Tag Archive for 'michael-hammerschmid'

NEUES VON FREUNDEN



||| MONAT DER FOTOGRAFIE : TELLTALE TAUTOLOGY | MONAT DER FOTOGRAFIE : PRIVATSACHEN | MONAT DER FOTOGRAFIE : TRACES | TRACES : SILVIA M. GROSSMANN | PERSONALEN : LESSUNG , SATTMANN | MONAT DER FOTOGRAFIE : ELFRIEDE MEJCHAR | DOUBLE FEATURE MICHAEL HAMMERSCHMID | FORT ZUR FLORIANA | KLANGAPPARAT

MONAT DER FOTOGRAFIE : TELLTALE TAUTOLOGY

WESTWAERTS_copyright_Silvia_Maria_Grossmann

westwärts ( 2006 ) © Silvia Maria Grossmann
s/w – Fotografie auf Baryt - Bild 32,5 x 48,5 cm - Auflage 7 + 1 EA

ZWEI_WIRKLICHKEITEN_copyright_Silvia_Maria_Grossmann

Zwei Wirklichkeiten ( 2006 ) © Silvia Maria Grossmann
s/w – Fotografie auf Baryt - Bild 32,5 x 48,5 cm - Auflage 7 + 1 EA

Zwangsläufig ladet man in der Tautologie : Sei’s , man sagt , der “Monat der Fotografie” werfe seine Schlagschatten über das Stadtleben Wiens , sei’s man neigt der Formulierung zu , die täglich neu eröffneten Schauen und Ausstellungen lieferten dem Echtleben Lichtbilder aus dem Reich des Projizierten und Imaginären .

|||

MONAT DER FOTOGRAFIE : PRIVATSACHEN

czz-neuesvonfreundenIm Hinblick auf das “Realismusproblem” wäre angesichts der gestern eröffneten , vorgestern im “Salon Littéraire” vorgestellten “privatsachenLiesl Ujvarys einiges zu debattieren gewesen : Ujvarys extrem selektive Details aus real existierenden künstlerischen Arbeitsumgebungen haben ebenso viel mit teilnehmender Beobachtung zu tun wie mit dem “Image” der privatsachlich vorgestellten Kunstschaffenden und deren Stilisierung .

Die synoptische Schau der in ihrer “Blickhaftigkeit” ( “die Kamera schaut auf etwas” vs. “es ist” ) akzentuierten Bilder impliziert eine diskrete Reflexion darüber , was man in den wiederkehrenden marxistischen Termini ruhig die “materiellen und situativen Produktionsbedingungen” von Sound- Art und | oder Literatur nennen könnte .

|||

MONAT DER FOTOGRAFIE : TRACES - ERINNERUNGEN IN FOTOGRAFIEN

Der Titel der heute abend im Künstlerhaus eröffneten Sammelschau “traces - Erinnerungen in Fotografien” spricht die unweigerliche Tatsache , dass die Camera Obscura seit je Spuren und damit ‘Erinnerung’ aufzeichnet . Die ans Tautologische grenzende Formulierung des Titels ist freilich dazu angetan , den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern grösstmögliche Freiheit in der Werkwahl zu gewähren .

Die Gruppenausstellung traces – Erinnerung in Fotografien widmet sich der Fotografie als Anknüpfungspunkt persönlicher Erinnerung. Unsere Verwendung des fotografischen Mediums für die Tradierung und Vermittlung von Erfahrungen wirft grundlegende Fragen zum Wesen der Fotografie und ihrer Verortung zwischen Erinnerung und Gedächtnis auf. Die Ausstellung kann für diese Fragen ensibilisieren, gerade weil sich die Künstlerinnen und Künstler in der Auseinandersetzung mit dem Erinnern und der Erinnerung in Fotografien ihrerseits im Medium der Fotografie artikulieren.

|||

TRACES : SILVIA M. GROSSMANN

czz-neuesvonfreundenUnter diesen - vom Almblitz- Kollektiv über Linda Christanell , das Kommunikations- Kunst- Phänomen eSeL bis hin zu Willy Puchner und Kurt Straznicky - möchten wir in|ad|ae|qu|at besonders die Arbeiten Silvia M. Grossmanns hervorheben .

Von der in Wien lebenden Schweizerin , Künstlerin und Galeristin stammen auch die beiden Titelbilder on top of this page . Dass sie gleichzeitig in der eigenen Galerie “Atrium ed ArteChristof Aigners fotografische Reflexionen zu | von “Wasserformen und Pflanzenwelten” zeigt , zeugt vom pragmatischen Multitasking der nimmermüden Generalistin ( 12. 11. bis 20. 12. 2008 ) .

Die von Frachtschifffahrten und einem längeren China- Aufenthalt mitgebrachten Erinnerungen entraten allem subjektiv- Impressionistischen und schaffen einen Mehrwert , welcher die Spuren des Faktischen um eine eigenständige ästhetische Dimension erweitert .

|||

K / HAUS PERSONALEN : LESSUNG , SATTMANN ALS HORS D’OEUVRE

Zeitgleich eröffnen am selben Ort zwei Peronalen legendärer Fotografen- Persönlichkeiten : Über Erich Lessing und Didi Sattmann brauchen wir an dieser Stelle und unserem sicher besser informierten Leser kaum etwas zu erzählen .

Sämtliche Schauen des Künstlerhauses zum “Europäischen Monat der Fotografie” sind ab heute abend zu betaunen :

|||

MONAT DER FOTOGRAFIE : ELFRIEDE MEJCHAR - RÄNDER WIENS

czz-neuesvonfreundenWer nicht nachsieht , hat das Nachsehen : Wer sich die in Spuckweite vom Künstlerhaus eingerichtete Ausstellung “Fotografien von den Rändern Wiens” ( Timm Starl , pdf ) der Grossen Alten Dame vorausschauender blickender österreichischer | Wiener Fotografie , Elfriede Mejchar ,
etngehen lässt , verpasst ein historisches Ereignis der Dokumentation einer StadtLandschaft im Wandel :

Die Ausstellung konzentriert sich auf die Stadtfotografin Elfriede Mejchar, mit wichtigen Zyklen von den 1960er-Jahren bis heute. Mejchar (geb. 1924) war Fotografin des Bundesdenkmalamtes, als sie begann, die Simmeringer Heide, das Erdberger Mais oder den Wienerberg zu erkunden – Gegenden, geprägt von Brachen, Gärtnereien, Schlachthäusern, historischen Industriebauten und einfachen Arbeiterwohnhäusern.

Hunderte von Aufnahmen entstanden in dieser Randzone zwischen Stadt und Land, deren unmittelbar bevorstehender Wandel in Autostraßen, Industriezonen, Bürokomplexe und Forschungslabors sich damals bereits abzeichnete und heute längst vollzogen ist.

|||

IM ZWIEFACH DER KUNST UND LITERATUR - DOUBLE FEATURE MICHAEL HAMMERSCHMID

czz-neuesvonfreundenSchon schlimm , wenn man Monate an diversen Projekten arbeitet und dann werden sie sämtlich an ein und demselben Tag präsentiert : Da auch unser “Salon Littéraire“- und “Literatur als Radiokunst“- Autor Michael Hammerschmid nicht über die Gabe der Bilokation verfügt ( wie es sein Lehrer Wendelin Schmidt-Dengler formuliert hätte ) , muss der Kunstkatalog “Raumzeitpunkte sind Ereignisse” ( mit begleitenden Screenings performativer Arbeiten von Studierenden der Klasse Transmediale Kunst , Brigitte Kowanz ) unter Ausnahme der körperlichen Anwesenheit des essayistischen Co- Autors Hammerschmid präsentiert werden .

Sehr wohl und sehr körperlich vor Ort wird Michael Hammerschmid allerdings heute in der “Alten Schmiede” aus seinen in der neuen Nummer 43 der Literaturzeitschrift “kolik” erschienen Texten lesen . Leider wurde deren Webseite seit Ausgabe 41 nicht mehr ge- updatet . Aber deshalb strebt man ja zu Lesungen , um “ungeschaut” Neues ohne ( trans- ) medialen Zwischenfilter zu erfahren .

Übrigens wurde eben auch die Monatsschrift “Wespennest” Numerio 153 ausgeliefert ( Webseite leider ebenfalls noch nicht aktualisiert ) . Thematisch der lohnenden Reflexion der “Resignation” verpflichtet , bringt der Lyrikteil mit “verstecke - gedichte für kinder und erwachsene” eine der ebenso anrührenden wie heim- tückischen literarischen Facetten des 1972 geborenen Autors :

ich habe mich
in einem wort versteckt.
ich kann’s nicht sagen …

|||

FORT ZUR FLORIANA

Am Donnerstag geht’s dann in|ad|ae|qu|at beruflich ins landschaftsliebliche Sankt Florian zur “Floriana” , dem biennal ausgetragenen Wettbewerb für | der Literatur . Selbstverständlich geht es nach zweieinhalb Tagen voller Lesungen und Diskussionen letztlich um die nicht eben übel dotierten Preise und wer von den neun eingeladenen Autorinnen und Autoren diese mit nach Hause nehmen wird .

Unselig das double- bind für Juroren , dass jede Auszeichnung notwendig den Ausschluss derselben für andere , vielleicht sogar mehrversprechende Stimmen bedeutet -

|||

KLANGAPPARAT

Sounds wie differenzierte Kräuselbewegungen auf der Oberfläche eines stetig dahin fliessenden Gewässers : Treibende Takte im Wechsel mit skeptischen Breakbeatz . Klug konturierte Linien im ambient- flächigen Space . Akustisches Instrumentarium im Dialog mit elektroakustischen Klängen und Effekten : Was der Wiener Elektroniker Klabusta mit seiner zweiten Release “You Have Been Plutoed” da vorlegt , lässt sich im besten czz-hoerempfehlungund innigsten Sinne des Wortes mit “IDM” - Intelligent Dance Music - benennen . -

Vielleicht mag sich ja noch jemand an den Erstling , “Digital Dementia” , erinnern , wir hatten ihn vor einigen Monaten dem p. t. publico in|ad|ae|qu|at mit Empfehlung angetragen .

Nun aber retour zu Pluto . 40 Minuten polyrhythmisch hochmusikalische Ermunterung : 01. sweet idleness | 02. german wunderkind | 03. ueber confused | 04. no ecotourist | 05. include me out | 06. musically active | 07. world citizen - CLICK LINKS TO LISTEN AND ENJOY .

|||

Send post as PDF to PDF | PDF Creator | PDF Converter

Salon Littéraire | Michael Hammerschmid : stadtgedicht



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Michael Hammerschmid : stadtgedicht

 

Wien_Haustor_copyright_christiane_zintzen

 

die langsame stadt

die stadt ist so langsam. er ist müde von ihr.
sie ist nur mehr ein achter bezirk, immer noch,
vermischt mit den autoreifen vom stadtrand;
einem goldkettchen (goldkätchen).
er wird nie herauskommen.
die gebäude sind mächtig. wir sind ihre vasallen.
wir gehen zu ihren füßen, putzen ihre fassaden.
ohne sie wären wir nichts. wir sind so sehr wir
geworden, dass wir ganz alleine sind.
die uhren bräuchten wir nicht.
sie stehen in die laternen gegossen halt immer noch da
und gehen vor den vögeln im kreis.
wenn der wind nicht wäre, wären wir weniger böse,
weniger von hoffnung gestört. er folgt uns, als könnte
er jetzt alles verändern. wir sollten uns nicht
mit dem wetter beschäftigen. sagen wir uns.

|||

Michael Hammerschmid

|||

Send post as PDF to PDF | PDF Creator | PDF Converter

Dokumentation | Alte Schmiede oder : “Ein Abgesang” auf die “sozialdemokratische Kulturpolitik”



||| In der Tageszeitung “Die Presse” veröffentlicht Wolfgang Müller-Funk am 13. 6. eine lesenswerte Reflexion über den Paradigmenwechsel innerhalb der sozialdemokratischen Kulturpolitik 1968 - 2008 .

Fortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 vor genau einem Monat unternommenen DOKUMENTATION . - Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

|||

ALTE SCHMIEDE: DAS ABSTOSSENDE, AMORALISCHE IHRES TUNS , von Wolfgang Müller-Funk

Weil die Wiener Städtische das Gebäude an einen Immobilienmakler verhökerte, ist das einzigartige Literaturhaus in Gefahr. Ein Abgesang auf Wien 1968 und sozialdemokratische Kulturpolitik.

alte-schmiede-was-tunVor einigen Wochen zeigte mir Walter Famler, der Generalsekretär des Wiener Kunstvereins, mit sichtlichem Besitzerstolz den neuen Zeitschriftenraum der “Alten Schmiede“ mit Literatur- und Kulturzeitschriften aus ganz Europa. Soeben war nämlich – auch das sinnträchtig – die Zukunftswerkstatt der SPÖ aus den Räumlichkeiten ausgezogen. Was ihm, dem kritischen Linken, damals vorschwebte, war, aus dem Altwiener Haus im ersten Bezirk einen Treffpunkt für Kultur zu machen, mit Wohnungen für Literaten und Künstler und eventuell gar einem kleinen Forschungszentrum.

Mittlerweile ist, wie auch in der “Presse“ zu lesen stand (vgl. Michael Hammerschmids Aufruf in der Wochenendausgabe vom 7./8. Juni), der Bestand der Alten Schmiede ernsthaft in Gefahr; Famler und sein Team müssen buchstäblich ums Überleben kämpfen. Der bisherige Besitzer des Hauses, die Wiener Städtische, die jahrelang im Vorstand des Trägervereins der Alten Schmiede vertreten war, hat das Haus, das sie einstmals für einen Pappenstiel erworben hat, zu einem kolportierten Preis, der nahe an die sechs Millionen Euro heranreicht, an einen Immobilienmakler verhökert.

EIN LEHRSTÜCK IN MODERNER ÖKONOMIE

alte-schmiede-was-tunSie ist jetzt keine kommunale “rote“ Versicherung mehr, sondern eine Aktiengesellschaft, die sich nicht lange mit Literatur und Kunst aufhalten will. Ein besonders abstoßendes Lehrstück in moderner Ökonomie. Zugleich ein Nachruf bzw. Abgesang auf Wien 1968. Begonnen hat nämlich die ganze Geschichte im Umfeld von 1968, in den Aufbruchszeiten sozialdemokratischer Kulturpolitik in Wien: Aus der einstigen Schmiede wurde kein Schmiedemuseum, der kommunale Verlag Jugend & Volk zog darin ein, schließlich übernahm die wiederum kommunale Wiener Städtische das Areal.

Und dann begann die fast einmalige Erfolgsgeschichte des vermutlich ältesten Literaturhauses im deutschsprachigen Raum. Liest man die Programme von einst und jetzt, so fehlt fast kein klingender Name der deutschsprachigen Literatur. Als Famler zum Generalsekretär avancierte, brachte er die Zeitschrift “Wespennest“ sowie ein europäisches Zeitschriftennetzwerk ein. Ein Stück literarischer Infrastruktur, ein Ort der viel beschworenen “Nachhaltigkeit“ im Bereich von Kultur, das nun ohne ersichtliche Not ins Trudeln gerät, weil die Politik verweigert, wofür sie zuständig ist: Verantwortung. Entgegen allem Augenschein war die Kohabitation von Literatur und Politik übrigens kein einseitiges “Geschäft“: denn die (Wiener) Sozialdemokratie, die Literatur förderte und finanzierte, erwarb sich durch diese Verbindung symbolisches Kapital, Ansehen. Sie wurde – gut sichtbar in der nachfolgenden Ära der gewiss eigenwilligen, aber profilierten Ursula Pasterk – eine aufgeklärte, urbane, moderner Kunst gegenüber aufgeschlossene politische Stadtpartei.

Damit ist es wohl ein für allemal vorbei. Im Neoliberalismus, den gerade die Wiener Sozialdemokratie rhetorisch so gerne attackiert und den sie doch seit Jahren klammheimlich befördert, ist der Spielraum für eine ambitionierte Kulturpolitik, die sich nicht den Gesetzen des Marktes und der Spaßkultur – siehe Euro 2008! – unterwerfen will, augenscheinlich eng geworden. In der Neuen Ökonomie gibt es keine politische Verantwortung: die Politik, die alles privatisiert, hat auf das Privatisierte keinen Einfluss mehr.

DIE WERBUNG MIT KLEIN-MAXIS TORTENSTÜCK

alte-schmiede-was-tunDie Wiener Kulturpolitik will oder kann der Alten Schmiede nicht helfen, weil das Haus ja der nunmehrigen Aktiengesellschaft gehört, die sich an dem einstmaligen Kommunalbesitz eine goldene Nase verdient, ja und die Wiener Städtische, die in ihrer aggressiven Fernsehwerbung den Zeitgeist der De-Solidarisierung feiert (Papi bekommt nichts von Klein-Maxis Tortenstück ab, deshalb muss man sich rechtzeitig lebensversichern), kann natürlich auch nichts anderes tun, als die fragliche Immobilie möglichst hochpreisig an wen auch immer zu veräußern. Die Literatur kommt dabei zum Handkuss; nun soll sich Famler mit dem neuen Eigentümer herumschlagen, der das teuer Erworbene wiederum gewinnbringend anlegen möchte. Da ist die Literatur, die bisher einen Gutteil des Hauses besetzt, ein ungebetener Gast. Deren einzige Trumpfkarte ist offenkundig ein wasserdichter Mietvertrag, der aber im besten Fall den Status quo sichert. Und der Eigensinn Famlers, der – ganz zum Ärgernis seiner “Genossen“ – an seinen linken Ansichten und an der Literatur festhält.

Bemerkenswert an der Causa ist das offensichtlich fehlende Bewusstsein der Beteiligten für das Abstoßende und Amoralische ihres Tuns. Das hat mit dem neuen ökonomischen Fatalismus zu tun. Ist die ökonomische Eigenlogik wirklich so zwangsläufig, wie jene suggerieren, die sich aus der Verantwortung stehlen wollen? Doch wohl nur, wenn man davon ausgeht, dass das ökonomisch Profitabelste immer schon die politisch beste Lösung ist. Befand sich die Wiener Städtische aber wirklich in einer ökonomischen Zwangssituation, aus der heraus sie das Haus unbedingt zum höchstmöglichen Preis hat verkaufen müssen ? Und hätte sich der Kulturstadtrat Mailath-Pokorny nicht rechtzeitig mit allen Beteiligten zusammensetzen können, um eine Lösung zu finden, etwa ein Stiftungsmodell, eine Kooperation zwischen Stadt, Eigentümer und Kunstverein ?

Man kann prosperierenden Unternehmen auch in den kapitalistischsten aller Welten nicht verbieten, sich aktiv für Kunst, Kultur und Wissenschaft einzusetzen. In den heute offenkundig als so vorbildlich angesehenen anglo-amerikanischen Ökonomien wird gerade auf solche Firmen erheblicher Druck ausgeübt, sich im sozialen, kulturellen oder wissenschaftlichen Bereich zu engagieren. Dahinter steckt die Idee, dass es so etwas wie eine soziale Verantwortung und ein soziales Gewissen gibt, dass der ökonomisch Glückliche etwas rückzuerstatten hat.

KAPITAL ERSETZT NICHT KULTURPOLITIK

alte-schmiede-was-tunVon den vier Millionen Euro Reingewinn, die die Transaktion der Versicherung wohl eingebracht hat, ließen sich, dem Musilschen Möglichkeitssinn folgend, einige kluge und wirksame Projekte in der Alten Schmiede finanzieren. Und wenn all jene Unternehmen, die nach 1989 in Zentraleuropa so unverschämt viel Geld verdient haben, nur einen Bruchteil in jene Bereiche investieren würden, die zwar selber nicht so ergiebig sind wie Immobilien, aber doch zur symbolischen Infrastruktur einer modernen komplexen Gesellschaft gehören, dann stünden Literatur, Film, Musik, schönen Künsten und Wissenschaften Mittel zur Verfügung, die Österreich wirklich zu einer kleinen Großmacht nicht nur im Bereich des kulturellen Erbes, sondern auch auf dem Feld der Innovation machen könnten.

Man braucht nicht in eine antikapitalistische Rhetorik zu verfallen, um die These zu riskieren, dass Geld und Kapital aus politischer Sicht kein Selbstzweck sein dürfen. Ökonomie ist nicht alles. Sie kann und darf Politik nicht ersetzen, schon gar nicht Kulturpolitik.

|||

LINKS

|||

RELATED

|||

KLANGAPPARAT

Urbane Härte , codifizierte Protestkultur : Ein frisches Mix des in New Yorkczz-hoerempfehlung und San Francisco situierten Metro- Mags XLR8R ( sprich “Accelerator” ) erweist , dass ein wenig Abstand vom Eigenen dessen Konturierung dienlich sein kann : Aus dem Berliner “Exil” sendet der Labelchef , DJ und Producer Jay Haze einen alarmierend- elektrisierende Reminder , wachsam zu bleiben : “Keep Your Third Eye Open” . Roh , schwarz , unbarmherzig . |||

Send post as PDF to PDF | PDF Creator | PDF Converter

Alte Schmiede : 3 Aufrufe - 3 Repliken



||| I. VIELE FRAGEN - KAUM DISKURS | II. BRIEF , BLOG , PRESSE | III. IG AUTOREN AUTORINNEN | IV. GAV | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

I. VIELE FRAGEN - KAUM DISKURS

Alte Schmiede Was tunInstitutionen und Privatpersonen , Mitarbeiter und Gestalter , Musiker und Autoren : sie alle wollen wissen , wie es nach dem Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 um die künftigen Geschicke der “Alten Schmiede” steht . Mit dem seit über 30 Jahen im Haus Numero Neun situierten “Literaischen Quartier” ( 30 Jahre ) und der “Musikwerkstatt” ( 30 Jahre ) steht freilich nicht nur ein pittoreskes Ambiente auf dem Spiel , sondern das zunehmend rar werdende kulturpolitische Anliegen langfristiger Förderung neuer Kunst im Entstehen sowie im Verstehen seitens des Publikums . Die entsprechende Formulierung der Trägerorganisation “Kunstverein Wien” lautet wie folgt :

Der Kunstverein Wien wurde im Jahr 1972 gegründet und hat gem. § 2 der geltenden Statuten den gemeinnützigen Zweck, Kunst und Künstler sowie das Verständnis für diese zu fördern. Seine Tätigkeit ist nicht auf Gewinn gerichtet.

Langfristige Planung , Offenheit für Unkonventionelles sowie “realistische” Honorare für künstlerische und kulturvermittelnde Leistungen haben die “Alte Schmiede” zu einer für viele Kunst- und Kulturschaffende buchstäblich lebensnotwendigen Institution gemacht . Entsprechend gross ist die Aufregung über eine mögliche Gefährdung von Bestand und Betrieb der “Alten Schmiede” .

Es ist bemerkenswert , dass - seit die Nachricht um einen möglichen Verkauf des Hauses kursiert ( 17. Mai , Der Standard ) - kein nennenswerter Diskurs über das Thema entwickeln will : Dabei geht es um nichts weniger als um die Frage , inwieweit sich die Kulturadministration der Stadt Wien zu Zeiten der Event- und Spektakelkultur zum kulturpolitischen Wert von “Bildung , Partizipation und Entwicklung” bekennt , in deren Geist der “Kunstverein” gegründet worden ist .

Statt statt klar beantworteter Fragen gibt es Protestnoten und unverbindliche Repliken . So brauchte es zehn Tage bis der zuständige Stadtrat auf die dringlichen Fragen seitens der “IG Autorinnen Autoren” sowie der “GAV ” reagierte . Drei Beispiele für “die nicht gegebene Antwort” werden im Folgenden dokumentiert .

|||

II. BRIEF , BLOG , PRESSE

Alte Schmiede Was tunAm 27. 5. ging ein Mail- Rundschreiben von Seiten des Vorstandes des “Kunstvereins Wien” zur “Information und Erklärung zur Situation der Alten Schmiede” an viele Autorinnen und Journalisten . Unter der dezidierten Erklärung ,

dass sich der Kunstverein weiterhin mit Nachdruck um eine gedeihliche Lösung der entstandenen problematischen Situation bemühen wird, damit der in seinen Satzungen festgelegten Aufgabe, diesen ‘Mittel und Einrichtungen zur Ausübung, Vervollkommnung ihrer schöpferischen Kapazität zur Verfügung zu stellen’, verantwortungsvoll nachgekommen werden kann ,

wurden die Fakten wie folgt dargelegt :

Seit kurzer Zeit hat die Wiener Städtische Versicherung, ihr Generaldirektor Dr. Günter Geyer war 12 Jahre Präsident des Kunstvereins Wien und zeigt sich in der Angelegenheit persönlich engagiert, bekannt gegeben, das Gebäude Schönlaterngasse 9 verkaufen zu wollen.

Trotz mehrfacher Bemühung seitens des Kunstvereins hat eine gemeinsame Problemberatung von Hauseigentümerschaft, Kulturabteilung der Stadt Wien, auf deren Initiative der Kunstverein 1969 gegründet und 1975 in der Alten Schmiede etabliert worden war, und dem Kunstverein Wien bislang nicht stattgefunden.

In spontaner Reaktion verfasste der Wiener Autor Michael Hammerschmid ein flammendes Plädoyer für die “Alte Schmiede als Bleibe” , welches den historischen , symbolischen und gesellschaftlichen Raum der Institution plastisch umschrieb . Ungeachtet dessen , dass die Immobilie inzwischen tatsächlich in neue Eigentümerschaft übergegangen war , publizierte Hammerschmid seinen Essay am 30. 5. auf in|ad|ae|qu|at . Per Brief ging der Text auch direkt an die Wiener Städtische Versicherung . Voriges Wochenende wurde das Plädoyer : Für die Alte Schmiede als Bleibe von der Tageszeitung “Die Presse” abgedruckt .

Dem in Form eines offenen Briefes formulierten Essay fügte die Netz- Redaktion den Hinweis auf die “Antwort von Dr. Günter Geyer, Vorstandsvorsitzender der Wiener Städtischen Versicherung” hinzu . Zu dumm nur : Der Link führte den ganzen Samstag und Sonntag lang ins Nichts . Online also : keine Antwort .

Alte Schmiede Günter Geyer Vorstandsvorsitzender der Wiener Städtischen Versicherung ( click to XL )

Sehr wohl online ist dahingegen ein Interview mit Günter Geyer über Expansionspläne der Wiener Städtischen im Montags- “Standard” .

Edit : Montag wurde schliesslich auch der defekte Link der “Presse” zur Replik von Dr. Günter Geyer , dem Vorstandsvorsitzenden der Wiener Städtischen Versicherung , “repariert” . Im Volltext :

Sehr geehrter Herr Dr. Hammerschmid!

Herzlichen Dank für Ihr Schreiben, dass Sie mir per E-Mail am 30. Mai übermittelt haben. Aus Ihren Zeilen wird deutlich, dass Sie sich um die Zukunft der Alten Schmiede große Sorgen machen und einen Appell an uns richten, von einem Verkauf des Hauses in der Schönlaterngasse Nr. 9 abzusehen.
Der Verkauf des Hauses Schönlaterngasse Nr. 9 ist eine unternehmenspolitisch notwendige Entscheidung. Die Immobilienpolitik der Wiener Städtischen Versicherung AG Vienna Insurance Group hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Wir investieren heute in größere Objekte, Zinshäuser oder Immobilienfonds. Mit dem Kunstverein Wien besteht ein aufrechter Mietvertrag, der vom neuen Eigentümer übernommen werden muss.
Die Wiener Städtische ist bereits seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Förderin von Kultur und Kunst. Dies ist integraler Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie und –kultur. Dabei stellen wir den Gedanken an den Nutzen für eine möglichst breite Allgemeinheit in den Mittelpunkt unserer kulturellen Aktivitäten, für die wir bereits vielfach ausgezeichnet worden sind. Aktuell unterstützen wir seit Jahren die artothek der Alten Schmiede – im Sinne unserer Förderung der zeitgenössischen Bildenden Kunst in der Österreich. Auf dem Gebiet der Literatur engagieren wir uns seit Jahren für Projekte zur Lese- und Schreibförderung der heimischen Jugend.
Ich selbst war vor einigen Jahren Mitglied im Vorstand des Kunstverein Wien und weiß daher sehr gut, welchen Beitrag der Kunstverein Wien in der Vermittlung von Kunst und Kultur leistet. Ich bin zuversichtlich, dass für die Zukunft des Kunstverein Wien eine konstruktive Lösung gefunden werden kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Günter Geyer
(Vorstandsvorsitzender Wiener Städtische Versicherung AG)

|||

III. IG AUTOREN AUTORINNEN

Alte Schmiede Was tunAuch die “IG Autorinnen Autoren” hat auf die Nachricht vom ( möglichen | erfolgten ) Verkauf des Hauses reagiert . Zum einen mit der Aktion “1.000 Stimmen für die Alte Schmiede” , zum andern mit den expliziten Äusserungen des Geschäftsführers Gerhard Ruiss , den “katastrophalen Zustand der Wiener Literaturförderung ganz allgemein offensiv thematisieren” zu wollen ( Der Standard online , 2. 6. 2008 ) .

Die Aktion läuft , eine öffentlich “offensive Thematisierung” der Wiener Literaturförderung ist dahingegen ausgeblieben . Mit Ausnahme der Debatte im Gemeinderat der Stadt Wien ( 4. 6. ) , wo Marco Schreuder ( Die Grünen ) den Antrag einbrachte , die Stadt Wien - in Person des Kulturstadtrates Andreas Mailath-Pokorny - solle “sofortige Verhandlungen” aufnehmen , “um die Zukunft der Alten Schmiede zu sichern” . Dieser Antrag wurde “mit der Zustimmung aller Fraktionen angenommen” .

Andreas Mailath-Pokornys Replik auf die Aktion und Äusserungen der “IG- Autorinnen Autoren” wurde in der Samstagsausgabe des “Standard” ( 7. 6. ) wie folgt paraphrasiert :

Kulturstadtrat Mailath-Pokorny sicherte postalisch wiederum seine Gesprächsbereitschaft mit allen beteiligten Parteien zu.

Genau 21 Tage nach der ersten Meldung zur “ungewissen Zukunft” der Institution : Eine Replik , aber keine Antwort .

|||

IV. GAV

Auch die “Grazer Autorinnen Autorenversammlung” ( GAV ) hat sich mit einer Bekundung der Besorgnis an Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gewandt . Zehn Tage später erfolgte eine Replik . Mit dem ausdrücklichen Einverständnis der GAV- Geschäftsführung dokumentieren wir im Folgenden den Wortlaut beider Schreiben . Zunächst die Anfrage der “Grazer Autorinnen Autorenversammlung” vom 20. Mai 2008 :

Sehr geehrter Herr Stadtrat,

mit großem Befremden haben wir gelesen, dass die Alte Schmiede als Ort der Literatur bedroht sei. Wir möchten hiermit, im Namen unserer Mitglieder, als die größte Autorinnen/Autorenvereinigung unter dem Dach der IG, hiermit unserer Besorgnis Ausdruck verleihen: Dieser Ort darf nicht verlorengehen. Es ist ein Ort der Begegnung, der Erfahrung, der Möglichkeiten. Zahlreiche Mitglieder unseres Vereins haben im Literarischen Quartier / Alte Schmiede nicht einfach nur Lesungen bestritten, sondern, in bester Zusammenarbeit mit Kurt Neumann, waren Projekte möglich, die es so nie hätte geben können: Symposien, Autorenmonate, usw. Es ist dies ein Ort von besonderem Wert, der dem Austausch unter den Schreibenden ein ganz besonderes Podium bietet und hoffentlich noch weiterhin bieten wird. Die neu hinzugekommene Galerie der Literaturzeitschriften setzt dies auf ganz besondere Art und Weise fort. Das Literarische Quartier soll eines bleiben: Quartier.
Und mit Kurt Neumann. Und dank Kurt Neumann.

gezeichnet: Christine Huber, Gerhard Jaschke.
(Geschäftsführung; im Namen zahlreicher Mitglieder der GAV)

Replik von Andreas Mailath-Pokorny ( Amtsführender Stadtrat für Kultur und Wissenschaft von Wien ) vom 30. Mai 2008 :

Sehr geehrte Frau Huber!
Sehr geehrter Herr Jaschke!

Ich bestätige den Erhalt Ihres Briefes vom 20. Mai 2008 und danke für Ihr Engagement in Sachen Alte Schmiede. Ich teile Ihre Ein- und Wertschätzung dieses Hauses und bin mit Ihnen einer Meinung über die Bedeutung des dort Gebotenen und Geleisteten. Deshalb gibt es ja keinerlei Zweifel an der Fortsetzung der Unterstützung für die Alte Schmiede. Aufgrund der gültigen Mietverträge gibt es auch keinen Anlass, die Existenz der Alten Schmiede als gefährdet anzusehen.

Was hingegen die Aus- und Umbaupläne betrifft, hat sich die Stadt gesprächsbereit gezeigt, diese sind jedoch in der Tat mit dem neuen Eigentümer abzuklären, ehe darüber befunden werden kann. Ich sehe daher weder die Existenz der Alten Schmiede, noch deren Zukunft gefährdet, sondern diese durchaus hoffnungsfroh.

Mit Dank und freundlichen Grüßen,
gezeichnet Andreas Mailath-Pokorny.

Zehn Tage nach dem brieflichen Ausdruck von “Besorgnis” seitens der GAV : Ein Papier , aber keine Antwort .

|||

LINKS

|||

RELATED

|||

KLANGAPPARAT

Dass in|an|ae|qu|at seine besondere Vorliebe für das Netlabel broque bei jeder sich bietenden Gelegenheit verkündet , wird dem geneigten , ja gar manch zufälligem Leser bereits aufgefallen sein . Die Eigenwilligkeit der Tunes , die Der Werte Herr Christian regelmässig aus dem Kosmos möglicher Töne herauszupft , mag dabei ebenso mitspielen wie gewisse Konkordanzen hinsichtlich der Auffassung des elektronischen Lebens . Jetzt , da wir eben unser Ränzlein schnüren , um auf Reisen zu gehen , meldet broque seine Übersiedelung … wenn wir recht informiert sind , dann geschieht czz hörempfehlungdies leider doch nicht , wie einmal erwogen , Richtung Wien . Als vorläufige Abschiedsgabe vor der Resettlement- und Sommer- Pause gibt es nicht nur die mittlerweile 12. Echtvinyl- LP , Good Guy Mikesh & Filburt : “Hypnopoint” , sondern auch eine frische EP ( # 43 ! ) als Damen- und Herrenspende . Getroffen und gefunden wurde der Musiker und Grafiker Ricardo Mestre aka Pseudónimo in Pessoas Lissabon und mit ihm ein musikalischer Mikrokosmos entdeckt , welcher dem genius loci ebenso wenig schuldig bleibt wie den mitunter melancholischen Vorlieben des Labels . Sensitiv elegisch , reduziert auf wenige Harmonien , brennt da ein starkes Licht auf kleiner Flamme : Das Artifizielle ebenso offensiv herausstellend wie die vermeintliche Simplizität , navigieren die fünf Tracks von “Terra Firma” in einer unbesehenen Zwischenwelt , von wo sie sichere psychoakustische Wirkungen mitbringen . Diskrete Eleganz . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. terra firme | 02. outside | 03. a rosy wisp of cloud | 04. no quarto dos pais ( interlúdio ) + tormenta | 05. estória dos dias curtos |||