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Peter Kurzeck : Erinnerung , sprich



||| Das neue Werk des Erzählers Peter Kurzeck gibt es auschliesslich in gesprochener Fassung

czz | NZZ , 4. 7. 2008

icon welleWenige verstehen sich so auf die Kunst der Erinnerung und deren poetische Vignettierung wie der 1943 im einstigen Sudetenland geborene und mit der Familie 1946 in der hessischen Provinz gestrandete Peter Kurzeck . In seinem mittlerweile vier Bände zählenden Prosawerk spiegeln die trivialsten Daten den Abglanz jener Ur- Erinnerung, welche noch in den schlimmsten Krisen späterer ( Schreib- ) Einsamkeiten glimmt .

LEBENDIGE REDE

icon welleEine Grundpartitur der selten lichten Memoiren aus der Nachkriegszeit gab Kurzeck 1987 mit dem Roman “Kein Frühling” . Nun , da er mit der Erzählung “Ein Sommer , der bleibt” noch einmal in den Kosmos der Kindheit blickt , lässt er als Live- Erzähler die Lichtfäden dieser Erinnerung in der Brise des Atems flattern . Dank dem auf den Originalton freier Rede spezialisierten Label Supposé konnte das Stück in Form eines ausschliesslich gesprochenen Werks erscheinen . Im stillen Studio entstand beim allmählichen Verfertigen des Denkens beim Reden eine veritable Rhapsodie .

Die Anspielung auf antike Epen ist nicht zu hoch gegriffen : Die ursprünglich mündlich tradierten Stoffe handeln oft von Goldenen Zeitaltern und deren Verwehen . Sie spielen in einem geschlossenen Kosmos . Und sie bedienen sich der Memorialtechniken von Leitmotiven , Refrains und Rhythmen , um erinnerbar und erzählbar zu bleiben .

MODERNER RHAPSODE

icon welleKurzecks Umkreisungen des Dörfchens Staufenberg und seines Weichbildes erzählen sich keineswegs “irgendwie” hin . Im Gegenteil orientiert sich der Sprecher im Studio am Wechsel der Jahreszeiten , an topographischen Markern , kurz : an den “topoi” der klassischen Rhetorik . In den ersten Sequenzen von Kurzecks Erzählkreis wird mit dem Blick aus den Fenstern des Wohnquartiers nicht nur das Terrain des Geschehens abgesteckt , sondern auch eine Poetologie skizziert .

Hinter lehmigen Dorfstrassen weiten sich die Flusslandschaften von Lumda und Lahn , über Allem thront stolz der markante Basaltfelsen von Staufenberg mit Burg und Oberdorf . Steil erheben sich die nach oben gestaffelten Häuserfronten als Leinwand für atmosphärische Lichtspiele . Kurzeck erzählt von der ( Kinder ?- ) Phantasie , man möge dieses hessische Pueblo entweder in den verschiedensten Schattierungen schwarzer Farben malen oder aber in allen Nuancen von Weiss .

WILLE ZUR STILISIERUNG

icon welleDer Hinweis auf das Entweder- Oder von Schwarz und Weiss signalisiert ein Wissen um die Stilisierung des Berichtes : im Willen zur Verklärung dessen , was unwiederbringlich verloren ist , und in der Verdichtung der Kindheitserzählung auf den Lauf eines mythischen Jahreskreises .

Da ist der Frühling 1946 mit der Ankunft des kaum Dreijährigen und der aus Böhmen “ausgesiedelten” Familie und der Erkundung der neuen Lebenswelt . Maikäfer und Ameisenflug wecken pochende Vorfreuden . Endlich öffnet sich das Tor zu jenem “Sommer , der bleibt” , wo Dorf, Wald , Feld und Fluss sich den Streifzügen des Kindes unterbreiten : ein Huckleberry Finn an der Lahn .

Mit dem Herbst hebt ein weiterer Bogen an , der von walnussbraunen Fingern , Schule und wachsendem Lesehunger handelt . Der Winter bringt warme , ins Halbdunkel der 25- Watt- Birnen getauchte Innenbilder der Familie . In kristallinem Licht erscheint dahingegen eine Szene euphorischer Emanzipation : Über gleissenden Schnee jagt der Knabe unbändig freiheitsfreudig ins Weite . In den Farben des Schnees kehren jene Nuancen von Weiss wieder , in welchen Kurzeck eingangs das ganze Dorf gemalt haben wollte.

DEN BETON SPRENGEN

icon wellePeter Kurzecks erinnerte Zeit wandelt sich dort in eine “verlorene” , als mit dem Ausbau der Giessener Stadtautobahn die Landschaft hinter Beton verschwindet . Das mit der Automobilisierung parallel ziehende Zeitalter des Fernsehens entpuppt sich als Folge verstellter Nahsicht . Hier endet die Epoche der Kindersommer , und der Chronist findet eine Gegenwelt in den Bars der amerikanischen Soldaten . Unversehens und im Singsang der Rede führen die rhapsodischen Bögen aus dem Paradies sinnlicher Weltbegegnung in die Beton- Epoche des verwalteten Lebens .

Peter Kurzecks “Ein Sommer , der bleibt” spricht beredt , virtuos und akzentuiert von der lebendigen Erinnerung als einer Kraft , die fähig sein kann , den Beton des Jetzt zu sprengen .

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LINKS

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Blog 4 Burma : Betroffenheits- PorNo ( Amstetten - Burma - Schwarzer )



||| I. DAS AMSTETTEN- BURMA- KAMPUSCH- ABC | II. ALICE IN BURMA UND MÄNNLICHE MAULSCHELLEN | III. BLOG 4 BURMA | IV. LINKS

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Im journalistischen Ringen um Superlative , was das Beschwören der humanitären und politischen Katastrophe in Burma betrifft - speziell nach dem Zyklon “Nargis” - , standen argumentative und metaphorische Entgleisungen förmlich auf der Einkaufsliste des Unvermeidlichen . Wobei dies freilich nicht nur für die Mainstream- Medien galt und gilt , wo Alice Schwarzers anti- imperialistisches Gejammere ihr prompt mehrere - männlich geführte Maulschellen ( Matussek und Folgen ) - eintrug , sondern auch für gewisse Blogs , die sich zum Vergleich mit anderen Ungeheuerlichkeiten hergaben . Resultat einer - wir betonen : freiwiliigen - Logorrhoe , wie sie Aufsehen erregende Inzidenzien stets hervorzurufen pflegen .

Wir haben diese unsägliche Dynamik des Meldens , Meinens und Vermutens in unserem vorigen Beitrag zum Thema “Burma” behandelt und die Konsequenz gezogen , in|ad|ae|qu|at für’s Erste einmal nicht weiter mitzusingen in der internationalen Kakophonie . Zu welchen Extremen selbige führt , sei an zwei Beispielen demonstriert .

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I. DAS AMSTETTEN- BURMA- KAMPUSCH- ABC

Burma Prison Art copyright Harn Lay at The IrrawaddyNachdem die Nachricht von den offenbar allzu österreichischen Manns- Volksbräuchen , sich Sex- und exploitation- Objekte in Verliesen unter Tag heranzuziehen mit dem “Fall Amstetten” ( und dem dadurch noch einmal durchlauf- erhitzten “Fall Kampusch” ) um die Welt gegangen war , sah sich das unter hoher akademischer Patronanz stehende Blog “BURMA DIGEST” dazu veranlasst , Parallelen zu ziehen zur zynischen Leibeigenschaft , in welcher die Entourage des Generalissimus Than Shwe eine ganze Bevölkerung hält .

What To Do About The Monsters Joseph Fritzl & Than Shwe” fragt man in polemischer Absicht , referiert die österreichischen Fälle unter besonderer Betonung der angeblichen Unwissenheit der je unmittelbaren lokalen und sozialen Umgebung der mutmasslichen Täter Fritzl und Prikopil :

Incredibly, Frau Fritzl and the neighbors never realized the truth until then. …. People shudder and shake their heads as to what to do about such monsters in their midst.

In bildlicher Parallelisierung des “73 year-old Austrian Monster Joseph Fritzl” sowie des “75 year-old Burmese MONSTER Than Shwe” werden die offensichtlichen Macht- und Kontroll- Freaks zu Vertretern ein und derselben Generation , welche sich - sei’s in Mitteleuropa , sei’s in Südostasien - ohne höhere Schulbildung während der Nachkriegszeit ihrerer respektiven Länder zu Popanzen emporgearbeitet haben . Gewürzt mit ein paar faschistischen Allusionen ( Österreich selbstredend sowie die von den während des Weltkriegs durch ihre besondere Brutaltiät notorischen japanischen Sonderkommandoos geschulten burmesischen Generäle ) verdickt sich die “argumentative” Suppe rasch zu einem “Burmese Hitler” .

Ein Schuft , wer sich da nicht erinnert fühlt an Hans Magnus Enzensbergers fatalen Vergleich Saddam Husseins mit Adolf Hitler im Februar 1991 …. und wie Günther Nenning den deutschen Parade- Intellktuellen postwendend in der ZEIT als “Ajatollah des Westens ” titulierte .

In sämtlichen Fällen , so das Totschlag- Argument , handelt es sich um offensichtlich und offensiv falsch verstandene Vaterbilder ( und damit Gottesbilder ) : Der “Father Allmighty” als schlechtest möglicher Hirte der ihm anvertrauten Herde von Kindern , Völkern , Populationen .

…. consider all the people in Burma being mistreated by this Burmese Fritzl. There are not only the Burmese people, but also the ethnic Karens, Karennis, Kachins, Chins, Shans, Mons, Arakans and many more subgroups. ( …. ) The Austrian Fritzl abused his children but in the end allowed them to go to hospital for much needed help. The Burmese Fritzl, in contrast, abuses 54 million national children and refuses to permit any outside help for fear he will be arrested like Fritzl.

Indem die “Befreiung” der Fritzl- Tochter und das Eingreifen der Polizei kontrastiert wird mit der Ignoranz- und Defensivpolitik von Burmas ASEAN- Nachbarn gelangt die Polemik zu ihrer Pointe :

To Frau Fritzl and her neighbors, do not blame yourselves. You did not take part in the rape of the Fritzl children nor did you exploit them like pimps, hiring them to others. Think of the case of Burma where the neighboring countries DO know what is going on and yet for the past 20 years since the Nationwide Uprisings of 8-8-88, they have been aiding and abetting the Burmese Fritzl in return for economic gain. Thus, these neighors deserve to be called sons of A BITCH (ASEAN, Bengla, India, Thai, CHina) .

Gut , wird man einwenden , ein roher Klotz verdient nichts Anderes als einen rohen Hammer . Dass dieser “Aufruf zum Hinschauen” auf das , was in Burma geschieht , unter der Rubrik “Cartoons & Humour” figuriert , wird Manchen wundernehmen .

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II. ALICE IN BURMA UND MÄNNLICHE MAULSCHELLEN

alice schwarzer BILD kampagneKollege “Birma news united” hat den Kasus um Alice Schwarzers plötzlichen Aktionismus hinsichtlich der Rückeroberung des EMMA- Territoriums durch den Hinauswurf der nur zwei Monate zuvor als Chefredakteurin eingesetzten Lisa Ortgies trefflich in Zusammenhang gebracht mit der folgenreichen Burma- Kolumne der frisch gekürten Ludwig- Börne- Preisträgerin in der FAZ . Gleichwohl sei hier ein weiterer , in|ad|ae|qu|at|er Blick auf die weiblichen | männlichen Argumentations- und Reaktionsmuster geworfen .

Im Februar hatte die FAZ der Verleihung des Ludwig- Börne- Preises an Alice Schwarzer eine vergleichsweise breite Coverage eingeräumt : Schon dem Titel des entsprechenden Artikels mag man entnehmen , dass dies ohne Harald Schmidts Laudatio nicht der redaktionelle Fall gewesen wäre : Harald Schmidt ehrt das Sturmgeschütz Schwarzer . Nachdem Schwarzer im Juli 2007 in voller Montur des Slogans “JEDE WAHRHEIT BRAUCHT EINE MUTIGE, DIE SIE AUSSPRICHT” ausgerechnet für eine Kampagne des Boulevard- und Busenblatts BILD posiert hatte , sodann die doktrinäre EMMA der Töchtergeneration erst anvertraute , um sie dieser sofort wieder zu entreissen , schien es der FAZ offenbar angezeigt , der Feministin grossformatigen Raum zur freiwilligen Selbstdemontage zu gewähren .

In ihrem malerisch- gefühlvollen Essay “Warum Burma echte Freunde braucht” erfüllt Frau Schwarzer am 1. 6. in der FAz nicht nur jedes denkliche Klischee eines anderen , für die echten Menschen und deren einfaches Leben sensiblen Reisens , sondern plädiert im ZK- Ton eines mumifizierten Anti- Imperialismus , eine Erneuerung könne in Burma nur von innen heraus und durch echte ( vulgo die autochthone Kultur achtsam respektierende ) Beihelfer geschehen :

Versteht sich, dass das kleine Myanmar schon längst vom mächtigen Westen im Namen der Menschenrechte und Demokratie “befreit“ worden wäre, würde das mächtige China nicht die Faust darüber halten (und so ungestört in die eigene Tasche wirtschaften). Denn das alles ist ja weniger eine Frage der Moral, sondern mehr eine Frage der Macht.

Doch kein Vertun: Wäre ich Burmesin, ich würde selbstverständlich zur Opposition gehören und hoffen, dass diese alten Knochen so bald als möglich verschwinden! Dass das Land endlich aus seiner Erstarrung erwachen und durchatmen darf. Aber ebenso sicher wäre ich - wie fast alle, mit denen ich gesprochan den folgenden Tgen en habe - strikt gegen jegliche westliche Intervention und für die Bestärkung der innerburmesischen Kräfte für Erneuerung.

Normalerweise wäre es die Aufgabe einer sorglichen Redaktion , selbst Gastautoren vor deren eigenem Hang zur Selbstdemontage zu bewahren . Ein paar Mails , ein Telefonat , sanfte Änderungsvorschläge . Was auch immer hinter den Kulissen abgelaufen sein mag : Wie sehr man Schwarzer in das offene Messer des Skandals - noch schlimmer aber : dasjenige der Lächerlichkeit - laufen liess , erwiesen die an den Folgetagen nachgesandten relativierenden Artikel der eingesessenen Redakteure Michael Hanfeld ( Das grösste Übel , 3. 6. ) , Alexander Marguier ( Die Plattmacherin , 7. 6. ) und den Korrespondenten Jochen Buchsteiner ( Welche Hilfe für Burma ? , 7. 6. ) - Angesichts dieser gesammelten Anwürfe der Weltfremdheit , des Dogmatismus sowie der Vernachlässigung der journalistischen Sorgfaltspflicht hätte es der eilend- ätzenden Replik des Matthias Matussek ( Alice im Wunderland | Gefühliger Kitsch der Armutsverherrlichung , SpOn , 1. 6. ) kaum mehr bedurft .

So folgt denn - neben Zurechtweisung und Belehrung - Bekenntnis auf Bekenntnis . Wobei Matussek nicht minder subjektiv “menschelt” als Schwarzer , welcher er eben dieses gefühlige Stilmittel vorwirft :

Auch ich habe die schwimmenden Märkte auf dem Inle-See bepaddelt und natürlich habe ich mir auch die Pagoden-Landschaft des “mythischen Pagan” nicht entgehen lassen. Burma ist schön, aber ich habe gelitten darunter, dass Familienväter gezwungen waren, mich anzubetteln, und dass sie immer erst dreimal über die Schulter schauten, bevor sie sich dazu durchrangen. Und ich fand es ekelhaft, wie sich jeder kleine Uniformierte mit Schlagstock spreizte und die Angst genoss, die er auslöste.

Nein, mir ist nicht aufgefallen, dass im rauen Norden “die Menschen nicht so goldhäutig und heiter sind wie im Süden”, da haben Sie wohl einfach genauer hingeschaut. Aber schon damals, tatsächlich, waren alle “angefixt von den Kyats und Kugelschreiber verteilenden Touristen”.

Ich würde allerdings nicht zynisch von “anfixen” reden. Ist derjenige, der einen Kugelschreiber benötigt, suchtkrank? Ist es nicht einfach ein Skandal, dass der Lametta-behängte Schieberhaufen, der das Land aussaugt, noch nicht mal für Schreibgeräte sorgen kann, mit denen Ärzte ihre Rezepte, Kaufleute ihre Listen, Kinder ihre Hausaufgaben notieren können ?

Es hätte eines zwei Tage später willig nachwassernden Spiegel- Résumées von Thorsten Dörting ( Schwarzers Burma- Missgriff : “Verantwortungslose Polemik” , SpOn , 3. 6. ) kaum mehr bedurft , um das Mass der unter männlichem “Mitleid” nur unzureichend verdeckten Desavouierung einer erfahrenen Publizistin voll zu machen : Sekundiert von den erwartbar hämischen Belgeitmusik der SZ ( Stefan Klein : Sind so liebe Wasserbüffel , 3. 6. ) hat hier ein konzertierter Missbrauch des Themas “Burma” stattgefunden , um eine wegen “Urlaub” voraussehbar abwesnede und deshalb nur eingeschränkt satisfaktionsfähige Gegnerin gründlich zu demontieren . Was nicht heisst , dass wir in|ad|ae|qu|at nicht etwa entsetzt gewesen wären vom Courths-Mahler- Stil , in welchem Schwarzer “Authentizität” , “Betroffenheit” und abstruse politische Konzepte unrein vergor .

Die Frage wäre nur : Ist diese Selbstdemontage aus freien Stücken geschehen oder hat man den längst fälligen Esel absichtlich auf Eis geführt ? - Interessant , dass es - im Tages- Anzeiger ( Simone Meier ) wie in der SZ ( Cathrin Kahlweit ) - ausschliesslich Frauen sind , die diesen Hang zur “Selbstdemonatage” in einem weiter gefassten Kontext reflektieren .
Edit : AFi macht uns eben auf Ulrike Baureithels bemerkenswerten Essay über das “System Schwarzer” in der “woz” ( ! ) aufmerksam . Take this quote and go for it [ womit wir uns freilich schon ein ziemliches Stück weit vom ursprünglichen Thema dieses Beitrags entfernen : es lebe die Abschweifung ! ] :

Hätte die nun mit Heuchlertränen begleitete Lisa Ortgies ein bisschen in den Archiven gewühlt, wäre sie auf einen offenen Brief aus dem Jahre 1980 gestossen, in dem 32 ehemalige Mitarbeiterinnen der «Emma», darunter Christina von Braun, Christiane Ensslin, Claudia Pinl und Cillie Rentmeis­ter, Alice Schwarzer «Respektlosigkeit» gegenüber der Arbeit ihrer Kolleginnen, Selbstherrlichkeit und Dogmatismus vorwarfen. ( …. ) Aber Alice Schwarzer ist eben mehr als irgendeine ziemlich unangenehme Chefin, mehr als eine nach «männlicher» Räson operierende Unternehmerin und mehr als eine fragwürdig urteilende Journalistin - Alice Schwarzer ist das Synonym für Feminismus made in Germany, und gäbe es so etwas für politische Marken, müsste hinter ihrem Namen das eingetragene Warenzeichen erscheinen.

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III. BLOG 4 BURMA

Während der publizistischen Kakophonie der einander überbietenden Daten , Dokumente und Dossiers in Folge des Zyklons “Nargis” ( Videos @ Daburna ) sowie der paranoiden Abwehr “westlicher” Katastrophenhilfe durch das Regime ist das Netzwerk “Blog 4 Burma” ein wenig leiser getreten : Es bedarf keiner Kopisten dessen , was in den Schlagzeilen steht . Den Bloggern aus Deutschland , Frankrecih , Spanien , aus der Schweiz und Österreich ist es eher darum zu tun , den wechselnden Moden der Berichterstattung zum Trotz standzuhalten und kontinuierlich über verschiedene Aspekte der Kultur und Politik - nicht zulezt aber auch über die Diskurse , welche in den Mainstream Media gerade kursieren - zu berichten . So erörtert Kathy die Möglichkeiten , Than Shwe wegen “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” anzuklagen .

Kathy ( en francais ) , Birmania libre ( in spanischer Sprache ) und Jonas Lanter ( auf Deutsch ) erinnern an den Geburtstag der ( noch immer unter Hausarrest stehehnden ) Dissidentin Aung San Suu Kyi am 19. Juni ( 1945 ) . Birma News united hat ein Portrait der regierungskritischen Zeitung “The Irrawaddy” in der ARD- Mediathek entdeckt sowie einen ersten Überblick über das Diskursdrama um “Alice in Burma ” zusammengestellt .

Khaipi berichtet die Verhinderung des freien Webverkehrs in seiner Heimat durch die Unterbindung von von Proxy-Servern ( leider derzeit nicht erreichbar ) , adaequat erwägt die Optionen unpolitischer Hilfe bzw. einer Humanitären Intervention . Zur Erinnerung : Breaking News über “92% Zustimmung für Verfassung nach Referendum im DDR-Style ” .

Olivier sammelt getreulich Links , Tag für Tag , und das seit fast sieben Monaten ( The real disaster in Burma , Le Myanmar prend des mesures préventives contre les catastrophes naturelles , Foreign Doctors Leave Cyclone-hit Burma en partie … ) . Und das Alles frei Haus per RSS- Feed .

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IV. LINKS

I.

II.

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related articles @ in|ad|ae|qu|at

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Blog 4 Burma : Zeit zu Schweigen - No Blogger’s Block



||| EMBLEMATISCHES “STENCIL” | KASKADEN VON NACHRICHTEN | PATHOSFORMELN | RHETORIK DER SUPERLATIVE | NO BLOGGER’S BLOCK | BLOG 4 BURMA

Burma_stencil_vienna_copyright_christiane_zintzen

Nach acht Monaten einer in 35 materialreichen Beiträgen dokumentierten Beobachtung , Beleuchtung und Bedenken der politischen , kulturellen und humanitären Situation in Burma -
Nach acht Tagen Hochdruck- Bloggens über die weitreichenden Folgen des Zyklons “Nargis” -
Nach achtundzwanzig Wochen der vorbereitenden und begleitenden Berichte zum zynischen “Referendum” -

- haben wir nun vierzehn Tage lang konsequent zum Thema geschwiegen . Und dies nicht ohne Grund . |||

EMBLEMATISCHES “STENCIL”

Ein von einem Tag auf den andern an einer Wiener Hauswand aufgetauchtes Stencil hat uns durch die Diskretion seiner semiotischen Signatur für’s Erste zum Innehalten unserer atemlosen Assemblagen von Namen und Daten und Nöten und Getöteten gebracht : In seiner fragmentarisch emblematischen Struktur der pictura ( = die plan geschwärzte Repräsentation der Landkarte ) so wie der appellativen inscriptio ( “Geteiltes Leid … ” ) blieb dieses Zeichen wohlweislich die moralisierend- erläuternde subscriptio schuldig . Man könnte auch sagen : Das unvollständige Emblem delegiert die conclusio an den Betrachter .

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KASKADEN VON NACHRICHTEN

Unsere in|ad|ae|qu|ate Konklusion bestand für’s Erste in der Einsicht , in unseren Nachtschichten keinesfalls dem internationalen Katastrophenjournalismus hinterherhecheln weder zu wollen noch zu sollen . Das Räderwerk der Agenturmeldungen , deren Presse- Ab- und Umschriften , der Betroffenen- und Korrespondentenberichte lief und läuft heute wie geschmiert : Nach Monaten des nahezu absoluten Nicht- Berichtens flatterten mit einem Mal die Meldungen , Meinungen und multimedialen Features auf wie eine schwarze Wolke aufgestörter Saatkrähen .

Bewegte und bewegende Bilder gehen , wie es heisst , um die Welt , je krasser , je besser . Unsere erste Konsequenz bestand folglich darin , die in der Hitze des Gefechts herangezogenen Fotografien von Verstorbenen nachträglich aus den Postings herauszunehmen . Vielleicht wäre es besser gewesen - überlegen wir jetzt - diese nicht kommentarlos zu eliminieren , sondern mit Hinweis auf … ( wir sparen die Worte “Pietät” und “Würde” hier absichtlich aus ) zu schwärzen ? - Allerdings wäre auch diese demonstrative “Durchstreichung” wiederum eine pathetische Geste gewesen . Weshalb wir sie hier lieber knapp und sprachlich anzeigen . |||

PATHOSFORMELN

Da wir hier keine dpa , AFP oder APA- Meldungen verfassen oder ( wie in der journalistischen Tellerwäscherzeit ) diese im Zeichen von Schlichtheit und Neutralität für die Zeitung umformulieren müssen , kommt das dem Medium des Blogs ( ebenso wie dem Genre der Glosse ) angemessene Moment des “Gefühls” ins Spiel und damit die Frage , wie dieses via Fakten- Dramaturgie und rhetorischer Inszenierung zu formulieren wäre , um beim Leser den gewünschten Effekt zu erzielen .

Jetzt tun Sie bitte mal nicht so , als wollten Sie Ihre Leser nicht - auf welche Weise immer - von den Gründen Ihrer Empörung überzeugen . Dazu benötigt auch die kühlste Argumentation eine triftige Linie . Beziehungsweise eine “Pointe” . Welche im vorliegenden Fall selbstredend eine makabere wäre .

Beliebt ist in diesem Kontext auch der rhetorische Trick des Vergleichs : Das Wort , “Nargis” sei quasi die biblisch strafende “Sintflut” für die Verbrechen Generäle , wurde oft beschworen , doch von der Wahrheit der rechtzeitig ins aridere Landesinnere ( Naypidaw ) übersiedelten Regierung fürchterlich Lügen gestraft . Nur wenige Kommentatoren haben dieses falsche , die Tatsachen auf den Kopf stellende Bild später selbst widerrufen . Auch Qualitätsfeuilletons schreiben für den Tag . Und spekulieren auf die gnädige Macht des Vergessens . |||

czz blog4burma inadaequat

RHETORIK DER SUPERLATIVE

Schliesslich wurden im Diskurs der Superlative angesichts der weiter steigenden Opferzahlen und hinsichtlich der Granit- Politik der lediglich an der Erledigung des “Referendums” interessierten Regierung die MÖGLICHEN WORTE rar . Viele hatten ihr lexikalisches Kapital bereits am “Fall F.” aufgebraucht ( in der metonymischen Verkürzung auf “Amstetten” - seit Cannes kennt man ja neuerdings wieder den Begriff der “Synekdoché ” - ) .

Auch wir geben in|ad|ae| qu|at unverholen zu , dass es uns à la longue an Worten gebrach . Allerdings erhoben und erheben wir in keiner Weise den “Anspruch” , Katastrophen besonders orginell darzustellen . Dies war aber nur der eine Grund für die Einbeziehung ausführlicher Zitate aus Korrespondentenberichten , regierungskritischen Exil- Zeitungen wie “Mizzima” und “The Irrawaddy” sowie aus Blogs . Der zweite Grund bestand in der Einsicht , dass es auf unsere Ansicht nicht ankam . Sondern auf die Derjenigen , die es besser wissen . |||

NO BLOGGER’S BLOCK

Späestens aber , als die FAZ den abenteuerlichen Bericht des CNN- Reporters Dan Rivers über seine veritable Verfolgung durch die Behörden ohne explizite Quellenangabe übersetzte und damit bei vielen Lesern den Eindruck hervorrief , Rivers habe exklusiv für das Frankfurter Blatt geschrieben , ist uns für’s Erste die Lust am Zitieren vergangen . Also haben wir uns jetzt mal still gestellt . Was keinem ( einer Schreibblockade | Writer’s Block analogen ) “Blogger’s Block” gleichkommt .

Es ist ja nicht so , dass innerhalb des Netzwerks “Blog 4 Burma” nicht schon handfeste Sinnkrisen hinsichtlich eines “Weiterschreibens trotz Meldungssteppe” zu diskutieren waren . Oder höchst kontroverse Auffassungen der Form des Bloggens bzw. der “Inszenierung” . Also bedeutet eine zeitweilige Stille an dieser Stelle weder eine Minderung unseres Interesses an Burma , noch eine Schwäche des Netzwerk- Projekts . Speziell unsere französischen und spanischen Kollegen haben unermüdlich weiter berichtet , sodass der Feed seit Anfang Mai über 100 - zum Teil ausgreifende - Beiträge lieferte .

“Lotta continua” hiesse demnach : Den Kampf wieder und weiter und wieder zu führen - gegen das träge , uninspirierte und desorganisierte Selbst . Auch wenn “wahrscheinlich wieder kein Schwein” hinsieht ( F. K. Waechter ) . |||

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BLOG 4 BURMA

Seit Oktober 2007 berichten wir in|ad|ae|qu|at über Burma . Ende Oktober | Anfang November hat sich ein von Anfang an internationales Netzwerk “Blog 4 Burma” konstituiert . Mittlerweile berichten Blogger aus Deutschland , Frankreich , Spanien , Andorra , Österreich , ein Schweizer Reisender und ein in Deutschland lebender Exilburmese . Sämtliche Postings fliessen in einem gemeinsamen RSS- Feed zusammen .

Dessen jüngste Nachricht stammt von Kathy , die den gestern referierten Artikel des Politikwissenschafters Rony Brauman heute Nacht noch einmal ge- updatet hat, geupdatet hat und am Samstag das gesamte Land zur “Death Row” erklärte : “Birmanie, un pays carcéral avec peine de mort collective” . An selber Quelle sind auch umfasende Überlegungen darüber zu lesen , ob sich die Junta des “Verbrechens gegen die Menschlichkeit” schuldig ( ge ) macht ( habe ) , während adaequat seinerseits die Gretchenfage stellt : “Unpolitische Hilfe oder Humanitäre Intervention ?” -

Jonas Lanter berichtet von den potemkinschen Dörfern , in die man den UN- Generalsekretär führte . Birma News United hat die Chronik des Zyklons “Nargis” endgültig rekapituliert , womit auch die absichtliche Desinformation der Bevölkerung seitens der Behörden zur Sprache kommt . Birmania libre liefert ein Video zur zweiten , in den schlimmst betroffenen Zonen um zwei Wochen gestundeten , Tranche des “Referendums” . Letzteres hat freilich wenig an News Headquarters Befund geändert : “92% Zustimmung für Verfassung nach Referendum im DDR-Style” . Grundsätzliches hat khaipi , selbst Angehöriger der Volksgruppe der Chin , zum Text des “Referendums” zu bemerken . Unser Video- Spezialist Daburna kompiliert eine förmliche “Nachrichtensendung” aus verschiedenen Quellen ( u. a. dem Myanmar’schen Staats- TV ) . Und Olivier bringt täglich praktikable Linklisten .

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Ostern : Entweder sakral …



Welch’ Welt an Messen , Chören , Chorälen - Der integrale Kosmos einer Religion kommt auf jenen Punkt , wo es da heist “Tod und Verklärung” . Fastenzeit & Passion on the long run , retardierender close- up auf einen - DEN - Prozess des Sterbens : Golgatha , Pietà , Grablegung . Und dann das “Sacré du Printemps” der Auferstehung .

Der ( symbolische ) Tod : Rite de Passage , Pessach , Züchtigung , Reinigung , Vita Nuova . Und wie unsere kulturellen Praxen solchen Schemata folgen . Die Dramaturgie dieser grundlegenden Erzählung - Passion on the long run , close- up auf das Spektakel des Todeskampfes , finale Auf- und Erhebung - diese Dramaturgie bewährt sich … in jedem Action- Film bis heute .

Oder in der Musik : Joseph HaydnsDie sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze” schrauben sich in eine Rhetorik der stetigen Steigerung , aus welcher kaum ein Entkommen mehr ist . Auch dies bleibt ein ständig präsentes Problem jeder Wirkungsästhetik : Wie eng lässt sich die Spirale der Intensität drehen - und : was dann und danach ?

Jesuitenkirche_Wien_Säule_copyright_Christiane_Zintzen

Gefahr des Pathos , sich ins Komische zu verkehren . Bildlich wird dies herrlich formuliert von den gewundenen Stucco Lustro- Säulen in der barocken Jesuitenkirche zu Wien . Wer dächte da - man sehe die voluptas solcher Vorstellung als menschlich , allzu menschlich nach - nicht an Naomi Campbell ? - Die schwellenden Formen runden den Kreis aus den christlichen Adaptierungen zurück zu deren paganen Ursprüngen . |||

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