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Audiokultur - aktuelle Artikel



DIE SCHÖNE NEUE WELT DES HÖRENS : SO UNÜBERSEHBAR WIE UNÜBERSICHTLICH – AUDIOITERATUR AUF ALLEN KANÄLEN

Wo in den neunziger Jahren beim Rundfunk noch massiv Wortproduktionen abgebaut wurden , boomt heute eine neue Hörkultur . Zwischen Radiosendern und Audioverlagen ist Kooperation angesagt

NZZ , 12. 3. 2007 - Christiane Zintzen

RCA his masters voice original photoViel war während der vergangenen Jahre von der «Konjunktur» , ja gar von einer «Renaissance des Hörens» die Rede . Die Trend-Rhetorik inspirierte sich an den Wachstumsraten des Hörbuchmarktes , den Zugriffsziffern der Downloadportale und den Selbstdarstellungen der Radiosender . Der Existenzkampf der Anbieter in der Konkurrenz von Kanälen , Medien und Streams verursacht eine PR-Kakofonie , welche allerdings eher dazu beiträgt , den Endverbraucher , Kunden und User zu verunsichern und zu verwirren .

Dieser gute alte Hörer mag über das Spektakel heiteren Geistes hinwegsehen . Mit einer Backlist von 20 000 Titeln und 2000 jährlichen Novitäten mutet der Hörbuch- Berg womöglich unüberwindlich an , doch hat man ja auch mit einem Vielfachen an Buchneuerscheinungen zu leben gelernt . Zudem bremste die Wachstumsrate der «Warengruppe Hörbuch» im Jahr 2007 mit nur 2,6 Prozent erstmals deutlich aus bisher zweistelligen Höhen ( 2006 : 17,4 Prozent , 2005 : 14,1 Prozent ) auf einen kargen Wert ab . Ob dies der Branche , die allzu rasch expandiert hat , Ansporn sein könnte , sich auf Basisqualitäten in der – oft klanglich wie editorisch mangelhaften – Produktion zu besinnen , ist fraglich .

MAGAZINE , LISTEN , PORTALE , PREISE

RCA his masters voice labelBekannt ist , dass es starken Nachholbedarf in der Ausbildung von Buchhändlern gibt . Spezialseminare und Fachtreffen bringen Endverkäufern die neue Materie näher , wobei nicht selten grosse Anbieter als Sponsoren auftreten . Die Leipziger Buchmesse offeriert einen «Crashkurs : Hörbücher besser verkaufen» , der Arbeitskreis Hörbuchverlage organisiert «Hörbuch backstage : Wie ein qualitativ hochwertiges Hörbuch entsteht» . Was überhaupt unter «Qualität von Hörbüchern» zu verstehen wäre , will das seit Mai 2007 sechs Mal pro Jahr in hochglänzender Aufmachung erscheinende Zielgruppenmagazin «HörBücher » erörtern .

Das betont «unabhängige» Magazin bietet nur eine Option zur Orientierung im Dickicht der Novitäten . Webportale wie «Die Hörothek» schaffen breiten Überblick . Preise und Auszeichnungen lenken die Aufmerksamkeit auf herausragende Titel . Publikumspreise des Buchhandels ( «Hörkules» , «Hörkulino» ) formulieren Verbrauchervoten zusätzlich zu den Daten der Bestsellerlisten . Eher den traditionellen Qualitätsstandards öffentlichrechtlicher Wortproduktion entsprechen die Empfehlungen der monatlichen HR-2-Bestenliste . Deren Fachjuroren küren zusätzlich ein «Hörbuch des Jahres» . Diesmal wurde für eine exzellent komplexe Produktion optiert : Karl Bruckmaiers vielschichtige Lese-Inszenierung von Peter Weiss’ «Ästhetik des Widerstandes» errang darüber hinaus und wenig später den “Deutschen Hörbuchpreis” ( BR / DHV ) .

RADIO UND HÖRBUCH

RCA his masters voice original photoPopulismus ist solchen Entscheiden nicht anzukreiden . Vielmehr verweisen sie auf die traditionell hohe Kultur von «Wort-» und Hörspielproduktionen der öffentlichrechtlichen Anstalten . Das Verhältnis zwischen Hörbuchverlagen und Sendern ist – nach anfänglicher Verunsicherung – mittlerweile in den Hafen produktiver Wechselseitigkeit eingelaufen . Als die Hörbuchverlage Mitte der neunziger Jahre von der knarzenden Kassette auf die praktikable CD umstiegen und der Audiomarkt schnell an Terrain gewann , war in den Funkhäusern gerade Sparzwang angesagt . Formatradio und private Konkurrenz schienen die Reduktion des gesprochenen Wortes nahezulegen .

Da kam die Hausse des Hörbuchs gerade recht , um augenfällig den Wunsch eines ( sogar zahlenden ! ) Publikums nach akustischer Sprachware aufzuzeigen . Häuser wie der 1993 in Kooperation mit prominenten belletristischen Qualitätsverlagen ( Suhrkamp , Hanser , Rowohlt ) gegründete Hörverlag ( DHV ) boten sich den Radiostationen zur Aufbereitung von Archivalien und zum Vertrieb von Wortproduktionen auf CDs an . Inzwischen spielen die CD- Verlage nicht nur eine wichtige Rolle bei der Wieder- und Weiterverwertung hochwertiger Lesungen und Hörspiele , sondern ermöglichen durch Kooperationsmodelle sogar Radiowerke , welche die Sender im Alleingang weder finanziell noch ästhetisch gewagt hätten .

BRANDING UND MERCHANDISING

RCA his masters voice labelDie in die Dürregebiete von Randsendezeiten und «low budget» gescheuchte Hörfunksparte «Wort» fand zu neuem Selbstbewusstsein . Die Sender-Logos von BR, HR , WDR , SWR , Deutschlandradio Kultur , NDR und DRS haben sich als Markenzeichen für Qualität etabliert . Akustische Sonderreihen von Zeitschriften wie «Der Spiegel» ( Audio-Verlag ) verleihen den betreffenden CD-Editionen ein gewisses Image , garantieren Marketing und sind als Multimedia- Erweiterungen des Print- Geschäftes willkommen . In legendären Sphären schwebt der Erfolg der Hörbuchreihen des reichweitenstärksten Frauenmagazins : Von den insgesamt 24 Titeln der zwei «Brigitte»-Staffeln «Starke Stimmen» ( Random House Audio ) wurden pro Titel durchschnittlich 100 000 Stück verkauft . «Petra» zog im Frühjahr 2007 mit von «Scharfen Stimmen» gelesenen Erotika nach ( Hoffmann und Campe ) , «Geo» und «Geolino » kooperieren seit 2007 in je zwölfteiligen Reihen ( «Abenteuerliteratur» ) mit Random House Audio . Freilich entsprechen längst nicht alle dieser Cross- Marketing- Produkte dem guten Ruf , den sie eigentlich befördern sollten .

MARKTMACHT , REAL

Solche Schnelldreher suchen und finden ihren profitablen Markt jenseits der Empfehlungslisten und der Kritik . Gleiches gilt für das Gros der auditiven Krimi- , Ratgeber- und Konsumliteratur aus Häusern wie Lübbe- Audio oder Radioropa . Auch die 6000 deutschsprachigen Hörbücher des Marktführers unter den digitalen Portalen , Audible.de , illustrieren das Auseinanderklaffen von realem Markt und dem schmalen Segment der in der publizistischen Öffentlichkeit präsenten Titel . Ganz zu schweigen von der Gratisware , die im Netz abzurufen ist . Enthusiasten wie die Macher von Vorleser.net oder Mindcrushers.de haben es auf diese «freie» Weise auch zu professionellen Aufträgen gebracht . Gleichzeitig stellen auch Verlage wie Argon und Random House Audio Gratisdownloads als «Teaser» ins Netz : Wer sich auf diesem Wege erstmals durch das Genre «Hörbuch» fesseln lässt , könnte dereinst bereit sein , auch gutes Geld dafür auszugeben .

RADIOVIELFALT

RCA his masters voice original photoDem Zug der Zeit in Richtung Netz und zur nutzerdefinierten Auswahl von Inhalten mögen sich auch die öffentlichrechtlichen Sender nicht verschliessen . Abonnierbare Podcasts stellen bevorzugte Sendungen ausserhalb der Sendezeiten zur Disposition . Hörspiele können – freilich bei reduzierter Klangqualität – noch eine gewisse Zeit nach der Sendung im Netz abgehört werden , wobei auch Live- Streams von ARD- Hörspielen möglich sind . Dabei helfen die ausgezeichneten Programmlisten bei Blütenleser.de . Auch die unentbehrliche Datenbank «Hördat» lässt sich nach Wochenprogrammen abfragen : Sie listet für die Woche vom 10. bis 16. 3. nicht weniger als 53 Hörspiele bei ARD , DRS und ORF .

Eine schöne neue Welt des Hörens also ? – Für den Konsumenten , User , Hörer stimmt dies gewiss . Dabei gerät leicht aus dem Blick , dass all die , welche als Autoren , Sprecher und Regisseure am Zustandekommen dieser Vielfalt mitwirken , oft unter finanziell und rechtlich prekären Umständen werken . So mag man es als Signal nehmen , dass sich freie Radioregisseure vorigen Dezember in einem Verband ( VdHR ) versammelt haben , um ihre «Interessen in künstlerischer , perspektivischer und wirtschaftlicher Hinsicht» zu wahren . Mit Walter Adler und Leonhard Koppelmann als Initiatoren sind keineswegs ewig Zukurzgekommene am skeptischen Wort , sondern zwei prominente Hörspielregisseure . |||

KLANGAPPARAT

Eine echt elegante EP trägt Lady Annèke Laurent ( MySpace ) über die Labelnennung auflegware in den hörmöglichen Frühling : Tief schwingend , czz hörempfehlungwürden wir mal sagen , mit minimaler Phrasierung im Kontrast zu fast schon funky gesetzten Akzenten . Auch Blues- Reminszenzen steh’n der Berlinerin nur all zu gut . Die feinen Seiden von e- Piano- Klängen federn , ja : und auch die dezente Latino- Posaune wird uns jetzt in|ad|ae|qu|at nicht dazu bringen , Alles über “The Hip Back” auszuplaudern . - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Touken ( 05:16 ) | 02. My Jacket ( coffemamas ) ( 6:12 ) | 03. The Hip back ( 4:00 ) |||

SIEHE AUCH

Der Rhythmus des Widerstandes . Mehr Sprachoper als Hörspiel - Peter Weiss’ opus magnum in gelungener CD- Edition ( NZZ , 1. 6. 2007 ) |||

REZENTE REZENSIONEN

Roth , Doderer : Kakaknien - elegisch bis szenisch ( NZZ , 7. 3. 2008 )
Günter Eichs “Träume”: Böse Hörbilder ( NZZ , 7. 3. 2008 )
Werner Bräunigs “Rummelplatz” - Nach 40 Jahren ( NZZ , 7. 3. 2008 ) |||

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WALL OF SOUND | Mikro- und Makro- Not ( es )



||| WALL OF SOUND VS . VERWERTUNGS- KÄSTCHEN | WIR NENNEN ES … | … ECHTLEBEN IM OFFIZ | HÖRBUCH - BOOM UND UNWORT | HÖRBUCH - DES JAHRES | HÖRBUCH - ECHTWELTTEXTE | HÖRBUCH : BEST PRACTICE , ARISTPP | MIKRO RADIO | L. A. CONT’D : FAIRBANKS’ STIMMUNGSBILD | KLANGAPPARAT

WALL OF SOUND VS . VERWERTUNGS- KÄSTCHEN

terrestriche_diffusion_copyright_inadaequatInterne Audio- Immission ist heute angesagt : Quasi als WALL OF SOUND gegen die anbrandende All- Werk- Tätigkeit , welche freilich unter Umständen des schön geistigen Frei- Berufes niemals stille steht .

Steuer , Abrechnungen , Artikel- und Sendungsmeldungen bei den “Verwertungsgesellschaften” Literarmechana ( Ö ) , ProLitteris ( CH ) und AVG Wort ( D ) : Speziell Letztere - Abt. Wissenschaft just in der Münchner Goethestrasse - zeichnet sich im fortgeschrittenen Netzzeitalter durch vorsintflutlich per Kugelschreiber [ NORMKÄSTCHEN ] und Durchschlag mühselig mit allen ISBN- Nümmerchen , Normseiten , Unter- und Unterunteriteln auszufüllende Formulare aus . Entspräche dieser formellen und medialen “Pflege der Tradition” auch die Content- Evaluierung , wär’s ja in Ordnung : Wie es über die vergangenen Jahre hinweg allerdings aussieht , geht man auf Seiten der Sachbearbeiter zusehends kritischer zu Werk und wirft uns die einzeln eingesandten Formulare mit dem Hinweis auf Fehlendes , besonders indes aber mit Argument der fachlichen Unzuständigkeit ( “Publikumszeitschrift” ) zurück .

WIR NENNEN ES …

terrestriche_diffusion_copyright_inadaequatJa , wir nennen es tatsächlich Arbeit , von den Fischen als Fleisch und vom Fleischer als “fishy” angesehen zu werden . Der Academe zu fötonistisch , dem Publikumsblatt zu relativsätzlich , der Literatur zu afterphilologisch . Tja und die Dame , die weiss , wo und wie und bei welcher VER- Wertungsgesellschaft ein Online- Video bzw. eine A / V- DVD ( Funktion : Autor ? Darsteller ? Animist ? ) anzumelden sei , sei ( sagt das Telefon ) leider auf unbestimmte Zeit abwesend . Trotzdem gelte als Meldungsschluss Ende Jänner , auf dass der Gegenwert eines Quartals der Selbständigen- Sozialversicherung abzudecken wäre mittels der per Juni fälligen trinationalen Tantiemen …

… ECHTLEBEN IM OFFIZ

terrestriche_diffusion_copyright_inadaequatWALL OF SOUND auch gegen den heulenden Wind in der Vie de Bohème zwischen typisch undichten Wiener Altbaufenstern . Tückische Töne aus Richtung der Bitches’ Kitchen , wo das Heart of Darkness der Gasetagenheizung pocht . Wir wissen , dass sie gerne an Feiertagen krankt ( zweimal schon Notdienst zu Weihnachten sowie einmal an frostigen Ostern ) , gleichwohl liegt uns ihr derzeitiges Rumoren besonders bedrohlich in den Ohren . Brüllendes Anflammen von längst und über Gebühr ausgeströmtem Gas ( remember : die Sounds der alten Backöfen ? ) , taktloses Tropfen von Wasser aus Thermengedärmen . Ungut , ugly , ungesund .

HÖRBUCH - BOOM UND UNWORT

terrestriche_diffusion_copyright_inadaequatWALL OF SOUND schliesslich als elementare Quelle von Verdrängunsenergie von Gedanken und Sache der längst fälligen Durcharbeitung von vier Dutzend Verlagskatalogen : “Hörbücher” , “Hörbücher” - “Sagten Sie etwas von Hörbüchern und deren Konjunktur ?”

Bei aller Sach- und Fachfreude sähen wir diese missverständlichste aller Warengruppen doch lieber differenzierter benannt : Warum “Hörspiele” nicht “Hörspiele” nennen , “Lesungen” nicht “Lesungen” etc . Früher hiess es mal “Sprechplatte” , genau wie das kleine rosa Ding , das man der sog. “Sprechpuppe” in den Rücken operierte . Jetzt bugsiert man alles , was irgendwie mit Sprache , Feature , Stimmdokumentation oder “akustischer Textinstallation” ( = Terminus zur Meldung des Genres LITERATUR ALS RADIOKUNST bei der Verwertungsgesellschaft ) zu tun hat , in das Unwort “Hörbuch” hinein und muss dessen sekundärmedialen ( =”Nebenbei”- ) Charakter à la “Jetzt hört sich Bügeln richtig gut an” per pushiger Imagepflege , Auspreisungen oder hörBÜCHER- Sonderpostillen übertünchen . ( Bezeichnend die grossformatige Frauen- Brustbilder auf den Titeln des seit einem Dreivierteljahr von bekennenden “Fans” hochglossy gemachten Magazins … Das Hörbuch- und Hörspiel- Blog dokumentiert trefflich das Kommen und Gehen von Manifestationen dieses Genres . )

HÖRBUCH - DES JAHRES

Trotzdem ist’s natürlich fein , dass die luzide BR / DHV- Produktion von Peter Weiss “Ästhetik des Widerstandes” zum “Hörbuchpreis 2008 - Regie” nominiert wurde ( Verein Deutscher Hörbuchpreis @ WDR ) , desgleichen Peter Kurzecks “Ein Sommer , der bleibt” als “Bestes Hörbuch des Jahres” ( hr2 , mehr : siehe unten ) . Ein Anlass , unsere jüngeren Prints in die Blog- “Echtwelttexte” einzuarbeiten , auf dass Sorge getragen sei für das - au moins - “symbolische Kapital” …

HÖRBUCH - ECHTWELTTEXTE

terrestriche_diffusion_copyright_inadaequat Mithin also ein humbler Hinweis auf das im Dezember und Januar erschienene Diptychon zu akustischen Fassungen der Bibel : Basale 105 Stunden [ hundertfünf ] @ Diogenes versus Wienerische bzw. juvenile Alternativen ( Teuschl & Volxbibel ) . Des Weiteren zwei maulfertig ausladende Günters ( Brus und Grass ) sowie der Lichtblick einer rein oratorisch erinnerten Nachkriegs- Flüchtlings- Kindheit : Peter Kurzeck an der Lahn als hessischer Huckleberry Finn ( supposé ) …. und wie dann die Autos kamen und die Stadtautobahnen und die Einkaufs- Center ( sic ) und mit ihnen die Kühltruhen aka Gefrierschränke und Vorabendserien und die Landschaft allmählich verschwand … Vorerst allerdings nur im Mini- Ausblick , eine geduldigere Begehung der Erzählstrecke steht noch an . [ Audio- Excerpt @ hr2 . ]

HÖRBUCH : BEST PRACTICE , ARISTPP

terrestriche_diffusion_copyright_inadaequatWALL OF SOUND : So weit Peter Kurzecks Proustiaden Your Mind’s Eye schweifen lassen , so erhellen winden sich in den andern Gehörgang Christoph Martin Wielands Briefe des Aristipp [ hier im Volltext @ Gutenberg.de ] . Lebens- wie denknah gesprochen und keine Sekunde lang “vorgetragen” von Jan Philipp Reemtsma : Was für ein Plädoyer für den Eros des ( nicht notwendig rein ) philosophischen Dialogs , erklecklich unterfüttert mit gespornten Lektionen zu Verfassung und Demokratie , zur Menschennatur und -Kultur , dignitas und Ironie . Erzähle , schöne Lais , Deine herrlichen Märlein von Amor und Psyche ; Freund Aristipp bringt inzwischen einen taufrischen Lektürebericht zum literarischen Toptitel der Saison : Platons POLITEIA … - Dies alles - dank dem Wieland’schen Erzählingenium und einer gelenkigen , die komplizierten Relativsätze ebenso wie das griechische Dekorum in der unmittelbaren Logik des Jetzt auflösenden Lektüre - ohne jedes Gran , jeden Gram von Rezitation oder Antiken- Mimikry . “Aristipp und einige seiner Zeitgenossen” mag Manchen als BildungsGUT oder schöne Literatur [ Belletristik ] erscheinen . In Tat und Wahrheit ist’s eine kühne Reflexion deutscher Zustände um 1800 sowie in Manchem ( Verfassung , Freiheit und Verantwortung des Individuums , Gender- und Beziehungspoltik ) auch anno 2008 äusserst praktikabel . [ Hörprobe via MP3 @ Hoffmann & Campe : Vier Minuten ex 30 Stunden ! ]

MIKRO RADIO

terrestriche_diffusion_copyright_inadaequatInzwischen ist die WALL OF SOUND weitestgehend eingestürzt : Firefox , jetzt seit 72 Stunden ununterbrochen offen , verschlingt 90 Prozent des Arbeitsspeichers und gestattet nicht mehr die kleinste Abspielung . Sei’s via Real Player , sei’s als MP3 : Das System ist sauer und streikt .

Gleichwohl sei noch der Radiowoche europäischer Independent Radios @ Mikro.FM eine herzlich empfehlende Erwähnung getan : Bis Mittwoch , 9. 1. sind via Berlinstream ( u. a. ) die sympathischen Stimmen von Matchbox- Radiomachern zu hören . Gestern etwa eine Stunde provencalisches “Bauernradio mit Global- Fokus” [ O- Ton Berlin- Moderator ] , leicht verschnupfte französische Ansage von reschem Cubanismo und ( erstaunlich Klezmer- mässigen ) argentinischen Tangos … Danke , Mikro.FM !

L. A. CONT’D : FAIRBANKS’ STIMMUNGSBILD

terrestriche_diffusion_copyright_inadaequatBei De:Bug gibt es einen Release- Hinweis auf hier bereits einmal , zweimal mit Animo vorgestellten Sound- and Speech- Features von Norman Fairbanks : American Case Study versammelt - jetzt @ test tube netlabel erschienen - ein aus Einzelprojekten wie “Unstructured Elements” und “Delusion Californica” gespeistes Digest .

Inzwischen ist zwischen zugigen Windows , wärmedämmenden Vierfarbdruck- Verlagsprospekten und System Errors die Nacht verflogen : Muss man sich Sorgen machen , wenn in der Handinnenfläche nache dem Ringfinger langsam eine Mouse - Schwiele wächst ? -

KLANGAPPARAT

Entsprechend minimal jetzt nunmehr die rasanten Elementar- Partikulare des Münchner Sound- Installateurs Juergen Winderl ( @ Mikrokiko ) : Sein Hammond- & Moog- Fingerzirkus YIPPIECOMPUTER! - SYNKOPETICISM ist eben on 12”- Vinyl und CD erschienen : Wer sich bis Mitte Januar an die Quellen begibt , kann sich die köstlichen Klangklötzchen downloaden : czz hörempfehlungEntsprechend dürften die im Folgenden als Teaser angeführten Links dann wohl nur mehr Stille bringen . ATTENTION : STREAM EXPIRES MID- JANUARY ! - Nutze also das Window of Opportunity und Höre quick hin : Selten kommen Electronica in derart aparter Trockenheit daher , hier fetzig infantil und dort frank funky ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. dovinim | 02. moogism | 03. flipperballofive | 04. exps | 05. dubonta1 |||

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kultur gespenster oderaufbrot



Dass aus der Hansa (plast) Stadt Hamburg nicht nur gespenstische Urteile ergehen , die Äusserungs- und Schreibfreiheit ( sit venia verbo ) gefährdend , erweist das Lit-. & Art- Mag. Kultur und Gespenster . Angesichts der Sammlung favorabler Anmerkungen magnifizienter Organemögen die gesammelten Guten Geister nichts weniger als das Fürsprech inadäquater Nebenstellen benötigen . Indes ::: Es Sei . Wo im musikalischen Parallel- Universum das Line- Up netter Festivals (siehe Sonar , Frequency , Lollapalooza ) bester Komment , da dürfte dies in litteris doch auch keinen Schaden darstellen .

Etwa den Finger auf eine editorische Interessenlage zu legen , welche sich - grob grob grob gesagt - mit den Konstruktionen von Realität befasst . Reportage , auctorial autobiographishe Kultur und Gespenster Cover 1 Schweibweisen , Implantantation von found footage ( Sprache , Bild , O- Ton) ins Artefakt . - - - Man betrachte nur die Wahl der mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichneten Arbeiten der vergangenen fünf Jahre ( > siehe Anhang ) , dann wird bereits an diesem willkürlich herausgegriffenen Punkt die Relevanz von ( angewandter ) Reflexion zu Fact / Fiction / Faction offenbar .

In legerer Anlehnung an Anlass- und Jahrestage ( Hubert Fichte , Peter Weiss ) nimmt die Verhäkelung jedes der Hamburger Hefte lässig auch lokale Fäden auf ( again : Hubert Fichte , J. Ph. Reemtsma und ergo Arno Schmidt ) , lässt sich bei alledem von grundlegenden Denkfädem in keiner Weise abbringen , wie etwa dem Generalbass des Nachdenkens über das Interview .

Bevor inadäquat dem p. t. Bildschirm- Betrachter im Appendix ein gnadenloses Line- Up charakteristischer Inhalte der bestehenden Kultur und Gespenster Cover 3 Hefte zumutet - positiv formuliert ist das nichts Anderes als ein Teaser - , sei noch auf ein graphisch- lettristisch- lapidares Gesltaltungs- Element hingewiesen , welches die SPRUCH- PUNKT- Agenda der späten 80er bzw. frühen 90er auf mehr oder weniger hintersinnige Weise zitiert . Das Silbenspiel der je nach Heft divers assortierten Rubriken ergibt an und für sich bereits eine Art Konkreter Poesie , wie sie , pardon , sich eben wieder chicestens schickt . Leset , und ihr werdet verstehen , what I mean :

DER SICH ENTFREMDETE GEIST / DIE BILDUNG
DIE VERSTELLUNG
DIE LUST UND DIE NOTWENDIGKEIT
DIE SINNLICHE GEWISSHEIT UND DER BETRUG ODER DIE SACHE SELBST
DAS GESETZ DES HERZENS UND DER WAHNSINN DES EIGENDÜNKELS
DAS GEWISSEN, DIE SCHÖNE SEELE, DAS BÖSE UND SEINE VERZEIHUNG
DIE TUGEND UND DER WELTLAUF

En tout court ::: DAS GEISTIGE TIERREICH UND DER BETRUG ODER DIE SACHE SELBST . Dem lässt sich wenig hinzufügen . Ausser vielleicht , dass bei aller intellektuellen Integration von High- and Low- Culture das musikalische Element ein wenig im Argen liegt . - - -

Als Side- Order nehme man deshalb das ‘Zine ODERAUFBROT zur Brust , welches die Welt als Wille und Vorstellung elektronischer oderausfbrot cover 07 Soundarbeiter präsentiert . Wie sich etwa der Leib bei tagelangem Studio- Abtauchen konkret erhält ( Thüringer Würste ) , bzw. was dem endgültigen Fade- out des over- engineered Geistes heiter entgegen wirkt . - - - Wie man sieht , braucht es kein VanVair , Cicero oder ParkAv , um Zeit und -Geist intelligent zu verschriften . -

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Bombenkrieg, forwarded



Nachdem Jörg Friedrichs effektvoll “expressionistisch kaskadierende” (Die Zeit) Erinnerungscollage Der Brand . Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945 nun auch in englischer Sprache vorgelegt wurde, ist die Debatte um dieses “Wir waren doch Opfer” sentimentale und auf voyeuristisches Gruseln abzielende Buch noch einmal hochgekocht . Da brennt wohl noch die - unhaltbare - Sebald-These als Stachel im kollektiven Fleische, darüber hinaus setzt David Irving seine – offensichtlich durch Gerichtsurteile wenig irritierten - revisionistischen Diatribe fort . Antidot und sauberes Handwerk bleibt selbstredend Walter Kempowskis - aus Zeugnissen zum Dresdener Feuersturm komponierter - Roter Hahn. - - -

luftschutz ist selbstschutzIm 3. Teil der “Ästhetik des Widerstands” kommt auch Peter Weiss auf die drastischen Bilder zu sprechen, welche Charlotte Bischoff bei ihrer undercover-Rückkehr in deutschen Städten vorfindet .

Die glosenden Ruinen, in Reihen aufgelegte Leichen – man denkt sofort an Hubert Fichtes Bericht aus Hamburg, inklusive seinen ausführlichen Referaten aus Siegfried Gräffs Ausschlachtung des in Hamburg vorgefundenen Leichenmaterials , Tod im Luftangriff. Ergebnisse pathologisch-anatomischer Untersuchungen anlässlich der Angriffe auf Hamburg in den Jahren 1943-45, mit dreissig Abbildungen und elf Tafeln” (1948, 1955) : : :

QUOTE :::Die Autopsie der Schrumpfleiche. Zur Verarbeitung lagen somit Hitzeschrumpfleichen mit den Begleiterscheinungen mehr oder weniger fortgeschrittener Fäulnis vor. Bei diesen Schrumpfleichen konnte von einer Sektion mit Messer und Schere keine Rede sein. Als erstes waren die Kleider zu entfernen, was bei der aussergewöhnlichen Starre der Körper in der Regel nur durch Zerschneiden und Zerfetzen unter Beschädigung einzelner Körperteile zu bewerkstelligen war. Köpfe und Extremitäten konnten je nach Trockenheit der Gelenkverbindungen vielfach mühelos abgebrochen werden …. UNQUOTE [ zit. nach Hubert Fichte : Detlevs Irritationen, Grünspan, 35ff ]

Stichwörter “Luftschutzbunker” / “Bomben- Ruinen” >>> Erich Kästners Entsetzen (anlässlich seiner Artikel über den Nürnberger Prozess), wie das vorgebliche Kulturvolk der Deutschen in den Status einer versprengten Herde von Troglodyten zurückgefallen ist .

Ein grosses Bild bei Weiss - - - und diese Findung nähert sich durchaus dem in Picassos “Guernica” komprimierten Aufschrei der Kreatur - - - ist das Emblem der im Feuersturm entflammten Bäume Unter den Linden:

QUOTE ::: (….) eine Hitzewoge rauschte herbei und entzündete sich an den Linden, rasend schnell lief der Brand den Mittelweg der breiten Allee entlang, die Bäume reckten sich auf, in Sekundenschnelle war an diesem neunundzwanzigsten August der Herbst gekommen, die Äste schüttelten das rotglühende Laub von sich, die Stämme drehten und wandten sich, als wollten sie sich mitsamt den Wurzeln hinausschrauben aus der verhassten Erde . (…) wie sollte es jetzt Geduld geben, da die Bäume um Hilfe schrieen und versuchten, sich aus ihrer Gefangenschaft in den Himmel zu erheben . UNQUOTE [ III, 172]

>>> “da die Bäume um Hilfe schrieen” lässt an Rilkes “Wer, wenn ich schriee … “ denken und an Georg Friedrich Haas’ gleichnamige, exquisite Komposition .

Die aktuelle Ausgabe des LETTRE International ( No. 76 ) bezieht sich gleich mehrfach auf das Inferno . - - - Im Paradigma der “Stadt” und ihrer Transformation zur “Stalinmaschine” beschreibt Karl Schlögel die rapide Transformation der Metropole Moskau im Zuge der Säuberungen und Schauprozesse 1936 [ein – siehe unten – Chronotop, welches ja auch bei Peter Weiss eine eminente Rolle spielt :] :

QUOTE :::Diese Zahlen [ der Opfer, zwischen 90 und 200.000 ] sagen zunächst, dass Moskau 1937 nicht einfach eine gewöhnliche Stadtgeschichte in einem bestimmten Jahr sein kann. Moskau 1937 ist keine gewöhnliche Stadt in einem gewöhnlichen Jahrhundert, sondern ein Schauplatz im Jahrhundert der Extreme (Eric Hobsbawm). In der unerhört dichten Sequenz von Ereignissen zwischen August 1936 und März 1938, zwischen dem ersten und dem dritten Moskauer Schauprozess, geht das alte Moskau unter und tritt das neue hervor. Moskau 1937 ist mehr als eine dramatische Zuspitzung in einem bestimmten Jahr. Es ist zu einer Chiffre totalitärer Gewalt und totaler Macht geworden. Moskau 1937 ist, um mit dem großen russischen Gelehrten und Denker Michail Bachtin - auch er ein Insasse der Stalin’schen Lager - zu sprechen: ein Chronotop, die Einheit von Ort und Zeit, ein Moment, in dem eine geschichtliche Konstellation zu einem Bild, zu einem Symbol, zu einem Begriff gerinnt. UNQUOTE . © Karl Schlögel / Lettre International 76

Sven Lindqvists Text “Der Bombentraum” behandelt die Thesen für und gegen die Rechtfertigung der britischen Luftkriegsstrategie, wendet sich insbesondere aber gegen die Robert Neillands Rechtfertigung der Harris’schen Angriffstaktik : : :

QUOTE :::Neillands erklärt, die Bombardierung der Zivilbevölkerung sei militärisch wirkungsvoll oder zumindest notwendig gewesen und somit moralisch und juristisch zu verteidigen . Als Harris im September 1944 seine Bomber zurückerhielt, stellte man ihm eine Aufgabe: die Bombardierung der deutschen Ölindustrie. 1942 und 1943 war dies schwierig und gefährlich gewesen. Jetzt waren die deutschen Jagdflieger so geschwächt, dass auch Ölziele ohne größere Verluste präzise bombardiert werden konnten. Harris aber vernachlässigte seine Befehle und jagte weiter hinter dem Bombertraum her. Am 3. Februar 1945 tötete er in einer einzigen Nacht 25.000 Berliner, zum größten Teil Zivilisten. Jede Nacht hoffte er, die Deutschen hätten genug .

Was aber heißt genug ? Heute ist es leicht, den Fehler in dieser Argumentation zu erkennen: Die Repression in Nazideutschland hatte ein Maß erreicht, das Aktionen gegen Hitler und sein Regime (die eine Kapitulation strikt ablehnten) unmöglich machte . Die Deutschen hatten nicht die Möglichkeit, Hitler abzuwählen .

Nicht nur heute lässt sich dies leicht erkennen. Jedes Kind wusste, dass die Deutschen kein Wahlrecht mehr hatten. Alle wussten, dass Deutschland eine Diktatur war, in der die geringste oppositionelle Äußerung mit Gewalt niedergeschlagen wurde. Auch Harris. Warum setzte er dann auf den Bombertraum, der ein ganz anderes Deutschland voraussetzte, als jenes, das er bombardierte? Und wie kann Neillands heute noch glauben, dass Harris, womöglich recht hatte?

Neillands fragt, ob die Bombenangriffe auf deutsche Städte in dieser Situation nicht Zeitverschwendung gewesen seien.Doch muss die Frage lauten, ob es sich nicht um eine Vergeudung von Menschenleben handelte. Genauer: eine Vergeudung von Kindern. Diese Vergeudung begann nicht in dieser Situation, im Februar 1945, sie fand während des gesamten Bombenkrieges statt.Der Nachweis, das die Bombardierung der Zivilbevölkerung militärisch effektiv war, misslingt Neillands. Sie verursachte furchtbare Zerstörungen und riesiges Leid, erreichte aber nie die angestrebten Ziele. Dies wurde zunehmend deutlich, je länger der Bombenkrieg sich fortsetzte. UNQUOTE .© Sven Lindqvist / Lettre International 76

luftschutz
Die Wortwahl “Vergeudung von Kindern” wäre - inadäquat bescheiden bemerkt – ihrerseits . . . “ein Thema” - - - Dass nicht alles Fleisch vergeudet wurde, erweist Hubert Fichtes an Arthur Harris adressiertesVaterunser - - - noch im apokalyptischen Waste Land bricht sich das Begehren Bahn : : :

 

QUOTE::: Arthur Harris, der du bist im Himmel, die schwule Stadt mit Phosphorstabbrandbomden einäschern, komm mit mir, Azze, wir suchen uns in Neu-Sodom zwei Gomorrhöer (….), Arthur Harris, denn dein ist das Reich, und auf dem Hannöverschen Bahnhof umhalste der Geliebte den Geliebten im Landserrock. UNQUOTE [ Detlevs Irritationen, Grünspan , 36ff ]