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||| I. BLOG - DEFINITION | II. BLOG- BASHING ANNO 2007 | III. “BLOG” ANNO ‘08 : DOPPELUNGEN | IV. BLOG & GELD | V. BLOG ALS KOPIERTE PASTE | VI. BLOG ZUR VERBUCHUNG DER TAGE | VII. BLOG IN FRIEDLICHER NISCHE | VIII. “BLOG” - ALSO WAS ? | IX. BLOG IN|AD|AE|QU|AT : CLAIM | KLANGAPPARAT | LINKS - RELATED

I. BLOG - DEFINITION

czz sprechblase iconKlassischer Weise beinnt man die Differzierung oder - in unserem in|ad|ae|qo|aten Fall - eines Begriff mit deren konsensuellen Definitionen :

Ein Weblog (Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log für Logbuch), meist abgekürzt als Blog, ist ein auf einer Webseite geführtes und damit öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal. Häufig ist ein Blog “endlos”, d. h. eine lange, abwärts chronologisch sortierte Liste von Einträgen, die in bestimmten Abständen umbrochen wird. Es handelt sich damit zwar um eine Website, die aber im Idealfall nur eine Inhaltsebene umfasst. Ein Blog ist ein für den Herausgeber ( “Blogger” ) und seine Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrungen als auch der Kommunikation dienen. Insofern kann es einem Internetforum ähneln, je nach Inhalt aber auch einer Internet-Zeitung. ( Wiki Deutsch )

Und für unsere Polyglotten :

A blog ( an abridgment of the term web log ) is a website, usually maintained by an individual, with regular entries of commentary, descriptions of events, or other material such as graphics or video. Entries are commonly displayed in reverse chronological order. “Blog” can also be used as a verb, meaning to maintain or add content to a blog.

Many blogs provide commentary or news on a particular subject; others function as more personal online diaries. A typical blog combines text, images, and links to other blogs, web pages, and other media related to its topic. The ability for readers to leave comments in an interactive format is an important part of many blogs. Most blogs are primarily textual, although some focus on art ( artlog ), photographs ( photoblog ), sketchblog, videos ( vlog ), music ( MP3 blog ), audio ( podcasting ) are part of a wider network of social media. ( Wiki Engslish ) |||

II. BLOG- BASHING ANNO 2007

czz sprechblase iconUnd jetzt ein kurzes Stück Geschichte : Das Jahr 2007 dürfte als Hoch- Zeit der konsequenten Denunzierung von Bloggern und deren Machenschaften von seiten der Printmedien in die Annalen einer Geschichte des Unnötigen eingehen . Mit aggressiven Falschdarstellungen dessen , was in einigen unter Tausenden Blogs angeblich völlig narzisstisch- nabelbeschaulich so abgeht , reagierten die Pritmedien auf den Typus jener Medien- Watch- Blogs , die es wagten , die Autorität von “Qualitätsblätterm” in Frage zu stellen . Mit solcher Anlasserregungen und Errengsanlässen wurde weitgehend übertüncht , dass die deutschen Printkonsortien viel zu spät den Braten jener Werbe- Etats rochen , von welchen online noch allerlei saftgie Brocken abzusäbeln waren . Wenn man aus den wohlbestallten Redaktionen nicht eben auf das Gros der in freiwilliger Selbstausbeutung recherchierenden Blogger feuerte - und zwar buchstäblich mit Kanonen auf Spatzen - , schoss man sich bald auf ein lohnenderes Objekt der Konfrontation kompakterer Begierden ein : Die Online- Strategien der öffentlich- rechtlichen Sender , deren Web- Präsenzen unmerklich über das Ziel einer legitimen “sendungsbegleitenden” Funktion hinauswucherten .

Man hätte dieses Jahr 2007 als ein Signal einer Irritation und Umorientierung verbuchen können : Sämtliche Blätter , vom Tagesspiegel über die taz bis zur NZZ , von der SZ bis zur FAZ haben inzwischen ihre online- Relaunchs vollzogen , unter dem Druck der entsprechend vorgepreschten New York Times die kostenpflichtigen Contents reduziert und ihre Web- Auftritte mit allerlei “interaktiven” Features” wie Leser- Polls , Fotostrecken und Videos adorniert . Seit die WAZ für ihre Filmchen eine Kooperation mit dem WDR eingegangen ist ( skandalös genug ! ) , laufen die Verhandlungen zwischen Zeitungsverlagen und den geschmähten ÖR- Sendern . Denn die Video- Contents ( Frage : Wer will die eigentlich in seiner Zeitung ? ) sind teuer , und “ohne” scheint’s dieser Tage nicht mehr zu gehen . Zudem hält sich jedes Blatt , welches auch online etwas auf sich zu halten vorgibt , seine Haus- und Hof- Blogger als nicht selten unterbezahte Mindesleister . Hauptsache , die Kosmetik stimmt . |||

III. “BLOG” ANNO ‘08 : DOPPELUNGEN

czz sprechblase iconOder es verhält sich andersherum und die angeblich so kritischen Blogger , deren Kampfnamen schon mit “Indiskrektionen” werben , sind biedere Journalisten und Dr. Jeckylls , die im Blog nur mal eben den Mr. Hyde heraushängen lassen . Nun , da die auf beiden Seiten vermeintlich Einflussreichen im Zweifelsfall ihre kleinen Geschäftchen miteinander pflegen , hätte man denken können , es sei endliich Ruhe eingekehrt und jeder sei “retour à ses pommes” . Dreht halt jeder an seinem Ding , wie es ihm gefällt und bastelt in seiner Nische . Wie die publizistischen Konvulsionen angesichts der Berlin- Blogger Konferenz re:publica 2008 erweisen , schwanken die Blätter noch heftig zwischen erdrückender Umarmung ( vgl. die FAZ- Homestory über die bekanntesten unabhängigen deutschen Blogger von Rang ) und dümmlicher Demontage ( Zwangsverpflichtung von redaktionell präparierten Praktikanten durch die SZ ) . |||

IV. BLOG & GELD

czz sprechblase iconAls Hintergrund- Muzak erklingt dazu das unausgesetzt geschäftigte Summen der kommerz- orientierten Blogger ( mit der problematischen Speerspitze des Blogvermarkters Adical , dessen Betrieber nicht zufällig auch die Initiatoren der re:publica sind ) und all jener Mikro- Adepten , die sich per Google- Werbeeinschaltungen ( AdSense ) , durch von der fragwürdigen Firma Trigami vermittelte Produkt- Rezensiönchen oder einfach im Gegentausch für Naturalien wie T- Shirts oder Energy- Drinks ihre Inhalte diktieren lassen . Symbolischer Bonus : Man darf sich als Teil jenes letzten Schreis der Reklame wähnen , der sich “virales Marketing” nennt . - Der Gegenchor erschallt von seiten der Anti- Kommerz- Fraktion , die z. B. die Cisco- und Yahoo- Kampagnen der bislang etwas lendenlahmen Adicalier als “Blutbloggen” anprangern . Nicht etwa , weil die Werber Blut und Schweiss vergossen hätten , die entsprechenden Aufträge zu akquirieren , sondern wei z. B. Yahoo Daten über Netz- Aktivisten an die Chinesische Regierung weitergab , die ihrerseits nicht lange fackelte und die betreffenden Personen umgehend kassierte . |||

V. BLOG ALS KOPIERTE PASTE

czz sprechblase iconAbseits dieser Fronten scheint ein Heer sprungbereiter Eiferer darauf zu warten , dass eine publikumswirksame Medlung hereinkommt , um diese per copy- und paste- Verfahren auf ihrer Seite zu platzieren . Sie alle spekulieren darauf , per Mitnahme- und Aktualitätseffekt möglichst viele Hits und Links zu lukrieren . Und voilà der Typus des Anhängers : ein führerloses Transportvehikel für Stapelware , stets auf der Suche nach einem wirkunngsträchtigen Zugfahrzeug . Bei der Sonderform des “Link- Journalism” erspart man sich sogar noch das langweilige Ritual des Kopierens . - Wer sich je gefragt hat , wie es den Nazis gelang , ein Volk zur Selbstgleichschaltung zu bewegen , mag das Gebaren solcher Opportunisten ein paar Tage lang betrachten . So wird allein in Deutschland jeden Tag und jede Stunde hundertfach und ohne Einschaltung eventueller Denk- oder Reflexionskräfte das wortwörtlich Selbe reproduziert . So weit also zum gerne zitierten emanzipatorischen Gedanken , via Blog liesse sich eine kritische Gegenöffentlichkeit installieren … |||

VI. BLOG ZUR VERBUCHUNG DER TAGE

czz sprechblase iconSelbstvertändlich gibt es sie auch , die im Lexikonartikel genannten Online- Tage- Verbucher . Gleichwohl gehen sämtliche Bemühungen der theoretischen Bemühungen um die “traditionelle” ( “private” bzw. “literarische” ) Diaristik den Bach runter , wenn man das Bloggen einfach als Fortsetzung des Tagesbuchs mit anderen Mitteln interpetiert - wie dies in der aktuellen Ausstellung des Fankfurter Museums für Kommunikation derzeit geschieht ( “Absolut privat !? - Vom Tagebuch zum Weblog” ) . Dass ein Weblog die Ausstellung sekundiert , gehört mitlerweile zum Guten Ton jeder Öffentlichkeitsarbeit . Stichworte : “Corporate Blogging” , “Kundenbindung” und “Interaktivität” . Die Aufskünfte darüber , wer sich wann , wie und wo welche Speisen zum Munde führt , dürften inzwischen zum Teil nach Twitter abgewandert sein . In welchem dieser Medien hätte wohl Arthur Schnitzler seine pedantische erotische Buchhaltung durchgeführt ? |||

VII. BLOG IN FRIEDLICHER NISCHE

czz sprechblase iconUnd schiesslich die unüberschaubaren Weiten der bescheiden selbstgenügsamen Nischenblogs : Ob Kochen , Stricken , Katzen , Amateurfotografie , Paragleiten oder Magersucht . Sie dienen im besten Fall als ( Selbst- ) Verständigungsmedien der entsprechenden Interessensgruppen . Oder ruhen als kleine Kunstwerke in sich selbst in Anbindung an ein Magazin wie das Blog beton + garten . Na ja , egal . Tausende Beispiele dort draussen . Empfehlung : Kulturwissenschaftliche Technikforschung zu Enzenbergers notorischer “Kehre” … |||

VIII. “BLOG” - ALSO WAS ?

Wczz sprechblase iconovon sprechen sie also , die Blog- Kritiker , wenn sie das Wort “Blog” ge missbrauchen ? Ärgerlich genug , dass sich jeder Print- Journalist offenbar dazu bemüssigt fühlt , sein Mütchen an “den Blogs” zu kühlen , so besteht darüber hinaus keinerlei Bewusstsein hinsichtlich des Spektrums der verschiedenen Ge- und Missbrauchsformen dieses Mediums . |||

IX. BLOG IN|AD|AE|QU|AT : CLAIM

czz sprechblase iconDer langen Rede kurzer Sinn schlieest mit unserem in|ad|ae|qu|aten Claim : Wir erinnern einerseits an unsere Selbstvorstellung als Work in Progress zwischen den Genres

  • als sorgfältiger Publikationsort von Primärliteratur ( Salon Littéraire )
  • als kulturpublizistisches Archiv
  • als Aufbau eines Metadaten- Systems im Hinbick auf das Semantic Web
  • als konsequente Vorstellung von Netlabels , creative commons- Künstlern und deren musikalischen Ansätzen
  • sowie als fortlaufender Kommentar eines nicht näher bezeichneten Alter Egos zu diversen Auffälligkeiten in Stadtleben , Publizistik und Alltagskultur .

Als eines der ersten Mikromedien im deutschsprachigen Raum wurde in|ad|ae|qu|at bei der mEDRA , der multilingualen Europäischen DOI- Registrationsagentur ( in Kooperation mit dem MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels , einer Service- Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. ) angemeldet : Dort figuriert in|ad|ae|qu|at unter der Signatur doi:10.3246/ib.1000 als “Online Zeitschrift” und “-Verlag” . Entsprechend melden wir die literarischen Beiträge unserer “Salon”- Gäste per indvidueller DOI an und können damit deren ( der ISBN- Nummer analoge ) persistente Registrierung erwirken , inklusive Metadaten wie Copyright , Autor, Publikationsdatum und Textgenre .

“Netzliteratur” schwebt dann also nicht mehr entlang irgendwelcher unzuverlässiger URLs irgendwo im WWW herum , sondern besteht in kenntlich definierten und bindend registrierten Einzelwerken . Dass in|ad|ae|qu|at mit der Wahl des DOI- Registierung- Systems den zwischen Deutscher Nationalbibliothek und dem Deutschen Buchhandel ausgehandelten künftigen Standard für Netzpublikationen vorwegnahmen , konnten wir zum damaligen Zeitpunkt freilich in keiner Weise ahnen . |||

KLANGAPPARAT

Nachdem wir uns einige Tage und entlang etliche Relases am Profil des Netlabels l a r i d a e entlang getastet haben , verfallen wir zum Abschluss doch noch einmal auf eine frühe Arbeit des Label- Mitbegründers Photophob aka Herwig Holzmann aka Das Gritli Moser . Die Leserin wird dies nicht für sagenhaft einfallsreich halten , doch bleibt der gute Mann nun einmal der beste Musiker im Club . Weshalb wir einige , uns weniger plausibel czz hörempfehlung erscheinende Titel aus der Backlist übersprangen ( sorry : Geschmackssache , it’s up to you to discover ! ) und nun im September 2006 halten . Was uns auf “about the living things” ( 028 ) erwartet , widerspricht in allen Kategorien dem bis jetzt ( hier und hier ) vom nämlichen Künstler Gehörten : Statt aberwitziger Breakbeats und einer infernalischen Jagd hintersinniger Samples tauchen wir plötzlich in eine verhalten instrumentierte Erkundung organischer Flukturen . Womit dem oben diskursiv formulierten Plädoyer für die Tugend der Differenzierung hier ein sinnlich erfahrbares beigesellt sei . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. intro | 02. isopoda | 03. cyanophyceae | 04. nematoda | 05. phlebotomus papatasi | 06. nemobius sylvestris | 07. acari | 08. hyperia macrocephala |||

LINKS - RELATED

Von Fleisch & Lust , Sex & Crime | Textes Trouvés 4 | Vienna Street Art 6



||| Genuss und Aufbegehren , Himmel und Hölle , Verbrechen und Strafe : Ganze Bibliotheken soziologischer Abhandlungen , Zettelkästen von Zeitbefunden und die infernalischen Schriften der Weltliteratur blühen an Wiener Mauern .

Wobei die Eindampfung auf eine Parole , die Reduktion auf ein wirkendes Wort , wenn nicht gar auf ein einzelnes Zeichen den anonymen Botschaften fürwahr kein Mauerblümchen- Dasein beschert . Im Gegenteil scheint - was diverse Lust- und Todestriebe anbelangt - das Weniger einen Mehrwert zu bescheren .

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( 1070 )

“FLEISCH” und “LUST” …

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( 1070 , 1030 )

… “SEX” und “SHOCK” : Die Schlagworte triggern im Hirn des Stadtbenutzers alle möglichen Kontexte und Geschichten .

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( 1070 )

Dabei mag ein lakonisch- alleinstehender “TEUFEL” im jeweils individuellen Innenkino wohl sehr diverse Bilder projizieren . THE WRITING ON THE WALL rief seit biblischen Zeiten nach pragmatischen “TATEN” .

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( 1030 )

Worin freilich Das Grosse Böse besteht , dessen Anfängen zu wehren wäre , darüber kursieren bekanntlich mehrere Meinungen . Man mag das Kapital als addiktives Opiat anprangern …

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( 1030 )

… oder gleich das eigene Mitwirken an den Verhältnissen - so , wie sie sich nun einmal optisch darstellen - in ironischer Selbstreferenz denunzieren .

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( 1060 )

Summa summarum scheint nur der Schluss zulässig , dass die Eigenverantwortung des Individuums in den kälter werdenden Klimaten des hergebrachten “Sozialstaats” keineswegs suspendiert sei . Im Gegenteil : Manche freudlose Gasse lässt sich eben lediglich per “DO IT YOURSELF- REVOLUTION” erhellen .

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( 1070 )

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KLANGAPPARAT

In Fortsetzung unseres in|ad|ae|qu|aten Portraits des Netlabels l a r i d a e stossen wir heute auf ein Nebenprojekt des vorgestern vorgestellten Breakbeat- Virtuosen Photophob aka Herwig Holzmann . Dass schon die Tracks von “Skaphander Skanks” einen gewissen Hang zum Maliziösen aufwiesen , wird dem aufmerksamen Lauscher kaum entgangen sein . Was czz hörempfehlungder gute Mann allerdings unter dem Projektlabel | Pseudonym Das Gritli Moser aufführt , schlägt entschieden über die Stränge des Bösen . Nomen est Omen , wenn die Release 036 mit “Cha-Cha-Cha With The Devil” titelt . Die ironische Anspielung auf allerlei funky Finsterdinge mindert freilich nicht im Geringsten deren kompositorische Brillanz . Genremässig bemerkenswert sind ( neben der Oboe ) die Bandoneon- Samples , deren Klangfarben freilich allerlei diabolische Volkstänze evozieren . Typisch für den Autor : Die barocken Tracktitel … Da capo , Gritli ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Ks999CträKt ( Human Flesh, Men’s Tears ) | 02. sNarksV+n0plaGue ( I Believe ! ) | 03. Mil7dr0w ( March Of The Death-Dolls ) | 04. inHaey6cmä ( Demons , Spirits , Ghosts ) | 05. RzrXXXcrps ( The Devil’s Dancing Lesson ) | 06. SpyKnAg0R ( Dark And Deserted ) | 07. cymoGdrad3ad ( God Is Evil And He’s Gonna Punish You ) | 08. Kr1yllZnAdräsh ( A Deeper Dark Than Dark ) | 09. zRmCr8äk ( Mr. Blister’s Gone, Got It ?! ) |||

BLOG 4 BURMA : Pulitzer- Prize für Foto aus der Kampfzone . Was erzählt uns das ?



||| I. PRESSEFOTOGRAFIE UND KOLLEKTIVE ERINNERUNG | II. PULITZER PRIZE “BREAKING NEWS PHOTOGRAPHY” : ADREES LATIF ON BURMA | III. HOW IT WAS SHOT | IV. EIN BILD GEHT UM DIE WELT | V. EMPATHIE MIT SEINESGLEICHEN | VI. EIN SIGNAL DER SOLIDARITÄT - CUM GRANO SALIS | VII. BLOG 4 BURMA | KLANGAPPARAT | LINKS

I. PRESSEFOTOGRAFIE UND KOLLEKTIVE ERINNERUNG

Wer kennt sie nicht , jene Pressefotos , die die Zeitgenossen erschütterten , wenn nicht die kollektive Erinnerung : Die Schnappschüsse von den Attentaten auf Martin Luther King oder John F. Kennedy …

Der Pulitzer- Preis , seit seit 1917 für hervorragende journalistische Leistungen in den USA verliehen , gilt nicht nur als wichtigste Auszeichnung für Belletristik und Sachliteratur , sondern stellt auch für die journalistischen Gattungen wie Reportage , Leitartikel , Aktuelle Berichterstattung ( Breaking News Reporting ) , Hintergrundbericht oder Kommentar eine seltene Nobilitierung dar . Für die Aktuelle Fotoberichterstattung ( Breaking News Photography ) sowie die Feature- Fotoberichterstattung ( Feature Photography ) gilt der PP sogar als eine Art Oskar . |||

II. PULITZER PRIZE “BREAKING NEWS PHOTOGRAPHY” : ADREES LATIF ON BURMA

czz blog4burma inadaequat

Als Am Montag die von eine Jury ( siehe : Board ) die Gewinner des Pulitzer Prize 2008 in der Kategorie “Breaking News Photography” bekannt gegeben wurden , war abzusehen , dass und wie mit solchen Auszeichnungen Politik gemacht wird .

Ausgewählt und -gezeichnet wurde nämlich ein vom Asien- Fotokorrespondenten der Agentur Reuters , Adrees Latif , inmitten der Unruhen in Rangoon aufgenommenes Bild , welches Ende September 2007 via Reuters um die Welt gegangen ist .

Hier das Adrees Latifs Fotografie :

Adrees Latif Myanmar demonstrations Japanese videopgrapher

Und hier der Bericht :

NEW YORK (Reuters) - Reuters won the Pulitzer Prize for breaking news photography on Monday for a picture of a Japanese videographer killed during a demonstration in Myanmar.

Adrees Latif won for “his dramatic photograph of the Japanese videographer, sprawled on the pavement, fatally wounded during a street demonstration in Myanmar,” the Pulitzer Prize board said.

The 92nd annual Pulitzer Prizes in journalism, letters, drama and music were announced at Columbia University in New York City. The Public Service winner receives a gold medal, while winners in the remaining 20 categories receive $10.000. |||

III. HOW IT WAS SHOT

Im Reuters Blog erzählt Andreas Latif die Hintergründe :

Am 23. 9. 2007 sei er in Rangoon gelandet , um sich dort wegen der Proteste gegen steigende Treibstoffpreise umzutun. Im Laufe der folgenden Tage hätten sich mehr und mehr Mönche eingefunden , “barefoot in maroon robes, and ringed by civilians” .

By 27 September, the city had become packed with troops. Soldiers and government agents stood at street corners. ( … ) Within minutes, the crowd swelled from hundreds to a few thousand. The soldiers threw barbed wire coils across the roads.

Knowing that hundreds of people were gunned down in similar circumstances in a 1988 uprising, I climbed an old crosswalk directly overhead, to get to one of the few spots offering a clear view. Below me, protesters were singing and waving flags; to the side, young men were thrusting their pelvises at the soldiers.

At about 1.30pm local time, two dark green, open-top army trucks approached, followed by dozens more packed with riot police. They were hit by a barrage of water bottles, fruit and abuse from the crowd.

I had already locked on my 135mm lens and set my camera shutter speed to 1000, aperture to F/7.1 and ISO at 800. With the camera on manual, I wanted to stop any movement while offering as much depth-of-field as possible.

Two minutes later, the shooting started. My eye caught a person flying backwards through the air. Instinctively, I started photographing, capturing four frames of the man on his back. The entry point of the bullet is clear in the first frame, with a soldier in flip flops standing over the man and pointing a rifle. In the second frame, the man is reaching over to try and film.

More shots rang out. I flinched before getting off two more frames - one of the man pointing the camera at the soldier, and one of his face contorted in pain.

Beyond him, the crowd scattered before the advancing soldier. The whole incident, which went on to reverberate around the world, was over in two seconds. I kept low on the bridge, capturing some more images from among a crowd taking cover. However, with soldiers firing shots and smoke grenades below, I had to get off the bridge. ( … )

My initial caption read: “An injured man tries to photograph after police and military officials fired upon and then charged a crowd of thousands protesting in Yangon’s city center September 27, 2007.” Initially, I thought he was merely trampled. I had no idea he was dead.

Es waren japanische Kollegen , die in dem Opfer den Landsmann Kenji Nagai identifizierten . Das Bild ging um die Welt und besass keinen geringen Anteil an deren Empörung über die Brutalität , mit welcher die Junta - erstmals so skupellos und offensichlich wie und seit 1988 - gegen Demonstrierende vorging . |||

IV. EIN BILD GEHT UM DIE WELT

Adrees Latif Myanmar demonstrations Death-of Kenji Nagai

Abgesehen von den diplomatischen Verstimmungen , die der Tod des ausländischen Journalisten zwischen Japan und Myanmar zeitigte , trug das tragische Fotodokument nicht unerheblich zur Formierung der weltweiten Welle von Sympathie und Solidarität mit der autochthonen Bevölkerung bei .

Bereits am 28. September schien das Bild in der Weltpresse ubiquitär : BBC , Times , New York Times , Le Monde , Spiegel , SZ, tagesschau sind jetzt noch online eruierbar . Nennungen in NZZ , Monde diplomatique , eine Würdigung Kenji Nagais im Guardian , detaillierte Berichte bei BBC , in der Zeit , Tagesspiegel … und selbstredend bei Reporter ohne Grenzen . |||

V. EMPATHIE MIT SEINESGLEICHEN

czz blog4burma inadaequat

Dass Journalisten sich eher vom Schicksal eines in Ausübung seiner Profession umgekommenen Kollegen identifizieren können als mit autochthonen Opfern , deren Mentalität und Motivationen oft wenig bekannt sind , scheint plausibel . Dass sich das westliche Medienpublikum eher vom Schicksal eines Märtyrers journalistischer Aufklärung “betroffen” fühlt als vom ( noch so pittoresken ) “Fremden” , nicht minder .

Dass sich dieser - damals spontane und in wenigen Stunden verselbstständigte - Mechanismus der Identifikation nun mit der Entscheidung des Pulitzer Boards exakt noch einmal reproduziert , mag zu denken geben . Seit Andreas Adrees Latifs Aufnahme sind Tausende fotogrrafischer Belege für die Gewalt in Burma erschienen : Fraglos wurden davon auch etliche dem Pulitzer Board vorgelegt . Immerhin war die Deadline zur Einreichung ( foto- ) journalistischer Werke mit 1. Februar 2008 recht grosszügig bemessen .

Eine Begründung für die Wahl DIESER Fotografie sucht man auf den Pulitzer- Pages vergebens . Immerhin werden die übrigen Nominées der Kategorie “Breaking News Photography” zumindest genannt :

Also nominated as finalists in this category were: Mahmud Hams of Agence France-Presse for his picture of a missile, caught in mid-air, as it falls on a target in the Gaza Strip while young Palestinians scramble for safety, and the Los Angeles Times Staff for its powerful and often unpredictable photos that captured wildfires devastating California. |||

VI. EIN SIGNAL DER SOLIDARITÄT - CUM GRANO SALIS

czz blog4burma inadaequat

Es ist klar : Mit Auszeichnungen dieser Art kann durchaus Politik gemacht werden . Mit der Wahl eines besonders drastischen Motivs aus Burma wird dem zum derzeitigen Zeitpunkt medial arg vernachlässigten Land zweifellos Reverenz erwiesen . Und im Lande selbst - wie Artikel des Irrawaddy und Blog- Postings wie bei Burma Digest oder Sitmone erweisen - als Geste der Solidarität aufgefasst .

Ein solches Signal ist begrüssenswert ( ebenso wie die an anderer Stelle erwähnte Nomnierung eines Rangoon- Strassenkampf- Videos bei den YouTube- Video- Awards 2007 ) .

Zweifellos .

Allerdings hätte man ebenso fraglos ein deutlicheres Zeichen setzen können : Indem man nämlich die fotografisch reichlich dokumentierten Menschen aus Burma , die von den “Sicherheitkräften” des eigenen Landes auf offener Strasse oder in den Weiten des Hinterlandes hingerichtet worden sind , für Pulitzer- preiswürdig anerkannt hätte . |||

VII. BLOG 4 BURMA

czz blog4burma inadaequat

Derweil wir uns hier in|ad|ae|qu|at dies mal mit einer eher theoretischen Frage beschäftigen ( in Sachen Pulitzer- Preis allerdings von Birmania libre auf spanisch und Kathy in französischer Sprache assistiert werden ) , schweifen die Blicke unserer Korrespondenten des Netzwerks BLOG 4 BURMA ins Konkrete von Zukunft und Vergangenheit : News Headquarter stellt seinen Fokus peu à peu schärfer auf das “Verfassungs“- “Referendum” am 10. Mai ein , während Birma News United noch einmal die medialen Reaktionen auf die unrund gelaufene “Online- Demonstration” der “Reporter ohne Grenzen” unter die Lupe nimmt .

Was und wer via Radio nach Burma einstrahlt , lässt adaequat hören . Via Birmania libre erfahren wir von den Plänen des deutschen Extremregisseurs Werner Herzog , Daniel Masons 2002 erschienenes Romandebüt “The Piano Tuner” in Kooperation mit der unabhängigen amerikanischen Produktionsfirma Mandalay Independent Pictures zu realisieren : Ein Kolonialdrama in Burma anno 1886 - wo dies gedreht werden soll , verrät der Hollywood Reporter allerdings ( noch ) nicht . Nur kurz ein Stimmungsbild aus der Rezension der NYT :

Mr. Mason creates a riveting narrative, spangled with fascinating asides about everything from the ancient history of Burma to the history of Erard pianos to the mathematical mysteries of Bach. In doing so, he has written a seductive and lyrical novel that probes the brutalities and compromises of colonization, even as it celebrates the elusive powers of music and the imagination.

Weniger lyrisch sind freilich die täglichen Updates , wie sie Olivier @ Bloguer ou ne pas bloguer fast täglich serviert . Alles zusammen gibt es allerdings auch im praktischen Abo per RSS- Feed . |||

KLANGAPPARAT

Nach Längerem wollen wir uns in|ad|ae|qu|at wieder einmal in die Tiefen einer Label- Backlist zurücktasten . Und da wir die l a r i d a e- Release von Helmuth Deutsch aka Der Reisende ( vorgestern ) für höchst interessant befanden , wollen wir das WienGrazer Label doch dieser Tages ein Stück czz hörempfehlungseines bisherigen Wegs begleiten . Von einem “Label- Portrait” kann - bei mittlerweile 39 Veröffentlichungen - natürlich keine Rede sein . Switchen wir aber gleich mal rüber zum allerjüngsten Stück ( 039 ) im Werkverzeichnis , erwartet uns etwas gänzlich anderes als der zuvor vorgestellte Klang einer elegischen Urbanität . Bei Photophob aka Herwig Holzmann landen wir nämlich bei einem der Mitbegründer des Labels und einem virtuosem Energievorstoss in Sachen rhythmischer , sequenzieller und melodischer Komplexität . Mit einigen pfiffigen Sample- Einsprengseln . Laut Selbstdefinition handelt es sich bei “Skaphander Skanks” genremässig um “Retro Science- Fiction influenced fast- forward Drill’n bass absurdities, full of cheesy overdone pathos and hyperactive breakbeats …. ” . Anders formuliert : In ihren besten Momenten reicht diese 13- Track- Release mühelos an die heftigeren Squarepusher- Stücke heran . Wenn das keine Empfehlung ist ? -

CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Modern Utopia ( Signing Up For A ) | 02. On One Of Jupiter’s Moons ( Accurate Readings ) | 03. Impending Tragedy Overflow ( Space Opera ) | 04. Nursebot #1 ( A Bleep For Every Sheep ) | 05. Nursebot #2 ( Play ! ) | 06. My Baby’s Got A Bar On Ganymed ( A Milk Bar ) | 07. Galactic Delegate ( Negotiator’s Entry Blues ) | 08. Absolute Vacuum Tantrum ( She’s Taking It So Personally… ) | 09. Ectoplasmatic ( Shimmery Alien Lounge Band ) | 10. 1000 Miles Away ( More Than Merely A Dream ) | 11. A Very Subjective Emotional State ( Excitement ) | 12. One More Rock To Land On ( Bringing Everybody Home ) | 13. Untitled ( A Waste Of Time ) |||

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