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Dokumentation | Alte Schmiede : Wirtschaftspolitik und Kulturvernichtung - Trotzdem : Die “Alte Schmiede” lebt ( Gerald Grassl )



Alte Schmiede wohin ?

Fortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 ( Alte Schmiede ) vor zwei Monaten unternommenen DOKUMENTATION . - Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

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WIRTSCHAFTSPOLITIK UND KULTURVERNICHTUNG - TROTZDEM : DIE “ALTE SCHMIEDE” LEBT

( Gerald Grassl , Augustin Nr. 231 , Juli 2008 , S. 24f )

Die gute Nachricht: Entgegen anderer Medienberichte bleibt die Tätigkeit des Literarischen Quartiers “Alte Schmiede” in der Schönlaterngasse 9 zunächst aufrecht.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - VORGESCHICHTE

alte-schmiede-was-tunEs bleibt jedoch ein ganz normales Lehrstück in welcher Logik der Kapitalismus “funktioniert”, wenn Gemeindeeigentum privatisiert wird.
Im Barockhaus “Alte Schmiede” in der Schönlaterngasse 9 war noch bis in die 70er-Jahre die alte Schmiede in Betrieb. Als sich der Besitzer des Hauses zur Ruhe setzte, vermachte er das Gebäude der Gemeinde Wien. Unter einer Bedingung: Die Schmiedewerkstätte soll in Betrieb bleiben, und zwar als kleine Kunstschmiede und die anderen Räume sollen im Lauf der Zeit für Kulturinitiativen, Künstlerwerkstätten, Ateliers zur Verfügung gestellt werden.

Die Gemeinde Wien überließ das Haus dem damals noch gemeindeeigenen Jugend & Volk-Verlag in Verwaltung.
Der 1969 gegründete “Kunstverein Wien ” zog im Haus ein. Als “unabhängige Institution, die künstlerische Initiativen fördern will, die Künstlern bei der Verwirklichung von Projekten, bzw. bei der Schaffung der Voraussetzungen dafür helfen will” und der Kunstverein Wien “ist keiner bestimmten Kunstrichtung ( und ) keinem bestimmten Künstlerkreis ausschließlich verpflichtet.”

Die Literaturreihe des “Literarische Quartier begann am 9. Juni 1975 mit einer Lesung von Friedrich Heer, die Folgeveranstaltung bestritt Ilse Aichinger. In den weiteren inzwischen etwa 5.000 Veranstaltungen waren Nobelpreisträger wie Elias Canetti, Günther Grass, Elfriede Jelinek und Gao Xingjian ebenso zu Gast wie neue unbekannte Autoren, Literaturgruppen- und Zeitschriften. Fast parallel entwickelte die “Musikwerkstatt ” ein ähnlich dichtes Programm für neue Formen der zeitgenössischen Musik. Im “Musiklabor” wurden Klassiker der Moderne wie György Ligeti oder Roman Haubenstock-Ramati genauso präsentiert wie junge unbekannte Komponisten ( anlässlich des 30jährigen Bestehens der “Musikwerkstatt” wurde eine Doppel-CD mit Hörproben herausgegeben ).

Eine ungewöhnliche Idee war auch die Einrichtung der “Arthothek“, eine umfangreiche Sammlung von Grafiken österreichischer Gegenwartskünstler. Wie in einer Leibibliothek können sich Kunstfreundinnen gegen eine geringe Leihgebühr Werke aus dieser mehrere Tausend Blätter umfassende Kunstsammlung mit nach Hause nehmen. In den oberen Stockwerken wohnten Mieter, die noch ihre Mietverträge mit dem alten Schmied abgeschlossen hatten. Sollten diese Wohnungen einmal frei werden, gab es Zukunftspläne, sie als Wohnungen für Autoren frei zu halten, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten, oder andere Gäste aus dem Ausland.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - DIE WIENER STÄDTISCHE VERSICHERUNG KAUFT ….

alte-schmiede-was-tunDer Verlag Jugend und Volk ging in Konkurs ( ein eigenes Kunststückl, ein Unternehmen, das hoch subventioniert und gefördert wurde, und außerdem sehr gut im Schulbuchgeschäft vertreten war, in die Pleite zu führen ? ). Das Haus wurde 1987 von der damals noch gemeindeeigenen “Wiener Städtischen Versicherung ” übernommen. Als Kaufpreis wurde eine Million Schilling kolportiert. Das nennt man ein wirklich gutes “Schnäppchen”! Auf Anfrage ob dieser Kaufpreis stimme, gab es von Seite der “Wiener Städtische” darauf keine Antwort.

Das Versicherungsunternehmen blieb in den folgenden Jahren dem Auftrag des Stifters treu: Die Räume wurden neu renoviert und adaptiert, im Hof ein zusätzlicher Veranstaltungsraum erbaut. In den Keller zog die “Zukunftswerkstatt” der SPÖ ein, was allerdings dem “Kunstverein” den ( unberechtigten ) Verdacht einbrachte, ebenfalls eine versteckte Vorfeldorganisation der Sozialdemokraten zu sein.

Und dann wurde die “Wiener Städtische Versicherung” privatisiert. Damit wurde alles anders. Aus der Sicherheit einer Versicherung als Eigentümer entstand - in diesem Zusammenhang muss der Werbespruch “Ihre Sorgen möchten wir haben !” wohl als Drohung verstanden werden ! - Unsicherheit, denn die neuen Eigentümer haben sich nach Gewinnzuwächsen zu richten aber nicht an kulturelle Aufträge. Außer sie taugen im Zuge einer “Umwegrentabilität” für Werbezwecke, doch damit erreicht man auf dem Gebiet der Literatur leider nur eine sogenannte “qualifizierte Minderheit”.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - …. UND VERKAUFT

alte-schmiede-was-tunDie Wohnungen in den oberen Geschossen wurden leer. Vor dem letzten Jahresende erhielt die “Zukunftswerkstatt” die Kündigung.

Somit war die Immobilie für die Eigentümer wertvoller geworden. Mit Einschränkungen: Zum einen die lästigen Mieter ( “Kunstverein” ) zu ebener Erd’, zum anderen mindern die Auflagen der Denkmalschutzbehörden den Wert eines Hauses. Fachleute schätzen den derzeitigen Verkehrswert des Hauses auf etwa 2 Millionen Euro ( eher weniger ). Die “Wiener Städtische” bot das Haus um 6 Million Euro zum Verkauf an, und verkaufte es im Juni dieses Jahres um 5,6 Million an den Baumeister Martin Vogl und den Kaufmann Stefan Schmerschneider ( “IMMOKRASS ” ) . Beide sind Eigentümer und / oder Geschäftsführer mehrerer Bau- bzw. Handelsunternehmen.

Wenn diese “tüchtigen” Geschäftsleute überteuert ein Objekt erstehen, dann sicher nicht aus Liebe zur Barockarchitektur oder als Literaturmäzene.
- Weshalb also ? - Darüber kann nur spekuliert werden. Die Situation erinnert an die Geschäfte rund um das von Autonomen betriebene “Ernst-Kirchweger-Haus” in Favoriten. Das Haus gehörte ursprünglich der KPÖ. Um aus der Finanzkrise der Partei zu kommen, boten die Kommunisten die Liegenschaft der Gemeinde Wien zum Kauf an. Die Gemeinde Wien hatte zunächst kein Interesse an einem Kauf. Das Haus wurde an eine Immobilienfirma um 600.000,- Euro verkauft. Wie sich später herausstellen sollte, gehörten die Leute dieser Firma früher zum Umfeld der verbotenen ANR ( “Aktion Neue Rechte ” ). Einige Zeit später verkaufte diese Immobilienfirma das EKH an die Gemeinde Wien. Um 2,1 Millionen Euro.
Somit “diente” die Wiener Anarcho-Szene ungewollt als “Verhandlungsmasse”, um rechtslastigen Geschäftemachern zu optimalen Gewinnen zu verhelfen.

  1. Aber die neuen Eigentümer der Schönlaterngasse gehören weder der rechten Szene an, noch sind sie “Feinde der Literatur”.
    Wie würde nun ein “normaler”, nur auf satte Gewinne trachtender Immobilienhändler wahrscheinlich vorgehen ? - Dr. [ Stefan ]Schmerschneider empfahl in einer Kolumne im “Wirtschaftsblatt” am Beispiel des steirischen Immobilienhandels, dass man, um Gewinne machen zu können, den langen Atem benötige - bis 15 Jahre.
    Ein normaler Spekulant würde nun einfach das Haus der Gewalt der Natur, also das Haus verfallen lassen, keine Reparaturen mehr durchführen usw. bis das Gebäude für die letzten Mieter unwohnlich geworden ist. Dagegen wäre auch das Bundesdenkmalamt machtlos.
  2. Als die an Gegenwartsliteratur interessierte Öffentlichkeit vom Verkauf des Hauses erfahren hatte, erfolgte spontan eine Unterschriftenaktion für die Erhaltung der “Alten Schmiede“, die innerhalb von wenigen Tagen mehr als 1.000 Persönlichkeiten unterzeichnet wurde. Nun könnte sich Kulturstadtrat Mailath-Pokorny als Freund der Literatur präsentieren und veranlassen, dass das Haus von der Gemeinde Wien zurückgekauft wird, um es endlich dem ursprünglichen Zweck zu widmen.

Selbstverständlich möchte dann der bisherige Eigentümer eine gewisse Unkostenentschädigung für seine Risikobereitschaft haben…
Fast zur gleichen Zeit verkaufte “Wiener Wohnen ” übrigens die Hausanlage Schottenring 28 um kolportierte 20 Millionen Euro an die “Wiener Städtischen Versicherung“. Auch die Frage, ob diese Summe stimmt, blieb von der PR-Stelle der Versicherung unbeantwortet.
In diesem Gebäude waren bisher außer Dutzenden Mietern, einem Kindergarten auch der “Österreichische Jugendherbergeverband ” oder die jüdische Hilfsorganisation “SOCIETY OF THE FRIENDS OF ELTERNHEIM AND PEOPLE IN NEED ” untergebracht.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - EINE FRAGE DER BUDGETS ?

alte-schmiede-was-tunEs stellt sich die Frage: Wäre es bei diesem Deal nicht möglich gewesen beim Verkauf dieses Objektes ein wenig runterzugehen und im Gegenzug Schönlaterngasse 9 zurück zu bekommen ?
Wie auch immer die Sache weitergehen mag, fragt sich: Aus welchen Budgetmitteln ?

Die Stadt Wien, die sich immerzu mit dem 1905 im bulgarischen Rustuk geborenen und 1938 aus Wien vertriebenen Literaturpreisträger Elias Canetti und der in Mürzzuschlag geborenen Literaturpreisträgerin Elfriede Jelinek brüstet, gab laut Kunstbericht im Jahr 2006 für Literatur 920.457,88 Euro aus, was 0,7% des Kulturbudgets entsprach. Während im Bereich Literatur stets eingespart wird, werden Subventionen im sogenannten “Event”-Bereich laufend ( die Tourismuswirtschaft als fordernde Lobby im Hintergrund ) erhöht: Für Musik, Theater, Großveranstaltungen 117,313.283,60 Euro oder 86,1 % des Kulturbudgets im Jahr 2006. Aber diese Missverhältnisse sind wenigstens öffentlich kontrollierbar.

Bei einem Privatunternehmen wie der “Wiener Städtischen” muss man sich mit netten Werbesprüchen zufriedengeben. Aus einem Mail :

Die ‘Wiener Städtische ‘ ist bereits seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Förderin von Kultur und Kunst. Dies ist integraler Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie und -kultur. Dabei stellen wir den Gedanken an den Nutzen für eine möglichst breite Allgemeinheit in den Mittelpunkt unserer kulturellen Aktivitäten.

Selten so gelacht.

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Kunst , Kultur , Diskurs , Sprache , Klang und Film als niedrigschwellig ereichbare offene Quelle : Was die Open Source im Netz , leisten czz-hoerempfehlungInstitutionen wie “Musikwerkstatt ” und “Literarisches Quartierim ( Wiener ) “Echtleben” ( welches unter Netiziens auch als “Real Life” figuriert ) . Das mannigfaltig subventionierte Ubuweb hat hinsichtlich Musik- , Literatur- und Mediengeschichte ein mittlerweile stupendes Archiv etabliert , wo es auch Dinge zu hören gibt , welche man sonst eher von kommerziellen Datenträgerobjekten bezieht . So kennt man Laurie Andersons Titel “Born , never asked” grundsätzlich von der 1982 herausgekommenen Release “Big Science” . Bei Ubu gibt es diesen und andere ( eher frühere ) Tracks als Gratis MP3 - in diesem Fall als Teil des von John Giorno initiierten “Dial-A-Poem Poets“- Projekts ( LP “You’re the Guy I Want To Share My Money With” , 1981 ) . HÖREN SIE : “Born, never asked” ( MP3 ) in der Fassung von 1981 - und in einer Amateur- Video- Inszenierung @ YouTube , dessen bester visueller Teil wohl im Screentyping der Lyrics besteht . |||

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Dokumentation | Alte Schmiede : “Unter den Hammer gekommen”



||| Am Montag 16. 6. , 17:28 Uhr geht ein umfassender Bericht der Tageszeitung “Der Standard” zur Geschichte und derzeitigen Situation des Wiener Kultur- und Veranstaltungshauses Alte Schmiede online , datiert für die Printausgabe am 17. 6. 2008 .

Fortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 vor genau einem Monat unternommenen DOKUMENTATION . - Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

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ALTE SCHMIEDE : UNTER DEN HAMMER GEKOMMEN . Der Standard , 17. 6. 2008 ( print ) , von Cornelia Niedermeier

alte-schmiede-was-tunBis vor zwei Wochen war die Wiener Städtische Versicherung Eigentümerin der Schönlaterngasse 9, Adresse der Alten Schmiede – Nun bangt sie um ihre Zukunft

Wien – Am Montag tagte das Präsidium der SPÖ in der Wiener Löwelstraße über die Zukunft der Partei. Wenige hundert Meter entfernt steht zeitgleich eine Institution in höchster Bedrängnis, die die – kulturpolitische – Vergangenheit jener Partei in ihrer denkbar begrüßenswertesten Form repräsentiert: die Alte Schmiede.

Seit Mitte der Siebzigerjahre beherbergt die Alte Schmiede den Wiener Kunstverein. Die Stadt hatte die Immobilie der einstigen Schmiedewerkstatt über den kommunalen Verlag Jugend & Volk übernommen mit dem Ziel, ein lebendiges Kulturhaus im Herzen der Wiener Innenstadt entstehen zu lassen. Den Werkstattgedanken ernst nehmend, wollte man einen Ort der Begegnung schaffen, an welchem die aufgeklärte Stadtgesellschaft ohne finanzielle oder andere Schwellen Zugang hätte zu zeitgenössischem Kunstschaffen.

Eingerichtet wurden in der Alten Schmiede neben den Büros des Kunstvereins das Literarische Quartier und die Musikwerkstatt.

300 AUTOREN IM JAHR

alte-schmiede-was-tunVor allem das Literarische Quartier entwickelte sich dank seines Leiters Kurt Neumann seither zu einer Institution, die im deutschen Sprachraum ihresgleichen sucht: Rund 300 Autoren aus aller Welt lesen hier jedes Jahr bei freiem Eintritt für das Publikum – und entwickeln, in enger Zusammenarbeit mit Kurt Neumann, eigene Projekte. Eben erschienene Werke experimenteller Lyrik oder die jüngsten Literaturtheorien werden ebenso in der Alten Schmiede präsentiert – und diskutiert – wie literarische Debüts. Wer Einblick sucht in die Gegenwart deutschsprachiger Literatur und Literaturwissenschaft, erfährt in der Alten Schmiede oft mehr als an den Germanistik-Instituten der Universität.

Wie desinteressiert aber durchaus SP-nahe Unternehmen in Zeiten der Privatisierung wertvollem kulturpolitischen Erbe begegnen, beleuchtet die gegenwärtige Not der Institution. Ende der Achtzigerjahre nämlich übernahm die Wiener Städtische Versicherung die kommunalen 88 Prozent der Immobilie in ihren Besitz. Nunmehr selbst privatisiert und eine Aktiengesellschaft, mithin ökonomischem Gewinndenken verschrieben, schritt die Versicherung in den vergangenen Wochen zum Verkauf des Kulturhauses: an den Immobilienentwickler Immokrass. Bei Immokrass handelt es sich um ein an Profit orientiertes Unternehmen, das den Umbau der Wohnungen zu Luxuseigentum, Dachausbau etc. plant, um die Einzelobjekte mit möglichst hohem Plus weiterzuverkaufen. Ein Geschäft, bei dem eine nahezu allabendlich arbeitende Kulturinstitution im Erdgeschoß nur stört.

LUXUSWOHNUNGEN

alte-schmiede-was-tunDer Verkauf durch die Wiener Städtische mutet desto absurder an, als erst vor kurzem die alte Schmiedewerkstatt zu einem wunderbaren zweiten Lesungsraum ausgebaut und eine auch tagsüber geöffnete Galerie der Literaturzeitschriften eingerichtet wurde. Pläne für die Adaptation des Kellers zu einem größeren Lesungsraum existieren, sodass, laut Kunstverein-Generalsekretär Walter Famler, künftig auch größere Festivals – wie die “Literatur im März“, für die früher die Kunsthalle angemietet werden musste – im eigenen Haus stattfinden könnten.

Hätte der Kunstverein selbst die Möglichkeit erhalten, über eine Stiftung die gesamte Immobilie zu übernehmen, hätte man Wohnungen für Künstler einrichten können. Eine Chance, die achtlos vergeben wurde. Zwar sind die Mietverträge des Kunstvereins “wasserfest”, dennoch blickt man unruhig in die Zukunft. Weshalb Famler sich vom städtischen Kulturbudget einen einmaligen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro für Rest-Umbau und Ankauf der Schmiede-Räumlichkeiten und künftig eine zehnprozentige Erhöhung der mit 1,3 Millionen jährlich ausgestatteten Institution als Zeichen der Unterstützung erhofft.

SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny betont sein Interesse am Erhalt der Institution und sichert dem Kunstverein auf Anfrage des Standard auch künftig Unterstützung zu. Vor finanziellen Zusagen warte er aber auf konkrete, mit dem neuen Eigentümer abgestimmte Pläne des Kunstvereins, die ihm noch nicht vorlägen.

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LINKS

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RELATED

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Alte Schmiede : 3 Aufrufe - 3 Repliken



||| I. VIELE FRAGEN - KAUM DISKURS | II. BRIEF , BLOG , PRESSE | III. IG AUTOREN AUTORINNEN | IV. GAV | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

I. VIELE FRAGEN - KAUM DISKURS

Alte Schmiede Was tunInstitutionen und Privatpersonen , Mitarbeiter und Gestalter , Musiker und Autoren : sie alle wollen wissen , wie es nach dem Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 um die künftigen Geschicke der “Alten Schmiede” steht . Mit dem seit über 30 Jahen im Haus Numero Neun situierten “Literaischen Quartier” ( 30 Jahre ) und der “Musikwerkstatt” ( 30 Jahre ) steht freilich nicht nur ein pittoreskes Ambiente auf dem Spiel , sondern das zunehmend rar werdende kulturpolitische Anliegen langfristiger Förderung neuer Kunst im Entstehen sowie im Verstehen seitens des Publikums . Die entsprechende Formulierung der Trägerorganisation “Kunstverein Wien” lautet wie folgt :

Der Kunstverein Wien wurde im Jahr 1972 gegründet und hat gem. § 2 der geltenden Statuten den gemeinnützigen Zweck, Kunst und Künstler sowie das Verständnis für diese zu fördern. Seine Tätigkeit ist nicht auf Gewinn gerichtet.

Langfristige Planung , Offenheit für Unkonventionelles sowie “realistische” Honorare für künstlerische und kulturvermittelnde Leistungen haben die “Alte Schmiede” zu einer für viele Kunst- und Kulturschaffende buchstäblich lebensnotwendigen Institution gemacht . Entsprechend gross ist die Aufregung über eine mögliche Gefährdung von Bestand und Betrieb der “Alten Schmiede” .

Es ist bemerkenswert , dass - seit die Nachricht um einen möglichen Verkauf des Hauses kursiert ( 17. Mai , Der Standard ) - kein nennenswerter Diskurs über das Thema entwickeln will : Dabei geht es um nichts weniger als um die Frage , inwieweit sich die Kulturadministration der Stadt Wien zu Zeiten der Event- und Spektakelkultur zum kulturpolitischen Wert von “Bildung , Partizipation und Entwicklung” bekennt , in deren Geist der “Kunstverein” gegründet worden ist .

Statt statt klar beantworteter Fragen gibt es Protestnoten und unverbindliche Repliken . So brauchte es zehn Tage bis der zuständige Stadtrat auf die dringlichen Fragen seitens der “IG Autorinnen Autoren” sowie der “GAV ” reagierte . Drei Beispiele für “die nicht gegebene Antwort” werden im Folgenden dokumentiert .

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II. BRIEF , BLOG , PRESSE

Alte Schmiede Was tunAm 27. 5. ging ein Mail- Rundschreiben von Seiten des Vorstandes des “Kunstvereins Wien” zur “Information und Erklärung zur Situation der Alten Schmiede” an viele Autorinnen und Journalisten . Unter der dezidierten Erklärung ,

dass sich der Kunstverein weiterhin mit Nachdruck um eine gedeihliche Lösung der entstandenen problematischen Situation bemühen wird, damit der in seinen Satzungen festgelegten Aufgabe, diesen ‘Mittel und Einrichtungen zur Ausübung, Vervollkommnung ihrer schöpferischen Kapazität zur Verfügung zu stellen’, verantwortungsvoll nachgekommen werden kann ,

wurden die Fakten wie folgt dargelegt :

Seit kurzer Zeit hat die Wiener Städtische Versicherung, ihr Generaldirektor Dr. Günter Geyer war 12 Jahre Präsident des Kunstvereins Wien und zeigt sich in der Angelegenheit persönlich engagiert, bekannt gegeben, das Gebäude Schönlaterngasse 9 verkaufen zu wollen.

Trotz mehrfacher Bemühung seitens des Kunstvereins hat eine gemeinsame Problemberatung von Hauseigentümerschaft, Kulturabteilung der Stadt Wien, auf deren Initiative der Kunstverein 1969 gegründet und 1975 in der Alten Schmiede etabliert worden war, und dem Kunstverein Wien bislang nicht stattgefunden.

In spontaner Reaktion verfasste der Wiener Autor Michael Hammerschmid ein flammendes Plädoyer für die “Alte Schmiede als Bleibe” , welches den historischen , symbolischen und gesellschaftlichen Raum der Institution plastisch umschrieb . Ungeachtet dessen , dass die Immobilie inzwischen tatsächlich in neue Eigentümerschaft übergegangen war , publizierte Hammerschmid seinen Essay am 30. 5. auf in|ad|ae|qu|at . Per Brief ging der Text auch direkt an die Wiener Städtische Versicherung . Voriges Wochenende wurde das Plädoyer : Für die Alte Schmiede als Bleibe von der Tageszeitung “Die Presse” abgedruckt .

Dem in Form eines offenen Briefes formulierten Essay fügte die Netz- Redaktion den Hinweis auf die “Antwort von Dr. Günter Geyer, Vorstandsvorsitzender der Wiener Städtischen Versicherung” hinzu . Zu dumm nur : Der Link führte den ganzen Samstag und Sonntag lang ins Nichts . Online also : keine Antwort .

Alte Schmiede Günter Geyer Vorstandsvorsitzender der Wiener Städtischen Versicherung ( click to XL )

Sehr wohl online ist dahingegen ein Interview mit Günter Geyer über Expansionspläne der Wiener Städtischen im Montags- “Standard” .

Edit : Montag wurde schliesslich auch der defekte Link der “Presse” zur Replik von Dr. Günter Geyer , dem Vorstandsvorsitzenden der Wiener Städtischen Versicherung , “repariert” . Im Volltext :

Sehr geehrter Herr Dr. Hammerschmid!

Herzlichen Dank für Ihr Schreiben, dass Sie mir per E-Mail am 30. Mai übermittelt haben. Aus Ihren Zeilen wird deutlich, dass Sie sich um die Zukunft der Alten Schmiede große Sorgen machen und einen Appell an uns richten, von einem Verkauf des Hauses in der Schönlaterngasse Nr. 9 abzusehen.
Der Verkauf des Hauses Schönlaterngasse Nr. 9 ist eine unternehmenspolitisch notwendige Entscheidung. Die Immobilienpolitik der Wiener Städtischen Versicherung AG Vienna Insurance Group hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Wir investieren heute in größere Objekte, Zinshäuser oder Immobilienfonds. Mit dem Kunstverein Wien besteht ein aufrechter Mietvertrag, der vom neuen Eigentümer übernommen werden muss.
Die Wiener Städtische ist bereits seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Förderin von Kultur und Kunst. Dies ist integraler Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie und –kultur. Dabei stellen wir den Gedanken an den Nutzen für eine möglichst breite Allgemeinheit in den Mittelpunkt unserer kulturellen Aktivitäten, für die wir bereits vielfach ausgezeichnet worden sind. Aktuell unterstützen wir seit Jahren die artothek der Alten Schmiede – im Sinne unserer Förderung der zeitgenössischen Bildenden Kunst in der Österreich. Auf dem Gebiet der Literatur engagieren wir uns seit Jahren für Projekte zur Lese- und Schreibförderung der heimischen Jugend.
Ich selbst war vor einigen Jahren Mitglied im Vorstand des Kunstverein Wien und weiß daher sehr gut, welchen Beitrag der Kunstverein Wien in der Vermittlung von Kunst und Kultur leistet. Ich bin zuversichtlich, dass für die Zukunft des Kunstverein Wien eine konstruktive Lösung gefunden werden kann.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Günter Geyer
(Vorstandsvorsitzender Wiener Städtische Versicherung AG)

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III. IG AUTOREN AUTORINNEN

Alte Schmiede Was tunAuch die “IG Autorinnen Autoren” hat auf die Nachricht vom ( möglichen | erfolgten ) Verkauf des Hauses reagiert . Zum einen mit der Aktion “1.000 Stimmen für die Alte Schmiede” , zum andern mit den expliziten Äusserungen des Geschäftsführers Gerhard Ruiss , den “katastrophalen Zustand der Wiener Literaturförderung ganz allgemein offensiv thematisieren” zu wollen ( Der Standard online , 2. 6. 2008 ) .

Die Aktion läuft , eine öffentlich “offensive Thematisierung” der Wiener Literaturförderung ist dahingegen ausgeblieben . Mit Ausnahme der Debatte im Gemeinderat der Stadt Wien ( 4. 6. ) , wo Marco Schreuder ( Die Grünen ) den Antrag einbrachte , die Stadt Wien - in Person des Kulturstadtrates Andreas Mailath-Pokorny - solle “sofortige Verhandlungen” aufnehmen , “um die Zukunft der Alten Schmiede zu sichern” . Dieser Antrag wurde “mit der Zustimmung aller Fraktionen angenommen” .

Andreas Mailath-Pokornys Replik auf die Aktion und Äusserungen der “IG- Autorinnen Autoren” wurde in der Samstagsausgabe des “Standard” ( 7. 6. ) wie folgt paraphrasiert :

Kulturstadtrat Mailath-Pokorny sicherte postalisch wiederum seine Gesprächsbereitschaft mit allen beteiligten Parteien zu.

Genau 21 Tage nach der ersten Meldung zur “ungewissen Zukunft” der Institution : Eine Replik , aber keine Antwort .

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IV. GAV

Auch die “Grazer Autorinnen Autorenversammlung” ( GAV ) hat sich mit einer Bekundung der Besorgnis an Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gewandt . Zehn Tage später erfolgte eine Replik . Mit dem ausdrücklichen Einverständnis der GAV- Geschäftsführung dokumentieren wir im Folgenden den Wortlaut beider Schreiben . Zunächst die Anfrage der “Grazer Autorinnen Autorenversammlung” vom 20. Mai 2008 :

Sehr geehrter Herr Stadtrat,

mit großem Befremden haben wir gelesen, dass die Alte Schmiede als Ort der Literatur bedroht sei. Wir möchten hiermit, im Namen unserer Mitglieder, als die größte Autorinnen/Autorenvereinigung unter dem Dach der IG, hiermit unserer Besorgnis Ausdruck verleihen: Dieser Ort darf nicht verlorengehen. Es ist ein Ort der Begegnung, der Erfahrung, der Möglichkeiten. Zahlreiche Mitglieder unseres Vereins haben im Literarischen Quartier / Alte Schmiede nicht einfach nur Lesungen bestritten, sondern, in bester Zusammenarbeit mit Kurt Neumann, waren Projekte möglich, die es so nie hätte geben können: Symposien, Autorenmonate, usw. Es ist dies ein Ort von besonderem Wert, der dem Austausch unter den Schreibenden ein ganz besonderes Podium bietet und hoffentlich noch weiterhin bieten wird. Die neu hinzugekommene Galerie der Literaturzeitschriften setzt dies auf ganz besondere Art und Weise fort. Das Literarische Quartier soll eines bleiben: Quartier.
Und mit Kurt Neumann. Und dank Kurt Neumann.

gezeichnet: Christine Huber, Gerhard Jaschke.
(Geschäftsführung; im Namen zahlreicher Mitglieder der GAV)

Replik von Andreas Mailath-Pokorny ( Amtsführender Stadtrat für Kultur und Wissenschaft von Wien ) vom 30. Mai 2008 :

Sehr geehrte Frau Huber!
Sehr geehrter Herr Jaschke!

Ich bestätige den Erhalt Ihres Briefes vom 20. Mai 2008 und danke für Ihr Engagement in Sachen Alte Schmiede. Ich teile Ihre Ein- und Wertschätzung dieses Hauses und bin mit Ihnen einer Meinung über die Bedeutung des dort Gebotenen und Geleisteten. Deshalb gibt es ja keinerlei Zweifel an der Fortsetzung der Unterstützung für die Alte Schmiede. Aufgrund der gültigen Mietverträge gibt es auch keinen Anlass, die Existenz der Alten Schmiede als gefährdet anzusehen.

Was hingegen die Aus- und Umbaupläne betrifft, hat sich die Stadt gesprächsbereit gezeigt, diese sind jedoch in der Tat mit dem neuen Eigentümer abzuklären, ehe darüber befunden werden kann. Ich sehe daher weder die Existenz der Alten Schmiede, noch deren Zukunft gefährdet, sondern diese durchaus hoffnungsfroh.

Mit Dank und freundlichen Grüßen,
gezeichnet Andreas Mailath-Pokorny.

Zehn Tage nach dem brieflichen Ausdruck von “Besorgnis” seitens der GAV : Ein Papier , aber keine Antwort .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Dass in|an|ae|qu|at seine besondere Vorliebe für das Netlabel broque bei jeder sich bietenden Gelegenheit verkündet , wird dem geneigten , ja gar manch zufälligem Leser bereits aufgefallen sein . Die Eigenwilligkeit der Tunes , die Der Werte Herr Christian regelmässig aus dem Kosmos möglicher Töne herauszupft , mag dabei ebenso mitspielen wie gewisse Konkordanzen hinsichtlich der Auffassung des elektronischen Lebens . Jetzt , da wir eben unser Ränzlein schnüren , um auf Reisen zu gehen , meldet broque seine Übersiedelung … wenn wir recht informiert sind , dann geschieht czz hörempfehlungdies leider doch nicht , wie einmal erwogen , Richtung Wien . Als vorläufige Abschiedsgabe vor der Resettlement- und Sommer- Pause gibt es nicht nur die mittlerweile 12. Echtvinyl- LP , Good Guy Mikesh & Filburt : “Hypnopoint” , sondern auch eine frische EP ( # 43 ! ) als Damen- und Herrenspende . Getroffen und gefunden wurde der Musiker und Grafiker Ricardo Mestre aka Pseudónimo in Pessoas Lissabon und mit ihm ein musikalischer Mikrokosmos entdeckt , welcher dem genius loci ebenso wenig schuldig bleibt wie den mitunter melancholischen Vorlieben des Labels . Sensitiv elegisch , reduziert auf wenige Harmonien , brennt da ein starkes Licht auf kleiner Flamme : Das Artifizielle ebenso offensiv herausstellend wie die vermeintliche Simplizität , navigieren die fünf Tracks von “Terra Firma” in einer unbesehenen Zwischenwelt , von wo sie sichere psychoakustische Wirkungen mitbringen . Diskrete Eleganz . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. terra firme | 02. outside | 03. a rosy wisp of cloud | 04. no quarto dos pais ( interlúdio ) + tormenta | 05. estória dos dias curtos |||