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Salon Littéraire | Florian Neuner : Aufruhr IV : Rheinhausen



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Salon Littéraire | Florian Neuner :

Aufruhr IV : Rheinhausen ( Aus : “Ruhr.Text” )

Die Krise des Ruhrgebiets nimmt möglicherweise die Entwicklung künftiger Krisenzentren vorweg. Wenn es an der Ruhr brennt, reicht das Wasser des Rheins nicht, um das Feuer zu löschen. Wenn die Bastion des Aufruhrs nach 160 Tagen fällt. Wenn man das Ergebnis als Niederlage bezeichnen muß. Wenn wir die Mechanismen der Macht begreifen. Wenn die Spannungen im Betriebsrat zunehmen. Wenn alles wieder auf systemstabilisierende Reformen hinausläuft. Wenn politische Lernprozesse stattfinden. Wenn sie nicht stattfinden. Wenn der Versuch der Tabuisierung bestimmter Kampfformen nicht gelingt. Wenn die Probleme tiefer liegen. Wenn der Rückgang industrieller Produktion nicht zur Erhöhung der Lebensqualität führt. Wenn eine Gewerkschaftsbewegung sich selbst aufgibt. Wenn eine fortschrittliche Kampfbewegung bestehendes Recht bricht. Wenn die Opfer des Kapitalismus & seiner Propagandisten in ihrem täglichen Leben die Widersprüche dieses Systems erfahren. Wenn die Mehrheit des Betriebsrats keine Möglichkeit mehr sieht, den Kampf mit Aussicht auf Erfolg weiterzuführen. Wenn der Vorstand der Krupp Stahl AG im Rahmen eines “Optimierungskonzeptes” den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen in Rheinhausen beschließt. Wenn der Gesamtbetriebsrat der Krupp Stahl AG diesem Konzept zustimmt.

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Unter der Voraussetzung, daß Ersatzarbeitsplätze geschaffen werden & alle Krupp-Standorte als gesichert gelten können. & nur zwei Monate später dann doch die Schließung des Rheinhausener Werks bekanntgegeben wird. Wochenlange Geheimverhandlungen der Vorstände von Krupp Stahl, Thyssen Stahl & der Mannesmann Röhrenwerke. Verteilung der Produktion auf Mannesmann & Thyssen. 3000 Stahlarbeiter der Nacht- & Frühschicht ziehen am 27. November 1987 vor die Hauptverwaltung, um vom Vorstandsvorsitzenden persönlich zu erfahren, was zwischen den Konzernen ausgehandelt wurde. Am Abend findet eine öffentliche Sitzung des Bürgercomités statt, das bereits 1979 gegründet worden war, um die Schließung des Bertha-Krankenhauses zu verhindern. Drei Tage später tritt im Walzwerk Rheinhausen unter Anteilnahme der Bevölkerung eine außerordentliche Betriebsversammlung zusammen. 10000 Menschen, Eier gegen den Vorstandsvorsitzenden. Später wird von einem Meilenstein der Gewerkschaftsbewegung die Rede sein. Am großen “Stahlaktionstag” kommt es in Teilen des Reviers zu generalstreikähnlichen Zuständen. Das kann selbst die bürgerliche Presse nicht leugnen. Mehrmals blockieren die Rheinhausener zusammen mit der Solidaritätsbewegung Straßen & Brücken. Greifen in die Straßenverkehrsordnung ein & erfüllen im juristischen Sinne den Tatbestand der Nötigung. Immer wieder gibt es Vorfälle & Ereignisse in Rheinhausen, die aus dem Rahmen fallen. “Wir planen & planen, zerbrechen uns den Kopf, dann kommt Thyssen mit einem Abbauplan, & alles war für die Katz.” Sagt der Oberbürgermeister a.D. “Die eigentliche Entwicklungsplanung für die Stadt betreiben die Konzerne.” Rheinhausen ist überall.

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Ein Fanal für die Arbeiterbewegung in Deutschland. Zahlreiche Arbeitskämpfe orientierten sich in den folgenden Jahren daran. “Rheinhausen” als letzter großer “Test”. Wofür? Wie viele Lügen geschluckt werden? Wie lange es dauert, bis eine Protestbewegung ins Leere läuft? Duldsamkeit in allen ihren Formen ist & bleibt der erste moralische Makel. Jede statische Ordnung zerfällt zu Staub. Früher oder später. Neue Kampfschritte & Kampferfahrungen sind vielleicht noch einmal etwas wert. Indem sie in die Geschichte geworfen sind, indem sie an der Arbeit & an den Kämpfen, aus denen diese Geschichte besteht, teilnehmen müssen, sind die Menschen gezwungen, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen. Werden Texte herübergeweht, die 20 Jahre alt sind oder 40. internationale sozialistische publikationen. Die Gesellschaft des Spektakels. Usf. Auf einem alten Photo sehe ich den Oberbürgermeister a.D. an einem Rednerpult mit der Aufschrift “Das Revier muß leben!”. Der Oberbürgermeister a.D. gestikuliert mit seiner rechten Hand, die beinahe aussieht wie zur Faust geballt. Ich sehe den Vorstandsvorsitzenden mit einem Stahlarbeiterhelm. Der Vorstandsvorsitzende duckt sich weg im Eierhagel. Am Rande einer Demonstration wird eine mit dem Namen des Vortandsvorsitzenden versehene Puppe verbrannt. Jugendliche scheinen Spaß zu haben an der Aktion. Wütende Stahlarbeiter (erkennbar an ihren Helmen) ziehen zur Hauptverwaltung. In ihrem Schwarzweiß wirken die Photos älter als sie sind. Die Erinnerung an die Arbeitskämpfe, die inzwischen 20 Jahre zurückliegen, wird gerne als “Nostalgie” denunziert. Die offizielle Lesart lautet, daß diese Arbeitskämpfe “sowieso nichts” gebracht hätten. Revolten seien sinnlos, weil es eben keine Alternative gebe. Was würde aus den Arbeitern werden ohne die Fabrikbesitzer, die so gut sind, sie zu beschäftigen? Ausgereizt - mehr war nicht drin! Aber war wirklich nicht mehr drin?

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Alles geht mit atemberaubender Geschwindigkeit vonstatten. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel verbreitet sich die Nachricht von der Stillegung des hochmodernen Stahlwerks in Rheinhausen. Groß ist der Drang, nicht herumzusitzen, sondern etwas zu tun. Die Arbeiter sind gut gerüstet. Am Wochenende beginnt sich der Widerstand zu formieren. Nun weiß auch der Letzte, daß die Kruppianer die Schließung des Werks nicht kampflos hinnehmen werden. Fesseln spürt man erst, wenn man sich rührt. Schnelle Zuspitzung & erste Höhepunkte. Geladen mit Zorn ziehen die Stahlkocher vor das Verwaltungsgebäude. Der Platz ist voll, die Stimmung wie vor einem Gewitter. Sie haben mit uns Verträge gemacht & diese Verträge auf beschämende Weise gebrochen. Da treibt man die Krupp’sche Belegschaft zur Arbeit an wie noch nie. Da wird die Belegschaft auf unerträgliche Weise dezimiert. & nachdem wir alle im Dreieck gesprungen sind, wird uns der Dolch in den Rücken geknallt. Aber wir leben noch, & wir werden uns zur Wehr setzen! Lautsprecherwagen fahren durch die Siedlungen & spielen die kämpferische Rede des Betriebsleiters ab, die als “mitreißend” erlebt wird & inzwischen als “legendär” gilt. Wem kann man in diesem Land noch trauen? Die Frage wird nicht beantwortet. Welchem Menschen, der in der Öffentlichkeit steht, kann man noch etwas abnehmen? Natürlich niemandem. & früher konnte man es doch wohl auch nicht. Man will uns hier Beruhigungspillen geben. Krupp’sche Arbeiter, nehmt diese historische Stunde wahr, um endlich das auszufechten, was wir ausfechten müssen! Der Betriebsleiter beschwichtigt aber auch: Hier ist nicht die Hafenstraße. Wir werden keine Gewalt anwenden. Die innere Anspannung platzt, ein unbeschreibliches Pfeifkonzert setzt ein. Wir wollen hier keine Schwätzereien. Wir wollen Aktionen, die diesen Standort Rheinhausen erhalten. Hier ist der Teufel los. Aber entgegen dem “Stahlpolitischen Programm” der IG Metall ist die Vergesellschaftung der Stahlkonzerne nicht Kampfziel.

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Der fünfmonatige Kampf der Rheinhausener hat viel bewegt. Ziel & Inhalt des Kampfes haben Maßstäbe gesetzt. Wenn dieser Kampf aber dennoch nicht erfolgreicher beendet werden konnte, dann lag das u.a. an der einheitlichen Front der drei beteiligten Großkonzerne. An der mangelnden Solidarität führender Politiker. Am Mißlingen eine standortübergreifenden Kampfes. Die Stahlarbeiter hatten aber gelernt aus der Stillegung der Hattinger Henrichshütte, die kurz zuvor durchgesetzt worden war & wo die Orientierung des Kampfes auf Ersatzarbeitsplätze & symbolische Aktionen statt Streik in die Niederlage geführt hatte. Die Losung hieß: “Kein zweites Hattingen”! Gewerkschaftsfunktionären & führenden Sozialdemokraten bereitete derweil die Fülle von Verstößen gegen die herrschende Rechtsordnung Sorgen. Die Kruppianer haben kollektiv die Arbeit niedergelegt, Werkstore blockiert, Lieferungen behindert & Räume, Telephone, Kopierer usw. für ihre Zwecke genutzt. Die Belegschaft übte zeitweilig die Kontrolle über die Produktion aus. Im alten Walzwerk wurden Solidaritätsveranstaltungen durchgeführt, an denen sich Zehntausende Menschen beteiligten, die auf dem Betriebsgelände eigentlich nichts zu suchen hatten. Massendelegationen besuchten andere Betriebe, Glastüren gingen zu Bruch, Hunderte Kruppianer belagerten den Düsseldorfer Landtag innerhalb der Bannmeile. All das ist im Sinne der herrschenden Rechtsordnung illegal & verstößt in den meisten Fällen gegen bestimmte Gesetze wie Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, Nötigung usf. Eine fortschrittliche Kampfbewegung bricht bestehendes Recht & muß das auch tun, weil dieses Recht offensichtlich die Positionen einer gesellschaftsfeindlichen, aber mächtigen Minderheit schützt. Es gibt keinen ernsthaften Arbeitskampf ohne Risiko. Schließlich handelt es sich um Notwehr. Seid nicht zimperlich in der Wahl der Mittel, die gegnerische Seite ist es auch nicht! Der Oberbürgermeister a.D. erkennt an, daß im Arbeitskampf eine eigene Gesetzlichkeit herrscht, die sich seinem Einfluß entzieht. Die Bundesrepublik ist eine Klassengesellschaft, & das herrschende Recht ist das Recht der Herrschenden. Legitimität & Legalität liegen oft weit auseinander.

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Die erste Brückenblockade! Schnell spricht sich die Nachricht herum. Als die Frühschicht Dienstbeginn hat, sind es schon Hunderte. Bürger bringen Kaffee & Brötchen. Die Rheinhausener zeigen viel Verständnis für die Aktion, die Polizei leitet den Verkehr um. In ihrem Kampf gegen die Werkschließung können die Kruppianer auf ein breites Bündnis zählen. Schüler demonstrieren gegen den industriellen Kahlschlag, Einzelhändler helfen mit Spenden. Arbeiterfrauen gehen auf die Straße & organisieren eigene Proteste. Mit 20 Bussen fahren Kruppianer nach Bochum & verschaffen sich Zutritt zur Aufsichtsratssitzung der Krupp Stahl AG. Zwei Tage später stürmen sie die Villa Hügel in Essen, wo der Mutterkonzern Krupp GmbH tagt. Die Villa auf dem Hügel ist erst in Gefahr, wenn die Hütte in der Ebene bedroht ist. Versichert ein Pfarrer. Tags darauf, am sogenannten Stahlaktionstag, werden zahlreiche Kreuzungen & die B 1 in Dortmund bis zu acht Stunden lang blockiert. Wir schützen unsere Stadt! Hafenarbeiter blockieren die Hafeneinfahrt, um einen Erztransport für Krupp aufzuhalten. Die Anzahl der Beteiligten, die Protestformen & die Unterstützung in der Bevölkerung kommen offenbar überraschend. Die Wucht, die Respektlosigkeit & die Frische des Kampfes. Der 10. Dezember 1987 ist für die Herrschenden ein Alarmsignal. Dem Krupp-Vorstand ist klar, daß sich ein Flächenbrand zu entwickeln droht, der eingedämmt werden muß. “Läuft euch die Sache hier auch nicht aus dem Ruder?” Fragen auch besorgte Gewerkschaftsfunktionäre. Haben offensichtlich Angst, daß der Protest etwas bewirken könnte. Ohren zu & durch. Der Konzern antwortet mit Hinhaltetaktik & will mit dem Betriebsrat über Zukunftsmodelle verhandeln. “Wenn du heute als Betriebsrat zum Megaphon & zur roten Fahne greifen mußt, hast du schon verloren.” Meint ein Betriebsrat & Aufsichtsratsmitglied. Nicht durchsetzen können sich diejenigen, die eine sofortige Arbeitsniederlegung fordern. Der Betriebsrat, der auch im Aufsichtsrat sitzt, sagt. “Nein, das werden wir nicht tun. Wir werden arbeiten & werden wieder rausgehen aus der Arbeit. Wir gehen wieder arbeiten, & wir gehen wieder raus, d.h.: Wir werden keinen unbefristeten Streik machen, zumal ein sogenannter Schaukelbetrieb für das Unternehmen am teuersten ist.” Der sozialdemokratische Städtebauminister sagt: “Die übertriebene Dramatisierung der Situation in Rheinhausen kann ich nicht akzeptieren.” Die Zeit läuft.

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Auf einem Photo ist das Schaufenster eines Duisburger Lebensmittelladens zu sehen, in dem ein großes Transparent hängt: “Solidarität mit den Rheinhausener Krupparbeitern”. Das Geschäft bleibt für einige Stunden geschlossen. Ich sehe Bilder von der Besetzung der Rheinhausener Rheinbrücke, die damals in “Brücke der Solidarität” umbenannt wurde & diesen Namen inzwischen offiziell trägt. Es ist Winter, die Betriebsfeuerwehr schafft Brennkörbe heran, in denen mit Holz gegen die Kälte geheizt wird. Ein Pulk, der sich im Verwaltungsgebäude der Krupp Stahl AG in Bochum eine Treppe hinaufdrängt. Kruppianer besetzen den Sitzungssaal, stecken sich feixend & demonstrativ Cigarren an. Im Hintergrund ist ein Photograph zu sehen, der sich die Szene nicht entgehen läßt. “Vorsicht bissige Belegschaft” steht auf einem Transparent, das mürrisch dreinblickende Männer in die Villa Hügel gebracht haben. Man weiß, daß das vielen braven Gewerkschaftern schon zu weit gegangen ist & daß die Bissigkeit dieser Belegschaft seine Grenzen hatte - auch wenn es vorübergehend zu Irritationen kam. Der Sturm ins Allerheiligste. Es wird behauptet, daß für den Vorstandsvorsitzenden eine Welt zusammengebrochen sei, der sich von “seinen” Arbeitern geliebt wähnte. Eine Menschenmenge, auf vielen Köpfen weiße Helme, in der riesigen Eingangshalle der Villa Hügel, mit den Gemälden der damals schon ausgestorbenen Krupps an den Wänden, Rüstungsfabrikanten, Ausbeuter, Kriegsverbrecher. Kürzlich wurde in der Villa eine Ausstellung mit Werken aus dem Folkwang Museum eröffnet, & die Kritikerin des Deutschlandfunks hob die Dissonanz zwischen der plumpen Protzarchitektur & der zur selben Zeit entstandenen modernen Kunst hervor. Die auf allen Ebenen immer weiter vorangetriebene kapitalistische Entfremdung macht es den Arbeitern immer schwerer, ihr eigenes Elend zu erkennen & zu benennen. Sie stehen vor der Alternative, entweder ihr ganzes Elend oder nichts abzulehnen. Erst wenn wir die Mechanismen dieser Macht, die uns gängelt, ausbeutet & unterdrückt, begreifen, können wir nach dieser Macht greifen.

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War wirklich nicht mehr drin? Stellen wir uns nur z.B. vor, die Stahlkocher hätten die Hütte besetzt & in Besitz genommen oder es wäre zum Generalstreik gekommen. Oder die Villa Hügel in Essen hätte gebrannt. Der Aktivist, der in der Leitung der gewerkschaftlichen Vertrauensleute in der Hütte tätig war, sagt: “Ich war rasend, mir war alles egal. Der Film war gerissen.” Er las die von der Betriebsgruppe der Marxistisch-leninistischen Partei (MLPD) herausgegebene Betriebszeitung Heißes Eisen: “Die hatten geschrieben, was auf uns zukommt, & so kam es schließlich.” & arbeitete deshalb mit den Aktivisten der MLPD zusammen. So stellt man sich ins Abseits. Erhalt der Hütte um jeden Preis! Der Betriebsrat, der auch im Aufsichtsrat saß, sagt: “Wir haben natürlich als betriebliche Vertreter auf Erhalt des Stahlstandorts gepocht bis zum Schluß. Wir konnten aber auch gar nicht anders, wir konnten nicht sagen: Also wir gucken mal, daß wir einen ordentlichen Sozialplan hinkriegen oder daß wir nur Teile des Unternehmens retten. Es ging nur eins - Sieg oder Blut am Stiefel.” Also Blut am Stiefel. Rheinhausen paßte nicht ins sozialdemokratische Konzept. Es herrschte Rat- & Konzeptionslosigkeit. Nach dem Arbeitskampf entschloß sich die IG Metall, die unter den Stahlarbeitern dramatisch an Ansehen verloren hatte, zu einer Aufarbeitung, die allerdings nie veröffentlicht wurde. Es fehlte vor allem an einer strategischen Diskussion um die Zukunft der Stahlindustrie. Die starke Orientierung auf den eigenen Standort gab dem Kampf insgesamt einen eher defensiven Charakter & erschwerte auch den Einbezug der Standorte, die selbst nicht unmittelbar gefährdet waren. Möglicherweise hätten die Probleme & politischen Defizite überwunden werden können, wenn man Rheinhausen zum Modellfall schlechthin gemacht hätte. Von der Dimension, der Heftigkeit & der Publizität der Auseinandersetzung her hätten dafür sicherlich gute Voraussetzungen bestanden. Die Chancen, am Beispiel Rheinhausen eine arbeitsorientierte Alternative in der Strukturpolitik zu realisieren, wurde nicht wahrgenommen.

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Der Vorstand spielt auf Zeit & setzt darauf, daß die Auseinandersetzung in einer Verhandlungsphase in ruhigeren & berechenbareren Bahnen verlaufen würde. & er setzt auf die herannahende Weihnachtszeit. Aber am 18. Dezember nehmen 25000 Menschen an einer Demonstration teil, an die sich ein ökonomischer Gottesdienst im alten Walzwerk anschließt. & zu Weihnachten treffen sich wieder Tausende vor an der Mahnwache Tor 1. Seit Ende November ist das Mahnwachen-Zelt Tag & Nacht besetzt. Solange die Mahnwache steht, ist unser Kampf nicht zu Ende gekämpft. Im Januar kommt es zu einem Warnstreik von 50000 Beschäftigten in 63 Stahlbetrieben. 15000 Schüler & Auszubildende schließen gemeinsam mit den Arbeitern der Frühschicht eine Menschenkette um das Hüttenwerk. Stahlarbeiter aus Hattingen & Duisburg schließen einen “Pakt der Solidarität”. Am 14. Februar kommt es vor der Rhein-Ruhr-Halle in Duisburg-Hamborn zu einer denkwürdigen Abstimmung. Fast 6000 Vertrauensleute & eine starke Abordnung aus Rheinhausen stimmen bei einer Funktionärskonferenz der IG Metall gegen den Willen der anwesenden Hauptamtlichen für die sofortige Einleitung der Streik-Urabstimmung & die Vergesellschaftung der Stahlindustrie. In den offiziellen Publikationen der IG Metall wird jede Information über die Vorgänge vor der Rhein-Ruhr-Halle unterschlagen. Wie soll sich eine Gewerkschaft verhalten, wenn die Entwicklung im Betrieb eine Eigendynamik gewinnt, so daß die Betroffenen sagen: Jetzt nehmen wir das selbst in die Hand?

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Die Rheinhausener Bastion des Aufruhrs im Revier war nach 160 Tagen gefallen. Eine Schlacht ist verloren. Wie kann man aus den Fehlern lernen? Muß man die Richtung ändern? Eine Reihe von Möglichkeiten wurde nicht genutzt, die den Kampf wenigstens zu einem relativen Erfolg hätten führen können. Wie ernst ist das Argument zu nehmen, die Gewerkschaft wäre mit Regreßforderungen konfrontiert worden, wenn sie sich an die Spitze des Streiks gesetzt hätte? Arbeitskampfrisiko oder faule Ausreden? Wie weit kann, wie weit muß die Gewerkschaft in einer konkreten Kampfsituation gehen, will sie ihre Glaubwürdigkeit nicht verspielen? Sicher, es gibt keinen ernsthaften Arbeitskampf ohne Risiko. Dieses Risiko muß mit dem drohenden Versagen der Gewerkschaft in ihrer Schutzfunktion den Mitgliedern gegenüber & drohender Demoralisierung nach nachhaltiger Schwächung abgewogen werden. Schließlich sympathisierte die Bevölkerung von Tag zu Tag stärker mit dieser Belegschaft. Die Rheinhausener haben die Grenzen der Legalität immer wieder entschlossen, aber diszipliniert überschritten. Sie haben den Preis für polizeiliche & juristische Unterdrückungsmaßnahmen & für Maßregelungen durch den Krupp-Vorstand sehr hoch geschraubt. Niemand konnte es ernsthaft wagen, sie mit den Mitteln des bürgerlichen Strafrechts anzugehen. Die Bewegung hatte eine zu große Kraft entwickelt & zu große Sympathien auf ihrer Seite. Denn was ist das für ein Recht & was für eine Ordnung, die vertragsbrüchige Vorstände & politische Betrüger ungeschoren läßt? Warum stehen die bürgerlichen Parteien, einschließlich der Sozialdemokratie, einem solchen Existenzkampf so feindselig gegenüber? Warum stellen sich die Sozialdemokraten, die an Orten wie Rheinhausen ihre besten Wahlergebnisse erzielen, nicht eindeutig auf die Seite der Kämpfenden? Warum sind die Gewerkschaften so schwach aufgetreten? Ja, warum wohl? In dieser komplexen & furchtbaren Entwicklung hat das Proletariat in den Industrieländern völlig die Behauptung seiner selbständigen Perspektive & schließlich seine Illusionen verloren, nicht aber sei Wesen. Es ist nicht aufgehoben. Seine Existenz in der gesteigerten Entfremdung des modernen Kapitalismus dauert unerbittlich fort.

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Die Stahlkocher gehen im Mai 1988 nach mehr als 160 Tagen Arbeitskampf als Geschlagene vom Feld. Nachdem Konzernleitung & bürgerliche Parteien alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, um den Streik zu beenden. Nachdem der Streik mit der Aussicht auf Rettung durch die Landesregierung über die Köpfe der Mehrheit der kampfbereiten Stahlarbeiter hinweg abgewürgt worden war. Nachdem der Ostermarsch Ruhr seinen Auftakt am Tor 1 genommen hatte. Nachdem der Vorstand bei den Verhandlungen in Bochum bei seinen “Betonpositionen” geblieben war. Nachdem es noch einmal eine Galgenfrist gegeben hatte. Nachdem 20000 Menschen zu einem Aktionstag unter dem Motto “Rheinhausen ist überall” gekommen waren. Nachdem noch einmal Wochen mit Vermittlungsgesprächen vergangen waren. Nachdem die Ankündigung, bei einem schlechten Verlauf der Vermittlungsgespräche weiterzukämpfen, sich als rein verbal erwiesen hatte. Den Stillegungsbeschluß hat man nicht vollständig abwenden können. Ein Hochofen wird zwar vorerst erhalten, fällt aber fünf Jahre später einem neuerlichen Schließungsbeschluß zum Opfer. Der Betriebsrat sagt: “Die Leute sind nicht arbeitslos geworden. & wenn ich sie heute treffe, Samstag auf dem Markt, dann merkt man den Leuten ihren Stolz an, so ein großes Ding gedreht zu haben & sich politisch so nachhaltig in Erinnerung gerufen zu haben.” Der Pfarrer sagt: “Es gibt Heldenzeiten, die dauern nicht ewig. Ich sehe kommen, daß die Stahlindustrie hier einmal ganz verschwindet.” Der Arbeitsrechtsexperte meint: “Wenn ein Unternehmen sagt: ‘Wir wollen ein Werk schließen’, & die Arbeitnehmer sagen: ‘Ja, dann arbeiten wir nicht’, dann sagt das Unternehmen: ‘Wunderbar, das ist genau das, was wir wollen.’” Noch gibt es viele Hauptamtliche in den Gewerkschaften, Betriebsräte & Vertrauensleute, die zu der Schlußfolgerung kommen: Rheinhausen hat alles eingesetzt & doch alles verloren. Jede Hütte stirbt für sich allein.

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Fünf Jahre später: Ein großes Schild mit der Aufschrift Businesspark Niederrhein zeugt von der mühsamen Ansiedlung neuer Unternehmen. Hinter dem Schild ist eine riesige Freifläche. 1000 neue Arbeitsplätze sollten hier bald entstehen, von High-Tech-Firmen war die Rede. Inzwischen wäre die Stadt über jeden Klempner-Betrieb froh, der sich hier niederließe, denn bislang hat sich nicht ein einziges Unternehmen angesiedelt. Die Rheinhausener nennen den Businesspark auf dem Areal, das die Stadt Duisburg teuer von Krupp gekauft hat, “Is-Nix-Park”. Nur ein Gewerbe blüht: Prostituierte nutzen das Gelände für ihre Arbeit. Die beiden Anliegerstraßen im Businesspark sind nach von der Roten Armee Fraktion ermordeten Managern benannt. Später siedelt sich eine Porzellanpuppenmanufaktur & das Bildungszentrum des Altlastenversorgungs- & Altlastensanierungsverbands an. 10 Jahre später beginnt die Planierung der größten Industriebrache Duisburgs. Die Kosten trägt das Land. Die alte Walzwerkshalle wird abgerissen. Bis zu sechs Meter tief sind ihre Fundamente, die Überraschungen freigeben: Gänge & Lagerräume, von denen niemand etwas wußte. Wie sich die Bilder gleichen: Aufgebrachte Stahlarbeiter versuchen erfolglos die Krupp-Zentrale in Essen zu stürmen, um gegen den Versuch einer feindlichen Übernahme von Thyssen durch Krupp-Hoesch zu protestieren. 20 Jahre später sind die architektonischen Spuren des Hüttenwerks nahezu vollständig ausgelöscht. Sattelschlepper donnern über das Gelände, wo das Logistikzentrum Logport mit eigenem Hafenbecken & Anschluß an Schiene & Straße entstanden ist. Wer auf dem Logport-Gelände arbeitet, der ist nicht selten prekär beschäftigt & arbeitet für wenig Geld. Der Logport-Sprecher leugnet das gar nicht: “Es wird sicherlich nie möglich sein, auf dem Logport-Gelände wieder die alte Situation herzustellen, sowohl was die Arbeitsplatzzahl angeht als auch die Qualität oder das Lohnniveau, weil natürlich heute ganz andere Lohnniveaus üblich sind.” So verändern sich die Perspektiven. Mit Rheinhausen hat die Radikalität der Gegenwehr nur einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

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Muß man das Ergebnis als Niederlage bezeichnen? Kann man sagen, daß ein Kampf, der so viel bewegt hat, mit einer Niederlage geendet hat? Führt das nicht dazu, daß man künftig erst gar nicht anfängt zu kämpfen? Das ist doch beabsichtigt! Bleibt mehr als nur Erinnerung? Die Rheinhausener selbst haben das Ergebnis nüchtern als Niederlage eingeschätzt, weil das Ziel des Kampfes - Erhalt der Hütte - nicht erreicht werden konnte. Unsere Bemühungen um die Standortsicherung sind gescheitert. Wenn der Kampf nicht erfolgreicher beendet werden konnte, dann u.a. weil man es nicht bloß mit dem Krupp-Konzern, sondern mindestens ebenso mit Thyssen & Mannesmann zu tun hatte. Weil es um unternehmensstrategische Überlegungen ging, die auf den europäischen Markt gerichtet waren. Weil sich führende Politiker nach anfangs vollmundigen Solidaritätserklärungen offensichtlich dem Druck der Stahlkonzerne beugten. Weil ein Teil der Presse in der Auseinandersetzung mehr & mehr ordnungspolitische Probleme sehen wollte. Weil es nicht gelungen ist, den Kampf standortübergreifend zu führen. Die Belegschaft der Krupp-Hütte & die Bevölkerung Rheinhausens haben einen Kampf geführt, der mittlerweile schon geschichtliche Bedeutung erlangt hat. Durch die phantasievollen Aktionen hat die Bevölkerung des Ruhrgebiets ein neues Bewußtsein politischer Kraft erhalten & zu einem neuen solidarischen Umgehen miteinander gefunden. Pfeifen im Walde. Das Proletariat besteht aus der ungeheuren Mehrzahl der Arbeiter, die jede Macht über die Bestimmung ihres Lebens verloren haben & sich - sobald sie das wissen - wieder als Proletariat definieren. Als das in dieser Gesellschaft wirkende Negative. Die Krise des Ruhrgebiets ist gekennzeichnet von unakzeptablen Widersprüchen.

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Florian Neuner

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Burma Burns On | No Peace | At Any Pric/ze



||| WIE DIE BLÄTTER DES HERBSTES

icon red help ecgccahatten die UNITED COLORS OF BLOGOSPHERE im Zuge der Aktion FREE BURMA rot und gelb und prächtig aufgeleuchtet . Die Phase Eins dieser Selbstsynchronisation informeller Netzwerke ( aka DIE GUTEN KRÄFTE SAMMELN SICH ) versprach - wie so oft - die Wohlfühlfaktoren “Engagement für eine Gute Sache” , “Solidarität” , “Mehrung des Traffic” sowie eine tatsächlich sehenswerte Debatte über Potenziale und Grenzen des Mediums BLOG . Dies auf einen reinen Hype zu reduzieren ( as does Feynsinn , quite sardonically ) geht gerade an DIESER Sache völlig vorbei .

Allerdings dreht sich die Welt platterdings weiter und sämtliche Blogrollen mit ihr . Jedes WWW- Diarium hat seine Agenda . Damit auch ( s ) ein Publikum als Wille oder Vorstellung : Selbst Illusionen wollen bedient werden . - So war FREE BURMA für Viele ein sogenanntes OFF- TOPIC . Den Einen ein Seitensprung zum Menschenrechts- Voyeurismus , Anderen ein Gewissensding , Dritten ein beachtlich beachtenswerter Reality- Check der Blogosphäre . Wie von Robert Basic , Benedikt Köhler und Marc Scheloske mit ihren jeweiligen Berichten beim Barcamp München bewiesen .

||| INZWISCHEN WURDE DAS INTERESSE WELK

icon red help ecgccaDenn wer wusste schon eine Antwort auf die Fragen *?Was aber nun ?* - Und : *? Wie Weiter ?* - Wir waren in|ad|ae|qu|at nicht die Einzigen , welche sich diese Frage stell ( t ) en . WAS wir als night- time Blogger überhaupt zu Ostasien , dessen politischen Verstrickungen und die Unschärfe etlicher Quellen NICHT zu WISSEN vermögen , haben wir mehrfach thematisiert .

Kann denn aber dieses ZU WENIG WISSEN grundsätzlich ein prinzipielles HANDS OFF legitimieren ? - Ohne hier irgendwelche PRINZIPIEN zur Schau zu tragen ( wir führen diesen Artikel nicht ) , bleibt unsere ( sit venia verbo ) “NEUGIER” hinsichtlich der Geschehnisse in Burma aufrecht und ungestillt . Umgekehrt formuliert : Wir können nicht anders , als die Nachrichten über neue Brutalismen , welche täglich auf uns zu stürzen , zumindest zu verzeichnen . Nicht WIR blicken auf das Thema , sondern das TOPIC blickt UNS an .

Weshalb wir auch keine irgendwie besseren Menschen sind oder etwa werden , wenn wir der Sache Raum geben . Und dabei Wort für Wort , Satz für Satz Gefahr laufen , trotz Checks und Cross- Checks von Meldungen Fehler und Agitation zu reproduzieren . *? WAS KÖNNEN WIR WISSEN ?* bleibt also aufrecht . Trotzdem eine kleine Rekapitulation von FAITS DIVERS .

||| DEMONSTRATIONEN , FEUERWEHR VOR DER SHWEDAGON

icon red help ecgccaMacht vielleicht nicht masslos auf FUN FACTOR , aber es sei . Beginnend mit den internationalen Protestmärschen am Samstag , deren grösster durch Londons Strassen ging , mit über 10.000 ( laut Organisatoren ) bzw. 3.000 Teilnehmenden ( laut Polizei ) . Am folgenden Wochenende und -Beginn sah’s des Weiteren kurzfristig nach einer “leichten” - wenngleich prekären - Entspannung der Lage in Myanmar aus . Mizzima zeigt in der vorgestrigen Ausgabe allerdings ein Foto vom mächtigen Feuerwehrwagen , stationiert vor dem Tor der Shwedagon- Pagode - laut Wiki DEM religiösen Zentrum in Rangoon . - Eine “subtilere” Form der Drohung ? - Der relative Friede sei , kommentieren die in Thailand situierten Exil- Burmesen , nur augenscheinlich :

The junta has visibly reduced security in the anti-government protest hot-bed and former capital with mass demontrations petering off. The man hunt for protesters, however, continues. ( Mizzima News , 11. 10 .)

||| FOLTER & TOD EINES OPPOSITIONELLEN

icon red help ecgcca Eine brutalere Sprache verlautet mit dem Tod des am 26 . September festgenommenen führenden Oppositionellen Win Shwe in Haft und unter Folter ( reuters , 11. 10. ) . One Activist Killed as a Result of Torture during Interrogation , meldet die in Thailand situierte ASSISTANCE ASSOCIATION FOR POLITICAL PRISONERS ( AAPP ) :

After Ko Win Shwe and group were arrested, they were placed at Plate Myot Police Center near Mandalay. He died as a result of torture during interrogation. However, his body was not sent to his family and the interrogators indicated that they had cremated it instead.

Many people are reporting that numerous demonstrators were killed when security forces brutally cracked down on the peaceful demonstrations with shooting and vicious beatings. Many dead bodies and injured persons were cremated or placed in the river. Some dead bodies of monks have appeared in the Pazundaung River in Rangoon in the past few days. In addition, many of those who have been arrested have been tortured during interrogation.

||| HAFT UND -BEDINGUNGEN

icon red help ecgcca Eine Detailed List of Detainees umfasste am 10. 10. 514 namentlich aufgeführte NLD ( National League for Democracy ) - Mitglieder , Mönche und Studierende . Von den Conditions of Detainees in Police Battalion #7, Rangoon berichtet eine Aussendung vom 21. 9. :

 

  • No healthcare is provided.
  • They have no access to adequate water supply.
  • They have no access to adequate food supply.
  • No mosquito nets are provided, although there are lots of mosquitoes.
    Those who are obviously in poor health conditions are not given any medicine.
  • Cell windows are permanently shut.
  • Barbed wire has been placed around their cells, and they are guarded 24-hours a day by armed personnel.
  • Due to coping with the aforementioned circumstances, the health conditions of detainees are seriously deteriorating; they are all facing skin diseases and malnutrition.

In diesem Kontext ist Thomas Fullers Look at the Opposition in Myanmar ( NYT , 7. 10. ) zur Orientierung dienlich : Civil Servants , Citizens [ under permanent observation ] , Studierende und Mönche . Laut reuters- Korrespondentenbericht bestätigt ein am Donnerstag frei gekommener Mönch die “animal-like conditions” der Haft sowie die dortige höhnische Aberkennung des ( kulturell hoch angesehenen ) klerikalen Status ( You are no longer monks ) :

Caged for more than a week at a former Government Technical Institute compound in north Yangon, the monks — revered figures in the devoutly Buddhist nation — were stripped of their maroon monastic robes and treated like common criminals.

“When one of us used a pronoun referring to himself as a monk, he was slapped,” the monk said. “Then an interrogator said: ‘You are no longer a monk. You are just an ordinary man with a shaven head.’” ( Aung Hla Tun , reuters , 11. 10. )

||| BEFEHLSVERWEIGERUNG

icon red help ecgccaDie NCGUB ( National Coalition Government of the Union of Burma - parlamentarische Exilopposition ) veröfentlicht am 11. 10. einen Artikel aus der JAKARTA POST des Tages : Five Generals and at least 400 soldiers jailed for refusing to shoot Burmese monks .

Burma’s ruling junta have detained five generals and more than 400 soldiers for disobeying orders to shoot and beat monks and other activists who took part in recent protests in Rangoon, an official said Monday.

The official, who asked for anonymity out of fear he would be punished by the junta, said it was the first sign of divisions in the country’s secretive establishment.

“The five generals expressed their refusal to deploy their troops against the monks openly. They were then quickly put into detention by the junta. Some 400 soldiers of the Saigaing Division near Mandalay also put down their guns in front of the monks, and asked for their forgiveness as they fully realized they had committed the biggest sin,” he told The Jakarta Post.

The official refused to disclose the names of the generals or give further details on where the generals and the soldiers were detained. ( NCGUB | Jakarta Post , 11. 10. )

||| LEICHENVERBRENNUNG

icon red help ecgcca Ein Korrespondent der TIMES berichtet von Secret cremations hide Burma killings . Ganz wie Kollege China nach dem Massaker am Tiananmen- Platz ( 1989 ) habe das burmesische Militär ab 28. September - also keine 24 Stunden nach der Eröffnung des Feuers auf Demonstrierende - eine nicht zu beziffernde Anzahl von Körpern in einem von der Armee abgeschotteten Krematorium nordöstlich von Rangoon verbrannt .

The best estimate among foreign diplomats here is that between 100 and 200 people lost their lives in the Rangoon disturbances. The number of Buddhist monks arrested is put at about 1.000, while about 3.000 civilians have also been detained. The regime’s own statement is that 2.093 people are in custody. ( staff corr., Times , 7. 10. )

An diesem Punkt reisst dem Huffington- Blogger JAMES BOYCE der Faden : This One Story Shows Why Burma Has To Stay In The Headlines . Einem krassen Zitat lässt er die polemische ( und wenig stichhaltige ) Behauptung folgen , die US- Presse habe - im Unterschied zur internationalen Öffentlichkeit - das Thema schlicht gedroppt . Weshalb es umso wichtiger sei , BOYCE’s ( gerade mal eine Woche junges ) Info- Projekt Burma NewsLadder zu unterstützen . Ein Beispiel für Eigenwerbung … selbst für die GUTE SACHE .

||| UN : “DEPLORES”

icon red help ecgcca Nach längerer - konsequent chinesisch obstruiert er - UN- Entschlossenheit rang sich der UN- Sicherheitsrat immerhin eine DEKLARATION DES BEDAUERNS hinsichtlich der GEWALTIGen Regierungs- Repressalien ab .

In its first-ever statement on Myanmar, the U.N. Security Council said Thursday it ”STRONGLY DEPLORES” the government’s violent crackdown on protesters and called for a ”genuine dialogue” between the country’s military rulers and the pro-democracy opposition.

The compromise statement approved by all 15 council members — including close Myanmar ally China — emphasized ”the importance of the early release of all political prisoners and remaining detainees.”

( …) The United States, Britain and France proposed a stronger text that would have condemned the violence and called for the immediate release of the political prisoners and detainees, singling out pro-democracy leader Aung San Suu Kyi who has been under house arrest for 12 of the last 18 years. But it was watered down to get approval from China, which had proposed a much weaker text. ( ap , NYT ) ( Official Statement , 11. 10. )

Lächerlich findet das nicht nur Blogger SuperCaliFragiliSticExpialiDocius , Richard Herzinger hatte ( cum grano salis in der WELT ) bereits Ende September Zweifel hinsichtlich der realpolitischen Potenz der UN angemeldet . - Logisch postwendend kommt das NJET der burmesischen Regierung : Myanmar gov’t dismisses UN statement :

Myanmar’s military junta dismissed a UN statement Friday calling for dialogue with the pro-democracy opposition, insisting that it would follow its own roadmap toward reform - a plan critics say is a ruse aimed at extending the government’s grip on power.

State-run TV and radio issued a statement Friday arguing that conditions inside Myanmar - a reference to the anti-government protests that were violently suppressed by troops on Sept. 26 and 27 - were not the concern of the outside world.

“Myanmar’s current situation does not affect regional and international stability,” said the statement, attributed to Col. Thant Shin. “However, we deeply regret that the UN Security Council has issued a statement contrary to the people’s desires.” ( Jakarta Post , ap , 13. 10. )

||| BURMA BLOGGERS BACK ?

Immerhin kehren ( laut Guardian , Mizzima ) die von Netz- Wegen zwischenzeitlich zwangsweise verstummten Burmesischen Blogger wieder . Und dies mit - - bitte korrigieren ! - - erstaunlich wenig Resonanz und Räsonieren in der Blogosphäre .

FORTSETZUNG DER VERHAFTUNGEN

icon red help ecgcca Aber vielleicht wird diese Entwicklung einfach übertönt von den via AAPP verbreiteten Nachrichten über eine neuerliche Verhaftungswelle , … wobei die von der NZZ im Untertitel genannten “Mindestens fünf Menschen” in “problematischer” Relation zur effektheischenden Schlagzeile stehen . ( Direkte Briefe übrigens @ APPPB , 10. 10. # 1 , # 2 . ) Die Frage der Darstellungs- Form ändert freilich nichts an den weiterhin alarmierenden Fakten .

Sicherheitskräfte bedrohten Angehörige und Nachbarn von Dissidenten, um den Aufenthaltsort von Teilnehmern der Proteste gegen die Junta herauszufinden, erklärte die AAPP weiter. Ein Taxifahrer in Rangun berichtete, Polizei und Streitkräfte würden nachts genau die Klöster überwachen, ausserdem würden alle Männer beobachtet, die abends auf den Strassen unterwegs seien.

An der Oberfläche wirke die Lage zwar ruhig, «wie in jedem anderen friedlichen Land», berichtete ein mexikanischer Pressefotograf, der am Dienstag aus Rangun abgereist war. Ein Dissident habe ihm jedoch gesagt, dass die Repressionen der Junta möglicherweise schlimmer würde, sobald alle ausländischen Journalisten das Land verlassen hätten, sagte der Fotograf der Nachrichtenagentur AP. ( NZZ )

Letzteres wäre nicht zuletzt also ein deutliches Plädoyer , die Anwesenheit - mithin also auch die ANWESENHEIT UNSERER AUFMERKSAMKEIT - nicht fahren zu lassen . Bei der “Aktionsplattform” FREE BURMA hat man am 8. 10. jedefnalls mal Halt gemacht und freut sich über 14.000 subscribers . Selbst DER SPIEGELFECHTER tickt seit 5. 10. nicht mehr .

||| update : REGIERUNG HEUERT PRO- SYSTEM DEMONSTRIERENDE

Es gab Zeiten , da nannte man solche gedungen- gezwungenen Demonstranten noch “Jubelperser” . Für das busweise Herankarren von ganzen Betriebsbelegschaften sowie Schulklassen war in den Diktaturen Osteuropas gang und Gäbe . Myanmar nimmt sich daran nun ein Beispiel : Junta organisiert Massendemonstration für Regierung ( ap , NZZ , 13. 10. 2007 ) :

Busse brachten am Samstag Tausende von Teilnehmern einer von der Regierung anberaumten Massenkundgebung nach Rangun. Die Demonstranten skandierten anti-westliche Slogans und griffen ausländische Medien an. So rief die Menge beispielsweise: «Nieder mit der BBC!» Laut offiziellen Angaben nahmen rund 120′000 Personen an der Kundgebung teil.
Bezahlte Demonstranten

Wie aus Behördenkreisen verlautete, wurde vielen Demonstranten Geld versprochen – umgerechnet knapp 60 Cent. Es war die erste derartige Veranstaltung seit den von buddhistischen Mönchen angeführten Protestmärschen. Diese hatte die Junta vor zwei Wochen gewaltsam niedergeschlagen. Nach Schätzungen von Dissidenten wurden bis zu 200 Personen getötet und rund 6000 inhaftiert.

||| FAZIT , FINALE ?

icon red help ecgcca Sollte es denn da jetzt gewesen sein ? - BLOGGING TOM’s persönliches Fazit benennt Motiv , Kritik und Krise dankenswert unverstellt :

Aus meiner Sicht war die Aktion ein voller Erfolg, auch wenn einiges besser (oder anders) hätte laufen können. Doch daraus kann man für ähnliche “Mobilisierungsaktionen” nur lernen. Für einen Aktionstag, der in noch nicht einmal einer Woche “aus dem Boden gestampft” wurde, darf sich der Erfolg allemal sehen lassen.

Allerdings bleibt für mich derzeit offen, ob ich mich in Zukunft noch einmal (öffentlich) für eine solche Aktion einsetzen werde. Ich hatte mir bereits am Anfang von “Free Burma” überlegt, ob ich daran teilnehmen soll, denn thematisch passt das Thema nun nicht wirklich in mein Blog. Ich war (und bin) aber von den Ereignissen in Burma erschüttert, weshalb ich persönlich mit der Teilnahme ein Zeichen setzen wollte. Dass ich mich danach (und wahrscheinlich nun auch noch einmal in den Kommentaren) aber fast noch dafür rechtfertigen und mir Linkgeilheit etc. vorwerfen lassen muss, verdirbt mir die Laune jedoch ziemlich.
Ja liebe Kritiker, damit dürfte dann wohl auch das Thema Sudan, Tschetschenien etc. erledigt sein, denn ein Post zu diesen Themen müsste in euren Augen ja dann genauso nutzlos sein, wie die “Free Burma”-Kampagne …

Immerhin geht die Debatte im Kommentarteil zu Robert Basics Burma Action: Zwischenfazit II weiter , wobei die Wiederkehr des Gleichen dem Nachdenken über Totschlag- Argumente nicht notwendig schadet . Kommentare wie der gestern Angefügte …

Wer meint, er könne hinter seinem Rechner sitzend etwas bewegen, der ist mehr als naiv. Das hat noch nie funktioniert. Nur wer auf die Straße geht, bewirkt gelegentlich etwas.

… mögen - ex negativo - immerhin Manche zu frischem Hinblicken auf das Thema des *? WIE MÖGLICHEN ?* ENGAGEMENTS animieren . Via Dave Lucas erfahren wir , dass Burma Underground eine YouTube- PLAYLIST mit Materialien zu den Ereignissen in Burma zusammengestellt hat . Man möge aber auch selber suchen und wird Viel finden . ( Burma Underground gibt übrigens eine Fülle von Infos und Links - Aktionen , Blogs , Quellen . )

||| WAS TUN ?

icon red help ecgcca What we can do for Burma fragt der in English und Thai bloggende Fringer , verweist auf konkrete Aktionen sowie auf das , was Robert als Staubkorn unter Vielen bezeichnete , hier nun Aggregat- konträr mit einem Tropfen im Meer verglichen wird :

While the world leaders are still “politicking” and trying creative new ways to say “we ain’t gonna do anything” with flowery diplomatic words, thousands of Buddhist monks in Burma have disappeared and been imprisoned, hundreds of whom have been brutally murdered by the junta. If you are as frustrated and angry as I am about the horrifying injustice of this event, here are some good ways: petition the Nobel Committee to award Nobel Peace Prize to these brave monks, wreck havoc with China’s Olympics 2008 e-mail ticket system, and pressure your respective governments to boycott the Beijing Olympics. Perhaps these gestures are as small as mere water drops in a vast ocean, but as one of David Mitchell’ s characters says in the wonderful novel CLOUD ATLAS : What is an ocean, but a multitude of drops ?

Neue Ideen :

1 . Die Petition an das Nobel- Kommitee Award Nobel Peace Prize [ 2007 ! ] to Burmese Monks hat sich - trotz achtbarer 9.321 Unterschriften - mit der gestrigen Bekanntgabe des Split- PEACE- Preises an Al Gore und das Intergovernmental Panel on Climate Change wohl erledigt . Was man der Homepage dieser Aktion am heutigen Tage allerdings nicht ansieht . Olivier erinnert zu Recht daran , dass der Friedensnobelpreis 1991 der - heute unter Hausarrest lebenden - burmesischen Oppositionellen Aung San Suu Kyi zugesprochen wurde : “for her non-violent struggle for democracy and human rights” . Tempi passati .

2. Obstruktion des Online- Ticket- Service @ Olympia 2008 : “Statt Karten Petitionen !” ( via ko htike , 11. 10. )

3. Apell der HR- Organisation Burma-Myanmar Genocide 2007 : Untertützung zur Einbringung einer Klage gegen Junta- Chef Than Shwe vor dem Internationalen Strafgerichtshof ( International Criminal Court , UN ) . Vgl. übrigens : Than Shwe , Portrait (Tagesspiegel ) .

||| AKTION , ABER ANDERS

icon red help ecgccaPendenzen , Petitionen , Aktionen , Resolutionen . Wo man nunr hinsieht . Minunter könnte man den Eindruck gewinnen , die gesamte Blogosphäre vermöge einen - eher zufälligen - “Zusammenhalt” nur über solche Aktionismen punktuell zu sanieren . So basteln etwa die ( bis inclusive 5. 10. höchst BURMA- betrieblichen ) Blogger for Freedom längst am nächsten weltweiten BLOG ACTION DAY

Am 15. 10. soll es Allgemein nämlich UM WAS GRÜNES gehen . Als Kontrastfarbe sozusagen vom BURMA- ROT der verstrichenen vierzehn Tage . |||

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