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Salon Littéraire | Michael Hammerschmid : wenn es so wäre



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Salon Littéraire | Michael Hammerschmid :

wenn es so wäre

 

du_schlucht_schreiber_copyright_Michael Hammerschmid

 

( zeichnung : der schlucht schreiber )

 

wenn es so wäre, dass das einzige, was man hat, wenn man nichts hat,

die zeit ist, die man dennoch nie hat, und gerade dann, wenn man sie

am wenigsten hat, sich erfinden kann, wäre es also besser so,

keine geregelten tage zu haben, auch wenn man sich die arbeit hätte vorstellen können,

wären da nicht die träume gewesen, die einen nach langen wanderungen

am grat der ungewissheit endlich wieder hinauslotsten, wo man lieber

wie fallend lebt, wer weiß warum. abendlich müde, wach.

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Michael Hammerschmid

geboren am 23. 10. 1972 in Salzburg . Studium der Deutschen Philologie und Theaterwissenschaft in Wien . Promotion zu Johann Karl Wezels skeptischer Poetik . Forschungsarbeit zum Werk Ernst Jandls . Seit 2001 Hörspiele , Gedichte , Liedtexte und Prosa , eine Übersetzung sowie verschiedene essayistische und wissenschaftliche Publikationen zur Literatur .

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Buchpublikationen

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Radiophonie | Hörspiele

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CD

  • Nicky Swing and The Slaves of Beauty : Fahnenrauch ( lyrics , keyboards ) - 2002

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Texte im Netz

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Links

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Salon Littéraire | Dieter Sperl : DIARY SAMPLES



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Salon Littéraire | Dieter Sperl :

DIARY SAMPLES

copyright Dieter Sperl 01copyright Dieter Sperl 02

DIARY SAMPLES ist eine Ansammlung von Tagebuchaufzeichnungen; Gedankensplitter aus verschiedenen Begegnungen, Lektüren, werden nebeneinander gestellt, Zitate und Aphorismen mischen sich ein, Impulse, Wünsche, Ideen, Anregungen, Träume, Assoziationen und Intuitionen, sie schwingen miteinander, greifen sich an oder fordern sich wechselseitig heraus, schaukeln sich hoch, um vielleicht im nächsten Moment abzustürzen. Man kann auch bloß einzelne Teile befragen, sich darin vertiefen oder in nachlässigen, von Zufall bestimmten Lesebewegungen nach vorne und zurück switchen, oder mag versuchen, die semantischen Standorte der Einzelstücke, ihre diesbezüglichen Bewegungsmöglichkeiten und Wirkungsgrade in einem selbst auszukundschaften, um möglicherweise damit die Flugbahnen der eigenen Existenz variieren zu können.

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Meine Heimat ist dort, wo ich mich gerade aufhalte, um zu überleben.

Nach dem Aufwachen dachte ich: Auf keinen Fall an die gestrigen Lebensfahrgemeinschaften anschließen - Glockengeläute zu Allerheiligen, es ist sieben Uhr in der Früh, leichter Regen, Wind von Norden her kommend - haben sich alle aus jenem mich am Vortag überzeugend durch den Tag manövriert habenden Bewusstsein zurück gezogen.

Frau Navratil am Bahnhof von Z. an einem klirrend kalten Tag. Jeder Gesichtsausdruck gewinnt immer mehr an Klarheit, die eine um sich greifende Ausgelassenheit und tief entschlossene Ernstheit besitzt, als ob meine Hände von selbst fliegen könnten und mit dem Körper eine Reisegemeinschaft bildeten…

Als ich vor Jahren eine Verhaltenstherapeutin aufsuchte, wollte ich von ihr, dass sie mich zu einem glücklichen Menschen umprogrammiert, was ihr vermutlich auch gelungen wäre, hätte ich nur eine deutlichere Vorstellung davon gehabt. Deshalb musste ich den unter meinem Namen eingeschlagenen Weg weiter gehen.

Mach jede Bewegung zu deinem ganzen Ausdruck.

Jeder Augenblick, der auf mich zutritt, ist noch nie gelebt worden zuvor, solcherart frei von Vorstellungen und zugleich ewig während.

(wenn ich dich verliere, langsam)

Unterschiedliche Aggregatzustände: Flüssige Texte, hölzerne Gedanken, Wörter aus Stein, dichte Gewebe, Sätze, die als Zuschauer applaudieren…

Der in Peru geborene hohe Initiierte und Schamane K’anchaq Uma Juan sagte, dass auch unsere Emotionen Lebewesen sind, auch sie haben ihre Freunde, ihre Familie und es sind dies Kräfte, die in uns auftreten, sich weiter entwickeln oder auch nicht. Emotionen können wachsen und sich dabei verändern, denn es sind Wesenheiten, die zu einem ganz bestimmten Zweck erschaffen werden. Es gibt auch Momente, in denen sich solche Wesenheiten befreien und über die jeweiligen Menschen zu herrschen beginnen. Damit beginnt die eigentliche Katastrophe.

Dieses Sein und dieses Wollen sind eins.

Fantasie ist jener Moment, in welchem man einen fremden Menschen anschaut und plötzlich Teil einer anderen Geschichte wird, sich glücklich, offen und frei fühlt und nicht mehr hineingezwängt in das eigene Lebenskonzept, das sich täglich von neuem aufführen muss.

Den ganzen Schwindel der laufenden Selbsterregungen durchschauen.

Du bist bloß hier, weil du derzeit keine anderwertig eindeutig gerichteten Handlungsmuster besitzt, und das ist schön so in diesem Augenblick, auf diese Weise nämlich komme ich ins Spiel und bin froh und glücklich zugleich. Denn jetzt hängt die Entscheidung für das Kommende nicht mehr nur von dir ab, sie ist nun ein vermehrter Lichtstrahl, der mir ins Gesicht fährt, und damit meine vom Himmel aufgezeichneten und in die Gesellschaft hinein veräußerten Gesten mit einem Mal erweitert.

Zum Schluss meiner Meditation war ich temperamentvoll und unerwartet bei einer Bekannten namens Petra und deren Mann im Bett. Den Menschen die Angst vor dem Sterben nehmen, dachte ich, während ich mich im schwitzenden rinnenden Rhythmus ihrer beiden Körper bewegte, denn es ist dies unser Zuhause, in welchem wir unausgesetzt wirken

Jeder hat seine Bedeutung zu spielen, die im Grunde seine ganz überwiegende Lebensauffaltung ist. So stehen wir manchmal auf der besonderen Seite der Lebenskraft und winken ausgelassen den vorbei fliegenden Passagierflugzeugen zu.

Wenn du begreifst, was das Leben ist, ist es für nichts wirklich zu spät.

Dunkelheit / Liebesbriefe / Erinnerungen. Eine Laterne beleuchtet ein paar Meter des zu gehenden Weges. Ein Schamane spricht in meinem Traum in der kalten Winterluft. Dieses Sein und dieses Wollen sind eins .

Viele Schriftsteller haben ein Muster, die Welt zu begreifen, zu erzählen, sie darzustellen, auf sie hinzuweisen, in sie hineinzugehen produziert und dieses auch in unterschiedlichen Dichten veräußert. Durch Koordinieren und Weiterentwickeln verschiedener Diskurse entsteht etwas gänzlich Neues, das, so vermute ich, den Menschen einmal grundsätzlich mit einem Sprung größerer Autonomie anfüllt.

“Die ganze Welt und ich selber kamen mir wunderbar alt und jung vor, Erde und Erdenleben wurden mir plötzlich zum Traum, und es war mir, als sei mir alles ganz leicht verständlich und zugleich wieder völlig unerklärlich.” (Robert Walser)

Alles scheint nur solange seinen gewohnten Gang zu gehen, als niemand im Weg steht, der ebenfalls seinen gewohnten Gang gehen möchte, den beide sodann gemeinsam zu sehen bekommen.

In den Sprachakt Kräfte einpflanzen, die in uns eindringen, etwas vertiefen oder in Frage stellen, Kräfte, die uns herausfordern, beflügeln und uns umarmen. Hypothese: Solche Sprachakte bilden die lebendigsten Momente.

Alle Sätze, die wir miteinander wechseln, sollten nur für diesen Augenblick, jetzt, ihre Gültigkeit haben, und der Grad ihrer Bedeutung sollte sich an der Offenheit, der Beweglichkeit und Leichtigkeit, insgesamt ihrer Freiheit bemessen, die sie erzeugen können.

“Leeres und aufnahmebereites Herz.” (Shunryu Suzuki)

An M.: Ich habe mir in den letzten Jahren, so glaube ich, wesentliche Persönlichkeitsanteile bewusst gemacht und weiter entwickelt, andere wiederum ziemlich vernachlässigt. Indessen denke ich nun, dass ALLES WAS ICH IN GROBEN ZÜGEN ALS INDIVIDUUM BIN die weitere Entwicklungs- und Ausdifferenzierungsreise antreten soll. Beispielsweise gibt es da Muskeln auf meinem Rücken, ich würde dich bitten, sie in eine Bewegung überzuführen, um meine Seele zu kitzeln, schrieb ich, es war November, und dieser Monat gefällt mir fast überall auf der Welt.

Auf einem Hausdach ging ein Schriftsteller zu seiner Lesung, sah den Himmel, der leer hing über ihm, das Publikum klatschte, der Schriftsteller setzte sich an den Tisch, stellte drei Armbanduhren vor sich auf, das Publikum klatschte, der Schriftsteller rückte die Armbanduhren ein wenig von sich weg, starker Wind. Im selben Moment sah er einen weinroten Doppeldeckerbus fieberhaft einen Hang herunterkommen, an dessen Rückseite drei an Stricken angebundene Kühe mitgeschliffen wurden, der Bus kam in eine Ebene, die Kühe schleuderte es nur so in die Wiese, in der sie sich ausbreiteten, sodass sie plötzlich weitaus größer waren, und der Schriftsteller konnte sie spüren, als ob er mit seinen Fingern über ihr Fell gestrichen wäre. Das war der Beginn von Allerseelen.
Eine alte Frau im Vorbeigehen: “Man muss leider die Eitelkeit aufgeben. Sonst wandeln wir umher in unseren für uns selbst auffälligen Abenteuern.”

Sätze kommen und gehen lassen, ihre operationale Effektivität begrüßen.

Keinen Satz wegstreichen, ohne auf ihn je gewartet zu haben.

Der Augenblick anerkennt keine Autorität.

Um halb zwei Uhr in der Früh bin ich durch einen einzigen Trommelschlag geweckt worden.

Es ist lächerlich, wie mich heute eine Lebensangst im Griff hat, die in mich eingedrungen ist und die mich in Berechnungsschritten zu lähmen beginnt.

Hinter der schlichten und anspruchslosen Weite seiner Gedanken verbarg sich eine jähe und zwingende Tiefe.

Schon der leiseste Gedankenflug kann töten, wenn er nur genug Kraftkonzentrat in sicht trägt. Sämtliche Bewusstseinszustände und -kräfte sind sich laufend verändernde Schöpfungen einer kosmischen Ganzheit. Der Schamane ist einer der Meister des Absurden, des Akausalen und Unobjektiven, verkürzt Räume telepathisch und huldigt der Kommunikation mit allem Sein, schreibt Holger Kalweit.
“Allein die Menschenwesen sind an einem Punkt angelangt, wo sie nicht mehr wissen, wozu sie leben. Sie wissen ihr Gehirn nicht mehr zu gebrauchen, und sie haben das geheime Wissen ihres Körpers, ihrer Sinne und ihrer Träume vergessen. Sie machen keinen Gebrauch mehr von dem Geist, der einem jedem von ihnen eingegeben wurde.”

Jeder unserer geistigen Filme muss in präzisen und hoch energetischen Aufträgen operieren…

Es war jemand an der Tür, ich wollte absperren, um sicher zu gehen, aber ich fand keinen Schlüssel, und hätte mich auch nicht wirklich zum Schlüsselloch getraut. Schließlich stürzte ich überfallsartig zur Tür hin, schrie Hööhöö und spuckte mit aller Kraft auf die Glasscheibe, hinter welcher ich eine alte mich anvisierende Frau ausmachen konnte.
Meine Eltern hatte ich auch eingeladen. War es ein Künstler-Heim? Damit sie dort vorübergehend gratis wohnen konnten? Es war mir peinlich, da sie durch das komplette, schon sehr alte und ziemlich abgewirtschaftete Haus schlapfen mussten, um zu den Duschen zu gelangen.

Das Verhalten darf uns keinen Verstiegenheiten überlassen, die man uns später anhängen könnte.

Auch der Regen muss auf Visionssuche gehen.

Und draußen auf den Gehsteigen… ich hätte gerne das Geräusch des Schneeschaufelns gehört und ich war geneigt, zum Fenster hinaus zu sehen, in einen dichten Schneefall hinein, der mich überall hin hätte tragen können. Ein stilles rhombusartiges Sonnenstück erschien an der Wand rechts neben der Tür, das in jenem Moment, als ich es mit einzigartiger Freude bemerkte, sofort verschwand. Es muss wohl sehr scheu gewesen sein. Etwas muss immer dabei sein, das wahrhaftig universell über jeden gerade formulierten Satz hinaus treibt, eine Art von Leere als Botenstoff, unmissverständlich spürbar, sichtbar in jeder Bewegung, jedem Ausdruck, absolut, offen, beweglich, sie erst gibt uns die Freude und die Fremde in die Hand, und sie ist meine Haltung, die immer umfangreicher wird.

“Wenn du jetzt mitgehst, verändert sich dein Leben ausnahmslos.”

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Dieter Sperl

Geboren 1966 in Wolfsberg / Kärnten . Lebt in Wien . Studium Deutsche Philologie und Philosophie in Graz .

  • 1989 bis 1993 Mitorganisator zahlreicher Veranstaltungen und Mitherausgeber der dem Experiment verschriebenen Literaturzeitschrift perspektive
  • 1992 - 2000 Gründer und Mitherausgeber der literarischen Theorie- Reihe edition gegensätze ( i. e. )
  • 1995 Konzeption der Veranstaltung Neue Medien Schreiben in der Kunsthalle in Hall / Tirol im Rahmen von “am Anfang war” von Richard Kriesche
  • 1996 Kurator von Gehdicht , Lyrik im öffentlichen Raum , veranstaltet von KUNST IM ZENTRUM , Wiener Neustadt 1996
  • Gemeinsam mit Paul Pechmann Kurator für Literatur der Landesausstellung comm.gr2000az
  • 2005 Konzeption und Betreuung des wöchentlich erscheinenden LITERARISCHEN FENSTERS @ Wiener Zeitung
  • Seit Ende 2005 Literaturredakteur in der Zeitschrift ST/A/R
  • Konzeption von schriftwechsel , Binnenzeitschrift für diversitäre Erzählformen
  • Literaturtipps für readme.cc

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