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ALPHABETICAL ABISH



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WELCOME TO VIENNA

Dioscur alt vorne

I walk along Mariahilferstrasse / looking for Mariahilferstrasse / I’m on Mariahilferstrasse / and I can’t find it .

Wer in solch Bernhardesker Manier die Strassen seiner Kindheit durchwandert , selbige mit seinem erwachsenen Bewusstsein allerdings nie zur Deckung bringen kann , ist WALTER ABISH , jener Schriftsteller , dessen Werk für Werk in je neuer Schreibweise gewachsenes Oeuvre in direkter Relation steht zum ständigen Neubeginn eines durch die historischen Situationen des 20. Jahrhunderts ins “unruhige Wohnen” gezwungenen Lebens .

Leicht zu finden - just von der zitierten Mariahilfertrasse aus - ist die Buchhandlung phil ( vis à vis dem Café Sperl ) , wo heute morgen , 9. 10.  ( 20 H ) der im Weidle- Verlag zusammen mit der Exilbibliothek verwirklichte Materialienband “Walter Abish . 99 Arten das Ich und die Welt zu erfinden - Materialien und Analysen” ( hg. von Robert Leucht ) vorgestellt wird .

Der ständige Wechsel der Binnen- Poetologie in Abishs Erzählungen ( “Duel Site” , 1970 ) , Sprachexperimenten ( “Alphabetical Africa” , 1974 ) , Romanen ( “How German Is It | Wie deutsch ist es” , 1979 | 1980 ) und einer hochartifiziellen Autobiographie ( “Double Vision : A Self-Portrait” , 2004 ) erschwert eine synthetische Abbreviatur ebenso wie die unfreiwillig inkonsistente Vita , deren Formulierung wir uns kurzerhand aus dem anzuzeigenden Band borgen :

Walter Abish wurde 1931 in Wien geboren, floh mit seinen Eltern vor den Nazis nach Frankreich, später nach Shanghai; er lebte dann einige Jahre in Israel, ging aber, weil er seine Hebräischkenntnisse als ungenügend empfand, für kurze Zeit nach England, bevor er schliesslich Ende der fünfziger Jahre in die Vereinigten Staaten übersiedelte. Vor diesem Hitnergrund verwundert es nicht, das Abishs erster Roman, Alphabethical Africa, das Thema von Identität und Sprache aufgreift .

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ALPHABETICAL AFRICA

Dioscur alt hintenDas Zitat entstammt einer NZZ- Rezension von Jürgen Brôcan , die das Wagnis des Schweizers Schriftstellers Jürg Laederach , einen im Buchstäblichen Englisch sprachspielenden Roman ins Deutsche zu übertragen ( Alphabetical Africa | Alphabetisches Afrika , Deutsch von Jürg Laederach , Urs Engeler Editor ) würdigt , weniger allerdings die Manierismen und idiosynkratischen Hinzudichtungen des Übersetzers goutiert .

Das entlang der 26 Buchstaben des Alphabets erst auf- , dann absteigend erzählte getüftelte Werk mag zweifellos an der arbiträren Regelästhetik von OuLiPo inspiriert worden sein ( Stefanie Leuenberger ) , verweist zugleich in der Zerprengung von Identität und Erzählung auf das Prinzip “nomadisierender Schreibverfahren” ( Gilles Deleuze ) , wenn nicht gar auf die “roots” der Sprache in Roman Jacobsons Lesart .

Zeitgenössische Kritiker wie Richard Howard im TLS 1974 wollten das buchstäbliche Vordringen ins Innere AFRIKAS ( vulgo : DER SPRACHE ) eher freudianisch aufgeladen sehen :

… the continent Africa shaped like the human heart and the female genitals ( ….) and he [ Walter Abish ] is concerned , is obsessed to possess, to violate her by his literary fetish -

Die wirkliche Lust ( am Text ) stellt sich allerdings erst bei Ansicht der konkreten Sprachgestalt ein . Hier der Anfang des Buches bei Abish :

Ages ago, Alex, Allen and Alva arrived at Antibes, and Alva allowing all, allowing anyone, against Alex’s admonition, against Allen’s angry assertion: another African amusement … anyhow, as all argued, an awesome African army assembled and arduously advanced against an African anthill, assiduously annihilating ant after ant, and afterward, Alex astonishingly accuses Albert as also accepting Africa’s antipodal ant annexation. Albert argumentatively answers at another apartment. Answers: ants are Ameisen. Ants are Ameisen ?

Hier in der Übertragung durch Jürg Laederach :

Am Anfang allen Anfangs Alex, Allen, an Alvas Arm. Ankunft Antibes, Aussichtsterrasse, alter Ankerplatz. Als Alvas Aussehen alle anzog, allerhand Anzügliches anregte, als Alex Abmahnungen ausstieß, als Allen ärgerlich atmete, artete alles auf Anhieb aus: Abermaliges abgedroschenes afrikanisches Amüsement … Achje. Auch argumentierten alle, alte angsterweckend angeschwollene afrikanische Armee avanciere, attackiere andauernd afrikanische Ameisenhügel, Ameise auf Ameise abschlachtend. Als Alex anschließend alte Ansichten abermals ausformulierte, amtierte ausgerechnet Albert als Angeschuldigter: angeklagt ausserordentlicher Akzeptanz aller Ameisen-Annexion, Ausführende: Antipoden. Anderes Apartment: Albert arbeitet ausbaufähige Antwort aus, argumentiert anti Armee. Antwort: Ameisen als ‘ants’. Ameisen als ‘ants’ ?

Zum Vergleich noch eine weitere Übersetzung , die , zitiert in “99 Arten” , von Hanna Muschg unternommen worden war :

Ausserdem Alva, attraktiv, anstössige Aufforderung an alle aufrechten Afrikaner, aufstachelnd andererseits auch allerlei analytisch aggressive Autoren-Antizipation. Autor A. arbeitet an Alva annäherungsweise, anatomisch, affirmativ, aberwitzig, aber auch anschaulich.

Dass hier kein loses Lettern- Spiel getrieben wird , sondern als konsequenter text- und sinngenerativer Faden sich quer durch Abishs Oeuvre spannt , weist Stefanie Leuenbergers äusserst aufmerksamer Aufsatz bemerkenswert nach : Das Hereinfunkeln des deutschen Begriffes in “ants are Ameisen” antizipiert gleich zu Beginn ein später im Verlauf der Ereignisse auftauchendes Buch über “Die Ratsame und Nützliche Ausrottung der Gefährlichen Afrikanischen Ameisen” . “Dieser Titel” , so Leuenberger ,

parallelisiert die Ameisen mit den Verfolgten der Shoah. Philippe Cantié hat darauf hingewiesen, dass die Ameisen im Text überall gegewärtig sind: Das Morphem ‘ant’ ist in Toponymen wie ‘Antibes’ enthalten, in den Substantiven ‘Ashanti’ und ‘antelopes’, in Verben und Adjektiven wie ‘antagonizing’ und ‘antipodal’, fungiert als Suffix (’arrogant’) oder erscheint in der Wortwurzel (’anthem’, ‘anthropologists’). Versteckt und doch anwesend, bilden die Ameisen den verborgenen Text des romans. Somit verbindet Abish das deutschsprachige Wort mit dem in Nachkriegsdeutschland verdrängten Teil der Vergangenheit, der besonders in Abishs Roman How German is it | Wie Deutsch Ist Es (1980) zum Thema werden sollte. In Alphabetical Africa sind es Hermann und Gustaf, Figuren, die Gewalt, Unersättlichkeit und Grössenwahn verkörpern, die das deutsche Wort mit sich bringen.

Hier die ent- sprechende und eindrücklich brutale Passage , die es wohl wert ist , in voller Länge abgetippt zu werden :

Gobbling gestopfte Gans, gobbling Gabelfrühstück, gobbling goulash, gobbling Geschwind, Gesundheit, Gesundheit, gobbling Gurken, Guggelhupf, Gash Gash, Gish Gish, groaming, grunting, also complaining, chewing Grune Bohnen, Geschmackssache, as Germany grows greater, Alarmed, Gabon grows addittional food for Gustaf, and Gustaf’s children, Gerda, Grete and Gerhard. Gifted Grösseres Germany consumes energy and guarantees greatness, get going, grow another Goethe, great guy, claims Gustaf, as all Grundig gramophones in Gabon, gently croon: Goethe, Goethe, Goethe.

Den “Goebbels” hört man - diesmal kommtentieren wir in|ad|ae|qu|at - in diesem radikal rhythmisierten Rap deutlich heraus , ohne dass dessen Name genannt zu werden brauchte . Auch steht die in der Figur Heinrich Himmlers versinnbildlichte germanische Gefrässigkeit assoziativ durchaus bei Fuss .

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HOW GERMAN

Dioscur alt vorneVon diesem Malstrom der abgründig kontaminierten Sprach- , Klang- , Assiziations- und Sinnbilder ist es nicht weit zu “How German is it | Wie Deutsch Ist Es ( 1979 | 1980 ) , wo aus beizenden Übertreibungen und Klischees eine Art Märklin- Szenario errichtet wird , welche das Land , seine Ungeister und Wiedergänger zum Kenntlichen entstellt .

Als just in der geschilderten süddeutschen [ "Würtenburg" ] Propperkeit ( bis hin zum Heidegger’schen [ "Brumhold" ] Todtnau und den überall vergrabenen Leichen ) aufgewachsener Zeitgenosse , gibt sich in|ad|ae|qu|at angesichts dieses persönlichen Grundbuches befangen und zitiert aus der in “99 Arten” abgedruckten Rezension Michael Krügers :

Es werden keine Antworten gegeben, sondern Fragen gestellt; Deutschland wird nicht der Prozess gemacht, sondern der Prozess, in dem Deutschland sich befindet, wird illustriert. ( … ) Die Frage, ob der von Walter Abish inszenierte Totentanz ein wahres Bild wiedergibt, ist sekundär gegenüber der Leistug selber: So klug, moralisch und witzig ist von deutschen Schriftstellern schon lange nicht mehr über Deutschland geschrieben worden.

Wirklich “witzig” vermochte in|ad|ae|at dieses ätzend präzise Panorama zwischen den Relikten des Zweiten Weltkriegs , der postwirtschaftwunderbaren Fussgängerzonen- , Kaufhaus- , Mustersiedlungs- Aufgeräumtheit und dem Deutschen Herbst nicht wirklich zu finden : Der Vater des RAF- Terroristen Christian Klar war der beürchtigt autoritäre Direktor des Kreisstadt- Gymnasiums und als Kinder sammelten wir Waffen und Munition aus zersprengten Bunkern . Ski- Stunden am Heideggerberg . Abish trift dies alles - trotz oder wegen manch grotesker Verfremdung - beängstigend genau .

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FELIX AUSTRIA

Dioscur alt hintenAber auch Wien - Herkunftsort des Vertriebenen - kriegt auf allerlei kuriose Weisen sein irrwitziges Fett weg . In “99 Arten” beschäftigt sich Walter Vogl anhand der Story “Mehr über Georges” mit dem Wien- Bild des Autors .

Ort der Handlung : Kleinstadt Vienna , Maryland . Anlass : Feier zur xten Wiederkehr der Befreiung Wiens von der Türkenbelagerung . Kulisse : An allen Häusern und auf allen Plätzen die rotweissrote Fahne samt Doppeladler .

Zitat Abish :

In ihrem Eifer, ihrer Liebe zu Wien hatten die Bewohner des Städtchens (sogar) eine Kopie des Stephansdoms aufgestellt. Er war fünfmal kleiner als das Original, aber dreimal so gross wie der in Vienna, Maryland, 420 Einwohner.

Vogl analysiert das idiosynkratische Werk Walter Abishs - wir schreiben das Jahr 1983 - unter dem Aspekt postmoderner poetischer Verfahren :

Zwischen den Schwenks der erzählerischen Kamera ( … ) , dem Jonglieren mit immer schon vorgeprägten Fiktionen, blitzen eigentümlich verwischt und zweideutig die Sinnangebote unserer Kultur auf. Immer, wenn wir Abish auf ein bestimmtes Thema festgelegt zu haben glaubten, ist er uns auch schon wieder entwischt.

Dass Abish auch sich selbst - speziell das Selbst der Erinnerung - kontinuierlich entwischt , akzentuiert der glänzende Essay über “Abish und Proust” des amerikanischen Philologen Maarten van Delden .

Hier wird Abishs autobiographische Irritation “Double Vision : A Self-Portrait” ( 2004 ) in Relation gesetzt zu Prousts legendärer “Recherche” . In beiden Fällen entsteht eine charakteristische Diskordanz zwischen den Orten der Erinnerung und deren realer Gegenwart . Dabei tritt insbesondere “the disjunction between the utterly agreeable amtosphere of present- day Vienna and the flickering memories of the city’s Nazi past” zu Tage .

It is here that Abish most clearly employs the Proustian device of contrasting two visions - the child’s and the adult’s. Looking back upon his childhood, the author is clearly puzzled by his failure to comprehend the political events that led to his family being forced out of their Viennese home - and to the death of his father’s mother, sisters, and brother in the Nazi camps.

Grund für die Verkennung mag einerseits das Alter des damals Sechsjährigen gewesen sein , anderseits der Umstand , dass die Familie ein assimiliertes Leben führte und sich nicht unmittelbar als jüdisch empfand . Über die Deportation der väterlichen Angehörigen wurde en famille ebenso wenig gesprochen wie über deren Erschiessung bei Maly Trostinez . Erst angesicht der Fotos von zum Strassenbürsten gedemütigten Juden wird sich der Erzähler des unüberbrückbaren Grabens ziwschen subjektiver Erinnerung und rationaler Kenntnisnahme bewusst .

Poetologisch entsteht dadurch - bei Abish nicht minder als bei Proust - “a persistant narrative instability” , Resultat einer “epistomological orientation marked by doubt and uncertainty”.

Womit Walter Abishs in buchstäblichem Sinne zu verstehende Weltliteratur - vermutlich sogar contre coeur und trotz einiger Features des amerikanischen Postmodernism - wiederum inmitten der Wiener Schule des Wahrnehmungs- und Sprachzweifels angelangt wäre .

Bleibt nur zu hoffen , dass Unternehmungen wie dieser feine Digest zur deutschen Neuausgabe von “Wie Deutsch Ist Es” führen . Es muss ja nicht unbedingt wieder bei Suhrkamp sein …

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PRÄSENTATION & DISKUSSION

Dieses und anderes zu diskutieren , mag heute abend Gelegenheit sein , wenn Herausgeber Robert Leucht dieses exzellent edierte ( genaue Bio- und Bibliographie ) und vielfältig inspirierende Buch präsentiert .

Mit Beiträgen von Jürgen Brôcan , Michael Krüger , Jürg Laederach , Robert Leucht , Stefanie Leuenberger , Sonja Osterwalder , Helmut Schödel , Janusz Semrau , Maarten van Delden , Walter Vogl , Paul West , Helmut Winter , Bio- und Bibliographie , in deutscher sowie in englischer Sprache -

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FURTHER READING

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KLANGAPPARAT

Einem neuen Sound- Überflieger gesteuert von Handen unseres Nachtflug- Piloten Tom Larson werden wir in|ad|ae|qu|at sicherlich nie die czz-hoerempfehlungLandeerlaubnis entziehen : Die gibt’s tax- und kerosinfrei im Abonnement bei Mixotic . Heute “Night Drive Music Labelmix Vol.2” . - Dank kraftvoll angedrehter Sequenzer- Propeller erhält sich die drängende Energie auch in den stilleren Schwebephasen . Gelegentliche Turbulenzen beim Spalten von Wolkenwänden sind ebenso systemisch wie die anschliessenden Klangfarb- und Harmonie- Lichtwechsel . Wählen Sie die Luftbrücke Ihres lustvollen Vertrauens . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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NACHTRAG | NEUES VON FREUNDEN



||| ZIA @ T 4 3 IN WIEN | ZENTRALFRIEDHOF : IN MEMORIAM MARIANNE FRITZ | RELATED | KLANGAPPARAT

Grabfigur_Zentralfriedhof_Wien_copyright_Christiane_Zintzen

Das darf ja nun doch nicht angehen , dass da infolge eines kurzfristigen Warnstreiks des Setzers zwei wichtige Termine in|ad|ae|qu|at unterschlagen werden . Beide betreffen das hiermit und heute aufgeschlagene Kalenderblatt des 1. Oktober .

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ZIA @ T 4 3 IN WIEN

czz-neuesvonfreundenWenn zwei Bachmann- Preis- Juroren mit der Bachmann- Preis- Gewinnerin anno 2006 über die eben erschienen Volltext- Neuerscheinungen von zwei Bachmannpreis- Kandidaten anno 2008 debattieren …. Dreimal darf man raten , worin zumindest der Subtext der Rede im Lichte des sanft glimmenden Plastic- Kaminfeuerchens am Karlsplatz bestehen wird . Zumal informell und publizistisch ( Falter 37 / 2008 , Kommentar ) ja durchaus kritische Töne zur diesjährigen Knechtung der - ohnehin stets umstrittenen - Klagenfurter Veranstaltung durch die TV- Regie laut geworden sind .

Worum gehts ? - Vordergründig um den traditionellen TEA FOR THREE ( T 4 3 ) , welchen Klaus Nüchtern und Daniela Strigl mit wechselnden Gästen als trauliches Kamingespräch seit Jahren abhalten , um über Neuerscheinungen und Klassiker zu klönen . Zu Gast ist diesmal Kathrin Passig , die Lady der ‘Zentralen Intelligenz Agentur‘ sowie Bachmannpreis- Gewinnerin ‘06 .

Als offizielle Gesprächsstoffe liegen vor :

Ob Neumanns schockierender , zunächst 1946 als “Children of Vienna“, vom Autor 1974 in einen bewusst brutalen Kunstjargon übertragener Nachkriegsroman angesichts der - legitim debattierenswerten - gesammelten Bachmannia den nötigen Raum am Kaminfeuer findet ? - Indes liesse sich die Sache praktikabel gut unter dem Aspekt der Kunstsprache und ihrer drastischen Effekte debattieren : Vielleicht am ehesten vergleichbar mit Anthony Burgess‘ “A Clockwork Orange” oder der Eigensprache einer Marianne Fritz .

Was wirklich wird , wird sich heute , 1. 10. im project space der KUNSTHALLE wien ( 20 H ) erweisen .

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ZENTRALFRIEDHOF : IN MEMORIAM MARIANNE FRITZ

czz-neuesvonfreundenVor einem Jahr , am 1. Oktober 2007 , ist die österreichische Autorin Marianne Fritz verstorben . Die Gruppe Fritzpunkt , die sich seit 2002 systematisch und in allen denkbaren performativen Formen mit dem enigmatischen - und noch immer nicht vollständig publizierten - Riesenwerk beschäftigt , lädt zu einer Gedenklesung .

Es kann nicht lösen der Mensch: das Entweder-Oder-Problem; und das an sich nicht ! Das ist es ! Und nur das ! Nicht will es dem Menschen gestatten, fortzufliegen und irgendwie halt so hinein: in die Möglichkeit an sich, die da genannt: das Unendliche einerseits und die Ewigkeit andererseits. ( M. F. )

Wir gedenken der vor einem Jahr verstorbenen Marianne Fritz und lesen aus ihrem Werk : Heute , 1. 10. , 16.05 H , Grab von Marianne Fritz ( Zentralfriedhof Wien , 3. Tor - Gruppe 40 , Ehrenhain , Zufahrt mit dem Auto zu Halle 3 möglich ) .

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Da mag die Mixotic- Zuspielung des polnischen Netlabel- und NuJazz- Kenners Matam einen noch so geraden 4 / 4 - Takt hinlegen : Die sparsam- repetitiven Gitarrenakkorde signalisieren von Beginn an eine eher herbstlich gedeckte Stimmung . Peu à peu verweben sich schwebende Piano- und czz-hoerempfehlungSax- Sounds in die Textur und verleihen der Atmosphäre ein eher sehnendes Wehen . Per Sprach- Samples , Breakbeats und Sequenzern nimmt die Angelegenheit dann eine jähe Wendung und - be sure : Es wird nicht die einzige bleiben . Insgesamt eine reichhaltig mit einer Fülle von Klangfarben und ausgestattete Tour durch die teils manischen , teils depressiven Landschaften der Melancholie . Vierundfünfzig Minuten und neunundzwanzig Minuten : Zweifellos versteht der gute Mann etwas vom Komponieren bzw. von der Kunst des Arrangements . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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Grundnahrung der Phäaken | Textes Trouvés 8



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NAHRUNG , BASAL

Nirgends scheint das Reich der Zeichen so üppig zu blühen wie in der Lebensmittelindustrie , deren ‘branding‘ , ‘marketing‘ und Endverteilung ( ‘retail‘ ) .

Im Echtleben der alten Wiener Arbeiter- und Kleingewerbe- Bezirke hat sich dahingegen viel Basales erhalten :

Im besten Fall war und ist drin , was draufsteht …

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[ Lebensmittel , Gemeindebau , Wien 10 ]

… ganz ohne ‘fancy names‘ und ‘labels‘ .

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[ Milch , Wien 8 ]

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[ Einkaufsstube , Wien 6 ]

Allenfalls bürgte der Name des Inhabers oder Fachmeisters im lokalen Umkreis für Qualität .

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[ Fleischhauer , Wien 5 ]

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NAHVERSORGER , FANAL

Der “Tod des Greisslers” , “Kleinhändlers” und “Nahversorgers” - wie oft beschworen , wie oft beklagt von den ökomischen und ökologischen Gegnern der grossen Ketten :

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[ Obst und Grünwaren , Wien 7 ]

Nicht einmal im kaufkräftigen ( und grün regierten ) 7. Gemeindebezirk vermochte sich die köstliche tschechische Gemüsefrau ( inklusive Wein und Honig ) zu halten .

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[ Trösch , Wien 3 ]

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ARCHÄOLOGIE VERBLASSTER NAMEN

Was bleibt , sind heruntergelassene Rollbalken sowie die verblichene Poesie gegenstandslos gewordener Verheissung :

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[ Catering Flora , Wien 3 ]

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[ Konditorei , Wien 3 ]

Da spreche nochmal wer vollmundig von Wien als Enklave kulinarischer Phäaken !

Der Dichter Ferdinand von Saar hatte mit seinen “Wiener Elegien” 1893 dem Gespenst einer seelenlos- hohlwangigen Moderne noch einmal das Bild des sinnenfreudigen Wieners entgegengestellt :

Ja, hier lebt noch das Volk! Hier schmausen die letzten Phäaken,
Denen hohläugige Noth noch den “Hamur” nicht verdarb.
Wahrlich, ihr geht nicht unter, ihr Wiener! Dreht sich auch nicht mehr
An dem Spieße das Huhn - brätelt noch immer die Wurst.
( Ferdinand von Saar , Wiener Elegien , X )

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SONDERFALL : BONBONS

Eine Ausnahmeerscheinung bilden freilich die in allen alten Bezirken gängigen ( und gut gehenden ) Süsswarenläden .

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Bonbons_1020_copyright_Christiane_Zintzen

[ Bonbons , Wien 2 ]

Mit ihrer Dramaturgie der Häufung eines maximalen Assortiments loser wie abgepackter Waren halten diese oft als Familienbetriebe geführten Läden nicht nur einen physischen ‘sugar shock’ parat , ….

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[ Bonbons , Wien 7 ]

…. , sondern erweisen auch einen visuellen wie verbalen Hang zur Abundanz .

( in|ad|ae|qu|at wird sich zu einem späteren Zeitpunkt dokumentarisch in ein solches Ladenlokal begeben : Der pragmatischen Handhabung des Übersüssen auf der Spur . )

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Dass man in Wien nach Mitternacht - zumindest öffentlich - nichts mehr zwischen die Zähne bekommt ausser den Geschmackssachen an den czz-hoerempfehlungWürtelständen , ist legendär . Müssen wir uns halt andere Delikatessen suchen . Und finden diese auch prompt im “Klänge der Nacht“- Mix ( Vol. 6 : 72.48 ) eines der in|ad|ae|qu|aten Lieblingstellerdreher , Tom Larson . Eben ist eine taufrische Lieferung bei Mixotic eingetroffen : Inclusive einiger reizvoller Allusionen an Ennio Moricone … Muss man mehr sagen ? - Go 4 it : Enjoy ! - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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Audio : Viel !



||| ENTWARNUNG | HÖRBÜCHER : CHIFFRES D’AFFAIRES UND MISS- GEBRAUCHS- ANLETUNG IM ECHTLEBEN | ZU TOD , LEBEN UND DEM , WAS DAZWISCHEN LIEGT | FOOD FOR THOUGHT : KULINARIKER IM ‘TROCKENEN’ STUDIO | KLANGAPPARAT

ENTWARNUNG

icon listening blackWer kennt es nicht , das angstvolle Bangen , wenn dein Lieblingswirt dichtmacht oder auch nur der bevorzugte Servierkörper von einem Tag auf den andern verschwindet ? - Keinen wesentlich anderen Nerv treffen jene Ängste , welche ins Wissbare kriechen , wenn es sich einen Lieferanten überlebensnotwendiger Musikalien ( seien diese nun gerührt oder geschüttelt ) handelt . Was Tom Larson , Selbst- Entwerfender Free- Lancierer auf allerlei Kanälen - anbelangt , kann endlich ENTWARNUNG gegeben werden : Nach einigen kryyptischen Vor- Zeichen auf wohlinformierten Blogs und wiederholt vergeblichem Passieren der inzwischen offenbar an Meistbietende weitergegebenen Heimseite , taucht der gute Mann plötzlich wieder auf und setzt auf Mixotic seine “Klänge der Nacht” fort , als wäre nichts gewesen . Dies als Vorwegnahme des KLANGAPPARATS , was insoferne nicht der Wahrheit entspricht , als heute auschliesslich Audiophones auf dem Menueplan steht .

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HÖRBÜCHER : CHIFFRES D’AFFAIRES UND MISS- GEBRAUCHS- ANLETUNG IM ECHTLEBEN

icon listening whiteMögen sich die Marketingstrategen der Hörbuchverlage ob der ins Einstellige abstürzten Wachstumsraten der betreffenden Warengruppe auf dem deutschen Markt das verbliebene Resthaar raufen : Die Schweiz und Österreich gelten noch als Entwicklungsländer , war die Zuwächse und Po( e )tentiale betrifft . Mit allerlei Messen will man die Massen mobilisieren , eine Drückung der Mehrwertsteuer und 15 auf sieben Prozent wird als Silberstreif an den Absatzhorizont der ( imho ) meist überteuerten Silberlinge projiziert . Dass wir in|ad|ae|qu|at jederzeit für das Qualitätssegment des meist belächelten Mediums plädieren , dürfte mittlerweile durchgesickert sein . Fach- und Sachinteresse an jedweder akustischen Inszenierung von Stimme , Timing , Atmosphäre spielen da keine mindere Rolle als die Faszination an den Varietäten der von der Vox Humana in den akuten Lebensraum hinein gesprochenen Literatur .

Dass die Augen dabei frei schweifen und die Hände frei greifen können , erhöht nicht selten den Reiz : Siehe die Türe , deren Renovierung volle vier Durchläufe der Integrallesung von “Moby Dick gedauert hat - zu “Lebertran” assoziieren wir seitdem stets den beizenden Duft von Aceton , Thomas Glavinics verzichtbare Literaturbetriebssatire ( “Das bin doch ich . Roman” , Lesung Thomas Maurer [ ! ] ) hat das in vivo - Experiment an der verbliebenen Topfpflanze ebenso wenig überlebt wie diese : beide wurden gnädig der städtischen Müllentsorgung überantwortet .

Schade wars definitiv um Franz Kafkas “Verschollenen” ( vor Zeiten als “Amerika” tituhliert ) , dessen mit leicht ländlichen Anmutungen von Peter Simonischek angestimmte Audiofassung …. wenn schon keiner Boston Tea- Party , so doch einer über die aufgebreiteten Datenträger sich ergiessenden Earl Grey- Kippfigur zum feuchten Opfer fiel . Merke : Bei Gelegenheit das Fraunhofer Institut für angewandte Materialforschung anfragen , was da schädlicher gewesen war : Bergamotte, Hitze oder - schlicht die Milch .

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ZU TOD , LEBEN UND DEM , WAS DAZWISCHEN LIEGT

icon listening blackVon Leben und Tod , bezeihungsweise vom allmählichen Verfertigen von Verstehen und Vergessen ging die vorwöchige Audio- Text - Auswahl : Dank Hörbuch war auch die Angst davor genommen , den langjährigen Lese- Lebens- Gesellen - personifiziert von Philip Roths Nathan Zuckerman - mit “Exit Ghost” endgültig verlieren zu müssen . Man kennt das ja : Das schmerzliche “Winnetou III“- Syndrom … Aber der Autor ist einfach viel zu klug und sein Protagonist erotoman genug , nicht so leicht vom Leben zu lassen -

Während des vergangenen Jahrzehnts hat der heute 75- jährige Philip Roth sein literarisches Alter Ego Nathan Zuckerman allmählich aus der Rolle des Handelnden in die Position des Beobachters bugsiert : Seit der “amerikanischen Trilogie” figurierte der Selbandere zusehends als Chronist von Alter , Verfall und Tod seiner fiktiven Altersgenossen . Hatte “Jedermann” ( 2006 ) das Spiel vom Sterben des reichen Mannes erst einmal eröffnet , war die Bühne vorbereitet , von der nun auch Nathan in “Exit Ghost” abzurufen stand .

Verstrickt in platonischer Leidenschaft zu einer jungen New Yorker Amateur- Literatin , revoltiert der notorische Erotomane ein letztes Mal gegen die Knechtung durch den lumpigen Leib . Wie kräftig es um die literarische Potenz des Alternden steht , erweist der genial geführte Dialog , den er in den stillen Stunden ausdenkt , bevor er wieder in seine einsamen Berkshires flieht .

Da sich dieser finale Zuckerman- Roman aus zahlreichen Anspielungen auf frühere Werke speist , lohnt es , selbigen in den famosen Ausgaben des Hörverlags nachzulauschen . Unübertrefflich gestaltet Peter Fitz in “Jedermann” und “Exit Ghost” das ganze Spektrum von Lust , Wut und Resignation . Getragen vom Eros wacher Vitalität , kommt dieser Sprecher der literarischen Stimme des grossen Erzählers staunenswert nahe . So lassen sich akustisch jene Geister rufen , welche Roth ersann . ( more …)

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icon listening whiteVom allmählichen Herausgleiten aus der allgemein akkordierten ‘Realität’ des Lebens handelt Irene Disches tragikomische Etüde “Der Doktor braucht ein Heim” , vulgo , was einem auf den Wellen der im Kopf zusammenströmenden Flüsse von Erleben und Erinnern dahintreibenden alerten “Altersheimer” so widerfährt : Zweifellos eine anhand neuer Diagnose- und Krankheitsprofile aufdatierte Form des alten “Traum - und Wirklichkeits- Motivs -

Energisch verbittet er sich die Unterstellung , er sei mit seinen neunzig Jahren eventuell etwas “desorientiert” . Im Gegenteil scheint der “Doktor” sein bisheriges Leben als Biochemiker fortzusetzen . Sein innerer Monolog erzählt von “Konferenzen” an der Universität , wo er mit den Kollegen plaudert . Was kann er dafür , wenn sich eine impertinente Frauensperson bei seiner Ex- Gattin beschwert , der alte Herr störe den Betrieb der Notaufnahme ?!

In solchen Schocks manifestieren sich die Kollisionen der inneren Wirklichkeit des “Altersheimers” mit der äusseren Realität . Meisterlich assembliert die Erzählerin Irene Dische die Menschen und Stationen aus dem Leben ihres Helden zu Mischgestalten und fliessenden Topografien . In zwingender Logik legen sich im Kopfinnenraum des “Doktors” die Orte und Epochen wie durchscheinende Negativbilder übereinander : Die geliebte Frau wohnt auf der anderen Seite des Flusses , mag dieser nun der Hudson River sein, die Donau zu Wien oder der Seret im galizischen Drohobycz . Sonderbar nur , dass diese ( vor Jahren geschiedene ) Frau , deren Telefonnummer ihm als Rest von Alltagswissen geblieben ist , ihn partout nicht heimholen will . Statt “wagnerianischen” Apfelstrudel serviert sie dem Greis vielmehr die bittere Erinnerung , wie Mutter und Schwester im heimatlichen Drohobycz durch die Verbrechen der NS- “Banditen” zugrunde gegangen sind .

Die Tragödie des allmählich in seine innere Vorstellungswelt hineingleitenden Menschen : von Martin Wuttke als matt gegen ein unsichtbares Fenster flatternder Schmetterling gestaltet , von Irene Dische mit Zärtlichkeit , Situationskomik und Momenten des blitzartigen Aufleuchtens schlimmer Erinnerung erzählt . ( more …)

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icon listening blackDass wir nicht kapieren , was das sei , “der Tod” und was mit dem vor uns liegenden leblosen Wesen geschehen ist , bleibt so lange Plattitüde , als bis wir selbst vor dem Malheur stehen : Ulf Nilsson hat aus unserer Flucht in Geschäftigkeit und Pragmatik ein kaum vierzigminütiges Kinderhörspiel komponiert , das in Text wie Musik gewissermassen alle Register zieht : zuzumutem auch und vor allem Menschen , die das empfohlende Mindestalter der Zielgruppe weit überschritten haben -

Viel wird über den Tod geredet , doch oft wenig gesagt . Da kommt ausgerechnet ein Kinderhörspiel ( “Die besten Beerdigungen der Welt” ) daher , um in knappen 40 Minuten einen heiteren Katalog von Begegnungen mit dem Undenkbaren zu entfalten . Dabei handelt Ulf Nilssons Geschichte vom Treiben dreier Kinder an einem Sommertag zunächst von einer toten Hummel .

Flugs gründet die forsche Ester eine Firma und fortan wird sorgfältig in Zigarrenkistchen gebettet , was sich in Wald und Rain an sterblichen Überresten findet . Spitzmaus , Hamster , Heringe aus Mutters Kühlschrank : Alle erhalten sie eine formvollendete Bestattung .

Die Rollenverteilung der Kinder führt unversehens ein in mögliche Haltungen gegenüber dem Tod . Während Ester sich um das Pragmatische kümmert , ist deren kleiner Bruder für Trauer zuständig und für die “Warum ?”- Frage . Das namenlos bleibende Ich gibt den Verblichenen je ein kleines Poem mit auf den Weg . Und es sind just diese unreinen Reime , in denen der Autor undogmatisch die verschiedenen Vorstellungen über das Jenseits versteckt : Von “Kurzes Leben – Langer Tod” über “Schlafes Bruder” bis hin zur Hoffnung auf ein Wiedersehen eines «Himmels» ( nicht nur für Heringe ) . In sparsamer Munterkeit präsentiert die Sprecherin Fritzi Haberlandt dieses Inventar zwischen Nihilismus und Transzendenz .

Seine Vollendung erfährt dieses kleine – beileibe nicht nur für Kinder bereichernde – Meisterwerk durch eingängige Beispiele aus der musikalischen Rhetorik der Trauer : erdiger Blues , Streicher- Largo und als Finale der Vollklang der Orgel , vom Kirchenmusikdirektor zu St. Michaelis in Hamburg intoniert . ( more …)

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FOOD FOR THOUGHT : KULINARIKER IM ‘TROCKENEN’ STUDIO

icon listening whiteEine feine Menue- Folge hat der HR 2 Kultur für sein Sommerprogramm des intimen Radio- Gesprächs- Formats “Doppelkopf” ein- und angerichtet : “Am Tisch mit ….” bleibt auch nach der Ausstrahlung der aktuellen Sendung als Podcast zuhanden und im Form von MP3- Dateien speicherbar . - Da darf Vincent Klink natürlich ebenso wenig fehlen ( über gutes Brot und die verlorenen Tugenden des traditionellen Wirts ) wie die - zugegeben ! - erfreulich erfrischende Sarah Wiener . Auch wenn man deren TV- Appearance ebenso wenig kennt wie diejenige des Herrn der “Wielandshöhe” : selbst dessen arg “ver- Drosteten”Häuptling eigener Herd” muss man ebenso wenig mögen wie die säuerlichen “Nachgesalzen“- Kolumnen in der ZEIT ( das “Journal Culinaire” ist allerdings durchwegs zu empfehlen ) . Den bewunderten Stilisten Jürgen Dollase ( FAZ ) wird man indes von einer ganz neuen Seite kennen lernen : oder wusste jemand von dessen fliegendem Wechsel vom fastfood- genährten Rockmusiker zum Grossmeister trefflich verbalisierter Mundinnenforschung ?

Wie - dank Karl Ludwig Schweisfurth - aus der “Herta” [ ! ] - Massenwurstmaschine der , tja , achtsam- ökologische Betrieb der Herrmannsdorfer Landwerkstätten wurde oder was Margarethe Zülch , die hochbetagte Grande Dame aus einer 90 Jahre alten Frankfurter Kaffeerösterei und -Verschleissstelle ( “Cafe Wackers” ) zu erzählen weiss , wird nicht nur jene interessieren , denen Siebecks Ingwer längst ( um es schön österreichisch zu sagen) “bei den Ohren herauswächst” .

N. B. “Doppelkopf” funktioniert übrigens auch im allgemein als “unkulinarisch” verworfenen Mono … Zum Gucken beim Lauschen gibt’s “subkulinaria” : allerdings nur in Köln und @ shortlist - culture cuts .

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KLANGAPPARAT

Wie angekündigt also der unserer profanes Erdenleben in elegante Takte tauchende DJ Tom Larson : Nach längerem Sich- Rar- Machen liefert der czz-hoerempfehlunggute Mann wieder eine seiner gelassenen , doch subkutan gut durchpulsten Mischungen bei den Mixoticern ab . Da es sich um die “Klänge der Nacht” ( vol 5 ) - Schiene handelt ( welche Larson durchwegs in der Lesart von “Zimmerlautstärke” bedient ) , geht es mal wieder im besten Sinne um das im Kreis der Lampe einsam nachtwachende Individuum im Dialog mit sich , seiner Arbeit und was das sonst noch an Trabenten im solipsistischen Kosmos schwebt . Anregen , ohne aufzuregen , oder die Kunst der präzise gehandhabten basalen Stimulation : Wir stehen nicht an , diese Leistung als jene Injektion von “Qualität” ins Leben der Bohème des Prekariats zu erkennen und zu nennen , weil mensch ja von irgendwas leben muss . Selbst wenn dies sich mitunter auf die kalorischen Kicks der vom Dort ins Hier zirkulierenden musikalischen Vibrationen reduziert : Böse Menschen kennen , wie wir wissen , keine Lieder und vermögen diese auch nicht zu geniessen . Würden ergo auch nie zur Halbzeit des Larson’schen Achtzig- Minüters vordringen , wo sich die Beatz bestens in die augustäischen Ambiancen einschwingen . Glüclicherweise gestattet der Stream ( im Unterschied zum podcast ) keine Shortcuts . Folglich und -sam sei der Mix also schön von Alpha nach Omega zu hören . Und die Off- Stimme aus Funk und Fernsehen würde jetzt mit anzüglich belegter Stimme flüstern : “Es lohnt sich.” - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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NEUES VON FREUNDEN



RAdio Apparat

||| LITBLOGS.NET DIGEST| RINCKS FLORLEGIUM | ANGELIKA REITZER : PRIESSNITZ- STATT BACHMANN- PREIS | KUNSTRADIO : RE- INVENTING @ REVOLVER | KUNSTRADIO : HOMMAGE À HEIDI GRUNDMANN | KLANGAPPARAT

LITBLOGS.NET DIGEST

czz-neuesvonfreundenNach längeren Absenzen ist das Termin- und Turbulenzen- Team wieder ausgerückt , Neues aus den lokalen , fremdwendigen und freundlichen Netzwerken zu sammeln und in|ad|ae|qu|at zu präsentieren .

In nahezu eigener Angelegenheit wird freilich zunächst auf das Erscheinen des vierteljährlichen Digest aus den Gesammelten Werken des Netzwerks literarischer Blogs ( litblogs.net ) hinzuweisen : Leserzeichen # 2 bietet je ein Werkstück aud den assoziierten Blogs

Zur Poetologie der einzelnen Blogs haben wir ein ander Mal gehandelt . Das Digest & Blogilegium ist auf dieser Seite zu betrachten sowie per RSS- Feed zu abonnieren .

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RINCKS FLORLEGIUM

czz-neuesvonfreundenDie assortierte Begriffsliste aus dem Begriffsstudio der Salon Littéraire- Autorin Monika Rinck ist per Frisch- Lieferung soeben eingetroffen . Wir bemerken und geniessen sommerlich , der aktuelle Hang zu Kühlaggregaten aller Art :

2520 flusslandschaft mit kellereingang
2521 edelrohbauphase
2522 scheckige schönheit
2523 hämeneutik
2524 der spätkauf der häme
2525 mit erhobener haut
2526 königin der langen nacht der dummheit
2527 in der sauerstoffschuld
2528 beispielswiese
2529 débondieuser (entliebergottisieren)
2530 caperationen von pferden und helmzierden sowie unmengen anmutiger schlitten
2531 ein flammender kelch (das flügelgelenk)
2532 gewaltiges wolkenpferd
2533 lorenzo lotto: mann mit tierpranke
2534 master of the beheading of st. john
2535 zum schutz der empfindlich austreibenden bambussprosse
2536 als hausmeister der welt
2537 horse-gliding
2538 die wiederholung
2539 faustische schubumkehr
2540 bewegtheit im thesenhafen
2541 die türklinge
2542 instabilder (body)
2543 im heuhochdeutschen (the god of hay)
2544 formstabil verschichtete wollfasern
2545 filled with mindness
2546 filled with mindmess
2547 alternatives to pain
2548 croissant terrible
2549 festnetzwaldschrat

Weitere Erfrischungen @ Salon Littéraire sowie @ Begriffsstudio Monika Rinck .

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ANGELIKA REITZER : PRIESSNITZ- STATT BACHMANN- PREIS

czz-neuesvonfreunden“”Wie nervend darf ein Text sein ?” hatte der Redakteur der “Presse” anlässlich der Lesung Angelika Reitzers beim Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb sein Mütchen gekühlt . Wenig später erscheint nun eine Meldung , welche die Stimmung der Autorin sowie der Proponenten einer etwas komplizierteren Literatur wieder versöhnen dürfte : Denn eben wird bekannt , dass Angelika Reitzer den Reinhard- Priessnitz- Preis 2008 erhalten wird .

Die Begründung der Jury ( Gustav Ernst @ kolik , Robert Schindel ) :

Angelika Reitzer beeindruckt durch ihren souveränen Umgang mit Sprache. Ihre poetischen Bilder bestechen durch Präzision und Sparsamkeit. Im gekonnten Einsatz von Schnitten und Überblendungen, von Schärfe und Unschärfe und Lichtführung wird ihr Blick Kamera und ihre Erzählungen werden gleichsam zu Filmen .

Als Laudatorin wird die jetzt als selbständige Konsulentin und Veranstalterin arbeitende Valerie Besl auftreten . Die Überreichung des mit 3.700 Euro dotierten Preises findet am Montag , 27. Oktober 2008 , 20.00 Uhr , im Literaturhaus Wien statt . ( Man erinnere sich an Ann Cotten im Vorjahr ! )

Heute , 17. 7. liest Angelika Reitzer übrigens im Wiener MuQua im Rahmen des Sommer- Literatur- Festivals “O- Töne” ( 20:30 Uhr ) .

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KUNSTRADIO : RE- INVENTING @ REVOLVER

czz-neuesvonfreundenDass und wie RADIOKUNST nicht nur klingt , sondern durchaus auch des theoetischen Denkens fähig ist , erweist ein mit 544 Seiten stolzer Essayband , welcher soeben im Revolver- Verlag ( Frankfurt ) erschienen ist : “Re-Inventing Radio – Aspects of Radio as Art” . Der von Heidi Grundmann , Elisabeth Zimmermann , Reinhard Braun u. a. herausgegebene Sammelband formuliert sich durchwegs in englischer Sprache , gleichwohl sei ein Teil des Thesentextes in deutscher Zunge zitiert :

Während einmal mehr der Tod des Radios als Massenmedium vorausgesagt wird, zeigen aktuelle Entwicklungen der Übertragungstechnik, was lange bekannt war: beim Radio geht es nicht um die Übertragung von Sound sondern von Signalen. Nach mehr als einem Jahrhundert der Erneuerung, Aneignung und Veränderung wird das Radio heute in grossem Stil von neuem erfunden, um zu werden, was es immer schon war: ein Kommunikationsraum im weitest möglichen Sinn. Von diesem Ansatz her wendet sich das Buch ‘Re-Inventing Radio’ in einem grossen Bogen auch den Anfängen des Radios zu, das eine Kommunikationstechnik war, bevor es in ein Massenmedium verwandelt wurde. Angesichts eines ständig zwischen unterschiedlichen Polen oszillierenden Begriffes von ‘Radio’ kann weder von einer einheitlichen Geschichte des Radios noch von einer solchen Radiokunst die Rede sein. Der Band ‘Re-Inventing Radio’ versammelt internationale Medientheoretiker, KunsthistorikerInnen, KuratorInnen und vor allem KünstlerInnen, die eine solche einheitliche Geschichte in ihren unterschiedlichen Perspektiven, Zugriffen und Konzepten als Fiktion verdeutlichen - ohne allerdings Bezüge zu kunsthistorischen Entwicklungen wie z.B. Konzeptkunst, Mail Art, Fluxus oder Telekommunikationskunst zu verleugnen. ( mehr … )

Die Beiträge haben mehrere Generationen der dem von Heidi Grundmann gegründeten ORF- KUNSTRADIO verbundenen , vernetzten und mitdenkenden Künstler , Autoren , Kuratoren und Musiker gestaltet . Um nur einen Bruchteil der Netz- und Text- Denkenden zu nennen : Robert Adrian , Inke Arns , Johannes Auer , Robert Barry , Gottfried Bechtold , Hank Bull , Peter Courtemanche , Wolfgang Ernst , Bill Fontana , Adrew Garton , Daniel Gethmann , Heidi Grundmann , Wolfgang Hagen , Honor Harger , Candice Hopkins , José Iges , GX Jupitter-Larsen , Douglas Kahn , Friedrich Kittler , Tetsuo Kogawa , Richard Kriesche , Brandon LaBelle , Norbert Math , Doreen Mende , Sergio Messina , Roberto Paci Dalò , Garrett Phelan , Winfried Ritsch , Christian Scheib , Tom Sherman , Rasa Šmite , Anne Thurmann-Jajes ( pdf ) , Lori Weidenhammer , Sandra Wintner

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KUNSTRADIO : HOMMAGE À HEIDI GRUNDMANN

czz-neuesvonfreundenHeidi Grundmann , Radiojournalistin und Gründerin des ORF Kunstradio , begeht im Juli 2008 ihren 70. Geburtstag . In Anerkennung der Pionierleistungen , welche Grundmann für die Bildende Kunst und besonders die Radiokunst geleistet hat , werden neue Hörstücke mehrerer Künstler vorgestellt : Roberto Paci Dalò , Seppo Gründler und Liesl Ujvary zollen Heidi Grundmann mit akustischen Arbeiten Reverenz .

Als Beispiel sei Liesl Ujvarys , erstmals im Rahmen des IMA salons #7 | Ars Electronica 2007 öffentlich präsentierte Komposition “sprache der gene - hommage à heidi grundmann ” genannt :

sprache der gene‘ schreibt ein virus-genom in musik ab, wandelt genetische sequenzen von hefebakterien, hühnern, insekten und menschen (wir sind alle eine grosse familie) in sequenzen elektronischer musik um. minimalistische wiederholungen und verschiebungen analoger klangmuster bilden leben ab, randomisierungen erzeugen quasi evolution, strukturverschiebungen verweisen auf falsche kopiervorgänge. auch heidi grundmann gehört zu dieser familie, sie hat an dieser produktion, entstanden 1996, mitgearbeitet, mitgesprochen, mitgedacht. ’sprache der gene - hommage à heidi grundmann‘ ist ein neu bearbeitetes teilstück dieser produktion. mögen heidis genen noch viele fehlerfreie kopiervorgänge bevorstehen!

HIER die 31- minütige Arbeit im Vollton , versetzt mit einigen Partikeln der Stimme Heidi Grundmanns . Und HIER die Originalarbeitsprache der gene” ( 1996 / 1997 ) . Man néhme eine attentive Sitzhaltung ein . Und erwarte nichts generisch Bequemes ! - Mehr im ORF KUNSTRADIO , Sonntag , 20. 7. 2008 , 23:05 - 23:45 ( Radio Österreich 1 ) .

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KLANGAPPARAT

Die teilweise tribenden 4/4 mögen mitnichten darüber hinwegtäuschen , dass auch die langen Bögen , welche der Stockholmer DJ Subpilot für czz-hoerempfehlungsein Mixtrum Compositum arrangiert hat , zunächst dem tagesüblichen Soundgeschmack ein wenig befremdend anmuten mag : “Move out” lässt während einer vollen Stunde lang bemerkenswerte Metamorphosen sich vollziehen : Wie Schlieren sich langsam zu Schemen formen , Schatten ins Grob- dann Feinkörnige gleiten , bis schliesslich das , was zunächst nach sanfter Wassergeburt klang , zuletzt ausgewachsen tanzbar stampft . Man schreibe sich diesen Mixotic- Mix Numero 131 hinter die Ohren . CLICK LINK TO SEE PLALIST AND LISTEN . |||