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Blog 4 Burma : 1988 | 2008 : Chronik eines weiter scheiternden “Uprise”



||| I. 8. 8. 08 : BLICK NACH OSTEN | II. BLINDER FLECK - WESTLICHE PRÄMISSEN | III. WAS GESCHAH AM 8. 8. 88 ? | IV. WARUM IN BURMA KEIN WANDEL WIRD | V. LETTER FROM RANGOON | VI . DER 8. 8. 2008 | VII . BLOG 4 BURMA | LINKS | RELATED

I. 8. 8. 08 : BLICK NACH OSTEN

Burma 8888 8808 CrackdownDer 8. 8. 08 brachte mit auffrisierten Videobildern von chinesischen Choreographien von Massenkörpern und prachtvoll illuminierten Feuerwerken die kühl kalkulierte Eröffnung der 29. Olympischen Sommerspiele . Reales Feuerwerk wurde dahingegen zu gleicher Zeit in anderen östlichen Regionen abgebrannt .

“Alle Welt blickt nach Osten” , hatte es schon lange vorher geheissen und man war dabei auf das realexistierende China ebenso bang gespannt wie auf den berüchtigten Jahrestag des 8888- Uprising - dem blutigen Beginn der Oppositionsgeschichte in dem seit 1962 unter strikter Militärherrschaft stehenden Burma .

Alle Welt blickte nach Osten - und erlebte zweierlei : Die harte Front Chinas ( im Schlepptau : das knieweich lavierende IOC ) hinsichtlich Zeitungs- und Internet- Zensur sowie den gleichzeitigen Einfall Russlands in Georgien .

Die Entwicklungen seither - Medwedews ( parlamentarisch unterfütterte ) Anerkennung der Unabhängigkeit Süd- Ossetiens und Abchasiens am 26. August , Russlands Breitseite gegenüber die NATO , ja selbst gegen die chinesischen Verbündeten : All dies straft die westlichen Projektionen von “Demokratie” und “Freiheit” Lügen .

Im Gegenteil : Als handelte es sich um eine Parallelaktion , haben Peking und Moskau die Masken kooperativer Verbindlichkeit jäh fallen gelassen und offenbaren nun blank ihren Willen zur Macht . Nicht anders als die African Union , die sich Anfang Juli demonstrativ hinter Simbabwe und den zweifelhaften “Sieg” Mugabes stellte ( zur Erinnerung : Oppositionsführer Morgan Tsvangirai hatte seine Kandidatur zur Stichwahl Ende Juni angesichts von massiven Repressalien gegen sein “Movement for Democratic Change” | MDC zurückgezogen ) .

Es ist klar : Man nutzt dies derzeitige Schwäche Amerikas , welches in Zeiten der Rezession und im Zeichen eines de- facto - Interregiums durch den Präsidentschaftswahlkampf fast ausschliesslich mit sich selbst beschäftigt ist . Die USA lecken ihre im Irak sowie im gescheiterten Vermittlungsprojekt “Israel- Palästina” geschlagenen Wunden , die restlichen Kräfte gehen auf in der Abfederung der Fannie & Freddie- Kreditkrise sowie der horrenden Treibstoffpreise ( samt deren Auswirkungen auf die stagnierende Automobilindustrie ) .

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II. BLINDER FLECK - WESTLICHE PRÄMISSEN

Burma 8888 8808 Crackdown“Läuft die Welt aus dem Ruder ?” , fragt sich Mancher und muss doch nur erkennen , wie stark dem westlichen Weltbild und dessen ‘Werten’ die universale Gültigkeit fehlt , welche wir ihm beimessen . Zu Recht weist Mark Siemons in der FAZ auf die “geopolitische Unschärferelation” hin , welche eine solche Perspektive zwangsläufig generiert :

Denn der Universalismus, wie er im Westen gegen China in Stellung gebracht wird, hat einen blinden Fleck: die Annahme, es gebe in der politischen Welt einen Ort, an dem sich jenseits von Macht und Interessen urteilen ließe. Dieser Ort heißt im westlichen Sprachgebrauch ‘zivilisierte Welt’ oder ‘internationale Gemeinschaft’, worunter ein homogenes Gebilde zu verstehen sei, das seine Angelegenheiten zunehmend in die eigene Hand nimmt. Doch außerhalb des Westens und zumal in China glaubt man den Grund zu kennen, weshalb westliche Moralisten so viel Zutrauen zu dieser Welt haben: Es ist eine Welt, die nach wie vor von westlichen Institutionen gelenkt wird.

Dass sich die angeblich globalisierte Welt im 21. Jahrhundert nicht nach unseren Vor- Stellungen verhält , ja im Gegenteil in neue Atavismen verfällt ( Burmas paranoide , abergläubische , ineffektive und korrupte Junta ) und Anachronismen ( Wiederaufleben des russischen Imperialismus ) , ist schwer hinzunehmen .

In einer ausgreifenden Polemik würdigt der in Kanada lebende Publizist und Buchautor Professor Kanbawza Win zwar die zurückliegenden Bemühungen der USA um Burma , konstatiert aber einen zunehmenden Grad an Unverständnis des Westens gegenüber den Verhältnissen in Asien und Afrika :

The fact that the West could not understand the geopolitical realities of Asia, now the largest economic region in the world — and adapt its policies accordingly, revealed that old assumptions and attitudes run very deep indeed. Burma has demonstrated was the limits of Western power, the need for the West to understand those limits. The second example is Zimbabwe.

Aber wo , wäre im Gegenzug zu fragen , gäbe es eine “westliche” Regierung , welche sich derzeit nicht nahezu ausschliesslich nach Massgabe ökonomischer und populistischer Opportunitäten verhielte ? - Realisiert man etwa HIER politisch jene Werte von Wahrheit , Freiheit , Gleichheit und Brüderlichkeit , welche man von den angenommenermassen ‘weniger demokratischen’ Staaten einfordert ?

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III. WAS GESCHAH AM 8. 8. 88 ?

BURMA uprising 8888

Doch zurück zu Burma und dem fatalen Datum des 8. 8. 1988 , das zwei eben publizierte Berichte wesentlich umfassender und im Kontext nachvollziehbarer referieren als dies im derzeitigen Wikipedia- Artikel geschieht . Da wir in|ad|ae|qu|at einer eher dokumentarischen Methode der Darstellung und ‘Datensicherung’ zuneigen , seien längere Passagen aus einem NZZ- Print- Artikel der Asien- Korrespondenten Manfred Rist zitiert sowie ein Teil aus dem umfassender Burma- Report des New Yorker , auf welchen wir auch später wieder und weiter zurückkommen .

_ III. 1. NZZ

Schicksalhafter Beginn der Opposition von Aung San Suu Kyi - Vor 20 Jahren schlug die burmesische Junta die Volksbewegung in Rangun blutig nieder ( Manfred Rist , NZZ print , 8. 8. 2008 )

Am 8. August 1988 sah das burmesische Militär, das Rangun seit Wochen kontrollierte, dem Aufmarsch der Bevölkerung tagsüber tatenlos zu. Aus allen Landesteilen, vor allem aber aus der Delta-Region, waren Tausende von Demonstranten in die Hauptstadt geströmt. Sie campierten auf den zahlreichen Grünflächen und versammelten sich regelmässig auf den breiten Hauptachsen, die ins Zentrum der Metropole führen. Bereits in den Tagen zuvor waren wegen des Zulaufs die Sule- und die Shwedagon-Pagode, traditionell die Zentren des Widerstands, abgeriegelt worden. Die unbeschwerte Zuversicht, dass man mit dem friedlichen Protest, der das ganze Land erfasst hatte, die Soldaten zum Stillhalten und die Militärregierung zum Abdanken zwingen könnte, schien grenzenlos. Symbolträchtig - um acht nach acht Uhr morgens - legten auch die Hafenarbeiter ihre Arbeit nieder und schlossen sich den Demonstrationszügen an.

Studenten als Anführer

Dass Burmas Weg in den Sozialismus, den der damals immer noch im Amt sitzende Diktator Ne Win nach einem Putsch 1962 eingeschlagen hatte, in eine Sackgasse führte, war längst klar: Ende 1987, als sich die meisten asiatischen Länder mit Riesenschritten industrialisierten, war Burma auf den Stand der am wenigsten entwickelten Nationen abgesunken und weitgehend von japanischer Entwicklungshilfe abhängig. Um der galoppierenden Inflation Einhalt zu gebieten, hatte die Regierung in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Geldscheine im Wert von 75, 35 und 25 Kyat für ungültig erklärt. Wochen später wurden sie durch Noten ersetzt, deren Nominalwert sich durch neun teilen liess - die Lieblingszahl des Diktators. Wer damals Erspartes in bar besass, verlor dieses von einem Tag auf den anderen. Kleinere Demonstrationen gegen diese Art von Misswirtschaft und Willkür der Regierung fruchteten nichts. Schon Monate vor dem August 1988 wurden sie niedergeknüppelt; die Gefängnisse wurden gefüllt. Bei den Inhaftierten und Opfern handelte es sich meist um Studenten.

Zu den Merkmalen der burmesischen Sicherheitskräfte gehört, dass sie nicht ohne Vorwarnung schiessen. Bei Einsätzen werden auch immer Feuerwehrfahrzeuge mit Wasserwerfern aufgefahren. Nicht etwa um Leute zu vertreiben, sondern um Blutspuren zu entfernen. Das war auch am 8. August so: Als gegen Abend rund eine Million Menschen protestierten, den Rücktritt der Militärjunta und die Einsetzung einer Zivilregierung forderten, trat der Befehlshaber von Rangun, General Myo Nyunt, im Stadtzentrum vor die Menge und forderte sie auf, nach Hause zu gehen. Andernfalls werde geschossen. Da sich aber auch viele Mönche unter den Demonstranten befanden, schien dies vielen unwahrscheinlich. Die Drohung wurde ignoriert, man sang die Nationalhymne. Tatsächlich passierte stundenlang nichts.

Erst spät nach Einbruch der Nacht gerieten die Truppen in Bewegung und machten die Drohung des Kommandanten wahr. Die Dunkelheit verstärkte die Panik. Mit Maschinengewehren wurde auf die fliehenden Massen gefeuert. Stundenlang und bis tief in die Nacht dauerte das Gemetzel an Zivilisten und Mönchen. Die Toten wurden weggeschafft, Verletzten wurde die Hilfe verweigert, die Verhafteten wurden ohne Prozess eingekerkert. Selbst Spitalpersonal, das bei den Truppen um Nachsicht bat, wurde erschossen. Laut Schätzungen kamen in jener Nacht und in den Tagen danach mindestens 3000 Menschen ums Leben. Den schiessenden Truppen, die aus fernen Landesgegenden herbeigeschafft worden waren, war eingetrichtert worden, Kommunisten wollten die Kontrolle des Landes übernehmen. ( … )

BURMA uprising 8888

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_ III. 2 THE NEW YORKER

Letter from Rangoon : Drowning - Can the Burmese people rescue themselves ? ( George Packer , The New Yorker , 28. 8. 2008 )

In 1987, I backpacked through Burma on a one-week visa, the maximum time allowed. I had never seen a place so untouched by the West; even Pepsi was illegal. The country was ruled by General Ne Win, who had led the 1962 coup and subsequently imposed on Burma an isolation nearly as extreme and self-destructive as North Korea’s. He governed through force, paranoia, and superstition: a few weeks before my visit, Ne Win, advised by his astrologer that the number nine was auspicious, abolished all Burmese banknotes of twenty-five, thirty-five, and seventy-five kyats, replacing them with two new denominations—forty-five and ninety—that are divisible by nine and whose numerals add up to nine. Countless Burmese lost their life savings. Yet there were no major protests. In the ancient Buddhist city of Pagan, on the Upper Irrawaddy River, the manager of a guesthouse where I stayed quietly grumbled that the government didn’t care if its people were ruined. My guide around Rangoon invited me to lunch at his house and he made the same muted complaint. I left agreeing with a common observation about Burma: its people were, perhaps, too gentle to rebel.

The next year, after months of small student-led demonstrations and arrests, at eight minutes past eight o’clock on the morning of August 8, 1988—numerology also holds sway over the regime’s opponents—Burmese of all backgrounds took to the streets to protest the military dictatorship. As many as three thousand people were killed before the Army imposed order. Ne Win was replaced by a new group of generals, who named their junta the State Law and Order Restoration Council. The SLORC held elections in 1990; Aung San Suu Kyi’s opposition party won overwhelmingly, but the junta ignored the results and continued to rule as before.

Some things changed. In 1989, Burma became Myanmar and Rangoon became Yangon, and the junta is now called the State Peace and Development Council, led by Senior General Than Shwe. Luxury hotels have gone up in downtown Rangoon; there’s a new terminal at the airport; and, in Mandalay, Chinese-built shopping centers have replaced entire neighborhoods. Over the past few years—at an estimated cost thus far of four billion dollars, and with the use of forced child labor—the regime has constructed a new capital, Naypyidaw, in the hot flatlands in the country’s center. But since 1988, or even 1962, Burma has remained remarkably static, while its neighbors China, India, and Thailand have raced ahead.

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IV. WARUM IN BURMA KEIN WANDEL WIRD

Burma 8888 8808 CrackdownWarum , fragt sich der westliche Betrachter , scheitern die demokratischen Aufstände in Burma so regelmässig : Es gäbe ( wie im letzten Beitrag referiert ) hinreichend westliches Geld und Unterstützung , der Bevölkerung bei einem Aufstand gegen das lächerlich selbstbezogene und grausame Regime unter die Arme zu greifen . - Aber genau das sei es ja , argumentiert der Econmist in Beantwortung der Frage “So why did Myanmar’s revolutionaries fail ?” - Es sei just die atavistische Grausamkeit , mit welcher die Junta auf jedes Aufmucken reagiere , welche sich ( siehe China nach dem Tiananmen- Massaker ) tief in in die kollektive Erinnerung eingeprägt habe und jeden radikalen Aus- und Aufbruchsversuch a priori verhindere :

It was not for lack of courage or determination. Nobody knows how many died - 3.000 is a widely cited estimate that may well be understated—but long after it was clear the army would use lethal force, protesters braved the danger.

It was not for lack of popular support. Millions took to the streets in 1988 - more people than protested in Russia and its satellites. When Myanmar’s regime held an election less than two years later, the beleaguered opposition still won more than 60% of the votes.

Nor was it for lack of a charismatic, popular leader. Aung San Suu Kyi, daughter of Myanmar’s independence hero, emerged as just such a figurehead. In that role she was far more impressive than was, say, Corazon Aquino, the widow of a Philippine opposition leader, who emerged as the president who succeeded Ferdinand Marcos, the deposed dictator.

Nor was it for lack of international goodwill. For those few weeks in 1988, most of the world cheered the protesters on. The junta had friends, of course, as its successor does now, but none provided help that amounted to a lifeline.

No, the reason the revolution failed was simple: the army was prepared to kill as many people as it took to thwart it. ( … )

The sad truth is that the junta will survive as long as it and Myanmar’s people are confident that the army will do whatever it takes to protect its rule. Change is therefore more likely to stem from a split in the ranks of the army and junta than from the futile heroism of the huddled masses yearning to be free.

“They want us to smile, we have to smile” , zitiert George Pecker in seiner umfassenden Burma- Reportage im New Yorker einen burmesischen Abt : “They want us to cry, we have to cry. We are living with our body but with their soul.”

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V. LETTER FROM RANGOON

Burma 8888 8808 CrackdownFür seinem “Letter from Rangoon” hat der New Yorker- Reporter mit einer Vielzahl von Menschen gesprochen : Intellektuelle , Künstler , Mönche , Dissidenten , amerikanische Dipolomaten und Buchautoren kommen zu Wort , um eine Art ‘geistige Landkarte’ des Landes zu umreissen .

Dabei werden implizit viele Fragen beantwortet , welche uns seit der Beschäftigung mit Burma und seinem unglücklichen Geschick seit fast einem Jahr begleiten .

_ V.1. UNIVERSITÄT

Gibt es , haben wir uns gefragt , denn keine kritische Masse an den Universitäten ? - Zwar werden “students” in vielen Demonstrationsberichten erwähnt , doch nie deren intellektuellle Bildung bzw. konkrete akademische Ausbildung .

Im Interview mit einem jetzt 30jährigen Ex- Studenten , der durch den familiären Hintergrund und die Kindheitseindrücke anno ‘88 früh politisiert wurde , kommen die Studienbedingungen im Lande zur Sprache :

But by 1996, the year he enrolled, the university had almost ceased to exist. To prevent students from gathering in protest, the government repeatedly closed the main campus and began busing undergraduates to makeshift campuses outside the capital. The semester dwindled to ten days in the classroom, with assignments and exams handled through the mail. In order to maintain the illusion of a successful system, the government continued to pass large numbers of students, even though their base of knowledge was shrinking precipitately. Higher education in Burma, once the training ground of a skilled civil service, was destroyed.

Die Campus- Zonen wurden systematisch zerstreut , Bibliothek gab es keine , dann kam das Ende : Die Studierenden aller Semester wurden zu “Abschlussprüfungen” beordert , deren Alibi- Charakter allzu offensichtlich war . Der Student obstruierte sämtliche Tests und provozierte nach Kräften mit Anti- Regierungs- Aufsätzen anstelle des Gefragten .

Zwei Wochen später hatte er die Polizei im Haus , mit Schlägen wurde bei dieser “Vernehmung” nicht gespart . Insein , das berüchtigte Gefängnis , hiess die nächste Station . Und U- Haft bis zu einem “Gerichtsverfahren” , wo Studierende gruppenweise vorgeführt und - ohne jede Möglichkeit , das Wort zu ergreifen - abgeurteilt wurden . Der kaum Zwanzigjährige erhielt das Strafmass von 21 Jahren Zuchthaus , unbedingt : 7 für illegalen Druck , 7 für die Verteilung der so hergestellten Anti- Regierungs- Flyer und 7 für regierungsfeindliche Aktivitäten . Insein : das bedeutete Haft in totaler Isolierung , mangelhafte Ernährung , kein Tageslicht , kein Schreibmaterial , keinerlei Kommunikation .

Immerhin wurde - nach einer Überprüfung des Gefängnisses durch eine Kommission des IRC - ab 1999 die Lektüre gestattet . Zunächst beschränkt auf buddhistische Werke , wodurch unser Referent - wie viele Seinesgleichen - in jene aus Sicht des westlichen Pragmatismus ‘duldsame’ erscheinende Geisteshaltung fand , die ihre Energien eher auf den Ausgleich des ‘inneren Menschen’ richtet denn auf die Änderung äusserer Verhältnisse .

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_ V.2. BUDDHISMUS

Nicht wenige Kommentatoren erklären die Aus- Dauer der Machtverhältnisse durch den Theravada- Buddhismus , jener ältesten Schultradition des Buddhismus , welche auf die Ablösung des “Ichs” von den ( vergänglichen ) weltlichen Erscheinungen zielt .

Christina Fink, the author of ‘Living Silence : Burma Under Military Rule’, told me, “There are certain cultural practices that help maintain the regime. Burmese society is a hierarchical society, where obedience to authority is taught in the family, in religious institutions, in educational institutions.” Fink pointed out that education in Burma was based on rote memorization, and she had found that “if you ask Burmese students to paraphrase something they cannot do it”.

Konfrontationen und offene Konflikte werden vermieden . Es geht hier also nicht - wie im westlichen Paradigma - um die subjektive Originalität und Durchsetzungskraft des Individuums . Im Gegenteil .

Eine Lehrerin aus Rangoon kommentiert :

We can blame the religion, and we can blame the live-and-let-live attitude of the Burmese ( … ) . Even people like me, unless we go out of the country from time to time to refresh our minds, we become conditioned to the suppression. We are fearful without knowing we are fearful, and we are submissive without knowing we are submissive.

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_ V.3. READING GROUPS

Der inhaftierte Ex- Student sass indes nicht 21 jahre , sondern derer sechs . Nach seiner Entlassung suchte er umgehend die James Baldwin Library im American Center auf , wo sich - von einer auf der gegenüberliegenden Strassenseite angebrachten Video- Kamera überwacht - unzählige Lesezirkel und Weiterbildungsmöglichkeiten fanden .

The tradition of reading groups in Burma goes back to the nineteen-twenties, when the Burma Book Club was established by a British anthropologist named John S. Furnivall. Under Burma’s successive dictatorships, these clubs have met in secret, serving as forums for political discussion among groups of trusted friends. Ideas tend to reach Burma piecemeal twenty or thirty years after they’ve had their moment elsewhere. After the protests of 1988, intellectuals turned away from Marxism and embraced the existentialism of Camus and Sartre, Orwell’s anti-totalitarian fictions, and Kafka. Recently, fragments from Jacques Derrida and the post-structuralists have begun to be championed in Rangoon as the latest model for the dismantling of tyranny.

Hier singt der amerikanische Berichterstatter selbstredend ein Loblied auf diese Enklave des freien Wortes : Schüler , Studierende , Mönche habe er dort lesend angetroffen . Die Lesezirkel hätten auch dazu gedient , unter Umständen , welche die öffentliche Versammlung von mehr als fünf Personen verbieten , den Wissens- und Politisierungs- Transfer von der ‘Generation 88′ auf die Jüngeren zu fördern .

Allerdings seien die jüngeren Mitglieder 2007 fortgeblieben , nachdem sie oder ihre Lehrer von Geheimdienstleuten aufgesucht worden waren . Offenbar hatte man die Gruppen infiltriert . Nach den Septemberunruhen wurde auch diese Enklave getilgt .

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_ V.4. WARUM KEIN WANDEL ?

Burma 8888 8808 CrackdownAuch für den langjährigen Burma- Kenner George Pecker ist es “not clear why the junta has such an unshakable hold on power” . Es gäbe keinen Personenkult , der korrupt- autoritäre Kapitalismus unter Than Shwe habe das einstmals prosperierende Land heruntergewirtschaftet , eine Leitideologie gebe es nicht .

Einzig die Phrasen um die nationale Einheit , die es gegen interne und äussere Agenten der Instabilität zu verteidigen gelte , tönen aus offiziellen Kanälen . Pecker zitiert den Text eines in englischer Sprache gehaltenen Billboards :

People’s Desire: Oppose Those Relying on External Elements, Acting as Stooges, Holding Negative Views. Oppose Those Trying to Jeopardize Stability of the State and Progress of the Nation. Oppose Foreign Nations Interfering in Internal Affairs of the State. Crush All Internal and External Destructive Elements as the Common Enemy.

Als das Schild durch Zyklon ‘Nargis’ zu Boden ging , kümmerte es Keinen .

Pecker vermutet zwei Gründe für die relative Stabilität der unsäglichen Verhältnisse :

1. die Selbstbezüglichkeit des mit äussert geringen Machtmandaten ausgestatten Militärs :

Most of Burma’s top government posts are held by military officers, many of whom have a frighteningly weak grasp of governance. After a senior general went to Singapore and heard that all schools there had access to the Internet, he announced that Burmese schools would also be wired—never mind that most classrooms lacked books and paper. A Rangoon school was quickly fitted with computers and modems; the general visited, attended by the state media, and the next day everything was removed.

2. die Selbstbzüglichkeit der Regierungsclicque , die längst ohne Interdependenz mit dem Volk in ihrer Kunstwelt zu Naypyidaw ein zur abstrakten Idee reduziertes ‘Volk’ regiert . Pecker zitiert einen burmesischen Wirtschaftsfachmann , dessen Erklärung im plausibel erscheint :

Other regimes are interdependent with the people ( …. ) . Here the government isn’t dependent on the people, and the people aren’t dependent on the government. When there’s no electricity or water, you get it yourself.

“In other words” , resümiert der New Yorker - Reporter , “the regime has endured because it is not distracted by an effort to provide good government”.

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_ V.5. ROLLE DER USA

Burma 8888 8808 Crackdown

The only solution is for the U.S. to drop a bomb on Naypyidaw. That’s the only way ! Ninety per cent of Burmese would tell you the same thing.

Hier - nicht in zahnlosen Sanktionen - sehen die meisten Burmesen eine mögliche Hilfe durch die USA . Wirtschaftliche ( und damit ‘moralische’ ) Sanktionen , kommentiert ein westlicher Diplomat in Rangoon , seien völlig witzlos ,

The generals don’t care what the rest of the world thinks about them, because they don’t think about the rest of the world. What they care about is their financial and physical security.

Solange die Achse Indien - China - ASEAN funktioniere ( und dies hat sich im letzten Jahr mehrmals erwiesen ) - fänden die genräle hinreichend moralischen , rüstungstechnischen und wirtschaftlichen Support , um allen Erschütterungen zu trotzen .

Hier sind wir wieder beim hoffnungslosen Fall ” Simbabwe ” angelangt und bei den oben erwähnten “blinden Flecken” innerhalb des westlichen Missionierungsgedankens :

Burma is one of those countries, like Zimbabwe and Sudan, whose brutal rulers have successfully defied Washington and managed to make America seem impotent in its self-righteousness. The occupation of Iraq has been a boon to the Burmese generals. The idea, popular in the nineteen-nineties, that the world may intervene in countries whose governments show no regard for human life is now seen as reflecting Western arrogance; China’s approach of tolerating human-rights abuses in the name of stability and non-interference has become the standard. While the West stays out of Burma, Chinese businessmen are making huge investments in Mandalay, pulling the country’s economy toward the Chinese border. Rather than being a throwback to a more benighted age, Burma might be a picture of the geopolitical future.

In der “Asian Tribune ” fasst Nehginpao Kipgen amerikanische Burma- Politik während der achtjährigen Präsidentschaftt George W. Bush so kurz wie schmerzlich zusammen :

Regardless of what the differing views are, President Bush’s legacy in Burma’s democratic movement may be described in a single line as: ‘a policy too much emphasis on the sticks and too little on the carrots’. His approaches were sincere, but largely inefficacious.

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_ V.6. LAND OHNE MTTELSCHICHT , LAND OHNE POLITISCH AKTIVER ZIVILGESELLSCAFT

Die amerikanische Sanktions- und Isolationspolitik sei ebenso gescheitert wie die punktuellen Versuche , durch wirtschaftliche Investitionen im Umkreis Burmas einen ökonomischen Sog herzustellen . Beide Formen des Engagements liefen leiglich darauf hinaus , das Regime zu mästen , während das Land zunehmend darniederliege .

Kommentar einer lokalen Journalisten :

The regime here, unlike regimes elsewhere, is trying to prevent the formation of a middle class.

Nach Jahrzehten der Verhinderung einer öffentlich politisch agierenden Zivilgesellschaft sei an einen Wandel ohne Unterstützung durch das Militär nicht zu denken . Gleichwohl habe gerade der völlige Ausfall jeder Regierungshilffe nach den katastrophalen Schäden , welche Zyklon ‘Nargis’ hinterliess , eine pragmatische Form der Zivilgesellschaft offenbart . Während Regierungstruppen die Konvoys freiwilliger Helfer schikanierten , dem ‘World Food Program’ und den mit Hilfsgütern beladenen Kriegsschiffen aus Frankreich und Amerika absurde bürokratische Hindernisse in den Weg gelegt wurden , funktionierten einzig die informellen Netzwerke privat engagierter und organisierter Helfer :

Nothing was working except the artists’ associations, the small businesses, the hiking clubs, the student groups, and the networks of friends that are barely allowed to exist in Burma.

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VI . DER 8. 8. 2008

Burma 8888 8808 CrackdownNach einem reuters- Bericht soll am 8. 8. 2008 eine Gruppe von 45 Demonstranten mit “8888″- T-Shirts in Taunggok festgenommen worden sein . Zwei Klöster in Sittwe wurden gefilzt ( Narinjara ) . In Rangoon wurde der prominente Menschenrechtsaktivist Myint Aye infolge einer Hausdurchsuchung festgenommen ( The Straight Times ) .

Viele in Rangoon trugen - ungeachtet der einschüchternd aufgerüsteten Militärpräsenz ( Mizzima ) - demonstrativ schwarze Trauerkleidung zur Schau ( Irrawaddy ) . In kto htike’s englischem Exilblog bestätigt ein Burmese auch für den 8. 8. 2008 die prinzipielle ‘License to Kill ‘ des Militärs :

Soldiers, Polices and ‘Swan-Arr-Shin‘ thugs group were encouraged and instructed by authority that they can take any action to expel the pro-democracy activists by mean of any methods including beating, killing or mass arresting. Authority assures that there will be no action taken upon them. That means they can do whatever they like even if they suspect someone without proof. What is the meaning of Junta’s official name, ‘State Law and Order Restoration Council ‘ ? They are leading and encouraging the lawless terrorist groups to create the terror among the people.

Von Todesopfern infolge der Demonstrationen zur Erinnerung an “Burmas unlucky number ” ( International Herald Tribune ) wurde unseres Wissens bislang allerdings nichts bekannt .

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czz-blog4burma-inadaequat

VII . BLOG 4 BURMA

Die dramatischen politschen Nachrichten zeitigt im Netzwerk BLOG 4 BURMA eine deutlich erhöhte Meldungsdichte . Selbstredend wird der 20. Jahrestag des 8. 8. 1988 mit einer Vielzahl von Postings bedacht : Kathy bringt ( in französischer Sprache ) eine Chronik der Proteste und Sanktionen , Birmaia libre ruft mit zwei Video- Clips die staatliche Gewalt in Erinnerung , adaequat hat ein Digest der Medien- und Agenturberichte zusammengestellt .

“Burma und China” lautet das zweite grosse Thema : Birma news united kontrastiert die schönen Worte und Gesten des Ehepaars Bush mit der zeitgleichen Inhaftierung des unter dem Künstlernamen Zarganar ( die Pinzette ) agierenden Regimekritikers . Wenig später wird sich der seit 29. Januar festgehaltene Blogger Nay Phone Latt unter dem Vorwurf mangelnden Staatsrespekts verhören lassen müssen ( Kathy ) .

Von der vitalen Unterstützung , welche die Junta durch China geniesst , handeln einige Wortmeldungen bei Kathy , ausfühlicher referiert Birmania libre die Rolle Chinas als Schutzmacht Burmas . Angesichts der Lieferung von 200 chinesischen Militärkraftwagen - Vorboten eines Kontingents von insgesamt 3.500 ! - sollten wir uns das eingangs gebrauchte Wort “vital” vielleicht doch noch einmal überlegen . Breaking News spricht den am Tag der Eröffnung der Olympischen Spiele erfolgten russischen Überfall auf Georgien an und knüpft damit einen weiteren Knoten in den roten Faden der geopolitischen Konflikte ( “Tibet ? Burma ? Darfur ? Simbabwe ?” ) .

Dass die mit Ibrahim Gambari erneut ins Land geeilte UNO alles wieder gut machen möge , glaubt inzwischen niemand ( mehr ) , offenbar nicht einmal mehr die unter Hausarrest gestellte Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi , welche einem Treffen mit Gambari entsagte ( Jonas M. Lanter ) . Kathy spricht gar von der “hypocrisie de l’ONU” . Birma news united beobachtet den mittlerweile vierten Besuch der Sonderemissärs : vollmunding angereist - “Leaving empty handed” . In einem zweiten Essay zum Thema werden die Hintergründe ausgeleuchtet , vom Timing über die Medienpräsenz bis hin zum Problem der galoppierenden Inflation des Kyat , welcher auch die Spendengelder für die Opfer des Zyklons ‘Nargis‘ in den Abgrund zu reissen droht .

Olivier ( Bloguer ou ne pas bloguer ? ) bringt , wie stets , getreulich seine Linklisten ; special feature : Burma- News aus der Facebook- Community .

All dies und mehr von Bloggern aus Deutschland , Frankreich , Spanien , der Schweiz , Österreich und aus der Perspektive eines Exil- Burmesen frei Haus gebündelt im praktischen RSS- Feed.

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LINKS

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