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Play it again : FÜR den Bachmannpreis und WIDER die Literaturschulen - Eine Übertragung



||| IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE | IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG | “EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN | DEALS DER JURIEN | FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT | AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM | ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE

TDDL 2008 banner 300pxMusste man über Jahre hinweg lesen die stereotypen Stoss- Seufzer über den Bachmannpreis am ( Vorsicht : Wortspiel ! ) Wörther See und wie man sich abends bei Maria Loretto im berühmten Fischrestaurant unter den gruselig präparierten Fischköpfen an den Wänden ( Vorsicht : Bildwitz ! ) beim Gastmahle traf und wie dort oder auf den literaturjournalistischen Amateur- Fussballfeldern der Ehre es die Outsider den Insidern gaben

Musste man alljährlich lesen dieselben Protokolle von Outfits und Aussagen ( halbprivat ) , dasselbe Raunen über die echten , aus dem Genusse geistiger Getränke ergossenen Literaturbetriebswahrheiten …., so rächt sich das Feuilleton in diesem Jahr unisono mit Groll und Hohn für die Verknappung seiner Sport- und Spielwiese von zwei auf vier Tageslängen .

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IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG

picto TVIn chorisch harmonierenden Einzelstimmen wendet man sich gegen die Layoutierung der Show zu Zwecken und zu Gunsten der 3- sat- TV- Übertragung . Im fernsehgerechten Format , so der beleidigte Tenor ( Die Presse , taz ) , verwandle sich Literatur eben in jenes Ärgernis einer “prime time”- ( Der Standard ) , “Mittelstands-” ( DIE WELT ) , “Vita contemplativa”- ( FAZ ) und “Langweile”- ( NZZ ) Veran- oder -unstaltung , als welche sie sich anno 2008 den vor Ort Wesenden präsentierte .

Keiner mochte da einlenken , dass es eben die Fernsehübertragung sei , welcher die Juroren ihre Prominenz ( und guten Gagen ) danken , die im Besonderen allerdings dafür garantiert , dass Literatur im Feuilleton weiterhin für “der Rede wert” befunden wird . Anderseits gestattet just die Fernseh- Übertragung eine Teilhabe Vieler an einem lokalen “Event” : eine Zeugenschaft , welche die Lesungen selbst - allerdings auch die Leistungen der Jury , nicht zuletzt aber auch die Beurteilungen durch das Feuilleton - ÜBERPRÜFBAR macht .

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“EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN

picto TVSomit gerät die Oberhoheit der Kanzelrede und der exklusive Deutungsmacht des Feuilletons ins Wanken : Prompt reagiert das Feuilleton auf die solcherart “globalisierte” Information , indem es die Stadt Klagenfurt ebenso kleinredet und zur kleingeistig- protofaschistischen Provinz ( DIE WELT ) erklärt wie überhaupt den ganzen Bewerb inklusive der Juroren samt der von ihnen “vorgeschlagenen” und diskutierten Text- und Autoren- Funktionen .

Denn aber , hallo und sorry , möchten wir bescheiden daran erinnern , dass Klagenfurt noch immer ein Erbmöbelstück der “Gruppe 47″ ist und von deren berüchtigten Meetings , deren Lesungen und deren , jedem Widerspruch abgeneigten Ab- Urteilungen derer , die da lasen . Die , die da lasen , waren ( siehe : das Prinzip der “Einladung” bzw. der Juroren- Vorschläge ) selbstverständlich nur ein Teil “sie selber” . Der Löwenanteil war und bleibt allerdings das , womit sich ein Juror zu profilieren gedenkt , WEN er ins Rennen schickt und WAS er der Arena des Sammelkampfes vorwirft … zur Augenweide oder zum Frasse .

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DEALS DER JURIEN

TDDL 2008 banner 300pxWas das Juryprinzip ist in vielen verschwiegenen Versammlungszimmern , an Tagungstafeln und bei Konferenztisch- Kaffee aus Thermoskannen vollzieht , liegt in Klagenfurt vor Aller Augen . Deals , Kontrakte , Freundlichkeiten im Austausch gegen Imagepunkte , oder - bei Schlagseite des eigenen Kandidaten : der schnelle Seitenwechsel und Überlauf , der mit rhetorischer Verve überbrüht werden muss , damit der Sieger als selbstgekochtes Süppchen verkauft und vertreten werden kann .

Ja mei : All das ist hinlänglich bekannt . Was aber nun , wenn wir zugucken dürfen ( live dabei sein ! ) in der durch die Fernsehkameras und die hitzige Ausleuchtung nachvollziehbar unangenehm schwül- bedrückten Arena ? - Seit zwanzig Jahren weder im Besitze eines TV- Apparates noch des Animo , sich leiblich dem “Betriebsausflug” auszusetzen , hat in|ad|ae|qu|at das sogenannte “Wettlesen” stets via Feuilleton- Rapports und Insider- Witzen rezipiert . Und dabei Hunderte der oben genannten Fischessen , Fussballschweisstreibereien , Beschwipstheiten und Ausflügen ins lokale Puff nachlesen dürfen . Wenn im September dann oder im Oktober der jährliche Band “DIE BESTEN” bei Piper erschien , konnte und wollte sich eh Keiner mehr an das frühsommerliche Klagenfurt erinnern .

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FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT

picto TVNun aber hat das Netz auch für fernsehfrei lebende Zeitgenossen die “Zugänglichkeit” zu diesem eminenten Ereignis der Eliten von Feuilleton und Sozial- Performanz ermöglicht . Und solche “Zugänglichkeit” zu höherer - menschlicher , kultureller , emotionaler - Bildung gilt mittlerweile als Menschenrecht . Na gut , machen wir von solcher “Zugänglichkeit” via “Stream on Demand” Gebrauch und vollziehen “Klagenfurt” im totalen Echtzeit- Selbsttest und unter verschärften Bedingungen von sukzessiver Mitschrift und Fortverlinkung mit : Vierzehn Stunden lang an Bildschirm und Tasten , plus Mittagspausen usf.

Hier das Testergebnis : Auch unter den eingeschränkten Erwartungen , was ein Stream- Bild an Qualität vermitteln kann , ist der visuelle Faktor erbarmungslos kläglich . Im Chiaroscuro eines nur spotmässig ausgeleuchteten Studios verhindern abstruse Kamera- Totalen eine Konzentration auf den logisch zu fokussierenden Sprecher . Tritt selbiger allerdings - egal , ob gebeugter Autor , gestikulierender Juror oder bräselnder Moderator - ins Bild des Nah- Objektivs , erstarren die Talking Heads hinter der dick aufgetragenen und unvorteilhaft angestrahlten Maske . Da man Menschen , welche man schätzt und kennt , nur ungern in solcher Ensor’schen Masken- Übermalung betrachtet , verlegt man sich bald aufs Abblenden . Und siehe : Man beginnt zu HÖREN . ZUZUHÖREN sogar .

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AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM

TDDL 2008 banner 300pxUnd statt des blauen Studios erleben wir das blaue Wunder der Verwandlung eines “Literaturwettbewerbs” in ein HÖRSPIEL in Echtzeit : Mit den klassischen Chargen , Beschleunigungen und Retardierungen , Strophe und Refrain , Solo und Chor sowie viel lokal gefärbter Sprachmusik . Da treten die ausgestellten ( literarischen ) TEXTE als ebenso subjektive STIMMEN und CHARAKTERE auf wie das Geplänkel der Juroren , deren ebenso ausgestellten Bekenntnis- TEXTE und kulturtheoretische ROLLENPROSA . Solcherart sind wir - auch über manche Mühen der Textebenen ( aller Fraktionen ) hinweg - in den Genuss eines selten so unterhaltsam vernommenen HÖRSPIELS gekommen .

Fazit : Wenn schon das Radio sein Selbstbewusstsein als AKUSTISCHES Medium hinter Internetbildchen , LOGO- Optik und visuellen User- Interfaces am Handy verleugnet , wird man fortan das live übertragene , respektiv netz- gestreamte oder ON DEMAND abgespielte TV- BILD als neues Radio gebrauchen . BILD AB , TON AUF : Lass es jazzen , Mann , horch hin und maule nicht .

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ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO

picto TVUnd WENN man sich zu Klagenfurt bzw. in den Redaktionsstuben postum seit Jahren über die ( Vorsicht ! ) “gut gemachten , aber …“-Schreibstücke beklagt , dies Jahr erstmals auch über die ( Vorsicht ! ) “gut vorgelesenen , aber …“-Texte , dann schliesse man doch bitte endlich und einfach die VEBs der Literaturschulen und entlasse deren renommierte Lehrer , welche eben die SERIENTEXTE und -BEFINDLICHKEITEN mitproduzieren , über die sie und ihre Kollegen dann öffentlich mäkeln . Sorry : Bei diesem Betriebsspiel werden Menschen verbraucht … Der Rest der Argumentation ist unter der Kategorie “Germany’s Next Topmodel” bzw. “Deutschland sucht den Superstar” ( DSDS ) nachzulesen . Oder hiesse es doch nicht noch besser : “Dschungel-Camp - Ich bin ein Star – holt mich hier raus” ?!

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LINKS

  • Tilman Rammstedt erhält Bachmann-Preis - Der deutsche Autor Tilman Rammstedt hat den renommierten Ingeborg-Bachmann- Preis gewonnen . Der 33-jährige Schriftsteller wurde im österreichischen Klagenfurt für seinen Roman “Der Kaiser von China” ausgezeichnet . Rammstedt wagte etwas , das in Klagenfurt selten goutiert wird : Humor ( Elmar Krekeler , DIE WELT , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis 2008 : Darauf haben wir gewartet ( Oliver Jungen , FAZ , 29. 6. 2008 )
  • Vom Dienstbotenelend der Literatur - Der 32. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb - Mit einer Grossvater- Geschichte holt sich der Berliner Tilman Rammstedt den Ingeborg- Bachmann- Preis 2008 . Seine Erzählung ist komisch , wo die Qualität der sonst noch vorgetragenen Texte fast tragisch ist . Selten zuvor war die Literatur in Klagenfurt so durchschnittlich wie diesmal ( Paul Jandl , NZZ , 30. 6. 2008 )
  • Neuigkeiten aus Klagenfurt - Öl im Getriebe - Beim diesjährigen Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb haben sich die Schriftsteller , die Jury und das Publikum auf die Bedingungen des Fernsehens eingelassen ( Dirk Knipphals , taz , 30. 6. 2008 )
  • Das Jahr der Freundlichkeit - Der 32. Bachmann- Preis ging an den in Berlin lebenden Tilmann Rammstedt - Markus Orths und Patrick Findeis hatten Chancen . Eine Entscheidung , unentschieden ( Cornelia Niedermeier , Der Standard , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis : Ein Tyrann als komischer Held - Tilman Rammstedt gewinnt mit seinem schwarzhumorigen “Der Kaiser von China“ in Klagenfurt . Er setzte sich bei Jury und Publikum durch ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )
  • Literatur , im Wörther See versenkt - Beim Wettlesen zum Bachmann-Preis wird alles den Erfordernissen des TV , der Marke untergeordnet . Ein Text ist aber kein Waschmittel ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Ein Eintauchen in buchstäbliche Liquid Levels gestattet das herrlich verhaltene LOOPZILLA- MIX Numero 60 . Fern von jeder hochsommerlichen czz-hoerempfehlungBeach- Life oder Sonstwie- Fröhlichkeits- Frenesie , bleibt das “Sofa Mix” cool abgedimmt im gangbaren Takt , ohne ins loungig- Beliebige abzudriften : Daniel P. aka “Project Swirl” bedient sich mit seiner exquisiten Mischung aus Releases von Netlabels wie yukiyaki , Thinner , unfoundsound oder clear-cut allerdings nur beim Feinsten . - CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||

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BACHMANNPREIS 08 : Listen - Lesen - Lasten



||| NA JA : DANN MAL LOS | STUNDENPLAN - DARBIETUNGEN - DEBATTEN | RÉSUMÉES ( ORF ) | AUTOMATISCHE LITERATURKRITIK - PREIS DER RIESENMASCHINE | PRESSE | KLANGAPPARAT

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Das Blockseminar “Bachmannpreis 2008” aka “Tage der deutschsprachigen Literatur” kann losgehen . Laut Veranstalter gestrafft , verjüngt und in neuem Outfit , multimedial und -lingual . - Zur Gegenlektüre : Siehe Doris Mosers ( “Der Ingeborg-Bachmann-Preis - Börse , Show , Event” ) : Frequently Asked Questions .

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STUNDENPLAN - DARBIETUNGEN - DEBATTEN

Im Netz via ORF-TV on demand | per Media- Player

Freitag , 27. Juni , Vormittag

9 - 10 : Thorsten Palzhoff , D ( home , Videoportrait | Vorschlag Ijoma Mangold ) : “Livia” | Lesung ( video on demand ) | Debatte ( video )
10 - 11 : Alina Bronsky , D ( Videoportrait | Vorschlag Ijoma Mangold ) : “Scherbenpark” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
11 - 12 : Clemens J. Setz , A ( Videoportrait | Vorschlag Daniela Strigl ) : “DIE WAAGE” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
12 - 13 : Angelika Reitzer , A ( Videoportrait | Vorschlag André Vladimir Heiz ) : “Super-8” | Lesung ( video ) | Debatte ( video)

Freitag , 27. Juni , Nachmittag

15 - 16 : Martin von Arndt , D ( home , Videoportrait | Vorschlag Alain Claude Sulzer ) : “Der Tod ist ein Postmann mit Hut” | Lesung ( video ) | Debatte ( vod )
16 - 17 : Patrick Findeis , D ( Videoportrait | Vorschlag Burkhard Spinnen ) : “Kein schöner Land” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
17 - 18 : Markus Orths , D ( KEIN Videoportrait | Vorschlag Daniela Strigl ) : “Das Zimmermädchen” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )

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Samstag , 28. Juni , Vormittag

9 - 10 : Heike Geißler , D ( Videoportrait | Vorschlag Ursula März ) : “Das luftige Leben“| Lesung ( video ) | Debatte ( video )
10 - 11 : Sudabeh Mohafez , D ( home , Blog “zehn zeilen” , Videoportrait | Vorschlag Klaus Nüchtern ) : “Im roten Meer” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
11 - 12 : Dagrun Hintze , D ( Videoportrait | Vorschlag Burkhard Spinnen ) : “Flugangst” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
12 - 13 : Pedro Lenz , CH ( home , Videoportrait | Vorschlag André Vladimir Heiz ) : “Inland” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )

Samstag , 28. Juni , Nachmittag

15 - 16 : Ulf Erdmann Ziegler , D ( Videoportrait | Vorschlag Alain Claude Sulzer ) : “Pomona” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
16 - 17 : Tilmann Rammstedt , D ( Videoportrait | Vorschlag Ursula März ) : “Der Kaiser von China” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )
17 - 18 : Anette Selg , D ( Videoportrait | Vorschlag Klaus Nüchtern ) : “Muttervaterkind” | Lesung ( video ) | Debatte ( video )

Samstag , 28. Juni , Abend

20.15 : Preisvergabe ( erstmals im Hauptabendprogramm von 3sat live )

Tilman Rammstedt gewinnt den Bachmann-Preis 2008 | Patrick Findeis erhält den 3sat-Preis

Der in Berlin lebende Autor Tilmann Rammstedt ist der große Gewinner des 32. Ingeborg-Bachmann-Preises 2008. Er beeindruckte mit seiner Lesung aus seiner Familiengeschichte “Der Kaiser von China” nicht nur die Jury, auch das Publikum stimmte für den Nachwuchsautor. Rammstedt, 1975 in Bielefeld geboren, beschreibt in seinem Werk eine problematische Beziehung zu seinem Großvater. Die Jury lobte den bisher unveröffentlichten Text als hochkomisch und brillant. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Der 3sat-Preis geht dieses Jahr an Patrick Findeis, der in Berlin lebt und arbeitet. Ebenfalls erfolgreich im Wettbewerb ist auch der 1969 in Viersen geborene, heute in Karlsruhe lebende Autor Markus Orths, der vor allem Erzählungen, Romane und Essays schreibt. Er erhält den Telekom Austria Preis.

Der Ernst- Willner-Preis ging nach Österreich

Der Ernst Willner-Preis ging schließlich an den zweiten von Daniela Strigl nominierten Autor: Clemens J. Setz. Sie meinte, damit eine “höchst hintersinnige Geschichte über das Wägen und Abwägen” gewählt zu haben, die zeige, “was übermäßiger Fleischgenuss aus Männern machen” könne.

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RÉSUMÉES ( ORF )

Disclaimer : In|ad|ae|qu|at übergehen wir die verzichtbaren Subjektkommentare des “Satirikers” Egyd Gstättner .

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AUTOMATISCHE LITERATURKRITIK - PREIS DER RIESENMASCHINE

An Stelle des vorjährigen Klagenfurt-Totalisators lädt die ZIA 2008 zur Teilnahme an der Automatischen Literaturkritik ( Kriterienkatalog ) . in|ad|ae|qu|at hält eine Kommentierung der Kommenierung für verzichtbar , sondern sich schlicht ans Dokumentieren .

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PRESSE - TAG 1

  • Tagesspiegel” und ZEIT hatten Freitag gerade mal selbige , bis 11 Uhr die ersten beiden Lesungen ( Thorsten Palzhoff , Alina Bronsky ) ohne Zugabe eigener Gedanken zu beobachten . Der Rest des Freitag , 16:46 Uhr ex aequo online gestellten Textes reproduziert ein paar Fakten aus den Presseunterlagen . Gezeichnet “jg/dpa” .
  • Elmar Krekeler , ein ehrerenwerter Herr , ergeht sich in der WELT in einer Art von Live- Blogging , wobei besonders Moderator Dieter Moor Bohlen ( aka “der Geck” ) solchen Unmut erregt , dass auch ORF-Landesdirektor Willy Haslitzer einer Umbenennung in “Haslitza” anheim fällt . Immerhin bleibt der Chronist ( mit update ) bis Freitag , 17.32 Uhr auf dem Beobachterposten , referiert vornehmlich die männlichen Statements der Debatten : “Herr Mangold orgelt” , “Herr Heiz ist hingerissen … er bricht ins Schweizerische aus vor Begeisterung” , “Herr Heiz wechselt ins Französische. Herrn Spinnen geht das alles zu gut auf. Herr Mangold redet die Sprache des Textes klein” , Clemens J. Setz bietet “Angestelltenirrsinnsprosa” , Angelika Reitzers Text verursacht “Erste Klagenfurter Fluchtgedanken” : “Die Frau fährt auf einem Hometrainer zu ihrer glücklichen Tante. I wär narrisch.” ( Sic , czz )
  • Auch Cornelia Niedermeier ( Der Standard ) beginnt schon angehörs des Moor’schen Jargons “eine Abwesende, Unbekannte bei dieser Veranstaltung” zu vermissen : es sei “die Sprache – und die Liebe zu ihr” . Literarische Stereotypie des ersten Tages : “Klassische Bachmann-Texte , also für den Wettbewerb verfasste Beiträge, die artig dekodierbare Motive entwickeln, doch sprachlich wenig wagen.”
  • Harald Klauhs springt in seinem Bericht für “Die Presse” furchtlos medias in res : “Wie nervend darf ein Text sein ? An dieser Frage entzündete sich die erste heftige Diskussion unter den Juroren des diesjährigen Bachmann-Preises. Und zwar am Text Super-8 von Angelika Reitzer, die der Schweizer Juror Andr Vladimir Heiz nach Klagenfurt eingeladen hat.” - Hinsichtlich der von Clemens J. Setz surreal inszenierten Waage, “schlug” - so der Kommentator treffend - “der Zeiger … weit aus. Ich habe beim Lesen vor Lachen geprustet, kommentierte Ursula März diese hochkomische Horrorgeschichte über Biedermänner und Dinosaurier. Eine Fantasie über das Nichts, nämlich nichts Bedeutendes, nannte dagegen Neo-Juror Alain Claude Sulzer Setz’ Text … Schon an dieser Stelle spaltete sich also die Jury an der Frage, wie viel Mysteriöses ein literarischer Text haben darf oder soll.”

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KLANGAPPARAT

Nach so viel Gerede haben wir uns ein paar musikalisch aufmöbelnde “Zeichen” redlich verdient . Das junge Netlabel “Tonkultur-Berlin” ( TKBNET ) czz-hoerempfehlungschickt Steven Reitz ( pdf ) aka Freakster & Steven Schwarz ( pdf ) aka SCHWARZarbeit los , uns ein paar blutdrucksteigernde Mini ( mal ) ( beat ) - Pillen zu verabreichen : Dies Dosis ist höchst vernehmlich und bekömmlich . Besonders aber : Hochgradig wortlos ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Freakster : Zeichen | 02. Freakster : Red Lights | 03. Freakster : Aetsche Beatsche | 04. SCHWARZarbeit : Zero-Point-Nine |||

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Blog 4 Burma : Zeit zu Schweigen - No Blogger’s Block



||| EMBLEMATISCHES “STENCIL” | KASKADEN VON NACHRICHTEN | PATHOSFORMELN | RHETORIK DER SUPERLATIVE | NO BLOGGER’S BLOCK | BLOG 4 BURMA

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Nach acht Monaten einer in 35 materialreichen Beiträgen dokumentierten Beobachtung , Beleuchtung und Bedenken der politischen , kulturellen und humanitären Situation in Burma -
Nach acht Tagen Hochdruck- Bloggens über die weitreichenden Folgen des Zyklons “Nargis” -
Nach achtundzwanzig Wochen der vorbereitenden und begleitenden Berichte zum zynischen “Referendum” -

- haben wir nun vierzehn Tage lang konsequent zum Thema geschwiegen . Und dies nicht ohne Grund . |||

EMBLEMATISCHES “STENCIL”

Ein von einem Tag auf den andern an einer Wiener Hauswand aufgetauchtes Stencil hat uns durch die Diskretion seiner semiotischen Signatur für’s Erste zum Innehalten unserer atemlosen Assemblagen von Namen und Daten und Nöten und Getöteten gebracht : In seiner fragmentarisch emblematischen Struktur der pictura ( = die plan geschwärzte Repräsentation der Landkarte ) so wie der appellativen inscriptio ( “Geteiltes Leid … ” ) blieb dieses Zeichen wohlweislich die moralisierend- erläuternde subscriptio schuldig . Man könnte auch sagen : Das unvollständige Emblem delegiert die conclusio an den Betrachter .

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KASKADEN VON NACHRICHTEN

Unsere in|ad|ae|qu|ate Konklusion bestand für’s Erste in der Einsicht , in unseren Nachtschichten keinesfalls dem internationalen Katastrophenjournalismus hinterherhecheln weder zu wollen noch zu sollen . Das Räderwerk der Agenturmeldungen , deren Presse- Ab- und Umschriften , der Betroffenen- und Korrespondentenberichte lief und läuft heute wie geschmiert : Nach Monaten des nahezu absoluten Nicht- Berichtens flatterten mit einem Mal die Meldungen , Meinungen und multimedialen Features auf wie eine schwarze Wolke aufgestörter Saatkrähen .

Bewegte und bewegende Bilder gehen , wie es heisst , um die Welt , je krasser , je besser . Unsere erste Konsequenz bestand folglich darin , die in der Hitze des Gefechts herangezogenen Fotografien von Verstorbenen nachträglich aus den Postings herauszunehmen . Vielleicht wäre es besser gewesen - überlegen wir jetzt - diese nicht kommentarlos zu eliminieren , sondern mit Hinweis auf … ( wir sparen die Worte “Pietät” und “Würde” hier absichtlich aus ) zu schwärzen ? - Allerdings wäre auch diese demonstrative “Durchstreichung” wiederum eine pathetische Geste gewesen . Weshalb wir sie hier lieber knapp und sprachlich anzeigen . |||

PATHOSFORMELN

Da wir hier keine dpa , AFP oder APA- Meldungen verfassen oder ( wie in der journalistischen Tellerwäscherzeit ) diese im Zeichen von Schlichtheit und Neutralität für die Zeitung umformulieren müssen , kommt das dem Medium des Blogs ( ebenso wie dem Genre der Glosse ) angemessene Moment des “Gefühls” ins Spiel und damit die Frage , wie dieses via Fakten- Dramaturgie und rhetorischer Inszenierung zu formulieren wäre , um beim Leser den gewünschten Effekt zu erzielen .

Jetzt tun Sie bitte mal nicht so , als wollten Sie Ihre Leser nicht - auf welche Weise immer - von den Gründen Ihrer Empörung überzeugen . Dazu benötigt auch die kühlste Argumentation eine triftige Linie . Beziehungsweise eine “Pointe” . Welche im vorliegenden Fall selbstredend eine makabere wäre .

Beliebt ist in diesem Kontext auch der rhetorische Trick des Vergleichs : Das Wort , “Nargis” sei quasi die biblisch strafende “Sintflut” für die Verbrechen Generäle , wurde oft beschworen , doch von der Wahrheit der rechtzeitig ins aridere Landesinnere ( Naypidaw ) übersiedelten Regierung fürchterlich Lügen gestraft . Nur wenige Kommentatoren haben dieses falsche , die Tatsachen auf den Kopf stellende Bild später selbst widerrufen . Auch Qualitätsfeuilletons schreiben für den Tag . Und spekulieren auf die gnädige Macht des Vergessens . |||

czz blog4burma inadaequat

RHETORIK DER SUPERLATIVE

Schliesslich wurden im Diskurs der Superlative angesichts der weiter steigenden Opferzahlen und hinsichtlich der Granit- Politik der lediglich an der Erledigung des “Referendums” interessierten Regierung die MÖGLICHEN WORTE rar . Viele hatten ihr lexikalisches Kapital bereits am “Fall F.” aufgebraucht ( in der metonymischen Verkürzung auf “Amstetten” - seit Cannes kennt man ja neuerdings wieder den Begriff der “Synekdoché ” - ) .

Auch wir geben in|ad|ae| qu|at unverholen zu , dass es uns à la longue an Worten gebrach . Allerdings erhoben und erheben wir in keiner Weise den “Anspruch” , Katastrophen besonders orginell darzustellen . Dies war aber nur der eine Grund für die Einbeziehung ausführlicher Zitate aus Korrespondentenberichten , regierungskritischen Exil- Zeitungen wie “Mizzima” und “The Irrawaddy” sowie aus Blogs . Der zweite Grund bestand in der Einsicht , dass es auf unsere Ansicht nicht ankam . Sondern auf die Derjenigen , die es besser wissen . |||

NO BLOGGER’S BLOCK

Späestens aber , als die FAZ den abenteuerlichen Bericht des CNN- Reporters Dan Rivers über seine veritable Verfolgung durch die Behörden ohne explizite Quellenangabe übersetzte und damit bei vielen Lesern den Eindruck hervorrief , Rivers habe exklusiv für das Frankfurter Blatt geschrieben , ist uns für’s Erste die Lust am Zitieren vergangen . Also haben wir uns jetzt mal still gestellt . Was keinem ( einer Schreibblockade | Writer’s Block analogen ) “Blogger’s Block” gleichkommt .

Es ist ja nicht so , dass innerhalb des Netzwerks “Blog 4 Burma” nicht schon handfeste Sinnkrisen hinsichtlich eines “Weiterschreibens trotz Meldungssteppe” zu diskutieren waren . Oder höchst kontroverse Auffassungen der Form des Bloggens bzw. der “Inszenierung” . Also bedeutet eine zeitweilige Stille an dieser Stelle weder eine Minderung unseres Interesses an Burma , noch eine Schwäche des Netzwerk- Projekts . Speziell unsere französischen und spanischen Kollegen haben unermüdlich weiter berichtet , sodass der Feed seit Anfang Mai über 100 - zum Teil ausgreifende - Beiträge lieferte .

“Lotta continua” hiesse demnach : Den Kampf wieder und weiter und wieder zu führen - gegen das träge , uninspirierte und desorganisierte Selbst . Auch wenn “wahrscheinlich wieder kein Schwein” hinsieht ( F. K. Waechter ) . |||

czz blog4burma inadaequat

BLOG 4 BURMA

Seit Oktober 2007 berichten wir in|ad|ae|qu|at über Burma . Ende Oktober | Anfang November hat sich ein von Anfang an internationales Netzwerk “Blog 4 Burma” konstituiert . Mittlerweile berichten Blogger aus Deutschland , Frankreich , Spanien , Andorra , Österreich , ein Schweizer Reisender und ein in Deutschland lebender Exilburmese . Sämtliche Postings fliessen in einem gemeinsamen RSS- Feed zusammen .

Dessen jüngste Nachricht stammt von Kathy , die den gestern referierten Artikel des Politikwissenschafters Rony Brauman heute Nacht noch einmal ge- updatet hat, geupdatet hat und am Samstag das gesamte Land zur “Death Row” erklärte : “Birmanie, un pays carcéral avec peine de mort collective” . An selber Quelle sind auch umfasende Überlegungen darüber zu lesen , ob sich die Junta des “Verbrechens gegen die Menschlichkeit” schuldig ( ge ) macht ( habe ) , während adaequat seinerseits die Gretchenfage stellt : “Unpolitische Hilfe oder Humanitäre Intervention ?” -

Jonas Lanter berichtet von den potemkinschen Dörfern , in die man den UN- Generalsekretär führte . Birma News United hat die Chronik des Zyklons “Nargis” endgültig rekapituliert , womit auch die absichtliche Desinformation der Bevölkerung seitens der Behörden zur Sprache kommt . Birmania libre liefert ein Video zur zweiten , in den schlimmst betroffenen Zonen um zwei Wochen gestundeten , Tranche des “Referendums” . Letzteres hat freilich wenig an News Headquarters Befund geändert : “92% Zustimmung für Verfassung nach Referendum im DDR-Style” . Grundsätzliches hat khaipi , selbst Angehöriger der Volksgruppe der Chin , zum Text des “Referendums” zu bemerken . Unser Video- Spezialist Daburna kompiliert eine förmliche “Nachrichtensendung” aus verschiedenen Quellen ( u. a. dem Myanmar’schen Staats- TV ) . Und Olivier bringt täglich praktikable Linklisten .

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