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AUDIO AKTUELL



||| WER GUT HÖRT , DER GUT FÄHRT | HÖRSPIELE , PLÖTZLICH | KUNST UND TOD IN VENEDIG | PROUST LESEN LASSEN !

WER GUT HÖRT , DER GUT FÄHRT

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Dass Weltliteratur via Hörbuch nicht die “Easy Listening”- Variante für Köpfe hinter Bügelbrettern darstellt , erweist die Auszeichnung , welche Winter & Winter für seine wahrhaft unzeitgemässen Sechzehn- Stünder venezianischer Fin- de- Siècle- Romane von Seiten der Deutschen Schallplattenkritik eben erhalten hat . Das langmütige Proust- Projekt des Hörverlags hält eben bei Teil Vier ( «Sodom und Gomorra» , 22 CDs ) und geriet umstandslos auf die hr2- Hörbuchbestenliste.

Sozusagen in Echtzeit hat der Berliner Schriftsteller Jochen Schmidt seine wohlproportionierte Komplett- Lektüre der “Recherche” in seinem Blog “Schmidt liest Proust” protokolliert und sympathische Alltagsfragmente einfliessen lassen : Lesen ist Arbeit und - wie jetzt in der prächtigen Buch- Edition @ Voland & Quist nachzulesen - vernögen zwanzig Seiten Proust pro Tag sehr wohl den Blick auf die Niederungen des Alltags zu verändern .

Letzteres gilt auch für die ( leider nur eine CD umfassende ) Kompilation der sekundenkurzen “Wurfsendungen” - welche Deutschlandradio Kultur seit zwei Jahren als plötzliche Hörpiele und absurde Interventionen per Zufallsgenerator in sein Tagesprogramm streut . Oft kopiert , nie erreicht : Kult mit absolutem Suchtpotential .

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HÖRSPIELE , PLÖTZLICH

icon listening whiteczz - Irritation und Invasion des Alltags durch surreale künstlerische Interventionen – diese in der experimentellen und Medienkunst geläufige Tradition wurde im Kultursender Deutschlandradio 2006 salonfähig . Mithin blitzen sechsmal täglich jäh jene surrealen Mikro- Hörspiele auf , die als “Wurfsendungen” längst legendär sind . Per Zufallsgenerator geworfen in das Tagesformat (Radiofeuilleton ) , werfen die sekundenkurzen Spots , Szenen und Situationen den Hörer aus dem gewohnten Trott und die Ratio lustvoll über den Haufen .

Produziert in Serien von acht bis zehn Folgen , kombiniert das Format des “plötzlichen Hörspiels” den Effekt der Überraschung mit demjenigen des Wiedererkennens , womit noch gar nichts über den oft nihilistischen Witz dieser partikularen Performances gesagt ist . Ob Comic- Charaktere wie die linkischen Hirningenieure Nano & Mü , oratorische Reflexionen zur Einsamkeit des Users vor dem Computer , Solo-Suaden , Ehegeplänkel , Airport- Durchsagen – was diese Mailboxnachrichten , Ratespiele , Telefonate und Wechselreden alle eint , ist die konsequente Konzentration auf die Situation des Sprechens . Mit diesem roten Faden , der sich durch die über 1.000 gesendeten Mini- Clips zieht , wird einerseits deren beliebige Kombinierbarkeit garantiert , zum andern ein Abdriften ins beliebig Kabarettistische verhindert .

Wenn nun 99 dieser akustischen Ausschnitte einer angewandten Psychopathologie des Alltagslebens auf CD erscheinen , mag man diese als Spielformen auf den Registern des ( Anti- ) Witzes geniessen . Faszinierender aber ist , dass hier das Sprachmedium “Radio” ein produktives Format dafür geschaffen hat , das Sprechen an sich und durch sich pfiffig zu reflektieren .

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KUNST UND TOD IN VENEDIG

icon listening blackczz - Dem ambivalent- dekadenten Glanz der “Serenissima” ist die zweite Hörbuch- Kollektion des Labels Winter & Winter gewidmet . Mit Mut zum visionären Schwulst wurden zwei vernachlässigte Venedig- Texte ausgewählt , die – in ihrer Zeit einst einflussreich – letztlich scheiterten am Unmass von Wollen und Form .

Ideologisch einander gegenläufig , koinzidieren Gabriele d’Annunzios “Das Feuer” ( “Il Fuoco” , 1900 ) und Franz Werfels “Verdi – Roman der Oper” ( 1924 ) nicht nur in der Wahl des Schauplatzes , sondern auch in der schicksalhaften Bedeutung , die Richard Wagners Tod in Venedig im Februar 1883 beigemessen wird .

Werfel zeichnet den zu Venedig weilenden Verdi in einer Schaffenskrise , die in der Konfrontation mit dem gefeierten “Zukunftsmusiker” zugleich gipfelt und überwunden wird : Als er sich nach Kämpfen der Selbstversicherung ( für die “Sinnlichkeit” und gegen die “Idee” ) dazu durchringt , den Gleichaltrigen aufzusuchen , kommt die Kunde von dessen tragischem Tod . - Für Stelio Effrena , d’Annunzios romaneskes Alter Ego , besiegelt der Tod des Meisters den Anspruch des Künstlers auf das geistesaristokratische Privileg . Aus der schwelgerischen Feier von Schönheit und Grausamkeit spricht das Selbstbild des Übermenschen ebenso unverbrämt wie von der Liaison mit Eleonora Duse . In tendenziöser Verzerrung des real gerade fünf Jahre betragenden Altersunterschiedes erscheint Stelio als ephebisches Genie und die Geliebte als alternde Diva - gerade noch strahlend vor dem Hintergrund des Untergangs .

Die denkwürdige Kreuzung der Fluchtpunkte – hier Werfel mit dem Plädoyer für Verdis “italianità” , dort d’Annunzios Wagner- Kult – tritt durch die parallele Publikation dieser Künstlerromane deutlich hervor und liefert ein präzises ideengeschichtliches Bild der Epoche zwischen Décadence und Faschismus . Mit Paul Herwig als elastischem Stelio und Wolfram Berger als ländlichem Werfel | Verdi wurden treffliche Sprecher gewählt :

Furchtlos bieten ihre Stimmen d’Annunzios Exaltationen und Werfels uferlosen Skrupeln die Stirn .

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PROUST LESEN LASSEN !

icon listening whiteczz - In der Bibliothek der ungelesenen Bücher nimmt Prousts “Suche nach der verlorenen Zeit” einen Spitzenplatz ein . Auch beherzte Kampfleser verirren sich in den Satzlabyrinthen oder verlieren die Lust am ätzenden Gesellschaftsporträt inmitten der mehrtausendseitigen Bleiwüste .

Wer indes bereit ist , den Purismus eigener Leistung beiseitezulassen und sich berufener Assistenz anzuvertrauen , muss auf die Kenntnis der “Recherche” nicht verzichten : Mit “Sodom und Gomorra” liefert Der Hörverlag nun bereits CD- Paket Numero vier jener integralen Lesung , welche der Sender Berlin- Brandenburg in einem herkulischen Unterfangen unternahm . Peter Matics ebenso nobles wie elastisches Organ dringt bis in die Kapillaren der Konstruktion , enträt jedoch nie jener – den mikroskopischen Absurditäten der kapriziösen Salons inhärente – Komik . Nämliches gilt für die Innensichten der Erzählerfigur , ganz Kind einer überfeinerten Décadence . Die blendend vorbereitete Lesung des Werks erweitert den Wahrnehmungsraum , indem sie dessen vertrackte Syntax mit den Beobachtungen und Bonmots glänzend vermählt .

Eine andere Methode zur Bewältigung des Mammutwerks hat der Dichter Jochen Schmidt gewählt : Als Marathonläufer bestens aufgestellt , hat er sich über Monate hinweg ein tägliches Lesepensum von zwanzig Seiten verordnet und die jeweilige Leseerfahrung rendu in einem Weblog protokolliert . Die Internet-Notate “Schmidt liest Proust” wurden nun in ein veritables Buch gegossen , das manch unkonventionelle Perspektive bietet : In diesem Fall ist es das betont subjektive und die Nöte eines jungen Autors mit verzeichnende Digest der “Recherche” , welches teils tiefe , teils pfiffige Erkenntnisse zeitigt .

Etwas sparsam wirkt die dem Band beigefügte CD : Schmidt hat definitiv mehr zu sagen, als eine Audio-CD von 64 Minuten erlaubt .

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AUS AKUSTISCHEM ANLASSlärm no radio KEIN KLANGAPPARAT

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Audio Aktuell



||| Selten gelingt’s , sozusagen per Divination auf den ersten Click einen dem Thema des täglichen Eintrags gemässen KLANGAPPARAT zu erhaschen : Aber da wir ja heute über Echt- Welt- Texte beispielsweise zu Elias Canettis “Stimmen von Marrakesch” handeln , lag der Aufruf der Seite des in Orléans situierten - laut Eigendefinition aber auch “marokkanischen” - Netlabels Fresh Poulp Records sozusagen auf unter der Maus- Hand , um die monatliche Revue sogenannter ‘Hörbücher‘ musikalisch zu eskortieren .

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CANETTI , KAFKA - RADIKAL MUSIKALISCH

icon listening white Wie es klingt , wenn fundamentale Texte der Moderne in den Resonanzraum charismatischer Künstler geraten , erweist die in allen Aspekten der Audio- und Bibliophilie liebevoll gestaltete “Bibliothek der Töne” des Mandelbaum Verlags . Kraftwerk und musikalischer Nukleus der Sprach-Musik-Kompositionen sind Peter Rosmanith als Produzent und Multi- Perkussionist sowie der Akkordeonist Otto Lechner .

Zusammen mit der Schauspielerin Anne Bennent , die die Bretter der Weltbühnen zugunsten von kleineren Räumen kompromissloser Selbstbestimmung verliess , hat man sich der “Stimmen von Marrakesch” angenommen , Elias Canettis Bericht über die Erfahrung der Fremdheit in Form der Undurchdringlichkeit sprachlich- klanglicher Kakophonie . Der Vektor vom Eigenen ins “Fremde” wird dabei einerseits durch das Neu- Arrangement des Textes akzentuiert , anderseits durch die allmähliche Ablöse von europäischen Klangfarben ( Prévert- Chansons , Mozarts “Entführung” ) zu exotischen Melodien und Instrumenten ( Vienna Rai Orchestra ) . Solche melodischen Exotik hält Anne Bennent jene innere Fremdheit entgegen, mit welcher sie Canettis Text exzellent spricht , diesen aber nicht “spielt” . Die reine Stimme - und darin mündet ja Canettis Erzählung - ist und bleibt das undurchdringlich “Andere” .

Einen notwendig umgekehrten Weg geht Otto Lechner mit seiner sehr persönlichen Adaptierung ausgewählter Kafka- Texte . Der Titel “nicht einmal gefangen* zitiert mit einem Aphorismus jene Dialektik von offensichtlicher Freiheit und Selbstgefängnis , welche so charakteristisch ist für Kafkas Konstellationen . Lechner , der sich als blinder Musiker die Texte durch auditives Auswendiglernen des von Freunden auf Kassette Vorgelesenen aneignet , kennt und benennt deren inkommensurablen Sinn inwendig .

Die Rezitation mit der Ziehharmonika auf melodisch illustrierende oder rhythmisch skandierende Weise begleitend , erschliesst der hellhörige Improvisator die intensive Kraft Kafka’scher Kurzformen . Sekundenkurz blitzt ein Volkslied durch das bleiernen Ambiente von “Ein Landarzt” , insistierende Ostinati illustrieren das mechanische Kreisen der Zirkusreiterin und die “Dampfhämmer” des Applauses “Auf der Galerie” und in die grausame Parabel “Der Geier” sickert ganz leise die Weise “Oh Haupt voll Blut und Wunden” . In Lechners musikalischen Assoziationen bewahrheit sich das Diktum Walter Benjamins, Musik und Gesang seien bei Kafka “ein Pfand des Entrinnens” . ( credits … )

* Nicht vorenthalten können und wollen wir indes den titelgebenden Text des Otto Lechner- Kafkaniaden . Die Notiz entstammt dem Konvolut “Er - Aufzeichnungen aus dem Jahre 1920 ” :

Mit einem Gefängnis hätte er sich abgefunden. Als Gefangener enden - das wäre eines Lebens Ziel. Aber es war ein Gitterkäfig. Gleichgültig, herrisch, wie bei sich zu Hause strömte durch das Gitter aus und ein der Lärm der Welt, der Gefangene war eigentlich frei, er konnte an allem teilnehmen, nichts entging ihm draußen, selbst verlassen hätte er den Käfig können, die Gitterstangen standen ja meterweit auseinander, nicht einmal gefangen war er. ( Hervorhebung czz )

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UNERHÖRTES KAFKANIEN

icon listening blackKein anderes Medium manifestiert den Wandel der Kafka- Rezeption so deutlich wie das akustische . Als sinnlichste und unmittelbarste unter den Interpretationen bleibt die Vorlesung nicht lediglich Angelegenheit von Fertigkeit und Auffassung des Sprechers , sondern transportiert jeweils auch die historische Stimmung der gerade geltenden Be- Deutung des Kafka’schen Werks .

Lag in den fünfziger bis achtziger Jahren der Fokus der Radio- und Schallplattenproduktionen auf den enigmatisch- existenzialistisch aufgefassten Kurztexten , so hat sich das Interesse in jüngerer Zeit den Romanen zugewandt . Dies dankt sich einerseits der Entwicklung von praktischen und potenten Datenträgern ( CD , MP3- CD ) , geht andererseits aber parallel einher zu dem geschärften Interesse für einen “alltäglicheren” Kafka und dessen kulturell- biographischen Horizont. Welten liegen zwischen Gustav Gründgens‘ knapp einstündiger Lesung von Schlüsselstellen aus dem “Prozess” ( 1961 , DG ) und den achteinhalb Stunden , in welchen Christian Brückners energische Komplettlesung der Figur des K. einen so überraschenden wie plausiblen Dreh ins Aufsässige und fatal Lässige gibt ( Zweitausendeins ) .

Ob als interessante Verfremdung gedacht oder als Reverenz an K.s erotisch zwielichtige “Helferinnen” : Katharina Thalbachs metallisch changierendes Timbre akzentuiert den Aspekt jener Anzüglichkeit , die den Diatriben des Gerichts zutiefst eingewirkt ist ( GoyaLit ) . Eine nicht minder erhellende Lesart bietet Peter Matics akkurat punktierte Version ( DG ) : Vermitteln Gründgens’ verschliffene Konsonanten den Eindruck des gehetzt Nervösen , lässt Matics stoische Musikalität ein wenig Altösterreich durchschimmern .

Die Produktion des rbb ist Teil der eminenten Romanedition , welche die Deutsche Grammophon den Repertoireaufnahmen ( Reihe “Wortwahl” ) zur Seite stellt : Insbesondere der Fragment gebliebene Amerika- Roman ( “Der Verschollene” ) ist in Peter Simonischeks Intonation frisch zu entdecken . Angehaucht von den leicht ländlichen Anklängen , die der Sprecher seiner Kärntner Herkunft dankt , belebt sich Kafkas lapidare Sprache durch eben jene Dialektik von Beengung und Befreiung , von welcher der Text ja auch explizit berichtet . “Das Schloss” schliesslich erscheint - getaucht in Ulrich Matthes‘ charakteristisch “hohlwangigen” Ton - als das, was es stets war : Banger Alptraum , verzweifelt fern und atembenehmend nah . ( credits … )

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KLANGAPPARAT

Kurz aber … umso besser und einige Male im Kreise zu drehen : Die Ende Juli erschienene EP “El Plan B OST” des Pariser Multi- Musikanten Rafael czz-hoerempfehlungAragón aka Rafiralfiro ( MySpace ) lässt auf engstem Raum sozusagen alle Register spielen . Eingerahmt von cölestinen Harfenklängen ( wenn’s denn eine wäre ) , gibt es heftig modernistische Streicher mit Tangoausklang ( Tango Agitato ) , trügerischen Frieden ( Berceuse Carnivore ) und - wie zu sehen und zu vernehmen : ein gutes Quantum an Sprach- und Spielwitz . Am besten auf die Release- Seite gehen und dort den Stream hören . - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND TO LISTEN TO STREAM .

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NEUES VON FREUNDEN



||| AUDIO - LITERATUR - RADIO- FEATURE : ANJA UTLER | AUDIO - KONZERT - RADIO - BUCH : IN MEMORIAM OTTO M. ZYKAN | AUDIO - RADIO - WEITER HÖREN | BEGRIFFSSTUDIO MONIKA RINCK | KLANGAPPARAT

Ottom_Atthäusz_Ykan

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( Trimmel , Dorn , Burlacu , Wagensommerer )

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AUDIO | LITERATUR | RADIO- FEATURE : ANJA UTLER

czz neues von freunden Die heutigen freundlichen Neuigkeiten sind weitgehend auditiver , wortwörtlicher , musikaischer und radiophoner Natur . Man mag das als Resultat werten für unsere in|ad|ae|qu|at selektiven Interessen , gleichzeitig sind gewisse terminliche Ko- Inzidenzen unleugbar . So gibt es heute auf SWR 2 die Ursendung eines meisterlichen Features über die Dichterin und “Literatur als Radiokunst“- Autorin Anja Utler zu vernehmen , in welchem auch einige Sequenzen der ORF- Produktion sensibel eingearbeitet sind : Unter dem Titel “Vom Schreiben auf der anderen Seite des Grabens . Ein Besuch bei Anja Utler” haben Ulrike Janssen und Norbert Wehr ein feines Portrait der Sprach- und Lautkünstlerin gestaltet .

Akustisch eingebttet in die Krähenschrei- einsamen Atmosphären um die Künstlerklause auf Schloss Solitude , stellt sich das Denken und Dichten der auch aus den slawischen Sprachen übersetzenden Poetin chronologisch dar . Unter Rekurs auf die Dichtungen des herrlichen Gennadij Ajgi gibt die Autorin in klarer Sprache Auskuft über Entwicklung und Werden ihrer oft nur auf Laut- Folgen reduzierten Dichtung . Anhand des zuletzt erschienen Bandes “brinnen” ( korrespondenzen 2006 ) kommt der Skandal des Marsyas- Mythos zur Sprache , dem von Apoll grässlich gefolterten Konkurenten , aus dessen Blut in mythischer Metmorphose der Fluss des Mäander entsprigt . Die Erfahrung von Schmerz und Trauma verflüssigen sich entsprechend konsequent in den Einbezug von Atem , Hauch und splitternden Lauten in Utlers Poesie . Dass die Ursendung des früh im Jahr entstandenen Features , welches Ambient- Klänge Brian Enos einbezieht , fast just auf dessen 60. Geburtstag ( 15. 5. ) fallen würde , hatten die Gestalter freilch in keiner Weise ahnen können . Heute , SWR 2 , 20.03 Uhr .

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AUDIO | KONZERT | RADIO | BUCH : IN MEMORIAM OTTO M. ZYKAN

czz neues von freundenIn Memoriamn des am 25. 5. 2006 - kurz nach seinem 60. Geburtstag - tragisch verunglückten Komponisten Otto M. Zykan sind einige Werkaufführungen und Radiosendungen angesetzt , welche Freunden sowie den ( leider ) Nachgeborenen unserer Generation die Wiederbegnung | das Kennenlernen einiger Stücke aus dem Oeuvre dieses wohl orginellsten und provokativsten unter Österreichs Komponisten ermöglicht . Eine Soundinstallation am Klangturm in St. Pölten offeriert bis 1. November eine “Datenskulptur Otto M. Zykan” ( Konzept : Irene Suchy , Markus Wintersberger , Technische Realisierung : FH St. Pölten , Markus Wintersberger ).

Dazu ist das YouTube- Portrait “Ottom_Atthäusz_Ykan” entstanden , welches - siehe oben - im Modus heutiger Sample- Ästhetik einige der grössten Aufreger aus Zykans Schaffen resümiert : Von den legendär schuhlos- künstlerischen Werbespots für die Schuhfirma Humanic ( “Franz !” ) bis hin zu der mit Franz Novotny 1977 für das österreichische TV produzierten “Staatsoperette” ( “einem der grössten Skandale der Republik” ) , wird der besondere Rang der Sprache im Werk des Komponisten akzentuiert ( übrigens gibt es die “Staatsoperette” mittlerweile in einer wohlfeilen DVD- Edition , weiters wäre davon zu erzählen , dass der Score zu Novotnys Kultfim “Exit - nur keine Panik” [ 1980 ] von Keinem Geringeren als Otto M. Zykan stammt , DVD ) .

  • KONZERT

Sonntag , 25. Mai erklingt im Rahmen der sogenannten “Mak-Nite” im Museum für angewandte Kunst , Wien “Zykan - ein peripathetisches Konzert” mit dem Ensemble “die reihe” ( Wien ) und einem Vokalsensemble unter der Leitung von Ingrun Fussenegger.

Das Vokalensemble Ingrun Fusseneggers und das Ensemble “die reihe” geben Zykan: Junge und alte Werke, Frühes und Spätes, Musik, die ihn vom Tonband mitnimmt und jene, die ihn nicht (mehr) braucht. Musik, die immer anwendbar ist: auf die Autoerfinder, die Stallknechte um Beethoven, die Liebhaber der Gugginger Dichter, die gegen ein Tonband anspielenden Geiger, die Mumpitz sprechenden Bachverehrer. Das Programm beginnt beim Frühling, geht weiter mit einem zu Mozart sich anlehnenden Ave Schwermuth, schwingt sich von Rilke und zu einem Marimbavirtuosen den “Bach runter”.

Museum für angewandte Kunst Wien , 19:00 Uhr .

  • HÖRSPIEL

Im Radio sind zwei Termine zu notieren : Da wäre erstens die heute auf Ö1 wiederaufgeführte Hörspielproduktion “Joseph Fouché” ( aus dem Nachlass von Otto M. Zykan , bearbeitet von Irene Suchy und Peter Kaizar ) . Unter der Regie von Götz Fritsch ist eine nachgerade umwerfende Besetzung zu vernehmen : Von Ausnahmeschauspielern wie Silvia Fenz , Paulus Manker und Peter Matic bis hin zur exzeptionell in die Rolle von Hörspielsprechern geschlüpften Prominenz wie Ex- Volkstheater- Chefin Emmy Werner und Staatoperndirektor Ioan Holender . Dazu musikalisch adaequat : Otto M. Zykans “Hörspielmusik für Joseph Fouché” ( Interpret : Otto M. Zykan ) sowie Georg Mittermayrs “Chormusik für Hörspiel Joseph Fouché” ( Arnold Schönberg Chor ) . Mehr : Hörspieldatenbank ORF , Hördat ( pdf ) . Heute , 20. 5. , Ö1 , 20:30 Uhr .

Die Gleichzeitigkeit zur Austrahlung des Anja Utler- Features und dieses Hörspiel dürfte keine weiteren Probleme bereiten : SWR 2 wäre via PC und per Live- Stream zu vernehmen , währenddessen läuft im Radiorekorder die gute alte Tonkassette für das Ö1- Kunstwerk mit . Dies war die österreichische Perspektive . Für deutsche Hörer verhält es sich selbstredend genau umgekehrt .

  • HOMMAGE

Montag , den 26. 5. gestaltet die Lebensgefährtin Otto M. Zykans , die Musikwissenschafterin und Radiomoderatorin Irene Suchy ( übrigens auch höchstselbst als Sprecherin in genannten Hörspiel zu orten ) ein persönliches Portrait in der Sendung “Zeitton” . Zweiffelos wird in dieser Sendung auch von Band Eins einer Sammlung “Otto M. Zykan - Materialien zu Leben und Werk” ( gezeiten verlag , pdf ) die Rede gehen . “Zeitton : Otto M. Zykan aus der Sicht von Irene Suchy” , Ö1 , 23:05 Uhr . Mehr @ www.irenesuchy.org , www.zykan.org .

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AUDIO | RADIO | WEITER HÖREN

czz neues von freundenEinmal durch die Radioprogramme gesurft und nicht wieder davon losgekommen .

Weshalb wir gleich auf ein paar weitere unabdingbare Hörstücke hinweisen . Allesamt sind sie “klassisch” , im wörtlichen wie auch im Nestroy’schen Sinn .

Folgt jetzt ein kleines Hörmenü In chronlogischer Reihenfolge .

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BEGRIFFSSTUDIO MONIKA RINCK

czz neues von freundenAus Monika Rincks Berliner Offizin erreicht uns eben eine frische “Begriffslieferung” . - Wer sich dann und wann ein wenig wortkarg oder schwer von Begriff fühlt , mag sich straks in die Mailingliste für den Newsletter eintragen .

2458 die präraphletten

2460 gedrängtblütige neoregelie

2461 der innere bergwald der sprache

2462 ein radiophoner laokoon

2463 willenbesitzer in gritzing

2465 im gebrauch des wilden mitleids

2468 the kellner of no return

2469 die kolonne der zahlungswilligen

2471 the awful daring of a moment’s surrender

2474 die welt im sinne des weltmanns

2475 theater der diskretion

2479 vandalisierter schlaf

2480 aus dem lehm meiner waden

2482 decere - be fitting?

2483 der rosafarbene anteil am schwarz

2484 a gently roar

2485 dein zuinnerstes lüneburg

2488 einem damenmedaillon ähnliche flimmerlarve (planula)

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KLANGAPPARAT

Auch wenn uns ein “erneuerter widerstand gegen das aufhören” ( Rinck- Begriff 2472 ) befällt , harrt der “Klangapparat” nun keines weiteren Wartens . Und zwar geben wir heute nur in|ad|ae|qu|ate Kostproben aus den aktuellen Werkstätten der musikalischen “young hopefuls” czz hörempfehlungvergangener Jahre . Was nach einem paradimatischen Album wie “Neon Golden” ( 2002 ) überhaupt noch möglich wäre , hat die Kritiker womöglich mehr beschäftigt als die Weilheimer Band The Notwist ( home ) . Mit “The Devil, You + Me” geht es jetzt doch weiter : Und zwar mit heftigen Gitarren , wie derzeit auf der MySpace- Seite der Band zu hören . Ob da bei Live- Gigs von der schmalen Singstimme Markus Achers überhaupt noch etwas zu hören sein wird , wird sich weisen . -

Auch “Rettet die Wale” ( 2004 ) , das Solo- Debüt der Wiener Sängerin Eva Jantschitsch aka Gustav , ist bereits ein Weilchen her . Four years after kündigt sich das Nachfolgealbum “Verlass die Stadt” an . Den Titeltrack “Verlass die Stadt” mag man dieser Tage nicht nur in der Echtwelt draussen beherzigen , sondern sich auf Gustavs Heimseite per MP3 anhören oder in einer Video- Live- Fassung besehen . |||

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