten Blick wirkt : Die Vorliebe deutscher “A- Blogger” , einander gegenseitig zu interviewen , kann mittlerweile als notorisch gelten . Abendschein indes markiert Abstand zum trügerischen ICH des “Webtagebuchs” - ebenso allerdings zu den “trackback”- Techniken des Community- und Authority- Building :

hören sie mir doch bitte damit auf ! als machte ein link ein weblog aus ! die ganze diskussion um links und kommentare und trackbacks, pingbacks undsoweiter. lächerlich. ( … ) aber fakt ist: ich schreibe. das können sie gar nicht wegdiskutieren. und ja: ich benutze da so ein system. ob ich da nun verlinke oder auch nicht. überhaupt: das lesen und schreiben. eine einzige verlinkung. da braucht man gar kein <a href=”"></a>zu setzen.nein. das macht der leser oder die leserin selbst.

Für den Autor bietet das Blog Raum für jene “kleinen formen”, welche sich sukzessive in- und miteinander “verschalten” . Das Blog also als Medium , dem Druck des “grossen Wurfs” zugunsten von “Materialklumpen” zu entkommen oder , nach Kleist : “Über die allmähliche Vernetzung des Schreibens mit dem Schreiben ” allmählich “Werk” zu werden .

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PRAXIS ABSEITS DER INSTITUTIONEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereFür die in Wien lebende Juristin , Künstlerin und Autorin NEDA BEI ( * 1952 ) stellt die Usability des Weblogs zunächst eine pragmatische Form dar , “das schreiben [ zu ] retten” : Einerseits im Sinne einer “kleinen alternative zum grossen redaktionssystem einer statischen website” . Das “tröpfelnde verfassen neuer texte” vermag als Praxis und Ritual das “Weiterschreiben” eventuell sogar gegen die konkreten Anfechtungen des Echtlebens zu verteidigen . Auch gegen die Ein- und Auschlussmechanismen , Abhängig- und Gefälligkeiten des manifesten Literaturbetriebs :

werde ich nunmehr gefragt , ob ich noch schreibe , kann ich als kleinkapitänin auf mein logbuch verweisen.

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CHANCE TO CONNECT , ICH IN RELATION

Wie Abendschein interessiert sich auch MARKUS A. HEDIGER ( *1969 ) für die Diversifikationen und differenten Valenzen von Wort und Wert des ICH im Medium des Blogs ( HANGING LYDIA ) . Daher die - zunächst - virtuelle Kontaktaufnahme mit dem ICH- kargen Abendschein , daher aber auch die Faszination an der forcierten Fiktiv- ICH- Positionierung im Blog von MICHEAL PERKAMPUS . Hediger versteht sein eigenes Agieren als jeweils relatives - sei’s als Minimaldifferenz zur VernICHtigung eines Alter Ego , sei es in der offensiven Adoption eines künstlichen Schreib- ICHs im Rahmen des kapitelweise abwechselnd von HEDIGER und PERKAMPUS entstehenden Romans :

Seit einigen Monaten schreiben P. und ich an einem gemeinsamen Buch. Kapitel für Kapitel, abwechselnd jeweils, er eines, dann ich, dann wieder er. Wie kraftvoll P.-s Präsenz bis in dieses Projekt hineinwirkt , zeigt sich an den Kapiteln, die ich bisher schrieb: Da fallen die Grenzen, für mich bislang Unvorstellbares bricht in den Text hinein, es ist phantastisch.

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MASSE UND MASSAGE

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDass der Schriftsteller ALBAN NIKOLAI HERBST ( *1955 ) sein ICH durchaus autoritativ und im Sinne eines Ego- Branding setzt , ist jedem Besucher des Blogs DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT bekannt . Die emphatische ICH- , Werk- und Blog- Konzeption des Autors manifestiert sich unverholen in der Form seines “Beitrags” für die spa_tien- Anthologie : Herbsts “Thesen zu einer möglichen Poetologie des Weblog” erscheinen in Form eines 2005 gehaltenen Vortrags . Das Signal ist klar : Die Rede über das eigene Blog gilt dem Autor als hinreichend “wertig” , dass sich jede “Anpassung” bzw. Redaktion im Hinblick auf den Publikations- Kontext anno 2008 erübrigt .

Es ist hier @ in|ad|ae|qu|at nicht der Ort , die weit ausgreifenden Bögen einer auf - teils sehr diskutable Prämissen gestützten - Argumentation nachzuzeichnen . Nur einige Stichwörter : Das Blog beerbt die historischen Avantgarden im Zusammenspiel von Künstler und “Maschinisten” . Das sich im Blog technisch ( re ) produzierende Schreiben verliert die “Sakralität” der an der herkömmlichen Genieästhetik orientierten Literatur : “Das Internet aber ist, weil es profan ist - noch profan - geschichtslos” . Um diesen kalten und ahistorischen Leerraum mit Mythen , Märchen , Verheissungen zu möblieren , bedarf es des künstlerischen “Opfers” . Das Wort vom “Märtyrer” fällt und der Name der “Al Quaida ” ( ? ) .
Anders als der monadisch in seiner Klause vor dem leeren Blatt Papier eingekapselte Künstler driftet der literarische Weblogger in einem interaktiven ( “kybernetischen” ) Raum , wo durch Kommentare und Chats Momente von “Unmittelbarkeit” zustossen . Der literarische Blogger im Inter- Net schreibt in einer “Zwischenwelt” . Das Medium generiert und reflektiert das Kunstwerk mit ( siehe Kittlers “Aufschreibsysteme” plus Kritik ) .

Ich verstehe unter einem literarischen Weblog insofern nicht ein Weblog, das literarische Texte veröffentlicht, also Statthalter eines Printmediums im Netz ist, sondern eine Publikationsform, die sich selber zum poetischen Gegenstand macht, indem auch die sie basierende Technologie poetisiert und in die Gestaltung einbezogen wird: Sie ist ebenso Romanfigur wie jemand, über und/oder von dem erzählt wird. Dies schließt an eine der Grundbewegungen der ästhetischen Moderne an: Der Prozess der Entstehung wird selber zum Material des Kunstwerks.

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DISEMBODIED ONLY

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereJÖRG MEYER ( *1964 ) gibt sich dekonstruktivistisch und attribuiert dem Blog- Text ( PÖDGYR ) einen selbst- und subjektgenerierenden Willen . Die laut- und sprachspielende Ironie sei nicht auzuschliesen , wenn es über eine “disembodied texture” heisst :

Nur im TEXT.ÜBER.DEN.TEXT entsteht also überhaupt die frage: was ist was ? muss nicht nur das out.ohr im text er-tauben, sondern auch der leser verschwinden im/aus dem text ? dann, erst dann, wäre NUR.NOCH.TEXT. das wäre UR.KNALL. bloß: aus dem ur.knall entsteht sofort wieder materie. erstmal strahlung, aber dann daraus gleich wieder KÖRPER. Die im/vom text artikulierte sehnsucht, im text zu verschwinden ist die sehnsucht eines körpers, der ja andererseits im text gar nicht sein kann, nur als figur. Text, der nur noch text ist (also die autonome asymptote überschritten), der nicht mehr gelesen zu werden braucht, ist dabei eine rein akademische frage ( … ) . was im text, hinter dem text, verschwinden will, ist der körper. Der körper des out.ohrs, dessen, der “sich” als ingenieur.voyeur beschaut, sich wundert usf. die alte sehnsucht, NUR NOCH GEIST zu sein.

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LIVE- ACT MIT FRISCHEN IMPERATIVEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDie 1963 in Teheran geborene Autorin SUDABEH MOHAFEZ verfügt über Romanerfahrung , orientiert sich für ihre ZEHN ZEILEN allerdings an den genuinen Darstellungs- und Rezeptionsbedingungen des Mediums “Blog” . Im Unterschied zum üblichen Publizieren via Lektorat , Satz , Marketing und einem Verlag als “Panzer” um Buch und Autor biete das literarische Bloggen einen “Live- Schreibact vom Feinsten” . Produktive Komponenten dabei sind :

Die betont rasche Niederschrift innerhalb einer Viertelstunde sei reizvoll als selbst gestellte Aufgabe , biete zudem eine Art kontinuierliches Schreibtraining . Auch der Fokus auf optimale optische Strukturierung ( “auf einen Blick” ) sei - im Unterschied zur Grossnarration - ein lohnender Mehrwert . Im Verzicht auf die unendliche Korrektur und Revision tritt das Moment der “Improvisation” zu Tage : Performanz mit direkter Resonanz . Schliesslich böten die Inspiration und Zitation von im Netz gefundenen “Fremdtexten” schöne Möglichkeiten für intertextuelles Spiel :

Ideen teilen, Zugänge schaffen und Lesens- und Sehenswertes voicen .

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SPIELMODELL “AUTONOMIE” IM “KÜNSTLICHEN PARADIES”

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDass dem Blog des Schriftstellers , Musikers und Schauspielers MICHAEL PERKAMPUS ( *1969 : P-’s VERANDA ) ein histrionisches Moment eignet , liegt auf der Hand . Kraftvoll plädiert der neue “Jedermann” für eine autonome Alternative zur Verwertungs- und “Geldmaschnine” der Verlage . Via Weblog komme Literatur ( “Lassen wir die Diskussion darüber, was Qualität bedeutet, einmal links liegen ” ) ohne die Zwischenfilter von Redaktoren , Lektoren direkt an die Leserin , den Leser . Welchen wiederum hinreichend Autonomie zugestanden wird , selbst über ihre Lektüren zu entscheiden :

Wenn also der Autor entscheidet, was er anbietet, dann entscheidet nicht zuletzt der Leser, was ihm gefällt und vertraut in erster Linie sich und dem Autor und nicht einem Verleger und einem Verlag. Beide, Leser und Autor, werden in diesem Zu stand der Freiheit völlig autark.

Ein weiteres Argument für das literarische Bloggen besteht für PERKAMPUS in der Offenlegung der oft noch provisorischen Form , in der Dokumentation des Schreibprozesses mit all seinen Stufen von Visionen und Revisionen . Dass diese ( nicht unbedingt mit “unmittelbar” gleichzusetzende , czz ) Öffnung seitens des Autors durchaus exhibitionistische Momente - und symmetrisch dazu beim Leser voyeuristische Freuden - aufweisen kann , mag zum Reiz des Spielmodells “literarisches Blog” durchaus beitragen : Pro domo et mundo gesprochen , wäre die Blogosphäre mit all ihrer Illusionistik , Ortlosigkeit und “Möglichkeitsform” ( Musil ) ein postmodernes “künstliches Paradies” .

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“WIR” - WO ANDERS ?

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereBeim Text- und Bildblog LOGBUCH ISLA VOLANTE ist sicher nur , dass gar nichts sicher ist . Weder , ob das Autorenkürzel Rittiner & Gomez ( *1960 ) sich auf eine oder mehrere Autoren bezieht ( in der Fiktion des Blogs handelt es sich konsequent um ein “WIR” ) , noch , ob die virtuos ge- und bezeichneten Reisen Vision , Fiktion , Erinnerung oder Realitätsreste darstellen . Hier zielt das Begehren nach Autonomie nicht nur auf die literarischen Türhüter , sondern auch auf deren Kollegen im Kunstbetrieb , vulgo Ausstellungsmacher und Kuratoren .

Wir konnten also einerseits kontinuierlich an einem Projekt arbeiten und waren andererseits frei für Experimente und neue Wege. Durften uns an das Malen und Schreiben herantasten, ohne ständig den Launen und Spekulationen des Kunstmarktes ausgesetzt zu sein. Es sollte ein Logbuch sein und kein privates Tageb uch werden, also Aufzeichnungen einer - wenn auch nur virtuellen - Insel und des öffentlichen Lebens dieser Insel. Was uns auch faszinierte, war die Verbindung von zwei Handwerken, dem Schreiben, Zeichnen und Malen auf Papier und der digitalen Welt des Internets.

Als “Überraschung” und Anregung zu neuen Versuchsanordnungen stellten sich unverhoffte “Gastschreiber” ein , welche die ISLA VOLANTE- Phantasien auf ihre Weise fort spannen - umgekehrt allerdings auch die visuellen / visionären “Gastspiele” auf anderen Blogs . Dass ein derartiges Publizieren nicht lediglich Erweiterung des EGO , sondern durchaus als angewandtes Benchmarking der eigenen Arbeit verstanden werden kann , wird auf feine Art formuliert :

Die Arbeiten, die wir für andere Blogs realisierten, sind auf alle Fälle sehr lehrreich, da wir zwar ohne Wettbewerbsbedingungen arbeiten können, aber trotzdem erkennen, ob unsere Bilder auch in der neuen Umgebung Bestand haben. Zu guter Letzt hat ein Blog noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber all den “realen ” Werken: ein Druck auf die Delete-Taste, und es ist für immer weg.

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POETISCHER MOTOR WIEDER FLOTT

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereIn schöner Freimütigkeit gesteht der Autor und Journalist BENJAMIN STEIN ( *1970 ) die Überwindung einer lähmenden Lese- und Schreibkrise durch das Blogprojekt TURMSEGLERein :

Bevor ich aufgehört habe zu schreiben, habe ich aufgehört zu lesen. Wer nicht sprechen mag, hat keinen Verlust durch Schweigen. Nicht mehr zu lesen aber - zumindest was Dichtung betrifft - ist ein Verlust. Ich möchte wieder beginnen. Mit diesen Worten begann der erste Beitrag meines Weblogs TURMSEGLER. ( … ) Ich möchte wieder beginnen. So stand es da. Und das traf zu. Ich bezog es zunächst auf das Lesen. Aber dahinter steckte der Wunsch, mit der Dichtung auch als Sprechender wieder zu beginnen.

Entschieden gegen jede Anmutung der Unterstellung , ein literarisches Blog sei eine Form der Selbsthilfe , präsentiert STEIN seinen poetischen Neubeginn im spezifischen Modus und Medium des Blog als “poetischen Motor” :

Ich lese und schreibe und habe Vergnügen daran. Der poetische Motor schnurrt. Metronom und Stichwortgeber verrichten ihren Dienst hinter den Kulissen in einer Selbstverständlichkeit, die es vor dem Verstummen nie gab.

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LINKS ( BLOG TAGEBUCH , LITERARISCHE BLOGS )

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KLANGAPPARAT

Wie aus einem imaginären Marokko erklingen die stark Dub- lastigen Tunes , die das französsische Netlabel Fresh Poulp eben importiert : Die EP czz hörempfehlungFAKE MEDIA ( 014 ) ist gerade mal drei Tage alt und stellt die spanischen Brüder Raúl & Eduardo aka NORMAA als findige Kombinierer im Ausverkaufsladen namens “Weltmusik” vor . Eine assoziationsreiche wie erbauliche Lektion für unsere stets zu romantischen Konservativismen neigenden Ohren - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01 . GazaHebron | 02. Otra Vez te Equivocas | 03. The Void Night | 04 . The Void Coliseum | 05. The Void Triumph

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