Tag Archive for 'reklame'

Orientierung , basal | Textes Trouvés 9



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Hinweis und Verweis , Imperativ und Interdiktion , Order und Orientierung ….

Durchschreiten_der_Sperre_copyright_Christiane_Zintzen

( U1 , Station Taubstummengasse , Wien 4 )

global_local_menschenrechte_copyright_Christiane_Zintzen

( U3 , Station Neubaugasse , Wien 7 )

…. das Wohin- Sich- Wenden will sich in Wirriss wähnen .

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FLUCHTPUNKT

Als Fluchtpunkt bleibt indes stets die Bewegung …

There_will_be_a_movement_copyright_Christiane_Zintzen

( Bandgasse , Wien 7 )

… quasi ad fontes der Kunst .

piktogramm_wasserhahn_U_Bahn_copyright_Christiane_Zintzen

( U3 , Station Schlachthausgasse , Wien 3 )

Im White Cube des Museums mag man eskapistischen Frieden finden …

John_Cage_Piano-Piece_Center_Mumok_copyright_Christiane_Zintzen

( Blatt John Cage , Museum Moderner Kunst , Wien 7 )

…. angesichts der stillen Piècen der Kunst .

- Spielte nicht schon John Cage hintersinnig mit der englischen Homophonie von PEACE | PIECE ?

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Smart , apart , urban : Das Début des irgendwo um Rom lebenden Italieners , der unter den Künstlernamen SUAN ( aka FaUsT ) musikalisch und grafisch operiert , versammelt die Betätigung eines veritablen Orchesters ( “bass , guitars , synth & loops , drum n beat , fork on glasses , hand-bombs [ ? ]” ) durch eine einzige Person . Dieselbe müsste - menschlich betrachtet - ein veritabler Geduldengel des Overdub sein . Davon zeugt czz-hoerempfehlungnicht zuletzt die erstaunliche Dichte des Sounds sowie die Variationsbreite an Stilanleihen , welche der offenbar programmatisch betitelte Erstling “Emotronic Is The Reason” nimmt . Leicht erinnert das Wording an James ‘Blood’ Ulmers klassischen Satz - klanglich beheimaten sich die behende und biegsam fliessenden Kompositionen des Italieners sich freilich auf der konträren Seite . Diese Release erweist einmal wieder die feine Nase des russischen Netlabels electrosound …. nur leider ist aus dem angekündigten Podcast bisher wenig geworden . Zum Anhören würden wir den Stream auf der Labelseite eher dem Stückwerk einzelner MP3- Files vorziehen . Dort mag man sich auch die dem Flow der Musik sehr adaequate Grafik des Künstlers ansehen . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM .

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Franz Mon - Sichtbare Sprache



||| BEVOR ES SCHWINDET | ZU SEHEN : IN ERLANGEN | ZU HÖREN : WÖRTER VOLLER WORTE | HÖREN UND SEHEN VERGEHEN | FRANZ MON IM ORF- KUNSTRADIO | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

BEVOR ES SCHWINDET

Franz Mon abstrakt

[ Franz Mon : abstrakt ]

Im Zeitalter von Photoshop , After Effects sowie des ubiquitären Layouts eines durchdesignierten Alltags scheint die “visuelle poesie” der fünfziger bis siebziger Jahre längst gegessen . Anders und nach einem Diktum Elfriede Gerstls formuliert : Seit den sechziger Jahren sahnt speziell die Reklame systematisch die Erkundungen und Experimente der Avantgarden ab .

Im Kontext des “Radical Advertising” - wie im NRW- Forum Kultur und Wirtschaft Düsseldorf bis 18. August zu sehen - sieht die klassische Avantgarde oft “alt” aus . - Um die Verfasstheit des jetzt scheinbar so Selbstverständlichen zu erkennen , ist ein ‘back to the roots’ unabdingbar .

Das hat weniger mit Kunst- Nostalgie oder einer Verklärung des “Avantgarde”- Begriffes zu tun als mit der Sicherung eines vorgängigen Quellcodes , dessen gefällige Interfaces unsere Zeitgenossenschaft illustrieren . Dies betrifft optische Gestaltungen ebenso wie akustische : Wer die frühen Artikulations- und Mundhöhlenerkundungen Franz Mons oder Henri Chopins einmal wahrgenommen hat , wird sich von neuerdings als “radikal” verbratenen Sound- , Kunst- und Musikdarbietungen weniger beeindrucken lassen . Beziehungsweise wird in den Stand gesetzt sein , diese historisch zu kontextualisieren und kulturgeschichtlich zu verorten .

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ZU SEHEN : IN ERLANGEN

Franz Mon Hommage A Karl Valentin

[ Franz Mon : Hommage à Karl Valentin ]

In Korrespondenz zum Erlanger Poetenfest wurde in der Städtischen Galerie die Ausstellung “Franz Mon – Sichtbare Sprache | Verbale , visuelle und akustische Texte” eingerichtet :

Franz Mon, 1926 in Frankfurt geboren und bis heute dort lebend, gehört zu den bedeutendsten Vertretern der Konkreten Poesie. Er schreibt verbale, visuelle und akustische Texte. Seine visuellen Arbeiten wurden seit 1963 in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, u.a. auch 1970 auf der Biennale in Venedig, gezeigt. Die retrospektive Schau zeigt Arbeiten aus allen Phasen und Bereichen seines Schaffens, darunter viele Arbeiten, die hier erstmals öffentlich zu sehen sind. Gezeigt werden u. a. die Mappenwerke ‘Makulatur’ und ‘Knöchel des Alphabets’, Arbeiten aus den Serien ‘Doppelporträts’, ‘zentrierte Collagen’ und ‘versalcollagen’, eine Auswahl aus den ‘Schreibmaschinentexten’, den ‘ideografischen Texten’ und den Schreibtexten ‘Papiergüsse’, Textfahnen und Textplakate, Diaprojektionen und akustische Installationen, ausserdem Bücher und Buchobjekte.

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ZU HÖREN : WÖRTER VOLLER WORTE

Franz Mon vetri

[ Franz Mon : vetri ]

Heute , 29. August , 19 Uhr , Markgrafentheater, Erlangen : Lesung Franz Mon und Gespräch mit Klaus Ramm

Für Franz Mon ist die Sprache ein offenes Gelände für künstlerische Grenzüberschreitungen in alle Richtungen: Sein Werk ist eines der konsequentesten, weiträumigsten und auf untergründige Weise bis heute einflussreichsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur. Mons Poetik nimmt die Sprache so ernst wie kaum eine andere: ‘Das Realitätsschlamassel ist auch ein Sprachschlamassel’. Im Widerspiel mit den von Franz Mon gelesenen Texten versucht der Literaturwissenschaftler und Verleger Klaus Ramm, der Poetologie von Franz Mon auf die Spur zu kommen.

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HÖREN UND SEHEN VERGEHEN

Franz Mon Mortuarium

[ Franz Mon : Mortuarium ]

Leider schon nach Ende der zeitlich äusserst knapp gehaltenen Schau - 22. bis 28. August ( ! ) wird Sonntag , 31. 8. , um 19 Uhr im Theater in der Garage das HR- Hörspiel “ausgeartetes auspunkten” ( pdf HörDat , 2007 ) aufgeführt . Der einleitender ist freilich filmisch : “Schuhe besetzen ein Haus” ( SR , 1983 ) : Immerhin spricht Franz Mon selbst zur Einführung .

Eine scheinbar ganz einfache Spielanleitung bildet das Gerüst, auf dem die Stimmen der vier Sprecher dieses vom Hessischen Rundfunk 2007 urgesendeten Hörspiels (Eva Garg, Chris Pichler, Markus Meyer und Peter Lieck) alle schauspielerischen Freiheitsgrade haben. Ihre Stimmen „verdichten/verwandeln/verzaubern/vertuschen das Gesagte“. Franz Mon hat das 40-minütige Sprachspiel selbst realisiert. Zwei der vier Premieren-Schauspieler variieren das Hörspiel live unter der Anleitung von Franz Mon. Der Abend wird eingeleitet von dem 9-minütigen Film ‘Schuhe besetzen ein Haus’ von Franz Mon, Saarländischer Rundfunk, Redaktion Kunst und Wissenschaft Klaus Peter Dencker.

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FRANZ MON IM ORF- KUNSTRADIO

Franz Mon sternförmig

[ Franz Mon : sternförmig ]

Als wir im ORF- Kunstradio als erster europäischer Sender mit 5.1- surround- Produktionen ins Studio und auf Sendung gingen , schien es uns angemessen , Franz Mon als einen der Pioniere des stereophonen “Neuen Hörspiels” ( Ende der sechziger Jahre ) als einen der ersten Gäste zu laden . In Parallelaktion zu einem “Radiokunst”- Seminar am Germanistischen Institut der Universität Wien entstand die Produktion “Käm’ ein Vogel geflogen” , wo der damals Achtzigjährige sehr munter das von ihm eingelesene modulare Textmaterial per Joystick durch den Rundum- Raum jagte . Wir servieren die knapp sechzehnminütige Arbeit aus gegebenem Anlass ( und leider in reduzierter Klangqualität ) im heutigen KLANGAPPARAT .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Franz Mon über seine 5.1- Surround- Produktion “Käm’ ein Vogel geflogen” ( Ursendung : 17. 7. 2005 ) für die Reihe “Literatur als Radiokunst” im ORF- Kunstradio :

Ich mache seit über vierzig Jahren radiophone Stücke, die für mich czz-hoerempfehlunggenau so wichtig sind wie die geschriebenen, weil ich ganz früh entdeckt habe, dass meine Stimme mit zur Substanz meiner poetischen Arbeit gehört. Die eigentliche radiophone Arbeit konnte beginnen, als die Stereophonie erfunden wurde – das war in den späteren 60er Jahren. Seitdem habe ich rund 14 Hörspiele machen können, die auf der Basis der Stereophonie zu realisieren waren. Für mich war es ein enormes Erlebnis jetzt, die neue Technik – Dolby Digital Surround – kennen zu lernen und praktizieren zu dürfen. Wir begeben uns da in eine Dimension der Stimmerfahrung und Stimmproduktion, die auch von der Stereophonie nicht erreicht werden konnte, weil ich als Sprechender wie als Hörender in einem akustischen Zentrum bin, das homogen ist mit meiner Stimmleistung und Stimmfähigkeit. In diesem Sinne haben wir das Stück ‘KÄM’ EIN VOGEL GEFLOGEN’ konzipiert und realisiert: ein Stück, das mit den Beweglichkeiten, welche die neue Technik erlaubt, arbeitet und dadurch Stimmqualitäten und Worterfahrungen ermöglicht, die bisher nicht zugänglich waren.

Franz Mon : “Käm’ ein Vogel geflogen” ( 15:44 , MP3 / WMP , Produktion ORF 2005 , Technik : Anna Kuncio )

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“Voyage au bout de la nuit” , 3. Folge : Amerika - Kampfzonen in Steinwüste und Stahlstadt



||| I. REPRISE | II. KOMPOSITION : MUTWILLE & ZUFALL | III . PATHOS & GROTESKE | IV. NEW YORK : CONCRETE JUNGLE | V. HINTER DEN KULISSEN | VI. TRÜGERISCHES LICHT & METAPHYSICHE NACHT | VII. INDUSTRIE : ISS & ARBEITE | VIII. INDUSTRIE ALS KRIEG : DER “KOSMOS FORD” | VIII. NACHHALL DES STAHLGEWITTERS | KLANGAPPARAT | HINWEISE - Illustraionen : John Heartfield ( click to XL )

I. REPRISE

John Heartfield Krieg und Leichen Die letzte Hoffnung der ReichenBei aller Härte und Schärfe , die Louis-Ferdinand Céline mit post- expressionistischen malmender Sprachkraft auf die Kritik am universalen Krieg verwendet : In der Komposition der “Reise bis ans Ende der Nacht” gestattet sich der Autor manche Freiheit . Mann erinnere sich : Von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs vermochte sich Bardamu aufgrund einer Verletzung und gewiefter “Kriegs- Neurosen”- Simulation in Paris zu verbergen . ( > Folge 1)

Irgendwann wir ihm allerdings auch die menschliche , ökonomische und gesellschaftliche Korruption an der “Heimatfront” zu eng und es treibt ihn fort : Amerika , dessen Utopie dem Erotomanen im Bett seiner amerikanischen Gespielin Lola erstand , ist aus finanziellen Gründen noch nicht zu erreichen . Deshalb schifft er sich ein in die französischen Kolonien Afrikas und landet dort im ultimativen Sumpf der Entmenschung . ( > Folge 2)

Wo einander im fiebrig- hysterischen Klima die Kolonialisten nicht schon bis aufs korrupte Blut quälen , erledigt den Rest die nicht im geringsten “gute Mutter Natur” . Das Individuum , ganz gleich , ob weiss oder schwarz , Herrscher oder Beherrschter , gilt hier nicht ausser seiner Ausbeutbarkeit für die Handelskompanie . Was bleibt , ist ein verseuchter , versiffter Organismus , noch lebend bereits in Auflösung begriffen inmitten der tropischen Ursuppe von geilem Werden und stündlich fortschreitender Verwesung .

Der sogenannte “Handelsposten” , den man Bardamu tief im Dschungel angewiesen , erweist sich als blosser Haufen verrottender Lumpen … samt einer Ladung Konservendosen . Totale Agonie . Dass die umwohnenden “Schwarzen” den fiebernden Bardamu nicht aus Menschenliebe zum spanischen Aussenposten geschleppt und ihm damit vorerst das Leben gerettet haben , wird dieser erst bemerken , als er im Bauch eines spanischen Galeerenschiffs erwacht . Man hat ihn den Spaniern ganz schlicht und einfach verhökert . |||

II. KOMPOSITION : MUTWILLE & ZUFALL

John Heartfield Ob schwarz ob weissDer Ausbeuter als Ausgebeuteter Dies ist nur eines der vielen Motive von Spiegelung und Umkehrung in diesem , teils straightforward folgerichtigen , teils mutwillig alle Logiken von Zeitenfolge und Raumordnung sprengenden Roman .

Nicht selten übernimmt der pure Zufall die Regie : Dies gilt für die Wiederbegegnung mit einzelnen Personen über Länder , Kontinente und Jahrzehnte hinweg ebenso wie für die “Links” zwischen den Spielräumen des Romans : Allerdings demonstriert Céline , indem er etwa das Galeerenschiff just nach New York dirigiert , dass und wie sehr ihm die herkömmliche Roman”logik” schnuppe ist ( il s’en fout ) .

Die Textur der Erzählung ähnelt dem afrikanischen Wahnsinn : Noch im Werden beginnt er sich bereits aufzulösen , um nur noch jene Handlungen und Szenen zu vollziehen , die ihm als die Nötigsten erscheinen . Ein Prozess übrigens , welcher sich im Text fortschreitend beschleunigt . Der kompositorische “Zufall” bzw. dessen Willkürlichkeit birgt allerdings noch ein weiteres , für Céline charakteristisches Moment : Es sind das Groteske und der Aberwitz des “Grand Guignol” in bös- feixender Dialektik mit den Brand- und Schandreden der Erzählstimme . |||

III . PATHOS & GROTESKE

John Heartfield A Berlin SayingAuch das Pathos der Anprangerung fataler gesellschaftlicher Verhältnisse korrodiert in dieser “Comédie humaine” : Wenn also im amerikanischen Kontext das Arsenal der Motive von “Entfremdung” abgespult wird , muss die Möglichkeit der Ironie - selbst angesichts der drastischen Vergegenwärtigung des stählernen Molochs der Ford- Werke - mitgedacht werden . Hierin ist Céline dem bösen alten Balzac wohl näher , als es manchem “Modernisten” lieb sein kann ….

Endlich in New York , dieser “senkrechten Stadt” angekommen , erfolgt sogleich Ernüchterung . Zwar gilt grundsätzlich , dass der Komplex “Amerika” mit den harten Aggregaten von Stein und Stahl assoziiert wird . Doch das Leitmotiv des “Sumpfes” ( siehe die unklaren Fronten im ersten Weltkrieg , den Korruptions- und Lügentümpel von Paris und den Urschlamm Afrikas ) bricht sich auch hier seine Bahn . Genauso wie später in den Pariser Vorstädten sowie schliesslich im Brackwasser der unausweichlichen Beziehungen rund um die von Bardamu geleitete Nervenheilanstalt . |||

IV. NEW YORK : CONCRETE JUNGLE

Entrée New York also , und gleich der Broadway muss es sein :

Weit oberhalb der letzten Etagen, hoch dort oben, war noch eine Helligkeit zu sehen, mit Möwen und Himmelsfetzen. Wir unten gingen in einem schwachen Lichtschein, der kränklich war wie im Dschungel und so grau, dass er die Strasse erfüllte wie ein dicker Filz aus grauer Watte .

Sie war wie eine traurige Wunde, diese Strasse, sie endete nie, wir gingen auf ihrem Grunde, wir Leutchen, von einer Seite zur anderen, von einer Qual zur anderen, auf das Ende zu, das man nie sieht, das Ende aller Strassen der Welt.

Meister solcher “pittura metafisica” , steht Céline nie an , diese sofort wieder aus ihrer Reinheit zu reissen . In diesem Fall durch die Beschreibung der “Verdauungsvertraulichkeit” in einem unterirdischen Abort , wo mitten im allenfalls Dollarnotenraschelnden , cleanen Manhattan ein “fröhlicher Kack- Kommunismus” herrscht . |||

V. HINTER DEN KULISSEN

John Heartfield Wer Bürgerblätter liest wird blindDas Bild der properen Oberflächen im Kontrast zur verborgenen Misère reproduziert sich in jenem messingfunkelnden , ebenholzedlen Hotel mit seiner “tantalischen Eingangshalle” , in dessen kleinster Zelle Bardamu Unterschlupf sucht - und nicht findet . Die Hochbahn tobt vor dem Fenster in gnadenloser Regelmässigkeit vorbei , ein erleuchteter Menschencontainer , grelle Schlaglichter in die steinernen Humanstapellager werfend . Angst . Verlassenheit . Gleichzeitig groteske Einblicke in die Schlafzimmer rundherum und die tristen Abendrituale anonymer Paare .

Fleisch und Stein : Ein “Ameisenhaufen” , ja ein “riesiger Matsch der Menschen” inmitten einer monströsen Piranesi- Architektur .

Ich verliess die albtraumhafte Dunkelheit meines Hotels und versuchte noch ein paar Ausflüge in die hohen Strassen ringsum, ein abgeschmackter Mummenschanz von Schwindel erregenden Häusern. Meine Mattigkeit wurde noch schlimmer beim Anblick dieser weithin sich ersteckenden Fassaden, dieser stupiden Monotonie von Pflastern, Backsteinen und endlosen Gerüsten, dazu Kommerz über Kommerz, dieses Krebsgeschwür der Welt, das in Form von verheissungsvoller und schwärender Reklame aufplatzt. Hunderttausend geschwätzige Lügen . ( … ) Vielleicht war das ihr Bild von Sicherheit, diese erstarrte Sintflut, aber für mich war es nichts als ein grauenhaftes System von Zwang aus Backsteinen, Gängen, Türriegeln, Schaltern, eine gigantische, unversöhnliche architektonische Folter. |||

VI. TRÜGERISCHES LICHT & METAPHYSICHE NACHT

John Heartfield ArenaDie Kontamination der unbelebt gleissnerischen “Reklame” mit dem organischen Bild einer malignen Entzündung entspricht weitgehend der Lichtmetaphorik , wie sie den gesamten Roman durchzieht und - dies ist wichtig - keinerlei irgendwie “gutartige” oder gar “beheimatende” Valenz aufbietet .

Da ist das Dunkle , der Sumpf , die Nacht der Einsamkeit und der seelischen Verwerfungen . Da sind die trüben Töne des Tages und des Misstrauens , der Dämmer proletarischer Gelasse in allen Zuständen der Vergewaltigung . Und das ist das blendende Gleissen sämtlicher Kunstlichter : Sei es der Trug der Lichtspiele , das Schreien der Reklame und sonstiges Blendwerk hysterischer Kurzzeit- Genüsse ( dreimalige Schilderung von Jahrmärkten in Paris , wir kommen darauf zurück ) . Noch das kurze , aber dramatische Aufleuchten des Himmels beim Sonnenuntergang im “heart of darkness” Afrikas besass diesen verführerisch- trügerischen Charakter …

Erneut wird das Pathos der Kapitalismuskritik gebrochen durch eine bizarr- komische Erkundung eines Automatenrestaurants , eine jener “durchrationalisierten” “Abfütterungsanlagen , “wo das Ritual der Nahrungsaufnahme auf das exakte Mass der biologischen Notwendigkeit reduziert ist” . Die “Kellnerinnen in Krankenhaustracht” und der blendende “Lichtregen” , unter welchem die Billigesser ihr Menü verzehren : Der Anschein der Hygiene birgt indes nichts Pflegliches , sondern dient lediglich der Sichtbarkeit des verglasten Speise- Terrariums , an dessen Glas sich die draussen Wartenden drücken , gierig die Bissen jener Esser verfolgend , deren Platz sie in Kürze selbst einnehmen werden . Ein Rudel Schakale rund um das Aas . |||

VII. INDUSTRIE : ISS & ARBEITE

John Heartfield Upton Sinclair Der Sumpf 1928Der Grausamkeit dieser Automatisierung unter Lichtregie steht die ölige Stahlstaub- Finsternis der assembly lines in den Ford- Werken wenig nach . Nach einer kurzen Episode mit der “zufällig” im Heuhaufen New Yorks wieder gefundenden Lola hat sich Bardamu nämlich nach Detroit begeben , um dort sichere Arbeit zu finden . “Man nehme jeden dort” hatte es geheissen , was übrigens auch historisch korrekt ist . ( Ab 1914 war Ford berühmt für seine “hiring practices that identified the best workers, including disabled people considered unemployable by other firms” ) .

Das Aufnahmeritual allerdings erinnert weniger an Philanthropie denn an jene der “totalen Institutionen” , wie sie Erving Goffman für Schulen , Militär , Krankenhäuser und Psychiatrische Anstalten dargestellt hat : Völlige Entblössung und Musterung .

Das Innere der Ford’schen Stahlstadt wird nach allen Regeln expressionistischer Bildlichkeit beschrieben und man wüsste gern , ob Louis-Ferdinand Céline die Bücher Upton Sinclairs - etwa die Beschreibung von den assembly lines und dem betäubenden Lärm in den Gross- Schlächtereien in den Chicagoer stockyards - kannte . Immerhin war “The Jungle” bereits 1906 erschienen . Sinclairs Buch über die Ford- Werke , “The Flivver King - A Story of Ford- America” erschien allerdings erst 1937 - fünf Jahre nach Célines “Voyage au bout de la nuit” . |||

VIII. INDUSTRIE ALS KRIEG : DER “KOSMOS FORD”

John Heartfield Die Eroberung der MaschinenWeit über die Regeln des Genres einer der Sozial- und Industriekritik hinausgehend , versieht Céline den “Kosmos Ford” mit jenen Vokabeln des Krieges , welche - als drittes Paradigma neben dem Licht | Dunkel und dem “Sumpf” - dem Roman durchgängig eingewebt sind .

Alles zitterte in dem riesigen Gebäude, man selber wurde ebenfalls von den Güssen bis zu den Ohren von dem Zittern befallen [ czz : man erinnere sich der "Kriegszitterer" aus dem Ersten Weltkrieg ! ] , es brandete von den Fenstern und dem Boden und all dem Metall auf uns ein, stossweise, vibirerend, von oben bis unten. Man wurde selber zur Maschine, so sehr erbebte das eigene Fleisch in diesem enormen wütenden Getöse, das einem durch und durch ging und sich um den Kopf legte und dann nach weiter unten schoss und in die Eingeweide fuhr und von da wieder nach oben in die Augen, in kurzen, rasend schnellen Stössen, ohne Ende, unermüdlich. ( …. )

Man ergibt sich dem Lärm wie dem Krieg. Man liefert sich den Maschinen aus mit den drei Gedanken, die sich noch irgendwo oben hinter der Stirn bibbernd haben halten können. Vorbei. Alles ist jetzt hart, was das Auge sieht, was die Hand berührt. Und alles, an was man sich erinnern kann, ist ebenfalls erstarrt wie Eisen und hat in den Gedanken allen Geschmack verloren. |||

VIII. NACHHALL DES STAHLGEWITTERS

Hier , in Fords Riesenmaschine , kulminiert das “harte Prinzip Amerika” .

Man muss das Leben draussen ebenso zunichte machen, es genau so in Stahl verwandeln, in etwas Nutzbares. Man hat es so, wie es war, nicht genug geliebt, deswegen. Man muss einen Gegenstand draus machen, was Hartes, das ist die Vorschrift.

Ähnlich wie in seiner , das Kontradiktorische im Negativen zusammen zwingenden Metaphorik , vollzieht Céline in diese wichtigen Passage eine Doppelung : Was im Kontext des industriellen “Krieges” als Schlussfolgerung erscheint , birgt in nuce bereits Bardamus Handlungsstrategie bei seiner Rückkehr nach Frankreich , wo er hart arbeiten und aus sich selbst den “Gegenstand” eines verbrieften Arztes “herstellen” wird. |||

KLANGAPPARAT

Drei Brüder , drei Städte und Musik wie aus einem Guss . Im Zuge des Portraits des GrazWiener Netlabels l a r i d a e , haben wir uns nun zur Release Numero 035 aus dem Febuar 2007 zurückbuchstabiert und sind wiederum bei einer Voll- Längen- Ausgabe ( offenbar lanciert man @ laridae überhaupt nicht das sonst so beliebte Format der EP ) gelandet : “To Be The Odd One Out” ist das jüngste Symphonicon des in Graz , Wien czz hörempfehlungund Berlin lebenden Brüdertrios , von welchen lediglich der dreieinige Künstlername Winterstrand bekannt ist . Offenbar akustisch in den 80ern sozialisiert , tragen Die Drei eine Fülle von Materialien zusammen , um diese auf aussergewöhnlich harmonische Weise zu synthetisieren . Ob cheesy Drumcomputer , black noize , Sprachsamples , Spieluhrmuster , ja gar momentanen e- Spinett- und Bach- Anmutungen : Ohne den Gestus aufdringlicher Originalität weben sich die Stränge in lässiger Logik zusammen . Muss man verbrüdert sein und fern von einander leben , um das Kunststück einer so feinen Integration des Diversen bewerkstelligen zu können ?! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Vivacity | 02. Dimensionsbrecher | 03. Shadows Of Memories | 04. Possibly | 05. Rave Dans Un Champ De Choux-Raves | 06. Sense Of Nothing | 07. Untitled | 08. Morbide 3 | 09. The White Table |||

HINWEISE

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Was können wir wissen ? | Textes Trouvés 2



||| Schrift im öffentlichen Raum : Die Alphabetisierung der Stadtbenützter vorausgesetzt , sind diese Schriften weit entfernt von jeder Schenkung . Hier gibt sich nichts her und hier gibt sich nichts hin .

Im Gegenteil wollen diese Worte etwas . Sie beanspruchen , unser Verhalten vorzubuchstabieren .

Auskunft bitte läuten_copyright_Christiane Zintzen

Kompetenz behauptet die Reklame , …

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

… und : dass sie ein Wissen offeriere , …

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

… welches wir nur beim Werbegeber fänden .

Owned in a different manner_copyright_Christiane_Zintzen

Wem gehören diese Stimmen ? - “Wer spricht ?” ( Roland Barthes )

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

Die vier Kantischen Fragen sind nicht von der Hand zu weisen : “Was können wir wissen ?” …

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…. “Was sollen wir tun ?” ….

Wissen_Kinder_Räume_copyright_Christiane_Zintzen

…. “Was dürfen wir hoffen ?” und ….

Auskunft bitte läuten_copyright_Christiane Zintzen

… “Was ist der Mensch ?” - Wie zu sehen ist : Es ist unser eigener Schatten , welcher der ( Selbst- ) Erkenntnis massiv im Wege steht . |||

KLANGAPPARAT

Mitunter scheint auch die Musik eher Fragen zu stellen , als irgendetwas zu beantworten . Die minimalistisch fliessenden Linien des jungen Kanadiers Dan Carew mäandern über fremdbekannte Muster , addieren Anklänge und assemblieren zweite , dritte Stimmen : Da lugt zweifellos der czz hörempfehlungBrian Eno der frühen Achtizer Jahre durch und natürlich die Boards of Canada . Track 6 : “Bored Of Canada” ist also keineswegs als despektierliche Distanzierung zu den grossen Vorbildern zu verstehen . Im angewandten Anspielen von Klangfarben wie diejenige der Plein- Air- Electronica der “BoC” wird der ästhetische Standort des Materials zugleich verortet und befragt . Da darf dann schon mal ein ZEN- Glöckchen läuten : Der gute Mann ist zu stilsicher , um nicht akustische Stereotype auf sensitive Weise zu unterlaufen . Das vom Netlabel Yuki Yaki distribuierte Debut “We Go Very Well Together” ist ein Glücksfall . Freundliche psychoakustische Stimulation . Beziehungsweise wie Track 5 titelt : “Romantics’ Semantics” . - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Zen Timer | 02. Lonithan Ward | 03. Downtrust | 04. Regular Monthly Payments | 05. Romantics’ Semantics | 06. Bored Of Canada |||

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