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Gastbeitrag Peter Payer : Kampf der akustischen Zwangsbeglückung - Eine Polemik



||| RUHE GESUCHT | SOCIÉTÉ DU SPECTACLE - TREND ZUM EVENT | ÖFFENTLICHER RAUM - FÜR WEN ? | URBANE GRUNDSTIMULANZ | TORPEDIERUNG DER SINNE | KEIN KLANGAPPARAT

RUHE GESUCHT

brücke_copyright_Christiane_Zintzen

Lassen Sie sich mich mit einer der Jahreszeit so gar nicht entsprechenden und auch völlig unromantischen Erinnerung an den vergangenen Sommer beginnen : Drei markante Erlebnisse haben mir damals in gewisser Weise die Augen respektive die Ohren geöffnet . Es begann im Strandbad Alte Donau : Ein heißer Sonntag , Badevergnügen garantiert - doch was ist das ? - Auf einem Teil der Liegewiese hat sich ein Mobilfunkbetreiber eingemietet , als Hauptsponsor eines Drachenboot- Rennens , Vorausscheidung für das große Finale in Kärnten . Jugendlich dynamische Kommentatoren begleiteten den Wettbewerb mit aufgeregter Stimme bis in den Nachmittag hinein . An einen ruhigen und entspannten Aufenthalt war nicht mehr zu denken .

Eine Woche später : Flucht aus der immer drückender werdenden Hitze der Stadt . Der burgenländische Neufelder See lockt mit kühlem Naß und ruhiger , schattiger Umgebung . Doch auch hier : ein Schwimmwettbewerb , lautstark kommentiert und musikalisch untermalt , stundenlang bis in die Mitte des Sees hinaus zu hören .

Wieder zwei Wochen später ein erneuter - Sie ahnen es schon : vergeblicher - Versuch . Im Bundesbad Alte Donau , von mir bislang ob seiner konservativen , Ruhe bevorzugenden Klientel besonders geschätzt , wird gleich nach Eröffnung um 8 Uhr fleissig gearbeitet : Man baut eine Bühne auf für den Sender eines Privatradios , das uns durch den Sonntag begleiten wird , gratis Werbeeinschaltungen inklusive …

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SOCIÉTÉ DU SPECTACLE - TREND ZUM EVENT

Riesenrad Silhouette_copyright_Christiane_Zintzen

Ist es wirklich schon soweit ? - Geht es wirklich nicht mehr ohne lautstarke Events an allen Ecken und Enden der Stadt ? - Werden auch die letzten Freiräume der Stadt gnadenlos zugelärmt ? - Das ist Veranstaltungsterror mit akustischer Zwangsbeglückung .

Schon seit einigen Jahrzehnten hinterlässt der Trend zur urbanen Eventisierung und Festivalisierung auch in Wien seine unüberhörbaren Spuren . Donauinselfest und Stadtfest waren in den 1980er Jahren die Vorreiter , es folgten Großereignisse wie Regenbogenparade , Love Parade und Vienna City Marathon , Weihnachtsmärkte mitsamt den vielgeschmähten Punschständen breiteten sich auf immer mehr Plätzen der Stadt aus , der Rathausplatz wurde gleich ganzjährig zum Festivalplatz erklärt , öffentliche Grünflächen wie Prater , Augarten und Stadtpark werden mittlerweile regelmäßig “bespielt” , die Ufer von Donau und nun auch Donaukanal werden zeitgemäß attraktiviert und akustisch aufgemöbelt . Um nur die markantesten Beispiele zu nennen .

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ÖFFENTLICHER RAUM - FÜR WEN ?

Otto Wagner Einkaufswagen_copyright_Christiane_Zintzen

Stellte man noch Mitte der 1990er Jahre auch in der Wiener Stadtplanung die brisante Frage “Wem gehört der öffentliche Raum ?” ( so der Titel einer gleichnamigen , engagiert gestalteten Ausstellung ), so scheint die Antwort heute eindeutig : abgesehen vom Verkehr , vor allem dem Kommerz und der Unterhaltungsindustrie .

Unter dem Denkmantel der viel zitierten Spassgesellschaft , der angeblich ungebrochenen Nachfrage nach Zerstreuung und Konsum , wird urbane Entwicklungsarbeit geleistet . Entwicklung wohin ? , sollte man allerdings fragen , und vor allem : um welchen Preis ?

Die Soziologin und Kulturkritikerin Anette Baldauf bringt die aktuellen Transformationen in ihrer jüngsten Publikation “Entertainment Cities” auf den Punkt . Auf den Bühnen der westlichen Städte werden , so ihre Diagnose ,

… großangelegte Shows inszeniert, das Städtische auf hyperbolische Weise aufgeblasen und Urbanität in ihrem Exzess ausgestellt. Alles Inszenierungen, die Superlative einfordern - die Stadt ist lauter, größer, MEHR. [1]

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URBANE GRUNDSTIMULANZ

Lampe Kabel_copyright_Christiane_Zintzen

Zwar ist eine gewisse akustische Grundstimulanz in der Stadt etwas genuin Urbanes , Ausdruck von Vitalität und dem vielfältigen Zirkulieren von Menschen und Waren ( nicht zuletzt war es genau das , was viele wie mich vom eintönigen Land in die Stadt zog ) .

Aber der Genuss an den Reizen hat auch seine Grenzen - es braucht Freiräume , im buchstäblich räumlichen genauso wie im wahrnehmungspsychologischen Sinne .

Ruhezonen , an denen sich die Ohren ( genauso wie natürlich Augen und Nase ) vom zunehmenden Bombardement der Signale erholen können .
Schon vor hundert Jahren klagten Stadtkritiker , dass der Großstadtmensch schon nicht mehr wisse , was eigentlich “Stille” für ihn sei . Eine durchaus reale Befürchtung , wenn man die nun auch in Wien immer akuter werdende Entwicklung betrachtet .

Und man sage nicht , man könne sich wie bisher an all das ganz leicht gewöhnen . Die Ohren hielten ja vieles aus , seien ein Gewöhnungsorgan schlechthin . Mitnichten .

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TORPEDIERUNG DER SINNE

Andreaskreuz_copyright_Christiane_Zintzen

Gerade der Verlust des elementaren Grundbedürfnisses nach Ent-Spannung hat weitreichende Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit der Stadtbewohner - und damit auch für die Stadtentwicklung . Fragen der akustischen Ökologie und des akustischen Designs , wie sie der kanadische Akustikforscher Murray R. Schafer schon vor Jahrzehnten stellte , werden in der gegenwärtigen Architektur und Stadtplanung nach wie vor grob vernachlässigt . Dringender denn je , ist ein Umdenken gefordert .

Sonst kommt noch mal einer auf die Idee , entlang des “Nasenwegs” auf den Leopoldsberg einen Geruchsparcours mit begleitenden Trompetenfanfaren zu inszenieren .

24. 11. 2008

[1] - Anette Baldauf : Entertainment Cities. Stadtentwicklung und Unterhaltungskultur - Wien , New York - Springer Verlag 2008, S. 7

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Peter Payer ( www.stadt-forschung.at )

ist Historiker und Stadtforscher mit besonderem Fokus auf Geschichte der Sinneswahrnehmung in der Großstadt , Stadtimages und verschwindende Berufsgruppen . Bereichsleiter “Alltag & Umwelt” im Technischen Museum Wien .

Ausgewählte Publikationen :

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Der KLANGAPPARAT entfällt heute lärm no radio
aus offensichtlichem
thematischem Anlass .

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Fotos : czz

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NEUES VON FREUNDEN



||| AVANT- PROPOS : KARTIERUNG | STADT , SUMPF , SLUMS : EINST … | … UND JETZT | VIENNA LIT FESTIVAL 2008 | EXQUISITE CORPSE 1 : DELIRIUM & EXTASE | FOUND IN TRANSLATION : KUNST AM WORT | KLANGAPPARAT

AVANT- PROPOS : KARTIERUNG

czz neues von freunden Sollte sich mal der eine oder die andere unter den werten Zeitgenossen gefragt haben , was diese wirre Veranstaltungsrubrik , welche angeblich “Neues” von angeblichen “Freunden” verheisst , so wollen wir solchen Zweifeln mit ein paar einfachen Worten begegnen : Was wir hier in|ad|ae|qu|at rubrizieren , ist einerseits eine Geste der Höflichkeit und Anerkennung all Jenen gegenüber , denen wir ( als Gästen des “Salon Littéraire” , als Produzierenden für “Literatur als Radiokunst” aber auch als produktiven Echtwelt - Kollegen ) Dank und Anregungen schulden . Die Nennung dieser Namen , die Hinweise auf deren Aktivitäten im - nicht notwendig Wienerischen - “Veranstaltungswesen” möge peu a peu zu einer “Landkarte des literarischen Lebens” beitragen . Beziehungsweise eine “MAP OF INFLUENCE AND CREATIVITY” - bezogen freilich stets auf unseren zufällig aufgrund gewisser Lebens- und Praxisfelder erworbenen Standpunkt . Im Idealfall würde man sich einmal dransetzen , eine solche Landkarte graphisch zu gestalten - siehe Gerhard Dirmosers geniale Kunst- Kontext- Karten .

gerhard dirmoser kontext karte

( click to XL ) |||

STADT , SUMPF , SLUMS : EINST …

czz neues von freundenUrbane Notstandsgebiete wie die von Upton Sinclair oder Louis-Ferdinand Céline beschriebenen oder von den frühen Sozialreportern wie Max Winter undercover exploriert : Dass nicht nur männliche Autoren sich in diese “NO GO”- Zonen wagten und sich als “Muckraker ” betätigten , erweisen die Stadtreportagen aus den Elendsvierteln von Amsterdam , London , Paris , Köln , Dresden , Berlin , Hamburg und Kopenhagen , welche die schweizer Journalistin Else Züblin- Spiller ( 1881 - 1948 ) unter dem verblüffend modernen Titel “Slums” publizierte . Als Helferin in einem von der Heilsarmee betriebenen Nachtasyls hat sie übrigens auch über die Wiener “Nachtseiten des Lebens” geschrieben , um denjenigen , “die es besser hatten , darauf aufmerksam zu machen , wie viele im Schatten stehen müssen” . Der Stadtforscher Peter Payer hat sich dieses wichtigen Dokuments der Sozialreportage angenommen , mit einem Nachwort versehen und im Czernin- Verlag neu publiziert . Payer setzt damit die Reihe seiner Wiederentdeckungen bemerkenswerter Stadtdokumente fort - man erinnere sich an die umwerfende “Witwe Wetti Himmlisch - Memoiren einer Wiener Toilettefrau um 1900” ( Löcker 2001 ) . Heute wird das Buch im Veranstaltungssaal der Heilsarmee Wien ( 1020 , Grosse Schiffgasse 3 , 19:00) präsentiert . |||

… UND JETZT

czz neues von freundenDas Potential von wachen Sozialreportagen in der Gegenwart hat Karl-Markus Gauss mit “Die Hundeesser von Svinia” ( Zsolnay 2004 ) - einem Bericht über eine slowakische Roma- Siedlung - insofern meisterlich ausgelotet , als manche seiner verstörenden Wahrnehmungen dazu angetan sind , uns mit der Elastizität unseres eigenen “Liberalismus” zu konfrontieren : Schluss mit zart gruselnder Sozialromantik - da ist vieles , wie das Kusinchen sagen würde , nur noch “krass” .

In eine weitgehend von Roma bewohnte Elendssiedlung unterhalb der Belgrader Autobahnbrücke Gazela geleitet ein nicht eben als Lustwandel konzipierter “Reiseführer” , der sich ohne jeden Sozialvoyeurismus mit den konkreten Lebensbedingungen innerhalb einer von Wasser , Strom und anderen urbanen Infrastrukturen abgeschnittenen Barackenstadt befasst . Am 25. 4. präsentieren die Autoren Lorenz Aggermann , Can Gülcü und Eduard Freudmann ihre im Drava- Verlag erschienene Studie “Beograd Gazela - Reiseführer in eine Elendssiedlung” im Depot ( 1070 , Breite Gasse , 19:00 ) . |||

VIENNA LIT FESTIVAL 2008

czz neues von freundenDass die einst polyglotte , heute eher monomane Metropole Wien über eine rege englische literarische community verfügt , ist wohl Wenigen bewusst . Dies lässt sich angelegentlich des bereits zweiten “Vienna Lit Festivals” ab heute Abend ändern . Im Mittelpunkt steht neben Lesungen und Performances die persönliche Begegnung , oder , wie es das umtriebige Team von Vienna Lit saftig formuliert : “Come and meet a range of engaging novelists , poets and spoken-word artists . Get your creative juices flowing in our writing workshops … ” . Bis einschliesslich Sonntag mag man sich bei Lesungen , Slams , Workshops , Open Mikes aktiv oder passiv engagieren , auf der Gästeliste stehen u. a. Brian Patten ( Home ) , Bruce Holland Rogers ( Home ) , Charles Ofoedu ( man erinnere sich an die berüchtigte Schubhaft des nigerianischen Menschnrechtsaktivisten ) und Jackie Kay ( Home ) . Als besonders Tip wird die vom grossen Benjamin Zephaniah ( “Naked” , CD- Favorit  2004 ) höchstpersönlich empfohlene Performerin Rommi Smith ( Home ) gehandelt . Dies und mehr ab heute , 19:15 im Ratpack ( 1080 , Florianigasse ) . |||

EXQUISITE CORPSE 1 : DELIRIUM & EXTASE

czz neues von freundenMit einem “grossartigen Fest” ( “Um Abendkleidung wird höflich gebeten” ) präsentiert der Autor , Filmwissenschafter und Essayist Thomas Ballhausen Band Eins einer von ihm konzipierten Reihe unter dem traditionell vielversprechenden Label “exquisite corpse” ( aka “cadavre exquis” ) . Und geht anhand seiner Aufsatzsammlung “Delirium und Ekstase - Die Aktualität des Monströsen” ( Milena ) gleich selbst mit anregenden Beispielen voran : Von “ungehörigen und opportunen” Leibern liest man da ebenso wie Notizen zu “Musik , Horrorfilmen und Zähnen” , “Spinnen im Film” oder US- Horror- Comics . Luzide die literarischen Features zu Herbert J. Wimmer , Liesl Ujvary , Susan Sontag , Michel Houllebecq und H. P. Lovecraft . Festliches Fest also mit Film , Wort und Musik ( projektberggasse ) am Freitag im mon ami ( 1060 , Theobaldgasse 9 , 20:30 Uhr ) . |||

FOUND IN TRANSLATION : KUNST AM WORT

czz neues von freundenFür den Tag danach ist ein weiteres gesamtkünstlerisches Fest anzuzeigen : Eröffnung der Ausstellung des Südtiroler Künstlers Peter Chiusole ( Zyklus “Abdal . Der Narr” ) , Präsentation der neu von Alma Vallazza ( edition per procura ) edierten “Edition büroabrasch” mit Lesungen von Lisa Spalt sowie von Übersetzungen der dank “büroabrasch” ins Deutsche überführten Texte von Maria Tacu ( Rumänien ) , Tamás Jónás ( Ungarn ) und Marta Podgornik ( Polen ) . Zu suchen und finden am 19. 4. im Sub ( 1020 , Fruchtgasse 3 - Eingang Ecke Untere Donaustrasse , ab 16:00 Uhr , Mehrwissen @ GAV ) .

Dass bildende Kunst , Musik und Literatur in der Galerie von Silvia Grossmann die schönsten Konkubinate eingehen , ist stadtbekannt . Umso trefflicher , dass ein ausgesprochen visuell orientierter Dichter wie Michael Donhauser innerhalb des derzeit von Karen Holländer und René Fehr-Biscioni bespielten sympathischen Kunstraums liest . Montag , 21. 4. , Galerie atrium ed arte ( 1070 , Lerchenfelderstrasse 31 , 19:00 Uhr ) . |||

KLANGAPPARAT

Quasi als Einstimmung auf den am 26. 4. im Rahmen des Donaufestivals in Krems gastierenden Soundvirtuosen und ambitionierten Field Recorder czz hörempfehlungAmon Tobin ( dessen grandiose CD “Foley Room” hier schon auftrat ) , gibt es bei unseren Chicagoer Freunden @ CDM nun ein ein exklusives Mix des Meisters : “deru_yuri2008″ strömt knappe 46 Minuten in sachter Noblesse , als gälte es , auch dem alten Ambient noch einmal auf den Puls zu fühlen . Wer’s ein wenig dezidierter mag , halte sich an die köstliche Genreparodie “Back from Space” , die mit ihren 4:52 Minuten eine nette Pointe setzt in einen aufgehenden Tage wie diesen . CLICK LINKS TO LISTEN : deru_yuri2008 | Back from Space |||

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Hausmeisteralarm | Flag Alert : Blockwart , Blogwart , Big Brother Awards und Österreichs Neo- Metternich



||| Wer uns in|ad|ae|qu|at nennt und kennt , weiss um unseren Tic des Flag- Watch an den Gestaden der Wiener Gemeindebauten . Ein Freund - seines Zeichens namhafter Stadthistoriker - machte uns vor weniger Jahren auf den Umstand aufmerksam , dass etliche Wiener Hausmeister zu äussert “ökonomischen” Interpretationen der Flaggen- Hiss- Pflicht an National- und Staatsfeiertagen neigen . Wir haben - wie erinnerlich - eine Grossleistung der Präcox- und Long- Tail- Beflaggung um den 1. Mai feststellen können : Statt lediglich am TAG DER ARBEIT in patriotischen Lüftelein zu spielen , schlappte der immer morastiger anmutende Fetzen volle zwölf Tage vor der Fassade .

TYPUS HAUSMESTER

fein-hoert-mitRichtig , auch Wiener Hausmeister dürfen das Menschenrecht auf “Freizeit” für sich verbuchen . Wiewohl - man denke an Heimito von Doderers glühenden Hass auf die , wie er nannte “troglodytischen Knollengewächse” . In weniger barock- lustvoller Sprachkraftmeierei hat Elias Canetti den in der BLENDUNG den Hausmeister Benedikt Pfaff mit allen Attributen eines Sadisten versehen : Frau und Tochter werden als Leibeigene gehalten und als solche Eigen- Leiber auch nach Kräften benutzt . Pfaffs ehrgeizig- brutale Jagd auf Bettler und Hausierer kann - und DIES wäre eben das spezifisch Wienerische - sekundenschnell in das Gehabe opportunistischer Servilität umschlagen . Was den Concierge freilich nicht hindert , die eben noch umschmeichelte und bespeichelte Person im nächsten Moment bei Nachbarn , wenn nicht gar bei offiziellen Stellen zu denunzieren . In einem trefflichen Essay liefert der Stadthistoriker PETER PAYER die historischen Kontexte zu diesen und anderen Vertretern der Species HAUSMEISTER ( bis hin zum Blockwart ) . |||

AUS BLOCKWART WIRD BLOGWART

Womit wir - abgesehen vom Fahnen- und Flatter- Tage- Zählen - bereits beim Thema des BLOCKWART ( engl. BLOCKLEITER ) sind . Denn - und besteht durchaus Bedarf an Vorsicht beim eigenen Tun : Die Blog- Notiz gewisser Beobachtungen im ECHTLEBEN mag als Form aufmerksamen Bürgerjournalismus gelten . Wenn wir hier allerdings - aus einem Runnig Gag zwischen Freunden heraus - die Schlampigkeit gewisser Fahnen- Verantwortlicher mit Strasse und Hausnummer vermerken , kann man Solches auch ziemlich unlustig finden . Das WATCHBLOG wird unversehens zum Medium der Denunziation und übernimmt damit just die Rolle etlicher Wiener Hausmeister während des Nationalsozialismus : Das Blog wird zum Blockwart , beobachtet , ventiliert die Wahrnehmungen tendenziös und darf sich dann auch noch als Teil einer kritischen Zivilgesellschaft verstehen . |||

BLOGDENUNZIANTEN

fein-hoert-mitSolche Mechanismen haben nicht nur im ECHTLEBEN das “1000- jährige Reich” mit Gewinn überlebt , sondern haben auch in der Blogosphäre ihre Praktikanten gefunden . Manche Blog- Autoren ( und wir nennen jetzt hier NICHT die Namen üblichen Verdächtigen ) haben sich durchaus auf gewisse Kollegen , Firmen und Verhaltensmuster eingeschossen und nennen die Objekte ihrer Häme durchaus bei deren Nick- , Blog- und Klarnamen . So wird WATCHBLOG unversehens zum BLOGWART , und nicht immer sind da ( selbst- ) ironische Signale zu begutachten wie bei den Schweizerischen Blogdenunzianten ( “Wir denunzieren die Blogosphäre !” ) : Wer den Rummel um FRANK SCHIRRMACHERs Internet- Schelte ( “verrohen Sprache und Geist” - pikanterweise publiziert in der Blog- pejoratv versierten SZ ) auch nur aus dem Augenwinkel verfolgt hat , wird seine Freude haben an einem Blogdenunzianten namens “Frank Schrillmacher” . Dass der werte Kollege ausgerechnet unter dem Pseudonym “Franz Fuchs” publiziert , wird man aus österreichischen Perspektive mit Blick auf den weiland “Briefbomber” weniger erquicklich finden . |||

BIG BROTHER AWARDS

À propos ÖSTERREICH wurden am 25. Oktober anlässlich einer Gala im Rabenhof- Theater die austriakischen Versionen des “Oscars” für notorische Daten- Kraken vergeben . ( Wir berichteten über die Deutschen BBA . ) In die seit acht Jahren bestehende HALL OF SHAME erhalten mit 2007 neben internationalen folgende österreichische Kandidaten Einlass :

FEHLT DAS NICHT ETWAS ?

fein-hoert-mitWas verwundert , ist freilich die Übergehung jeder Erwähnung des Staates Österreich , der in Sachen ÜBERWACHUNG - für einmal - die deutschen Nachbarn rechts überholt hat . Hier ersparen wir uns die narrative Textsorte und erinnern an einige Headlines , welche - im Unterschied zur Meldungs- und Diskussionslage beim deutschen Nachbarn - im skandalverliebten Österreich bislang offenbar OHNE GRÖSSERE ERREGUNGEN HINgenommen werden . Der Zeit der METTERNICH’schen ZENSUR , des Spitzelunwesens und der Hinterbringerumbtriebe dürfte den Geist in diesem Land offenbar nachhaltig geprägt haben . Hier die telltale- Headlines und Links :

UND DIE FLAGGEN … ?

fein-hoert-mitZurück zu den Rot- Weiss- Roten Angebinden ist nun also möglich undenziatorisch zu berichten , dass der Concierge in der Westbahnstrasse die Haus- MEISTERSCHAFT einmal wieder für sich entscheiden konnte : Einen Tag VOR dem Nationalfeiertag ( Freitag , 26 . 10 . ) aufgezogen , wurde die Flagge nicht vor Dienstag eingeholt , macht also 5 ( FÜNF ) VOLLE TAGE Tage patriotischer Flatter . Die Kollegen von Schule und gegenüberliegendem Gemeindebau in der Neubaugasse hissten treffsicher am 26. 10. , gönnten sich aber durchaus noch die verdiente Sonntagsruhe ( = Stufe Drei auf der NACH OBEN OFFENEN WIENER BEFLAGGUNGS- SKALA ) , um das Staatstragende Gewebe kurz vor Schulbeginn am Montag zum Einmotten abzunehmen . Bis zum Ersten Mai , schätzen wir und werden uns auch dann wieder in|ad|ae|qu|aten Feldstudien widmen . |||

Musikalisch legen wir uns einmal wieder in kundigen Künstlerhände eines Langstrecken- Klangfarben- Malers : Und hast- du- nicht- gesehen , schiebt man uns bereits THE RED CHAIR ( Mixotic 107 ) unter die allerwertesten … sofort errötenden Ohren . DJ VERANO stammt zwar aus czz hörempfehlungMagdeburg , wo er im Schweisse seines Angesichts neben DJ- Jobs auch noch das Netlabel ARTEQCUE betreibt , doch heizt er den klammen Novembermenschen gleich mal recht auf Latino ein . Sagen wir mal : Lounge- Sounds , wie sie die After- Work- Clubber mögen . Da bleibt das Rot proper auf den Lippen und man kann mit den Spitzen seiner Slippers apart wippen . Allerdings sei auch dem Heimarbeiter der etwas sture Groove durchaus anempfohlen : Macht müde Steuererklärer munter , 64:17 Minuten lang . 4/4 HumHumTaTa . Try it , CLICK LINK TO LISTEN . |||

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