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LITERATUR ALS RADIOKUNST | Ilse Kilic und Fritz Widhalm im ORF- Studio | Produktionsnotizen



||| VOM “FRÖHLICHEN WOHNZIMMER” … | … ZUM FUNKHAUS - ZUGANG ZWEI | FUSSBALLPLATZ VS. FERNSEHSTUDIO | ZISCH - BLUBBER - HÜPF | BEKANNTMACHUNG

VOM “FRÖHLICHEN WOHNZIMMER” …

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Leben und arbeiten im “Fröhlichen Wohnzimmer ” : Ilse Kilic und Fritz Widhalm haben ihre Lebens- , Lese- , Schreibstube eines Tages in einen Verlag verwandelt und ( ganz den ökonomischen Glückensbedingungen einer Klein- und Autoren- Edition entgegen ) dezidiert als “enchantiert” deklariert . In den vergangenen 22 Jahren sind nicht nur Bücher , Comix , CDs , Super-8- Filme und Videos dort aus der Taufe gehoben , sondern auch die je eigene und immer wieder gemeinsamen Werke verfasst , geschrieben und gezeichnet worden .

Literatur als Radiokunst” sollte für einmal den sonstigen Gastgebern das Gastrecht gewähren : Drei Tage professionelles Studio , Monate und Wochen zuvor Gespräche und angewandte Einführung in die dortigen Tools . Denn : Eigenregie - wenn auch sanft begleitet - lautet die Devise , auf dass Autorin | Autor für einmal auch im Radio so Laut geben - ja , gar Krach machen - kann , wie es ihm | ihr nun einmal gefällt .

Zugegeben : Auch über mögliche Texte wird lange vor der konkreten Studioarbeit verhandelt . Zugegeben : Für “Literatur als Radiokunst” gilt - ebenso wie für das “Kunstradio” - dass mediengerecht gearbeitet wird . Für das übliche Ablesen von Erzählungen oder Gedichten gäbe es ( vom Sendeplatz her ) bessere und leichter bespielbare Formate .

Hier aber könnte der Ort sein , wo man sich im Medium mit dem Medium auseinandersetzt . Hier aber könnte man die Möglichkeit , ein genuin radiophones Stück zu verfassen und in die eigene Poeto- Logik zu integrieren , als freundlichen Appell verstehen . - Mehr als Einladen , Einführen , Einleiten und Begleiten kann und mag “Literatur als Radiokunst” nicht . - Wie gesagt , denn auch LARK ist ja nur Gastgeber . Und das Studio ein Drei- Tages- Lebens- Wohn- und Arbeitszimmer . Sowohl vor als auch hinter der Glasscheibe ( vulgo : im Aufnahmestudio - dem berüchtigten schalltoten Raum - genauso wie am “RP” | Regieplatz bei der gemeinsamen Bearbeitung der aufgenommenen Tonspur ) .

Was also wunder , wenn die Schriftstellerin und der Schriftsteller mit einem Text zur optimalen Möblierung des - Sie sind Kunde ! - Wohn- und Lebensraumes mit ( gnadenlos Gender- gemainstreamten ) “Schriftellern und Schriftstellerinnen” in Funkhaus kommen . Auf welche Weise sich ein dekorativ- funktionelles Ensemble von Schriftstellern und Schriftstellerinnen im Eigenheim arrangieren lässt , ist nun mal nicht anhand der Readers Digest- Bände im IKEA- Schauraum zu ermitteln . Da braucht’s schon echte , die uns Unkundigen dies im dichten Doppel- Talk explizieren .

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… ZUM FUNKHAUS - ZUGANG ZWEI

Ganz so offen wie es die Absicht besagt , gibt sich das reale Wiener Funkhaus in Zeiten der Hoch ( un ) Sicherheiten leider nicht mehr . Gegen Pfand kriegt man dann aber doch eine RFID- Karte in die Hand und mag dann weiter unbehelligt durch alle Sicherheitstüren schreiten . Zum Beispiel diejenige bei “ZUGANG 2″ , von wo kafkanische Gänge zu den Produktionsstudios für Musik , Hörspiel , Feature und Radiokunst führen .

Hier hat man die ( vordisponierte ) Wahl zwischen dem großen RP4 mit Fairlight- Workstation , dem RP2 mit der kolossalen Capricorn- Konsole , dem RP3 für Pro-Tools Mix | Mastering und dem kleineren Hörspielstudio RP1 . Gemäß den Überlegungen im Vorfeld der aktuellen Produktion für “Literatur als Radiokunst” mit Ilse und Fritz schien Letzteres geeignet , auch aufnahmetechnisch eine passable Basis für weitere Bearbeitungsschritte zu legen : Trockene Akustik , vielseitige Soundtracs-Konsole , ProTools - Aufnahmesystem und die geradezu wohnzimmerliche Atmosphäre des Regieplatzes bilden das “Framework” . Einen interessanten Strauss diverser Mikrophone hatten man vor Produktionsstart aus dem Lager gepflückt .

Ausgangspunkt einer Wortaufnahme für “Literatur einer Radiokunst” ist oft die Entscheidung , ob schon beim Sprechen spezifische Räume und Hör-Ebenen einfliessen sollen , oder ob möglichst “trocken” aufgenommen wird , und erst im weiteren Bearbeitungsverlauf artifizielle Simulationen zugefügt werden . Dem mitgebrachten Text entsprach zweitere Methode besser . Trotzdem wurde das Gros der diversen Aufnahmen in unterschiedlichsten Artikulationsformen und ebenso vielen Mikrophonen mehrmals parallel auf Harddisk gebannt , auf dass beim Mixdown schönes Möglichkeitsmaterial zur Variation und Umspielung vorhanden sei ( wie beim Bergsteigen : man kann nie genug Seil mithaben ) .

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FUSSBALLPLATZ VS. FERNSEHSTUDIO

Funkhaus_RP1_LARK_Ilse_Kilic_Fritz_Widhalm_copyright_Christiane_ZintzenFunkhaus_RP1_LARK_Ilse_Kilic_Fritz_Widhalm_copyright_Christiane_Zintzen

Bereits das Manuskript für das hochernst- volksdidaktische Oratorium

Ergänzen Sie die Einrichtung Ihrer Wohnung mit einem Schriftsteller oder eine Schriftstellerin !

beinhaltet phantasievolle sprachliche Paraphrasen & Regianweisungen zur gedachten Klanglichkeit einzelner Textteile :

“… der satz verschwimmt langsam im raum oder zerstäubt leiser werdend in alle richtungen …” - “… die worte bohren sich schrill nach vorne und reißen abrupt ab …” - “… kursive teile werden leierartig wiederholt und schleppen sich bis zum nächsten zwischentitel …” - “… der satz setzt sich als echo fort , wird wie bei einem abfluss richtung mitte gezogen und vergurgelt ins nichts …”

Viele dieser Vorstellungen können nur mit hinterlistigem Effekt- Instrumentarium realisiert werden , einige Anweisungen beziehen sich aber direkt auf die Intensität und Lage der Sprechstimme in der Aufnahmesituation . Enstprechend wurden drei wesentliche Artikulations- Typologien herausgearbeitet :

  • Der bekannte Klang von bemüht ernsthaften “Experten” einer TV- “Sach”- Sendung
  • Der eindringlich- beschreibende Gestus von Sportreportern bei einer Livesendung
  • Der abstrakte Tonfall zweier Trickfilm- Figuren mit breitem Spektrum an Intonation

Funkhaus_RP1_LARK_copyright_Christiane_Zintzen

Als Standard- Mikrophon für Studio- Stimmen schlechthin gilt das AKG C414 . Deshalb auch hier die erste Wahl für den “Experten”- Klang . Sprechabstand recht knapp mit 10cm , Charakteristik : kontrollierte Modulation der Stimmen , verbindlicher Ton : Ein perfekter Kontrast zu den oft absurden Textzeilen darüber , wie eine Schrifstellerin oder ein Schriftsteller gefällig zur Steigerung des Wohlbehagens in den eigenen vier Wänden drapiert werden kann .

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Viel höher dann der Schalldruck bei der Sport- Reportage : zwanzig Jahre alte Electro - Voice RE 11 - Miks . In der Hand gehalten und im Stehen besprochen , erwecken sofort den typisch- knarzigen Klang aus dem Hanappi- Stadion im Eingangskanal der Mischkonsole .

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Eine sehr intime , extrem direkte Ebene wird dann noch mit dem VM-1 von Brauner erzielt , tiefste Bässe und höchste Höhen perlen aus den Lautsprechern , allerdings weren dabei auch die weniger erstrebendwerten Details wie zischende S- Laute , Schmatzen und Blubbern verstärkt - s’ ist halt ein sehr zartfühlend- empfindliches Ding .

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Dieses Modul direktester Stimmvermittlung werden wir bei der Mischung für die abstrakten “Regieanweisungen” heranziehen .

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ZISCH - BLUBBER - HÜPF

Funkhaus_RP1_LARK_copyright_Christiane_Zintzen

Nach acht Stunden Textaufnahme wechseln wir in den wirklichen und grossen Regieraum des Studio 3 . Hier schwingen die Membrane der stattlichen GENELEC - Lautsprecher in 5.1- Surround Sound im Takt der vielzähligen Effekte aus der ProTools- Plugin Trickkiste . Parallel zum Hauptcomputer mit TDM - Technologie kommt auch ein Laptop mit ProTools LE und angeschlossenem KORG padKONTROL zur Anwendung , damit werden Parameter des Sampler - Plugins KONTAKT und der Multieffekt - Software GUITAR RIG in Echtzeit manipuliert . Silbendehnungen und Wortstauchungen werden experimentell mit den neuen Elastic Time- Funktionen von ProTools 7.4 realisiert , das Gurgeln entsteht mittels Ringmodulator , extreme Verfremdungen sind das Ergebnis von sehr kurzen Sound- Loops , deren Startzeit und Länge am padKONTROL in raschen Bewegungen verändert werden . Nach und nach werden neue Effekt- Spuren in der Session angelegt , am Ende sind dann rund 52 Tracks in Verwendung , viele davon zur räumlichen Panoramisierung auch noch mehrkanalig .

Die dynamischen Richtungsänderungen der Sprachspuren in Verbindung mit wechselnden Effektanteilen und variabler Filterung stellen auch die höchsten logistischen Anforderungen an den Denkapparat des Maschinisten . Gleichzeitig und unabhängig voneinander müssen oft Hallsignal und Direktstimme zwischen den Kanälen plaziert werden , dazu noch ein PRE - FADER - Routing der Auxiliary Sends , Automatisierung der Höhen- und Bassfilter , sich aufschaukelndes Delay- Feedback : Erst dann zischen , blubbern und hüpfen die Sätze durch Raum und Zeit .

LARK Ilse Kilic Fritz Widhalm an den reglern RP3

Neben hunderten manuell gesetzten Punkten in der ProTools Automation und dem padKONTROL waren auch die beiden Joysticks am ProControl EditPack - Extenders hilfreich für die Gestaltung der dynamischen Verläufe . Obwohl diese mitunter erst zur Mitarbeit überredet werden müssen , lassen sich damit die zwei Kanäle eines Stereo- Basissignals unabhängig im Surround- Raum pannen ( und wenn die Joysticks nicht mitmachen wollen , kann man dafür immer noch die Maus verwenden : Danke , Ilse , für diese gute Idee ) .

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BEKANNTMACHUNG

Da stehen sie nun in Raum und Laufzeit , die herrlich ins Klangliche gestellten Schriftsteller und Schriftstellerinnen : Wann das “Fröhliche Wohnzimmer ” mit seiner aufgestellten Kulturmöbel- Beratung via Funk in Ihr trautes Heim dringt und klingt , das dürfen wir zu gegebener Zeit galant bekannt geben -

( kap | czz )

|||lärm no radio

Aus gegebenem Anlass des Ausmasses
an akustisch evokativen Vokabeln
vertrauen wir auf deren prallen Nachhall
und verzichten
auf den in|ad|ae|qu|aten KLANGAPPARAT

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LITERATUR ALS RADIOKUNST | Monika Rinck im ORF- Studio | Produktionsnotizen



||| STARKE STIMME : MONIKA RINCK | CLOSE READING - CLOSE LISTENING | ÜBER : SETZUNGEN , STILLE | RICH TEXT & REAL AUDIO | REAL RADIO | KLANGAPPARAT

STARKE STIMME : MONIKA RINCK

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenAus dem Vollen Schöpfen : Nicht oft trifft dies auf die Situation einer Radioproduktion zu , wo - so sagt man wohl - “einfach alle Komponenten passen” . Drei Tage lang “Arbeit am Text” , Einstimmen , Auslauten . Schnitt und Reprise , Cut und Takt , Stimm- Melodie nach Halbton . Monika Rinck bringt aus Berlin nicht nur einen dicht gewebten , in viele Sinnrichtungen spielenden und wortlüsternen Text mit nach Wien , sondern auch ihre wirkungssichere Stimme ; nicht umsonst ist die Dichterin ein Jahrzeht über Lesebühnen getourt , ehe sie ihr erstes Buch publizierte . Dazu ein Ohr , durchs Übersetzen auf Nuancen trainiert …. UND : Die für die konkrete Arbeit auf Sendezeit und im Klangraum unverzichtbare Fähigkeit , sich von Wörtern , Sätzen , ganzen Passagen für diesmal zu trennen . Ein reueloses Sich- Einlassen- Können auf einen beweglichen und undogmatischen Dialog mit den Technikern , dem aufgenommenen Klangmaterial und dessen elektroakustisch generierten Verfremdungen .

Da die Sendereihe “Literatur als Radiokunst” ( @ ORF- “Kunstradio” ) den Literaturschaffenden alle Möglichkeiten öffnen möchte , unter professionellen Studiobedingungen mit und an der stimmlichen Verwirklichung eines Textes zu arbeiten , darf man sich getrost für einmal von der bei Live- Lesungen unererlässlichen Linearität trennen . Mehrstimmigkeit- und Gleichzeitigkeit der personalen Performance sind in der liearen Echtzeit der “Dichter vor Publikum” nun mal nicht zu haben . Hier im Studio dahingegen entstehen Versionen , Variationen , Shout & Response in sukzessiven Aufnahmen . Welche dann , Sekunde für Sekunde , Ton um Ton , im Surround- Panorama gemeinsam mit Cutter und Tonmeister neu komponiert werden . |||

CLOSE READING - CLOSE LISTENING

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenMit Anton Reininger und Stefan Wirtitsch stehen diesmal gleich zwei kompetente Gentlemen bereit , “The Lady in Black and White” drei Tage lang zu begleiten . Und einen Text in Szene zu setzen , welcher vom Einstimmen , Abstimmen , Anstimmen und … Unstimmigkeiten handelt .

“AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” spielt mit Motiven von Sprechen und Verstehen , dem Übersetzen des Gemeinten in die gemeine ( communis ) Wirk- lichkeit des Worts … Können wir uns überhaupt irgendwie connecten ? - Vom psychoanalytischen Vielsinn zum vierfachen Schriftsinn des biblischen Worts bis zum alltäglichen Einander- Verpassen . Manifestiert in prekären Dialogen am Handy , wo sich Eine/r in vielen Worten verliert … und die Verbindung zum Gegenüber . An diesem APPARAT sowie an einem , im fernen Berner Oberland einsam bimmelnden Telephon konkretisiert sich tragikomisch die unerhörte Unerhörtheit eines Begehrens …. Erhören , Erlösung finden nicht statt .

Traumbildliche Poesie der disembodied voices im ( oder aus dem ) Radio- APPARAT :

Die Stimmen aus dem Radio waren Übertragungen offengelassener Handygespräche, aus denen ein Körper flugs emanieren und sich auch gleich ganz wohlfühlen konnte. ( … ) Ich sagte: “Sie wissen schon, dass Sie nur hier sind, weil jemand vergaß, ein Gespräch zu beenden? Die Schleuse ist dieses Küchenradio hier.” |||

ÜBER : SETZUNGEN , STILLE

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenAufnahme , Neuaufnahme , Schnitt , Ersetzen : Kein Gespräch , welches ( wie jede Beziehung ) je wirklich ein Ende fände … Keine Übersetzung , welche je abgeschlossen wäre : Nicht umsonst hat Monika Rinck ihre Szenen der grotesken Vergeblichkeit zwischen drei englische ( ! ) Zitate des französischen Dichters Edmond Jabès gebettet . Und spontan deren deutsche Übertragungen ins Mikrophon gesprochen .

Beide Stimmen parallel gelegt , überraschen durch Einklang in Duktus und Rhythmus . Im Prozess dieses Anlegens von synchronen Spuren , im wiederholten Abhören dieser dualen Gleichzeitigkeit wird das “Zugleich” von Nähe und Differenz zwischen “Original” und “Übertragung” zum höchst sinnlichen Hörerlebnis : Als wäre Umarmung möglich , Vereinigung allerdings nie . Kein Zufall , dass die Jabès- Zitate allesamt das Moment der “Stille” dialektisch in den “Dialog” einschliessen . |||

RICH TEXT & REAL AUDIO

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenJa , und eben diese vergeblichen Umgarnungen , Bestrickungen am längst kabellosen Miniatur- Fernsprech- Gerät : Was in den planen Paraphrasen unseres Produktionsberichtes wie ein RICH TEXT FORMAT anmuten mag , gebärdet sich in REAL AUDIO absolut anmutig . Ein vazierendes Summen , das den Sprechtext umspielt , ein sich verdunkelndes rosa Rauschen … quicklebendig darin Monika Rincks Stimme , die sehr genau weiss , was sie da - und wie sie spricht .

Vielleicht darf ja manchmal der Ausdruck und die mediale Übetragung dessen glücken , was da handelt vom Ungenügen des Worts . Trivial gesagt , das alte Hofmannsthal’sche “Lord Chandos“- Paradoxon : Höchst beredt vom Fehlenden und den Fehlern der Rede zu sprechen .

O- Ton Monika Rinck :

Also.

Also, ich weiß nicht, da müssten Sie meinen Sprecher anrufen. Was sagt denn Ihr Sprecher? Rufen Sie ihn halt an.

Er sagt, dass Sie nicht zu sprechen sind. |||

REAL RADIO

“AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” wird zu hören sein - in Sendungseinheit mit Michael Hammerschmids Arbeit “ENDE GUT , ALLES GUT - KEIN HÖRSPIEL” - am Sonntag , den 1. Juni , ORF- “Kunstradio” . Stereo via Radio und in 5.1- Surround- Sound per OE1DD . To be announced soon and separately . |||

KLANGAPPARAT

In Fortsetzung unserer gestrigen ( … darf man in diesem Kontext “Hommage” sagen ? … ) Hervorhebung der suggestiven Sounds , welche das russische Netlabel “electrosound” in schönem Unregelmass produziert , wollen wir heute eine träumerisch- psychedelische Trip- Hop- Variation czz hörempfehlungbetonen : Der Titel “Cocaine Ways” könnte in seiner selbstredenden Offensichtlichkeit allerdings zu Trugschlüssen führen . Tiefensatt gesetzte Beats in vexierenden Harmonien zielen auf depressiv gebrochene | intensivierte Lichter . Das alte Décadence- Motiv von der farbigen Glasscherbe , durch welche die Welt anzusehen wäre … Denis Borisov und Mikhail Gurov aka Abstracode bespielen das Genre , ohne in diesem zu versinken . Und das Ganze in voller EL PE - Länge : CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Slow Glow ( Intro ) | 02. 2 Days 2 Ways | 03. The Despair | 04. Finding a Doze | 05. Sniffing Cocaine | 06. Texturkki | 07. Endogenous Opiates | 08. Gradioz | 09. Sick Fantasy | 10. Eat My Dirt , Bitch ! | 11. Cemetry Of Dream | 12. Transitions | 13. The End Of Summer | 14. Detalkki | 15. Make Your Transition ( Outro ) |||

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LITERATUR ALS RADIOKUNST | Daniel Wisser im ORF- Studio | Produktionsnotizen



||| STUDIO- SESSION : MAJOR TOM | LITERATUR ALS RADIOKUNST | ANDERE LEKTÜREN | RADIOKUNST : HÖRBUCH , ONDULIERT ? | FALSCHE FRAGEN | NÖTIGE KLARSTELLUNG | ANTI ROMANTK | DAS ALIEN ( “E. T.” ) - MITTIG | HOLOPHONE | KOOPERATION ( STEREO ) | WITH A LITTLE HELP … WIE LANGE NOCH ? | KLANGAPPARAT Hörproben EWHO | LINKS ( MONO )

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STUDIO- SESSION : MAJOR TOM

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Wesentlich anders als in einem Space Shuttle geht es in einem Hörspielstudio wohl nicht zu : Drei Tage lang drängt man sich in einem unterirdischen Welt- Abseits zusammen . U- Boot . Raumschiff . Immerhin bieten die beiden Sprecherräume links und rechts von der Kontrollzentrale ( sprich “Regieplatz” ) einige Bewegungsfreiheit . Sprech- und Laufställe , die der rezente LITERATUR ALS RADIOKUNST- Kandidat DANIEL WISSER weidlich für seine oratorischen Zwecke zu nutzen verstand . |||

LITERATUR ALS RADIOKUNST

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Wer’s noch nicht weiss , bzw. , wer dem auf das Projekt LITEATUR ALS RADIOKUNST weisenden Link in unserer Blogroll noch nicht nachgegangen sein sollte : Seit 1999 produzieren wir diese Reihe unter Dach und Fach des ORF KUNSTRADIO - jener Sendung , die nach Kräften im öffentlich- rechtlichen Rundfunk die Agenda experimenteller Künstlerproduktionen gegen Moden- und Quoten- Druck verteidigt . Da darf auch der Pegel mal über dem sonst Erlaubten liegen , da ist auch der mögliche Raum des Schweigens weiter , bevor die Hauptabwicklung das automatische Pannen- und Pausengedudel loslässt . |||

ANDERE LEKTÜREN

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Der Fokus auf LITERATUR mag zwar bedeuten , dass wir als Produzierende grundsätzlich Text- Sprachschöpfende einladen , doch darf ( deswegen sind , bleiben und gelten wir ja weiterhin als sog. “experimentell” ) im Zuge des Vortrags und bei der Bearbeitung die plane Textverständlichkeit durchaus korrodieren .

Gerade und bieder “herunter”- gelesene Texte bieten die üblichen Literaturformate hinlänglich - gar nicht zu reden von den Tausenden Hörbüchern , die ( mal auf exzellentem , mal unter jedem Niveau ) Werke im Take- Away-Format ( nicht selten auch zu entsprechenden Preisen ) anbieten . |||

RADIOKUNST : HÖRBUCH , ONDULIERT ?

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Was ist dann überhaupt noch der Unterschied zwischen einer radiophonen und einer Hörbuchproduktion ? - Beide werden in einem Studio geboren , oft unter Geburtshilfe of the Author’s ‘ Voice - beide sickern dann irgendwo und -wann einmal aus Lautsprechern . Sei’s Allzeit- Bereit beim Bügeln, im Kraftfahrzeug oder aus den i- Pod- Ohrpfropfen , sei es zu festgesetzter Stundes aus dem Radioapparat . Allerdings überbieten die Sender einander derzeit mit Stream- und podcast- Angeboten , so dass der Aspekt der ECHTZEIT einer Radioübertragung tatsächlich aus Bewusstsein und Aufmerksamkeit schwindet . ( Kategorie “Untergang des Abendlandes” , vol. 765 ) |||

FALSCHE FRAGEN

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So hat ein Jungredakteur eines Österreichischen “Feuilletons” das Prinzip der Autoren- Produktionen @ LITERATUR ALS RADIOKUNST einst auf den Punkt des grössten anzunehmenden Irrtums gebracht : Die Schriftsteller sässen eh fortwährend in ihrer einsamen Klause und seien glücklich , sich drei Tage lang in einem “echten” Radio- Studio austoben zu dürfen und schliesslich als Resultat sogar die auf CD gebrannte Aufnahme nach hause nehmen zu dürfen . Hörbuch im DIYS- Verfahren . |||

NÖTIGE KLARSTELLUNG

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An dieser Darstellung ist so ziemlich jede einzelne Silbe falsch . Den angewandten Gegenbeweis lieferte der Musiker und Schriftsteller DANIEL WISSER anlässlich unserer jüngsten Produktion . Zugegeben , wir benötigen solche Trägermedien : CDs , DATs , heute Audio- DVDs oder externe Festplatten . So sichern wir die volatilen Daten , sorgen für deren Archivierung , Weitergabe und Bestand . - Freilich ist mit der Produktion in 5.1 Surround- Sound seit nunmehr drei Jahren die Menge der Daten explodiert : Entsprechend aufwändiger wurde deren Bearbeitung , Sendung ( via Sat ) und Archivierung . In drei Formen der Darreichung tritt sie nun auf , diese LITERATUR ALS RADIOKUNST .

  • ON AIR : In Form der LIVE- Ausstrahlung in 5.1. via OE1DD , gleichzeitig in der ( nahezu ) simultan auf Stereo “heruntergerechneten” FM- Sendung [ reizvoll : die kleine Zeitverzögerung ! ] .
  • ON SITE : Via MP3 auf der entsprechenden LARK- Webseite .
  • TO GO : Erstellen wir selbstverständlich auch Kopien auf Datenträgern . Audio- CDs für die Stereo- , bzw. Audio- DVDs für die 5.1.- Version . Solcherart lassen sich die LITERATUR ALS RADIOKUNST- Produktion auch an anderen Orten und zu anderen Zeit aufführen . Hier läge ein WÜNSCH- DIR- WAS seitens der Kuratorin : Wenige Künstlerinnen und Künstler haben bisher die Möglichkeit genutzt , ihre LARK- Produktion als Zuspielung bei einer “Live- Lesung” zu verwenden . - Soweit uns bekannt ist , hat Franz Mon einmal “live” zum surround abgespielten Tondokument improvisiert . In dieser Hinsicht auf die konkrete AUFFÜHRUNG eines Radiokunst- Stückes gäbe es schöne und noch ungenützte Möglichkeiten : Einmal abgeschlossen , abgespeichert , gesendet , muss so ein Werk nicht zwingend “still stehen” . Es könnte weiter wachsen in Phasen und Transformationen , in neuen Räumen , dem Leben nach . |||

WISSERS WISSEN

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Nach den Produktionen mit Anja Ulter , Ann Cotten und Ulrich Schlotman hatten wir jetzt den Wiener Musiker , Verleger ( Der Pudel ) und Schriftsteller zu Gast und man wird nicht gerade behaupten dürfen , dass dieser Studio- erfahrene Mann nicht weidlich genutzt hätte , was Küche und Keller zu bieten haben . Vom schalltoten Sprecherraum bis hin zum grossen Hörspielsaal bleibt kein Klangraum ungenutzt . Mittels statischem Mic , mobilem Reportermikrophon ( Rückkopplungen nahe der Lautsprecher des Regie- Raums ) sowie dem Handy als einem praktikablen Instrument zur Echtzeit- Kompression von Stimme : Für eine monologisch dargebrachte tragisch- vergebliche Liebe zu einer Postsparkassen- Angestellten ein nachgerade ideales Instrumentarium . |||

ANTI ROMANTK

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Niemand beginnt am Anfang. Denn woher wüsste man,
dass es ein Anfang ist, wenn man nicht bereits die Mitte kennen würde?
Also beginnt man in der Mitte.
Anstatt am Anfang von Etwas,
beginnt man in der Mitte von Nichts.
Das ist gut. ( Daniel Wisser : Die Tür )

Wer Wisser für einen ramponierten Romantiker halten würde und seine Poesie für schaumgeborene Capuccino- Tristezza , der liegt nämlich ganz schön quer . Seit 1994 sind die Gebrüder Wisser ( Florian , Daniel ) , Thomas Pfeffer und Jürgen Plank in der Formation des ERSTEN WIENER HEIMORGELORCHESTRS ( EWHO ) zugange und haben sich auf den Tasten dieser zu Unrecht belächelten Floccati- Wohnzimmerbeschallungsapparate unbestrittenen Kultstatus erspielt . Zu hören und sehen ist das EWHO übrigens noch am 6. Dezember im Zuge der vorläufig letzten Aufführung von Peter Handkes Untertagsblues , wo das orgelnde Konsortium dem - die alte Publikumsbeschimpfung aufleben lassenden - Philipp Hochmair ungerührt Akkorde zu- und an diesem vorbei spielt .

Unser Mann im Studio verfügt demnach nicht nur über exzellenten Takt , sondern auch über eine phänomenale Stimme , deren obenhin austriakischer Duktus sich in überraschende Körnigkeiten aufzureiben vermag . Einmal wieder erweist sich die Chance und das eminente Glück - wie bei Ulrich Schlotmann ( bei welchem man bereits beim ersten Satz durch das Mic schier “niederknieen” möchte ) - einen solchen Autor im Studio zu “haben” . Was hier und unter diesen konzentrierten Bedingungen entsteht - ist in keiner Weise mit einer Live- Performance , einer üblichen Autorenlesung oder gar dem “einfühlenden” Herunternudeln eines Textes durch Schauspieler zu vergleichen .

Da wir nun einmal fünf ( plus einen Bass- Effekt- ) Kanal zur Verfügung haben , können wir die Stimme schön im Raum verteilen : Front Center für “gerade Erzählung” , Doppelung und simultan gegenläufige Drehung der Stimmspur über die fünf Kanäle , Halbsatz- Dialoge Mitte rechts - Mitte links ( “Wie Ohrfeigen” ) und - ach ja , dann gab es auch noch unseren schönen neuen “Alien” . |||

DAS ALIEN ( “E. T.” ) - MITTIG

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Zum Ausprobieren des niegelnagelneuen Superstars unter den statischen 5.1.- ( bis 7.1. möglichen ) Mikrophonen gab es etliche Rundtänze um diesen zentral- positionierten “Seehundkopf” aufzuführen . Normalerweise postiert man ja sechs Einzel- Mono- Mics ausserhalb der Szene : Quasi in naturalistischer Abbildung | Analogie zur Klangwiedergabe , deren Lautsprecher meistens dezentral ( “surround” ) positioniert sind . Obwohl die Aufnahme also im Kreisinneren erfolgt , ertönte das Ergebnis wiederum in der Aussenzone . Experimente mit zentrisch positionierten Boxen böten sich ebenso an wie die Ausnützung der Tatsache , dass grosse Rundumräume keiner weit gesteckten Mikrophonierung mehr bedürfen …. Funktion eventuell noch am ehesten mit dem KUNSTKOPF zu vergleichen , welcher mittlerweile aus der Mode gekommen scheint ( wir vermuten mal : wegen dessen weitgehend “naturalistischem” und damit rasch reizlos werdenden Gebrauch ) . |||

HOLOPHONE

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Interessant beim Herumspielen mit dem HOLOPHONE war die Beobachtung , dass das Gerät den direkten Schalleinfall geringer verstärkt als Hinter- bzw. Nebengrundgeräusche ; man erinnere sich an das Handy , welches jeden vorbeifahrenden Lastwagen dem Nah- Sprech bei weitem vorzieht . D .h . , ferne im Raum aufgenommenes Stimmengewirr , Schritte , ja sogar das Rascheln der Kleider wurden von HOLOPHONE weit eindringlicher übertragen als jede Mund- zu- Mund- Beatmung . Wie weit sich dieser Gain noch regulieren lässt : Dies müssen wir ein ander Mal ausprobieren . |||

KOOPERATION ( STEREO )

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Feed und Feedback . Notwendige Momente völliger Kopf- und Ohrenlähmung . Stippvisiten , Überfälle : Kuratoren , Kollegen , Kiebitze . “Wohlmeinende” Ratschläge , ungefragt : Ohne Willen zur Kooperation , ohne die Fähigkeit , den Anregungen Anderer zuzuhören und ohne die Souplesse , auch mal eine vermeintlich “suprige Idee” einfach fahren zu lassen , wäre eine solche Produktion undenkbar .

Hier : Wissers “Vorwissen” , sein aus Fragilem und schwer lotbarem Trivialen eigentümlich gewebter Text , seine Bereitschaft , bei unzähligen Neu- und Wiederaufnahmen mit seiner Stimme nicht zu geizen . Dort : Die tonmeisterliche Kundigkeit , Geduld und Experimentierfreude unserer Soundmasterin Anna Kuncio .

So ( sagen wir mal als Kuratorin und Producerin selbstredend befangen ) könnte sendefähige Literatur möglich gemacht werden , welche vielleicht den Tag überdauert . Oder die 14:40 Minuten ihrer Ausstrahlung via FM ( stereo ) und Sat ( 5.1.) . Die genauen Daten folgen . |||

WITH A LITTLE HELP … WIE LANGE NOCH ?

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Dass eine so aufwändige Produktion Geld kostet , ca se va en soi . Derweil geniessen wir für unser - mit 2008 ins neunte Produktionsjahr gehendes - Projekt Unterstützung seitens des ORF , der ( GAV ) Grazer Autorinnen Autoren Versammlung ( Honorare ) sowie von Seiten des Literarischen Quartiers Alte Schmiede , wo wir am 6. März alle vier Produktionen des Jahres 2007 in Anwesenheit ihrer Kreatoren präsentieren dürfen . Selbstverständlich rundum beschallt - per eigens vom ORF herbei geschaffter 5.1- Apparatur .

Aber wie lange noch ? - Wäre man paranoid veranlagt , könnte man Indizien zunehmender Lustlosigkeit der fördernden Instanzen bemerken . Aber da wir ja glücklich frei sind von jedweder Anwandlung dieser Art , basteln wir bereits munter an der Künstler- und Playlist für’s kommende Jahr . Antragsformular nicht vergessen ! |||

KLANGAPPARAT

Hörproben ERSTES WIENER HEIMORGEL ORCHESTER

czz hörempfehlungAUTO PLAY CD ( plagdichnicht 2005 ) :

01. anton ( excerpt ) | 02. oliven und schafkäse ( excerpt )| 03. mit den dritten fall ( excerpt ) |||

LINKS ( MONO )

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