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NEUES VON FREUNDEN



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rotten kinck show ( click to XL )

BERLIN : ROTTEN KINCK SCHOW 3

czz-neuesvonfreundenDass Literatur vor Schaden nicht schützt und schon gar nicht als Abwehrzauber dient musste die zur ROTTEN KINCK SHOW unierten drei Grazien Ann Cotten , Monika Rinck und Sabine Scho fluchend am eigenen Festplatten- Täschchen erfahren : Gleichwohl lautet das in die Abgründe des menschlichen und technischen Unbewussten weisende Motto : MEINE MUSE , MEIN DÄMON , MEIN RECHNER .

Folgende Highlights werden überliefert :

+++ Working Girls’ Shamanism * ekballein, und vorher zartrammpeln * Yeats approves this kind of brutality +++
+++ natürliche geister, direkt befragt * die dämonen des unmittelbaren heimleuchtens, des selbstüberraschenden dranbleibens, der fehlgeleiteten
begeisterung und der sorge +++
+++ wohnschmaschinen - insistierte sippenschreibtische in serie +++
+++ superspreader - anglerfisch * die geheimen nähte der schlafakrobatin +++
+++ Numen-Nummer und Nadelöhr Wunsch * die zwei leeren päckchen zigaretten +++
+++ Die Lücke in der WH des HL * Figuren der pathologischen Nähe +++
+++ Fetisch und Partial: A Puzzle’s Puzzle * But Poets do not exist to accept Griefs. +++
+++ starre schatten der verliebten - Wo Starre Schatten Lehnen, Da Ist Wand - Bulkig, bulkig, bulkig - Das Ende der Wand +++

Völker , bannet die Dämonen : Ann Cotten , Monika Rinck , Sabine Scho : Kaffee Burger , 10 119 Berlin , Torstraße 60 - 4. 11. 2008 , 21 H
Am 4. November 2008 ab 21:00 Uhr im

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WIEN : GERHARD RÜHM GESAMT

czz-neuesvonfreundenWer kennt sie nicht , die drei prächtig gelben Bände , in welchen der Berliner Parthas Verlag mit Langmut und Akkuratesse das editorische Desiderat in Angriff nimmt , das in alle Windrichtungen , Klein- und Künstlerverlagen verstreute Gesamtwerk des Grossmeisters Gerhard Rühm zu sammeln . Vier Bände der zehnteilig und autorisiert angelegten GESAMMELTEN WERKE liegen nun bereits vor :

Band 1.1. : gedichte
Band 1.2. : gedichte
Band 2.1. : visuelle poesie
Band 2.2. : visuelle musik

In Vorbereitung :

Band 3.1 : auditive poesie
Band 5 : Theaterstücke

Mithin Grund genug , die Vielseitigkeit des Dichters , Sängers , Komponisten u. v. a. m. wieder einmal live und höchstselbst unter Beweis zu erleben , wie stets unter Mitwirkung von Monika Lichtenfeld - !010 Wien , Literatisches Quartier Alte Schmiede , 6. 11. 2008 , 19 H ( > siehe auch den heutigen KLANGAPPARAT )

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WIEN | VIRTUELL : TEXT DES MONATS

czz-neuesvonfreundenSeit zwei Jahren ediert und kommentiert die Schriftstellerin Liesl Ujvary monatlich ausgesuchte Texte von Autorinnen und Autoren auf der Webseite des Literarischens Quartiers : Die Lieferung 11 | 2008 ( Martin Breindl ) scheint indes noch nicht den Weg ins WWW gefunden zu haben : Ein guter Grund , Margret KreidlsIch habe einen Vogel” plus Oktober- Kommentar noch einmal zu lesen .

Edit :

martin breindls “restl.welt”,”gedankenprojektor” und “zwischenzeit zwischenraum” ist seit 15. oktober auf der homepage der alten schmiede zu sehen und zu lesen …

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WIEN : ERICH FRIED TAGE

czz-neuesvonfreundenWenn mit den jährlich den Novembernebel spaltenden Erich- Fried- Tagen das Steh- bzw. Sitzvermögen von Veranstaltern und Publikümern im Literaturhaus auf die Probe gestellt wird , geschieht dies durchaus auf hohem literarischen Niveau .
Freitag , 7. 11. ( 19 H ) : Wird mit Catherine Frieds “Über kurz oder lang - Erinnerungen an Erich Fried” eines der hübschen roten Bändchen aus der SALTO- Reihe des Wagenbach- Verlags vorgestellt : Kein Zweifel , die Witwe hat da Einiges zu erzählen .

Am Samstag , 8. 11. ( 19 H ) ist dann eine ebenso beredte wie witzige Jurorin des diesjährigen Erich- Fried- Preises am Wort : Katja Lange-Müller liest aus Erzählungen sowie ihrem im Vorjahr erschienen Roman “Böse Schafe und andere Enten” ( KiWi ) . Danach , dass es die akklamiert- lakonische Liebesgeschichte im Milieu deutscher Wende- Verlierer auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises anno 2007 brachte , kräht heute kein Hahn mehr .

So far for nachhaltige Förderung des deutschen Romans , wie sie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels versteht …

Sonntag , 9. 11. ( 11 H ) ist es schliesslich so weit und es wird der Erich- Fried- Preis 2008 an Alois Hotschnig verliehen : Eine zweifellos weise Entscheidung , trifft die mit 14.600 € dotierte Auszeichnung einen der leisen litarischen Feinarbeiter des Landes . In ihrer Begründung für ihre Wahl formuliert die alleinige Jurorin Lange-Müller einen äusserst bemerkenswerten Satz :

… weil er die Deutungshoheit dem Leser einräumt - mit und trotz größter stilistischer Genauigkeit. Den Leser schätzen, heißt: Ihn niemals unterschätzen.

Ob dies die Kinder nun beruhigen wird ?

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WIEN MODERN : STOCKHAUSEN - GADENSTÄTTER - NEUWIRTH

czz-neuesvonfreundenDass musikalisches Hören nicht notwendig das Sprachzentrum lahmlegt , dürfte das Konzert des Klangforum Wien am Samstag im Rahmen von WIEN MODERN mit einem vielver sprechenden Programm beweisen : Neben Karlheinz StockhausensKreuzspiel” ( 1951 ) bestreiten nicht weniger als zwei Uraufführungen von Auftragswerken ( ! ) die Playlist :

Mit Clemens Gadenstätter ( Jahrgang 1966 ) und Gösta Neuwirth ( Jahrgang 1937 ) treten zwei Generationen an , ihre semantisch | sprachlich | musikalischen Untersuchungen ins Werk gesetzt vorzustellen .

Mit einer “Semantical Inverstigation 1” ( für Violine und Ensemble” , UA ) geht Gadenstädter von der unabweislichen Bedeutungshaltigkeit jedewenden Klanges aus , womit der Illusion einer Reinen Musik grundsätzlich eine Absage erteilt wird ( vgl. auch Daniel Enders Essay ) . Viel eher ist eine kulturelle Selbstbefragung am Werk , akustische signifiers | signifiés auszutesten :

Alltäglicher Erfahrung wird auf den Grund gegangen durch die Untersuchung an solchen Signalklängen, die semantische Seite wird durch die klangliche Recherche befragt.

Ironie und Ernst der Lage liegen eng beisammen im Bewusstsein des Hörens: Was bedeutet Hören, wenn alles Gehörte bedeutet und wenn die Eindeutigkeit der Bedeutung des Gehörten sich im Hören auflöst, transformiert, hin zu einer Vielschichtigkeit und Vielgestaltigkeit ? Das Be-Deuten des Hörens ist ein Akt des Bewusstseins, wie das Komponieren von zu Hörendem. Musikmachen wird mir hier zum Instrument, mir einmal in den eigenen Kopf zu schauen ( Büchner ) – Katapult einer musikalischen Erfahrungsreise durch den Alltag. ( Quelle : pdf )

Mit Stücken wie “Pisspott oder Pot of Pieces” hat der unfreiwillige Wahlberliner Gösta Neuwirth ( er hatte in den sechziger Jahren Wien verlassen , weil die Hochschule sein Dissertations- Thema zur Musik des von den Nazis verfolgten Franz Schreker ablehnte ) seit je einen Hang zum Sprachspiel bewiesen . Neuwirths Gestaltung von “Zeiträumen” ( “die Zeit muss genau gemessen sein , damit sie frei wird” , GN ) hat im Echtleben insofern einen tragischen Widerpart , als sich Österreich erst spät seines wegweisenden Komponisten und Lehrers besann .

Womöglich reflektiert Neuwirths Auftragswerk ( Erste Bank Kompositionspreis und Auszeichnung für das Lebenswerk ) “L’oubli bouilli - Vanish” ( für Sopran und Ensemble , UA ) ja genau dieses Vergessen - ?

Samstag , 8. 11.. 2008 , Wiener Konzerthaus, Mozartsaal , 19:30 H

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WIEN MODERNST : TOMOROH HIDARI

czz-neuesvonfreunden Grandmaster Crash aka Tomoroh Hidari ( MySpace ) aka Oliver Stummer packt Freitag , 7. 11. seine Siebensachen und Tausendsoundz aus , um - neben Reverse Tunes , Strang , Invitriol und Assimilatah - live elektronisch aufzugeigen . Ab 21 H in den Gürtelbögen à la quebra duro @ venster99 . Dort wird man es um die Ohren geschlagen kriegen , dass Klänge nie unschuldig sind …

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KLANGAPPARAT

Wie oben angedeutet , wirdmen wir den heutigen Klangapparat der jüngsten Kunstradio- Produktion Gerhard Rühms erinnern : “Paradiesische Passage” ( Ursendung 14. 9. 2008 ) - neue Sprechtexte , kurze Stücke mit Stimme und Klavier und speziell für das Radio .czz-hoerempfehlung Interpretiert werden diese von Gerhard Rühm und von seiner Frau Monika Lichtenfels- Rühm .

Zitat Rühm :

Wenn man sich intensiv mit Sprache beschäftigt, und zwar nicht mit der Sprache nur als bloße Mitteilung, sondern mit der Sprache als Material, dann kommt man bei geschriebener Sprache automatisch in den Bereich der bildenden Kunst und bei gesprochener Sprache automatisch in einen Zwischenbereich zur Musik. Weil ja die gesprochene Sprache musikalische Parameter hat, zum Beispiel: Tempo, Lautstärke, Tonhöhe. Das sind alles Momente, die den Text emotional differenzieren, die man nur durch das hören der Stimme in dieser Form wahrnehmen kann. Bei mir liegt das sehr nahe, weil ich Musik studiert habe, ich habe auch Komposition studiert, war auch bei Josef Matthias Hauer. Ich habe die Schönbergsche Zwölftontechnik ebenso wie von Hauer - die übrigens ganz anders ist - studiert. Und Musik ist für mich eine Art tägliches Brot. Dadurch ist das schon sehr nahe. ( … )

Was noch für mich ein wichtiger Punkt ist, dass Sprache, so wie ich sie verwende, das wäre ein vollkommenes Missverständnis, das als abstrakte Angelegenheiten anzusehen, sondern für mich ist es eine sinnliche Angelegenheit. Wenn man sinnlich mit Sprache umgeht, muss man mit dem Material Sprache umgehen. Und nicht nur mit dem was Sprache mitteilt. Die sinnliche Form von Sprache ist eben die menschliche Stimme.

Sprechtexte von Gerhard Rühm :

  • “Orange Ted” ( Audio )
  • “Schwanenwut , Trauerkatze” ( Audio )
  • “Rufe des letzten Menschen” ( Audio )
  • “Kleinanzeigen” ( Audio )
  • “Flugschwindel” ( Audio )
  • “Getäuschtes Vertrauen” ( Audio )
  • “Gewagte Klage” ( Audio )
  • “Gebären und Bestatten” ( Audio )
  • “Sprechtänze” ( Audio )

Weiteres zu den Sprechstücken sowie zur titelgeben Klanginstallation @ Kunstradio .

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donaueschinger musiktage 2008 | track one : Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst



||| RADIOKUNST IN SPORTIVEM AMBIENTE | THOMAS MEINECKE & DAVID MOUFANG | ANJA UTLER | FAZIT | DIE PREISE | DIE WERKE | DIE JURY | DIE SENDUNGEN | LINKS | RELATED

RADIOKUNST IN SPORTIVEM AMBIENTE

sczuka logo turnhalle

Hoch hinaus - mit sportlicher Erdung

Den diskreten Charme von Schulsport- und Turnhallen durfte geniessen , wer den beiden Veranstaltungen zum Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2008 beiwohnte . Mit dieser informellen Verortung wurden ebenso akustisch praktikable wie auch für Skeptiker niederschwellig aufzusuchende Räume gewählt . Und damit - wie SWR- Intendant Bernhard Hermann im Zuge seiner Rede zur Verleihung der international renommierten Auszeichnung für avancierte Werke der Radiokunst hervorhob - sei ein weiterer Schritt buchstäblich in Richtung auf ( künftige ) Hörerschichten vollzogen .

Hermann erinnerte dabei an den kürzlich verstorbenen Wort- Kunst- Komponisten Mauricio Kagel , im Jahr 1970 Laureat des seit 1955 vom SWR ausgelobten Preises :

Zuvor war die Preisverleihung ein hausinterner Akt in den Diensträumen des Intendanten in Baden- Baden [ gewesen ] . So auch noch im Jahr 1970, als Kagel selbst zum ersten Mal den Karl- Sczuka- Preis bekam, der sich damals gerade von einem ‘Preis für Hörspielmusik’ zu einem ‘Preis für radiophone Produktion’ zu wandeln begann. Kagels Preiswerk, “(Hörspiel) - Ein Aufnahmezustand” war das Signal für eine neue Ära des Preises und es stand für den Aufbruch des so genannten Neuen Hörspiels. Nach der Preisverleihung schlug Kagel dem damaligen SWF- Intendanten Helmut Hammerschmidt vor, den [ Preis ] mit den Donaueschinger Musiktagen zu verbinden - und so ist es nun seit 1972 schöne Tradition, ihn hier zu überreichen .

Ob Schulsporthallen - wie von Bernhard Hermann des Weiteren angedeutet ( “Sport ist in der Regel ein beliebtes Schulfach” ) - freilich bei allen Beteiligten für notwendig positive Assoziationen sorgen , muss ( nach Ergebnissen einer informellen und nicht repräsentativen Umfrage unter den künstlerisch Beteiligten ) fraglich bleiben . In Rechnung mag man freilich gerne stellen , dass sich Methoden und Manöver der schulischen Körperertüchtigung im Laufe der vergangen dreissig Jahre vermutlich vom schieren Drill und der Demütigung pubertierender Leiber glücklich fortentwickelt haben .

Die Bodenmarkierungen der Basketballhalle erwiesen sich jedenfalls als nachgerade ideale Guidelines für einen grosszügig dimensionierten 5.1. - Raumbeschallungs- Aufbau , wie für die Wiedergabe von für Anja Utlers knapp 12- minütigem Hörstück “suchrufen , taub” nötig . Es ist bemerkenswert , dass die Produktion aus der Reihe LITERATUR ALS RADIOKUNST des ORF- Kunstradio das erste Mehrkanal- ( Surround Sound- ) Preiswerk in der Chronik dieser Auszeichnung darstellt .

An zwei aufeinander folgenden Vormittagen wurden die Preiswerke - einmal im Kontext der eigentlichen Preisverleihung und den Laudationes sowie ein weiteres Mal gefolgt von einem Gespräch mit deren Schöpfern , resp. dem in beachtlicher Menge erschienenen Publikum ( 9:30 H ! ) vorgeführt . Ein radikal auf die Stimme , deren Poesie und räumliches Splitting reduziertes Kurzstück wie Anja Utlers knapper Zwöfminüter hatte es selbstredend ein wenig schwer , gegenüber der von saftigen Grooves und kräftigen Basslines getragenen Gemeinschaftsarbeit Thomas Meineckes und David Moufangs ( “übersetzungen | translations” - 52 Minuten ! ) zur Wirkung zu kommen .

Was die beiden Preiswerke weiters unterschied , war , dass der Hauptpreis an ein vielseitig medienkunst- , sound- und radioerfahrenens Duo ging , der Förderpreis an das radiophone Erstlingswerk einer poetischen Einzelgängerin .

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THOMAS MEINECKE & DAVID MOUFANG

David_Moufang_Thomas_Meinecke_Hans_Burkhard_Schlichting_Sczuka_Preis_2008

David Moufang , Thomas Meinecke , Hans Burkhard Schlichting

Jurysprecher Frank Kaspar rekapitulierte die seit Moufangs Realisierung der Hörspielfassung von Meineckes Roman “Tomboy” ( Buch 2000 , suhrkamp | Hörspiel , BR 1998 ) zehn Jahre lang währende Zusammenarbeit des Duos , wobei er als Novum von “übersetzungen | translations” die fortgeschrittene Durchdringung von “Sprache” und “Sound” hervorhob :

Die Ausgangsidee war, einmal nicht von von einem schon vorhandenen Text auszugehen, sondern ein Stück von vorneherein aus dem Zusammenspiel von Sprache und Musik zu entwickeln. Das gesamplete Sprach- Material sind hier einzelne Buchstaben: Thomas Meinecke hat die Tastatur seiner Schreibmaschien auf das Keyboard eines Symthesizers übertragen, indem er im Hörspielstudio des Bayerischen Rundfunks alle Buchstaben des Alphabets - einmal in deutscher und einmal in englischer Aussprache - in allen 12 Tönen der Tonleiter gesungen und aufgezeichnet hat. Seine Stimme liegt auf Taste, als er in David Moufangs Aufnahmestudio nach Heidelberg kommt.

Aus diesen Samples lassen sich zehn relativ willlkürlich | spontan gewählte lexikalische Sigifikanten ( von “Glockenblume” | “daffodil” bis hin zu “Henry Kissinger” ) synthetisch in frei verfügbaren Rhythmen und Klangfarben buchstabieren und ergeben im Mix mit elektronischen und analogen Klängen einen organischen musikalischen Flow : Linguistik als tanzbares Mantra bis hin zur Auflösung semantischer Gehalte im quasi instrumentalen Loop .

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ANJA UTLER

David_Moufang_Thomas_Meinecke_Hans_Burkhard_Schlichting_Anja_Utler_Sczuka_Preis_2008

Gruppenbild mit Anja Utler

Im Effekt des lautlichen , morphologischen und semantischen Aufbrechens und Neuformierens von Wort- und Sinngestalten sind - man vernimmt’s mit Erstaunen - Meinecke | Moufangs und Anja Utlers Arbeiten einander näher als es groovende Fülle und konzentrierter Takt zunächst vermuten lassen : Auch Anja Utlers Stück ist ausschliesslich im Hinblick auf eine audiophone Realisierung entstanden und wurde - den Möglichkeiten der fünfeinhalb Surround- “Stimmen” entsprechend - in eine quasi Mallarmé’sche Partitur gefasst .

Die Stimme spricht , unterbricht , doppelt und synkopiert den Wortlaut in verschiedenen Sprachen , hart an der Grenze von Einzelsilbe bzw. -Laut . Auch in “suchrufen , taub” entstehen also Loops , wenngleich unregelmässiger und irritierender getaktet als die am repetitiven Techno orientierten Sequenzen von “übersetzungen | translations” . Wobei das ( auch noch im Stereo- Downmix vernehmliche ) “Wandern” der Stimme im räumlichen Spektrum der Arbeit zusätzliche Dynamik verleiht .

… und tatsächlich hat gerade die Souveränität und Präzision, mit der Anja Utler die Möglichkeiten der räumlichen Gestaltung für ihr Radiostück genutzt hat, in der Jury grosse Zustimmung gefunden. ‘Der Körper, an dem die Strömungen des eigenen Munds vielleicht aufbrechen, verbleibt im Raum des Ungesehenen und Ungehörten‘, schreibt Anja Utler selbst zu ihrem Stück: ‘Er gibt nicht direkt Laut, aber er treibt Laute hervor.’ Die Genauigkeit, mit der sie sprachlich die Balance hält zwischen Konkretion und Abstraktion, mit der sie physische Details benennt aber die Körper dann doch durch Ausweichbewegungen der Beschreibung selbst auf offener Bühne verbirgt, macht die grosse Qualität dieses Textes aus, der mit dem exakten Timing ihres Vortrags überzeugend ins Radio findet.

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FAZIT

sczuka turnhalle

Raum für auditives Team- und Timing- Training

Was hier im Metadiskurs nach “strenger Kammer” tönt , nimmt sich als konkretes Hörerlebnis absolut plausibel aus . Und so fanden im Turnsaal zu Donaueschingen zwei Werke zusammen , deren Inspirationen und kulturelle Bezüge wohl differenter nicht sein könnten , als deren Ergebnis indes jeweils eine distinkte auditive Erkundung der Fundamente der Wörtlichkeit steht . Ein Schürfen im Bergwerk der gesprochenen Sprache .

Hier hat eine Jury für einmal “nicht aus jedem Dorf einen Hund” gewählt , um diversen Ansprüchen zu genügen , sondern zwei Arbeiten auserkoren , welche auf differenten Wegen zu korrespondierenden Ergebnissen gelangen .

Mit Ausnahme der problematischen Relation der höchst unterschiedlichen Abspielzeiten - hier 11:49 und dort 52:09 - hätte man sich kein besseres Team im Trainingsraum radiophoner Rede wünschen können . Auch für künftiger Hörer aller Generationen wäre es produktiv , beide Werke auch weiterhin in Korrespondenz wahrnehmen zu dürfen . Voraussetzung dafür wäre freilich - Gentlemen’s first ! - , die Spieldauer beider Werke einander anzunähern .

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DIE PREISE | DIE WERKE

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DIE JURY

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DIE SENDUNGEN

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LINKS

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RELATED

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Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel und Radiokunst an Thomas Meinecke & David Moufang - Förderpreis an die “Literatur als Radiokunst”- Produktion von Anja Utler



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KARL- SCZUKA- PREIS : MEINECKE & MOUFANG

icon soundDer Autor Thomas Meinecke und der Musiker David Moufang erhalten den vom Südwestrundfunk gestifteten Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst . Sie werden für ihr gemeinsames Radiostück “Übersetzungen | Translations” ausgezeichnet , das als Produktion des Bayerischen Rundfunk am 19. Oktober 2007 urgesendet wurde . Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 12.500 Euro verbunden .

Insgesamt sind 89 Wettbewerbsbeiträge aus 22 Ländern eingereicht worden , davon 38 freie Autorenproduktionen . Das vom BR produzierte Preiswerk ist innerhalb des CD-Doppelalbums “flugbegleiter - übersetzungen | translations“ beim Label Intermedium Records erschienen .

Über die Zuerkennung der Preise hat eine unabhängige Jury entschieden . Jurymitglieder waren der Musiktheater- Regisseur und frühere Rektor der Freiburger Musikhochschule Johann- Georg Schaarschmidt ( Vorsitz ) , der Schriftsteller Marcel Beyer , der Journalist und Medienkritiker Frank Kaspar , die Musikkritikerin Monika Lichtenfeld sowie die Publizistin , Literaturwissenschaftlerin und ehemalige Kultur-Staatsministerin Christina Weiss .

Aus der Begründung der unabhängigen Jury unter früheren Rektors der Musikhochschule Freiburg Johann- Georg Schaarschmidt :

In ihrer Gemeinschaftsarbeit ‘Übersetzungen | Translations’ entwickeln Thomas Meinecke und David Moufang (alias Move D) aus dem Alphabet als Lautvorrat zehn musikalische Miniaturen. Semantisch und akustisch assoziationsreiche Wortpaare wie Osterglocke – Daffodil werden zerlegt, rebuchstabiert und mit Klängen und Mustern der Club- und Jazzmusik verzahnt. Ein ironisch-reflektierendes Spiel zwischen Sprachen und Stilebenen, zwischen zwei souverän interagierenden Künstler-Freunden, das die Phantasie des Hörers an der langen Leine spazierenführt.

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KARL- SCZUKA- FÖRDERPREIS AN ANJA UTLER

icon soundDer diesjährige Karl- Sczuka- Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro geht an die in Wien lebende Lyrikerin Anja Utler , die ihren Text “suchrufen, taub” für das ORF Kunstradio als mehrkanalige 5.1-Produktion realisiert hat , die am 8. Juli 2007 auf Ö1 urgesendet wurde .

Nach Oswald Egger ( “tuning, stumm” , ORF- Produktion und SWR- Auszeichnung 2004 ) darf die Reihe “Literatur als Radiokunst” mit dem ausgezeichneten Werk Anja Utlers nun bereits den zweiten Karl- Sczuka- Förderpreis für sich verbuchen . Wir gratulieren !

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TERMINE

Die Preisverleihung findet am 18. Oktober als öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2008 statt .

Im Radio :

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KLANGAPPARAT

Einen - im Klangspektrum freilich reduzierten - Eindruck hinsichtlich Art, Takt und Charakter von Anja Utlers prämierter 5.1- czz-hoerempfehlungProduktion “suchrufen, taub” lässt sich via Audio- File ( RealPlayer ) von den Seiten des ORF- Kunstradio abrufen . Kommentar der Autorin , auch vor dem Mikrophon Sprecherin in eigener ( poetischer ) Sache :

Wellen, die zu vielen lecken können und zu niemandem: das ist blind sprechen, und taub. Die asymmetrische, richtungslose Form des Radiosprechens. Der Körper, an dem die Strömungen des eigenen Munds vielleicht aufbrechen, verbleibt im geschützten Raum des Ungesehenen und Ungehörten. Er gibt nicht direkt Laut, aber er treibt Laute hervor: am Widerstand gischtet das Wasser auf. Umfließend, lösen sich immer neu gemaserte Wörter aus einander – in welchem Suchlaut könnten die Konturen der fantasierten Hörerin, des fantasierten Hörers sich treffen? So brechen für die Sprecherin die tastenden, fragenden Wörter in sich selbst zurück; nicht in einem Widerstrom von außen werden sie gefangen, allein in der Zeit heben sie sich auf.

CLICK LINK TO LISTEN |||

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LINKS

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RELATED

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