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Jelinek Online : “NEID” am dicken Ende der Blogwurst



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TAGBLATT UND “BLOGWURST”

pac_manDa nicht nur die Bock- sondern auch die “Blogwurst” derer Enden zwei hat, meldet sich das Feuilleton - nach anfänglichem Anbrat- Interesse vorigen Mai - nun pünktlich prêt à rapporter zum Finale des paradoxen Online- ist- gleich- “Privat”- Romans Elfriede Jelineks .

Von “A” ( dem akkurat akut anverwandelten “Dungeon Man” [ NYT ] von Amstetten ) über “B” ( dem buchfrei verbleibenden Verleger , als sei der Berlin- Verlag mit dem Totschläger Littells nicht börsenreif beschäftigt ) bis “Z” ( dem berühmten “Zitierverbot” ) : Die Presse ist prompt zur Stelle , wenn’s auch mal auf den Kulturseiten ein “Fait divers” zu vermelden gibt .

Die NZZ am 8. 5. , die SZ am 9. und die FAZ am 13. 5. Dass es seit Publikationsbeginn des Romans ein material- und reflexionsreiches Online- Forum ( JeliNetz ) gibt , bleibt in den Meldungen freilich konsequent aussen vor . “Internet” heisst demnach nicht nur der Wechselbalg einer irgendwie exhibitionistischen “Privatsache” , sondern auch der Ort privatim getätigter Lektüren .

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VERZEHRENDER NETZ- TEXT

pac_manIn der Verweigerung der Anerkennung eines medien- adaequaten Austauschs von An- und Einsichten rücken die ( durchwegs männlichen ) Referenten und Rezensenten die Online- Existenz eines literarischen Werks in den Bereich der Pornographie : Was nicht “über die Budel” ver- und handelbar ist , wird Objekt eines mit dem Ruch des Illegitimen behafteten Online- Voyeurismus . Wo die Text grenzenlos verfügbar sind , untersteht auch deren Lektüre keinem hergebrachten Komment und Reglement : Schon dieses Moment des Ausufernden und Unkontrollierbaren macht den Bild- Schirm- Text verdächtig .

Dem Philologen und Kritiker , gewohnt an den gedruckt unverrückbaren Text- Korpus , muss die diskrete Wandelbarkeit eines E- Textes geradezu frivol anmuten . Der proteische und tendenziell unendlich veränderbare Charakter eines solchen Werks lehrt den Publizisten buchstäblich das Fürchten : Nicht nur , weil rund 1.000 Seiten Fliesstext ein schwer übersehbares Gelände | Gewirk darstellen , sondern weil dessen Wandelbarkeit dem Kritiker grundsätzlich die Gnade des Letzten Wortes entzieht . So ein dämlich änderlicher Text kann nämlich seinerseits und postwendend buchstäblich zurückschlagen , indem er mehr oder weniger offensichtlich , auf die im Print festgestellten Anmutungen reagiert .

Um solche Rück- Schläge festzustellen , müsste man freilich den integralen Text unter ständiger Beobachtung halten wie ein “Alien” oder ein “gefährliches Tier” wird : Wer weiss , ob dieses Monstrum sich den Publizisten und seine tagesjournalistisch getrimmten Worte nicht eines Tages einverleibt und verschlingt ?

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ABWEHRZAUBER UND WIEDERGUTMACHUNG

pac_manMit Nennung der dem Werk einverleibten Kritik vollzieht Paul Jandl in der NZZ gleichsam einen Abwehrzauber :

Was Elfriede Jelinek den Lesern als “E. J.” sagen will, scheint klar. Die zarte Camouflage ist Kriegsbemalung, denn in “Neid” wird zwar einmal mehr mit Österreich abgerechnet, vor allem aber mit sich selbst. Die Schreibstube am Wiener Jupiterweg wird zum Echoraum all dessen, was die Kritiker der Schriftstellerin vorwerfen, während diese sagt: Geschenkt! Dass es im Werk der Jelinek wenig Handlung gebe, dass es ihm an erfahrbarer Wirklichkeit mangle, dass es sich wiederhole und verzettle, tausendmal: Geschenkt! – In die Familiengeschichte steigt der Roman herab und spart auch dabei nicht mit Selbstvorwürfen. Die beinahe pornografische Entblössung des eigenen Ich treibt ein Buch voran, das den “Neid” des Titels pro domo nimmt. Der Lebenssünde, “Ich” zu sagen, hat Elfriede Jelinek ihr Todsünden-Projekt gegenübergestellt. Neben den Romanen “Lust” und “Gier” ist der Neid eine Verirrung von offenkundiger Virulenz. Das Leben da draussen, das Leben, dem sich die Schriftstellerin entzieht, wird zum Gegenstand der Sehnsucht wie der Verachtung. Ganz privat, nur im Internet, rechnet Elfriede Jelinek mit ihrer Rolle als öffentliche Frau ab.

Burkhard Müller scheint mit seiner jüngsten Reaktion in der SZ förmlich um Wiedergutmachung seiner ersten Ausfälle vor einem Jahr bemüht : Sie mög sich hüten , die Autorin , hatte es damals geheissen , den Unlustfaktor ihrer Texte nicht auch noch durch eine unhandliche Publikationsform zu verstärken . Jetzt dahingegen begrüsst derselbe Redakteur Jelineks rasches Reagieren auf “Amstetten” ( “Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist die Feuerwehr, wenn alle anderen noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen” ) , ihre Tuchfühlung “Im Verlassenen ” auf Leib und Seele “Österreichs” sowie deren Ästhetisierung :

Elfriede Jelinek verliert keine Zeit damit, Töne des Entsetzens auszustoßen. Das haben inzwischen schon andere hinlänglich getan. Sie beginnt ihren Text “Im Verlassenen”, abrufbar auf ihrer Homepage, damit, dass sie das Besondere und das Allgemeine des Falls ins rechte Verhältnis bringt. Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält.” Das ist zwar als Prosa gesetzt, tänzelt aber wie von ungefähr in Richtung des gereimten Epigramms. ( SZ )

Hat man voreilig geurteilt ? Verkannte man das Visionäre in Jelineks Kassandra- Reden ? - Ein Journalist leistet , an der Monstrosität der Echtwelt gereift , förmlich Abbitte :

Jelinek hat viele, die sie in den letzten Jahren hörten oder lasen, durch die Gleichform ihrer Beschwerde ermüdet. Das mag zum Teil ungerecht gewesen sein, denn wenn das Übel sich nicht ändert, warum sollte es die Beschwerde tun? Es war Jelineks Art, der Welt, ihrer Welt, die Treue zu halten. Und doch liegt im Ermüdenden ein literarisches Problem.

Nun aber ergibt sich am zwar typischen, aber doch herausragenden Anlass die Gelegenheit zu zeigen, dass der fehlende Biss ihrer Texte, den man konstatiert hat, am Brei lag, mit dem sie es zu tun hatte, und nicht an ihren Zähnen. Jetzt hat sie ihren Brocken; und da erweisen sich ihre Zähne auf einmal als scharf. ( SZ )

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KALAUER MIT “AUFGABE”

pac_manAuch die formalen und textgenerativen Mittel wie der früher als “ermüdend” eingestufte Kalauer wird via München unter Umständen einer “echten Aufgabe” plötzlich rehabilitiert :

Also beschränkte sich Jelinek darauf, den Affekt, ganz sparsam, in den Doppelsinn eines einzigen Wortes zu verlegen, um unvermutet B hervorspringen zu lassen, wenn gerade noch A das Thema war. Aber nachdem man dieser Weiche eine Zeitlang beim Schalten zugesehen hat, wandelt sich das Unvermutete in das Erwartbare, und der Trick zieht nicht mehr. Hier aber zieht er plötzlich wieder, und zwar weil er eine echte Aufgabe bekommen hat. Das Bestürzende an den Entdeckungen von Amstetten lag darin, dass sich alles über so furchtbar lange Zeiträume erstreckt hat. ( … )

Darum ist die Rede vom “Ruf” Österreichs, wenn es um Dinge wie Amstetten geht, eine solche Perfidie. Es ist dieselbe Art von Rede, die das Verbrennen toter Babies als “Entsorgen” benennt und sich damit den logistischen Gesichtspunkt, die Sorge des Täters, zu eigen macht. Ein Ruf ist etwas, das aus der Kehle dringt, aber eben auch der gute oder schlechte, den man hat. Plötzlich kommen sich die beiden Bedeutungen, der Schrei und die Reputation, ganz nahe. Auf den Ruf bedacht sein, heißt den Schrei ignorieren. Darin eben liegt die allgemeine Tendenz, die der krasse Einzelfall offenbart. ( SZ )

Als Erste Hilfe und ultima ratio gegen die Sprachlosigkeit des Entsetzens - sowie der journalistischen Ratlosigkeit , wie das Unsägliche überhaupt ( noch ) zu covern sei - wird Elfriede Jelinek plötzlich wieder der Rede wert :

Was kann, was soll man zu Amstetten sagen? Man braucht schon einen Ton, der trägt. Den hat Elfriede Jelinek. Er ist, wie eine Berufsfeuerwehr, wohlgeübt, und wenn plötzlich die Katastrophe ausbricht, weiß die Feuerwehr im Unterschied zu den übrigen Passanten, die bloß die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, genau, was sie zu tun hat. ( SZ )

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WO BLEIBT DER “KLASSISCHE WERKBEGRIFF” ?

pac_manSolche thematischen Schnittstellen an | mit der ausserliterarischen ( Skandal- ) Realität , wertet Hubert Spiegel lediglich als Ephemera und Fortsetzung des Immergleichen unter Berücksichtigung frischer Datenlagen . Was den FAZ- Redakteur weitaus mehr irritiert , ist die “Aushöhlung des klassischen Werkbegriffs” durch stete Veränderlichkeit im Netz :

Offenbar hat Elfriede Jelinek im Internet die Arbeitsbedingungen gefunden, die ihr am ehesten gemäß sind: Frei von jeglichen Verwertungszwängen herrschen hier autonome Innerlichkeit und Privatheit in ihrer denkbar öffentlichsten Form. So ist ein Werk entstanden, das die Mittel des Blogs benutzt, um nahezu sämtliche Fesseln des Romans abzustreifen. ( … ) Denn Änderungen sind jederzeit möglich. Damit tritt ein, was Autoren Traum und Albtraum zugleich ist: Kein Text ist jemals fertig. Alles bleibt vorläufig, fließend, in potentiell jederzeit zu beschleunigender Bewegung. ( … ) So wird die Aushöhlung des klassischen Werkbegriffs, die in Elfriede Jelineks Schaffen immer schon angelegt war, im Netz auf die Spitze getrieben. ( FAZ)

Die - für jeden Jelinek Kenner selbstverständlich nur cum grano salis zu lesende - Nachbemerkung “Unvollständige oder fehlerhafte Sätze bitte (jeder für sich selbst) ergänzen bzw. korrigieren” wird von Hubert Spiegel beim Wort genommen und als Zeichen dafür , dass das “Lektorat … an die Leserschaft übergegangen” sei . Mit dem “klassischen Werkbegriff” geht somit auch die “auctoritas” | Autorität des Autors den Bach der Blogrolle hinunter und reisst die ( “klassische” ) “Sinnstiftung” gleich mit :

Wo die Sinnstiftung an sich schon als Machtausübung verstanden wird, wo jede Organisation des Textes unter dem Verdacht der hierarchischen Handlung steht, wird Flüchtigkeit als Freiheitsgewinn verbucht: “Mir gefällt der Gedanke, dass jeder, der will, sich etwas von mir herunterladen kann, es irgendwo zerstreut, ein paar Seiten, auch auf dem Handy konsumiert, und dann verschwindet es wieder im Netz. Es ist da, für jeden”, sagt Elfriede Jelinek über ihr Projekt, “und gleichzeitig weg, das gefällt mir”. Dass der Roman sich nicht zwischen zwei Buchdeckeln materialisieren darf, könnte man fast als Sühne dafür nehmen, dass auch dieser Text seine Existenz einem Schöpfungsakt verdankt. ( FAZ )

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SÜHNE | SÜNDE : SCHÖPFUNGSAKT | KINDSWEGLEGUNG

pac_manDas Motiv der “Sühne” wurde bereits von Paul Jandl in der NZZ angesprochen . Dort war es allerdings auf Jelineks “Rolle als öffentliche Frau” gemünzt . Elfriede Jelinek hat sich über die Jahre hinreichend und ausführlich über die problematische Rolle der “öffentlichen Frau” geäussert . Aus der praktischen Erfahrung , dass diese von einer Öffentlichkeit , in welcher ( wie in den zitierten Artikeln ) “der Mann” das Sagen hat , als unangemessene Ermächtigung wahrgenommen wird, hat Jelinek ihr mediales , diskursives und literarisches “Fort | Da”- Spiel entwickelt . Es muss da nun doppelt paradox anmuten , wenn jetzt von Seiten des FAZ- Autors der Vorwurf ertönt , die Frau als Schriftstellerin negiere ihren “Schöpfungsakt” .

Da dieser “Schöpfungsakt” spätestens seit der Genesis dem Gott , dem Mann , dem Autor vorbehalten ist , muss es sich wohl um im eigentlichen Sinne um die weibliche Sünde der “Kindsweglegung” handeln …

“geschlechterdings” ( Gerhard Rühm ) gerät selbst im Zeitalter der Männerforschung noch so Manches in auf- reizender Fehlleistung durcheinander .

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KLANGAPPARAT

Wir haben ihn vermisst . Nun aber ist er wieder da : DJ Tom Larson ( @ MySpace ) mit einem seiner die Grenzen von Raum und Zeit korrodierenden czz hörempfehlungMixes . Diesmal mit “Elektronischen Schallwellen” @ Loopzilla . Womöglich nicht ganz frisch , aber nahezu klassisch . Go with the flow , knappe sechsundsiebzig Minuten und wieder … und wieder … CLICK LINK TO LISTEN STREAM . |||

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LINKS

RELATED

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EDIT 20. 5. :

  • Eine Immission obiger Auslassungen wurden im “Blogblick” der Netzeitung gesichtet . Gewissermassen das “dicke Ende” im Anhang .

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Arbeit am Alibi : Jelineks Privatroman NEID



 

Verfasst für JeliNetz , Online- Forum @ Elfriede Jelinek Forschungszentrum Wien

 

Sämtliche hier wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden .

Die Autorin stellt einen Text ins Netz und wirft ein Netz darüber : Das ist ein PRIVATROMAN . Blickt durch die Maschen am WWW- Draht und deklariert : Hier beginnt der Zoo der Wörter , Sätze und Gestalten : NO TRESPASSING . Nicht füttern und nicht berühren ! Noli me tangere , denn die Genannten sind sämtlich Fleisch von meinem Fleisch , Geist von meinem Geist . Blümlein Rührmichnichtan , Touch-me-not , Mimosa pudica .

head devouring pac man fragezeichen UNTERM STURZ

Das Recht , ihr Wesen auf- und abzuspalten und deren Splitter in Figuren , Formen zu fügen , behält sich die Creatrix vor : Da soll und da kann ihr diesmal keiner was weg- und rausschneiden . Wie es Mutter Natur seit je widerfährt . Und den vielen, von den Moosbruggers aller Couleur aufgeschlitzten Jelinek- Frauen .

Elfriede Jelineks Textlaufwerk NEID sitzt als PRIVATROMAN im Netz : von A bis Z abgesperrt durch den Stacheldrahtverhau eines absoluten Zitierverbotes . Das zeugt vom Willen , die Werk werdende Privat- Obsession und hermetische Individualmythologie auch materiell gegen das Draussen zu versiegeln : “hermetisch abdichten” , ein Begriff aus der Alchemie , auf Neudeutsch “wasserdicht machen” . - Imperméable . Ein Alibi .

Pikierte Berichte erweisen , DASS und WIE auch das wasserdichte Alibi forensisch verhandelbar wird . Auf dem Forum der Öffentlichkeit und vor ihren Tribunalen . Nun sind es die Literaturgerichtsbarkeit der Kritik sowie die philologischen Verwertungs- und Ausschlachtungsdisziplinen , deren Hieb- , Stich- und Schneid- Instrumente an den von der Autorin ex cathedra versiegelten Geschichten abgleiten : “Ob sie ” , droht Burkhard Müller in der SZ , “den Unlustfaktor bei der Lektüre tatsächlich so leichterhand erhöhen möchte , wie sie es hier tut , das sollte sich vielleicht gerade Elfriede Jelinek genau überlegen .”

head devouring pac man fragezeichen WORT OHNE ORT

Seht her , wie er dasteht , der Text , vor aller Augen , mitten im Netz : “öffentlichste” aller “Öffentlichkeiten” , zugleich labyrinthisches Verwirrkabinett des Virtuellen . IRGENDWO gibt es einen Text , vielleicht DIESEN Text , an DIESER Webadresse , auf JENEM Server . Existiert diese “Roman”- Fläche , welche sich vorderhand nur als Stückwerk gibt , indes wirklich ? - Also gegenständlich wie seine gedruckten “faux amis” - die in Lettern gesetzten , dem Papier aufgestanzten , gepressten , beschnittenen , gebundenen und unfrei versandten Bücher ? - Ist das , was da im Netz steht - eventuell sich peu à peu dem “Peeping Reader” weiter preisgeben wird - tatsächlich das Ab- und Eben-Bild eines real existierenden Werkes ? - So wären wir’s jedenfalls gewöhnt , beanspruchen wir Gewohnheitsrechte .

Oder ist nicht vielmehr sogar das fiktionale Werk selbst eine Fiktion , aufgezogen auf die Kulisse einer Webseite ? - Das Netz als platonische Höhle : Auf unseren vielen kleinen Flimmerschirmen sehen wir Licht- und Schattenspiele . Die Brechung eines noch nicht umbrochenen “Romans”. Offenes Buch mit sieben Siegeln . Eher ein “Scroller” denn ein “Page-turner”.

head devouring pac man fragezeichen ZEITUNGSKREISE

Geil wollen wir hingreifen , “copy und paste” , im hermeneutischen Wettlauf losstarten : Wer weiss zuerst , wer berichtet zuerst , wer hat das bessere Interview , die vifere ( Be-) Deutung . Das Rattenrennen des Literaturbetriebs muss sich selbst als im Hamsterrad rasend betrachten . Textferner Leerlauf . Wer hat noch nicht , wer will noch mal , die Geschichte geht im Kreise : DER STANDARD ( 7. 4. ) , Wiener Zeitung ( 12. 4. ) , FR ( 14. 4. ) , börsenblatt ( 16. 4. ) , turi-2.blog.de ( 16. 4. ) , FAZ-Artikel + Interview ( 17. 4. ) , SZ ( 17. 4. ) , Welt-Online ( 17. 4. ) , taz ( 21. 4. ) …

GONG ! - und ausgezählt für die erste Runde , welche das fremdartige Genreding mit teils spitzen , teils leicht angewiderten Fingern fasste . Auch Kränkung ist im Spiel : NEID ist somit nicht nur Thema , sondern auch Effekt eines FORT| DA- Manövers , für welches die Autorin im Medium des Virtuellen ein virtuoses Vehikel entwickelt . Der Link zwischen PRIVATEN Lastern und ÖFFENTLICHEN Vorteilen ist seit Bernard Mandevilles THE FABLE OF THE BEES : OR , PRIVATE VICES PUBLIC BENEFITS stichhaltig :

“Nicht minder dient der Neid sowie
Die Eitelkeit der Industrie .”

head devouring pac man fragezeichen TAST- UND TAPP- EMBARGO

Dies klemmt just dem Journalismus seit jeher hinter dem Spiegel . Nicht nur dem Wochenblatt , welches maliziös-männlicher Hysterie vier volle Seiten M & Ms gewährte . Neid auf die Autorin , die ihre Wörter in einem zwiefachen Exhibitionismus “privat” und “für sich” behält . Ein Exhibitionismus zur Potenz : Ich zeige , dass ich zeige , und damit zeig ich’s euch . Den Text ausstellen , als wär’s ein Bild , ein Gemälde : Das ja auch nicht jedermanns “sticky fingers” auf- und ausgreifen dürfen . Von dem sich nicht jedefrau ein Stückerl abschneiden dar f. Kein - frei nach Valie Export - ” Tapp- und Tast -Text” eben .

Auf- und ausgestellt hinter Glas . Flachware in Vitrine . Cam-Cording eines DORT . Ort des Textes , der Autorin “Hortus Conclusus” . Wo wir - bei aller Illusion von Nähe eben NICHT sind . NIE sein werden . Wir haben die Sache eben nicht - wie die Filmsprache sagt - “im Kasten”. Der Aus- Druck , welchen wir selbst erledigen , mag Abbild sein , Anschein , wird aber Falschgeld bleiben . Lost Screenshot . Was von Seiten der Autorin nie für “gut zum Druck” und “fit to print” befunden , bietet uns weder Kopf noch Zahl von irgend barer Münze . Kein Hartgeld im Business der Kommentare . Allenfalls ein Options- und Spekulationsgeschäft : Ein “Work in Progress” als Schweinehälfte . Handel mit Derivaten . Wie dies Brouillon hier eines ist : Effekt der Projektionen eines TFT-Displays .

head devouring pac man fragezeichen MONSTRANZ

Der “Privatroman” erscheint im Bullauge unseres Monitors und - Jelinek selbst gibt das Bild - wird dort eingesargt und ausgestellt wie in einer Monstranz . Die BeWerkstelligung in der Stille der Heimstatt wird der “Societé du Spectacle” - so Jelinek gegenüber der FAZ - “entgegengehalten wie etwas Magisches , wie - für die Katholiken - eine Monstranz den Gläubigen “. Wer dächte in diesem katholisch-barocken Kontext nicht an Joseph Mosers makabere Kolomanimonstranz ( 1752 ) zu Melk : Der untere Teil der Hostienkapsel besteht aus der Reliquie - dem Unterkiefer ! - des Hl. Koloman, des Schutzheiligen der Gehängten , der Reisenden (wie Hermes) und des Viehs . - Schlingen hermetischer Verschlingungen : Ist es der Leser , welcher - dem alten Bild der RUMINATIO gemäss - den Text wiederkäut und verschlingt oder ist es umgekehrt : Verschlingt der DEEP THROAT des Monitors nicht allmählich den Leser ? - Mit TV- Verlaub gesagt : “Lesen !” |||

Sämtliche hier wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden .

 

Zur unheimlichen Heimat nicht nur der deutsch- österreichischen Wälder seien die souverän unterspielten Electronix von Jonathan Canupp a.k.a. czz hörempfehlungTEN AND TRACER empfohlen . Was sonst noch zum feinen Sprühregen auf BAKER’S BLOOD @ zymogen beiträgt ? - - - Passend zum angespielten Track WALDSTERBEN [ sic ] folgender Klangkrempel : “arranged twigs , sticks , field recordings , flutes , violins , roland jp-8000 , roland jx-10 , reaktor , max/msp , audition , fls6 , birds , strange tapes and rain .” - Man kriegt echt Lust , dem alten Geräusch- Band- Archiv des ORF nachzuweinen : Tausende Sekundenschnipsel mit field recordings , zum Teil zugeliefert von den sogenannten ( Hobby- ) KLANGJÄGERN . “Pistolenschuss , Wald” , “Pistolenschuss , Nacht” , “Pistolenschuss unscharf , Hall” . Alles schön alphabetisch . Und seitdem wir DAS hörten und sahen , sind auch wir permanent auf Klangpirsch . Wie tönt Pistole bei Mond ? |||

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