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BIT- vs. BEER- Torrent | Berlin vs. Munich



Oder : LAUFEN , SAUFEN , VERKAUFEN . Die Gleichzeitigkeit weitwirkender Ereignisse stand am gestrigen Tage in einer geradezu zeichenhaften Konstellation .

  • In Berlin der Bit- und People- Torrent auf der Demonstration Freiheit statt Angst | Gegen Vorratsdatenspeicherung .
  • Im südlichen München der Beer- Torrent des Oktoberfestes .

picto isotype otto neurath

Wer wollte der strukturalistischen Versuchung entsagen und die Bürgerfreiheits- Demo nicht in der Relation des Gegensatzes sehen zu dem tobenden Torrent des Oktoberfestes und den dort tobenden Bürgern ? -

  • München vs. Berlin
  • Stoiber vs. CC- Boyz and Girlz
  • Rausch vs. Ratio
  • Hendl vs. Festplatte , usf .

Für beide Paradigmata gilt gleicherweise : “UN- MASS FÜR UN- MASS” und “Zu welchem Preis ?” .

EIGENTUM wird Diebsgut :

  • Zu München physisch und in Berlin zumindest psycho- somatisch . Wer € 7.90.- für eine Mass zahlt und einen massvollen Sitzplatz zu ergattern strebt , wird - “Skandal ! Skandal !” ruft die FAZ - um die Reservierungs- Pflicht nicht herum kommen .
  • In Berlin geht es dahingegen just um die Registrierungs- Pflicht bisher freier Gedanken . Online- Durchsuchung frei Haus , den Bundestrojaner sollen wir gastfrei halten .

picto isotype otto neurathMit harter Währung erwirbt man zu München einige Stunden dionysischen Kontrollverlustes ; noch härter wird uns allerdings jenes Lehrgeld schmecken , welches wir mit dem Verlust der Verfügungsfreiheit über unsere Rechner bezahlen . Und der Kater wird - so viel ist mit innerer Sicherheit zu prognostizieren - sehr lange anhalten . CASUS BELLI : Von der Münchner Wies’n zu den Pflastersteinen von Berlin .

Für alle Nicht- Berliner bot Herr Exit übrigens seine Person als Stellvetreter bei der Demo an . Gratis . - Welcher Oktoberfestler würde ein solches Substitut- Service anbieten ? - Ersatz- Rausch auf eigene Gefahr und aus eigener Tasche ? -

Indes versieht Der Stern die Worshipers of Beer mit den “Elf goldenen Verhaltensregeln” des Münchener Tourismusamtes : Einigermassen preussisch wird da der Aufenthalt auf der “Wies’n” zwischen 1:30 und 6:00 untersagt , Waffen jeder Art sowie Tiere und Skateboards müssen ebenso draussen bleiben wie Kinderwagen ab 18:00 . Keine privaten Darbietungen . Notdurft in die dafür vorgesehen Einrichtungen . Basta . Wo die Warnung vor Taschendieben , Stänkerern aller Art sowie vor dem generell abgründigen Preis- Leistungs- Verhältnis fehlt , bleibt die vorgebliche Volksnähe der Volksfest- Veranstalter ohnehin aussen vor . Die SZ legt flugs einige statischische Goodies nach :

2007 : 77 Gastronomiebetriebe und 14 Großzelte , Sitzplätze (gesamt): 100.000 , Größte Festhalle ( incl. Garten ) : Hofbräu ( 10.000 Sitzplätze ) , Personal : 8.000 Festangestellte und 4.000 wechselnde Arbeitskräfte , Bierpreis : 7,30 € - 7,90 € , Toilettenanlagen : ca. 964 „Sitzplätze” , 878 Meter „Stehplätze“ , 17 behindertengerechte Toiletten .

2005 : Besucher : 6,1 Millionen , Bierausschank : 6,9 Millionen Mass , Brathendlverzehr : 494.135 Stück , Schweinshax’n : 43.492 Stück , Ochsen : 102 Stück , Stromverbrauch : 2,9 Mio Kilowatt , Erdgasverbrauch : 198.489 Kubikmeter , Wasserverbrauch : 107.641 Kubikmeter , Abfall : 720 Tonnen Restmüll , 38 Tonnen Altpapier , 243 Tonnen Speisereste / Knochen .

WIR SCHALTEN NUN UM NACH BERLIN .

picto isotype otto neurath

Markus Beckdahl hat seine Demo- Rede gleich vorab auf seine Seite netzpolitik gestellt , Kategorie : Anmerkungen , Wünsche , Kommentare . Und siehe da : Kamen auch prompt einige konstruktive Corrigenda herein . Weiterers bemerkenswert : Für einmal erhielt ein posting fast durchwegs vernünftige Kommentare sieht man von Schwundstufen wie *applaudier* einmal ab .

Interessant an dieser Rede sind - neben den demokratiepolitischen Überlegungen und Fragen von Bürgerrecht und Freiheit - der Hinweis auf die differenten Lebens- , ergo auch Wissensformen derjenigen , welche die Getzte machen einerseits . Anderseits derjenigen , welche diese Gesetze betrifft und womöglich in ihrer Handlungsfreiheit einschränken werden . Und dies sind - anders als es die Regierenden unterstellen - beileibe nicht nur Schläfer , Zellen und Superoxyd- Pantscher .

Das läuft nach den Vorstellungen des Bundesinnenministerium dann so ab, dass man wahlweise gefälschte Behördenmails mit Trojanern verschickt oder Sicherheitslücken auf den Rechnern von Verdächtigen ausnutzt. Der Bundestrojaner soll dabei so intelligent sein, dass er Tagebücher und auch andere private Sachen, also den von der Verfassung absolut geschützten Kernbereich privater Lebensgestaltung, nicht durchsucht. Jeder mit etwas mehr IT-Kenntnissen weiß: Das ist Science Fiction ! [ bzw. Pulp Fiction , czz ]

Auf so eine Idee kommen auch nur Menschen, die das Internet und Computer noch nicht so in ihr Leben integriert haben. Für uns sind die Daten auf unseren Rechnern privater und schützenswerter als die Schlafzimmer und Tagebücher unserer Eltern-Generation zusammen.

Wissen das unsere Politiker ? Innenminister Schäuble weiss mittlerweile, dass das Internet keine Telefonanlage ist. Justizministerin Zypries fragt sich vielleicht immer noch, was ein Browser ist. Wirtschaftsminister Glos lässt sich das Internet ausdrucken, weil das mit dem Handy schon so schwer ist. Wir werden von Politikern regiert, die noch nicht im Netz angekommen sind. Die mehr Angst vor dem Unbekannten haben, anstatt die Chancen und Freiheiten zu sehen. Wir brauchen mehr Medienkompetenz bei Politikern ! Und wir brauchen mehr komptetente Leute in allen Parteien. Dann gibt es vielleicht auch bessere Gesetze für den digitalen Raum.

Für uns sind das Netz und unsere Computer ein soziale Raum, in dem wir uns aufhalten. In dem wir leben, kommunizieren, uns austauschen, dem wir unsere privaten Gedanken anvertrauen: Der Staat und seine Sicherheitsbehörden haben in unserem Privatleben - nichts - zu - suchen. ( Beckdahl)

picto isotype otto neurathATEOTD : Abends freut sich Markus Beckdahl über die “grösste Demonstration für mehr Datenschutz und Freiheit seit mehr als 20 Jahren statt” und schätzt die Zahl der Teilnehmenden auf 15.000 Menschen + ( zum Vergleich 2006 : 200 ) . Gehirnstürm weist auf die Youtube- Fassung des abendlichen TV- Fensehberichts hin , Spreeblick serviert Stand- und Bewegtbilder , sunny5 fand die “Stimmung ( … ) leicht und fluffig aber angemessen ernst und die Polizei nahm später bei der Abschlusskundgebung sogar aus Hitzegründen ihre Helme ab. Während der Demonstration habe ich tatsächlich keinen einzigen Polizisten gesehen.”

Allenthalben konnten die Teilnehmer von einer gut durchmischten Crowd aus Nerds und Familien , Punks und Bürgerrechtlern berichten ( hauptsadtblog , Legatus ) , beriefen sich dabei aber allesamt auf den Bodycount der Veranstalter von 15.000 Teilnehmern . Heise weist auf die ( wie üblich deutlich geringere ) Zählung seitens der Behörden hin , welche sich allerdings als einigermassen flexibel erwiesen :

Die Polizei schätzte die Zahl der Mitlaufenden bei dem Demonstrationszug, der sich bei strahlendem Sonnenschein rund einen Kilometer lang erstreckte, anfangs auf etwa 8.000 Personen, korrigierte die Angabe aber später ebenfalls deutlich nach oben.

Endgültige Bodycounts und Kommentare ( speziell seitens der MSM ) tragen wir Montag nach : Und dies sowohl im Hinblick auf Bayern wie auf Berlin .

Als besondere Pointe ist letztlich anzumerken , dass - während die kritische und bürgerrechtlich orientierte Blog- Nation samstags über Berlins Strassen wandelte , die Blase der Business- Blogger zu gleicher Zeit beim StartupWeekend Hamburg an geschäftsträchtigen Networks wob. LAUFEN , SAUFEN , VERKAUFEN : Chac’un à son gôut !

Links Berlin Demostration :

Related :

Links Oktoberfest :

||| [ Illustration : Isotype , Otto Neurath ] |||

Allen Aufregungen ahold continuieren hier hiermit unser ( die Release- Liste rückspulendes ) Portrait- Profil des Händlers der Vier Subtil- Zeiten , Thinner / Autoplate . Sensual Physics ( aka Joerg Schuster aka czz hörempfehlungDigitalverein aka Lufth - guter Überblick bei Discogs ) gibt in Musik und Begriff wohl das absolute Antidot zu münchnerischen Bier- Paradiesen . Der in vielerlei Projekten amtierende Joerg Schuster ist als Graphiker etwa Schöpfer eines Mags “for contemporary music and art” namens Wundertunes . Was der gute Mann über seine musikalischen Apparaturen verrät , bleibt mit “ableton live, propellerhead reason, sony soundforge, steinberg wavelab” einigermassen allgemein . Etwa so , als erkläre der Graphiker , er arbeite mit Stift und Papier . Egal : The Thin Girl ( thn093 ) ist jede Angst vor Klang- Klichés fremd . Die 28 Minuten dieser EP führen im Gegenteil vor , wie dröge Billig- Presets zu heiteren Quicksteps zu verzaubern sind . Wenn also schon Lounge , padon : “Warm Hypnotic Dub Movers” , dann diesen hier . Click Link to Tracks To Listen to Stream : 01. Instable State ( 6:23 ) | 02. Out Of Sense ( 7:24 ) | 03. Garden Of Apples ( 6:50 ) | 04. Close To You ( 7:36 ) . |||