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Bachmannpreis 2009 - Nachand 1 Nachschrift



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NACHAND NOCH EINMAL : SO SEHEN SIEGER AUS

Nachdem wir die Preisträger des Ingeborg- Bachmann- Wettbwerbs bereits gestern der in|ad|ae|qu|aten MITSCHRIFT angefügt haben , kann deren Wiederholung nun auch im Nachhinein nicht schaden . Lange hat es gedauert , bis für die diversen Preise absolunte Stimmenmehrheiten erzielt werden konnten , aber nachand - ein Austriazismus für nachher , schliesslich - hatte man eine gediegene Truppe an Preistragenden beisammen .

Und damit einen Cluster eher mänllicher , eher realistischer Erzähformen , deren mehr oder weniger offen liegender Erzählmotor betrieben wird mit dem Sprit von Krisen , sämtlich ins Private gekrempelt . Auffallend und für die betroffene Gebietskörperschaft höchst frustrierend : kein noch so klitzekleines österreiches Prosastückerl hat es aufs Podest geschaft -

Ingeborg- Bachmann- Preis 2009 an Jens PetersensBis dass der Tod” - Jury im 2. Durchgang 5 : 2

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NACHAND NOCH EINMAL : PRESSE ORTET EINE REVANCHE FÜR CÓRDOBA ‘78

Dass der gastgebende Literaturweltmeister ( Selbsteinschätzung ) keinen Preis erringen konnte , wird selbstredend von den österreichischen Medien als schmerzlich vermerkt . Indes sparen auch deutsche und schweizerische Kommentare nicht mit der Registierung lokaler , regionaler bzw. nationaler Auszeichnung . So vermerkt der für Spiegel Online adaptierte Agenturbericht , dass lediglich mit dem Sieger Jens Petersen aus Pinneberg / Hamburg ein “Restdeutscher” geehrt wurde :

Die anderen Preise, die am Sonntag im Rahmen der Bachmann-Lesungen verliehen wurden, gingen allesamt nach Berlin. ( SpOn )

Ein klein wenig anders rahmt die aus derselben Agenturmeldung gespeiste Darstellung der WELT das Siegerbild :

Alle fünf im Rahmen der 33. Klagenfurter Tage der deutschsprachigen Literatur vergebenen Preise gingen in diesem Jahr an Deutsche. ( DIE WELT )

Dass mit dem Ausstechen der traditionell am Sprachspiel oientierten österreichischen Vorzeigetexte durch “deutsche Realisten” ein heikles Thema der bilateralen literarischen Beziehungen auf dem Spiele steht , beweist die wiederholt Berufung auf den berühmten Fussball- WM- Sieg Östereichs gegen Deutschland 1978 in Córdoba :

Läuft das hier auf ein neues Córdoba hinaus ? ( WELT )

fragt Elmar Krekeler im Zuge seiner Live- Notizen in der WELT rhetorisch , wohingegen Sandra Kegel im zusammenfassenden FAZ- Artikel bereits ex post deklarieren kann :

Die Revanche für Córdoba . ( FAZ )

Ins Ästhetische übersetzt heisst dies innerhalb des genannten Artikels nichts weniger als Folgendes :

Längst hat der Realismus die einst in Klagenfurt tonangebende Experimentalliteratur verdrängt. ( FAZ )

Nicht unredlich wird das Tertium Comparationis von Sandra Kegel referiert :

Ästhetische Ideologiekämpfe werden nicht mehr ausgetragen, aber die literarischen Vorlieben der Juroren weichen zum Glück noch immer erheblich voneinander ab. In diesem Jahr tat sich in der Jury eine weitere, länderspezifische, nämlich deutsch-österreichische Front auf, dass schon das Wort von Córdoba die Runde machte. Während die Österreicher bei der WM 1978 gegen die Deutschen gewannen, waren sie nun die Verlierer. Die Autoren der Wiener Juroren Karin Fleischanderl und Paul Jandl gingen durchweg leer aus. ( FAZ )

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“BLANKES ENTSETZEN” Vs. “LIEBLICHKEIT : ZWEIFEL AN DER KOMPETENZ DER JURY

Im konkreten Fall

brach die seit Beginn schwelende Realismus-Debatte dann über Andrea Winkler herein, die in einem überorchestrierten Textklotz ein skrupulöses Ich sprechen lässt, das es kaum wagt, den Fuß ins Gras zu setzen. Wohl weil der erratische Wortfluss - etwas für hartgesottene Poststrukturalisten, wie Ijoma Mangold seufzte - sich jeglicher Kritik entzog, schoss die Jury sich auf Formfragen ein. In ganz andere Richtung experimentierte Caterina Satanik, die eine unerhört harmlose Rollenprosa einer Frau vorlegte, die ihrem Liebsten samt Hund nachweint. ( FAZ )

Dass Winkler mit dem - selbst für ihre ( sonst legitimen ) Begriffe - solipsistisch und sprachphilosophisch abstrus aufgeblasenen Mantra auf wenig Gegenliebe stiess , haben wir in der in|ad|ae|ae|qu|aten MITSCHRIFT ( Teil 3 ) ebenso angemerkt wie enorme Befremdung angesichts der arg “lieblichen” Aufnahme des als Schlusstext präsentierten Débuts der Wienerin Caterina Satanik . Entsprechend erleichtert konnten wir heute ähnliche “????”- Reflexe bei anderen Beobachtern regiatrieren :

Gerrit Bartels , welcher den deutsch- österreichischen Grabenkampf um eine mögliche zeitgenössische Erzähl- Ästhetik durchaus vermerkt , vermochte im Tagesspiegel die einhellige Schlussbegeisteung der Jury noch auf deren “Erschöpfung” zu schieben :

Was auffiel, waren die deutsch- österreichischen Streitereien, verkörpert durch Fessmann und Ijoma Mangold auf der einen und Jandl und Fleischanderl auf der anderen Seite. Die Deutschen, zuweilen assistiert vom Schweizer Alain Claude Sulzer, redeten dem Realismus das Wort, ohne gleich Forderungen nach Alltagsabbildung stellen zu wollen. Die Österreicher brachten dagegen die Moderne in Stellung: Sprach-Experimente wie den verunglückten Wir-Text von Stift und den noch verunglückteren Ich-Text von Andrea Winkler, bei dem man sich nach wenigen Zeilen fragte: Was erzählt die denn da?

Dass die Jury den läppischen Text von Caterina Satanik ungeschoren ließ, mochte an deren Status als Debütantin liegen, die noch nie etwas veröffentlicht hat, vielleicht auch an der Erschöpfung der Jury: Satanik war die letzte Vorleserin dieses Jahrgangs. ( Tagesspiegel )

Das “blanke Entsetzen” angehörs des hochgelobten literarischen Débuts gibt Harald Klauhs in der Presse Grund genug , fundamentale Zweifel an der Kompetenz der Jury anzumelden :

Vom Versagen der Bachmannpreis-Jury sprach das Fachpublikum nach der letzten Lesung von Caterina Satanik. Blankes Entsetzen breitete sich nach dem Lob der Jury für Sataniks Text … aus. Literatur auch, wollte man der 1976 geborenen Wienerin bereits nach dem ersten Satz zurufen: Ich streichle noch immer über das fell vom hund, hieß es da und täuschte mit Kleinschreibung eine Avantgarde vor, die der Text des Weiteren in keiner Weise einlöste. ( Die Presse )

Der deutsch- österreichischen Dauerkonfrontation zum Trotz konnte diemsal die Schweiz quasi einen Einwanderer- Sieg für sich verbuchen :

Ein Deutscher beschert der Schweiz literarische Lorbeeren ( NZZ )

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STATE OF THE ART

Mit Andreas Breitensteins Résumée des Wettbewerbas- Jahrgangs 2009 sei die Runde der traditionellen Klagen über den dortigen “state of the art” eröffnet : “Ein biederer Jahrgang” wird konstatiert :

Kein Autor war angetreten, dem Bürger das Handy aus der Hand zu fegen oder die Decke des ORF-Theaters zu sprengen, keiner liess die Lehrer um die Moral ihrer Schulklasse im Saal bangen, die ‘Krise‘ blieb unbehelligt, der Terror pausierte, und der Klimawandel war anderswo (die politische Invektive übernahm Josef Winkler in seiner Eröffnungsrede gegen Kärntner Kulturbanausentum, Politfilz und Abzockerei). Keiner schrie, keine weinte, nur einer ass Papier. Es gab einen auf die Situation gezirkelten Klagenfurt-Text, und nur einmal wurde es ärgerlich. Realistisches Erzählen aus der leicht verunsicherten Mitte des Alltags dominierte. Surreales war ebenso rar wie Historisches und Experimentelles. Fehlervermeidung war fast schon alles. Ein Plan mittlerer Schwierigkeit sollgemäss erfüllt, und schon gehörte man zu den Besten. ( NZZ )

Wibeke Porombka deklariert in der taz weitgehend “handzahme Texte” - jedenfalls im Vergleich zu Joesef Winklers Eröffnungsrede - , reflektiert allerdings auch eine systembedingte Uneinlösbarkeit von Erwartungen hinsichtlich des prominentesten aller Literatur- Wettbewerbe :

Wie ändert sich der Anspruch an Texte, wenn man sie beim Bachmann-Wettbewerb hört ? Auf der einen Seite wartet man auf etwas Besonderes, etwas Extremes womöglich, weil durch diesen Preis ja eben auch eine Messlatte für das gelegt wird, was man ganz grundsätzlich an zeitgenössische Literatur heranträgt. Es sind also immer auch symbolische und programmatische Entscheidungen, die hier getroffen werden. ( taz )

Allerdings waren auch manche der Voten von Juymitgliedern dazu angetan , als unfreiwillige “Selbstauskünfte” zu fingieren :

Jurorin Meike Feßmann etwa konnte sich deshalb nicht recht für den den Text “Bis dass der Tod” von Jens Petersen erwärmen, weil er ihr zu beklemmend und klaustrophobisch war. Das ist schon ein etwas eigenartiges Argument, zieht es doch den Umkehrschluss nach sich, dass gute Literatur sich dadurch auszeichne, angenehme Atmosphäre zu evozieren. In solchen Momenten war man dann fast am Niveau des Eröffnungsabends angelangt, auf dem der stellvertretende Bürgermeister von Klagenfurt sein Herz für die Literatur damit begründet hatte, dass man sich durch sie so schön von dem ganzen Stress des Alltags erholen könne. ( taz )

Ostentativ abgeklärt charakterisiert David Hugendick in der ZEIT das alljährliche Klagenfurter Klage- Ritual :

Jedes Jahr das Gleiche. Sobald der Sieger des Bachmann-Preises feststeht und sich der dreitägige Literaturbetriebsauflauf wieder verflüchtigt hat, wird man über Sinn und Unsinn des Wettbewerbs diskutieren. Gar, was er über den Zustand der deutschen Literatur verrät – besonders dann, wenn eine Vielzahl der Texte in Klagenfurt blass sind. So wie diesmal.

Glücklicherweise: Über den Zustand der deutschen Literatur sagt der Bachmann-Wettbewerb wenig aus. In Klagenfurt blickt man nur durch ein kleines Fenster auf die laufende Produktion. In diesem Jahr erwischte man die Luke zur Rumpelkammer, in der es selten schmuckvoll glänzte. Das kann uns ärgern. Aber es muss uns keine Sorgen bereiten. ( DIE ZEIT )

Stefan Gmünder weist im Standard notwendig auf die - von vielen Artikeln unkritisch nachgeplapperten - dümmlichen Eröffnungs- Worte des ORF- Programmdirektors Wolfgang Lorenz hin , die “Tage der deutschsprachigen Literatur” seien “die am längsten sich behauptende Castingshow ( ! ) des deutschen Sprachraums” . Freundlich fasst er die alljährlich kurzfristig aufgebauschte Sinnkrise des Wettbewerbs in das Bild einer quasi naturgesetzlich reiterierten Mischung aus Anziehung | Neugier und Abstossung | Verwerfung :

Realismusdebatten wurden in diesen drei Tagen viele geführt, Sprachdiskussionen wenige. Bleiben wird vom 33. Bachmann-Preis Josef Winklers Eröffnungsrede, der angenehme Umstand, dass sich in Klagenfurt trotz allem alles um Literatur dreht - und ein ‘Was machen wir eigentlich alle hier ?‘ - Gefühl. ( Der Standard )

Weitere Wiederholungen , Variationen und “Etüden” ( Burkhard Spinnen ) dann im nächsten Jahr -

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KLANGAPPARAT

Natürlich hängt uns nach drei kondensierten Tagen Klagenfurt plus kollateraler Textproduktion und -Rezeption die Sprache einigermassen beim Halse heraus . czz-hoerempfehlungZwar kommen auch des Walisen Tom Ellis‘ ( MySpace ) gelassen instrumentirte Minimal- Tech- Tracks nicht immer ohne Sprach- Samples aus , doch bleiben deren Amplitude & Aussagekraft erträglich minimal .

Sonst bietet die bei trimsound erschienene “In Circles“- LP eine feine Dosis Langstreckensound aus diskret ineinanderfliessenden Strömen von Nu Jazz und Breakbeat , Dub- Anmutungen und geschmeidiger Elektronik .

CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .

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RELATED

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Play it again : FÜR den Bachmannpreis und WIDER die Literaturschulen - Eine Übertragung



||| IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE | IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG | “EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN | DEALS DER JURIEN | FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT | AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM | ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

IM FEUILLETON : FUSSBALL UND FISCHGERICHTE

TDDL 2008 banner 300pxMusste man über Jahre hinweg lesen die stereotypen Stoss- Seufzer über den Bachmannpreis am ( Vorsicht : Wortspiel ! ) Wörther See und wie man sich abends bei Maria Loretto im berühmten Fischrestaurant unter den gruselig präparierten Fischköpfen an den Wänden ( Vorsicht : Bildwitz ! ) beim Gastmahle traf und wie dort oder auf den literaturjournalistischen Amateur- Fussballfeldern der Ehre es die Outsider den Insidern gaben

Musste man alljährlich lesen dieselben Protokolle von Outfits und Aussagen ( halbprivat ) , dasselbe Raunen über die echten , aus dem Genusse geistiger Getränke ergossenen Literaturbetriebswahrheiten …., so rächt sich das Feuilleton in diesem Jahr unisono mit Groll und Hohn für die Verknappung seiner Sport- und Spielwiese von zwei auf vier Tageslängen .

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IM FEUILLETON : FLUCH DER FERNSEH- FORMATIERUNG

picto TVIn chorisch harmonierenden Einzelstimmen wendet man sich gegen die Layoutierung der Show zu Zwecken und zu Gunsten der 3- sat- TV- Übertragung . Im fernsehgerechten Format , so der beleidigte Tenor ( Die Presse , taz ) , verwandle sich Literatur eben in jenes Ärgernis einer “prime time”- ( Der Standard ) , “Mittelstands-” ( DIE WELT ) , “Vita contemplativa”- ( FAZ ) und “Langweile”- ( NZZ ) Veran- oder -unstaltung , als welche sie sich anno 2008 den vor Ort Wesenden präsentierte .

Keiner mochte da einlenken , dass es eben die Fernsehübertragung sei , welcher die Juroren ihre Prominenz ( und guten Gagen ) danken , die im Besonderen allerdings dafür garantiert , dass Literatur im Feuilleton weiterhin für “der Rede wert” befunden wird . Anderseits gestattet just die Fernseh- Übertragung eine Teilhabe Vieler an einem lokalen “Event” : eine Zeugenschaft , welche die Lesungen selbst - allerdings auch die Leistungen der Jury , nicht zuletzt aber auch die Beurteilungen durch das Feuilleton - ÜBERPRÜFBAR macht .

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“EVENT” ALS ENDE DES EXKLUSIVEN

picto TVSomit gerät die Oberhoheit der Kanzelrede und der exklusive Deutungsmacht des Feuilletons ins Wanken : Prompt reagiert das Feuilleton auf die solcherart “globalisierte” Information , indem es die Stadt Klagenfurt ebenso kleinredet und zur kleingeistig- protofaschistischen Provinz ( DIE WELT ) erklärt wie überhaupt den ganzen Bewerb inklusive der Juroren samt der von ihnen “vorgeschlagenen” und diskutierten Text- und Autoren- Funktionen .

Denn aber , hallo und sorry , möchten wir bescheiden daran erinnern , dass Klagenfurt noch immer ein Erbmöbelstück der “Gruppe 47″ ist und von deren berüchtigten Meetings , deren Lesungen und deren , jedem Widerspruch abgeneigten Ab- Urteilungen derer , die da lasen . Die , die da lasen , waren ( siehe : das Prinzip der “Einladung” bzw. der Juroren- Vorschläge ) selbstverständlich nur ein Teil “sie selber” . Der Löwenanteil war und bleibt allerdings das , womit sich ein Juror zu profilieren gedenkt , WEN er ins Rennen schickt und WAS er der Arena des Sammelkampfes vorwirft … zur Augenweide oder zum Frasse .

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DEALS DER JURIEN

TDDL 2008 banner 300pxWas das Juryprinzip ist in vielen verschwiegenen Versammlungszimmern , an Tagungstafeln und bei Konferenztisch- Kaffee aus Thermoskannen vollzieht , liegt in Klagenfurt vor Aller Augen . Deals , Kontrakte , Freundlichkeiten im Austausch gegen Imagepunkte , oder - bei Schlagseite des eigenen Kandidaten : der schnelle Seitenwechsel und Überlauf , der mit rhetorischer Verve überbrüht werden muss , damit der Sieger als selbstgekochtes Süppchen verkauft und vertreten werden kann .

Ja mei : All das ist hinlänglich bekannt . Was aber nun , wenn wir zugucken dürfen ( live dabei sein ! ) in der durch die Fernsehkameras und die hitzige Ausleuchtung nachvollziehbar unangenehm schwül- bedrückten Arena ? - Seit zwanzig Jahren weder im Besitze eines TV- Apparates noch des Animo , sich leiblich dem “Betriebsausflug” auszusetzen , hat in|ad|ae|qu|at das sogenannte “Wettlesen” stets via Feuilleton- Rapports und Insider- Witzen rezipiert . Und dabei Hunderte der oben genannten Fischessen , Fussballschweisstreibereien , Beschwipstheiten und Ausflügen ins lokale Puff nachlesen dürfen . Wenn im September dann oder im Oktober der jährliche Band “DIE BESTEN” bei Piper erschien , konnte und wollte sich eh Keiner mehr an das frühsommerliche Klagenfurt erinnern .

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FERN- SICHT VIA INTERNET : SELBSTTEST IN ECHTZEIT

picto TVNun aber hat das Netz auch für fernsehfrei lebende Zeitgenossen die “Zugänglichkeit” zu diesem eminenten Ereignis der Eliten von Feuilleton und Sozial- Performanz ermöglicht . Und solche “Zugänglichkeit” zu höherer - menschlicher , kultureller , emotionaler - Bildung gilt mittlerweile als Menschenrecht . Na gut , machen wir von solcher “Zugänglichkeit” via “Stream on Demand” Gebrauch und vollziehen “Klagenfurt” im totalen Echtzeit- Selbsttest und unter verschärften Bedingungen von sukzessiver Mitschrift und Fortverlinkung mit : Vierzehn Stunden lang an Bildschirm und Tasten , plus Mittagspausen usf.

Hier das Testergebnis : Auch unter den eingeschränkten Erwartungen , was ein Stream- Bild an Qualität vermitteln kann , ist der visuelle Faktor erbarmungslos kläglich . Im Chiaroscuro eines nur spotmässig ausgeleuchteten Studios verhindern abstruse Kamera- Totalen eine Konzentration auf den logisch zu fokussierenden Sprecher . Tritt selbiger allerdings - egal , ob gebeugter Autor , gestikulierender Juror oder bräselnder Moderator - ins Bild des Nah- Objektivs , erstarren die Talking Heads hinter der dick aufgetragenen und unvorteilhaft angestrahlten Maske . Da man Menschen , welche man schätzt und kennt , nur ungern in solcher Ensor’schen Masken- Übermalung betrachtet , verlegt man sich bald aufs Abblenden . Und siehe : Man beginnt zu HÖREN . ZUZUHÖREN sogar .

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AUFERSTEHUNG DES HÖRSPIELS VIA BILDSTREAM

TDDL 2008 banner 300pxUnd statt des blauen Studios erleben wir das blaue Wunder der Verwandlung eines “Literaturwettbewerbs” in ein HÖRSPIEL in Echtzeit : Mit den klassischen Chargen , Beschleunigungen und Retardierungen , Strophe und Refrain , Solo und Chor sowie viel lokal gefärbter Sprachmusik . Da treten die ausgestellten ( literarischen ) TEXTE als ebenso subjektive STIMMEN und CHARAKTERE auf wie das Geplänkel der Juroren , deren ebenso ausgestellten Bekenntnis- TEXTE und kulturtheoretische ROLLENPROSA . Solcherart sind wir - auch über manche Mühen der Textebenen ( aller Fraktionen ) hinweg - in den Genuss eines selten so unterhaltsam vernommenen HÖRSPIELS gekommen .

Fazit : Wenn schon das Radio sein Selbstbewusstsein als AKUSTISCHES Medium hinter Internetbildchen , LOGO- Optik und visuellen User- Interfaces am Handy verleugnet , wird man fortan das live übertragene , respektiv netz- gestreamte oder ON DEMAND abgespielte TV- BILD als neues Radio gebrauchen . BILD AB , TON AUF : Lass es jazzen , Mann , horch hin und maule nicht .

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ZUM GEZETER ÜBER DAS “PROFESSIONELLE” : EIN CETERUM CENSEO

picto TVUnd WENN man sich zu Klagenfurt bzw. in den Redaktionsstuben postum seit Jahren über die ( Vorsicht ! ) “gut gemachten , aber …“-Schreibstücke beklagt , dies Jahr erstmals auch über die ( Vorsicht ! ) “gut vorgelesenen , aber …“-Texte , dann schliesse man doch bitte endlich und einfach die VEBs der Literaturschulen und entlasse deren renommierte Lehrer , welche eben die SERIENTEXTE und -BEFINDLICHKEITEN mitproduzieren , über die sie und ihre Kollegen dann öffentlich mäkeln . Sorry : Bei diesem Betriebsspiel werden Menschen verbraucht … Der Rest der Argumentation ist unter der Kategorie “Germany’s Next Topmodel” bzw. “Deutschland sucht den Superstar” ( DSDS ) nachzulesen . Oder hiesse es doch nicht noch besser : “Dschungel-Camp - Ich bin ein Star – holt mich hier raus” ?!

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LINKS

  • Tilman Rammstedt erhält Bachmann-Preis - Der deutsche Autor Tilman Rammstedt hat den renommierten Ingeborg-Bachmann- Preis gewonnen . Der 33-jährige Schriftsteller wurde im österreichischen Klagenfurt für seinen Roman “Der Kaiser von China” ausgezeichnet . Rammstedt wagte etwas , das in Klagenfurt selten goutiert wird : Humor ( Elmar Krekeler , DIE WELT , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis 2008 : Darauf haben wir gewartet ( Oliver Jungen , FAZ , 29. 6. 2008 )
  • Vom Dienstbotenelend der Literatur - Der 32. Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb - Mit einer Grossvater- Geschichte holt sich der Berliner Tilman Rammstedt den Ingeborg- Bachmann- Preis 2008 . Seine Erzählung ist komisch , wo die Qualität der sonst noch vorgetragenen Texte fast tragisch ist . Selten zuvor war die Literatur in Klagenfurt so durchschnittlich wie diesmal ( Paul Jandl , NZZ , 30. 6. 2008 )
  • Neuigkeiten aus Klagenfurt - Öl im Getriebe - Beim diesjährigen Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb haben sich die Schriftsteller , die Jury und das Publikum auf die Bedingungen des Fernsehens eingelassen ( Dirk Knipphals , taz , 30. 6. 2008 )
  • Das Jahr der Freundlichkeit - Der 32. Bachmann- Preis ging an den in Berlin lebenden Tilmann Rammstedt - Markus Orths und Patrick Findeis hatten Chancen . Eine Entscheidung , unentschieden ( Cornelia Niedermeier , Der Standard , 30. 6. 2008 )
  • Bachmann-Preis : Ein Tyrann als komischer Held - Tilman Rammstedt gewinnt mit seinem schwarzhumorigen “Der Kaiser von China“ in Klagenfurt . Er setzte sich bei Jury und Publikum durch ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )
  • Literatur , im Wörther See versenkt - Beim Wettlesen zum Bachmann-Preis wird alles den Erfordernissen des TV , der Marke untergeordnet . Ein Text ist aber kein Waschmittel ( Harald Klauhs , Die Presse , 30. 6. 2008 )

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RELATED

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KLANGAPPARAT

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Kein Wunder , dass es so gross ist und so schwer

 

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