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NEUES VON FREUNDEN



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Sax DIOSCUR

LAST CALL FOR “SOMMERFRISCHEN”

“Befiel dem letzten Früchten , voll zu sein” , oder so ähnlich müsste man wohl das in den Untergeschossen der obenhin spätsommerlichen Ruhe fiebrige Feilen , Fummeln , Basteln und Eilen der Kulturarbeiter bezeichnen : Im Gewirr von Dead- Linien für die Herbstausgaben von Zeitschriften , für Buch- Erscheinungstermine , für Programme und Präsentationen mag sich Mancher verstricken . Aber hélas : Den einen oder andern mild lächelnden Tag des Altweibersommers sollte wir für uns uns die Unsrigen noch herausschlagen , bevor die spätestens Mitte September anhebenden regulären Stunden- und Tagespläne der urbanen Literaturveranstaltungsprogramme wieder anheben .

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AUSGEZEICHNETES VON UND FÜR MONIKA RINCK

czz-neuesvonfreundenZum Genuss der Gunst der Stünde würde zunächst einmal zählen , sich mit und für MONIKA RINCK zu freuen - in|ad|ae|qu|at via SALON und “Literatur als Radiokunst” wohlvetraut - : Der Berliner Autorin wurde für ihren Lyrikband “zum fernbleiben der umarmung” ( Kookbooks 2007 ) eben der mit 13.000 Euro dotierte Ernst- Meister- Lyrikpreis der Stadt Hagen zuerkannt.

Man lasse sich durch solche Ziffern allerdings nicht blenden : Wie die bisher nur inoffiziell belegten Ergebnisse der noch unveröffentlichten Studie der vom zuständigen Bundesministerium in Auftrag gegebenen Studie “Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich” ( wir berichteten | Dokumentation ) belegen , verdienen 37 Prozent der österreichischen Künstler weniger als 839 Euro im Monat - d. h. , mehr als ein Drittel der Kulturschaffenden in Österreich bezieht ein Einkommen , welches unter der offiziellen Armutsgrenze liegt . Und das trotz des laut FAZ angeblich überreich durch Preise und Stipendien alimentierten Literaturbetriebs ( “Autorenförderung ? Hungert sie aus !” , 30. 4. 2008 ) …

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TRANSPIRATION STATT INSPIRATION : WETTBEWERB , REELL

Das Bild vom frei auf den Wellen von Alimentationen und Inspirationen schwebenden Dichten ist so falsch wie veraltet : Per Lesungen , Übersetzungen und Jurytätigkeiten wird das oft nötige Zubrot verdient . Wo dies nicht funktioniert , werden Autorinnen und Autoren ( auch diese Fälle sind uns wohlbekannt ) zu irgendwelchen Hartz IV- Arbeiten vergattert .

Als erfahrene Lesebühnen- Autorin wurde jedenfalls mit Monika Rinck eine respektable Jurorin für den 16. open mike- Wettbewerb der Literaturwerkstatt Berlin erkoren : Im Trio mit Thomas Glavinic und Feridun Zaimoglu wird sie am 15. / 16. November die Sieger aus den live lesenden Bewerbern küren : Auch hier verdient die Relation “Bewerbung - Auswahl - Kür” Beachtung : Aus den über 650 anonymisierten Einsendungen wählen sechs Lektoren bis zu 22 zur Lesung aus - 3 ( in Worten : drei ) Preise werden schliesslich vergeben .

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TIERBABYBINGO & BEGRIFFSSTUDIO

czz-neuesvonfreundenDa wir aus raum- zeitlichen Gründen die Berliner “Rotten Kinck Shows” von ANN COTTEN , SABINE SCHO und Monika Rinck leider nicht leiblich wahrnehmen können ( # 2 u. d. Titel “DIE EVOLUTION FRISST IHRE KINDER - wie bereitet sie sie zu ?” am 20. 8. im Lokal ) , sei auf die schriftliche Wiedergabe von # 1 ( “Tierbabybingo” ) in der Nummer 41 der Literaturzeitschrift “kolik” verwiesen : Exklusiv und sinnlich lediglich im Print - “viele kleine tiere frieren sich die augen rund” .

Wir kompensieren diese verpassten “bunten abende in der whisky-destille” ( # 2589 ) mit einem Extrakt der jüngsten Lieferung aus dem BEGRIFFSSTUDIO:

2555 trotzyoga
2556 das pony in der truhe
2557 simple thing for the devil
2558 nießbrauch
2559 der willenlos auf mich zu polternde resonanzraum
2563 große tiere mit kleinen stimmen
2564 stimmimitat
2565 raschwüchsig und frosthart
2566 der schlafkranke schwachkopf
2567 ein laubblattrauschender schrecken
2568 per pergulam ambulare
2569 das laub der geselligen linde
2573 strandwermut
2574 stân in einem înkaffenne - verharren in einem anstarren
2575 in eremo, der waldeinsamkeit
2576 le goût du néant
2577 lamettawuchs und kopfschneitelung
2578 ein gewaltiger zicklus
2579 das belutschistan-ohnehorn
2583 wächter der weltflucht
2584 weizenfeldgelb
2585 fälschungssichere falter
2586 antikatz-kalender
2587 schlacke im hauptraum
2588 zwischenschaftlich

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BERNHARD KATHAN : DAS INDISKRETE ORGAN

czz-neuesvonfreundenAnzukündigen und zu dringend ver- störenden Lektüre empfohlen sei das eben im Studien- Verlag erschienene Resultat der langjährigen Beschäftigung unseres SALON- Autors BERNHARD KATHAN mit dem Thema “Organtransplantation” : “Das indiskrete Organ . Organverpflanzungen in der Literatur” ist eine konsequente Fortschrift von Kathans bisherigen kulturhistorischen Untersuchungen zur Medizingeschichte , Körpertechnik , Ein- und Ausverleibung , Lebenswissenschaften und Mortifikationen . Der Denk- und Assoziationsraum wird dabei - wie stets - weit gesteckt und subjektiv inspirierend illuminiert .

Auch im HIDDEN MUSEUM , dem “zweifelhaftesten Museumsprojekt der Gegenwart” , gibt es Neuigkeiten zu betrachten : Zu den - in einigen Beispielen aus Hunderten auf in|ad|ae|qu|at publizierten - Kuhportraits ist nun eine diskursive Überlegung zum Thema “Kuhfotografie” zu lesen . Handfesten Kulinarikern sei dahingegen ein “mobiles Essmuseum” in Form eines konzentrierten Küchenschranks empfohlen . Klassischer titel : “Die Kredenz” .

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HANNO MILLESI SUCHT ALTENBERG

czz-neuesvonfreundenVon den einigermassen vergeblichen Unternehmungen , den Fin de siècle- Bohème- Poeten Peter Altenberg in der Wiener Echtwelt aufzusuchen , berichtet HANNO MILLESI in der Wochenendausgabe des “Standard” . Zur Verkürzung der Wartezeit bis zum Erscheinen des Prosabandes “Der Nachzügler” ( 29. 9. , Literaturverlag Luftschacht - wir werden berichten ) , sei diese “Grenzerfahrung” an den grauen Mauern der Wiener Wirklichkeit in einem kurzen Auszug zitiert :

Im Abbildungsteil eines Katalogs, der sich mit den Wohnverhältnissen berühmter Künstler meiner Stadt beschäftigt, stoße ich auf Fotografien jenes Hotelzimmers, in dem Peter Altenberg einen Großteil seiner bekannten Werke verfasst hat. Die Wände des Zimmers sind mit gerahmten Bildern übersät. Fotos, Grafiken, Zeitungsausschnitte. Ich sehe beispielsweise eine Reihe von Porträts junger Frauen. ( … ) Sein Zimmer trägt die Nummer 51 und befindet sich im Grabenhotel in der Dorotheergasse 3 im 1. Bezirk. Ich beschließe Peter Altenberg dort zu besuchen. Schließlich verfüge ich über alle notwendigen Informationen.

In der Dorotheergasse angekommen, bin ich erst einmal überrascht. Im Erdgeschoß des Grabenhotels, in dem Peter Altenberg residiert, befindet sich eine Trattoria namens Santo Stefano. Um ehrlich zu sein, hatte ich mir das anders vorgestellt. ( … ) Nachdem ich mich vorgestellt habe, teile ich der Rezeptionistin mit, dass ich Peter Altenberg besuchen möchte. Mit einem verständnisvollen Lächeln bittet sie mich zu warten und tippt etwas in den Computer. Während ihre Pupillen den Bildschirm abtasten, verfinstert sich ihre Miene. Schließlich teilt sie mir mit, dass sich niemand dieses Namens unter ihren Gästen befindet. Mir ist klar, dass sie die Liste derjenigen durchgesehen hat, die vorgelassen werden dürfen. Ich weise sie darauf hin, dass es sich bei mir um einen Kollegen handelt, und sie nimmt an, dass ich ebenfalls in der Hotelbranche tätig bin. Ich antworte mit einem Seufzer und wiederhole, dass die ganze Stadt - was rede ich - die ganze Welt wisse, dass Peter Altenberg in diesem Hotel wohne. ( … ) Ich verheimliche nicht länger, dass ich sogar weiß, welches Zimmer Peter Altenberg bewohnt: Nr. 51 im 5. Stock.

Die dreiste junge Frau will mir weismachen, dass das Grabenhotel gar nicht über so viele Zimmer verfüge und der von mir gesuchte Herr - sie sagt tatsächlich der gesuchte Herr - daher unmöglich ein Zimmer 51 bewohnen könne. Offenbar folgt sie strikten Anweisungen. Ich bedanke mich höflich, als hätte ich meinen Irrtum eingesehen, und wende mich dem Stiegenaufgang zu, der zu den Zimmern führt. Mein Name mag auf keiner Liste aufscheinen, Peter Altenberg wird mich nichtsdestotrotz empfangen. Schließlich kenne ich intime Details seiner Lebenssituation und seiner Körperpflege.

Die Frau hat inzwischen ihr Rezeptionspult verlassen und stellt sich mir in den Weg. Einen Moment lang sieht es so aus, als müsste ich sie mit Gewalt beiseite räumen. Ehe mir das gelingt, kommt ein stattlich gekleideter Herr die Treppe herunter. ( … ) Zu meiner Überraschung wendet sich die Rezeptionistin mit meinem Anliegen an den unvermutet aufgetauchten Mann, als handle es sich bei ihm um einen von irgendwo oben herabgestiegenen Richter. Ich bin damit einverstanden, ihn als Unparteiischen zu akzeptieren, und erkläre, dass ich nichts weiter wolle, als Peter Altenberg auf Zimmer 51 zu besuchen. Der kompetent wirkende Mann sieht mich eindringlich an und bedeutet der ahnungslosen Angestellten, sich wieder an die Rezeption zu begeben. Er scheint begriffen zu haben, worum es mir geht, ich glaube sogar, dass er den Schriftsteller in mir erkennt. Verständnisvoll legt er einen Arm um meine Schulter und - man könnte fast sagen: geleitet mich behutsam zum Ausgang. ( … )

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UND ES DREHT SICH DOCH NOCH : LINKES WORT @ VOLKSSTIMMEFEST

czz-neuesvonfreundenMan wird dem traditionellen Volksstimmefest der KPÖ am letzten Augustwochenende im Wiener Prater und im Kontext des akuten Wahlkampfes eine gewisse Chuzpe nicht absprechen dürfen : Wenn’s nicht ( wie oft schon ) regnet , könnte die musikalische Stimmung zwischen dem unverwüstlichen Guitarrero Harri Stoijka und den Linzer Rappern “texta” recht nett werden . Dazu gibt es unter dem Titel “Linkes Wort” ( seit 1975 ! ) eine Reihe von Lesungen , welche diesjahr anhand der historischen Marker “1918 - 1938 - 1968″ aus dem “Bilanzbuch des 20. Jahrhunderts” erzählen . On stage u. a. : Werkkreis Literatur der Arbeitswelt , Gerhard Ruiss , Helmut Rizy und Rolf Schwendter . Detailprogramm und Hintergründe erschliesst die Seite “LINKES WORT” .

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KLANGAPPARAT

Langer Text , langer Abgesang : Heute mit Sascha Müllers ( MySpace ) Juni- Mix für Loopzilla , trefflich unter dem Titel “1 IST 2 UND 2 IST czz-hoerempfehlungSCHRAEG” rubriziert : Eine Stunde , acht Minuten , zwölf Sekunden lang aparte Mnipatterns á discretion : Besondere Beachtung verdient die so kurz wie herrlich schräg hereindrängende Querflöte bei Laufzeit 41:20 . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

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Salon Littéraire | Lisa Spalt : T-U-L-P-E _2 / 3



Literatur @ in|ad|ae|qu|at : Der SALON LITTÉRAIRE als www- Galerie für Bild und Text - Sommerserie

Salon Littéraire | Lisa Spalt : T-U-L-P-E _2

Die Geschichte ist natürlich nur erfunden …

 

TULPE_copyright_Lisa_Spalt

Die Geschichte ist natürlich nur erfunden gesteht Tulpe, schwebt vom Verkaufstisch herunter Anmache ist alles, passieren wird nix, wir sind ja PLUTS, Kreuzungen von prudes und sluts, aber wenn Sie heutzutage etwas verkaufen wollen, müssen Sie eben eine Geschichte erzählen. Zitat Heinz von Tulpe: Wir halten ja jene Wissenschafterin für den Vertreter der besten Theorie, welche die beste Geschichte erzählt. - Genau diese Erfolgsstory entwickeln zu lernen motiviert Tulpe Sie und Ihre Anwesenheit hier sind wir zusammengekommen. Und nun rein in das Geschäft mit dem Stoff, der das Objekt Ihres Handelns sein muss!

<<Mann hält Turbantuch in Hand für Traumfrau, Frau wird durch Zeichnung von Tulpe erregt. Oh, Tulpe ist im Besitz von Mann, oh, Mann! Oh, Tulpe ist gleich Mannespotenz! Oh, Schönheit von Tulpe ist gleich proportional zu Sinneserregung von Dame! Hurtig elektrifizierende Schlüsse gezogen: Zwiebel von Tulpe deutet als Tulpe in Nuce auf durch Besitzer zu erwartende sinnliche Genüsse. Frage: Berechnung möglich? Formel klar: Männliche Potenz entsprechend Erregungspotenzial von Schönheit von Tulpe, was Glück & heureka! Überlegungsprodukt: TULIMANTIE, LIANE MUTTI, LAUTE INTIM, das ist Tulpenorakel gleich Erfindungspotenzial. MUT-LITANEI von ALE TUT MINI! Begründung: Orakel gleich Einnahmequelle. Ergo? Kioskaufstellung für Eintausch von Nichtwissen gegen Vorkehrungen-Treffen, dadurch Zukunft-Verändern und neues Nichtwissen, gegen weitere Zwiebeln plus Nulpe-wird-Duce-Orakelsprüche. Begierdeleistung, Lustvorsprung, Genusstrategie: Ich ist gleich Rohstoff zur Produktion der Weltmarktführerin. Oh, oui, c’est ça, tulimentir! Peripetie! Endlich können wir wirklich handeln, da das Orakel verbindliches Wissen über Effekte von erotischem Tun verspricht!>>

Ok sagt Tulpe damit wissen wir zumindest, was die Geschichte mit der Tulpe geschehen hätte lassen können. Hätte hebt Tulpe das grüne Händchen. Wäre es denn fragt Tulpe nach Einrichtung des Erotik-Orakels nicht stante pede zum Ausbruch einer Tulimantie-Manie gekommen (Tulpenwahn definiert Tulpe: Glaube an die Beherrschbarkeit des Handelns), wäre es in der Folge nicht gekommen zu einer abnorm gesteigerten Nachfrage nach weissagenden Tulpenzwiebeln? Sobald sich etwas findet, was die Nützlichkeit und den Wert von Geld annimmt, beginnt die Ansammlung von Eigentum, begleitet von der Entstehung von Knappheit [1]. Sollten wir also davon nicht Spuren finden? Nein! Denn warum sollten erotisch verunsicherte Männer die Gründe für ihre Tulpenmanie zugeben mögen? Würden Sie nicht vordergründig seriösere Gründe für ihre Handelswut erfinden? Könnte somit nicht gerade die Absenz von Beweisen für die in den Raum gestellte Erklärungshypothese bezüglich der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts den Beweis für eine mögliche Stichhaltigkeit abgeben? Ja, das Hätte-wäre-könnte, das die Hervorrufung tollkühnen Spekulationsvergnügens bei meinen Kundinnen bewirkt, hängt erklärt Tulpe ab von einer Handlung, welche - Bedingung - niemals stattfand, von einer guten Geschichte also sagt Tulpe quod erat demonstrandum; von Tulpenbüsten, klaro: erfundene historische Ereignisse, die benutzt werden, um etwas zu beweisen. Die Zuhörer reagieren auf Tulpenbüsten für gewöhnlich irritiert und tendieren dazu, den Benutzer für besonders intelligent zu halten. (Beispiel für Verwendung: Tulpe machte heute im Meeting Gebrauch von einer Tulpenbüste.)

Meine lieben Bürgerinnen schreibt Tulpe von O. und lieben Bürger von O., welcher Ort postalisch der Gemeinde N., politisch aber der Marktgemeinde W. zugerechnet wird, welcher also genau genommen nur in seinem Namen existiert, dem allein eine entsprechend sich mit ihm identifizierende Menschengruppe das Grenzgebiet definiert! Sehen Sie hier das zierliche Johanniskraut/Hypericum elegans, die Große Kuhschelle/Pulsatilla Grandis, das Knollen-Brandkraut, Niederliegende Geißblatt, Hirschwurz, Blutigen Storchenschnabel! Nur bei überdurchschnittlichem Kenntnisstand Ihrerseits treffen in diesen Verständniskünste Gewinn bringend auf Forschungserträge, wie zum Beispiel jene aus dem bedenkenswerten Werk des Hermann Zulauf mit dem Titel Das Rebspalier, verfasst 1942 im Schweizerischen Schinznach-Dorf. Kennen Sie den Ort? Nein? Kennen Sie die Bedeutung der Begriffe Scincode, Revolcanic Cream, Shiseido Body Creator, Google-Earth-Pilot? Sagen sie Ihnen was? Dienen sie Ihnen als Shopping Guides?

Frage: Wer oder was ist eigentlich Tulpe?
Antwort 1: Die Bedeutung der Tulpe liegt in der Zwiebel (Buddhismus).
Antwort 2: Eine Tulpe? Das ist: Anthrachinonderivate, herzwirksame Glycoside, Alkaloide Steroidalkaloide, Chelidonsäure uh ah …
- Antwort 3: Tulpe ist, was dem Handeln den Auslöser gibt. Ohne Tulpe würde das Leben ewig dauern, hätte aber auch keinerlei Sinn (Jean Paul Tulipe).
- Antwort 4: Tulpe ist Tulpes Gebrauch im Text ruft unser Ludwig in einem der wenigen Momente, in denen er sich erlaubt, ein wenig sinnlich zu sein.
- Antwort 5: Mais il ne faut pas voir la réalité telle que je suis, man muss die Realität nicht sehen, wie ich bin lacht Max Ernst Tulpe, und …

Vom fleischfarben grundierten Info-Screen bricht sich das ätherische Wesen Tulpe auf das antike Objekt des Kunsthandelns herunter, ulp-ulp, auf das lasierend fabrizierte Gemälde als eine Oberfläche elektromagnetischen Kunst-Verhaltens, fächert sich auf in die kränklichen Prima-Ballerina-Sorten einer Semper Augustus, Admiral van Enckhuysen oder Gheel en Root van Leyden. Schönes, schönes, im Glas der Vase lose festgehaltenes Sterben! Oh, welch wohlklingendes Passé der Bildlichkeit! Es bringt in die schmucklose Gegenwart die Nostalgiemaschine eines Tulpengemäldes die hübsche Note der Vergänglichkeit, ja, der Herstellungsmoment ist ja so lang vorbei. Und genau auf diese Weise gedenkt Tulpe den Preis Ihrer zart keimenden Naturliebe zu erzielen. Ja, diese Natur, sie stammt aus dem 17. Jahrhundert, und die Farbe ihrer blutrot-zart-feuchten Blütenblätter ist ja aufs Schärfste gebrochen! Oh, dass die Farbe der Blütenblätter ihres Vorbilds so heiß gebrochen ist wie jene der Mädchenwangen unter den haarigen Leuenpranken, ach, sie wissen! Ah, diese Königin einer Blume, diese Prinzessin auf der Erbse auf einem grünen Stängel eines sehr, sehr langen Pflänzchenhälschens … Und dann entdeckten sie, wer immer das ist, 1924 das die Zeichnung der Blüte hervorrufende Mosaikvirus. Und sie verbrannten die Schöne auf dem Scheiterhaufen, um mit ihr das Böse auf wissenschaftlich fundierte Weise auszurotten. Sie aber, Amateur oder Connoisseur, haben dadurch ruft Tulpe die einzigartige Gelegenheit, eine nahezu fotografische Abbildung jener verblichenen Natur zu besitzen, welche es gar nicht mehr gibt. Verschaffen Sie sich ihr persönliches Bild, das diese Naturvergangenheit ersetzt! Und bedenken Sie: Je älter eine Natur, desto näher an der Natur ist ihre Wirklichkeit! Tauschen Sie also einen Aspekt Ihres Lebens gegen das Abbild der gestorbenen Zeit, die Sie hier sehen! Sie werden plötzlich die Empfindung verstehen, eine Schönheit festhalten zu wollen, die Empfindung von Schönheit selbst festhalten zu wollen, welche Regung allein Ihrem Wissen um die eigene Sterblichkeit entspringt. Ach, wenn sich das Junge, das statistisch Schönste, vom Tod Entfernteste, mit dem Tod verschränkt! Und ja, auch die Kunstwürdigkeit der Tulpe wurde durch eine Unheilbarkeit aus ihrer Naturfarbe gebrochen. Ja, meine Kunstwürdigkeit erklärt sich Tulpe wurde durch eine WERTMALENDE MALADIE erreicht, durch die Aufpfropfung einer, meine banale Natur umformulierenden, nichtsdestotrotz der Natur entspringenden Viruskolonie, veredelnde Besiedelungstaktik et cetera. diese Tulpe verkauft sich gut, ihre Rede ist voller Kraft, sie verkauft sich wie von selbst. Diese Tulpe ringt ihre gebrochene Rede, ihr Lallen, ihre WAREWARESCHÖNHEITDERNATUR auf die Pulte der Versteigerer runter: Ich bin das Abbild der Vergangenheit haucht Tulpe der zart-kindliche Efeugeruch des Schwanengedichts, der Sie nach Hause rufen will. PUT-PUT-PUT, wahre Kunst reibt diese Tulpe, auf Gewinn bringende Weise an ihrem Körperbild geschädigt, zählende Finger, reibt sie auf Geld zählende Weise. Und früher liebten Sie unter dem Titel leicht zerdrückbarer Pflück- und Schnittblumen die Damen in Ihren Gedichten, heute dagegen lieben Sie die Virus-generierte Zeichnung Gewinn bringender Blüten, und Sie handeln Sie unter Damennamen. Und Sie lieben Sie, weil in der Kunst das Gesetz der Stärkeren die stärker Vergammelten überleben lässt, wo sie in der Natur nach demselben Gesetz verrecken. Antibodies, Sie verstehen? He, ich möchte doch, wenn Sie das Geschwafel hier akzeptieren, auf der Stelle irgendeinem TUP (englisch für männliches Schaf) die blöde Tulpe zu fressen geben. Sagen Sie schon, haben Sie gar kein Problem mit der Verbindung der Wörter Kunst und krank? (I’ve never seen anybody pule [2] so much!) Kein Problem mit der Kombination veredelnde Besiedelung und dem Begriff der Natürlichkeit? (Ich hoffe, ich bin das Produkt, das für Sie rundum passt flüsterte Tulpe und brach.) Ist das Ihr favorisierter Stil? Ist es das, was Sie wünschen, das Brechen des Rösleins, die Felder brach? Also, der Wert der Wahrheit der Aussage schwankt ja doch ziemlich je nach Rezeptoren, je nach Grad ihrer Akzeptanz. Also, wir fühlen und sind doch immer irgendwie gebrochen, nicht wahr, und was immer wir glauben mögen, ist doch immer irgendwie Gebrochenes, und wir kaufen es doch immer irgendwem ab. Also, was halten Sie eigentlich von technology unlimited, T-U-L, the total solution provider?

(Sie verstehen neuerdings wirklich alles falsch korrigiert Tulpe ich sprach doch nur von blühenden Geschäften - also, im Bereich T-U-L wie Transport, Umschlag, Lagerung. Kein Code, kein Secret, kein doppelter Boden, die Inhaltsangabe verzeichnet einzig und allein Polyethylen/PE.)

Wir aber denken an dieser Stelle (es ist, wie ich es schreibe!), wir könnten bald alle im Luxus von Tulpes Erfolgsgeschichte leben; in einer fremden Biographie, die nur noch winzige Partikel unseres molesten Lebens einschließen würde. Tulpe hält fest, es wär ja dieses alle, dieses alles noch näher zu definieren. Und wir hören dieser Lilly Tulpe Petersen zu, einer Erfolgsautorin, die wir heute angreifen dürfen, Produzentin des Bestseller-Bekenntnisbuchs Wie ohne Gärtner jedermann sein Gartenland bebauen kann [3], und wir möchten uns gegen sie tauschen, und wir könnten die vor lauter Gier hohl wirkenden Augen auf den Ausgang einer blutroten Tulpe gerichtet halten, könnten deren schwarz-hallende Bauchigkeit halten für das bodenlos flüchtende, verkehrte Schattenbild eines weißfleischig in der Augenhöhlung liegenden, gefräßigen Apfels, welcher imstande wäre, den nackten, mit einfach allem beschreibbaren Raum unseres Lebens zu evozieren, diesen Schundroman, in dem uns alles, was wir erblicken, als Symbol potenzieller Lebensfülle und Leibesschmalheit dient, blablabla, wir würden dieses Leben zum Beispiel denken als irgendein herbeiprojizierbares Objekt, und es spräche zu uns darüber die berühmte Autorin Lilly Tulpe Petersen, und wir würden heftig applaudieren: <<Gott, dankeschön, Gott machte mir, Lilly Tulpe Petersen, das selbst gemachte Geschenk der Welt. Der liebe Gott, wie gesagt, welcher mich, Lilly Tulpe Petersen seit Ewigkeiten liebt, schenkte mir früh seine aus selbst gemachten Materialien selbst gebastelte Nachkriegslage. So müssen auch Sie es machen. Danke, Herr Gott, ich dank auch schön! Ich konnte aufgrund seiner Gaben als die LTP bekannt mich machen. Ich benutzte dazu natürlich ein Gartenbuch, nämlich das von Shizu Matsuda und Peggy Boehm mit dem Titel Flower arranging by number for people who want artistic results immediately. Als Tochter aus dem guten Haus der Liliaceae, entsprossen der Cohabitation bourbonischer Lilien mit den bonapartischen Bienen, konnte ich, LTP, latest take precedence respektive Vorrang hat der letztgeänderte Wert, mein Auftreten optimieren. Aber das war natürlich nur der erste Schritt. Kaufen Sie mein Buch Wie ohne Gärtner jedermann sein Gartenland bebauen kann, haben Sie Teil an meinem Erfolgsrezept! Als einfache L.T.P. oder long term potentiation vulgo dauerhafte Verbesserung der Kommunikation zwischen zwei Neuronen, trat ich einst über mein Fleckchen Heimatboden, diese blühende Visitenkarte, ein in den allgemeinen Wettbewerb. Mein Glück ist natürlich, dass ich natürlich blieb, mein Wachstum war immer enorm.>> Und geblendet sehen wir in diesem Moment L, durch das Nadelöhr Ihrer glänzenden Pupillen, liebe Lesende, sich quetschen - durch die bedeutsame Verengung dieser Ihrer eigenen Lebensgeschichte: Oh, L, Farb- und Duftfavoritin der Stars! Du breitest vor unser aller Denken Deinen intimen Garten aus, Deine Miniaturnachbildung eines Paradieses, wie Linnaeus schon sagte! Und der Druck der Meinung, welchen bereits ein T mit dem alten Charles Darwin erkannte, nämlich als das natürliche Bedürfnis der Konkurrenz - dieser Druck der Meinung macht Dich, als die ich mich nach dem ersten Krieg wieder fand, sichtbar in unser aller Öffentlichkeit, 1921, welche T mit Ihnen (id est: Sie da draußen) als unsere Zeit benannte. Ja, der Druck vervielfältigte T, indem er Dich, die ich wurde, in den fruchtbaren Boden Ihres Denkens verpflanzte.>>>> Cit. von mir aus nach L.T.P, LITURGY TRAINING PUBLICATIONS (ist gleich ahora el mayor distribuidor de libros católicos en lengua española en los Estados Unidos de América).

TULPE_copyright_Lisa_Spalt

[1] - Wouter van Dieren: Mit der Natur rechnen. Der neue Club-of-Rome-Bericht. Birkhäuser Verlag 1995, S. 40.
[2] - To whimper; to whine, as a complaining child.
[3] - “Wie ohne Gärtner jedermann sein Gartenland bebauen kann” ist der Untertitel des Buches “Das neue Gartenbuch”, erschienen bei Der gelbe Verlag in Dachau, der Autorin vorliegend in der Auflage 31. - 46. Tausend aus dem Jahr 1921. “Im kleinsten Garten ist das Vaterland”, so das Motto des Buches. Der Verlag wirbt auf den letzten Seiten des Buches für andere Titel zu den Themen Kochen, Scherenschnitte, deutsche Kolonien, Volk in Waffen und Albrecht Dürer.

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Lisa Spalt

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Salon Littéraire | Lisa Spalt : T-U-L-P-E _1 / 3



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Salon Littéraire | Lisa Spalt : T-U-L-P-E _1

Im Anfang der Morgenröte des Handelns …

 

TULPE_copyright_Lisa_Spalt

Im Anfang der Morgenröte des Handelns waren schon, um zumindest den Schein der Begegnung zu wahren, ein-zwei Sprecheinheiten zu tauschen; vor dem Deal stand ein gewisser Talk mit seinen Naturgesetzen; bevor also der Schein mit einem kaum wahrnehmbaren Lufthauch über den Ladentisch ging, haha.

Frau Tulpe, Berlin, Stoffe und Accessoires, Veteranenstraße 19: Ja, Handeln, da hängt doch immer ein Fetzchen von Deinem Herzchen dran. ABBRüchlein, ABBREchen, ABBREviations. Nimms in Kauf! Schneidet man sich lieber einen Haxen ab, bevor man sich bindet, liebe Schwester, lieber Bruder im Handeln, liebe Spenderfamilie, liebe Liebeswelt der Waren! Eine goldene Kalbshaut von GRAVIS, das ist das Mördergeschäft: Abgeschnittenes auf der einen Seite und Verknüpfungen auf der anderen; ein sich Trennen von organisch erzeugten Tatsachen, um zu einer anderen Sorte von Lappen (Kröten, Kies) Kontakt zu kriegen. Bezüge!

Wollen ja nicht den ganzen Menschen, wollen ja nur das zählende Organ. Ist ja absolut unnatürlich, wie gut mein Gewebe sich verkauft, wie gut die Natürlichkeit sich verkauft, welche mein Körper verkörpert. Ja, im erfolgreichen Erscheinungsbild des Handelns war Mund, das neue Gesicht für die Welthunger-Werbung, das mit dem Wassertropfencollier um den Hals, dadurch sich weltweit Gewebe strafft; Gewerbe, ja, das ist ja meine Language - mothertongue, die heute weltweit in jedem Kröpfchen hechelt, zumindest in jedem, in dessen Köpfchen ein bisschen Gehirnschmalz et cetera, Zungengrund, radix linguae, aus der alles Handeln erwächst. Getrennt von ihr pralles Hinterteil; liegt mit dem attraktiven Dielenmöbel namens NATURLIG in der Sonne von TEÙL, Zacatecas, Mexiko, herum - zumindest schlägt Ingvar Kamprad, Hof Elmtaryd, gelegen in der Nähe von Agunnaryd das vor. IKEA inclusive, alles klar! Dauerreibt sich neue-Hüfte-Anspielung am Parallel-Universum eines Blüten-Lüster-Magic-Lights: Oh, your imagination is your only limit. Und es tritt ständig Tulpes nächste Beziehung ein, das nächste Ladenklingeln, nächster Sachverhalt, nächster Link, in welchem ein Aspekt ihrer Natur in einen anderen Lebenslauf gerät, einen anderen Datensatz (ein neues TUPEL). (Click hier bitte Stop für Wiederholung Prothesen-Jingle!)

Meine straffe Natur, dein schlaffes Bindegewebe differenziert eine nur als Utopie existierende, dementsprechend wie nichts begehrte, nämlich schwarze Tulpe (tulipano nero) ihre Erlebniswelt. Tulpe fragt handeln wir jeweils als die eine und einzige Natur, handeln wir als eine Natur unter vielen Naturen, die ihrerseits wieder aus der einen und einzigen Natur herausdifferenziert sein wird? Mother Nature versus Bag Lady versus WUNDERKIND, ready to wear? Tulpe versteht unter ihrer eigenen Natur natürlich einen starken Charakter, sie versteht dagegen unter Natur an sich alles, was ihrer Kultur ermangelt. Hätte krümmt Tulpe Nero Anführungszeichenfinger aus dem Wollstoff (ital. panno) meiner Natur auch ein erfolgloses, beispielsweise normalsterbliches Lebewesen erzeugt werden können? Hätte es hervorgehen können aus den Naturgesetzen, die meine Weltwahrnehmung erzeugen?

<<Dieses Produkt, meine Dame, mein Herr: Mördergeschichte! NEMATOMORPHA UNLIMITED (von Nema/Faden und Morphe/Gestalt) setzt am hinteren Teil der Eichenschrecken den Bohrapparat (türk. TÜP für Röhre, Ampulle) an. Es werden Eier platziert, das Produkt beginnt zu wachsen, während der Fettkörper der Schrecken als Nährgewebe herhält. Der Host entwickelt unterdessen sein Soundprodukt weiter, ein hysterisches Trommeln auf Äste und Blätter mit der Reichweite von bis zu einem Meter. Wir schließen daraus, dass trotz der erwähnten Aufpfropfung des Parasiten keine Quälerei eines ergo naturgerecht gehaltenen Lebewesens vorliegt. Schließlich beginnt das Produkt, die Zauberwaffe eines bestimmten Proteins auszuspucken: Das Eiweiß ähnelt einem weiteren im zentralen Nervensystem des Hosts, es ersetzt das Imitat den originalen Stoff, kapert die fremde Schaltzentrale - um sich zu vermehren, braucht das Produkt nur noch Wasser, und lange haben wir wirkt Tulpe bescheiden von OAK TERROR & Cie. Natur gespielt, haben uns mit der Automatisierung dieses Produktionsschrittes gequält. Aber jetzt: Zack, die Proteinprothese legt im Gehirn der ahnungslosen Schrecken den entsprechenden Schalter um, zack, sehen Sie? Die Schrecken stürzen sich wie aus eigenem Willen ins Wasser der rundum bereit gestellten Tümpel, sieht jetzt tatsächlich aus wie Selbstmord, raffiniert, ist aber alles meta-kausal, also: theoretisch motiviert, sehen Sie, das ist Animation, denken Sie nicht? So wird die Geschichte gemacht jubelt Tulpe so wird, um ein einfaches Bild zu verwenden, das leise Trommeln der langweiligen Schrecken zur größeren Melodie des kollektiven Selbstmords veredelt, orphischer Effekt des Saitenwurms, parasitärer Sinn, Geschichtswürdigkeit, Poesie, das ist unsere Theorie, die wir ins Lebewesen versetzt finden wollten. Eine letzte Nahaufnahme für Sie: Die Produzenten kriechen aus dem toten Host, richten ihn ein letztes Mal auf, wahnsinniger Effekt, L-U-P oder Lifeless Undead Phenomenon. Sehen Sie, das ist Naturidentität, so könnte es gehen. Das ist ein Modell, an dem wir uns ein Beispiel nehmen werden, und Sie werden noch an diese Worte denken, die Ihnen jetzt vielleicht aus dem Zusammenhang gerissen scheinen.>>

Entschuldigen Sie! Tulpe unterbricht die Emphase Ihrer B2C ist gleich Business-to-Consumer-Relationship, um sich, den Hörer zwischen Kinn und Schulter, für ein paar Minuten in ihre Freizeit-Telekommunikationswelt zu beamen. Tulpe wendet sich dort explizit an Sie, S-I-E wie SYSTEM INDUSTRIE ELECTRONICS Österreich, ihres Zeichens Entwickler von innovativen Konzepten, Beschaffer nachhaltiger Wettbewerbsvorteile, Grundsteinlegerin für erfolgreiche Partnerinnenschaften. Bitte, wie bewerten Sie fragt Tulpe und ich meine S-I-E wie Sensorik Industrie-Elektronik GmbH Viernheim, KAPAZITIVE SENSOREN - wie bewerten Sie Ihre Austauschbarkeit? Diese Ausdrückbarkeit durch vergleichbare Einheiten, Preise monetärer oder ideeller Art? Ihre Einstellung zur Aufzählbarkeit ihrer selbst entscheidet, wie Sie wissen informiert Tulpe über Ihren Wert für unsere Gesellschaft, die ich vertrete, also, für wie wertvoll halten Sie sich auf einer Skala von eins bis zehn?

Tulpes Haltung soll es verraten: Ich bin eine von Euch, eine von denen, die täglich ihre Kopfnuss verabreicht kriegen. Kaufen also auch Sie bei Tulpe, derzeit Vertreterin von BAE; nein, nicht BUDO AKADEMIE EUROPA, sondern - gewissermaßen auch Martial Arts, witzig, was? - BRITISH AEROSPACE, genauer gesagt BAE Land Systems: landgestützte militärische Produkte, Panzer, Raketen, gepanzerte Fahrzeuge, Feuerwaffen, Sprengköpfe, elektronische Systeme. Tulpe bietet Ihnen das Geschoss der Zukunft, bietet es bleifrei, bietet die kontrolliert biologische Granate mit dem stark reduzierten Rauchausstoß, Panzer mit dem umweltfreundlichen Hybridantrieb, Sprengstoffe, die sich bei Nichtgebrauch kompostieren. Denn wir sagt Tulpe Inlands- und Auslandstulpen sind als kriegführende Köpfe, als Konfliktbewältiger, von Haus und Natur aus ein ethisches Unternehmen. Es sollen daher nachhaltige Tötungsgeräte gleich zur Heer-Stellung, hihi von Tulpennahrung dienen [1]. Tulpe möchte also nachhaltig den Fragenkomplex des leidigen Hungerproblems lösen. Tulpe möchte auch zeitgemäß eins sein mit ihrer Vorbildlandschaft, mit ihrer Natur, Stichwort Panzer bis Raumordung ist gleich Chitin bis Revier, möchte eins sein mit der, Tulpes Körper eigenen, inneren Rede, welche diese ihre Natur produziert. Eins also auch mit der - naturidentischen - Konstruktion von WIR erklärt Tulpe dem Kollektiv. Dass der Körper des Wir weiterlebt, auch wenn ich, sein Fingernagel, seine Schuppe, seine Hornhaut absterben muss: Wir anderen überleben!

WIR erläutert’s Wirtschaftsring-Genossenschaft Zürich, 1934 als Tauschring gegründet; die geldreformerischen Ziele, v. a. die zinskritischen Hintergründe gemäß Freigeldtheorie bald wieder aufgegeben. Seit das l’art pour l’art des Wertzeichenverkehrs en vogue ist, der reine Bezug von Wertzeichen auf Wertzeichen ohne Rücksicht auf die außermonetäre Welt freut sich Tulpe ist diese Referenztasterei nach irgendwelchen Lebensrealitäten, Tulpe sei Dank, Vergangenheit.

Tulpe, Tulpe rauscht’s aus dem Geschäft ich habe ja echt keine Lust, dauernd das Logo spazieren zu führen. Ja, denken Sie doch mal nach über die Kategorien des Innen und Außen, über den äußeren Text, der die innere Natur der Benutzer zum Besseren wendet, verfälscht, überwuchert! Denken Sie nach über die Verwendbarkeit der Vokabeln Fremdbestimmtheit, Überfremdung und antiautoritäre Erziehung, da eine nicht näher definierte Figur ihre Plastiktüte auf die verkehrte Seite dreht, eine Trägerin von zählendem Werbegewicht wider Willen; und da steht jetzt unsichtbar Tulpenverweigererin drauf, kontrastiert durch die Corporate-Identity-Farbe, und alle können das Zeichen lesen. Und es war vielleicht nicht das Denken, es war vielleicht nur der (allerdings geistgeborene) Futterneid, welcher diese - somit instinktive - Reaktion hervorrief, reflexionsgetarnter Reflex, eine ganz natürliche Angst, vom Fressnapf des Blumenbusinesskadavers verdrängt zu werden, die Sorge, nur noch Besteck für das Dinner anderer zu sein. He, was für ein Wechsel der Bilder erstaunt sich die Tulpenrede …

Exkurs zum Bild: Welches Bild der Tulpe meinen wir? Lässt sich überhaupt eine Natur des Tulpenbildes definieren? Der C4-Pool eines Herrn Olaf Posdzech - C4 für die Ebene der rationalen Beschreibung einer als real empfundenen Ebene der so genannten Wahrnehmungswelt zu verstehen - ist angetreten, das unerforschte Pflanzenbild der Tulpe durch Trituration (homöopath. für Verreibung) zu ergründen. Sein Team kommt nach zahlreichen Potenzierungsschritten zu folgender Charakterfeststellung: Die Tulpe ist der Archetyp des menschlichen Orgasmus durch den ausgekämpften Konflikt im vollen Dienst am Irdischen bzw. blablabla-Dings der Folgen. Bericht: Ich habe das Gefühl, meine Genitalien sind wie die Zwiebel und mein Herz ist wie die Tulpenblüte, und das nimmt überhaupt kein Ende und macht mich traurig, denn ich will das immer haben, wo ich doch weiß: Ich kann dann kein Mensch mehr sein. Das Bild der Tulpe macht ergo Dingsbums an der Menschlichkeit, an der Natur des Menschen. Da haben wir den Salat. Da werden Mensch-Eigenschaften gegen Tulpen-Eigenschaften ausgetauscht. Ja, wir haben da so ein Gefühl: Was des James-Bond-Widersachers Perserkatze ist ja dem osmanischen Sultan die Tulpe: die Blume, die er liebt an Menschenstelle; diese Liebe als Kontrastgrund, mit dem sich eine unmenschliche Handlungsweise wie die Ertränkung von 280 Haremsdamen - und zum Zweck ihrer Ersetzung! - zu einem Gemälde aus Tausendundeiner Nacht vereint. Ähnlich wurde im Holland des 17. Jh. die Tulpenzwiebel (von Persisch dulband bzw. Türkisch tülbent für Deutsch Turbantuch) plötzlich anstelle von Aktien gehandelt: Die Zwiebel als Symbolisierung der Börsen-Schrift, welche erfunden worden war, die Zwiebel zu ersetzen. Von der Kulturleistung der Aktienperformance in eine Zukunft des per Handschlag getauschten Objekts. Eine dekadente Geste von Wertpapierhändlern, welche die Realität des Fassbaren ganz offen zum Spielzeug Ihres symbolischen Handelns machten? Oder die holländische Tulpenzwiebel vielleicht doch zu sehen als das, die zukünftige Tulpe tatsächlich beinhaltende Objekt, nämlich Tulpenpotenzialität und gleichzeitige Zwiebelgegenwart? Verweisendes Logo und handfeste Ware in einem erklärt Tulpe eine frühzeitige Vorwegnahme heute erst geübter ökonomischer Identifizierungsexperimente - dies das relativierende Verständnis der so genannten Tulpenperversionen, das ich Ihnen anbieten könnte.

Leider gurrt Tulpe wünschen Sie ja, mich für seriös zu halten und damit einer Investition Ihrer Lebenszeit für würdig. Tulpe versucht neuerdings, mehr auf den persönlichen Kundenkontakt zu setzen sonst ritte ich an dieser Stelle natürlich ein wenig auf meiner Bein-Haltung herum. Strammes Gewebe, üppige Tönung, das alles könnte - plinker-plinker - für in der Zwiebel angelegt betrachtet werden. Mit dieser zu ihrem attraktiven Äußeren passenden Rede macht Tulpes Show durchaus den Eindruck eines erotischen Versprechens. Kristalltränenden Auges jedenfalls oder so ähnlich konsumiert das Früchtchen die Zwiebel, entfaltet seinen blühenden Körper daraus. He sagen Sie vielleicht an dieser Stelle muss denn heute wirklich alles sexualisiert werden? Na, jetzt sagen Sie bitte nicht, es käme Ihnen nicht seltsam vor, wenn nicht! Sowas bringt nun einmal einen gewissen Touch ins Ambiente des Handelsortes, nicht wahr? - Handlungsort, bittesehr, was’n'das? Ist das was zum Abgreifen oder was? Ah, gimme a LETUP, Honey, wirklich wahr! Is doch alles nur Worte, Orte, unn all sowas. Und Tulpe wirft Kusshändchen bedeutet doch heute nur noch tutti frutti, von der PET-Flasche bis hin zum LPTU ist gleich Language Proficiency Test of the West Indies - hach, wie mir das WWW nahezu jeden Buchstabenhaufen als ein Konzerngebäude in den nächsten Busch zaubern kann, was? Realisieren Sie das? Ich mach Sie an! Mach Ihre heißesten Vorstellungen klar. Mich reizt nämlich derzeit wahnsinnig ABBRE, Aktie von ABB Österreich: Wien, Wiener Neudorf, Linz, Salzburg/Wals, Innsbruck, Klagenfurt, Graz: Da ist die ganz fette Welt dran, nicht wahr? Sitzen knapp, die Shortcuts, ist REALPOESIE, sowas: Sie dazu zu bringen, Zeichenansammlungen dieser Art als geil zu akzeptieren. Da kriegt die Sache dann den Real State von Fakt. Tatsache bestätigt mir Tulpe: Wo immer Sie die Location der Handlung sind, an der der Fakt der REALISIERUNG der Welt abgeht, Tausch von Wort und Materie zett Bee. Na, schleimt Sie die an? Geht das runter wie Schmalz? Ich stelle fest sagen Sie, meine bisher nur halb überzeugten, ratlosen Börsen-Beginners, eine so genannte implizite Volatilität des ABBRE-Papiers von 37 Prozent. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz? Ach, verzweifeln Sie bitte niemals an hochfliegenden Begriffen wie Volatilität wie Vogel-Vau wie Flatterhaftigkeit von Finanzmarkwerten! Tulpe bestätigt gern ihr Einverständnis mit jeder Art von unverbindlichen sexuellen Kontakten. Werfen Sie säuselt Tulpe wenn Ihnen die Griffigkeit flöten geht, Ihre Suchmaschine an! ABB Wind Power Solutions unterstützt Sie gerne dabei. Oh, letup haucht Tulpe. Und Vorhang.

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[1] - Vgl. http://www.baesystems.com: We also have a contractual performance agreement with our waste management company, Cleanaway, in the UK to identify waste minimisation and recycling opportunities.

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Lisa Spalt

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Salon Littéraire | Florian Neuner : Aufruhr IV : Rheinhausen



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Salon Littéraire | Florian Neuner :

Aufruhr IV : Rheinhausen ( Aus : “Ruhr.Text” )

Die Krise des Ruhrgebiets nimmt möglicherweise die Entwicklung künftiger Krisenzentren vorweg. Wenn es an der Ruhr brennt, reicht das Wasser des Rheins nicht, um das Feuer zu löschen. Wenn die Bastion des Aufruhrs nach 160 Tagen fällt. Wenn man das Ergebnis als Niederlage bezeichnen muß. Wenn wir die Mechanismen der Macht begreifen. Wenn die Spannungen im Betriebsrat zunehmen. Wenn alles wieder auf systemstabilisierende Reformen hinausläuft. Wenn politische Lernprozesse stattfinden. Wenn sie nicht stattfinden. Wenn der Versuch der Tabuisierung bestimmter Kampfformen nicht gelingt. Wenn die Probleme tiefer liegen. Wenn der Rückgang industrieller Produktion nicht zur Erhöhung der Lebensqualität führt. Wenn eine Gewerkschaftsbewegung sich selbst aufgibt. Wenn eine fortschrittliche Kampfbewegung bestehendes Recht bricht. Wenn die Opfer des Kapitalismus & seiner Propagandisten in ihrem täglichen Leben die Widersprüche dieses Systems erfahren. Wenn die Mehrheit des Betriebsrats keine Möglichkeit mehr sieht, den Kampf mit Aussicht auf Erfolg weiterzuführen. Wenn der Vorstand der Krupp Stahl AG im Rahmen eines “Optimierungskonzeptes” den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen in Rheinhausen beschließt. Wenn der Gesamtbetriebsrat der Krupp Stahl AG diesem Konzept zustimmt.

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Unter der Voraussetzung, daß Ersatzarbeitsplätze geschaffen werden & alle Krupp-Standorte als gesichert gelten können. & nur zwei Monate später dann doch die Schließung des Rheinhausener Werks bekanntgegeben wird. Wochenlange Geheimverhandlungen der Vorstände von Krupp Stahl, Thyssen Stahl & der Mannesmann Röhrenwerke. Verteilung der Produktion auf Mannesmann & Thyssen. 3000 Stahlarbeiter der Nacht- & Frühschicht ziehen am 27. November 1987 vor die Hauptverwaltung, um vom Vorstandsvorsitzenden persönlich zu erfahren, was zwischen den Konzernen ausgehandelt wurde. Am Abend findet eine öffentliche Sitzung des Bürgercomités statt, das bereits 1979 gegründet worden war, um die Schließung des Bertha-Krankenhauses zu verhindern. Drei Tage später tritt im Walzwerk Rheinhausen unter Anteilnahme der Bevölkerung eine außerordentliche Betriebsversammlung zusammen. 10000 Menschen, Eier gegen den Vorstandsvorsitzenden. Später wird von einem Meilenstein der Gewerkschaftsbewegung die Rede sein. Am großen “Stahlaktionstag” kommt es in Teilen des Reviers zu generalstreikähnlichen Zuständen. Das kann selbst die bürgerliche Presse nicht leugnen. Mehrmals blockieren die Rheinhausener zusammen mit der Solidaritätsbewegung Straßen & Brücken. Greifen in die Straßenverkehrsordnung ein & erfüllen im juristischen Sinne den Tatbestand der Nötigung. Immer wieder gibt es Vorfälle & Ereignisse in Rheinhausen, die aus dem Rahmen fallen. “Wir planen & planen, zerbrechen uns den Kopf, dann kommt Thyssen mit einem Abbauplan, & alles war für die Katz.” Sagt der Oberbürgermeister a.D. “Die eigentliche Entwicklungsplanung für die Stadt betreiben die Konzerne.” Rheinhausen ist überall.

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Ein Fanal für die Arbeiterbewegung in Deutschland. Zahlreiche Arbeitskämpfe orientierten sich in den folgenden Jahren daran. “Rheinhausen” als letzter großer “Test”. Wofür? Wie viele Lügen geschluckt werden? Wie lange es dauert, bis eine Protestbewegung ins Leere läuft? Duldsamkeit in allen ihren Formen ist & bleibt der erste moralische Makel. Jede statische Ordnung zerfällt zu Staub. Früher oder später. Neue Kampfschritte & Kampferfahrungen sind vielleicht noch einmal etwas wert. Indem sie in die Geschichte geworfen sind, indem sie an der Arbeit & an den Kämpfen, aus denen diese Geschichte besteht, teilnehmen müssen, sind die Menschen gezwungen, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen. Werden Texte herübergeweht, die 20 Jahre alt sind oder 40. internationale sozialistische publikationen. Die Gesellschaft des Spektakels. Usf. Auf einem alten Photo sehe ich den Oberbürgermeister a.D. an einem Rednerpult mit der Aufschrift “Das Revier muß leben!”. Der Oberbürgermeister a.D. gestikuliert mit seiner rechten Hand, die beinahe aussieht wie zur Faust geballt. Ich sehe den Vorstandsvorsitzenden mit einem Stahlarbeiterhelm. Der Vorstandsvorsitzende duckt sich weg im Eierhagel. Am Rande einer Demonstration wird eine mit dem Namen des Vortandsvorsitzenden versehene Puppe verbrannt. Jugendliche scheinen Spaß zu haben an der Aktion. Wütende Stahlarbeiter (erkennbar an ihren Helmen) ziehen zur Hauptverwaltung. In ihrem Schwarzweiß wirken die Photos älter als sie sind. Die Erinnerung an die Arbeitskämpfe, die inzwischen 20 Jahre zurückliegen, wird gerne als “Nostalgie” denunziert. Die offizielle Lesart lautet, daß diese Arbeitskämpfe “sowieso nichts” gebracht hätten. Revolten seien sinnlos, weil es eben keine Alternative gebe. Was würde aus den Arbeitern werden ohne die Fabrikbesitzer, die so gut sind, sie zu beschäftigen? Ausgereizt - mehr war nicht drin! Aber war wirklich nicht mehr drin?

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Alles geht mit atemberaubender Geschwindigkeit vonstatten. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel verbreitet sich die Nachricht von der Stillegung des hochmodernen Stahlwerks in Rheinhausen. Groß ist der Drang, nicht herumzusitzen, sondern etwas zu tun. Die Arbeiter sind gut gerüstet. Am Wochenende beginnt sich der Widerstand zu formieren. Nun weiß auch der Letzte, daß die Kruppianer die Schließung des Werks nicht kampflos hinnehmen werden. Fesseln spürt man erst, wenn man sich rührt. Schnelle Zuspitzung & erste Höhepunkte. Geladen mit Zorn ziehen die Stahlkocher vor das Verwaltungsgebäude. Der Platz ist voll, die Stimmung wie vor einem Gewitter. Sie haben mit uns Verträge gemacht & diese Verträge auf beschämende Weise gebrochen. Da treibt man die Krupp’sche Belegschaft zur Arbeit an wie noch nie. Da wird die Belegschaft auf unerträgliche Weise dezimiert. & nachdem wir alle im Dreieck gesprungen sind, wird uns der Dolch in den Rücken geknallt. Aber wir leben noch, & wir werden uns zur Wehr setzen! Lautsprecherwagen fahren durch die Siedlungen & spielen die kämpferische Rede des Betriebsleiters ab, die als “mitreißend” erlebt wird & inzwischen als “legendär” gilt. Wem kann man in diesem Land noch trauen? Die Frage wird nicht beantwortet. Welchem Menschen, der in der Öffentlichkeit steht, kann man noch etwas abnehmen? Natürlich niemandem. & früher konnte man es doch wohl auch nicht. Man will uns hier Beruhigungspillen geben. Krupp’sche Arbeiter, nehmt diese historische Stunde wahr, um endlich das auszufechten, was wir ausfechten müssen! Der Betriebsleiter beschwichtigt aber auch: Hier ist nicht die Hafenstraße. Wir werden keine Gewalt anwenden. Die innere Anspannung platzt, ein unbeschreibliches Pfeifkonzert setzt ein. Wir wollen hier keine Schwätzereien. Wir wollen Aktionen, die diesen Standort Rheinhausen erhalten. Hier ist der Teufel los. Aber entgegen dem “Stahlpolitischen Programm” der IG Metall ist die Vergesellschaftung der Stahlkonzerne nicht Kampfziel.

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Der fünfmonatige Kampf der Rheinhausener hat viel bewegt. Ziel & Inhalt des Kampfes haben Maßstäbe gesetzt. Wenn dieser Kampf aber dennoch nicht erfolgreicher beendet werden konnte, dann lag das u.a. an der einheitlichen Front der drei beteiligten Großkonzerne. An der mangelnden Solidarität führender Politiker. Am Mißlingen eine standortübergreifenden Kampfes. Die Stahlarbeiter hatten aber gelernt aus der Stillegung der Hattinger Henrichshütte, die kurz zuvor durchgesetzt worden war & wo die Orientierung des Kampfes auf Ersatzarbeitsplätze & symbolische Aktionen statt Streik in die Niederlage geführt hatte. Die Losung hieß: “Kein zweites Hattingen”! Gewerkschaftsfunktionären & führenden Sozialdemokraten bereitete derweil die Fülle von Verstößen gegen die herrschende Rechtsordnung Sorgen. Die Kruppianer haben kollektiv die Arbeit niedergelegt, Werkstore blockiert, Lieferungen behindert & Räume, Telephone, Kopierer usw. für ihre Zwecke genutzt. Die Belegschaft übte zeitweilig die Kontrolle über die Produktion aus. Im alten Walzwerk wurden Solidaritätsveranstaltungen durchgeführt, an denen sich Zehntausende Menschen beteiligten, die auf dem Betriebsgelände eigentlich nichts zu suchen hatten. Massendelegationen besuchten andere Betriebe, Glastüren gingen zu Bruch, Hunderte Kruppianer belagerten den Düsseldorfer Landtag innerhalb der Bannmeile. All das ist im Sinne der herrschenden Rechtsordnung illegal & verstößt in den meisten Fällen gegen bestimmte Gesetze wie Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten, Nötigung usf. Eine fortschrittliche Kampfbewegung bricht bestehendes Recht & muß das auch tun, weil dieses Recht offensichtlich die Positionen einer gesellschaftsfeindlichen, aber mächtigen Minderheit schützt. Es gibt keinen ernsthaften Arbeitskampf ohne Risiko. Schließlich handelt es sich um Notwehr. Seid nicht zimperlich in der Wahl der Mittel, die gegnerische Seite ist es auch nicht! Der Oberbürgermeister a.D. erkennt an, daß im Arbeitskampf eine eigene Gesetzlichkeit herrscht, die sich seinem Einfluß entzieht. Die Bundesrepublik ist eine Klassengesellschaft, & das herrschende Recht ist das Recht der Herrschenden. Legitimität & Legalität liegen oft weit auseinander.

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Die erste Brückenblockade! Schnell spricht sich die Nachricht herum. Als die Frühschicht Dienstbeginn hat, sind es schon Hunderte. Bürger bringen Kaffee & Brötchen. Die Rheinhausener zeigen viel Verständnis für die Aktion, die Polizei leitet den Verkehr um. In ihrem Kampf gegen die Werkschließung können die Kruppianer auf ein breites Bündnis zählen. Schüler demonstrieren gegen den industriellen Kahlschlag, Einzelhändler helfen mit Spenden. Arbeiterfrauen gehen auf die Straße & organisieren eigene Proteste. Mit 20 Bussen fahren Kruppianer nach Bochum & verschaffen sich Zutritt zur Aufsichtsratssitzung der Krupp Stahl AG. Zwei Tage später stürmen sie die Villa Hügel in Essen, wo der Mutterkonzern Krupp GmbH tagt. Die Villa auf dem Hügel ist erst in Gefahr, wenn die Hütte in der Ebene bedroht ist. Versichert ein Pfarrer. Tags darauf, am sogenannten Stahlaktionstag, werden zahlreiche Kreuzungen & die B 1 in Dortmund bis zu acht Stunden lang blockiert. Wir schützen unsere Stadt! Hafenarbeiter blockieren die Hafeneinfahrt, um einen Erztransport für Krupp aufzuhalten. Die Anzahl der Beteiligten, die Protestformen & die Unterstützung in der Bevölkerung kommen offenbar überraschend. Die Wucht, die Respektlosigkeit & die Frische des Kampfes. Der 10. Dezember 1987 ist für die Herrschenden ein Alarmsignal. Dem Krupp-Vorstand ist klar, daß sich ein Flächenbrand zu entwickeln droht, der eingedämmt werden muß. “Läuft euch die Sache hier auch nicht aus dem Ruder?” Fragen auch besorgte Gewerkschaftsfunktionäre. Haben offensichtlich Angst, daß der Protest etwas bewirken könnte. Ohren zu & durch. Der Konzern antwortet mit Hinhaltetaktik & will mit dem Betriebsrat über Zukunftsmodelle verhandeln. “Wenn du heute als Betriebsrat zum Megaphon & zur roten Fahne greifen mußt, hast du schon verloren.” Meint ein Betriebsrat & Aufsichtsratsmitglied. Nicht durchsetzen können sich diejenigen, die eine sofortige Arbeitsniederlegung fordern. Der Betriebsrat, der auch im Aufsichtsrat sitzt, sagt. “Nein, das werden wir nicht tun. Wir werden arbeiten & werden wieder rausgehen aus der Arbeit. Wir gehen wieder arbeiten, & wir gehen wieder raus, d.h.: Wir werden keinen unbefristeten Streik machen, zumal ein sogenannter Schaukelbetrieb für das Unternehmen am teuersten ist.” Der sozialdemokratische Städtebauminister sagt: “Die übertriebene Dramatisierung der Situation in Rheinhausen kann ich nicht akzeptieren.” Die Zeit läuft.

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Auf einem Photo ist das Schaufenster eines Duisburger Lebensmittelladens zu sehen, in dem ein großes Transparent hängt: “Solidarität mit den Rheinhausener Krupparbeitern”. Das Geschäft bleibt für einige Stunden geschlossen. Ich sehe Bilder von der Besetzung der Rheinhausener Rheinbrücke, die damals in “Brücke der Solidarität” umbenannt wurde & diesen Namen inzwischen offiziell trägt. Es ist Winter, die Betriebsfeuerwehr schafft Brennkörbe heran, in denen mit Holz gegen die Kälte geheizt wird. Ein Pulk, der sich im Verwaltungsgebäude der Krupp Stahl AG in Bochum eine Treppe hinaufdrängt. Kruppianer besetzen den Sitzungssaal, stecken sich feixend & demonstrativ Cigarren an. Im Hintergrund ist ein Photograph zu sehen, der sich die Szene nicht entgehen läßt. “Vorsicht bissige Belegschaft” steht auf einem Transparent, das mürrisch dreinblickende Männer in die Villa Hügel gebracht haben. Man weiß, daß das vielen braven Gewerkschaftern schon zu weit gegangen ist & daß die Bissigkeit dieser Belegschaft seine Grenzen hatte - auch wenn es vorübergehend zu Irritationen kam. Der Sturm ins Allerheiligste. Es wird behauptet, daß für den Vorstandsvorsitzenden eine Welt zusammengebrochen sei, der sich von “seinen” Arbeitern geliebt wähnte. Eine Menschenmenge, auf vielen Köpfen weiße Helme, in der riesigen Eingangshalle der Villa Hügel, mit den Gemälden der damals schon ausgestorbenen Krupps an den Wänden, Rüstungsfabrikanten, Ausbeuter, Kriegsverbrecher. Kürzlich wurde in der Villa eine Ausstellung mit Werken aus dem Folkwang Museum eröffnet, & die Kritikerin des Deutschlandfunks hob die Dissonanz zwischen der plumpen Protzarchitektur & der zur selben Zeit entstandenen modernen Kunst hervor. Die auf allen Ebenen immer weiter vorangetriebene kapitalistische Entfremdung macht es den Arbeitern immer schwerer, ihr eigenes Elend zu erkennen & zu benennen. Sie stehen vor der Alternative, entweder ihr ganzes Elend oder nichts abzulehnen. Erst wenn wir die Mechanismen dieser Macht, die uns gängelt, ausbeutet & unterdrückt, begreifen, können wir nach dieser Macht greifen.

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War wirklich nicht mehr drin? Stellen wir uns nur z.B. vor, die Stahlkocher hätten die Hütte besetzt & in Besitz genommen oder es wäre zum Generalstreik gekommen. Oder die Villa Hügel in Essen hätte gebrannt. Der Aktivist, der in der Leitung der gewerkschaftlichen Vertrauensleute in der Hütte tätig war, sagt: “Ich war rasend, mir war alles egal. Der Film war gerissen.” Er las die von der Betriebsgruppe der Marxistisch-leninistischen Partei (MLPD) herausgegebene Betriebszeitung Heißes Eisen: “Die hatten geschrieben, was auf uns zukommt, & so kam es schließlich.” & arbeitete deshalb mit den Aktivisten der MLPD zusammen. So stellt man sich ins Abseits. Erhalt der Hütte um jeden Preis! Der Betriebsrat, der auch im Aufsichtsrat saß, sagt: “Wir haben natürlich als betriebliche Vertreter auf Erhalt des Stahlstandorts gepocht bis zum Schluß. Wir konnten aber auch gar nicht anders, wir konnten nicht sagen: Also wir gucken mal, daß wir einen ordentlichen Sozialplan hinkriegen oder daß wir nur Teile des Unternehmens retten. Es ging nur eins - Sieg oder Blut am Stiefel.” Also Blut am Stiefel. Rheinhausen paßte nicht ins sozialdemokratische Konzept. Es herrschte Rat- & Konzeptionslosigkeit. Nach dem Arbeitskampf entschloß sich die IG Metall, die unter den Stahlarbeitern dramatisch an Ansehen verloren hatte, zu einer Aufarbeitung, die allerdings nie veröffentlicht wurde. Es fehlte vor allem an einer strategischen Diskussion um die Zukunft der Stahlindustrie. Die starke Orientierung auf den eigenen Standort gab dem Kampf insgesamt einen eher defensiven Charakter & erschwerte auch den Einbezug der Standorte, die selbst nicht unmittelbar gefährdet waren. Möglicherweise hätten die Probleme & politischen Defizite überwunden werden können, wenn man Rheinhausen zum Modellfall schlechthin gemacht hätte. Von der Dimension, der Heftigkeit & der Publizität der Auseinandersetzung her hätten dafür sicherlich gute Voraussetzungen bestanden. Die Chancen, am Beispiel Rheinhausen eine arbeitsorientierte Alternative in der Strukturpolitik zu realisieren, wurde nicht wahrgenommen.

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Der Vorstand spielt auf Zeit & setzt darauf, daß die Auseinandersetzung in einer Verhandlungsphase in ruhigeren & berechenbareren Bahnen verlaufen würde. & er setzt auf die herannahende Weihnachtszeit. Aber am 18. Dezember nehmen 25000 Menschen an einer Demonstration teil, an die sich ein ökonomischer Gottesdienst im alten Walzwerk anschließt. & zu Weihnachten treffen sich wieder Tausende vor an der Mahnwache Tor 1. Seit Ende November ist das Mahnwachen-Zelt Tag & Nacht besetzt. Solange die Mahnwache steht, ist unser Kampf nicht zu Ende gekämpft. Im Januar kommt es zu einem Warnstreik von 50000 Beschäftigten in 63 Stahlbetrieben. 15000 Schüler & Auszubildende schließen gemeinsam mit den Arbeitern der Frühschicht eine Menschenkette um das Hüttenwerk. Stahlarbeiter aus Hattingen & Duisburg schließen einen “Pakt der Solidarität”. Am 14. Februar kommt es vor der Rhein-Ruhr-Halle in Duisburg-Hamborn zu einer denkwürdigen Abstimmung. Fast 6000 Vertrauensleute & eine starke Abordnung aus Rheinhausen stimmen bei einer Funktionärskonferenz der IG Metall gegen den Willen der anwesenden Hauptamtlichen für die sofortige Einleitung der Streik-Urabstimmung & die Vergesellschaftung der Stahlindustrie. In den offiziellen Publikationen der IG Metall wird jede Information über die Vorgänge vor der Rhein-Ruhr-Halle unterschlagen. Wie soll sich eine Gewerkschaft verhalten, wenn die Entwicklung im Betrieb eine Eigendynamik gewinnt, so daß die Betroffenen sagen: Jetzt nehmen wir das selbst in die Hand?

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Die Rheinhausener Bastion des Aufruhrs im Revier war nach 160 Tagen gefallen. Eine Schlacht ist verloren. Wie kann man aus den Fehlern lernen? Muß man die Richtung ändern? Eine Reihe von Möglichkeiten wurde nicht genutzt, die den Kampf wenigstens zu einem relativen Erfolg hätten führen können. Wie ernst ist das Argument zu nehmen, die Gewerkschaft wäre mit Regreßforderungen konfrontiert worden, wenn sie sich an die Spitze des Streiks gesetzt hätte? Arbeitskampfrisiko oder faule Ausreden? Wie weit kann, wie weit muß die Gewerkschaft in einer konkreten Kampfsituation gehen, will sie ihre Glaubwürdigkeit nicht verspielen? Sicher, es gibt keinen ernsthaften Arbeitskampf ohne Risiko. Dieses Risiko muß mit dem drohenden Versagen der Gewerkschaft in ihrer Schutzfunktion den Mitgliedern gegenüber & drohender Demoralisierung nach nachhaltiger Schwächung abgewogen werden. Schließlich sympathisierte die Bevölkerung von Tag zu Tag stärker mit dieser Belegschaft. Die Rheinhausener haben die Grenzen der Legalität immer wieder entschlossen, aber diszipliniert überschritten. Sie haben den Preis für polizeiliche & juristische Unterdrückungsmaßnahmen & für Maßregelungen durch den Krupp-Vorstand sehr hoch geschraubt. Niemand konnte es ernsthaft wagen, sie mit den Mitteln des bürgerlichen Strafrechts anzugehen. Die Bewegung hatte eine zu große Kraft entwickelt & zu große Sympathien auf ihrer Seite. Denn was ist das für ein Recht & was für eine Ordnung, die vertragsbrüchige Vorstände & politische Betrüger ungeschoren läßt? Warum stehen die bürgerlichen Parteien, einschließlich der Sozialdemokratie, einem solchen Existenzkampf so feindselig gegenüber? Warum stellen sich die Sozialdemokraten, die an Orten wie Rheinhausen ihre besten Wahlergebnisse erzielen, nicht eindeutig auf die Seite der Kämpfenden? Warum sind die Gewerkschaften so schwach aufgetreten? Ja, warum wohl? In dieser komplexen & furchtbaren Entwicklung hat das Proletariat in den Industrieländern völlig die Behauptung seiner selbständigen Perspektive & schließlich seine Illusionen verloren, nicht aber sei Wesen. Es ist nicht aufgehoben. Seine Existenz in der gesteigerten Entfremdung des modernen Kapitalismus dauert unerbittlich fort.

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Die Stahlkocher gehen im Mai 1988 nach mehr als 160 Tagen Arbeitskampf als Geschlagene vom Feld. Nachdem Konzernleitung & bürgerliche Parteien alle Hebel in Bewegung gesetzt hatten, um den Streik zu beenden. Nachdem der Streik mit der Aussicht auf Rettung durch die Landesregierung über die Köpfe der Mehrheit der kampfbereiten Stahlarbeiter hinweg abgewürgt worden war. Nachdem der Ostermarsch Ruhr seinen Auftakt am Tor 1 genommen hatte. Nachdem der Vorstand bei den Verhandlungen in Bochum bei seinen “Betonpositionen” geblieben war. Nachdem es noch einmal eine Galgenfrist gegeben hatte. Nachdem 20000 Menschen zu einem Aktionstag unter dem Motto “Rheinhausen ist überall” gekommen waren. Nachdem noch einmal Wochen mit Vermittlungsgesprächen vergangen waren. Nachdem die Ankündigung, bei einem schlechten Verlauf der Vermittlungsgespräche weiterzukämpfen, sich als rein verbal erwiesen hatte. Den Stillegungsbeschluß hat man nicht vollständig abwenden können. Ein Hochofen wird zwar vorerst erhalten, fällt aber fünf Jahre später einem neuerlichen Schließungsbeschluß zum Opfer. Der Betriebsrat sagt: “Die Leute sind nicht arbeitslos geworden. & wenn ich sie heute treffe, Samstag auf dem Markt, dann merkt man den Leuten ihren Stolz an, so ein großes Ding gedreht zu haben & sich politisch so nachhaltig in Erinnerung gerufen zu haben.” Der Pfarrer sagt: “Es gibt Heldenzeiten, die dauern nicht ewig. Ich sehe kommen, daß die Stahlindustrie hier einmal ganz verschwindet.” Der Arbeitsrechtsexperte meint: “Wenn ein Unternehmen sagt: ‘Wir wollen ein Werk schließen’, & die Arbeitnehmer sagen: ‘Ja, dann arbeiten wir nicht’, dann sagt das Unternehmen: ‘Wunderbar, das ist genau das, was wir wollen.’” Noch gibt es viele Hauptamtliche in den Gewerkschaften, Betriebsräte & Vertrauensleute, die zu der Schlußfolgerung kommen: Rheinhausen hat alles eingesetzt & doch alles verloren. Jede Hütte stirbt für sich allein.

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Fünf Jahre später: Ein großes Schild mit der Aufschrift Businesspark Niederrhein zeugt von der mühsamen Ansiedlung neuer Unternehmen. Hinter dem Schild ist eine riesige Freifläche. 1000 neue Arbeitsplätze sollten hier bald entstehen, von High-Tech-Firmen war die Rede. Inzwischen wäre die Stadt über jeden Klempner-Betrieb froh, der sich hier niederließe, denn bislang hat sich nicht ein einziges Unternehmen angesiedelt. Die Rheinhausener nennen den Businesspark auf dem Areal, das die Stadt Duisburg teuer von Krupp gekauft hat, “Is-Nix-Park”. Nur ein Gewerbe blüht: Prostituierte nutzen das Gelände für ihre Arbeit. Die beiden Anliegerstraßen im Businesspark sind nach von der Roten Armee Fraktion ermordeten Managern benannt. Später siedelt sich eine Porzellanpuppenmanufaktur & das Bildungszentrum des Altlastenversorgungs- & Altlastensanierungsverbands an. 10 Jahre später beginnt die Planierung der größten Industriebrache Duisburgs. Die Kosten trägt das Land. Die alte Walzwerkshalle wird abgerissen. Bis zu sechs Meter tief sind ihre Fundamente, die Überraschungen freigeben: Gänge & Lagerräume, von denen niemand etwas wußte. Wie sich die Bilder gleichen: Aufgebrachte Stahlarbeiter versuchen erfolglos die Krupp-Zentrale in Essen zu stürmen, um gegen den Versuch einer feindlichen Übernahme von Thyssen durch Krupp-Hoesch zu protestieren. 20 Jahre später sind die architektonischen Spuren des Hüttenwerks nahezu vollständig ausgelöscht. Sattelschlepper donnern über das Gelände, wo das Logistikzentrum Logport mit eigenem Hafenbecken & Anschluß an Schiene & Straße entstanden ist. Wer auf dem Logport-Gelände arbeitet, der ist nicht selten prekär beschäftigt & arbeitet für wenig Geld. Der Logport-Sprecher leugnet das gar nicht: “Es wird sicherlich nie möglich sein, auf dem Logport-Gelände wieder die alte Situation herzustellen, sowohl was die Arbeitsplatzzahl angeht als auch die Qualität oder das Lohnniveau, weil natürlich heute ganz andere Lohnniveaus üblich sind.” So verändern sich die Perspektiven. Mit Rheinhausen hat die Radikalität der Gegenwehr nur einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

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Muß man das Ergebnis als Niederlage bezeichnen? Kann man sagen, daß ein Kampf, der so viel bewegt hat, mit einer Niederlage geendet hat? Führt das nicht dazu, daß man künftig erst gar nicht anfängt zu kämpfen? Das ist doch beabsichtigt! Bleibt mehr als nur Erinnerung? Die Rheinhausener selbst haben das Ergebnis nüchtern als Niederlage eingeschätzt, weil das Ziel des Kampfes - Erhalt der Hütte - nicht erreicht werden konnte. Unsere Bemühungen um die Standortsicherung sind gescheitert. Wenn der Kampf nicht erfolgreicher beendet werden konnte, dann u.a. weil man es nicht bloß mit dem Krupp-Konzern, sondern mindestens ebenso mit Thyssen & Mannesmann zu tun hatte. Weil es um unternehmensstrategische Überlegungen ging, die auf den europäischen Markt gerichtet waren. Weil sich führende Politiker nach anfangs vollmundigen Solidaritätserklärungen offensichtlich dem Druck der Stahlkonzerne beugten. Weil ein Teil der Presse in der Auseinandersetzung mehr & mehr ordnungspolitische Probleme sehen wollte. Weil es nicht gelungen ist, den Kampf standortübergreifend zu führen. Die Belegschaft der Krupp-Hütte & die Bevölkerung Rheinhausens haben einen Kampf geführt, der mittlerweile schon geschichtliche Bedeutung erlangt hat. Durch die phantasievollen Aktionen hat die Bevölkerung des Ruhrgebiets ein neues Bewußtsein politischer Kraft erhalten & zu einem neuen solidarischen Umgehen miteinander gefunden. Pfeifen im Walde. Das Proletariat besteht aus der ungeheuren Mehrzahl der Arbeiter, die jede Macht über die Bestimmung ihres Lebens verloren haben & sich - sobald sie das wissen - wieder als Proletariat definieren. Als das in dieser Gesellschaft wirkende Negative. Die Krise des Ruhrgebiets ist gekennzeichnet von unakzeptablen Widersprüchen.

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Florian Neuner

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in|ad|ae|qu|at proudly presents : Die erste Blog- Portrait- Skulptur der Welt



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STATTHALTER UND CHIMÄREN

Da ging eben noch die Rede von den berühmt- berüchtigten Avataren - jenen Ersatzwesen , welche man sich ( dem indischen “Götzenbild” entlehnt ) bedient , um beispielsweise in der “Second World” herumzuspuken . Oder - platterdings auf ein briefmarkengrossen Bildchen reduziert - auf Netzplattformen , Foren und in den Kommentar- Fussnoten von Blogs .

Da ja auch wir in|ad|ae|qu|at sowohl mit einigen der geneigten Leser als auch im Autoren | Autorinnen des “Salon Littéraire” seit Jahr und Tag persönlich unbekannt sind und sozusagen im “Doppelblindspiel” miteinander verfahren , bleiben die wirklichen Gesichter unserer Gegenüber jenseits des Bildschirmes weitgehend Chimäre . Umgekeht kennen uns vieler unserer Gäste ebenfalls nicht von Angesicht . Was auch gut so ist und beabsichtigt , wollen wir doch weder unser Privatleben noch unser Konterfei aus dem Facebook hängen .

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CABINET DE PORTRAIT

Iinadaequat_AVATAR_copyright_Gundi_FeyrerNun hat uns allerdings am gestrigen Tage aus dem fernen Spanien die Nachricht von einem skulpturalen Cabinet de Portrait ereilt , wo unsere “Salon“- Autorin und in ihren “AUF- UND VERZEICHNUNGEN” ziganisch wilde Zeichnerin Gundi Feyrer tatsächlich ein Portrait des Blogs ins dreidimensionale Werk und damit in die Welt gesetzt hat .

Da haben wir ihn nun in Tat und Wahrheit , unseren in|ad|ae|qu|aten AVATAR , ohne auch nur je in Blickkontakt mit dessen Schöpferin geraten zu sein - so unverhofft wie wohlgeformt !

Was er an sich und WIE es dieser Avatar es in sich hat , sei im Folgenden vorgestellt : Der Sache zugleich den Werktitel entlehnend , hat Gundi Feyrer ihre Miniatur- Skulptur mit “inadaequat AVATAR” benannt .

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GUNDI FEYRER : “INADAEQUAT AVATAR”

Sind des die Tastatur- Finger oder der hier herrschende Kabelsalat , welche die Figurine als Attribut in Händen hält ? - Vielleicht auch die metaphorischen “loose ends” zum “Connecten” ? -

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Mütze und schwarzes Paletot sind jedenfalls nicht nur symbolisch , sondern recht konkret in feinster “striking likeness” gestaltet -

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Der statuarische Eindruck , den das Figürli auf den ersten Blick gewähren mag , trügt natürlich .

Als zollte die Künstlerin dem Ineinandergreifen der verschiedenen Ebenen , Räume und Teile dieses in die Tiefe der Seitenarchitektur und der Zeiten gestaffelten Web- Werks Reverenz , hat sie den “AVATAR” auf einem beweglichen “Fuss”- Podest angebracht , der es gestattet , die einzelnen Teile gegeneinander zu drehen .

Aber was heisst hier “Fuss” . . . ?!

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12 ( zwölf ) Füsschen an der Zahl sollen , wollen und werden uns durch die Monate tragen - geschehe und gehe dies nun vorwärts oder zurück !

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MIT GUTEM GRUND

Iinadaequat_AVATAR_copyright_Gundi_FeyrerDa aber keiner ( auch kein Blog ) gut geht und sauber baut auf unsicherem oder zweifelhaftem Grund , hat uns Gundi Feyrer vor- und fürsorglich ein “Blog- Haus” in das Muster ihres zugurunde liegenden Teppichs gewebt .

Bleibt uns zu hoffen , dass wir bei unserem Tun “the figure in the carpet” ( Henry James ) nicht verlieren ….

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NAMENTLICH

Dass und wie wir unsere wahre Gestalt hinter dem “Nom de guerre de plume” vordergründig verbergen : auch dies hat Gundi Feyrer bedacht . Der Schriftzug “in|ad|ad|ae|qu|at” umhüllt und umrundet förmlich die Gestalt dieser anmutigen “AVATAR”- Figur .

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Good Gundi : Wer möchte da nicht - ausgestattet mit einem so poetischen Penaten - ermuntert und wieder ein wenig hoffnungsfroh dem , das da kommen mag , die bemützt- geschützte Stirne bieten ?! -

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KLANGAPPARAT

Die Fortsetzung unseres Mini- Portraits des Hamburger Netlabels plainaudio führt uns - in der Kategorie “Electronica” - nach Graz . Dort hat nicht czz-hoerempfehlungnur unsere “AVATAR”- Schöpferin einige Lebens- und Werkabschnitte verbracht , sondern hat ( siehe höre l a r i d a e ! ) ja auch eine feine Musikalienhandlung etabliert . Aus dieser gibt der Simon Hafner aka Simon/Off ( MySpace ) seine angeblich von der weiland Wiener elektronischen Schule beeinflussten “Praterbreaks” ( Labeltext ) zu hören . Aber keine Angst : Die EP “Crime” sieht wesentlich martialischer aus , als sie klingt , ohne dabei den “Wurschtel” zu machen . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Easy | 02. Away | 03. Begin | 04. Crime |||