Tag Archive for 'sprache'

donaueschinger musiktage 2008 | finale : eine FR- presse- perle



|||

LOGO LITERATUR ALS RADIOKUNAls Anhang und Abschluss zum hellhörigen Geschehen am Schwarzwaldrand : Hans- Klaus Jungheinrich feingetuned in der ‘Frankfurter Rundschau‘ über Festival , dessen Geist und poetisches Preisen . In|ad|ae|qu|at dokumentiert .

|||

HANS- KLAUS JUNGHEINRICH : DONAUESCHINGER MUSIKTAGE - DIE WUT DER BLASMUSIK ( FR , 21. 10. 2008 )

Eine schon traditionell gewordene Podiumsdiskussion als Entrée der Donaueschinger Musiktage blieb 2008, obwohl lauter kluge Leute beteiligt waren, zwar belanglos, aber ein dabei geäußerter Gedanke von Enno Poppe verdient Beachtung. Der 39-jährige Erfolgskomponist beschrieb seine Arbeit des Tönesetzens als “Forschung”, als eine nahezu wissenschaftliche Tätigkeit. Und ihre Wichtigkeit manifestiere sich nicht im Hervorbringen von Meisterwerken. Nicht ohne Pfiffigkeit lenkt Poppe den Hörer von der immer latent erwarteten Epiphanie des außerordentlich Gelungenen ab. Nach einer (fast schon wieder durchlöcherten) ästhetischen Grundsatzentscheidung gegen das “Kunst-Werk” in der Spätphase der Moderne ist Poppes Haltung die scheinbar ideologiefrei pragmatische eines Töneerfinders, der sich gegen Kunsturteile wetterfest macht.

Forschung und Experiment also. Bei aller Begrenztheit, Brüchigkeit dieses Ansatzes ist dessen Berechtigung gerade in Donaueschingen unumstritten. Kultstatus genießt das immer überlaufenere Herbst-Wochenende, weil es hier um nichts anderes geht als um die Vorstellung brandneuen Klangmaterials. Das Uraufführungsforum lässt einer besonnenen, resümierenden Rückschau auf exempla classica jüngst vergangener Jahrzehnte kaum eine Chance. Dank einer Finanzaufstockung der Siemensstiftung waren die Konzertaktivitäten 2008 opulenter denn je; und kaum vernehmbar auf diesem Zauberberg die Notschreie der Bankenkrise aus dem Tiefland.

AUF LYRIK GEBAUTE RADIOKUNST

Dem Aspekt des Forschens entsprach am allerbesten vielleicht ein Radiohörstück des Österreichischen Rundfunks (ORF), das den Karl-Sczuka-Förderpreis zugesprochen bekam. Die Lyrikerin Anja Utler benutzte in “suchrufen, taub” ausschließlich Wortmaterial, das sie in Silben zerlegte, permutierte, rhythmisierte. Das Spiel mit dem immer wieder aufblitzenden und gekappten Wortsinn, der zerstückelten Grammatik, wurde räumlich erfahrbar als die vervielfachte Autorinnenstimme, die der spröden Zweidimensionalität der Textzeile und Buchseite entkam und technisch hergestellte Plastizität erlangte. Im Endeffekt geht das nicht sehr über “konkrete Poesie” à la Dada oder Rühm hinaus, doch gegenüber historischen Reminiszenzen überwiegt doch der Eindruck einer erfrischten, neugierigen Annäherung, einer Forschung, die gleichsam von anderer Seite zu ähnlichen Ergebnissen kommt, wie sie bereits vorliegen.

Eine auf Lyrik gebaute Radiokunst mag hermetisch und nur für eine spezielle Ästhetenzartheit attraktiv sein. Das Forschungsinstrument des israelisch-schwedischen Komponisten Dror Feiler scheint eher der Hammer zu sein. Zwei seiner Brachialstücke unter dem Brecht-Motto “Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit” rahmten als mächtige (P)Feiler die Musiktage und rammten sich schmerzhaft in die Gehörgänge eines seltsamerweise wenig durch Popmusiklautstärken gestählten Publikums. In den “Cantos de la columna vertébral” zeigt Feiler einen Videofilm mit kolumbianischen Rebellen (von hinten, damit man ihre Gesichter nicht erkennen kann). Zu klassenkämpferischen Lesetexten handhabt Feiler selbst ein schrilles Sopransaxophon in frenetischem Dauerfortissimo. Der mit der Video- und Text-Botschaft kombinierte Lärm ist - vor allem, da er vom Autor selbst produziert wird - sprechender “Kommentar” genug, andererseits aber doch zu verfremdend, um als altmodischer Agitprop zu funktionieren.

Ähnlich das als Schlussveranstaltung zelebrierte Feiler-Stück “Müll” unter stumm-mahnender Beteiligung eines neben dem Podium postierten Müllautos und der martialisch in den Saal einziehenden städtischen Blasmusik. Deren Emanationen muteten indes äußerst gesittet an im Vergleich zu dem wüsten Durcheinander, das vom Klangforum Wien und zwei unentwegt emphatisch röhrenden Vokalsolisten zu hören war - Texte von César Vallejo wurden dabei nur zum Anlass ihrer Zermalmung herangezogen. Schwer zu trennen ist bei Feiler die pure Lust am anarchischen, gar chaotischen Bramarbasieren und der Impuls einer politischen Radikalität, der nur noch in Chiffren spontaner Gewaltförmigkeit ein Ausdrucksmedium für Verzweiflung und Wut zu finden glaubt. Jedenfalls stellt sich Feiler als ernst zu nehmender “Forscher” auf dem Gebiet der politischen Ästhetik dar, einer heute weniger denn je abgetanen Sache.

Experimentell zugange waren die Musiktage auch mit einer neuen Veranstaltungsform, die dem Druck der Uraufführungsquantitäten gehorchte und am Haupttag ein siebenstündiges Mammutprogramm erbrachte. Die Gefahr einer öden Magazinierung wurde dabei geschickt gebannt, weniger durch die Gegenüberstellung dreier hochkarätiger Instrumentalensembles (des ensemble modern, des Klangforum Wien, des Ensemble Intercontemporain), die der Kritikerkollege Gerhard R. Koch hellsichtig als Variante der “Drei Tenöre”-Auftritte erkannte, eher durch die interessante Praxis der Doppel-Uraufführung einiger ausgewählter Stücke durch verschiedene Klangformationen.

( … )

Natürlich brauchte man auch diesmal auf die liebgewordene Kategorie des “Meisterwerks” nicht zu verzichten. (Man begegnete ihr in zwei Séancen des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, exzellent geleitet von Pierre Boulez bzw. Sylvain Cambreling.) Auf sehr verschlungene Weise näherte sich ihr der 77-jährige portugiesische Komponist Emanuel Nunes in seinem großen Orchesterwerk “Mort et vie de la mort”, Extrakt einer immens dimensionierten Oper nach Goethes “Märchen”, eine Musik der existentiellen Erfahrung und unbeirrbarer persönlicher (auch musiksprachlicher) Standhaftigkeit. Ähnlich subjektiv, wenn auch weniger von durchgängigem Passionston gezeichnet Isabel Mundrys “Ich und Du”.

Konträr dazu vermittelte Enno Poppe leichthändige Meisterschaft in seinem Stück “Altbau”, in dem sich phantasievoll mutierende Klischeefiguren in bequem bezugsfertigem Orchesterklang einhausten. Es war dann aber doch schön, dass der Kompositionspreis des SWR-Sinfonieorchesters nicht diesem geschmeidigen Opus verliehen wurde, sondern dem mehr als 40 Jahre alten “Quintet for Groups” des 82-jährigen Amerikaners Ben Johnston, eines urig-kernigen Vertreters der anarchischen Musikforscherecke von Ives, Ruggles und Partch. Johnston versteht sich hier aber auch als ein minuziösen Klängen Nachlauschender, etwa in den zeitweise dominierenden Parts der im Vierteltonabstand gestimmten zwei Klaviere und zwei Harfen. Forschung und Meisterwerk schließen einander nicht aus.

|||

LINK

  • FR- Link ( erfahrungsgemäss nicht persistent )

|||

RELATED

|||

donaueschinger musiktage 2008 | track one : Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst



||| RADIOKUNST IN SPORTIVEM AMBIENTE | THOMAS MEINECKE & DAVID MOUFANG | ANJA UTLER | FAZIT | DIE PREISE | DIE WERKE | DIE JURY | DIE SENDUNGEN | LINKS | RELATED

RADIOKUNST IN SPORTIVEM AMBIENTE

sczuka logo turnhalle

Hoch hinaus - mit sportlicher Erdung

Den diskreten Charme von Schulsport- und Turnhallen durfte geniessen , wer den beiden Veranstaltungen zum Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2008 beiwohnte . Mit dieser informellen Verortung wurden ebenso akustisch praktikable wie auch für Skeptiker niederschwellig aufzusuchende Räume gewählt . Und damit - wie SWR- Intendant Bernhard Hermann im Zuge seiner Rede zur Verleihung der international renommierten Auszeichnung für avancierte Werke der Radiokunst hervorhob - sei ein weiterer Schritt buchstäblich in Richtung auf ( künftige ) Hörerschichten vollzogen .

Hermann erinnerte dabei an den kürzlich verstorbenen Wort- Kunst- Komponisten Mauricio Kagel , im Jahr 1970 Laureat des seit 1955 vom SWR ausgelobten Preises :

Zuvor war die Preisverleihung ein hausinterner Akt in den Diensträumen des Intendanten in Baden- Baden [ gewesen ] . So auch noch im Jahr 1970, als Kagel selbst zum ersten Mal den Karl- Sczuka- Preis bekam, der sich damals gerade von einem ‘Preis für Hörspielmusik’ zu einem ‘Preis für radiophone Produktion’ zu wandeln begann. Kagels Preiswerk, “(Hörspiel) - Ein Aufnahmezustand” war das Signal für eine neue Ära des Preises und es stand für den Aufbruch des so genannten Neuen Hörspiels. Nach der Preisverleihung schlug Kagel dem damaligen SWF- Intendanten Helmut Hammerschmidt vor, den [ Preis ] mit den Donaueschinger Musiktagen zu verbinden - und so ist es nun seit 1972 schöne Tradition, ihn hier zu überreichen .

Ob Schulsporthallen - wie von Bernhard Hermann des Weiteren angedeutet ( “Sport ist in der Regel ein beliebtes Schulfach” ) - freilich bei allen Beteiligten für notwendig positive Assoziationen sorgen , muss ( nach Ergebnissen einer informellen und nicht repräsentativen Umfrage unter den künstlerisch Beteiligten ) fraglich bleiben . In Rechnung mag man freilich gerne stellen , dass sich Methoden und Manöver der schulischen Körperertüchtigung im Laufe der vergangen dreissig Jahre vermutlich vom schieren Drill und der Demütigung pubertierender Leiber glücklich fortentwickelt haben .

Die Bodenmarkierungen der Basketballhalle erwiesen sich jedenfalls als nachgerade ideale Guidelines für einen grosszügig dimensionierten 5.1. - Raumbeschallungs- Aufbau , wie für die Wiedergabe von für Anja Utlers knapp 12- minütigem Hörstück “suchrufen , taub” nötig . Es ist bemerkenswert , dass die Produktion aus der Reihe LITERATUR ALS RADIOKUNST des ORF- Kunstradio das erste Mehrkanal- ( Surround Sound- ) Preiswerk in der Chronik dieser Auszeichnung darstellt .

An zwei aufeinander folgenden Vormittagen wurden die Preiswerke - einmal im Kontext der eigentlichen Preisverleihung und den Laudationes sowie ein weiteres Mal gefolgt von einem Gespräch mit deren Schöpfern , resp. dem in beachtlicher Menge erschienenen Publikum ( 9:30 H ! ) vorgeführt . Ein radikal auf die Stimme , deren Poesie und räumliches Splitting reduziertes Kurzstück wie Anja Utlers knapper Zwöfminüter hatte es selbstredend ein wenig schwer , gegenüber der von saftigen Grooves und kräftigen Basslines getragenen Gemeinschaftsarbeit Thomas Meineckes und David Moufangs ( “übersetzungen | translations” - 52 Minuten ! ) zur Wirkung zu kommen .

Was die beiden Preiswerke weiters unterschied , war , dass der Hauptpreis an ein vielseitig medienkunst- , sound- und radioerfahrenens Duo ging , der Förderpreis an das radiophone Erstlingswerk einer poetischen Einzelgängerin .

|||

THOMAS MEINECKE & DAVID MOUFANG

David_Moufang_Thomas_Meinecke_Hans_Burkhard_Schlichting_Sczuka_Preis_2008

David Moufang , Thomas Meinecke , Hans Burkhard Schlichting

Jurysprecher Frank Kaspar rekapitulierte die seit Moufangs Realisierung der Hörspielfassung von Meineckes Roman “Tomboy” ( Buch 2000 , suhrkamp | Hörspiel , BR 1998 ) zehn Jahre lang währende Zusammenarbeit des Duos , wobei er als Novum von “übersetzungen | translations” die fortgeschrittene Durchdringung von “Sprache” und “Sound” hervorhob :

Die Ausgangsidee war, einmal nicht von von einem schon vorhandenen Text auszugehen, sondern ein Stück von vorneherein aus dem Zusammenspiel von Sprache und Musik zu entwickeln. Das gesamplete Sprach- Material sind hier einzelne Buchstaben: Thomas Meinecke hat die Tastatur seiner Schreibmaschien auf das Keyboard eines Symthesizers übertragen, indem er im Hörspielstudio des Bayerischen Rundfunks alle Buchstaben des Alphabets - einmal in deutscher und einmal in englischer Aussprache - in allen 12 Tönen der Tonleiter gesungen und aufgezeichnet hat. Seine Stimme liegt auf Taste, als er in David Moufangs Aufnahmestudio nach Heidelberg kommt.

Aus diesen Samples lassen sich zehn relativ willlkürlich | spontan gewählte lexikalische Sigifikanten ( von “Glockenblume” | “daffodil” bis hin zu “Henry Kissinger” ) synthetisch in frei verfügbaren Rhythmen und Klangfarben buchstabieren und ergeben im Mix mit elektronischen und analogen Klängen einen organischen musikalischen Flow : Linguistik als tanzbares Mantra bis hin zur Auflösung semantischer Gehalte im quasi instrumentalen Loop .

|||

ANJA UTLER

David_Moufang_Thomas_Meinecke_Hans_Burkhard_Schlichting_Anja_Utler_Sczuka_Preis_2008

Gruppenbild mit Anja Utler

Im Effekt des lautlichen , morphologischen und semantischen Aufbrechens und Neuformierens von Wort- und Sinngestalten sind - man vernimmt’s mit Erstaunen - Meinecke | Moufangs und Anja Utlers Arbeiten einander näher als es groovende Fülle und konzentrierter Takt zunächst vermuten lassen : Auch Anja Utlers Stück ist ausschliesslich im Hinblick auf eine audiophone Realisierung entstanden und wurde - den Möglichkeiten der fünfeinhalb Surround- “Stimmen” entsprechend - in eine quasi Mallarmé’sche Partitur gefasst .

Die Stimme spricht , unterbricht , doppelt und synkopiert den Wortlaut in verschiedenen Sprachen , hart an der Grenze von Einzelsilbe bzw. -Laut . Auch in “suchrufen , taub” entstehen also Loops , wenngleich unregelmässiger und irritierender getaktet als die am repetitiven Techno orientierten Sequenzen von “übersetzungen | translations” . Wobei das ( auch noch im Stereo- Downmix vernehmliche ) “Wandern” der Stimme im räumlichen Spektrum der Arbeit zusätzliche Dynamik verleiht .

… und tatsächlich hat gerade die Souveränität und Präzision, mit der Anja Utler die Möglichkeiten der räumlichen Gestaltung für ihr Radiostück genutzt hat, in der Jury grosse Zustimmung gefunden. ‘Der Körper, an dem die Strömungen des eigenen Munds vielleicht aufbrechen, verbleibt im Raum des Ungesehenen und Ungehörten‘, schreibt Anja Utler selbst zu ihrem Stück: ‘Er gibt nicht direkt Laut, aber er treibt Laute hervor.’ Die Genauigkeit, mit der sie sprachlich die Balance hält zwischen Konkretion und Abstraktion, mit der sie physische Details benennt aber die Körper dann doch durch Ausweichbewegungen der Beschreibung selbst auf offener Bühne verbirgt, macht die grosse Qualität dieses Textes aus, der mit dem exakten Timing ihres Vortrags überzeugend ins Radio findet.

|||

FAZIT

sczuka turnhalle

Raum für auditives Team- und Timing- Training

Was hier im Metadiskurs nach “strenger Kammer” tönt , nimmt sich als konkretes Hörerlebnis absolut plausibel aus . Und so fanden im Turnsaal zu Donaueschingen zwei Werke zusammen , deren Inspirationen und kulturelle Bezüge wohl differenter nicht sein könnten , als deren Ergebnis indes jeweils eine distinkte auditive Erkundung der Fundamente der Wörtlichkeit steht . Ein Schürfen im Bergwerk der gesprochenen Sprache .

Hier hat eine Jury für einmal “nicht aus jedem Dorf einen Hund” gewählt , um diversen Ansprüchen zu genügen , sondern zwei Arbeiten auserkoren , welche auf differenten Wegen zu korrespondierenden Ergebnissen gelangen .

Mit Ausnahme der problematischen Relation der höchst unterschiedlichen Abspielzeiten - hier 11:49 und dort 52:09 - hätte man sich kein besseres Team im Trainingsraum radiophoner Rede wünschen können . Auch für künftiger Hörer aller Generationen wäre es produktiv , beide Werke auch weiterhin in Korrespondenz wahrnehmen zu dürfen . Voraussetzung dafür wäre freilich - Gentlemen’s first ! - , die Spieldauer beider Werke einander anzunähern .

|||

DIE PREISE | DIE WERKE

|||

DIE JURY

|||

DIE SENDUNGEN

|||

LINKS

|||

RELATED

|||

MICRO | -NOTE | -QUOTE : “Big Data” und Poesie



czz-micro-note-quote-sourcne-aiga-airport-pictos-copyright-free-

Wie im Zeitalter der Petabytes ( 10 hoch 15 = 1.000.000.000.000.000 bytes ) Datenmengen überhaupt noch sinnvoll zu analysieren seien , erkundigt sich WIRED beim Datenforscher und Computerkünstler Martin Wattenberg ( IBM’s Watson Research Center in Cambridge , Ma. ) .

Bemerkenswert ist , wie der Mathematiker mit einer zweistufigen Metapher antwortet .

In einem ersten Schritt bedient sich der Zahlenforscher der Metapher der Sprache , um diese ( z. B. als Wortfrquenzen ) wiederum in Schaubilder zu “übersetzen” . Für Schritt Eins entsteht solcherart eine treffliche Definition der “Datenverdichtung qua Poesie” :

Language is one of the best data-compression mechanisms we have. The information contained in literature, or even email, encodes our identity as human beings. The entire literary canon may be smaller than what comes out of particle accelerators or models of the human brain, but the meaning coded into words can’t be measured in bytes. It’s deeply compressed. Twelve words from Voltaire can hold a lifetime of experience.

Schritt zwei - z. B. die Darstellung von Wikipedia- Edits in Form von Balkengrafiken - führt direkt in die reizvolle Interzone zwischen Infografik und Bildender Kunst .

Martin Wattenberg Big Data Vizualisation

( Tausende , von einem einzigen Software Bot durchgeführte Wikipedia- Redaktionsvorgänge , wobei die Farben einzelne Themenseiten anzeigen . Bild : Fernanda B. Viégas , Martin Wattenberg , Kate Hollenbach )

|||

Mark Horowitz : Visualizing Big Data : Bar Charts for Words ( Wired , 23. 6. 2008 )

|||

KLANGAPPARAT

Klingt im Auftakt zwar meist jazzig- vielversprechender , als es der Verlauf der Stücke später tatsächlich einzuhalten vermag , doch soll man ja czz-hoerempfehlungauch schöne Anfänge schätzen : Die Akkorde der wohligen e- piano- Klangfarben beschränken sich in Differenz zur oben gezeigten Grafik auf eine eher zählbare Palette , verweigern sich allerdings im Hinblick auf weitere Soundzutaten keinem Genre . Dub , Latin , Sprachloops : Hat alles gut Platz in den fächelnden Sphären der “Space Adventures“- EP . Vielleicht sollte man das Angenehme einfach mal mit dem Kühlenden verbinden ?! - Der Klangventilator Deymare stammt immerhin aus Finnland und das gastgebende Netlabel white in music bürgt für minimalistische Qualität . Von den Remixern Paskal und Verano haben wir ja schon andernorts gehandelt . CLICK LINKS TO LISTEN : 01. Cosmic Love | 02. Great Space Explores | 03. Cosmic Love - Fineline Rmx | 04. Cosmic Love - Verano Rmx | 05. Cosmic Love - Paskal Rmx |||

THE IMPORTANCE OF BEING ERNST : Ernst von Glasersfeld liest in Wien



||| ERNST VON GLASERSFELD : WEGBARKEIT & KYBERNETIK | ERINNERUNGEN ZU LEBEN UND FORSCHUNG | SYNTAX AM SPERRHOLZCOMPUTER … | … UND IN DER AFFENSCHULE | EHRUNG UND LESUNG | KLANGAPPARAT | HINWEISE | LINKS

ERNST VON GLASERSFELD : WEGBARKEIT & KYBERNETIK

Speak papunet netDie Erfahrung erst macht uns zu Wissenden . Und zwar nur jene Erfahrung , die ihren Zweck erfüllt . So wachsen wir in unsere Sprache hinein , indem wir permanent die abstrakten “Begriffe” mit unserer Erfahrung abgleichen . Ober im Kontext der sozialen Interaktion . Wo die Konstruktion unserer Begriffe und Wörter keine Wegbarkeit zum Ziel unserer Absichten gewährt , adaptieren wir unsere System , bis sich endlich die gewünschte Wegbarkeit einstellt .

Ernst von Glasersfeld ( Jahrgang 1917 ) , der grosse österreichische Humanist , der frühe Mitdenker der Kybernetik und Computerlinguistik , hat seine Einsichten in die Differenzen sprachlicher Welt- und Begriffsbilder früh von einem kosmopolitischen Elternhaus mit auf den Lebensweg bekommen , später anhand der Exilerfahrungen in Irland und Australien vertieft , letztlich am pragmatischen wissenschaftlichen Improvisieren quer über die Disziplingrenzen hinweg an verschiedenen amerikanischen Universitäten und Forschungsstätten zum Prinzip erhoben .

Glasersfelds Gedanke der “Viability” , anhand welcher wir die Vorstellungen korrigieren , die wir uns von einer “Wirklichkeit” konstruieren , die uns nicht anders als via individuelle Erfahrung ( und deren kommunikative Spiegelung | Brechung | Abgleichung ) wissbar ist , ist ein zutiefst liberales Modell . Und die Emanation eines Humanismus , welcher weder Doktrinen noch Ontologien anerkennt . |||

ERINNERUNGEN ZU LEBEN UND FORSCHUNG

Speak papunet netWir haben die Lebens- und Denkgeschichte dieses unorthodoxen Denkers an dieser Stelle schon einmal vorgestellt , nämlich im Hinweis auf jene herrliche Audio- Aufnahme ( supposé ) , in welcher Glasersfeld frei und in schönstem Prager Deutsch ( s ) Eine persönliche Geschichte des Radikalen Konstruktivismus erzählt .

Gegenlesen lässt sich die Historie einer - auch in Beobachtung und Formulierung ausgeprägten - “Herzensbildung” in den eben bei Folio erschienenen “Unverbindlichen Erinnerungen . Skizzen aus einem fernen Leben” . Der Ausdruck “unverbindlich” bezeichnet , so Glasersfeld im Vorwort , den Abstand von der Behauptung ,

dass meine Aufzeichnungen in einem objektiven Sinn wahr seien . Ich erzähle , was mir in der Erinnerung zu rekonstruieren gelingt, und weiss dabei, dass es damals wahrscheinlich nicht ganz so erlebt wurde. Darum nenne ich diese Erinnerungen unverbindlich, denn sie sind einerseits unvollständig und andererseits durch meine vorlieben und Abneigungen geprägt.

Die Lektüre dieses - in Wissenschaftsfragen und einzelnen Lebensabschnitten selbstredend detaillierteren - Buches ruft Passagen , wenn nicht gar seitenweise wortgleiche Formulierungen von der 2005 erschienenen CD- Ausgabe ins Gedächtnis . Vom “Kick” der gemeinsamen Lektüre des eben erschienenen “Finnegans Wake” im Dublin des Jahres 1939 ( wo “etwa fünfzehn Leute , die zusammen für einige zwanzig Sprachen zuständig waren” sich kurz , aber intensiv ans mühevolle Dechifrieren der Joyce’schen Sprachtextur machten ) bis hin zur späten , ja “nachträglichen” Entdeckung der Ideen Jean Piagets:

Piagets Ausspruch Die Vernunft organisiert die Welt, indem sie sich selbst organisiert wurde zum Leitgedanken meiner Arbeit (….) . Mit der Idee, dass die Vernunft sich auf der Suche nach mentalem Gleichgewicht selbst organisiert, hatte Piaget einen Grundpfeiler der Kybernetik vorweggenommen ( … ). Wir sind nur fähig, uns ein mehr oder weniger dauerhaftes Modell einer Welt zu machen, wie sie uns in nserer Erfahrung erscheint. Die Frage, ob und wie diese Erfahrung mit etwas zusammenhängt, dass ausserhalb liegt, kann unsere Vernunft nicht ergründen, und darum bleibt sie Spielplatz der Mystiker und Metaphysiker. |||

SYNTAX AM SPERRHOLZCOMPUTER …

Speak papunet netHerrlich die Passagen über den “Sperrholzcomputer” , welchen das kybernetische Mailänder Forschungsprojekt zur Entwicklung eines Systems zur maschinellen Erfassung und Kodifizierung englischer Sätze im Ballsall eines alten Palazzos einrichtet . Da es 1962 am Zugang zu Computern mangelte ( man durfte nachts den Grossrechner einer Bank benutzen ) , ersetzte man die Maschine durch riesige Sperrholztafeln , die als “statische Attrappe” und gleichzeitig visuelles Modell der Operationsschritte dienten , ehe das so erstellte Programm- Modell tatsächlich durchgerechnet werden konnte . |||

… UND IN DER AFFENSCHULE

Speak papunet netBerührend ( und nicht lediglich als Tiergeschichte ) der Bericht über die Arbeit mit der Schimpansin Lana ( 1970 ) , die auf eine Reihe von abstrakten Symbolen ( “Lexigramme” ) trainiert wurde und diese dann per Computertastatur und mit Blick auf eine Art Bildschirm zu Syntagmen zu reihen verstand . Der Hohn der damals herrschenden Skinner- Behavioristen war dem Projekt sicher . Gleichwohl erwiesen etliche Beobachtungen , dass das Tier imstande war , per Reihung von Symbolen ( = “Bildung von Sätzen” ) auch Wünsche jenseits des Magen- und Belohnungsschemas auszudrücken :

Zum Beispiel, wenn Tim, der Assistent, der die statistischen Versuche mit ihr machen musste, die gleiche Frage zum soundsovielten Mal wiederholte, tippt sie als Antwort: PLEASE TIM MOVE OUT OF ROOM ( …. ) . Das war erstaunlich, denn Lana hatte die Ausdrücke OUT OF, INFRONT OF und BEHIND ausschliesslich im Zusammenhang mit Schachteln und kleinen Holzwürfeln benützen gelernt, und die Vorstellung, dass das Zimmer eine Art Schachtel war, aus derm an hinausgehen konnte, war ihre eigene Erfindung.

… plus der Ausdruck simplen Genervtseins , möchten wir hinzufügen . |||

EHRUNG UND LESUNG

Ob der gestern vom ( 1937 geflohenen ) Staat Österreich mit dem “Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse” Geehrte nicht lieber OUT OF solcher späten Vereinnahmung geblieben wäre … ? - Bislang hatte es zu einer Ehrendoktorwürde an der Universität Klagenfurt gereicht .

Heute Abend jedenfalls wird Ernst von Glasersfeld höchstpersönlich seine Memoiren in Wien vorstellen : Der 91jährige spricht im Billrothhaus über “Gedanken über Raum und Zeit . Unverbindliche Erinnerungen” . Adresse : 1080 , Frankgasse 8 . Man wäre versucht , dies als “historisches Ereignis” zu bezeichnen . Was dem Vortragenden indes in keiner Weise recht wäre . |||

KLANGAPPARAT

Als Klangapparat haben wir eine schön versponnene Sammlung melancholischer Kompositionen des Wiener Künstlers Helmuth Deutsch aka Der Reisende ausgewählt : “Die Blendenden Lichter dieser Stadt” sind czz hörempfehlungeben beim Netlabel laridae erschienen und passen in ihrer offenen Skizzenhaftigkeit ( und zarten OMD- Reminiszenzen ) vielleicht ganz gut zum Prinzip ständiger Readaptierung humaner Weltannahme . Allerdings erlauben wir uns hier in|ad|ae|qu|at , aus dem Integral der Release insofern unser eigenes Konstrukt zu kreieren , als wir eine Auswahl ( vornehmlich von Instrumental- Titeln ) für diesen heutigen Tag und Anlass angefertigt haben . Sehr innig . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Balade of Slowing | 02. Stella Idlaviv | 03. Synthesis | 04. Vergangenheit in Seitengassen | 05. UUU ( Unbedingt und Unvollständig ) | 06. Ich konnte Entkommen |||

HINWEISE

LINKS

blossom blossom bloom blüh blüh



blüten strasssteine

auch die schöne jahreszeit / bringt nicht nur bequemlichkeit , / da die arbeitsstunden (mit frühjahrsmüdigkeit verbunden) / nicht runden mögen sich und wüssten / wir zierlichere ziele uns’ren gelüsten - - - ( hardcoar im ohr, ned woahr ??? )

blume minimini

frühling blüht und ist mithin die umlaut-zeit der teutsch tumben zungen : da legt doch die neue J. P. Gaultier -Duftnote eine einigermassen groteske Baudelaire-etiquette vor . “Fleur du Mâle” , den stilblütenreichen “Mannesblüten”-text lese man im GQ selber .

blume minimini

à propos sprache / duft und luft: eine nette übersetzungs-debatte über einige “es-war-die-lerche”-verse :

“Ta bouche est une fleur dont le parfum dévore : / Approche, ô mon trésor, et ne brûle que moi. / Éveille, éveille-toi !” ging eben übers LEO-forum: gemeinsam fand man für französischen den Liebeshauch wie folgt die deutsche Weise: “Dein Mund ist eine Blume, deren Duft verschlingt : / Mein Goldschatz, heran, lass’ die Flamme mich seh’n / erwache, wach auf !”

wenn schon BLÜH , dann bitte mit Jandl, Ernst und stripped to the very bone : BLÜH // luft / blüht kuckuck / schmetterling // maus / in kellern / zitternd / Bleiche // schmettere / trompeten // fröhlich / sprecht / in herzen

blume minimini

und wenn wir so schön schon bei den unlautern umlauten sind , senken wir uns gleich hinab zu den Müttern und finden dort die musikalischen erfreulichkeiten des Posaunisten, Vokalisten, Komponisten und Improvisatoristen Bertl Mütter , auf dessen trefflichem mütterlog so manch erhebendes , belebendes & selbstredend ironisches steht .

und noch weiter : da wir uns noch schöner und tiefer in botanik senken , seien die blumenzwiebeln der in den kommenden wochen sukzessive in den boden zu praktizierenden Sternblumen (Queen Fabiola) , Anemonen (Mr. Fokker) & Zwerg-Gladiolen ( Prachtmischung ) zum niederknien empfohlen .

blume minimini

und noch tiefer geht der köstliche doppel-link zwischen bluminösem und wörtlichkeit, wenn man das botanische lexikon (englisch - deutsch) konsultiert . ganz ohne anzüglichkeit seien ein paar lüsteliche paarungen hier vorgestellt , es werden sich im deep link für Jede/n ein paar der jeweiligen polymorphen perversion angemessene pflanzen - parts finden . einstweilen präsentieren wir proudly folgende translationelle Tanz-Partner:

autogamy - Selbstbefruchtung
awl-shaped - pfriemlich
tuber - Knolle, Zwiebelpflanze
umbel - Dolde
whorl - Windung
whorled - quirlig, windig
oblanceolate - umgekehrt lanzenförmig mit nach unten zulaufender Spitze

und last but not least :
auriculate - geöhrt, ohrförmig

das öhrchen war jetz nämlich nötig , um eine flüssige überleitung um zur musikalischen blütenlese des tages zu kömmen : das aus S. F. sendende netradio soma fm bietet 11 fein getjunte stationen : von “Space Station Soma” ( “Tune in, turn on, space out. Spaced-out czz hörempfehlung ambient and mid-tempo electronica” ) bis hin zur Drone Zone ( “Served best chilled, safe with most medications. Atmospheric textures with minimal beats” ), welche allerdings wirklich eher für feng-shui-ausgestaltete artpraxen-warte-orte taugt als zur ermunterung im täglichen leben . - - -inadäquats empfehlung & favorit momentan rund u. d. uhr : das sanfte schnarren und knarren von cliphop idm ( “Blips’n'beeps backed mostly w/beats. Intelligent Dance Music”) belebt die sinne und P. Pulsinger dreht dort auch mal einige runden .

das ist doch ein schönes bükett !?

blume minimini