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	<title>in&#124;ad&#124;ae&#124;qu&#124;at &#187; Roland-Barthes</title>
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		<title>wespennest 160 &#124; Roland Barthes : Tagebuch der Trauer (Hanser)</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 02:56:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>czz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[wespennest_buch &#124; espace d&#8217;essays Literaturzeitschriften DISCLAIMER Wie mittlerweile zu wissen ist , sind neue Bücher für in&#124;ad&#124;ae&#124;qu&#124;at keine schieren Objekte der &#8220;Rezension&#8221; . Als Herausgeber von Primärtexten und Autorenessays wollen und dürfen wir nicht werten . Anderseits gibt es in Literaturzeitschriften eine Reihe sorgsam betreuter Rezensionen , welche eminent von dokumentarischem , archivalischem und literarischem...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;">wespennest_buch | <a href="http://www.zintzen.org/espace-d-essays/">espace d&#8217;essays</a></p>
<p style="text-align: right;"><a href="http://www.zintzen.org/?s=Literaturzeitschriften">Literaturzeitschriften</a></p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2011/08/logo_wespennest_400_62-1.png" alt="Logo Wespennest 400 62" width="430" height="92" hspace="2" vspace="2" /></p>
<p><strong>DISCLAIMER</strong></p>
<p>Wie mittlerweile zu wissen ist , sind neue Bücher für in|ad|ae|qu|at keine schieren Objekte der &#8220;Rezension&#8221; . Als Herausgeber von Primärtexten und Autorenessays wollen und dürfen wir nicht werten .</p>
<p>Anderseits gibt es in Literaturzeitschriften eine Reihe sorgsam betreuter Rezensionen , welche eminent von dokumentarischem , archivalischem und literarischem Interesse sind . In Kooperation mit der Zeitschrift &#8220;<a href="http://www.wespennest.at/w_zeitschrift.php?id=MTYw">wespennest</a>&#8221; geniesst in|ad|ae|qu|at das Privileg , Online- Versionen der Buchbesprechungen publizieren zu dürfen und somit auch an gut auffindbarer Stelle zu archivieren . Selbstverständlich wird das Einverständnis der jeweiligen Rezensentinnen und Rezensenten zuvor eingeholt .</p>
<p>Gewonnen wäre damit eine Repräsentanz avancierter Literaturkritik im WWW : im Sinne eines nachhaltig sich fortschreibenden Kommentars zum literarischen Leben , welcher dem Rattenrennen des Feuilletons um die schnellstmögliche Rezension dicht an der Sperrfrist einen ruhigen und geduldigen Scharfblick entgegen setzt .</p>
<p><strong>|||</strong></p>
<p><strong>T. S. *- ALLES ÜBER MEINE MUTTER &#8211; WESPENNEST 160/2011</strong></p>
<ul dir="ltr">
<li>
<div>Roland Barthes: <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23498-7">Tagebuch der Trauer. 26. Oktober 1977-15. September 1979.</a> Texterstellung und Anmerkungen von Nathalie Léger. Aus dem Französischen von Horst Brühmann. München: Hanser 2010</div>
</li>
</ul>
<blockquote><p>&#8220;Denn was ich verloren habe, ist nicht eine GESTALT (die MUTTER), sondern ein Wesen, und nicht nur ein Wesen, sondern eine Qualität (eine Seele): nicht das Unentbehrliche, sondern das Unersetzliche.&#8221; &#8211; <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Roland_Barthes">Roland Barthes</a> in seinen Bemerkungen zur Fotografie, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_helle_Kammer"><em>Die helle Kammer</em></a></p></blockquote>
<p>Henriette Barthes, geborene Binger, starb im Alter von 84 Jahren, am 25. Oktober des Jahres 1977. Ihr Sohn Roland, der berühmte Semiologe, (Post-)Strukturalist und Kulturkritiker, verarbeitete seine Trauer auf seine eigene Weise: Mithilfe von kleinen Notizzetteln, so genannten &#8220;Fiches&#8221;, fertigte er zahlreiche Aufzeichnungen an, die um den Verlust der geliebten Mutter und die Schwere seines Kummers kreisen. Vom Oktober 1977 bis zum September des Jahres 1979 entstanden so über zweihundertfünfzig Eintragungen. Ediert von Natalie Léger und übersetzt von Horst Brühmann sind sie als <em><a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23498-7">Tagebuch der Trauer</a></em> im Hanser Verlag erschienen.</p>
<p>Die Veröffentlichung dieser Miniaturen aus dem Nachlass Roland Barthes&#8217; glich einer kleinen Sensation und wurde auch von der deutschsprachigen Presse mit Begeisterung aufgenommen. Diese Resonanz hat zweierlei Ursache. Sie ist zum einen der derzeitigen Konjunktur von Büchern geschuldet, deren Autoren oder Autorinnen sich teils kritisch, teils einfühlsam mit der Generation ihrer Eltern auseinandersetzen. Neben Reportagen über selbstverschuldete Verstrickungen des eigenen Elternhauses innerhalb totalitärer Regimes entstanden ebenso Titel, die sich der Krankheit oder dem Tod eines geliebten Familienangehörigen widmen. Man denke beispielsweise an <a href="http://www.perlentaucher.de/autoren/267/Arno_Geiger.html">Arno Geigers</a> jüngst erschienenen Text <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/35755.html"><em>Der alte König in seinem Exil</em></a>, der die Alzheimerkrankheit seines Vaters thematisiert. Vor allem aber erklärt sich das große Interesse an Roland Barthes aus der bis zum heutigen Tage ungetrübten Strahlkraft seines Schaffens. Seine vielen Bücher, Artikel und Rundfunkarbeiten machten ihn weit über den akademischen Bereich hinaus bekannt. Als Markenzeichen des Franzosen galt, dass er sich schlicht für <em>Alles</em> interessierte und sich im Verlauf seines Wirkens die unterschiedlichsten Themen zu Eigen machte, ob dies nun die Fotografie, die Liebe, das Zeichensystem Japans oder die so genannten <a href="http://fr.wikipedia.org/wiki/Mythologies"><em>Mythen des Alltags</em></a> betraf.</p>
<p>Es liegt vermutlich am ausgeprägten poetischen Gehalt seines nun erschienenen Werkes, das einige Rezensenten und Rezensentinnen dazu veranlasste, im <em> </em><em><a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23498-7">Tagebuch der Trauer</a></em> genau den Roman zu sehen, den Barthes immer hatte schreiben wollen. Kurz bevor ihn ein Verkehrsunfall Anfang der Achtzigerjahre gewaltsam aus dem Leben riss, widmete er diesem nie realisierten Vorhaben sogar eine eigene Vorlesung mit dem Titel In <em>Vorbereitung eines Romans</em>. Doch so genussvoll man zwischen den Seiten des Journals von Roland Barthes blättern und soviel uns das Buch auch über seinen Verfasser und dessen schmerzenden Verlust erzählen mag &#8211; um einen Roman handelt es sich dabei nicht.</p>
<p>Tatsächlich könnte man das Buch viel eher als einen geordneten Zettelkasten oder eine pedantisch geführte Materialsammlung bezeichnen. Tag für Tag wurde dieses Archiv der Trauer um neue Notizen erweitert, deren Kürze und Komposition oftmals an die von Barthes geliebten japanischen Haikus erinnert. Die Materialität der Reflexionen, Erinnerungssplitter und assoziativen Gedanken macht deutlich, dass die Verarbeitung seiner unmittelbaren eigenen Realität auf genau dieselbe Art und Weise geschah, die Roland Barthes auch für das Verfassen seiner theoretischen Schriften nutzte. Denn bereits seit den Fünfzigerjahren verwendete er kleine Karteikarten, mithilfe derer er seine Publikationen und Vorlesungen konzipierte. Ein Stapel mit von ihm selbst zurechtgeschnittenem Papier fand sich stets griffbereit auf seinem Schreibtisch.</p>
<p>Eine strikte Trennung zwischen Leben und Werk hat es für Roland Barthes nie gegeben. Nur ist es heute nicht mehr möglich zu sagen, ob und inwiefern er die Notizen über seine Mutter konkret in ein oder gar mehrere Buchprojekte umgesetzt hätte. Barthes selbst war sich dessen nicht sicher. In einer seiner ersten Aufzeichnungen hofft er indes: &#8220;Wer weiß? Vielleicht findet sich ein Goldkörnchen in diesen Notizen?&#8221; Zweifellos jedoch stehen sie am Ausgangspunkt einer seiner bekanntesten Publikationen &#8211; der Fotografie-Studie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_helle_Kammer"><em>Die helle Kammer</em></a>. Dezidiert erwähnt Barthes in seinem Tagebuch, dass er seinen Kummer in das Schreiben dieses Buches einbauen möchte, auch um seiner Mutter dadurch ein Denkmal zu setzen. Er selbst blicke zwar ohne Sorge auf die Nachwelt und sei völlig bereit, restlos zu verschwinden, doch er ertrage es nicht, dass es für seine Mutter ebenso sein sollte. Roland Barthes ist sich bewusst, dass die Erinnerung an sie ganz von ihm abhängt.</p>
<p>Fotografien der Mutter nehmen schon vor deren Tod in seinem zwischen Fiktion und Diktion angelegten Werk <em>Über mich selbst</em> aus dem Jahr 1975 einen hohen Stellenwert ein. Noch vor Beginn des &#8216;eigentlichen&#8217; Textes findet sich eine Aufnahme der Mutter am Strand, das Gesicht fast unkenntlich. Möglicherweise stellt die Imago der sich dem Betrachter nähernden Mutter eine der ersten Erinnerungen Barthes&#8217; dar. Auf einem weiteren Bild sehen wir den jungen Roland auf ihrem Arm, wiewohl er dafür eigentlich zu groß und schwer erscheint. Er blickt verängstigt in die Kamera.<br />
Seinen Vater hatte Roland Barthes bereits im Alter von nur einem Jahr verloren. Auch aus diesem Grund wurde seine Mutter zu einer seiner engsten Vertrauenspersonen. Bis zu ihrem Hinwegscheiden lebten die beiden gemeinsam in einer Wohnung in Paris. Durch ihren Tod habe er jegliche Rückendeckung verloren und besitze &#8220;keine Zuflucht mehr&#8221;. Seine Trauer sei jedoch nicht die um eine Lebensorganisation, sondern die um eine Liebes-Beziehung, betont Barthes in seinem Journal. Schon sein erster Eintrag vom 26. Oktober 1977 evoziert das Bild einer eheähnlichen Gemeinschaft von Mutter und Sohn, indem ein essenzieller Initiationsritus dieses Bündnisses aufgerufen wird: &#8220;Erste Hochzeitsnacht. Doch erste Nacht der Trauer?&#8221; Mit dieser Eintragung wird der eigentliche Gegenstand des Tagebuchs offenbar: Es handelt sich dabei um den Versuch, die eigene Trauer zu erfassen und auf den Begriff zu bringen. Begleitet wird dieses Vorhaben jedoch von der Einsicht, dass eine präzise Vermessung dieser Empfindung zum Scheitern verurteilt ist. Die Tragweite des Verlustes lässt sich ausschließlich in das System der Sprache überführen:</p>
<blockquote><p>Mein Kummer ist unausdrückbar, aber gleichwohl sagbar. Schon die Tatsache, daß mir die Sprache das Wort &#8216;unerträglich&#8217; zur Verfügung stellt, bewirkt unmittelbar ein gewisses Ertragen[.]</p></blockquote>
<p>Das Ertragen der Realität wird im Verlauf seiner Notizen immer wieder auf eine Probe gestellt, denn Barthes zufolge lindert die Zeit den Schmerz keinesfalls, sondern verändert lediglich dessen Qualität: &#8220;Was mich absolut erschreckt, ist der <em>ungleichmäßige</em> Charakter der Trauer.&#8221; Sie sei chaotisch und verletzend und treffe ihn wie eine Sklerose-Erkrankung in Schichten und Schüben. So scheint er gefangen in einem &#8220;fließenden Übergang von Zerstreuung und Emotionen&#8221; &#8211; wieder erwachte Lebenslust, Angst um sich selbst und ihm nahestehende Personen und mitunter heftige Weinkrämpfe wechseln einander ab. Vor allem jedoch stellt sich eine wachsende Gleichgültigkeit ein. Ob der alles umfassenden Indifferenz habe er &#8220;nicht einmal Lust, sich umzubringen.&#8221; Besonders zuwider sei ihm die Banalität der &#8220;Welt der Gesellschaft&#8221;, vor der Barthes seine Trauer geheim hält. Er habe keinerlei Lust mehr, sich etwas &#8220;aufzubauen&#8221;, egal ob Liebe oder Freundschaft. Als einzige Ausnahme fügt er hingegen das Schreiben an, das ihm &#8220;Zuflucht, Heil, Projekt&#8221; ist.</p>
<p>Im April des Jahres 1980, also kurz vor seinem Tod, wurde Roland Barthes von der Wochenzeitung <em>Nouvel Observateur</em> nach seiner allgemeinen Schreibmotivation befragt. Er antwortete, dass das Schreiben für ihn ganz einfach eine Art und Weise darstelle, das Gefühl des Todes und der allumfassenden Vernichtung zu bekämpfen und gleichsam zu bezwingen.</p>
<p><strong>* Auf Wunsch des Autors scheinen im Netz nur dessen Initialen auf</strong></p>
<p><strong>|||</strong></p>
<p><strong><a href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2011/08/logo_wespennest_400_62-1.png" rel="lightbox[21050]"><img class="alignnone size-full wp-image-21049" title="logo_wespennest_400_62-1.png" src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2011/08/logo_wespennest_400_62-1.png" alt="" width="430" height="92" /></a><br />
</strong></p>
<p><strong>WESPENNEST 160/2011 &#8211; INHALT</strong></p>
<p>Für das <a href="http://www.wespennest.at/w_zeitschrift.php?id=MTYw">wepennest 160</a> hat <a href="http://www.perlentaucher.de/autoren/16444/Erich_Klein.html">Erich Klein</a> das Schwerpunktthema &#8220;Natur&#8221; gestaltet ( siehe <a href="http://www.wespennest.at/pdf/wn160_editorial.pdf">PDF des Editorials</a> ) ; das wespennest_porträt gilt dem Dichter und Publizisten <a href="http://www.slideshare.net/milenafindeis/igor-pomerantsev-kgb">Igor Pomerantsew</a> ; die unter wespennest_buch rubrizierten Rezensionen behandeln &#8211; neben dem <em>Tagebuch der Trauer</em> von Roland Barthes &#8211; die Bände Hergé: <em>Tim und Struppi. Tim im Kongo</em> , <em>Vlado Kristl</em> , Robert Musil: <em>Klagenfurter Ausgabe</em> , <em>Daniil Charms. Leben und Werk</em> ; poetische Texte stammen u. a. von Constantin Abalutsa , Mikael Vogel , Udo Kawasser , <a href="http://www.zintzen.org/salon-litteraire/"><em>Salon</em></a>- Autor <a href="http://www.zintzen.org/autoren-authors-auteurs/michael-hammerschmid/">Michael Hammerschmid</a> und Frank Westerman</p>
<p><strong>|||</strong></p>
<p>RELATED</p>
<ul>
<li><a href="http://www.zintzen.org/2011/02/23/gerhard-scheit-albert-drachs-gedichte-werkausgabe-zsolnay-2/">wespennest 159 | Gerhard Scheit : Albert Drachs ‘Gedichte’ ( Werkausgabe Zsolnay )</a></li>
<li><a href="http://www.zintzen.org/2010/05/30/salon-litteraire-friederike-mayrocker-difference-zwischen-o-t-und-titellos-stadien-eines-gedichtes/">Salon Littéraire | Friederike Mayröcker : “différence zwischen o.T. und titellos” – Stadien eines Gedichtes</a> ( wespennest 158 )</li>
</ul>
<p><strong>|||</strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>

]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>MICRO &#124; -NOTE &#124; -QUOTE : Kleiner Dialog</title>
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		<pubDate>Fri, 20 May 2011 05:05:41 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2011/05/czz-micro-note-quote-sourcne-aiga-airport-pictos-copyright-free-6.jpg" alt="czz-micro-note-quote-sourcne-aiga-airport-pictos-copyright-free-" hspace="2" vspace="2" width="96" height="96" align="left" /> ||| MICRO | -NOTE | -QUOTE</strong></p>
<p>Notiz ad me ipsum et certerum -</p>
<p>Kleiner Dialog in der <em>taberna kritika</em> zur Poiesis der Legasthenie :</p>
<blockquote><p><a href="http://www.abendschein.ch/site/comments/uebung_gegen_den_sinn/">Übung gegen den Sinn</a></p>
<p>Doch er dachte, bohrte immer weiter, Löcher ins Nirwana. ( &#8230; )</p>
<p>Übung gegen den Sinn. – Man sollte die Buchstaben von Zeit zu Zeit wie Legastheniker betrachten, als seien sie einzeln verhakt mit der Welt. Die Schönheit der Urteile. Immer wissen wir sie nur mit stolzen Ungenauigkeiten zu begründen.</p>
<p>Willensmenschen werden höchstens Erfolg erfahren. Und sie geraten durch Disziplin und Fleiß, und etwas Glück, mit sich zufrieden. – Elendsgestalten des Triumphs.</p>
<p><a href="http://www.abendschein.ch/site/comments/uebung_gegen_den_sinn/">Kommentare</a></p>
<p>#1</p>
<p>dem legastheniker gerät ( wie aus nächster nähe zu vermelden ) die welt augenblicklich zum rätsel &amp; braucht’s mitunter 1igen schmäh , diese “differance” zu verbergen -<br />
czz  am  19.05.11</p>
<p>#2</p>
<p>barthes hätte das sicher neutral, wenn nicht positiv codiert und hierzu vielleicht sogar eine ästhetik der entbergung entwickelt &#8230; ( &#8230; )<br />
<a href="http://www.abendschein.ch/">hab</a> am  19.05.11</p>
<p>#3</p>
<p>legasthenie generiert ständig umspringbilder , in kombination mit fehlleistungen ergibt dies eine art ständiges rosa rauschen , in welches man &#8211; vergeblich auf eine beruhigung im endlichen wartend &#8211; ständig starrt . die oszillierenden symbole singen gleichsam einen aufreibend aufregenden obertongesang -<br />
czz  am  19.05.11</p>
<p>#4</p>
<p>das hört sich sehr, sehr anstrengend an &#8230; (aber auch, aus produktionsästhetischer sicht, mit positiven mitnahmeeffekten?)<br />
hab  am  19.05.11</p>
<p>#5</p>
<p>tja , die “mitnahmeeffekte” nimmt man bescheiden am checkout entgegen  , sich leise fragend , ob’s diesmal nicht ein wenig überteuert war -</p>
<div>czz am  19.05.11</div>
</blockquote>
<p><strong>|||</strong></p>

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		</item>
		<item>
		<title>Salon Littéraire &#124; Robert Prosser : Feuerwerk . Prosa und audio</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Mar 2011 06:34:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Literatur @ in&#124;ad&#124;ae&#124;qu&#124;at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text Salon Littéraire &#124; Robert Prosser : Feuerwerk . Prosa und audio neu Vorbemerkung des Autors: FEUERWERK erzählt während einer Reise durch Venezuela die Vergangenheit als Countdown, runtererzählt etwa in einem Stundenhotel im Rotlichtviertel von Caracas, im Jetzt aus Ventilatorsurren und Hitze,...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;">Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der <a href="http://www.zintzen.org/salon-litteraire/">SALON LITTÉRAIRE</a> als www- Galerie für Bild und Text</p>
<p><strong>Salon Littéraire | <a href="http://www.zintzen.org/autoren-authors-auteurs/robert-prosser/">Robert Prosser </a>: Feuerwerk . Prosa und audio</strong></p>
<p><strong><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2011/03/feuerwerk_cover.png" alt="Feuerwerk Cover" hspace="2" vspace="2" width="400" height="600" /></strong><a href="http://www.klever-verlag.com/?page_id=161?phpMyAdmin=biCFtKoPAhLLbM1Ku2ZXWt5g6o3">neu</a></p>
<blockquote><p>Vorbemerkung des Autors: FEUERWERK erzählt während einer Reise durch  Venezuela die Vergangenheit als Countdown, runtererzählt etwa in einem  Stundenhotel im Rotlichtviertel von Caracas, im Jetzt aus  Ventilatorsurren und Hitze, um darin zu münden als Sprechen von Mann zu  Frau, die darum kämpfen, weder im Anderen noch in der Fremde  verlorenzugehen &#8211; stattdessen reisen sie von Gegenwart zu Gegenwart  einem Rätsel hinterher, welches im Folgenden anhand vierer Beispiele  Ausuferung findet: nahe Chivacoa, Provinz Yaracuy auf der Suche nach  Voodoo / eine Art Liebes- oder Lichterklärung / Graffiti, beinah auf der  Metaebene / eine mögliche Lesart dieser Texte zum Anhören. Abschließend  ein Satz von Roland Barthes &#8211; der zwar bereits zu Tode herbeizitiert  worden ist, aber da es der Intention entspricht, und sogar ein wenig von  der Dramaturgie verrät &#8211; aus &#8220;Fragmente einer Sprache der Liebe“: Ich  habe zwei Gesprächspartner in mir, die darum bemüht sind, von Replik zu  Replik <em>die Stimme zu heben </em>wie in den alten Stichomythien: es  gibt eine Wollust der verdoppelten, verstärkten, bis zum Schlußspektakel  (Clownsszene) gesteigerten Sprache.</p></blockquote>
<p><strong>|||</strong></p>
<p><strong>audio</strong></p>
<p>[link auf mp3-audio im bogbeitrag]</p>
<p><strong>|||</strong></p>
<p>ins Zentralorgan die volle Mythenladung abgekriegt <em>aus Legenden Märchen Phantasien</em> im loco! rufen, auflachen, wie auch immer: Neugier angefacht, und noch  bevor die Hitze unterm Tarnkappen-Morgendunst sich die  Bewegungslosigkeit vom Kopf reißt, den erstbesten Jeep in Richtung  Sorte-Gebirge genommen, jetzt wollen wir’s wissen, denn all die  Geschichten jagen fast Schauer übern Rücken, neuzeitliche Märchen vom  Trancezustand und starr mit gierigen Blick in weitgeöffnete Ziegenhälse,  nur einen Bocksprung entfernt, so heißts, und sind nun deshalb  eingepfercht ins Wageninnere unterwegs zum Bergbeginn, wo Altäre den  Eintritt ins beschwörende Tierblutrauschen bedeuten. Ein Netzwerk aus  Rauch und Demut tanzt trippelnd über Kohlen, mit jedem Gliederverrenken  wird einer an sich unbedeutenden Landschaft Mystik aufgezwungen als  imaginäre Torbögen an Bergflanken im Namen von Leben und Tod, verziert  vom Glauben an Maria Lionza berankt, der Herrscherin übers  venezolanische Bestienvolk, wildes Getier liegt ihr zu Füssen, die seit  dem 16. Jahrhundert und sogar noch heut in dieser Gegend haust, sich  betanzen lässt <em>da zwischen den Bäumen</em> Altäre und Zigarren und  Rum, verrauchte gesoffene Geschichten, wie immer wieder: manche kehren  nie zurück in die umliegenden Städte und Dörfer, da sie den Ruf aus  Pantheon-Kaleidoskopen nicht zu deuten wussten, den schillernd  rauchsäuselnden Alarm missachteten, und trotz Ablehnung eines Heiligen  den Schritt dennoch dem Gipfel zu wandten, ins Labyrinth voll mit  Tiertummel und irrlichternden Geräuschen, obwohl von irgendwoher, aus  raschelndem Schlangengleiten durchs Unterholz, aus dem Dickicht hervor,  plötzlich mit Stimme erfüllte Figürchen auf Altären Stummel und Warnung  stammeln, eine Zigarre obligatorisch zu Ende rauchen, sie sprechen vom  Abenteuer, versprechen Schutzgeister zu sein, für zukünftigen  Bildverlust, als eine einfache, asketische Formel: Delta, das uns auf  der Zunge liegt, ausmündet als Erzählung, Mutmaßung über Körper und  Gegenwart und Dämonen: Daumen mal pi.</p>
<p>Orange-spektral bis neonblau sind die Zacken, kurz gerundet auf  Berührung ausgerichtet, schneidend die Körper im Bett, über die Haut  geistert in theatralischen Gesten Elektrizität <em>imitiertes Zirpen </em>vom  sommerlich urbanen Schwelen synchronisierter verfehlter Dialog, denn  künstlich spielt sich das Licht am Mund vorbei, stiehlt daraus die  Regenschur, und ich bräuchte einen Geigenbogen <em>für diesen blauen Ton </em>werden Magnete in unsren Sinnen, den untertitelten Himmeln, zu <em>Feuer Masken </em>blendend aufs Wesentliche rückgespiegelt <em>über Glanzschweiß </em>das Licht und im Haar Nachtlärm, wir zehren am letzten Rest der gestammelten Liebeserklärungen, Wortfetzen legen Balsam <em>als Wunderschönstes an Laut </em>unbegreifliche Liebesseufzer, leibhaftig bis in Hautnähe herangerückt, um uns zu verpuppen, zurück als <em>Larven-Träger </em>andrer Rollen, offline nackt und mobil gehen die Augen über, nur zwei Stimmen spielen durch <em>Blitz Licht Atem </em>von uns zu nehmen, inmitten der Scheinlandschaften hingeworfen im Spot <em>Light Camera Action </em>an  urbanen Zentren reiß ich das Maul für Lieder auf; im Schweigen hängt  mir der Horizont aus dem Hals, feucht und rot sind die weitgeöffneten  Mundmöglichkeiten als geifernder Blick auf der Zungenspitze bis zur  Unendlichkeit verstellt, wie wir einander entgegenpulsieren im  Kammernspiel klaustrophob gebannt und einverlebt, bis sich wieder eine  eigene Stimme formt <em>die Sprache: Rambazamba Soundmasala / aber die Sprache </em>schrammt haaresbreit am Paradies vorbei, denn wir <em>sind Flut </em>die  beiden Nacktkörper, nach welchen nichts kommt, die sich bloß aus dem  Dachfenster lehnen, lassen Luft über ihre gestimmte Haut streichen. Im  Strömungsverlauf knapp überm Fensterbrett ans Ufer gelangt und  aufgetaucht, im gierigen Kopfverdrehen aus freigeatmeten Einrissen raus hoch zum Himmel blickend, von der uns in Zirkeln Ellipsen umkreisenden Stadt&#8230;</p>
<p>Dennoch ist’s ein Gegenpol, ein einzeln malendes, Adrenalin suchendes  Ich, durch Namen Farbkombination und Action definiert, lässt sich nicht  davon trennen, und wird zwar nie außerhalb eines kleinen Kreises  bekannt, rechtfertigt aber jede Tätigkeit trotzig mit dem  Großstadtspiel, um selbst Provinzdiskos Bedeutung zu geben, denn es  lernt, diese Momente zu lieben, die Stille, da es wartet, kauert, sich  versteckt, die Orte nach Gefahr absucht, tastet und lauscht <em>angespannt auf Lauer liegend</em> die Furcht, die nötig ist, um das Laternenschimmern zu geniessen,  überhaupt: alles genießt Ambivalenz, selbst wenn niemand weiß, dass ich  oder du hinter diesem lächerlichen Schriftzug existieren, dass ich es  bin, der dich erkennt, dich lesen kann, dann habe ich Bedeutung als  Handlung, ein Neuerlernen vom Schreibakt, verpass dem Alphabet einen  Strich Richtung 3D, gib ihm Schlagzeilen, ein Bersten, und Fragment,  Mutation, zeig und zeichne ihm neue Wege, Ausgänge, ein Exit in den  Untergrund und lerne zugleich aus all den Farb- und Stilkonvoluten mir  die Namen rauszuholen, Städte Züge neu zu deuten, decodier die Sprayer  Crews Farben<em> </em><em>als politische Haltung</em> zurück ins Inkognito  aus einem gewissen Stolz heraus, denn hier steckt keine Theorie  dahinter, nur größtenteils Anfeindung, Ablehnung, keine Wissenschaft,  höchstens gelegentliches Galeriengeschwafel vonwegen Basquiat, Graffiti  als Revoluzzerfaustabdruck im Lebenslauf, aber immer: Spots suchen,  Dosenklappern, und malen laufen zeichnen, denn Ich ist eine  Stilkonstante, die mein Trieb mir gibt.</p>
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<p><a href="http://www.zintzen.org/autoren-authors-auteurs/robert-prosser/"><strong>Robert Prosser</strong></a></p>
<ul>
<li><a href="../salon-litteraire/robert-prosser-strom-auszug/">STROM  ( Auszug ) &amp; Zwei Videos</a></li>
<li><a href="../autoren-authors-auteurs/anja-utler/">Anja  Utler</a> :<a href="../2010/05/25/espace-dessays-anja-utler-jeder-schritt-ein-ausbruchsstadium-robert-prossers-verinnerlichte-halluzinationen/"> &#8220;jeder Schritt ein Ausbruchsstadium&#8221;- Robert Prossers &#8220;verinnerlichte  Halluzinationen&#8221;</a> <a href="../espace-d-essays/">| espace d&#8217;essays |</a></li>
<li><a href="../salon-litteraire/robert-prosser-origami/">ORIGAMI</a> ( text und video )</li>
</ul>
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<p><strong>Hinweis</strong></p>
<p>Robert Prossers Buch &#8220;<a href="http://www.klever-verlag.com/?page_id=161?phpMyAdmin=biCFtKoPAhLLbM1Ku2ZXWt5g6o3">Feuerwerk . Prosa</a>&#8221; ist eben im Klever Verlag erschienen . Die erstmailige Präsentation des Werks in Wien findet am <a href="http://www.ogl.at/">29. 3. 2011 in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur</a> statt ( 19 H )</p>
<p><strong>|||</strong></p>

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		<title>Margherita Spiluttini &#8211; Fotografische Fährten &#124; Photographic Traces</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Apr 2009 03:07:12 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Margherita Spiluttini &#8211; Fotografische Fährten ( Christiane Zintzen ) Camera Austria 103 &#8211; 104 &#124; 2008 ( → English version ) Augen, meine lieben Fensterlein, Gebt mir schon so lange holden Schein, Lasset freundlich Bild um Bild herein: Einmal werdet ihr verdunkelt sein ! I. &#8220;Lasset Bild um Bild herein &#8220;: Was &#8211; mag sich...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Margherita Spiluttini &#8211; Fotografische Fährten</strong> ( Christiane Zintzen )<br />
<strong><a href="http://www.camera-austria.at/">Camera Austria</a> 103 &#8211; 104 | 2008</strong> ( →<a href="http://www.zintzen.org/zur-kunst/margherita-spiluttini-photographic-traces/"> English version</a> )</p>
<blockquote><p>Augen, meine lieben Fensterlein,<br />
Gebt mir schon so lange holden Schein,<br />
Lasset freundlich Bild um Bild herein:<br />
Einmal werdet ihr verdunkelt sein !</p></blockquote>
<p><strong>I.</strong></p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/04/camera-obscura.png" alt="camera-obscura" hspace="2" vspace="2" width="200" height="161" align="left" />&#8220;<em>Lasset Bild um Bild herein</em> &#8220;: Was &#8211; mag sich Mancher fragen &#8211; sollen diese lieblich. naiven und in der Prosodie hinkenden Verse ausgerechnet in einem Text über <a href="http://www.spiluttini.com/">Margherita Spiluttini</a>, einer der führenden (Architektur-) Fotografinnen Europas ? &#8211; Das &#8211; den künstlerischen Gesichtssinn in Analogie zur fotografischen Blende setzende &#8211; Zitat mag vornehmlich signalisieren, dass unser assoziativ- chronologischer Pfad durch das Oeuvre Margherita Spiluttinis eher der vorsichtig- freundlichen Begehung eines weit reichenden Werkgeländes ähnelt denn einem Spitzentanz der Superlative. Über Probleme und Konnexe zum fotografischen Diskurs, zur spezifischen Methode wurde an anderer Stelle mehrfach gehandelt.¹</p>
<p>&#8220;Lasset freundlich Bild um Bild herein&#8221;: Der Mensch als Schauender. Der Künstler als Kamera. Gottfried Keller hat diese Verse einer &#8216;visuellen Poesie&#8217; <em>avant la lettre</em> gedichtet. Derselbe Gottfried Keller, der mit dem Grünen Heinrich ein beredtes Zeugnis abgab für die Krise realistischer Repräsentation. Dieser merkwürdig moderne und zerrüttete Entwicklungsroman ist durch und durch aus Motiven des Augenscheins gewebt: Sehen als Erkennen, konzentriertes Fokussieren als allmählicher Verstehensprozess und endlich die Transformation polyperspektivischer Eindrücke in der Dunkelkammer des <em>mind&#8217;s eye</em> ( <em>mind&#8217;s I</em>, homophon nach Vladimir Nabokov ) zur konkreten ästhetischen Manifestation.</p>
<p>Schliesslich: Schauen als Glück. Nicht &#8216;<em>Hingucken</em>&#8216;, sondern eben jene dem Betrachtungsgegenstand sich erbaulich hingebende &#8216;<em>Schau</em> &#8216;, welche der ontologisch- existenzielle ( nach zwei Weltkriegen ins Ahistorische geflohene ) Kunstdiskurs der 1950er Jahre usurpierte und solcherart für Jahrzehnte verdarb.<br />
Schauen als Glück. Dies gilt nicht nur für das die Konfrontation mit dem &#8216;Naturschönen&#8217; des Idealismus, sondern auch für den <em>kairos</em> der Begegnung mit einem ästhetischen Artefakt. Erhellung und &#8220;Choc&#8221; ( Walter Benjamin ), jähe Erkenntnis, Sinnlichkeit <em>und</em> Gewissheit.</p>
<p>Die Fotografie ist die klassische Metapher für diesen <em>kairos</em>. Erfasst mit der Hand am Auslöser. Stillgestellt und übertragen auf lichtempfindliches Material. Eine Materialisierung, welche ihrerseits sofort Gegenstand wird und damit Geschichte. Als maximal selektiver Abdruck einer Szene und als still  dem unablässigen Kontinuum der Zeit entrissen, verlässt die Fotografie in der Sekunde ihres Entstehens das, was sie bildlich fasst. Nun zieht das sekundenkurz der Matrix des Films Aufgeprägte ( <em>empreinte</em> ) seine eigene Spur ( <em>trace</em> ).</p>
<p>|||</p>
<p><strong>II.</strong></p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/04/camera-obscura.png" alt="camera-obscura" hspace="2" vspace="2" width="200" height="161" align="left" />Seit den frühen 1980er Jahren legt Margherita Spiluttini solche fotografischen Fährten: urbane Situationen, bauliche Charaktere, Verfasst- und Beschaffenheit von Landschaft. Implizit bildnerisch wie dezidiert prononciert bleibt stets der Hinweis auf den Eigensinn ihrer Sicht der Dinge, das produktive Potential der Subjektivität. Und dies &#8211; nota bene &#8211; im Manövrieren mit einem Medium, welches nach wie vor Indiz, Ikone und Fetisch des &#8216;Objektiven&#8217; darstellt. Zwischen der Realität baulicher Artefakte und dem fotografischen &#8220;Realitätseffekt&#8221; ( Roland Barthes ) hat &#8220;<em>The Woman with the Camera</em> &#8221; ( frei nach Dziga Vertov ) über die Grenzen der Genres hinweg den Spielraum der Architekturfotografie eminent erweitert.</p>
<p>Uns als Betrachtenden ermöglicht Margherita Spiluttinis Werk ein erhellendes Sehen. Wir finden bei ihr die scheinbar so selbst- verständliche Realität in Fassungen und Formulierungen, nach welchen wir nie zu suchen wussten. Images iluminés, deren Entschiedenheit uns momentan ein- und nachhaltig er- leuchtet: Hinter die Sekunde ihres Gesehen- Habens können wir nicht zurück. Splittinis Bildfindungen haben uns die Augen geöffnet. So, wie uns Johann Sebastian Bachs Fugen die Ohren aufgetan haben. Oder Miles Davis&#8217; &#8220;<em>Bitches Brew</em> &#8220;.</p>
<p>Drei Werkgruppen mögen daran erinnern, dass und wie Margherita Spiluttinis fotografisches Werk uns das Sehen lehrte. Da wäre 1.) die fotografische Bestandsaufnahme für und mit Dietmar Steiners Führer &#8220;<em><a href="http://aleph.onb.ac.at/F/INLXTUPDB7XVJ85392L7USENL6P7DIH1NNTCDFKIBVI7BE5XXH-01371?func=full-set-set&amp;set_number=054736&amp;set_entry=000030&amp;format=999">Architektur in Wien</a></em> &#8221; ( 1984 ). Da sind 2.) die in der Ausstellung &#8220;<em><a href="http://www.fotohof.or.at/lib/buchdet.cfm?bid=6595&amp;fid=305">Nach der Natur</a></em> &#8221; 2002 im Technischen Museum Wien versammelten Landschaftsaufnahmen. Da gibt es 3.) das von Margherita Spiluttini nach multiplen Kriterien komponierte Katalog- Kunstwerk &#8220;<em><a href="http://www.fotohof.at/lib/buchdet.cfm?bid=16596&amp;fid=305">räumlich | spacious</a></em> &#8220;.²</p>
<p>Erschienen als Komplement zur Ausstellung &#8220;<em><a href="http://www.azw.at/page.php?node_id=&amp;page_id=438">Atlas Austria</a></em> &#8220;, welche ihrerseits als temporäre Installation im Architekturzentrum Wien der Fotografie ein raumgreifend- sinnliches Aggregat assemblierte:³ Die von Nicole Six und Paul Petritsch originell und hintersinnig arrangierten Betrachtungsstationen für verschiedene Werkgruppen &#8211; gezeigt ausschliesslich via Dia- Projektion &#8211; ermöglichten eine entspannte Situation der mise en abyme. Die meist in Form des Papierprints wahrgenommene Fotografie wurde so auf ihr Wesen als Lichtbild zurückgeführt und der museale Raum in eine Dunkelkammer verwandelt. Dieser ( im Dialog mit der Künstlerin eingerichteten ) temporären Installation danken wir erhebliche Einblicke in den raum- zeitlichen Vektor von Margherita Spiluttinis fotografischem Dispositiv.</p>
<p>|||</p>
<p><strong>III.</strong></p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/04/camera-obscura.png" alt="camera-obscura" hspace="2" vspace="2" width="200" height="161" align="left" />&#8220;<em>300 sehenswerte Bauten</em>&#8220;: Listig spielt der Untertitel des 1984 von der <em>Österreichischen Gesellschaft für Architektur</em> herausgegebene Brevier &#8220;<em><a href="http://aleph.onb.ac.at/F/INLXTUPDB7XVJ85392L7USENL6P7DIH1NNTCDFKIBVI7BE5XXH-01371?func=full-set-set&amp;set_number=054736&amp;set_entry=000030&amp;format=999">Architektur in Wien</a></em> &#8221; mit dem konservativ- affirmativen Begriff des Sehens- Werten.⁴ Geschürzt zu 14 topographischen Knoten und in je chronologischer Reihung treten Wiens Bauwerke in Text und Bild auf den Plan. In ihrer strikt seriellen Anordnung erstellen die <em>en face</em> &#8211; Gebäudeportaits eine Typologie von Proportionen, Idiomen und Formen.</p>
<p>Von Dietmar Steiner: Zu jedem Bauwerk ein knapper Paragraph. Text, Daten, Kommentar. Von Margherita Spiluttini: Je ein Bild. Korrekt formuliert: eine Auswahl von 300 aus insgesamt 2.500 Aufnahmen von 500 Objekten, sämtlich unternommen in den Jahren 1982 bis 1984. Dieser beeindruckende quantitative Aspekt soll hier allerdings nicht das qualitative Unterfangen der konsequenten Bestandsaufnahme eines architektonischen Stadtkörpers verdecken. Pro Seite: Fünf Gebäude, fünf Legenden, fünf Prints. Schwarzweiss gehalten, in gleicher Grösse parataktisch angeordnet, mag eine solche Reihung an die Physiognomik des späten 19, Jahrhunderts erinnern. Als gelte es &#8211; ähnlich der Galton&#8217;schen &#8220;<em>Durchschnittsbilder</em>&#8221; &#8211; eine Art &#8216;<em>architektonische Mimik</em> &#8216; Wiens zu dokumentieren.⁵</p>
<p>Die Wahrnehmung, an Wiens reale und symbolische Grössenordnungen gewohnt, gibt sich schockiert: Der ausgreifenden und respektheischenden Kubatur von Macht wird kein Quäntchen mehr Raum zugewiesen als dem vermeintlich bescheidenen Zweckbau und dessen funktionaler Form. Solcherart macht Architektur in Wien den demokratischen &#8211; wenn nicht gar antiautoritären &#8211; Geist der 60er und 70er fruchtbar für einen Katalog des Vorhandenen. Zugleich präpariert dieses Brevier der eben anhebenden Postmoderne ein Inventar: Einen Katalog bestehender Formen, Figuren und Fantasien als Grundlage für zukunftsträchtiges Bauen im Kontext eines historisch überdeterminierten Stadtraumes.</p>
<p>Wie Bodo Hells 1983 erschienene &#8220;<em><a href="http://www.bodohell.at/">Stadtschrift</a></em> &#8220;⁶ mochten Manche den Band Architektur in Wien als Indiz ansehen für ein neues Bewusstsein von Urbanität: Eine Urbanität, die in den frühen 1980ern aufregend rau und roh sein konnte. Eine Urbanität, welche die Stadtlandschaft ansah als einen Raum für Exkursionen in die noch nicht völlig durchformte Makro- und Mikrostruktur. Die Glättung und Färbung der Oberflächen &#8211; sie sollten erst später erfolgen. Ebenso wie der Neue Narzissmus, die Städtekonkurrenz und die Architektur des Spektakels.</p>
<p>Mit nie nachlassender Neugier hat Margherita Spiluttinis Kamera in der Folge auch die jüngeren Bauformen und jüngsten Raumgestaltungen begleitet: kein namhafter österreichischer &#8211; wenn nicht gar europäischer &#8211; Architekt ( feminin | maskulin | Singular | Plural ) dessen Werk sie nicht dokumentiert hätte. Spiluttinis dezidiert aktive und oft subjektiv artikulierte Auseinandersetzung mit Form, Formierung und Formulierung von Raum via Architektur ist nicht lediglich im Sinne einer visuellen Mitschrift oder einer plan dokumentarischen Indexierung zu werten, sondern als Teil eines von ihr wesentlich mitgeprägten Prozesses: nämlich Brücken zu schlagen über den Graben zwischen angewandter ( &#8220;Auftrags-&#8221; ) und künstlerischer ( &#8220;freier&#8221; ) Fotografie.</p>
<p>|||</p>
<p><strong>IV.</strong></p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/04/camera-obscura.png" alt="camera-obscura" hspace="2" vspace="2" width="200" height="161" align="left" />Szenenwechsel: Ausstellung und Werkkomplex &#8220;<em><a href="http://www.fotohof.or.at/lib/buchdet.cfm?bid=6595&amp;fid=305">Nach der Natur</a></em> &#8220;: Zu sehen 2002 im Technischen Museum Wien. Plus Katalog. Untertitel: Konstruktionen der Landschaft.⁷</p>
<p>Im Unterschied zu Architektur in Wien, wo die grossstädtischen Gebäude- Portraits ihre Objekte in strikter Zentralperspektive fokussieren, befinden wir uns nun in den Weiten einer archaischen, vor- und inhumanen Hochgebirgs- Landschaft. Die am menschlichen Mass und seinen Zweckdienlichkeiten orientierte Wohn-, Funktions- und Repräsentationsarchitektur weicht einer &#8216;wilden&#8217; Abfolge ungefüger Formen, allenfalls gebändigt durch basale Eingriffe zur  verkehrstechnischen Überwindung der nicht aus dem Wege zu räumenden Restnatur sowie deren präventiver Bändigung.</p>
<p>Zu Zeiten von revolutionärer Romantik, Zivilisationsverdruss und Nationalismus als Naturform des &#8216;<em>Erhabenen</em> &#8216; glorifiziert, im Fall von Naturkatastrophen als befremdlich Undomestiziertes perhorresziert, hat nicht zuletzt die Tourismuswirtschaft alpine Abstraktionen in saisonale Kader montiert.</p>
<p>Dem von der Ideologie &#8216;<em>Natur</em>&#8216; unbefangenen Auge bietet sich dahingegen eine alpine Kulturlandschaft dar, welche, salopp gesprochen &#8220;einfach so herum liegt&#8221;. Rundherum. Allerdings durch und durch erschlossen. Ästhetisch muss diese Welt aus Stein und Zeit mit ihren geologischen Geschieben, ihrem Ineinander von Faltungen und Halden, Abbrüchen und Aufbauten zunächst wirr wirken. Will die Photographie weiter gehen als es die pittoresken Perspektiven der sogenannten scenic routes oder view points definieren, muss sie sich in die Rolle der teilnehmenden Beobachtung begeben.</p>
<p>In geduldiger ( und in situ jedes Mal neu erfolgender ) Auseinandersetzung mit den paraten Attitüden von Pathos | Idylle, Dekor | Eigentlichkeit wird der Werkkomplex &#8220;<em>Nach der Natur</em>&#8221; zur skeptischen Replik auf den Abbild- Realismus, welcher die Fotografie als bloss mechanisch reproduzierte Analoge zur &#8216;<em>Wirklichkeit</em>&#8216; begreift. Nicht zufällig fasst die &#8211; in hohem Masse sprachbegabte und dem Wörtlichen anhangende &#8211; Fotografin das polymorphe Bündel entsprechender Reflexionen in einen doppeldeutigen Begriff: Zum Einen wird der <em>terminus technicus</em> für die alte Lehrdisziplin des <em>Zeichnens nach der Natur</em> evoziert. Anderseits ist &#8220;<em>Nach der Natur</em>&#8221; als ein <em>post naturam</em> zu verstehen: &#8216;<em>Natur</em> &#8216; ist &#8211; seit sie so heisst &#8211; ohne kulturelle Durchformung nicht zu haben.</p>
<p>Im Wissen um die Aporien jeder Annäherung an &#8216;<em>Natur</em>&#8216; fasst Margherita Spiluttinis rahmender Blick Szenen und Situationen nach den klassischen Regeln der Komposition. Dramatische Diagonale. Suggestive Symmetrie. Wärme der Flächen mächtiger Betonwände und welliger Wiesengründe. Im Kontrast zu den kalten Falten, Kanten und Graten von Felswerk und Steinbruch.</p>
<p>Kulturbauten &#8220;<em>im Gebirg</em>&#8220;: Trassen, Terrassen, Tunnels, Röhren, Kanäle. Hier ist die Werkstatt des oft anonym bleibenden Ingenieurs und Baumeisters. Kaum je betritt der &#8220;Autor-Architekt&#8221; das Terrain. An diesem gut sichtbaren Punkt berühren wir das Leitmotiv von konstruktivem Ingenium im Unterschied zum expressiv Künstlerischen. Ein eminentes Thema, spricht man von Margherita Spiluttini, Tochter eines Gebirgs- Baumeisters, geschult an den bildgebenden Verfahren der Medizin.</p>
<p>Unwillkürlich mögen uns manche Anmutungen dieser höchst körperhaften Landschaften in die assoziative Nähe zur Pathologie katapultieren. Das Gebirge als Intensivstation. Tunnel- Röhren, Abfluss- Systeme wie Katheter. Klaffende Steinbrüche. Leitungen, Läufe und Schläuche wie Adern. Serpentinen, Lawinenverbauungen wie Bandagen. Brücken als Krücken und Stützen.</p>
<p>Allerdings drängt sich dieses Paradigma nicht notwendig auf. Wer es erblickt, sieht dies nicht aufgrund einer demonstrativen Agenda. Sondern im diskreten Setting und stillen Spiel der Linien und Formen, Strukturen und Texturen.</p>
<p>|||</p>
<p><strong>V.</strong></p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/04/camera-obscura.png" alt="camera-obscura" hspace="2" vspace="2" width="200" height="161" align="left" />Wieder stossen wir auf Wort und Wert von &#8216;<em>Spiel</em>&#8216; und &#8216;<em>Spielraum</em>&#8216;. Spielraum zwischen den künstlerischen Ressourcen von Ratio und Intuition. Spielraum zwischen dem Subjekt hinter der Kamera und dem Objekt davor. Unter dem schwarzen Tuch der Sucherabdeckung bleibt die Künstlerin während ihres visuellen Dialoges mit dem Gegenstand auf der Mattscheibe der Grossformat- <em>Linhof</em> verborgen. &#8211; Black Box ? Beichtstuhl ? Traumdeutung ? &#8211; Wie auch immer der uneinsehbare Spielraum beschaffen sein mag: Hier jedenfalls flektiert sich das Abbild zum Inbild.</p>
<p>Den Begriffen von &#8216;<em>Spiel</em>&#8216; und &#8216;<em>Spielraum</em>&#8216; eignet in der Kultur der Moderne etwas Infantiles: Verdacht auf Unordnung, Unernst, Unsitte. Skandal ökonomischer Abundanz. Dabei wird allerdings meist verkannt, dass jedes Spiel eine hoch komplexe Abfolge von Einzelentscheidungen in sich schliesst. In dieser Hinsicht ist Margherita Spiluttini eine bekennende Agentin des Sprachspiel- Konzepts von Ludwig Wittgenstein, dessen Haus sie eingehend fotografierte. Der von Dietmar Steiner und dem Architekturzentrum Wien edierte Werkkatalog &#8220;<em><a href="http://www.fotohof.at/lib/buchdet.cfm?bid=16596&amp;fid=305">räumlich | spacious</a></em> &#8221; widmet dem &#8220;<em>Palais Stonborough</em> &#8221; ein eigenes Kapitel.⁸</p>
<p>In diesem aus Text und Bild von der Autorin | Fotografin durchkomponierten Buch- Kunstwerk manifestiert sich die Lust am spielerischen Kombinieren, die Hingabe an die Verführungen des Visuellen und &#8230; vielleicht sogar die eine oder andere subliminale Parodie auf gängige Genres der <em>coffee- table- book</em> &#8211; Ästhetik.</p>
<p>Linien und Flächen. Strukturen, Figuren und Muster. Korrespondenz, Dissonanz. Das Serielle. Das Singuläre. Die Faktur einer Farbe. Der Fund einer Form. Spiegelungen, Transparenzen.<br />
&#8220;<em><a href="http://www.fotohof.at/lib/buchdet.cfm?bid=16596&amp;fid=305">räumlich | spacious</a></em> &#8221; ordnet das Palimpsest fotografischer Mitschriften eines Vierteljahrhunderts unkonventionell um. In dem, was dieser Katalog zeigt, aber auch in dem, wie er es zeigt, ist dieses Buch- Kunst- Werk zugleich ein <em>Discours de la methode</em> . Versehen mit strukturell- motivischen, zugleich rhetorisch reizvoll überdeterminierten Titeln ( &#8220;Form der Zeit&#8221; |&#8221;Infiltration Reflexion&#8221; | &#8220;Bau Körper&#8221; | , &#8220;Innensicht Einsicht&#8221; | &#8220;Anspielung Täuschung&#8221; ) führen die Kapitel dieses Katalogs verschiedene Verfahren vor, wie aus den unendlich vielen möglichen Bildern einzelne Kompositionen zu verwirklichen sind. Aufzunehmen. Auszulesen. Aufzulesen.</p>
<p>Letzteres gilt für die Buchedition übrigens buchstäblich: Margerita Spiluttini hat der Auslese an Bildern auch ein Auswahl von essayistischen und literarischen Texten beigesellt: Als Komplement und Ergänzung zu historischen und aktuellen Arbeiten über Spiluttinis spezielles Werk  ( etwa von Friedrich Achleitner, Monika Faber, Otto Kapfinger und  Dietmar Steiner ) finden sich internationale Referenztexte, welche gewisse Auffassungen der Fotografin kaleidoskopartig auffächern ( John Berger, Thomas Bernhard, Rainer Fuchs, Rudolf von Laban, Cathrin Pichler, Julian Schutting, Allison und Peter Smithson, etc. ).</p>
<p>Und siehe da: In Bild, Wort, in Auswahl und Komposition beider Komponenten bereitet Margherita Spiluttini unsere Augen, unser Hirn und unsere Phantasie hinreichend vor, die Chiffren- Schrift dieser Bilder und ihrer zu Buche geschlagenen Beziehungen zu entziffern. Sie leistet dieses &#8211; ihr künstlerisches, persönliches, kulturelles &#8211; Bild(ungs)werk freilich auf ihre Weise: undogmatisch und sehr diskret. Dignität der Disziplin, Genauigkeit des Denkens, technische Transparenz &#8211; und dies stets im Federkleid der Ironie.</p>
<p>|||</p>
<p><strong>VI.</strong></p>
<p>Margherita Spiluttini hat in und mit dem Material Wiens gearbeitet, sie hat mitgeschrieben an der Geschichte der Ansichten und Einsichten europäischer Architektur. Wäre man jetzt pathetisch, würde man sagen: Die Fotografin hat mit ihrer ausdauernden und genauen Arbeit über dreissig Jahre hinweg unsere geistige, visuelle und formsensitive Wissens-, Denk- und Diskurskultur erheblich geprägt.<br />
Aber wir sind nicht pathetisch und sagen es deshalb nicht. Das würde Magherita nämlich nicht billigen. Deshalb sei das abschliessende Wort wieder an Gottfried Keller delegiert und an die letzten Verse seines  &#8220;<em>Abendlieds</em> &#8221;</p>
<blockquote><p>Doch noch wandl&#8217;  ich auf dem Abendfeld,<br />
Nur dem sinkenden Gestirn gesellt;<br />
Trinkt, O Augen, was die Wimper hält,<br />
Von dem goldnen Überfluss der Welt !</p></blockquote>
<p>|||</p>
<p><em>Endnoten</em>:<br />
¹ &#8211; Christiane Zintzen: <em><a href="http://www.zintzen.org/zur-kunst/margherita-spiluttini-portrait/">Werkstatt. Nach der Natur. Die österreichische Architekturfotografin Margherita Spiluttini</a></em> &#8211; In: NZZ, 15. 5. 2002; Dies.: <em><a href="http://www.zintzen.org/zur-kunst/margherita-spiluttini-beyond-nature/">Margherita Spiluttini. Beyond Nature,</a></em> translated by Steve Gander &#8211; In: METAMORPH. Catalogue 9th International Exhibition of Architecture | Biennale di Venezia, September &#8211; November 2004. Venezia: Marsilio Editore 2004, S. 215;  &#8211; Dies.: <em><a href="http://www.zintzen.org/zur-kunst/margherita-spiluttini-raumlich-spacious/">In der Falle: Leib und Bau</a> | <a href="http://www.zintzen.org/zur-kunst/margherita-spiluttini-spacious/">The Trap: Body and Building</a></em>, translated by Steve Gander &#8211; In: Margherita Spiluttini. <a href="http://www.fotohof.at/lib/buchdet.cfm?bid=16596&amp;fid=305"><em>räumlich | spacious</em></a> &#8211; Salzburg: Fotohof edition Band 85, 2007<br />
² &#8211; Margherita Spiluttini: <em><a href="http://www.fotohof.at/lib/buchdet.cfm?bid=16596&amp;fid=305">räumlich | spacious</a></em> , hg. Architekturzentrum Wien, Dietmar Steiner &#8211; Salzburg: Fotohof edition 2007<br />
³ &#8211; Margherita Spiluttini: <em><a href="http://www.azw.at/page.php?node_id=&amp;page_id=438">Atlas Austria</a></em> , Ausstellung Architekturzentrum Wien, Alte Halle, 21. 6. bis 24. 9. 2007 &#8211; Gestaltung: Nicole Six und Paul Petritsch<br />
⁴ &#8211; Dietmar Steiner ( Texte und Daten ), Margherita Spiluttini ( Fotografie ): <em><a href="http://aleph.onb.ac.at/F/INLXTUPDB7XVJ85392L7USENL6P7DIH1NNTCDFKIBVI7BE5XXH-01371?func=full-set-set&amp;set_number=054736&amp;set_entry=000030&amp;format=999">Architektur in Wien, 300 sehenswerte Bauten</a></em> &#8211; Wien: Magistrat 1984<br />
⁵ &#8211; Für die Ausstellung &#8220;Facies&#8221; ( Österreichisches Fotoarchiv im Museum moderner Kunst, 1985 ) wurde eine Auswahl dieser Aufnahmen zu einer Serie von Tafeln à acht Bildern montiert.<br />
⁶ &#8211; Bodo Hell ( Text und Fotografie ): <em><a href="http://www.bodohell.at/">Stadtschrift</a></em> &#8211; Linz: Edition Neue Texte 1983<br />
⁷ &#8211; Margherita Spiluttini: <em><a href="http://www.fotohof.or.at/lib/buchdet.cfm?bid=6595&amp;fid=305">Nach der Natur. Konstruktionen der Landschaft</a></em> . Ausstellung, Technisches Museum Wien, 22.3. bis 22. 9. 2002; Katalog hg. Technisches Museum Wien, Elisabeth Limbeck-Lilienau &#8211; Salzburg: Fotohof edition 2002<br />
⁸ &#8211; Siehe Anm. 2</p>
<p><strong>|||</strong></p>

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		<title>Kropotkin über Netzwerke</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2009/03/28/kroptokin-uber-netzwerke/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Mar 2009 09:51:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#124;&#124;&#124; KROPOTKIN , BARTHES UND DIE IDEE DES NETZWERKS &#124; KLANGAPPARAT KROPOTKIN , BARTHES UND DIE IDEE DES NETZWERKS Der russische Adlige, Geograph und Anarchist Pjotr Alexejewitsch Kropotkin in seiner 1902 erschienenen Schrift &#8220;Mutual Aid : A factor of evolution&#8221; ( deutsch 1904 ) gegen die Ideologie des Sozialdarwinismus , wie ihn Herbert Spencer in...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>||| </strong>KROPOTKIN ,  BARTHES UND DIE IDEE DES NETZWERKS | KLANGAPPARAT</p>
<p>KROPOTKIN ,  BARTHES UND DIE IDEE DES NETZWERKS</p>
<p>Der russische Adlige, Geograph und Anarchist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pjotr_Alexejewitsch_Kropotkin">Pjotr Alexejewitsch Kropotkin</a> in seiner 1902 erschienenen Schrift &#8220;<em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gegenseitige_Hilfe_in_der_Tier-_und_Menschenwelt">Mutual Aid : A factor of evolution</a></em>&#8221; ( deutsch 1904 ) gegen die Ideologie des Sozialdarwinismus , wie ihn <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Spencer">Herbert Spencer</a> in reduktionistischer Auffassung des Darwin&#8217;schen &#8220;<em>Survival of the Fittest</em>&#8221; popularisiert hatte .</p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/03/kropotkin-ttitel-1.png" alt="Kropotkin ttitel" hspace="2" vspace="2" width="225" height="323" /></p>
<p>Kropotkin nimmt darin einige Themen und Thesen vorweg , welche Roland Barthes in der vor zwei Wochen in|ad|ae|qu|at <a href="http://www.zintzen.org/2009/03/14/roman-den-setzen-entsetzen/">zitierten</a> Vorlesung &#8220;<em><a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=12402">Wie zusammen leben</a></em>&#8221; mit seinen Beispielen idiorhythmischer Gemeinschaften ( Orden , Fischschwärme , Rotkelchen ) umfassend behandelt .</p>
<blockquote><p>&#8230; wo ich auch immer das Tierleben in reicher Fülle auf engem Raum beobachtete, wie z.B. auf den Seen, wo unzählige Arten und Millionen von Individuen zusammenkamen, um ihre Nachkommenschaft aufzuziehen;Wie bei den Wanderungen von Vögeln, die zuj jener Zeit in wahrhaft amerikanischem Massstabe den Usuri entlang erfolgten; wie namentlich bei einer Wanderung von Damhirschen, die ich am Amur beobachten konnte und während deren Tausende dieser intelligenten Tiere von einem unermesslichen Gebiete sich sammelten, um dem drohenden Schnee zu entfliehen und den Amur an seiner schmalsten Stelle zu überschreiten &#8211; in all diesen Szenen des Tierlebens, die sich vor meinen Augen abspielten, sah ich <em>gegenseitige Hilfe</em> und <em>gegenseitige Unterstützung</em> sich in einem Masse bestätigen, dass ich in ihnen einen Faktor von grösster Wichtigkeit für die Erhaltung des Lebens und jeder Spezies, sowie ihrer Fortentwicklung zu ahnen begann.</p>
<p>Endlich sah ich bei den halbwilden Rindern und Pferden ins Transbaikalien, überall bei den wilden Wiederkäuern, bei den Eichhörnchen und in zahlreichen anderen Fällen, dass, wo Tiere infolge der oben erwähnten Ursachen mit Mangel an Futter zu kämpfen hatten, der gesamte Teil der Spezies, der von dem Unglück betroffen war, aus der Prüfung derartig gebrochen an Kraft und Gesundheit hervorgeht, dass <em>keine fortschrittliche Entwicklung der Art auf solche Perioden heftigen Kampfes zurückgeführt werden kann</em>.</p>
<p>Ich konnte daher, als später meine Aufmerksamkeit auf die Beziehungen zwischen Soziologie und Darwinismus gelenkt wurden, mit keinem der Werke oder Schriften, die über diesen wichtigen Gegenstand geschrieben waren, übereinstimmen. Sie suchten alle zu beweisen, dass die Menschheit dank ihrer höheren Intelligenz und Kenntnis die Stärke des Kampfes ums Dasein unter den Menschen wohl mildern könnte; aber sie erkannten zur gleichen Zeit an, dass der Kampf um die Existenzmittel bei jedem Tier seine Artgenossen und bei jedem Menschen gegen seine Mitmenschen ein &#8216;Naturgesetz&#8217; sei. Diesen Standpunkt konnte ich nicht akzeptieren, da ich überzeugt war,  dass die Annahme dieses erbarmungslosen Bürgerkrieges in jeder Spezies und die Wertung dieses Krieges als Bedingung des Fortschritts etwas zugeben hiess, was nicht nur nicht bewiesen war, sondern auch der Bestätigung durch direkte Wahrnehmung ermangelte. ( &#8230; )</p>
<p>Man mag gegen dieses Buch den Vorwurf erheben, dass darin Tiere und Menschen in einem zu günstigen Lichte dargestellt werden, dass ihre sozialen Fähigkeiten hervorgehoben, während ihre antisozialen Instinkte und der Instinkt individueller Selbstbehauptung kaum berührt werden. Dies war indessen unvermeidlich. Wir haben in den letzten Jahren so viel von dem &#8216;<em>harten, erbarmungslosen Kampf ums Dasein</em>&#8216; gehört, der von jedem Tier gegen alle anderen Tiere, von jedem &#8216;Wilden&#8217; gegen alle anderen &#8216;Wilden&#8217; und von jedem zivilisierten Menschen gegen alle seine Mitbürger geführt wird, und diese Behauptungen sind in einem Masse Glaubensartikel geworden, dass es erst einmal notwendig war, ihnen eine lange Reihe von Tatsachen gegenüberzustellen, die Tier- und Menschenleben in einem anderen Lichte zeigen. Es war notwendig, auf die überwältigende Bedeutung hinzuweisen, die soziale Gewohnheiten für die Natur, sowie für die fortschreitende Entwicklung der Tierarten und der menschlichen Wesen haben, zu beweisen, dass sie den Tieren einen wirksameren Schutz vor ihren Feinden, sehr häufig eine Erleichterung für die Beschaffung der Nahrung ( Winterproviant, Wanderungen usw. ), Langlebigkeit uns damit eine größere Möglichkeit für die Entwicklung geistiger Fähigkeiten gesichert haben, und dass sie den Menschen neben solchen Vorteilen die Möglichkeit gewährt haben, jene Institutionen auszuarbeiten, auf Grund deren sie in dem harten Kampfe wieder die Natur überleben und trotz aller Wechselfälle ihrer Geschichte fortschreiten konnten.</p></blockquote>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/03/kropotkin-vorsatz.png" alt="Kropotkin vorsatz" hspace="2" vspace="2" width="225" height="323" /></p>
<p>Beide , Barthes wie Kropotkin , formulieren im Grunde nichts anderes als die Idee des Netzwerks .</p>
<p><strong>|||</strong></p>
<p>KLANGAPPARAT</p>
<p align="right">Von basalen rhythmischen Durchnetzungen des akustischen Raumes handelt auch die bei <a href="http://www.arteqcue.de/">artecque</a> erschienene ep &#8220;<em><a href="http://www.arteqcue.de/releases/art026-gerald-desire-ep/">Desire</a></em>&#8221; des in Beirut geborenen , heute in Bochum lebenden DJs <a href="http://www.arteqcue.de/artists/gerald/">Gerald</a> ( <a href="http://www.myspace.com/fameuxinconnu">MySpace</a> ) : drei <img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/03/czz-hoerempfehlung-130.jpg" alt="czz-hoerempfehlung" hspace="2" vspace="2" width="71" height="42" align="right" />Harmonien , zwei Rhythmusspuren : das war&#8217;s . Viel Zwischen- Raum in dieser vollgestopften Welt . Wer keinen horror vacui kennt , der höre . CLICK <a href="http://www.archive.org/download/art.026_desire/art.026_desire_vbr.m3u">LINK TO LISTEN ( WMP )</a> .</p>
<p><strong>|||</strong></p>

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		<title>Roman &#124; Dem Setzen entsetzen</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Mar 2009 06:46:18 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#124;&#124;&#124; DEM ROMAN ENTKOMMEN &#124; SICH DEM SETZEN ENT- SETZEN &#124; KLANGAPPARAT DEM ROMAN ENTKOMMEN ( 1100 Wien ) Sich , mit Roland Barthes formuliert , &#8220;auf die Seite der Nicht-Methode&#8221; schlagen : Das bedeutet einen Wechsel der Einstellung; man optiert für eine Einstellung und gegen die andere. Metheode = phallische Einstellung des Angreifens und...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>|||</strong> DEM ROMAN ENTKOMMEN | SICH DEM SETZEN ENT- SETZEN | KLANGAPPARAT</p>
<p>DEM ROMAN ENTKOMMEN</p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/03/romane-copyright-christiane-zintzen-1.png" alt="ROMANE_copyright_christiane_zintzen" hspace="2" vspace="2" width="450" height="269" /></p>
<p align="right">( 1100 Wien )</p>
<p>Sich , mit Roland Barthes formuliert , &#8220;auf die Seite der Nicht-Methode&#8221; schlagen :</p>
<blockquote><p>Das bedeutet einen Wechsel der Einstellung; man optiert für eine Einstellung und gegen die andere. Metheode = phallische Einstellung des Angreifens und Absicherns ( <em>Wille</em>, <em>Entscheidung</em>,  <em>Vorbedacht</em>,  <em>geradelinig vorgehen</em> usw) ≠ Nicht-Methode: Einstellung des Reisens, der äussersten Wandelbarkeit ( Unstetigkeit, Nektarsammeln ). Man verfolgt keinen Weg, sondern führt vor, was man gerade gefunden hat.</p></blockquote>
<p><strong>|||</strong></p>
<p>SICH DEM SETZEN ENT- SETZEN</p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/03/romane-copyright-christiane-zintzen.png" alt="ROMANE_copyright_christiane_zintzen" hspace="2" vspace="2" width="450" height="361" /></p>
<p align="right">( 1020 Wien )</p>
<blockquote><p>Welches Thema ? Ich weiss es noch nicht. Was ich über die Nicht-Methode gesagt habe, lässt ahnen, dass das <em>Thema</em> ( die <em>quaestio</em> ) im Grunde irrelevant ist. Was immer ich als <em>Thema</em> wähle &#8230;. ; Praxis der Abschweifung. Im Grunde werde ich immer das gleiche sagen. Das Indirekte, das zum Bereich des <em>Ethischen</em> gehört, wird eine Rolle spielen. Es wird sich um eine Ethik handeln. ( Roland Barthes , <em>Wie zusammen leben</em> )</p></blockquote>
<p><strong>|||</strong></p>
<p>KLANGAPPARAT</p>
<p align="right">Non-linear , in rhythmischen Rinnsalen fortfliessend : Die musikalischen Texturen der Berliner Danny Prusseit &amp; Toni Polkowski aka <em><a href="http://www.trachanik.de/atmogat/">Atmogat</a></em> ( <a href="http://www.myspace.com/atmogat">MySpace</a> ) . Die neue Release &#8220;Spherical Journey&#8221; beim Netlabel <img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2009/03/czz-hoerempfehlung-123.jpg" alt="czz-hoerempfehlung" hspace="2" vspace="2" width="71" height="42" align="right" /><em><a href="http://www.crazy-language.de/">crazy language</a></em> führt ins Unabsehbare .</p>
<p align="right">( via <a href="http://kreislauf.org/v10/?p=967">kreislauf</a> )</p>
<p>[singsong-insert:http://www.archive.org/download/cl021_atmogat_-_neutro_bionic/cl021_atmogat_-_neutro_bionic_vbr.m3u]</p>
<p><strong>|||</strong></p>

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		<title>text verschlingen &#124; Angelika Kaufmanns &#8220;VerBuchung&#8221; von Texten Friederike Mayröckers</title>
		<link>http://www.zintzen.org/2007/11/29/text-verschlingen-angelika-kaufmanns-verbuchung-von-texten-friederike-mayrockers/</link>
		<comments>http://www.zintzen.org/2007/11/29/text-verschlingen-angelika-kaufmanns-verbuchung-von-texten-friederike-mayrockers/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 29 Nov 2007 09:14:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>czz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#124;&#124;&#124; I. RUF &#124; II. RAHMEN &#124; III. RAUM &#124; IV. REFLEX &#124; V. RÜCKGABE &#124; VI. REGENBOGEN &#124;&#124;&#124; KLANGAPPARAT &#124; CLICK EMBEDDED PICTURES TO ENLARGE ( # 2 &#8211; # 7 ) Angelika Kaufmann &#8211; Arbeiten auf und mit Papier 2000 &#8211; 2006 &#124; Works on and with Paper 2000 &#8211; 2006 ( 01...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left">||| I. RUF | II. RAHMEN | III. RAUM | IV. REFLEX | V. RÜCKGABE | VI. REGENBOGEN ||| KLANGAPPARAT | <em>CLICK EMBEDDED PICTURES TO ENLARGE ( # 2 &#8211; # 7 ) </em></p>
<p align="right"><a href="http://www.basis-wien.at/cgi-bin/browse.pl?t=fipo.tpl&amp;fipoid=15314">Angelika Kaufmann</a> &#8211; Arbeiten auf und mit Papier 2000 &#8211; 2006 | <a href="http://www.zintzen.org/zur-kunst/angelika-kaufmann-twisting-the-text/">Works on and with Paper 2000 &#8211; 2006</a> ( 01 )</p>
<p align="right">Also immer für sich einen neuen Anfang machen,<br />
Tatzen auf der Maschine ( <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Mayr%C3%B6cker">Friederike Mayröcker</a> )</p>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika-kaufmann-u-01-2.jpg" alt="angelika kaufmann U 01" hspace="2" vspace="2" width="225" height="199" /></p>
<p>I. RUF<br />
Sie hat den besten , sie hat den schlechtesten Ruf : die Schrift .<br />
Den Einen gibt sie als alphabetisiertes Sinn &#8211; Bild , als Chiffre für die &#8220;Lesbarkeit der Welt&#8221; ( Hans Blumenberg ) , ohne die sich Gesellschaft und Individuum nicht in im Chaos der Phänomene beheimaten könnten . Schrift setzen heisst : Spur legen , Sinn machen .</p>
<p>Schrift legt Fährten , gewinnt Gefährten .<br />
Kommunikation , Überlieferung , Einbindung &#8211; all das ist Schrift .</p>
<p>Anderseits :<br />
Es erscheint die Schrift meist an Stelle eines abwesenden Menschen . Dem Lesenden eines Buches bleibt die persönliche Friederike Mayröcker , ihre Stimme und deren charismatisches Wesen fern .</p>
<p>Das Pneuma der verlautenden Stimme atmet aus dem Notat und kehrt sich aushauchend &#8211; in produktiver Ausfällung wieder in ein Notat zurück .&#8221;das zu sehende &#8211; das zu hörende&#8221; wird wieder ein zu Schreibendes , ein zu Lesendes .</p>
<p>Es bleibt : die Schrift . Die Schrift , die wir lesen .<br />
Die Schrift , die wir vor Augen haben, gedruckt , im Buch . Die Schrift aber auch , welche Angelika Kaufmann nach zeichnet .<br />
Nach schreibt . Ab schreibt . Neu schreibt . Weiter und weiter schreibt , das Freud&#8217;sche &#8220;Fort&#8221; in ein &#8220;Da&#8221; verwandelnd . Die Schrift , welche Angelika Kaufmann aus der Vergangenheit schreibt , in die Gegenwart schreibt und in die Zukunft . Und schreibt und schreibt .</p>
<p>So gross schreibt und so haptisch gestaltet , dass sich der Betrachter darin verstricken möchte . Oder sich in die Schwingungen , Schlingungen der Ober- und Unterlängen ( wie in eine Schaukel ) setzen . Nehmen Sie Platz .</p>
<p>Keiner erwartet Sie . &#8211; <em>Aber ja doch</em> : Die Schrift nimmt sich Ihrer an .</p>
<p>Diese Schrift &#8211; Angelika Kaufmanns TagesMitSchrift seriell angezettelter &#8220;<a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=41301">magischer blätter</a>&#8221; &#8211; mag zwar den Sinn in eine Form ordnen , ordnet sich dabei allerdings keinesfalls unter .<br />
Sie ist keine Gebrauchs- Schrift . Keine Brauch- Schrift , die von sich selbst absieht , um Anderes &#8211; &#8220;Inhalte&#8221; &#8211; zu transportieren . Angelika Kaufmanns VerBuchungen sind keine Transportmittel , Normgefässe , Container , Flachwaren oder Gebinde für Füllstoffe und Nettogewichtseinheiten .</p>
<p>Angelika Kaufmanns AbSchriften sind Dichtung , ja :<br />
Diese Schriften sind Dichtung AN SICH , nicht mehr und nicht weniger als Friederike Mayröckers poetisches Werk . |||</p>
<p><a title="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_01.jpg" href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_01.jpg" rel="lightbox[1924]"><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_01.thumbnail.jpg" alt="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_01.jpg" /></a>II. RAHMEN<br />
Doch ich greife vor . &#8211; Oder bin ich zu weit zurück gegangen ? … zurück gegangen zur Kritik der Schriftlichkeit , wie sie seit Platons &#8220;Phaidros&#8221; variantenreich kursiert ? … wie sie mit jedem frisch auf der BildFläche auftauchenden Medium in neuer Version kursiert ?</p>
<p>Eine Kritik , die &#8211; pointiert formuliert &#8211; besagt , als dass mit der AufZeichnung ( dem RECORDING ) von Wissen , erst eigentlich das VERGESSEN beginnt ? &#8211; Die Auslagerung von lebendigem , erzählten Wissen auf die Festplatte des geschriebenen Textes birgt bereits das Moment eines Sterbens . Wer auf Überlieferung setzt , auf Schrift , RECORD und Verzeichnis , denkt bereits die eigene Abwesenheit .</p>
<p>Damit wird &#8211; cum grano salis &#8211; schon der Tod ins Werk gesetzt und die Hybris des In-der-Schrift- bzw. des Im-Werk-Überlebens . Man schreibt also am eigenen Epitaph .<br />
Kassiber ins Abwesende , sei dieses räumlich , sei dieses zeitlich .</p>
<p>Es sei : Da jede Autorin und da jedem Autor allerdings &#8220;meine stattliche Haut, eidesstattliche Fliespapierhaut&#8221; ( 2 ) der pragmatischen Schrift bei der Sprach- Setzung näher ist als der eschatologische Rock , da der Markt das Medium &#8220;Buch&#8221; als Grundbedingung für das praktische Überleben in Verbreitung , Vertrieb und Verwertung erzwingt , will Literatur <em>gedruckt</em> sein .<br />
So codiert sich in der Gutenberg- Galaxis nun einmal die poetische Flaschenpost : Zwischen Umschlag , Einband und Vorsatz , blättert sich die Werk- Welt her . Im Grunde eine Schachtel , welche man öffnet und wieder schliesst . Text und Schrift zwischen Deckeln .</p>
<p>Mit ihren Schrift- Bildern, Text- und Buch- Zerlegungen stellt sich Angelika Kaufmann solchen Verpackungsroutinen entgegen . Über Jahre vollzieht dies die Künstlerin in sorgfältig gesetzten Anordnungen . Anordnungen , welche sie sich selber auferlegt , seitdem sie von der Poesie Friederike Mayröckers &#8211; konkret von dem Gedicht &#8220;Im Elendsquartier&#8221; ( 1956 entstanden und abgedruckt im 1974 erschienenen Band &#8220;In langsamen Blitzen&#8221; ) &#8211; <em>getroffen</em> wurde .<br />
Aus einer Affinität zu Mayröckers radikaler Aufhebung der Grenzen zwischen Kunst , handwerklicher Arbeit und Leben hat die gelernte Gebrauchsgrafikerin Angelika Kaufmann eine Selbst- Beauftragung formuliert und &#8211; speziell während der letzten zwanzig Jahre &#8211; mit jeder neuen Werkgruppe , Schriftgruppe aufs Neue in Angriff genommen .</p>
<p>Etwa beim Prosa-Fliess-Text des &#8220;<a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=22048">Herzzereissende[n] der Dinge</a>&#8220;: Ein WeiterSchreiben über die Blattgrenze hinaus, Wort und Zeilenbrüche entgrenzend. Zäsur, Offenheit und Rhythmus der poetischen Vorlage sind solcherart allerdings keineswegs sistiert. Im Gegenteil ereignet sich das stille Drama von Spannung und Entspannung, Ausschreiben und Aussparen, Betonung und Atemholen im einzelnen Buchstaben…</p>
<blockquote><p>… hätte ich ein unendliches Schreibpapier, so dasz ich nicht immer wieder<br />
ein neues Blatt in die Maschine einspannen müszte und das vorhergehende<br />
ablegen müszte, nämlich die äuszerste Fassung, nicht wahr, nämlich<br />
meditative Versenkung welche vom Rasen der Zeit befreit … ( Friederike Mayröcker 3 )  |||</p></blockquote>
<p><a title="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_03.jpg" href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_03.jpg" rel="lightbox[1924]"><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_03.thumbnail.jpg" alt="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_03.jpg" /></a>III. RAUM<br />
Angelika Kaufmann nennt es &#8220;<a href="http://www.splitter.co.at/archiv/galerie_angelika_kaufmann_02.php">TEXTZERLEGUNG</a>&#8221; .<br />
Man könnte auch sagen :<br />
Angelika Kaufmanns schriftkünstlerische &#8220;Faktur&#8221; ( Roland Barthes ) bestünde in der Schöpfung einer genuin neuen Fraktur . Indem sie die Buchstaben aus der Fasson üblicher Vollständigkeit herausbricht , schafft Kaufmann neue Räume . Irritierende Räume , wie uns die Anschauung zeigt .<br />
Denn wir wollen &#8211; beanspruchen gar &#8211; jederzeit alles lesen zu können , was geschrieben steht . Angelika Kaufmanns &#8220;VerBuchungen&#8221; indes verwehren uns die lineare Lesbarkeit . Wir entziffern Buchstaben , bleiben dabei aber doch Analphabeten .</p>
<p>Angelika Kaufmanns Methode des Zeigens und zugleich Verbergens von Schrift- Sinn gewährt so mannigfaltige Perspektiven , dass es der linearen Rede schwer ankommt , eine einigermassen geordnete Führung durch diese Assoziations- Agglomerationen anzubieten . Womit wir bereits nahe am Wesen des eigentlichen Gegenstandes dieser Kunst und unserer Rede über sie angelangt sind : nämlich am wesentlichen ( Im- ) Puls der Poesie .</p>
<p>Man kann nämlich sagen : Es gibt kein effizienteres Aufzeichnungs- und Sinn- Speicher- System als die Poesie . In jeder Silbe , in jedem Laut , in jedem Wort und in jedem Vers &#8211; ja , sogar in den Zwischenräumen und Interdependenzen &#8211; ist so viel Sinn eingelagert , explodieren so viele Zeitzünder an Kontaktschlüssen und Bedeutungen , dass die sekundäre Rede stets der Hase bleibt , welcher dem poetischen Igel hinterher hetzt .</p>
<p>Unternehmen Sie doch einfach die Gegenprobe , indem Sie deskriptiv darstellen , was in einem Gedicht &#8220;geschieht&#8221; : WAS es sagt und was es NICHT sagt , WIE es gesetzt ist und WAS es freilässt , WORIN es Nähe sucht und wo es Differenzen stiftet … und <em>voilà</em> sind Sie mitten im Sisyphus-Schicksal von Philologie und Hermeneutik .<br />
Hilflos hier , geniesserisch dort , können beide nie zu einem Ende gelangen .  |||</p>
<p><a title="angelika_kaufmann_copyright_chinesischer blindenschriftband_max_02.jpg" href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_blindband_max_02.jpg" rel="lightbox[1924]"><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_blindband_max_02.thumbnail.jpg" alt="angelika_kaufmann_copyright_chinesischer blindenschriftband_max_02.jpg" width="186" height="111" /></a></p>
<p>IV. REFLEX<br />
Kunst ist Tautologie . Sie sagt sich selbst . <em>A rose is a rose is a rose</em> .<br />
Sie sagt , DASS sie sich sagt . Sie sagt , WIE sie sich sagt .<br />
Ceci n&#8217;est pas une pipe .</p>
<p>Angelika Kaufmann stellt dieser beseelenden , dieser skandalösen Tautologie ein Gleiches zur Seite . Die Poesie verbirgt , indem sie zeigt . Sie sagt Manches und schweigt eben so Vieles im Sagen mit . Als bildende , als Schriftkünstlerin muss Angelika Kaufmann &#8220;dieses Stillsticken&#8221;( 4 ) ZEIGEN . Aber wir sehen ja , was sie uns zeigt : &#8220;Es regnete, regnete viele Wörter auf  es herunter&#8221; ( 5 ), heisst es in &#8220;Pegas&#8221; , dem Text- Bilder- Buch-Pferdchen von  Friederike Mayröcker und Angelika Kaufmann . Schon auf den beiden Dimensionen der Fläche unterbricht Kaufmann die Linie oder lässt diese über die Blatt- Bogen- Ränder hinaus schwingen .</p>
<p>Sie macht uns damit SEHEN , wie viel wir NICHT sehen . Kaufmanns <em>Fraktur</em> akzentuiert beides : das Anwesende und das Fehlen . Rest-Rundungen, Synchronbögen , Diagonal-Marker . Fragmentarisch horizontale und vertikale ArchitekturFragmente von Schrift . In ihrer Präsenz lenken sie den Blick des Betrachters auf ungewohnte formal- rhythmische Muster .</p>
<p>Dort , &#8220;wo was fehlt&#8221; , dort also wo unsere früh anerzogene DechiffrierPflicht auf die leere Fläche trifft , schiesst die Phantasie ein und damit die ( persönliche ) Projektion .</p>
<p>Hier rhythmische Kontraktion , dort <em>tabula rasa</em> :</p>
<p>Von Angelika Kaufmanns Blättern murmelt nicht nur die sibyllinische Stimme der Poesie . Viel mehr noch : Blicken wir uns selbst in Gestalt unserer Projektionen entgegen . Nicht zufällig waren es Friederike Mayröckers &#8220;14 Spiegeltexte&#8221; ( 6 ) , mit deren AufZeichnung sich Angelika Kaufmann Mitte der 70er Jahre zuerst befasste .</p>
<p>So viel zu den Dimensionen Numero Eins und Zwei , den Flächen- Koordinaten .<br />
Angelika Kaufmanns Ein-, Ab- , Unter- und Überschreibungen fädeln ihre subtilen Linien allerdings auch durch die Dimensionen Numero Drei und Vier .  |||</p>
<p><a title="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_05.jpg" href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_05.jpg" rel="lightbox[1924]"><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_05.thumbnail.jpg" alt="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_05.jpg" /></a>V. RÜCKGABE<br />
Mit ihren Installationen , ihren Papier- und Buchobjekten gibt Angelika Kaufmann dem Text zurück, was dieser ( wir erinnern uns an den Topos der Schriftlichkeitskritik ) ersetzt , entbehrt oder gar exorziert : den Körper . Von Handen der Künstlerin holt die Schrift &#8211; etwa der mit Kaufmanns Notaten überschriebene &#8220;CHINESISCHE BLINDENSCHRIFTBAND&#8221; ( 2000 ) das verlorene Moment des Leiblichen zurück .</p>
<blockquote><p>In diesem entstehenden Buch habe ich einen Nicht-Stil angewendet also eine Art literarischer Selbstentblöszung, nicht wahr, also das Kritzeln/ Beschmutzen: das Kritzeln auf meinen nackten Oberschenkel oder ins Handinnere schreiben und ein schwarzes Kreuz zeichnen, das nicht mehr zu löschen ist … ( Friederike Mayröcker 7)</p></blockquote>
<p>Die haptische Anmutung der Papier-Objekte , die Fingerspitzen- Lektüre der Braille- Schrift , diverse Viskositäten von Farben und Tinten , Porosität oder Versiegelung von Texturen . Die mit viel Wissen , List und Lust am Material vollzogenen Schreibmanöver verwandeln Schrift und Text in ein Gegenständliches . Als Objekte , die uns im Raum begegnen , lassen sie sich umgehen , lassen sie sich <em>mit ihnen umgehen</em> , von hinten und vorne , von oben und unten anblicken .</p>
<p>Ja , sie sind da , präsent , still virulent . Sie ragen , stülpen , blättern sich , falten und entfalten sich im realen Raum .</p>
<blockquote><p>… In meinem Schosz die Notizblätter zwitschern, während des Schreibens … und die Notizblättchen in meinem Schosz zwitschern, während des Schreibens … in meinem Schosz, während ich sitze vor der Maschine, in meinem Schosz die vielen Zettel … ( Friederike Mayröcker 8 )</p></blockquote>
<p>Das Gegenständliche und Konkrete von Angelika Kaufmanns haptischen Schreib- Kunst- Stücken verweist wiederum auf die eigenwillig körperliche Qualität des poetischen Projektes Friederike Mayröckers . Schriften , Papiere , Zettel und Briefe spielen eine eminente Rolle in Mayröckers Texten . Nicht selten geht die Rede vom Palimpsest der Papiere , Notizen und Zitate , so dass das Murmeln der Namen , Exzerpte und Zettel teils aus der Lebenswelt der Dichterin berichten , teils eine unabtrennbare Komponente dieser Dichtung selber sind .</p>
<blockquote><p>… denn mein Tisch die ganze Tischfläche : ein gehäuftes Wirrwarr von Schriften, Zettelchen, Büchern und schmutzigen Tellern und Tassen …( Friederike Mayröcker 9 )</p></blockquote>
<p>Damit wird Gegenständlichkeit von Schrift und Text in Mayröckers Texten in Lust und als Last zu einem Leitmotiv . Die poetische Sprache , das Wortwerk kommt buchstäblich nicht umhin , die Physis des Textuellen &#8211; darüber hinaus aber auch diejenige des Leibes und der profanen Dinge &#8211; zu besprechen .  |||</p>
<p><a title="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_04.jpg" href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_04.jpg" rel="lightbox[1924]"><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_04.thumbnail.jpg" alt="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_04.jpg" /></a>VI. REIHENFOLGE<br />
<em>Tertium datur</em> . Friederike Mayröckers Verzettelungen , ihre getreuliche Mitschrift der an- und aufgelesenen Zitat- Objekte, Angelika Kaufmanns dreidimensionale Schrift- , Buch- und Papierobjekte : Beide untersuchen in immer neuen Aufgabestellungen und Serien- Regeln &#8220;<em>ein Gleiches</em>&#8221; , indem sie den Urtext , abschreibend , als ein Anderes realisieren . Ab- Schrift wird Um- Schrift und bildet dabei &#8220;<em>ein Gleiches</em>&#8221; <em>ANDERS</em> ab.</p>
<p>Friederike Mayröcker selbst schreibt in ihrem Hörspiel &#8220;<a href="http://www.hoerspiele.co.at/details.php?ID=23614">Gertrude Stein hat die Luft gemalt</a>&#8221; ( 10 ) der Sprach- Fallen- Stellerin Gertrude Stein den Satz zu , man müsse AB- SCHREIBEN , um zu verstehen . Ähnlich hatte es Walter Benjamin formuliert , als er &#8211; für sein &#8220;Passagen-Werk&#8221; exzerpierend &#8211; in der <em>Bibliothèque Nationale</em> sass : Während bei der ( stillen ) Lektüre uns der Text äusserlich bleibt , dringt dieser bei der händischen Abschrift gleichsam physisch in uns ein . Wir be- greifen .<br />
Begreifen den Text in der Dialektik zwischen der Hybris solcher Aneignung und der Demut des Kopisten .</p>
<p>Womit wir in der vierten Dimension angelangt sind :<br />
Ab-schreiben kostet ZEIT . Silbe für Silbe , Wort für Wort lesen , memorieren , kopieren , kontrollieren … der Druck auf die START- Taste des Kopiergeräts scheint da doch wesentlich effizienter . Die Photokopie als Ersatzhandlung für unterlassene Lektüren ist ein beliebter Topos im Akademikerwitz . Zugleich erzählt diese Praxis aber auch vom Unterschied zwischen HABEN und SEIN . HABEN wir den Text physisch gespeichert , dünken wir uns in seinem BESITZ .</p>
<p>Angelika Kaufmann dahingegen zeigt mit ihren Schriften , dass ein solcher BESITZ nicht zu HABEN ist . Nie zu erlangen sein wird . Durch ihr Hand-Werk hindurch und mittels der tagtäglichen , peniblen Abschrift weiss die Urheberin der Umschrift , dass sie zu keinem Ende kommen kann und wird . Ihre Pinsel- Abstrich- und -Abtupf- Tagebücher manifestieren die ZEIT als Element : Zeit als materialgewordene Erstreckung, Laufmeter der Tagtäglichkeit . Mittels der Reihung verstreichender JETZT- Momente gewähren Angelika Kaufmanns Kladden , Konvolute und Palimpseste erhellenden Einblick auf Gestalt und Gestaltung von ZEIT .  |||</p>
<p><a title="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_02.jpg" href="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_02.jpg" rel="lightbox[1924]"><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika_kaufmann_textzerlegung_max_02.thumbnail.jpg" alt="angelika_kaufmann_copyright_textzerlegung_MAX_02.jpg" /></a> VII. REGENBOGEN<br />
Damit teilen sie weiteres Charakteristikum des tagtäglichen WortFortWerkens von Friederike Mayröcker . Es wird ver- zeichnet , dass ver- zeichnet wird . Schreiben über das Schreiben , das sich beim Schreiben zusieht .</p>
<p>Demgemäss sind Angelika Kaufmanns VerSchreibungen, AbSchriften , UmSchriften , NachSchriften , ÜberSchreibungen und UnterSchreibungen sowohl Illuminationen als auch Verschlüsselungen der Poesie .</p>
<p>Vom &#8220;<a href="http://www.freitag.de/2000/25/00251302.htm">öffnen und schliessen des mundes</a>&#8221; ( <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Jandl">Ernst Jandl</a> ) zum <em>Augenschein</em> der ersichtlich hermetischen Schrift : Längst läuft ein &#8220;Blütenverkehr&#8221; &#8211; so Friederike Mayröcker in einem Angelika Kaufmann zugeeigneten Widmungsgedicht ( 11 ) &#8211; zwischen den einander zugeneigten Werken hin und her . Die einst separaten Positionen von Vorgängigkeit und Nachzeichnung , Ein- und Abschrift fliessen als Kontinuum wechselseitigen Wirkens ineinander .</p>
<blockquote><p>Stilleben auf dem Schreibplatz: Schnabelkanne und Haube verschüttetes<br />
Badewasser, mit Regenbogen, auf dem Parkett ( Friederike Mayröcker 12)   |||</p></blockquote>
<p><img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/angelika-kaufmann-u-04.jpg" alt="angelika kaufmann U 04" hspace="2" vspace="2" width="221" height="179" /></p>
<p><strong>|||</strong></p>
<p>czz in : <a href="http://www.artaddiction.net/members/Kaufmann/Kaufmann.htm">Angelika Kaufmann</a> &#8211; Arbeiten auf und mit Papier 2000 &#8211; 2006 | <a href="http://www.zintzen.org/zur-kunst/angelika-kaufmann-twisting-the-text/">Works on and with Paper 2000 &#8211; 2006</a> &#8211; wien , <a href="http://www.splitter.co.at/kuenstler/angelika_kaufmann.php">edition splitter 2007</a> , S. 38 &#8211; 71 | OUT NOW !</p>
<p>|||</p>
<p>( 01 ) Zur Ausstellung &#8220;<a href="http://www.literaturhaus.at/veranstaltungen/kaufmann/index.html">Arbeiten von Angelika Kaufmann</a>&#8221; [ zu Friederike Mayröckers <a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=41393">Mein Arbeitstirol</a> ] , Literaturhaus Wien<br />
( 02 ) Friederike Mayröcker : <a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=22048">Das Herzzerreiszende der Dinge</a> &#8211; Suhrkamp 1985<br />
( 03 ) Friederike Mayröcker : <a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=41709">Und ich schüttelte einen Liebling</a> &#8211; Suhrkamp 2005<br />
( 04 ) op. cit.<br />
( 05 ) Friederike Mayröcker, Angelika Kaufmann : <a href="http://www.austrian-art.at/cms/index.php?section=137">Pegas , das Pferd</a> &#8211; Neugebauer Press 1980<br />
( 06 ) Friederike Mayröcker : <a href="http://oe1.orf.at/highlights/27667.html">Fantom Fan</a> &#8211; Rowohlt 1971<br />
( 07 ) Friederike Mayröcker : Und ich schüttelte einen Liebling &#8211; Suhrkamp 2005<br />
( 08 ) op. cit.<br />
( 09 ) op. cit.<br />
( 10 ) Friederike Mayröcker : <a href="http://www.hoerspiele.co.at/details.php?ID=23614">Gertrude Stein hat die Luft gemalt</a> &#8211; Hörspiel , Regie : Klaus Schöning , DLF / ORF 2005<br />
( 11 ) Friederike Mayröcker : für Angelika Kaufmann | sobald die Schneefeger [ 1. 1. 1997 ] &#8211; in: F. M. : <a href="http://www.suhrkamp.de/titel/titel.cfm?bestellnr=41631">Gesammelte Gedichte 1939 &#8211; 2003</a> , hg. von Marcel Beyer &#8211; Suhrkamp 2004<br />
( 12 ) Friederike Mayröcker : ich habe angeboren das Blut | für Angelika Kaufmann [ 4. 3. 1997 ] &#8211; in : op. cit.</p>
<p><strong>|||</strong></p>
<p>KLANGAPPARAT</p>
<p align="right">Dass <a href="http://www.tomlarson.de/">Tom Larson</a> mit seinen pulsierenden Patterns und fächelnden Flächen hat @ in|ad|ae|qu|at einiger Wertschätzung geniesst , dürfte sich über Jahr und Tag <a href="http://www.zintzen.org/?s=tom+larson">in der wiederkehrenden</a> Erhebung seiner Mixes zum KLANGAPPARAT DES TAGES erwiesen haben . Zwar steht unmittelbar eine neue <img src="http://www.zintzen.org/wp-content/uploads/2007/11/czz-hoerempfehlung-129.jpg" alt="czz hörempfehlung" hspace="2" vspace="2" width="71" height="42" align="right" />Release bevor , doch gehen wir noch einen Schritt hinter die jüngste ( <a href="http://www.sonicwalker.com/releases/swm032">Visions from above</a> @ sonicwalker ) zurück und landen @ <a href="http://www.loopzilla.de/">Loopazilla</a> , dem ebenfalls hier schon charmant aktenkundig gewordenen Netlabel . Tom Larson ist &#8211; - &#8211; <a href="http://www.loopzilla.de/?p=136">minimal auch ohne schal</a> &#8211; - in poetischer Hochform und könnte in seiner luftig anmutenden , doch diskret strengen Manier eventuell in die Richtung der Papierarbeiten Angelika Kaufmanns weisen . <a href="http://mirror.switch.ch/mirror/sonicsquirrel/gekko_mix/loopzilla034/loopzilla034_tom_larson_minimal_auch_ohne_schal_2.mp3">CLICK HERE</a> TO LISTEN <strong>|||</strong></p>

]]></content:encoded>
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