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Gemeinwohl und Werbung : Schöne neue Welt | Textes Trouvés 7



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GLANZ & GLORIA

Das Feuilleton der ZEIT räsonniert derzeit über Glanz und Gloria der Celebrities sowie der allumfassenden PR- Maschinerie , ohne welche keine Kunst mehr zu Markte zu tragen sei . Angesichts Tausender Anschläge im grossformatigen Blatt fällt trotzdem eher auf , was fehlt : Dass unverkaufter Raum rar geworden ist . Ob Sportlerbrust , ob Fernsehfrust : No “NO LOGO” anymore .

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Mag der französische Staatspräsident das “Prinzip PR” für sein Privatleben wählen : Der brave Citoyen hat nicht die Wahl , privat PR- frei seiner Wege zu gehen .

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GEMEINWOHL- & -GUT

Man mag sich streiten darüber , wem der Raum des “öffentlichen Verkehrs” nun wirklich gehört : Der “Öffentlichkeit” als der Summe aller gesellschaftlichen Kräfte ( damit also auch den Unternehmen der “Werbung” ) oder dem “Gemeinwesen” im Sinne des “Gemeinguts” ( common good ) im zwiefachen Sinne des “Eigentums” ( bonum ) der sowie des “Nutzens” ( commodum ) für die Gemeinschaft .

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Thomas Assheuer ( “Siehe , ich bin dein Star” ) erinnert an Ernst H. Kantorowicz‘ “zwei Körper des Königs” , einem aus der “politischen Theologie des Mittelalters” abgeleiteten Gedanken der gleichzeitigen realen und überhöht symbolischen Auffassung der Leitfigur . Im säkularen und post- utopischen Zeitalter seien es die Celebrities , Stars und deren Glamour , welche den visionslosen Blick beseelen :

Starkult und Eventindustrie sind die Antwort. Sie bilden ein ideales Zwillingspaar, um den Bilderbedarf der Gegenwart zu befriedigen, die unersättliche Sehnsucht nach Sinn, nach intensiven Bildern und Erlebnissen. Deshalb gibt es nicht wenige Intellektuelle, die beim Triumphzug der visuellen Industrie andächtig Spalier stehen. Sie tun es, weil sie glauben, die Hauptkrise der Gegenwart bestehe schon lange nicht mehr in sozialer Ungerechtigkeit, sondern im Verlust sinnstiftender Bilder, überhaupt im Intensitätsverlust des Lebens. Utopien seien mausetot, und mit siegreichem Kapitalismus müssten wir uns leider abfinden. ( … )

Solche Intellektuelle schwärmen vom ‘Kult-Marketing’ (Norbert Bolz); andere bejubeln Politstars, Managerstars und Künstlerstars als Helden der Wiederverzauberung, die Farbe in die Profanität des Alltags bringen, nämlich die Transzendenz des Glamours. ( … ) Stars ‘interpunktieren’ die sinnlose Zeit und stiften Gemeinschaftserlebnisse; sie liefern mit den Klatschgeschichten der Boulevardpresse ‘Skripte’, deren Geschichten wir dann in eigener Regie ins Leben umsetzen sollen. Nicht zufällig enthalten diese Skripte bunte Bilder von Glück und Unglück, von Gefühl und Leidenschaft, von ‘Tragik’ und ‘Größe’.

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Zu guter Letzt bekennt sich Assheuer rhetorisch zum Prinzip Hoffnung und setzt auf den Mut zum “Trotzdem” der Kunst : Gut Humanistische Lektüre einem Blatt , dessen Online- Ausgabe den redaktionellen ‘Content’ hinter permanent beweglichen Pop- Ups , Flashs und Werbe- Bannern ( von den Bildstrecken und Advertorials ganz zu schweigen ) nach Kräften versteckt .

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FLÄCHEN & DECKUNG

Man mag den Soaps aus dem Wege gehen , Zeitgeistmagazine oder das ZEIT- Magazin “Leben” meiden : Die Gestalten der glamourglänzenden Models spuken selbst in der U- Bahn . Hier hat Assheuer im sehr buchstäblichen Sinne recht , wenn er die Ab- Klatschgeschichten des ehemals Mondänen die “Drehbücher für das gewöhnliche Leben” nennt . Die Raumregie des öffentlichen Verkehrs verfügt seine Fahr- Gäste in willkürliche Bühnenbilder .

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Woche für Woche , Linie für Linie , Kurz- oder Langstrecke : Danke , Wiener Linien , für unsere täglich neue schöne Welt .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Höchste ZEIT , das Kommode mit dem Nützlichen zu verbinden und und einen sommerlichen City- Soundtrack um die Ohren zu schlagen . Lärm gibt czz-hoerempfehlunges ja aufgrund der üblichen sommerlichen Baumassnahmen im und am öffentlichen Verkehrswesen in reichlichen Mengen zu bewältigen , resp. : zu übertönen . Für den Podcast des in New York und San Francisco situierten Metro- Mags XLR8R ( sprich “Accelerator” ) hat Niemand Geringerer als die britische Band The Orb ( = Kollektivsingular | home ) ein psychedelisch funkig flirrendes Mix zusammengestellt : “Full Orbient” dauert bedauerlich kurze 32 Minuten und neununddreissig Sekunden , “Replay” ist also angesagt . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||

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out now : KULTUR UND GESPENSTER 6 + Release Party



||| REPRISE : LESE EMPFEHLUNG | “NICHT MR. PINK” - EXPOSURE | TARANTINO : GEWALT ALS “SPIEL” UND MÖGLICHKEIT | GROYS - KAKBAKOV - PEPPERSTEIN | DISKURS- POGO | TINTIN - ANTISÉMITE ? | SITUATIONISTISCHE … | … RINGTONES | HAUSAUTOR - HOMESTORIES | ACHTUNG HH : RELEASE PARTY | KLANGAPPARAT | LINKS + INHALT

REPRISE : LESE EMPFEHLUNG

Milou WikipediaIm Mai vorigen Jahres hatte in|ad|ae|qu|at bereits einmal eine sogenannte Lanze für das Literatur- , Diskurs- und Kunst- Magazin KULTUR UND GESPENSTER gebrochen . Feuer- , nicht Feierabend für den Geist , welcher sich mit Verve den Akzidentien von Pop , Kunst und tieferer Bedeutung widmet , ohne dabei in allzu ätherische Sphären abzuheben . Jede Kultur bedarf ihrer Ausleg- Ware : Und mit den aus Hamburg an die lesende Welt ausstrahlenden Analysen und Glossen zum Alltag ( in ) der “Kultur” bleibt die - mitunter ironische - Bodenhaltung aufs Beste gewährleistet . |||

“NICHT MR. PINK” - EXPOSURE

Milou WikipediaAnzuzeigen ist nun also Numero 6 , welches den Winter 2008 mit der Titelparole “ICH WILL NICHT MR PINK SEIN” freundlich illuminiert ( Inhalt : Verzeichnis im Anhang ) .

Das heimliche Motto dieser 6. Ausgabe des - immerhin 225 Seiten starken - kultur- und diskursanalytischen Periodikums könnte man allerdings mit EXPOSURE | EXPOSITION | EXPONIERUNG benennen . |||

TARANTINO : GEWALT ALS “SPIEL” UND MÖGLICHKEIT

Milou WikipediaDies gilt für den Part zu den exponierten und das Thema de Gewalt ironisch gebrochen exponierenden Regisseure Quentin Tarantino und Roberto Rodriguez . JÖRN AHRENS’ Überlegungen zu Quentin Tarantino , Reservoir Dogs und die Repräsentation der Gewalt reflektieren , “inwieweit gerade dieser Film das Verhältnis von Gewalt und moderner Kultur exemplarisch illustriert” . Das Kino wäre mithin eine Institution der “bewachten Gewalt” - als vergleichende Lektüre bieten sich die von TP ( “Mediale Gewalt verhindert reale Gewalt” ) referierten einschlägigen Studien an :

Als eine solche Institution bietet sich in der modernen Massenkultur das Medium des Spielfilms an, das ganz offensichtlich als Auffangbecken für diverse Imaginationen, Rationalisierungen und Kompensationen von Gewalt dient und entsprechende Techniken bereitstellt. ( … ) Ein Film wie Reservoir Dogs repräsentiert diese grundlegende Verflochtenheit von Gewaltfähigkeit, Schmerzerfahrung und Kultur- respektive Subjektgenese. Die unveränderbare Anwesenheit von Gewalt sollte zwar nicht anthropologisch verstanden werden; als grundlegende Fähigkeit des Menschen kann sie aber aus der menschlichen Lebenswelt auch nicht ausgeschlossen werden, sondern kehrt immer wieder in diese zurück.

Vgl. dazu übrigens den aktuellen Essay von Jan Philipp Reemtsma : Die westliche Welt muss die Zusammenhänge von Gewalt in der Moderne verstehen lernen - Grundzüge einer Theorie der Gewalt ( SZ , 25 . 1. )  |||

GROYS - KAKBAKOV - PEPPERSTEIN

Milou WikipediaOder für die “Extremsituation des Künstlers” , die Thema eines Gesprächs des exponierten Denkers BORIS GROYS mit den Konzeptkünstlern ILYA KABAKOV und PAVEL PEPPERSTEIN über die ( in der russischen Tradition “sakrale” ) Rolle des Künstlers in einer verwalteten und vermarkteten Welt führt , wobei auch die Rolle der Fotografie als Zeugin zur Sprache kommt . In der Fotografie ist der Terminus “exposure” ( “Belichtung” ) ja ein zentraler Begriff , dessen Nebenbedeutungen nicht zuällig ale Formen von Gefahr , Konfrontation und Indezenz beinhalten .

Beeindruckend sind übrigens die weit blickenden Bilder der Fotografin NATHALIE GRENZHÄUSER : in|ad|ae|qu|at hat in einem arktisch erstarrt wirkenden wasteland unter dem Titel “Kapp Amsterdam” seinen Favoriten gefunden . Ein starkes Stück , welches man gerne im Originalformat sähe . |||

DISKURS- POGO

Milou WikipediaDie Geburt der Diskursherrschaft von Figuren wie Norbert Bolz , Joachim Hörisch , Friedrich Kittler und Hubert Winkels aus dem Geiste des Punk erläutert ENNO STAHL anhand einer Anekdote aus der späten 80er Jahren in Düsseldorfs historischem Punk- Schuppen Ratinger Hof . Sein Diskurs- Pogo steuert manche kluge Beobachtung zu Themen wie der Selbstvermarktung von Intellektuellen , Ego- Branding und dem Aufspüren karrierefreundlicher windows of opportunity bei . |||

TINTIN - ANTISÉMITE ?

Milou WikipediaEs war abzusehen , dass man anlässlich des 100. Geburtstag von Hergé ( Georges Prosper Rémi ) , dem belgischen Erfinder der wunderbaren Bande Dessiné- Serie Tintin vulgo Tim und Struppi , auch Indizien der ideologischen Zeitgenossenschaft ausmachen würde . Und , leider , voilà : Erfreulich ohne den Gestus der Denunziation diskutiert OHLE FRAHM Antisemitische Stereotype - speziell anhand der von Hergé mehrfach umgezeichneten und mit neuen Figurennamen versehenen Bände “Der geheimnisvolle Stern” ( L’étoile mystérieuse , 1942 ) sowie “Im Reiche des Schwarzen Goldes” ( Au pays de l’or noir , 1950 ) . |||

SITUATIONISTISCHE …

Milou WikipediaDerselbe Autor rückt auch dem ( Mythos der ) Situationistischen Internationale anhand der Besprechung mehrerer Neuerscheinungen mit kritischem Eros auf den Pelz . Der Text endet indes mit einer bemerkenswerten Huldigung an die letzte fordistische Avantgarde :

Dabei war es nicht die Sehnsucht nach dem Skandal, welche die SI antrieb, als sie nicht weniger als das Ende der Kunst forderte. Es war keine kunstimmanente Forderung, kein Aufbegehren gegen die Eltern, sondern die weise Forderung nach der Aufhebung aller gesellschaftlichen Trennungen, wie sie in der kapitalistischen Ökonomie produziert werden, insbesondere der Kunst. Die SI lässt sich auch als letzte Avantgarde verstehen, weil sie die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben gerade durch die Kunst durchzusetzen hoffte – als der letzten Sphäre, die das gesellschaftliche Ganze umfassen konnte, als Sphäre, die alles meinte. Ihre Geschichte ( …. ) ist nicht zuletzt ein Aufbäumen gegen die Reduktion der Kunst auf einen Markt, eine bestimmte Produktion und nicht zuletzt und unbeeindruckt von der vorherrschenden Rezeption in theoretischer Praxis zu beantworten. |||

… RINGTONES

Milou WikipediaWährend der Hype um die Ringtones langsam abnimmt ( - selbst nahmhafte Electronica- und eher E- orientierte Künstler hatten dergleichen zu vermarkten getrachtet - ) , sorgt die Exponierung der Ego- Signale im omnipräsenten Handyklingeln weiterhin ungebrochen für akustische Umweltverschmutzung . In seiner Glosse Die Gestaltung der Störung - Telefonklingeln ist keine Musik bedauert OLIVER WITTCHOW die “regressive” Ersetzung des abstrakten Ruf- durch den musikalisch wiedererkennbaren Klingelton . Dabei könnten , so der Autor , die abstrakten und “bewusst nicht als Musik gestalteten Signaltöne” als “interessante Erweiterungen der Klangwelt” fungieren , welche so im Kontext- und Handlungsspiel der Musik “nicht funktionieren würden” :

Ihre Beiläufigkeit und Kürze erlauben es, repetitive Muster, dissonante Ton-folgen und unbekannte Klangfarben in ihrer ganzen Fremdartigkeit zu hören, ohne dass dies unangenehm oder langweilig klänge. Damit können Klingeltöne oder beispielsweise auch die Automatiktüren des ICE mit ihrem eigentümlichen Klangverlauf in gewisser Weise einlösen, was die neue Musik nicht vermochte: neuartige Klänge einem breiten Publikum zugänglich zu machen und, wenn auch kaum bewusst wahrgenommen, unserem Alltag einen Hauch von Futurismus zu verleihen. |||

HAUSAUTOR | HOMESTORIES

Als literarischen Bonustrack und Teaser auf das ebenfalls im Textem erscheinende Buch liest der Braunschweiger Pop | Kulturjournalist ( taz , NZZ , titanic ) Frank Schäfer eine Geisterbeschwörung aus den Homestories . |||

DISKURSLANDSCHAFT D

Food to see , tood to read , food for thought galore : KULTUR UND GESPENSTER dürfte mit dieser Nummer 6 zu Recht eine exponierten Position innerhalb der Diskurslandschaft D einnehmen . |||

ACHTUNG HH : RELEASE PARTY

Milou WikipediaDies wird heute abend prompt mit einer Release-Party ab 20 Uhr im Hamburger Hafenklang Exil gefeiert : Subtile Sounds des Berliner Elektroniker Jan Jelinek sowie die HH Lokalmatadore The Crimes und Musikgruppe . Der bereits erwähnte Frank Schäfer liest eine Geschichte über seine Früherfahrung mit Thin Lizzy - gewissermassen als Preview auf die demnächst erscheinenden Homestories .

Allen Nicht- Hamburgern , Berglern und sonstigen Hinterweltlern sei deshalb das allseits anregende Heft ans Januar- kalte Herz gelegt : Kultur und Gespenster 6 , zu bestellen c / o Textem- Verlag oder zu erwerbbar beim wohlsortierten Diskurshändler . |||

KLANGAPPARAT

Als Klangapparat würden sich jetzt natürlich in erster Linie die postindustriellen Soundscapes einer kleinteilig regsamen elektronischen Welt des Jan Jelinek anbieten . Klar , dass die jüngeren CD- Releases “La Nouvelleczz hörempfehlung Pauvreté” ( 2003 ) , “Kosmischer Pitch” ( 2005 ) und die subtilen “Tierbeobachtungen” ( 2006 ) nicht einfach so zum freien Weiterleiten im Netz herum liegen . Was wir allerdings anbieten können , sind zwei YouTube- Videos , die zur passablen Introduction in Jelineks Soundkosmos taugen . CLICKS TO SEE AND LISTEN : Jan Jelinek & Visiomat inc. - Modell Stadt Berlin | herber und grammelig … dafür sieht man dem Meister eine Minute lang auf die Finger : Jan Jelinek live at Shanti Moscow 24 05 2007 |||

LINKS | INHALT

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