Tag Archive for 'photography'

NEUES VON FREUNDEN



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MONAT DER FOTOGRAFIE : TELLTALE TAUTOLOGY

WESTWAERTS_copyright_Silvia_Maria_Grossmann

westwärts ( 2006 ) © Silvia Maria Grossmann
s/w – Fotografie auf Baryt - Bild 32,5 x 48,5 cm - Auflage 7 + 1 EA

ZWEI_WIRKLICHKEITEN_copyright_Silvia_Maria_Grossmann

Zwei Wirklichkeiten ( 2006 ) © Silvia Maria Grossmann
s/w – Fotografie auf Baryt - Bild 32,5 x 48,5 cm - Auflage 7 + 1 EA

Zwangsläufig ladet man in der Tautologie : Sei’s , man sagt , der “Monat der Fotografie” werfe seine Schlagschatten über das Stadtleben Wiens , sei’s man neigt der Formulierung zu , die täglich neu eröffneten Schauen und Ausstellungen lieferten dem Echtleben Lichtbilder aus dem Reich des Projizierten und Imaginären .

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MONAT DER FOTOGRAFIE : PRIVATSACHEN

czz-neuesvonfreundenIm Hinblick auf das “Realismusproblem” wäre angesichts der gestern eröffneten , vorgestern im “Salon Littéraire” vorgestellten “privatsachenLiesl Ujvarys einiges zu debattieren gewesen : Ujvarys extrem selektive Details aus real existierenden künstlerischen Arbeitsumgebungen haben ebenso viel mit teilnehmender Beobachtung zu tun wie mit dem “Image” der privatsachlich vorgestellten Kunstschaffenden und deren Stilisierung .

Die synoptische Schau der in ihrer “Blickhaftigkeit” ( “die Kamera schaut auf etwas” vs. “es ist” ) akzentuierten Bilder impliziert eine diskrete Reflexion darüber , was man in den wiederkehrenden marxistischen Termini ruhig die “materiellen und situativen Produktionsbedingungen” von Sound- Art und | oder Literatur nennen könnte .

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MONAT DER FOTOGRAFIE : TRACES - ERINNERUNGEN IN FOTOGRAFIEN

Der Titel der heute abend im Künstlerhaus eröffneten Sammelschau “traces - Erinnerungen in Fotografien” spricht die unweigerliche Tatsache , dass die Camera Obscura seit je Spuren und damit ‘Erinnerung’ aufzeichnet . Die ans Tautologische grenzende Formulierung des Titels ist freilich dazu angetan , den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern grösstmögliche Freiheit in der Werkwahl zu gewähren .

Die Gruppenausstellung traces – Erinnerung in Fotografien widmet sich der Fotografie als Anknüpfungspunkt persönlicher Erinnerung. Unsere Verwendung des fotografischen Mediums für die Tradierung und Vermittlung von Erfahrungen wirft grundlegende Fragen zum Wesen der Fotografie und ihrer Verortung zwischen Erinnerung und Gedächtnis auf. Die Ausstellung kann für diese Fragen ensibilisieren, gerade weil sich die Künstlerinnen und Künstler in der Auseinandersetzung mit dem Erinnern und der Erinnerung in Fotografien ihrerseits im Medium der Fotografie artikulieren.

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TRACES : SILVIA M. GROSSMANN

czz-neuesvonfreundenUnter diesen - vom Almblitz- Kollektiv über Linda Christanell , das Kommunikations- Kunst- Phänomen eSeL bis hin zu Willy Puchner und Kurt Straznicky - möchten wir in|ad|ae|qu|at besonders die Arbeiten Silvia M. Grossmanns hervorheben .

Von der in Wien lebenden Schweizerin , Künstlerin und Galeristin stammen auch die beiden Titelbilder on top of this page . Dass sie gleichzeitig in der eigenen Galerie “Atrium ed ArteChristof Aigners fotografische Reflexionen zu | von “Wasserformen und Pflanzenwelten” zeigt , zeugt vom pragmatischen Multitasking der nimmermüden Generalistin ( 12. 11. bis 20. 12. 2008 ) .

Die von Frachtschifffahrten und einem längeren China- Aufenthalt mitgebrachten Erinnerungen entraten allem subjektiv- Impressionistischen und schaffen einen Mehrwert , welcher die Spuren des Faktischen um eine eigenständige ästhetische Dimension erweitert .

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K / HAUS PERSONALEN : LESSUNG , SATTMANN ALS HORS D’OEUVRE

Zeitgleich eröffnen am selben Ort zwei Peronalen legendärer Fotografen- Persönlichkeiten : Über Erich Lessing und Didi Sattmann brauchen wir an dieser Stelle und unserem sicher besser informierten Leser kaum etwas zu erzählen .

Sämtliche Schauen des Künstlerhauses zum “Europäischen Monat der Fotografie” sind ab heute abend zu betaunen :

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MONAT DER FOTOGRAFIE : ELFRIEDE MEJCHAR - RÄNDER WIENS

czz-neuesvonfreundenWer nicht nachsieht , hat das Nachsehen : Wer sich die in Spuckweite vom Künstlerhaus eingerichtete Ausstellung “Fotografien von den Rändern Wiens” ( Timm Starl , pdf ) der Grossen Alten Dame vorausschauender blickender österreichischer | Wiener Fotografie , Elfriede Mejchar ,
etngehen lässt , verpasst ein historisches Ereignis der Dokumentation einer StadtLandschaft im Wandel :

Die Ausstellung konzentriert sich auf die Stadtfotografin Elfriede Mejchar, mit wichtigen Zyklen von den 1960er-Jahren bis heute. Mejchar (geb. 1924) war Fotografin des Bundesdenkmalamtes, als sie begann, die Simmeringer Heide, das Erdberger Mais oder den Wienerberg zu erkunden – Gegenden, geprägt von Brachen, Gärtnereien, Schlachthäusern, historischen Industriebauten und einfachen Arbeiterwohnhäusern.

Hunderte von Aufnahmen entstanden in dieser Randzone zwischen Stadt und Land, deren unmittelbar bevorstehender Wandel in Autostraßen, Industriezonen, Bürokomplexe und Forschungslabors sich damals bereits abzeichnete und heute längst vollzogen ist.

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IM ZWIEFACH DER KUNST UND LITERATUR - DOUBLE FEATURE MICHAEL HAMMERSCHMID

czz-neuesvonfreundenSchon schlimm , wenn man Monate an diversen Projekten arbeitet und dann werden sie sämtlich an ein und demselben Tag präsentiert : Da auch unser “Salon Littéraire“- und “Literatur als Radiokunst“- Autor Michael Hammerschmid nicht über die Gabe der Bilokation verfügt ( wie es sein Lehrer Wendelin Schmidt-Dengler formuliert hätte ) , muss der Kunstkatalog “Raumzeitpunkte sind Ereignisse” ( mit begleitenden Screenings performativer Arbeiten von Studierenden der Klasse Transmediale Kunst , Brigitte Kowanz ) unter Ausnahme der körperlichen Anwesenheit des essayistischen Co- Autors Hammerschmid präsentiert werden .

Sehr wohl und sehr körperlich vor Ort wird Michael Hammerschmid allerdings heute in der “Alten Schmiede” aus seinen in der neuen Nummer 43 der Literaturzeitschrift “kolik” erschienen Texten lesen . Leider wurde deren Webseite seit Ausgabe 41 nicht mehr ge- updatet . Aber deshalb strebt man ja zu Lesungen , um “ungeschaut” Neues ohne ( trans- ) medialen Zwischenfilter zu erfahren .

Übrigens wurde eben auch die Monatsschrift “Wespennest” Numerio 153 ausgeliefert ( Webseite leider ebenfalls noch nicht aktualisiert ) . Thematisch der lohnenden Reflexion der “Resignation” verpflichtet , bringt der Lyrikteil mit “verstecke - gedichte für kinder und erwachsene” eine der ebenso anrührenden wie heim- tückischen literarischen Facetten des 1972 geborenen Autors :

ich habe mich
in einem wort versteckt.
ich kann’s nicht sagen …

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FORT ZUR FLORIANA

Am Donnerstag geht’s dann in|ad|ae|qu|at beruflich ins landschaftsliebliche Sankt Florian zur “Floriana” , dem biennal ausgetragenen Wettbewerb für | der Literatur . Selbstverständlich geht es nach zweieinhalb Tagen voller Lesungen und Diskussionen letztlich um die nicht eben übel dotierten Preise und wer von den neun eingeladenen Autorinnen und Autoren diese mit nach Hause nehmen wird .

Unselig das double- bind für Juroren , dass jede Auszeichnung notwendig den Ausschluss derselben für andere , vielleicht sogar mehrversprechende Stimmen bedeutet -

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KLANGAPPARAT

Sounds wie differenzierte Kräuselbewegungen auf der Oberfläche eines stetig dahin fliessenden Gewässers : Treibende Takte im Wechsel mit skeptischen Breakbeatz . Klug konturierte Linien im ambient- flächigen Space . Akustisches Instrumentarium im Dialog mit elektroakustischen Klängen und Effekten : Was der Wiener Elektroniker Klabusta mit seiner zweiten Release “You Have Been Plutoed” da vorlegt , lässt sich im besten czz-hoerempfehlungund innigsten Sinne des Wortes mit “IDM” - Intelligent Dance Music - benennen . -

Vielleicht mag sich ja noch jemand an den Erstling , “Digital Dementia” , erinnern , wir hatten ihn vor einigen Monaten dem p. t. publico in|ad|ae|qu|at mit Empfehlung angetragen .

Nun aber retour zu Pluto . 40 Minuten polyrhythmisch hochmusikalische Ermunterung : 01. sweet idleness | 02. german wunderkind | 03. ueber confused | 04. no ecotourist | 05. include me out | 06. musically active | 07. world citizen - CLICK LINKS TO LISTEN AND ENJOY .

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Salon Littéraire | Liesl Ujvary : “privatsachen” - eine fotoserie



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text

Salon Littéraire | Liesl Ujvary :

“privatsachen” - eine fotoserie

die fotoserie “privatsachen

versammelt fotos der arbeitsumgebungen von schriftstellern. hier entsteht literatur - zwischen schichtungen von beschriebenem papier, bekritzeltem papier, bedrucktem papier, anhäufungen von büchern, zwischen stofftieren und technischem gerät, zwischen weichen polstern und warmen decken, zwischen fundstücken konkreter natur, einem rindenstück, zimmerpflanzen und blumenvasen, fahrrädern, kinderzeichnungen, rezepten, jacken und hosen, kabeln und steckern, stössen von cds und musik-cds, umhängtaschen, adidas-schuhen, kaffeetassen, einem spielzeugpinguin auf einem fernseher, handtüchern, buddhas, ansichtskarten, tellern, tastaturen, stiften, blättern, feuerzeugen und vielen anderen sachen.

alle bücherregale ähneln sich, jedes bücherregal ist auf seine weise einmalig. obwohl das inventar, mit dem und aus dem wir unsere private umgebung gestalten, zivilisatorische ähnlichkeiten aufweist, ist es doch andererseits vollkommen persönlich. indem das objektiv diese kleinen environments herausgreift und in ihrer trivialität und einzigartigkeit abbildet, gewinnen sie an farbe und format, zeigen uns fantastische oberflächen, bieten ein spiel von licht und plastizität, das vieldeutig ist, enigmatisch und überdeutlich in einem. hier wird die mehrfach-codierung unserer persönlichen existenz belegt und präsentiert. ( Liesl Ujvary )

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BRIGITTA FALKNER

fotoserie_PRIVATSACHEN_copyright_Liesl_UJVARY

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FRIEDERIKE MAYRÖCKER

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HANNO MILLESI

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MARTIN BREINDL

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Liesl Ujvary

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HINWEIS

Die Ausstellung “privatsachen - fotos von liesl ujvary” ist im Literaturhaus Wien von 11. 11. bis 19. 12. 2008 im Rahmen des “Europäischen Monats der Fotografie” zu sehen .

Die solcherart durch Details ihrer Lebens- und Arbeitsumstände porträtierten Autorinnen und Autoren :

Neda Bei , Martin Breindl , Ann Cotten , Brigitta Falkner , Ilse Kilic , Margret Kreidl , Benedikt Ledebur , Norbert Math , Friederike Mayröcker , Hanno Millesi , Lydia Mischkulnig , Florian Neuner , Monika Rinck , Elisabeth Schimana , Ulrich Schlotmann , Ferdinand Schmatz , Andrea Sodomka , Lisa Spalt , Deter Sperl , Oliver Stummer und herbert j. wimmer .

Zwei Lesungsabende eröffnen | begleiten die Schau :

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vienna demolition IX : a story in pictures - Zinshaus Herminengasse im Spiegel veröffentlichter Halbwahrheit



||| U2- AUSBAU : “PROBLEMHAUS” | “VERKEHRSBERUHIGT” IN ZWIEFACHER PERSPEKTIVE | KRIEG , KRITIK , KRISE | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

Hermine 08 08 08 01 ( 8. 8. 2008 )

Wie ein kunsthistorisch notorisches Baudenkmal zwischen Strategien von Spekulanten und dem Taktieren von Stadtbeamten buchstäblich zerrieben wird , erweist das Beispiel des frühhistoristischen Zinshauses Herminengasse 2 | Obere Donaustrasse 61 . Wir haben den eben erst von der Wiener Zeitung gemeldeten Vorgang seit August beobachtet und bis dato in|ad|ae|qu|at dokumentiert .

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 8. 8. 2008 )

Erbaut 1868; viergeschossiges Zinshaus mit reich gegliederter frühhistoristischer Fassade; Balkon über Eingangsachse, an West-Ecke Runderker, Einfahrt mit Pilastergliederung, Vierpfeilerstiege.

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 8. 8. 2008 )

Was der “Dehio” als bemerkenswertes Baudenkmal notiert , wurde von der Liste schutzwürdiger Einzelobjekte des Bundesdenkmalamts ignoriert .

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U2- AUSBAU : “PROBLEMHAUS”

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 13. 9. 2008 )

Im Gegenteil wurde der massive Eckbau am Wiener Donaukanal zum “Problemhaus” erklärt , da sich dessen Eigentümer den Plänen der Verlängerung der U- Bahn U2 vom Schottenring in Richtung Prater widersetzte . Die Stadt , unter Zeitdruck , diese vom Stadtzentrum direkt an den Austragungsort der Fussball- EM führende Linie termingerecht zum Anpfiff fertigstellen zu müssen , beklagte im Jahr 2006 “Verzögerungen” öffentlicher Interessen durch private Querstände :

U2-Ausbau bis auf einen Bauabschnitt voll im Zeitplan
Im Bereich der Hochstrecke konnten die Wiener Linien bereits im Mai 2005 die Rohbauarbeiten abschließen. Die Tunnelvortriebsarbeiten zwischen Praterstern und Messe konnten trotz eines Wassereinbruchs im September 2005 ebenfalls termingerecht beendet werden. Selbst im Bereich der zukünftigen Station Schottenring - hier liegen die Stationsröhren direkt unter dem Donaukanal - sind die Wiener Linien absolut im Zeitplan.

Zwei Problemhäuser zwischen Donaukanal und Taborstraße
Zu Verzögerungen im Baufortschritt kam es im Bauabschnitt U2/2 “Taborstraße”, der im 2. Wiener Gemeindebezirk zwischen dem Donaukanal und dem Praterstern liegt. Hier legten sich die Eigentümer zweier Grundstücke im Bereich der Nickelgasse und im Bereich Obere Donaustraße | Herminengasse gegen die Untertunnelung ihrer Häuser quer. ( rk , 7. 6. 2006)

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 13. 9. 2008 )

Aus Perspektive der Wiener Stadtplanung wurde das Rechtproblem wie folgt dargestellt :

Aufwändiger Rechtsstreit brachte Verzögerung
Für den Bau einer U-Bahn-Röhre auf einem fremden Grundstück brauchen die Wiener Linien ein so genanntes Servitutsrecht. Wenn dieses Recht gegen entsprechende Entschädigungen von den Eigentümern nicht freiwillig eingeräumt wird, besteht die Möglichkeit, es über ein eisenbahnrechtliches Enteignungsverfahren zwangsweise zu erwirken. Die Wiener Linien haben diese Rechte in beiden Fällen durch zwei Instanzen (1. Instanz MA 64, 2. Instanz BMVIT) bereits Mitte 2005 erworben.

Darüber hinaus musste allerdings nach der damals gültigen Rechtslage vom zuständigen Bezirksgericht die Höhe der Entschädigung für die Servitute festgestellt werden. Obwohl die Grundstückseigentümer versucht haben, alle rechtlichen Möglichkeiten auszunutzen, sind beide Verfahren inzwischen abgeschlossen. Im Falle der Liegenschaft Nickelgasse 5 ( … ) wurde der Beschluss über die Höhe der Entschädigungssumme im April 2006 zugestellt. Für das zweite Problemhaus in der Oberen Donaustraße 61 | Herminengasse 2 (hier sind beide Tunnelröhren betroffen) wurde das Verfahren mit der Festsetzung der Entschädigungshöhe am 1. Juni 2006 beendet. ( rk , 7. 6. 2006)

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 13. 9. 2008 )

Das Résumée kündete - unter Auslassung einiger entscheidenden Details - von einem erfolgreichen Ende :

U2 wird rechtzeitig fertig
Durch die Umstellungen im Bauablauf ist es gelungen, die durch den Rechtsstreit entstandenen Verzögerungen soweit aufzufangen, dass die Eröffnung des neuen U2-Teilstücks nach wie vor vor der Fußball-Europameisterschaft 2008 möglich ist. Um den geplanten Eröffnungstermin halten zu können, müssen allerdings in diesem Bauabschnitt auch in Zukunft alle weiteren Schritte extrem komprimiert erfolgen. So ist bereits jetzt eingeplant, alle noch nachfolgenden Arbeiten zum Großteil im Schichtbetrieb durchzuführen. ( rk , 7. 6. 2006)

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 29. 9. 2008 )

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“VERKEHRSBERUHIGT” IN ZWIEFACHER PERSPEKTIVE

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 15. 10. 2008 )

In schöner Umschreibung einer aus dem Hausstreit erwachsenen Groteske verbucht die Stadt Wien nicht nur das Erfolgsprojekt der U- Bahnverlängerung , sondern auch die einwohnerfreundliche Schaffung PKW- verkehrsberuhigter , fussgängerfreundlicher Zonen plus Radweg- Bonus :

Station Herminengasse
An der Ecke Obere Donaustraße 61 | Herminengasse wurde ein neuer U-Bahn-Aufgang mit Stiegenanlage und Aufzug errichtet. Über den neuen U-Bahn-Aufgang gelangt man direkt auf den Vorkai des linken Donaukanalufers, ohne die Fahrbahn der Oberen Donaustraße queren zu müssen. Die Fahrbahn der Oberen Donaustraße musste in Richtung Donaukanal verschwenkt werden.

Über die Obere Donaustraße wurde eine neue Fuß- und Radwegquerung errichtet. Die Herminengasse wurde für den motorisierten Individualverkehr zur Sackgasse, um vor dem Stationsaufgang genügend Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger beziehungsweise Radfahrerinnen und Radfahrer zu erhalten.

Im Zuge der Wiederherstellung der Oberfäche im Bereich der Station Herminengasse konnte auch ein Radweg entlang der Unteren und der Oberen Donaustraße im Abschnitt Aspernbrückengasse bis Rembrandtstraße realisiert werden. Der Radweg wurde als Zwei-Richtungs-Radweg auf Seite der Bebauung in Verlängerung des bereits 2004 gebauten Radweges an der Unteren Donaustraße angelegt. ( Webservice Stadt Wien)

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Die schön tönende Halbwahrheit ist bis in den Wikipedia- Artikel “Schottenring ( U- Bahn- Station )” vorgedrungen :

Mit der Verlängerung der U2 zum Stadion wurden auch auf der Leopoldstädter Seite neue Ausgänge geschaffen: einer führt neben der Staustufe Kaiserbad direkt auf den auf den Treppelweg entlang des Donaukanals, ein weiterer Ausgang unterquert die stark befahrene Obere Donaustraße und führt in die Herminengasse, eine verkehrsberuhigte Straße im 2. Bezirk.

Dass die Stadt Wien diese Verkehrsberuhigung nie wirklich im Sinne hatte , sondern durch falsches Taktieren sich letztlich gezwungen sah , durch einen solitären Separatbau auf der Fahrbahn Herminengasse , diese vom Fliessverkehr abzuschneiden , erweist die Archiv- Recherche der heutigen Ausgabe der “Wiener Zeitung” . Demnach war mit der Planung des U- Bahn- Ausgangs in der Sockel des Eckhauses Oberen Donaustraße 61 | Herminengasse 2 dessen Schicksal eigentlich bereits besiegelt .

Die Wiener Linien wollten in und unter diesem Haus an der Ecke zur Herminengasse die Treppen und Lifts zur U2-Station Schottenring sowie einen Zugang unter der Fahrbahn zum tiefer liegenden ‘Vorkai’ – einem künftigen Vergnügungsstreifen – unterbringen. Im Jahr 1999 wurde der Baubeginn für die Strecke Schottenring-Stadion für das Jahr 2002 angekündigt. Im Juni 2003 folgte der erste Spatenstich. ( … )

Die U-Bahn-Bauer veröffentlichten 2003 | 04 ihre Detailzeichnungen zum U-Bahn-Zugang Herminengasse. Damit war der Segen des Magistrats für den Abbruch und die ‘Verwertung’ mit einem Neubau noch deutlicher vorgezeichnet. Mitkalkuliert war auch die Vertreibung der letzten Mieter (’Bestandfreimachung’) durch eine Enteignung wegen öffentlichen Interesses – was billiger kommt, als ihnen akzeptable Ersatzwohnungen anzubieten. ( WZ , 24. 10. 2008)

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Nun kommt - als zusätzlicher Twist - die spezielle Agenda der konservativen “Wiener Zeitung” ins Spiel : Im Zuge der Agitation gegen die sozialdemokratische Stadt ver planung wird die Episode mit dem Eckhaus nicht dessen möglichen Erhalts wegen erzählt , sondern als Geschichte einer verpassten Gelegenheit , die Immobilie 2004 zu erwerben , selbst abzureissen und die bauliche Ausgestaltung des Grundes selbst zu kontrollieren . Stattdessen kaufte die Wiener Bauträger-GmbH Consentia die Liegenschaft 2004 und zwang den U- Bahn- ausgang damit buchstäblich “auf die Strasse” :

Hätte die Stadt Wien 2004 selber das ganze Haus erworben, wäre sie heute nicht blamiert. Im März 2005 wurde der ‘Sonja’-Tunnel (benannt nach der Patin Sonja Wehsely) angestochen – die Verbindung unter dem Donaukanal in die Donaustraße. Aber es fehlten die Verträge mit dem Hauseigentümer, bei dem der Tunnel enden sollte. Zulange wurde von den Beamten taktiert, und zuletzt ist der Stadt die Zeit davongelaufen und der Deal geplatzt.

Die Wiener Linien mussten sich mit ihrem Ausgang Herminengasse in die Fahrbahn zwängen. Der patzigen Steinverkleidung sieht man an, dass sie nicht mit dem sonstigen Stationendesign abgestimmt ist. Das sensible Umfeld von Otto Wagners ‘Schützenhaus‘ ist überdies durch einen Beton-Tubus gestört, durch den Luft in den Untergrund gesogen wird. ( WZ , 24. 10. 2008)

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 15. 10. 2008 )

Mit der Referenz auf Otto Wagners berühmtes Wehrkrangebäude und dessen denkmalschützerisch “sensibles Umfeld” kommt das genehme Selbstbild des “Jugendstil- Wien” auf den Tisch . Damit sind Frühhistorimus , Demolierungsdrang und der - de facto positive - Aspekt der Verkehrsberuhigung im Wohnviertel von ebendemselben gewischt . Und die Geschichte vom “armen alten Haus” erweist sich als lediglich sentimentaler Teaser .

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KRIEG , KRITIK , KRISE

Abbruchhaus_Herminengasse_Wien_copyright_christiane_zintzen ( 22. 10. 2008 )

Der nicht namentlich gezeichnete ( allem Anschein nach vom dem kürzlich zur Architekturkritik ( ! ) in die Redaktion geholten Literaturkritikers Hans Haider verfasste ) Artikel polemisiert primär gegen den Beamteapparat und die planerische Impotenz des “Roten Wien” : Wo , so der Tenor , eine als städtebauliches Statement gar nicht so üble Investoren- und Neuprunk- Architektur entstehen könnte , kappen die Deppen vom Amt alles Kühne .

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So biedert sich die Geschichte um die Schleifung des frühhistoristischen Hauses zunächst einem konservativen Leserkreis an , um dann jäh umzuschwenken in eine Apotheose der zukunftsträchtigen Kräfte freier Show- und Investorenarchitektur .

Der Donaukanal war in den letzten Kriegstagen 1945 eine Frontlinie zwischen der Roten Armee (die vom Westen her anrückte!) und SS-Verbänden. An den beiden Kais blieb wenig alte Bausubstanz erhalten. Neubauten prägten in grauem Durcheinander aus allen Dezennien die links- und rechtsufrige Kai-Line. Seit zehn Jahren wird am Donaukanal optisch aufgerüstet. Raiffeisen und die OPEC leisteten sich ein bescheidenes Face-liftig, Hans Hollein baute für die Fellner-Brüder den ‘News’-Tower, Dieter Henke und Marta Schreieck setzten der Zürich-Versicherung ihren “K 47“-Kubus auf das Dach des Neubaus, dem der 1911 vollendete ‘Kai-Palast’ weichen musste. Fritz Neumann [ korrekt : Heinz Neumann , czz ] gelang das bisherige Glanzstück am Donaukanal, der UNIQA-Tower. Jean Nouvel verbaut derzeit den Platz, von dem die Bundesländer-Versicherung gewichen ist.

Für die Planung von Fritz Neumann [ korrekt : Heinz Neumann , czz ] an der Oberen Donaustraße 61 will die Consentia-GmbH noch keine konkrete Nutzung angeben. Wohnungen, Büros, ein Hotel? Die spürbaren Krisenzeichen machen die Entscheidung schwierig, heißt es. Die Hülle aber steht fest, doch nur innerhalb der vom Magistrat vorgegebenen Höhenlinien, denn Neumanns Dachaufsatz, in Korrespondenz zu “K 47″, wurde nicht genehmigt. Weil dieser Akzent fehlen wird, setzt sich die Linie der belanglosen Nachbarschaft ohne Störung fort. Die für den Gesamteindruck entscheidende Fassade soll aus doppelwandigen Glaslamellen gefügt werden und damit ein Spiel mit dem sich außen und innen verändernden Licht in Gang bringen.

Doch nicht so bald! Noch immer prozessieren Stadt Wien und Consentia um Entschädigungen, denn die U-Bahn-Trasse quert auch das ganze Grundstück. Gutachter und Gegengutachter beziffern statische Dauerschäden und die Wertminderung, da wegen der U-Bahn nicht die vorgeschriebene Zahl von Tiefgaragenplätzen gebaut werden können. Weil Bewegung in den Untergrund kam, muss seine Beruhigung abgewartet werden. Darum wird vorerst Gras über die Abbruchnarben wachsen und ein gutes alten Haus vergessen werden. Nur die Autofahrer fluchen über die Schikane im einst geraden Straßenlauf. ( WZ , 24. 10. 2008)

Architektur , öffentlicher Raum , Stadtgestaltung : In welchem Masse auch der Diskurs darüber immer ein politischer ist , dessen werden sich die verkehrsberuhigten Nachbarn und Betrachter der Abbruchstelle peinlich inne . Kein Text ohne Tendenz , keine Antwort ohne Halbwahrheiten .

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KLANGAPPARAT

Aber jetzt ist sie da , die neue broque , die fesche Webseite , wie vorgestern angesagt . Juno6 ( aka Stefan Schultz ) gibt mit der ep czz-hoerempfehlungterra australis” einen gut geerdeten Mix aus Ambient, Field Recordings und versonnener Klangbastelei . Und ist ein Hinhorchen . Und ist ein Staunen . Neugierige vierzig Minuten aus Fleisch und Fisch , Mensch und Ding , Stadt, Land und den Schreiern derer , welche sich über unseren blöden Köpfe höhnend emporflattern . 01. terra australis | 02. uretic urgent | 03. come back to me | 04. whippersnapper | 05. h8 - CLICK TRACKS TO LISTEN .

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