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donaueschinger musiktage 2008 | finale : eine FR- presse- perle



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LOGO LITERATUR ALS RADIOKUNAls Anhang und Abschluss zum hellhörigen Geschehen am Schwarzwaldrand : Hans- Klaus Jungheinrich feingetuned in der ‘Frankfurter Rundschau‘ über Festival , dessen Geist und poetisches Preisen . In|ad|ae|qu|at dokumentiert .

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HANS- KLAUS JUNGHEINRICH : DONAUESCHINGER MUSIKTAGE - DIE WUT DER BLASMUSIK ( FR , 21. 10. 2008 )

Eine schon traditionell gewordene Podiumsdiskussion als Entrée der Donaueschinger Musiktage blieb 2008, obwohl lauter kluge Leute beteiligt waren, zwar belanglos, aber ein dabei geäußerter Gedanke von Enno Poppe verdient Beachtung. Der 39-jährige Erfolgskomponist beschrieb seine Arbeit des Tönesetzens als “Forschung”, als eine nahezu wissenschaftliche Tätigkeit. Und ihre Wichtigkeit manifestiere sich nicht im Hervorbringen von Meisterwerken. Nicht ohne Pfiffigkeit lenkt Poppe den Hörer von der immer latent erwarteten Epiphanie des außerordentlich Gelungenen ab. Nach einer (fast schon wieder durchlöcherten) ästhetischen Grundsatzentscheidung gegen das “Kunst-Werk” in der Spätphase der Moderne ist Poppes Haltung die scheinbar ideologiefrei pragmatische eines Töneerfinders, der sich gegen Kunsturteile wetterfest macht.

Forschung und Experiment also. Bei aller Begrenztheit, Brüchigkeit dieses Ansatzes ist dessen Berechtigung gerade in Donaueschingen unumstritten. Kultstatus genießt das immer überlaufenere Herbst-Wochenende, weil es hier um nichts anderes geht als um die Vorstellung brandneuen Klangmaterials. Das Uraufführungsforum lässt einer besonnenen, resümierenden Rückschau auf exempla classica jüngst vergangener Jahrzehnte kaum eine Chance. Dank einer Finanzaufstockung der Siemensstiftung waren die Konzertaktivitäten 2008 opulenter denn je; und kaum vernehmbar auf diesem Zauberberg die Notschreie der Bankenkrise aus dem Tiefland.

AUF LYRIK GEBAUTE RADIOKUNST

Dem Aspekt des Forschens entsprach am allerbesten vielleicht ein Radiohörstück des Österreichischen Rundfunks (ORF), das den Karl-Sczuka-Förderpreis zugesprochen bekam. Die Lyrikerin Anja Utler benutzte in “suchrufen, taub” ausschließlich Wortmaterial, das sie in Silben zerlegte, permutierte, rhythmisierte. Das Spiel mit dem immer wieder aufblitzenden und gekappten Wortsinn, der zerstückelten Grammatik, wurde räumlich erfahrbar als die vervielfachte Autorinnenstimme, die der spröden Zweidimensionalität der Textzeile und Buchseite entkam und technisch hergestellte Plastizität erlangte. Im Endeffekt geht das nicht sehr über “konkrete Poesie” à la Dada oder Rühm hinaus, doch gegenüber historischen Reminiszenzen überwiegt doch der Eindruck einer erfrischten, neugierigen Annäherung, einer Forschung, die gleichsam von anderer Seite zu ähnlichen Ergebnissen kommt, wie sie bereits vorliegen.

Eine auf Lyrik gebaute Radiokunst mag hermetisch und nur für eine spezielle Ästhetenzartheit attraktiv sein. Das Forschungsinstrument des israelisch-schwedischen Komponisten Dror Feiler scheint eher der Hammer zu sein. Zwei seiner Brachialstücke unter dem Brecht-Motto “Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit” rahmten als mächtige (P)Feiler die Musiktage und rammten sich schmerzhaft in die Gehörgänge eines seltsamerweise wenig durch Popmusiklautstärken gestählten Publikums. In den “Cantos de la columna vertébral” zeigt Feiler einen Videofilm mit kolumbianischen Rebellen (von hinten, damit man ihre Gesichter nicht erkennen kann). Zu klassenkämpferischen Lesetexten handhabt Feiler selbst ein schrilles Sopransaxophon in frenetischem Dauerfortissimo. Der mit der Video- und Text-Botschaft kombinierte Lärm ist - vor allem, da er vom Autor selbst produziert wird - sprechender “Kommentar” genug, andererseits aber doch zu verfremdend, um als altmodischer Agitprop zu funktionieren.

Ähnlich das als Schlussveranstaltung zelebrierte Feiler-Stück “Müll” unter stumm-mahnender Beteiligung eines neben dem Podium postierten Müllautos und der martialisch in den Saal einziehenden städtischen Blasmusik. Deren Emanationen muteten indes äußerst gesittet an im Vergleich zu dem wüsten Durcheinander, das vom Klangforum Wien und zwei unentwegt emphatisch röhrenden Vokalsolisten zu hören war - Texte von César Vallejo wurden dabei nur zum Anlass ihrer Zermalmung herangezogen. Schwer zu trennen ist bei Feiler die pure Lust am anarchischen, gar chaotischen Bramarbasieren und der Impuls einer politischen Radikalität, der nur noch in Chiffren spontaner Gewaltförmigkeit ein Ausdrucksmedium für Verzweiflung und Wut zu finden glaubt. Jedenfalls stellt sich Feiler als ernst zu nehmender “Forscher” auf dem Gebiet der politischen Ästhetik dar, einer heute weniger denn je abgetanen Sache.

Experimentell zugange waren die Musiktage auch mit einer neuen Veranstaltungsform, die dem Druck der Uraufführungsquantitäten gehorchte und am Haupttag ein siebenstündiges Mammutprogramm erbrachte. Die Gefahr einer öden Magazinierung wurde dabei geschickt gebannt, weniger durch die Gegenüberstellung dreier hochkarätiger Instrumentalensembles (des ensemble modern, des Klangforum Wien, des Ensemble Intercontemporain), die der Kritikerkollege Gerhard R. Koch hellsichtig als Variante der “Drei Tenöre”-Auftritte erkannte, eher durch die interessante Praxis der Doppel-Uraufführung einiger ausgewählter Stücke durch verschiedene Klangformationen.

( … )

Natürlich brauchte man auch diesmal auf die liebgewordene Kategorie des “Meisterwerks” nicht zu verzichten. (Man begegnete ihr in zwei Séancen des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, exzellent geleitet von Pierre Boulez bzw. Sylvain Cambreling.) Auf sehr verschlungene Weise näherte sich ihr der 77-jährige portugiesische Komponist Emanuel Nunes in seinem großen Orchesterwerk “Mort et vie de la mort”, Extrakt einer immens dimensionierten Oper nach Goethes “Märchen”, eine Musik der existentiellen Erfahrung und unbeirrbarer persönlicher (auch musiksprachlicher) Standhaftigkeit. Ähnlich subjektiv, wenn auch weniger von durchgängigem Passionston gezeichnet Isabel Mundrys “Ich und Du”.

Konträr dazu vermittelte Enno Poppe leichthändige Meisterschaft in seinem Stück “Altbau”, in dem sich phantasievoll mutierende Klischeefiguren in bequem bezugsfertigem Orchesterklang einhausten. Es war dann aber doch schön, dass der Kompositionspreis des SWR-Sinfonieorchesters nicht diesem geschmeidigen Opus verliehen wurde, sondern dem mehr als 40 Jahre alten “Quintet for Groups” des 82-jährigen Amerikaners Ben Johnston, eines urig-kernigen Vertreters der anarchischen Musikforscherecke von Ives, Ruggles und Partch. Johnston versteht sich hier aber auch als ein minuziösen Klängen Nachlauschender, etwa in den zeitweise dominierenden Parts der im Vierteltonabstand gestimmten zwei Klaviere und zwei Harfen. Forschung und Meisterwerk schließen einander nicht aus.

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LINK

  • FR- Link ( erfahrungsgemäss nicht persistent )

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RELATED

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donaueschinger musiktage 2008 | track three : SWR- Hörfunkdirektor Bernhard Hermann zur multimedialen Zukunft öffentlich- rechtlicher Contents



||| DIE SITUATION | DAS WORTUNGEHEUER | DIE KAMPAGNEN | DAS STATEMENT DES SWR- INTENDANTEN | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

DIE SITUATION

picto_internet_copyright_zintzen_orgOnline ist kostbar . So kostbar , dass sich seit Monaten ein Grabenkampf vollzieht : Hier die öffentlich- rechtlichen Sendeanstalten mit ihren Bestrebungen , Service- und Informationsangebote auch online anzubieten . Dort die privaten Sender- und Verleger- Verbände ( VPRT | VDZ ) , denen in ihren Stammformaten Publikum und Anzeigenkunden schwinden . Spät und widerstrebend begab man sich ( oft trotz rhetorischer Beibehaltung kulturpessimistischer Anti- Internet- Thesen ) ins Netz und fand - oh Schreck ! - , dass - quel horreur ! - dort bereits gebührengestützte Konkurrenten Raum und Reklame ( -Gelder ) einnahmen . J’ accuse !

Die Debatte um eine unterstellt ungebührliche “Online- Expansion” der gebührenpflichtigen Öffentlich- Rechtlichen geht nun über Jahr und Tag , insoferne auch die EU Bedenken wegen möglicher Wettbewerbsverzerrung anmeldete .

Kurz : Bevor es wieder einmal so weit ist und die Ministerpräsidenten der Länder im Zuge ihrer Dresdener Sitzung vom 22. bis 24. Oktober erneut versuchen werden , einen Beschluss zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag zu finden , nutzte SWR- Hörfunkintendant Bernhard Hermann den Anlass der Rede zur Verleihung des Karl- Sczuka- Preises 2008 für einen Appell gegen das Errichten kontraproduktiver Fronten .

Ein ( mit einer entsprechenden Resolution des SWR- Rundfunkrates akkordierter ) Ruf zur Vernunft gegen die hysterisch geschürten Ängste um den Werbekuchen und eine Erinnerung daran , dass auch öffentlich- rechtliche Qualitätsangebote mit der Zeit und dem Medienwandel zu gehen haben , um nicht an realexistierenden Gebührenzahlern und zukünftigen Hörer- Generationen “vorbei” zu produzieren .

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DAS WORTUNGEHEUER

picto_radio_terrestrisch_copyright_zintzen_orgWer wissen will , was sich hinter dem Wortungeheuer dieses Rundfunkänderungsstaatvertrages No. 12 - recte : “Arbeitsentwurf zur Umsetzung der Zusagen gegenüber der EU- Kommission im Rahmen des EU- Beihilfeverfahrens ARD | ZDF ( Stand: 12. Juni 2008 )” - verbirgt , mag dies im betreffenden PDF- File nachlesen . Kurz gesagt , geht es darum , wie die Öffentlich- Rechtlichen ihrem definierten Auftrag gemäss netzwerken dürfen sollen und wo die Grenzen dieses Auftrages enden . Wo also , banal gesagt , einfach Geld gemacht wird . Hier sollen künftig per externer Kontrolle eventuelle Wucherungen gekappt werden .

Im Gegensatz zum VPRT sehen die Grünen in dem Staatsvertrag eine zu weitgehende Einengung der öffentlich-rechtlichen Sender. Mehrere Abgeordnete des Bundestags, des Europaparlaments sowie mehrerer Landtage forderten die Ministerpräsidenten auf, aus diesem Grund den Vertrag nicht zu beschließen. Insbesondere wenden sich die Medienpolitiker dagegen, dass ARD und ZDF bestimmte Inhalte nur sieben Tage lang ins Netz stellen dürfen. Gerade dieses unterstützt ausdrücklich der VPRT, nach dessen Vorstellungen eine Verlängerung der Sieben-Tage-Frist “grundsätzlich nicht oder allenfalls in begründeten Einzelfällen möglich sein” soll. ( dpa , 21. 10. 2008 )

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DIE KAMPAGNEN

picto_internet_copyright_zintzen_orgAls treibende Kraft der Frontenbildung hat sich in den vergangenen Monaten die FAZ hervorgetan : Wenig wählerisch , was die Mittel der publizistischen Kampagnenführung betrifft , kam jeder Anlass zupass , auf “Regulierung” , “Kontrolle” und “Limitierung” zu pochen . Erst gestern bot das Feuilleton eine redaktionsexterne Fachkraft auf , um die Dringlichkeit einer “Wettbewerbskontrolle” zu akzentuieren :

ARD und ZDF sollten auch außerhalb dieses Grundversorgungskerns machen können, was sie für richtig halten, allerdings unter den Bedingungen von Markt und Wettbewerb. Alle Angebote, die aus dieser eng gefassten Kernkompetenz herausfallen, dürfen nicht durch Gebühren finanziert werden. Dazu können die Anstalten kommerziell aktiv werden und auch Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Medienunternehmen eingehen, wie WDR und WAZ das schon tun. Wichtige Voraussetzung: Diese Aktivitäten müssen geprüft und kontrolliert werden, etwa durch die Landesrechnungshöfe, um sicherzustellen, dass keine Gebührengelder verwendet werden.

Von Polemiken à la “Schafft die Gebühren ab !” über einen “Brandbrief” des Verlegerverbandes bis hin zu Vorwürfen der “Propaganda“, respektive des konzertierten “Kleinredens” öffentlich- rechtlicher Net- Aktivitäten . Die Öffentlich- Rechtlichen kontern : Die Privaten betrieben “Lobbyismus mit groben Mitteln” . Tertium non datur .

Die Tatsache , dass der deutscher Pressemarkt im dritten Quartal 2008 an Auflage verloren hat - Tageszeitungen , incl. Sonntagsausgaben & Sonntagszeitungen : minus 380.000 Stück verkaufter Auflage im Vergleich zu Quartal 2 | 2008 , minus 650.000 im Vergleich zum Quartal 3 | 2007 - , wird das Klima nicht eben sanieren .

Edit : Im Laufe des Tages legt - im pochend publizistischem Countdown zur Dresdener Konferenz - die FAZ noch zwei Scheiter “Brandrede” nach . Michael Hanfeld , unermüdlich wetternder Retter der medialen Fairness im Lande ( unser einschlägiges Artikel- Archiv reicht weit in den April ) , bespielt die Register von ganz unten - den ( wie wir aus schmerzlicher Selbsterfahrung wissen ) gekappten Rechten der für die ÖRs schöpfenden Autoren - bis ganz oben : den universalen Medien- und Datenkraken wie Google und Yahoo .

Die “freie Presse” werde von Global Playern und nationalen Subventionsselbstversorgern im “Zangengriff” bedroht : Der alarmistische Tonfall spielt dabei einer gleitenden Semantik in die Hand , welche bestrebt ist , die Begriffe von “freiem Unternehmertum” und publizistischer “freier Meinung” zu vermischen . Dass Superkonzerne wie Springer oder Burda mit am Strick der Verleger- Initiative gegen die Öffentlich- Rechtlichen ziehen ( “Münchner Erklärung” ) , wird man aus Robin- Hood- Artikeln dieser Manier sicherlich nicht erfahren .

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DAS STATEMENT DES SWR- INTENDANTEN

picto_radio_terrestrisch_copyright_zintzen_orgSWR- Hörfunkdirektor Bernhard Hermann : Rede zur Verleihung des Karl- Sczuka- Preises 2008 an Thomas Meinecke und David Moufang und des Karl- Sczuka- Förderpreises 2008 an Anja Utler
Donaueschinger Musiktage , 18. Oktober 2008 ( Druckfassung , Auszug )

Wenn wir nämlich die Jungen und Jüngsten nicht mehr erreichen mit unseren Programmen – und es muss ja nicht gleich das Sczuka- Preiswerk zum Einstieg sein – dann steht es schlecht um unsere Zukunft. Aber wo und wie können wir sie überhaupt erreichen ?

Wenn Sie selbst Kinder haben ( … ) dann können Sie beobachten, welche Medien diese Generation heute nutzt: Die meisten haben natürlich ein Handy und einen Computer. Nachmittags, nach der Schule, skypen die Kids mit ihren Klassenkameraden, dabei laden sie sich am PC die neuesten Songs oder Podcasts auf ihren iPod runter, stellen bei Facebook oder SchülerVZ die Fotos der letzten Klassenfahrt ein und checken nebenbei, ob bei YouTube das neue Bushido-Video schon drinsteht.

Wenn Sie das jetzt nicht alles genau mitbekommen haben, ist das nicht schlimm und sogar verständlich – denn die meisten von Ihnen sind wie ich mit den klassischen Medien – Radio, Fernsehen und Zeitung – aufgewachsen. Und diese drei spielen bei den nachwachsenden Generationen eine immer geringere Rolle. Leider gilt das für die öffentlich-rechtlichen Angebote ganz besonders. Beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist der Generationenabriss schon passiert, beim Radio arbeiten wir mit allen Mittel dagegen an – und sehen noch Chancen.

Denn: Wenn wir als öffentlich-rechtliche Inhalte-Anbieter bei Jugendlichen noch eine Rolle spielen wollen, dann müssen wir das geschickt anstellen und mit attraktiven Angeboten in deren junger Medienwelt dabei sein. Darum bieten unsere jungen Programme SWR3 und DASDING eigene Communities an, darum bieten wir von unseren wichtigsten Sendungen – auch von SWR2 – Podcasts an, die man zeitsouverän anhören kann – und darum erforschen wir in einem Pilotprojekt das ‘Radio der Zukunft‘, um herauszufinden, welche Inhalte und Angebote und Formate junge Menschen von uns erwarten. ( … )

Arthur Sulzberger, der Herausgeber der New York Times hat bereits vor Jahren erkannt, was die mediale Umbruchsituation für seine Zeitung bedeutet – und dies trifft auf die anderen ‘klassischen’ Medien in gleicher Weise zu: Wir folgen unseren Lesern wohin sie uns führen. Wenn sie uns gedruckt wollen, werden wir gedruckt da sein. Wenn sie uns im Netz wollen, werden wir im Netz sein. Wenn sie uns auf Handys oder zum Runterladen wollen, damit sie uns hören können, dann müssen wir auch dort sein.

Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle davon gesprochen, wie erfreulich es ist, dass das Bundesverfassungsgericht dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seinem Urteil vom September 2007 eine Entwicklungsgarantie auch in der digitalen Welt gegeben hat. Jetzt, ein Jahr später, beobachten wir mit Sorge, wie diese Garantie durch einen neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag schon wieder infrage gestellt, eingeschränkt und bedroht wird. Wo wollen wir hin im Netz und wo dürfen wir hin ?

Internetangebote sind für uns kein Selbstzweck und wir betreiben auch keine ‘Online-Expansion‘ – wie uns mancherorts vorgeworfen wurde und wird – wir folgen nur ganz selbstverständlich den Wünschen unserer Zielgruppen. Wir wollen im Internet keine Geschäfte machen, keine Werbung und kein Online-Business, aber wenn uns die publizistische Präsenz im Netz verwehrt oder derart eingeschränkt wird, dass sie für Nutzer nicht mehr attraktiv ist, dann würde das dem Tenor des Karlsruher Urteils wider-sprechen. Mit manchen Beschränkungen werden wir leben müssen, mit allen aber nicht. Wir werden uns überall dort zur Wehr setzen, wo unter dem Deckmantel verlegerischer Existenzsicherung im Internet letztlich ein Jahrzehnte alter Krieg wieder neu aufgelegt werden soll: der Kampf gegen das duale System im Allgemeinen – und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Besonderen.

Auch scheint mir, dass die Verleger, die unsere Internetaktivitäten einschränken wollen, ihre wahren Gegner noch gar nicht identifiziert haben: Google und Yahoo drängen immer stärker auch in den europäischen Markt ein und unterliegen keinerlei staatsvertraglicher Regulierung. In der schönen neuen Welt der Flut von ungefilterten Angeboten sind es doch vor allem die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und die Zeitungsverlage, die – bei allem verständlichen Bemühen auch um Auflage und Quote – nach wie vor Qualitätsjournalismus gegen die niveaulose Beliebigkeit stellen. Insofern müssten wir eigentlich Seite an Seite stehen und einander nicht bekriegen.

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Aber trotz aller Interneteuphorie werden die linearen, analogen Programme nach wie vor im Mittelpunkt stehen – denn mit unseren Hörfunkprogrammen erreichen wir nach wie vor täglich fast 50 Prozent der Menschen in unserem Sendegebiet. Selbstverständlich übertragen wir auch kulturelle Höhepunkte wie die Donaueschinger Musiktage live im Radio, wir produzieren nach wie vor aufwändige Hörspiele, laden Anfang November wieder zu den ARD-Hörspieltagen ins ZKM nach Karlsruhe ein und loben Preise für Hörspielkunst aus, wie den Karl- Sczuka- Preis.

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Für stetige Qualität steht das Leib- und Magen- Netlabel broque , welches sich nach südwärts bestrebter geographischer Veränderung gleich mit einer czz-hoerempfehlung“echten” LP von Max Cavalerra sowie einer neuen Net- Release in den Senderaum zurückmeldet . Was per Podcast ( > brotcast ) längst eingetroffen ist , harrt allerdings noch der Handhabbarkeit auf der im herbstlichen Transformationsprozess befindlichen Webseite.

Während wir für die in|ad|ae|qu|ate Verströmung gerne noch auf die entsprechende Ausreifung der fruchtigen Spätlese von “Terra Australis” zuwarten , vertreiben wir Misstöne , Sturmböen und Oktoberöde mit einem akustischen Blick zurück in Sanftheit : Das “broque.de- Set” , welches vor zwei Jahren bei deepindub erschien , erweist einen nach- hall- tig feinherbperlenden Abgang - zweiundneunzig Minuten lang . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ).

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donaueschinger musiktage 2008 | track two : angewandt konzertant



||| ERÖFFNUNGSKONZERT | TAG DER TURNHALLEN - ENSEMBLIADE - NOWJAZZ SESSION | RELATED | KLANGAPPARAT

FREITAG , 17. OKTOBER 2008 : ERÖFFNUNGSKONZERT , DONAUHALLE A

zeitung 01 ( click to XL )

PIERRE BOULEZ am Dirigentenpult - SWR Sinfonieorchester Baden- Baden und Freiburg - Thomas Larcher als Klaviersolist : Klangvolles Kalibrieren des apportierten - auf etwa 300 Meter geeichten - Hörapparats auf 600 Meter See- ( und Hör- ) Höhe anlässlich des ersten Orchesterkonzerts der Donaueschinger Musiktage 2008 . Zweieinhalb Jahrzehnte Konzerterfahrung bislang eher in Beckenlagen gesammelt , sei’s beim musikprotokoll des steirischen herbstes , beim Klangforum oder Wien Modern . Dahingegen hier : Hören in solchen Höhen …

In the event of a decompression, an oxygen mask will automatically drop from a compartment above your seat …

( Taktisch wohlüberlegt nähern wir uns dem Veranstaltungsort vom Bühneneingang her , die Wagenburg des omnipräsenten SWR schirmt jedoch - auch mittels vielgestaltigem Kabelstrangs - die Rampe zur Donauhalle B von der Flutwelle des herbeieilenden Kulturpublikums demonstrativ ab . Neben dem Ü- Wagen mit LAWO mc2-66 parkt ein eigens angemieteter Büro- Bus , komfortabel eingerichtet mit 4 Audio- Bearbeitungsplätzen auf Basis der Schnittsoftware Sequoia . Hiermit ist auch jene technisch höchst komplexe Aufgabenstellung lösbar , welche darin besteht , nur kurz zeitversetzte und auf “Punkt” zurechtgetimte Konzertteile vom Live- Event in sendefähige Zuspielungen umzusetzen . Der SWR arbeitet in Donaueschingen durchgehend in 5.1 Mehrkanaltechnik , bei Mischung , Bearbeitung , Sendung bis hin zur Ausstrahlung über Digitalsatellit . )

Der Eingangsbereich zur Halle A zeigt sich dicht bestückt mit Präsentationstischen , Buffett und Garderoben . Neben dem SWR- Stand kämpfen eben Eingetroffene um Würstchen und Leichtbier , der CD- Verkaufsstand von NEOS ragt in die Eintrittskarten- Abreisszone des Parterre . Rechts buntes Sprachengewirr berucksackter Musikstudenten , kompetente BusinessTalks von Krawatten- und Stecktuchträgern , dazwischen bodenständige Alltagsgespräche lokaler Eventer plus das übliche Fachsprachen- Gefecht der Musiker diverser Orchester und kunstkundiger Kapellmeister in spe .

1 de eingang donauhallea

Ein geeigneter Hör | Sitz | Platz in der Saalmitte ist noch zu ergattern . Es bleibt den offensichtlich langjährig akulturierten Donaueschingen- Aficiondaos vorbehalten , mitgebrachte Campingstühle im Randbereich unterhalb des Balkons zu installieren . Die Orchestermusiker beziehen nach und nach den knappen Bereich um ihre jeweiligen Pulte , gestimmt wird hier ( im Unterschied zu Wien ) sehr wohlgeordnet nach Anweisung des Konzertmeisters zunächst in den Bässen , dann den Bläsern , zuletzt in den hohen Streichregistern .

2 de buehne donauhallea

Wellen von Menschen ergiessen sich in die immer limitierter wirkende Halle , das letzte Sesselchen wird gekapert , schliesslich sind dann auch die seitlichen Flanken mit aufrechten Zuhörern dicht bestellt : Sympathisch informelles Improvisieren im Rahmen des an sich bestens organisierten Festivalablaufs . Die SWR- Inspizientin schickt Pierre Boulez punktgenau auf Ansage- Stichwort an sein Dirigentenpult , das erste von drei ( ! ) SWR - Auftrags- ( ! ) Werken kommt zur Uraufführung .

Erster Eindruck : Der Saal ist akustisch enorm trocken . Natürlich liessen der dichte Vorhang hinter der Bühne , die absorbierenden Deckensegmente und die reflexionsarm vertäfelte Rückfront schon rein optisch eine recht geringe Hallzeit vermuten , doch der wirkliche Klangeindruck mit vollem Orchester übertrifft die Erwartungen bei weitem . Direkt und präzise drängen sich die Blechbläser ans Ohr , jedes kleinste Perkussions Event wird ungeschminkt ausgestellt , dabei geraten die Streicher oftmals ins Hintertreffen , hingebungsvolles Fortissimo aller Pulte dringt als seidiges Gezirpe bis zur Saalmitte . Kurz : Aus tonmeisterlicher Perspektive in vielerlei hinsicht ein Paradies ( “besser gar kein Naturhall als ein schlechter” ) , indes kleben einige der gestossenen Holzbläser- Artikulationen ohne Nachhall doch recht zäh an der Bühnenkante fest . Sicher keine einfache Aufgabe , hier als Musiker ohne tragfähige “Fläche” und ohne verschleifende Reflexionswellen bestehen zu müssen .

Höchst effizient schlängelt sich Pierre Boulez durch die Partitur , der Argentinier Fabián Panisello ( Jahrgang 1963 ) zieht mit “Aksaks” kompositorisch wohl viele Register zeitgenössischer Orchestermusik , insgesamt jedoch bleibt ein relativ beliebiger Gesamteindruck - das Publikum reagiert freundlich , jedoch eher verhalten enthusiastisch .

Fokussierter dann Enno Poppes ( Jahrgang 1969 ) Stück “Altbau” : überraschend konkret , robust , angreifbar , subjektiv auch wesentlich origineller als die von Poppe bislang vom Klangforum uraufgeführten - und stets etwas steif körperarm empfundenen - Stücke im Wiener Konzerthaus . Dynanisch vehalten dagegen die Komposition “Ich und Du [ für Klavier und Orchester ]” der deutschen Komponistin Isabel Mundry ( Jahrgang 1963 ) mit Thomas Larcher im Zentrum : innige , verwobene Läufe , Wechselrufe zwischen Klavier und Orchester , gut auch für den Aufführungsraum geeignet mit der Begrenzung zwischen Pianissimo und Mezzopiano .

Nach der Pause dann ein bereits 1957 komponiertes und über Jahre verfeinertes Werk von Pierre Boulez selbst : “Figures – Doubles – Prismes” . Geradlinig , klar , effektsicher . Hier erweist sich , wie gültig die Vorgaben mancher Pioniere zeitgenössischer Klassik sich gegen Epigonen und diverse Beliebigkeiten behaupten .

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SAMSTAG , 18. OKTOBER 2008 : TAG DER TURNHALLEN - ENSEMBLIADE - NOWJAZZ SESSION

9:30 : Verleihung des Karl- Sczuka- Preises und Förderpreises für Hörspiel als Radiokunst , Realschule Kleine Turnhalle

sczuka logo turnhalle

sczuka preisverleihung 01

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11:30 : ENSEMBLIADE , Baar- Sporthalle

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Vom kleinen Turnsaal in die grosse Sporthalle : Beinahe Olympische Dimensionen macht der ausgreifendste Programmpunkt der Musiktage 2008 für sich geltend . Ensemble Intercontemporain ( Leitung : Susanna Mälkki ) - Ensemble Modern ( Franck Ollu ) - Klangforum Wien ( Emilio Pomárico ) : Drei europäische Spitzenensembles in verzahntem Aufführungsablauf , zwölf komplexe Werke , sieben Stunden Gesamtdauer , Doppelaufführungen , und dies alles auf einer riesigen , mit allen bereits voraufgestellten Instrumenten bestückten Bühne .

7 de ensembliade buehne

Die logistische Meisterleistung VOR den Kulissen dürfte sich HINTER denselben wohl exponentiell multipliziert haben , galt es doch , die vielköpfige Hydra der auf ihre jeweiligen Auftritt wartenden Instrumentalisten mit den üblichen Bedarfswaren künstlerisch inspiriert in Schach zu halten .

Der musikalische Eindruck wird dann wieder von den Eigenschaften des Aufführungsraumes mitbestimmt : nicht mehr die staubtrockene Abbildung von Donauhalle A , sondern spektral diskrete Reflexionen der Sporthalle Baar prägen den Ensembleklängen eine eigenwillige Klanglichkeit auf . Überraschend präzise dringen die Pianissmi noch zu den den hinteren Reihen , ab dem Forte tendieren dann allerdings Stimmen dazu ineinander zu fliessen .

Sportlich jedenfalls die Stimmung im Publikum , man spürt beinahe die mentalen “Hoppauf”- Rufe , mit welchen die jeweiligen Fankurven ihre favorsierten Ensembles anfeuern - ein friedliches Wettmusizieren zwischen Frankreich , Deutschland und Österreich , EM- Atmosphäre auf höchstem musikalischen Niveau . Klar , auch wir dürfen auch hier Lieblinge wie Georges Aperghis oder Brian Ferneyhough wiederfinden .

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21:30: NOWJAZZ SESSION , Gewerbliche Schulen , Sporthalle

8 de jazz saal

Erneut ein eher enger Eingangsbereich , erneut GoreTexturiertes Outdoor- Publikum , hier mit flagranter Frequenz grauer Herrenzöpfe . Reinhard Kager , Leiter der SWR- Jazzredaktion , moderiert direkt von der Bühne auch die SWR- Liveübertragung : Klassisches , handwerklich einwandfrei umgesetztes Radioformat . Die Auswahl der beiden Gruppierungen dieses Abends fasst Kager unter folgendem Schlagwort zusammen : “Wiederenteckung des Grooves in der freien Jazzszene” . Repetitive , hypnotisierende Patterns treten an die Stelle inniger Tonlosigkeit , entwickeln langgedehnte Spannungsbögen , sollen aber bei aller Aussenwirkung doch auch ins emotionale Sonnengeflecht des Zuhörers dringen . Als Zeugen dieser Wirkungsabsicht werden “The Necks” ( MySpace ) sowie das Burnt Friedman- Projekt “Secret Rhythms” aufgerufen : Nu ja , der Zuhörer denkt sich sein Teil und schweigt .

Chris Abrahams am Piano startet mit sparsamen dorischen Intervallen , Lloyd Swanton kommentiert geduldig mit ostinaten Basstönen , bis dann Tony Buck mit Mallets an den Becken eine pulsierende Basis für weitere Tonexplorationen für Abrahams und Swanton zur Verfügung stellt . Ungaublich die physische Ausdauer von Buck , beinahe eine Stunde lang wird er in langsam drehenden Sechzehntel- Figuren die eher hohen Register seiner Batterie bearbeiten . Kaum ein Akzent auf der Snare , flächige Beckenresonanz mit Wiederhall seitens der HiHat , insgesamt eine erwartbare , doch spannende Entwicklung von Leise zu Laut zu Leise , feines spektrales Geflecht zwischen Bässen , Mitten und Höhen ( > siehe Tony Bucks “solo collage” @ YouTube ! ) .

9 de jazz buehne

Eine markant andere Strategie legt das Trio mit Bernd Friedmann aka Burnt Friedman ( Electronics ) , Jaki Liebezeit ( Drums ) und Hayden Chisholm ( Klarinette und Melodika ) an den Tag ( > MySpace ) . Die streng synkopierten Beats aus dem Laptop werden von Liebezeit nicht etwa paraphrasiert , sondern Schlag für Schlag aufgedoppelt , eine starre , klamme , mechanistische Plattheit macht sich breit . Mangels Bassdrum muss der Schlagwerker eine Hand für das tiefe Tom aufwenden , die HiHat wird musikalisch unlogisch zunächst als Antrieb eingesetzt , verstummt dann aber auch plötzlich wieder . Keinerlei spielerische Dynamik , kein Charme , kein Witz im Groove , aber auch keine technoide Urkraft .

Bei aller Würdigung der langjährigen Verdienste von Liebezeit kann hier nur ein recht peinliches Herumgetrommle wahrgenommen werden , steif und ohne organische Anbindung an Playback und Werkform ( sagen wir es ehrlich : Computeroperateur und Drummer waren heilfroh , wenn sie ein Stück ungefähr zum gleichen Zeitpunkt beenden konnten ) . Wenig hilfreich auch die Stakkato- Akkorde von der Melodika : dieser Effekt kann genau einmal als interessante Erweiterung dienen , inflationär eingesetzt und dabei doch ohne verschlungene Bezüglichkeit , wirkt Hayden Chisholm nur als aleatorisches Accessoire . Einzigen Halt in der Misere bietet der ausgezeichnete PA- Sound der SWR- Saaltechnik , mittels deren d&b- Anlage , Filtern , Kompressoren und Noisegates der lauen Darbietung wenigstens ein Hauch von “Club Credibility” abgerungen werden konnte .

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RELATED

donaueschinger musiktage 2008 | track one : Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst ( in|ad|ae|qu|at , 20. 10. 2008 )

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KLANGAPPARAT

Nach etlichen Fehlschlägen der vergangenen Tage ( angekündigte Releases lediglich als Podcasts zuhanden und nicht als Stream oder MP3- files , fixe czz-hoerempfehlungnight- long- Mixes aus unergründlichen Quellen ) haben wir das angesammelte Repositorium entsorgt und brechen auf zu neuen Ufern .

Freilich wird Keiner jetzt meinen , das Neuland sei an den Donaueschinger Masstäben zu messen : Slow down , keep cool , take it easy … und so floaten wir entspannt auf den sanft gekräuselten Wellen des Berliner Elektronikers Audacious Clay , dessen EP “polyphonic | metabolic” kürzlich bei symbiont herausgekommen ist . Sagen wir mal : Wohlige Funktionsmusik als Wall gegen den Abrieb qua Alltag . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) .

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donaueschinger musiktage 2008 | track one : Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst



||| RADIOKUNST IN SPORTIVEM AMBIENTE | THOMAS MEINECKE & DAVID MOUFANG | ANJA UTLER | FAZIT | DIE PREISE | DIE WERKE | DIE JURY | DIE SENDUNGEN | LINKS | RELATED

RADIOKUNST IN SPORTIVEM AMBIENTE

sczuka logo turnhalle

Hoch hinaus - mit sportlicher Erdung

Den diskreten Charme von Schulsport- und Turnhallen durfte geniessen , wer den beiden Veranstaltungen zum Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel als Radiokunst im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2008 beiwohnte . Mit dieser informellen Verortung wurden ebenso akustisch praktikable wie auch für Skeptiker niederschwellig aufzusuchende Räume gewählt . Und damit - wie SWR- Intendant Bernhard Hermann im Zuge seiner Rede zur Verleihung der international renommierten Auszeichnung für avancierte Werke der Radiokunst hervorhob - sei ein weiterer Schritt buchstäblich in Richtung auf ( künftige ) Hörerschichten vollzogen .

Hermann erinnerte dabei an den kürzlich verstorbenen Wort- Kunst- Komponisten Mauricio Kagel , im Jahr 1970 Laureat des seit 1955 vom SWR ausgelobten Preises :

Zuvor war die Preisverleihung ein hausinterner Akt in den Diensträumen des Intendanten in Baden- Baden [ gewesen ] . So auch noch im Jahr 1970, als Kagel selbst zum ersten Mal den Karl- Sczuka- Preis bekam, der sich damals gerade von einem ‘Preis für Hörspielmusik’ zu einem ‘Preis für radiophone Produktion’ zu wandeln begann. Kagels Preiswerk, “(Hörspiel) - Ein Aufnahmezustand” war das Signal für eine neue Ära des Preises und es stand für den Aufbruch des so genannten Neuen Hörspiels. Nach der Preisverleihung schlug Kagel dem damaligen SWF- Intendanten Helmut Hammerschmidt vor, den [ Preis ] mit den Donaueschinger Musiktagen zu verbinden - und so ist es nun seit 1972 schöne Tradition, ihn hier zu überreichen .

Ob Schulsporthallen - wie von Bernhard Hermann des Weiteren angedeutet ( “Sport ist in der Regel ein beliebtes Schulfach” ) - freilich bei allen Beteiligten für notwendig positive Assoziationen sorgen , muss ( nach Ergebnissen einer informellen und nicht repräsentativen Umfrage unter den künstlerisch Beteiligten ) fraglich bleiben . In Rechnung mag man freilich gerne stellen , dass sich Methoden und Manöver der schulischen Körperertüchtigung im Laufe der vergangen dreissig Jahre vermutlich vom schieren Drill und der Demütigung pubertierender Leiber glücklich fortentwickelt haben .

Die Bodenmarkierungen der Basketballhalle erwiesen sich jedenfalls als nachgerade ideale Guidelines für einen grosszügig dimensionierten 5.1. - Raumbeschallungs- Aufbau , wie für die Wiedergabe von für Anja Utlers knapp 12- minütigem Hörstück “suchrufen , taub” nötig . Es ist bemerkenswert , dass die Produktion aus der Reihe LITERATUR ALS RADIOKUNST des ORF- Kunstradio das erste Mehrkanal- ( Surround Sound- ) Preiswerk in der Chronik dieser Auszeichnung darstellt .

An zwei aufeinander folgenden Vormittagen wurden die Preiswerke - einmal im Kontext der eigentlichen Preisverleihung und den Laudationes sowie ein weiteres Mal gefolgt von einem Gespräch mit deren Schöpfern , resp. dem in beachtlicher Menge erschienenen Publikum ( 9:30 H ! ) vorgeführt . Ein radikal auf die Stimme , deren Poesie und räumliches Splitting reduziertes Kurzstück wie Anja Utlers knapper Zwöfminüter hatte es selbstredend ein wenig schwer , gegenüber der von saftigen Grooves und kräftigen Basslines getragenen Gemeinschaftsarbeit Thomas Meineckes und David Moufangs ( “übersetzungen | translations” - 52 Minuten ! ) zur Wirkung zu kommen .

Was die beiden Preiswerke weiters unterschied , war , dass der Hauptpreis an ein vielseitig medienkunst- , sound- und radioerfahrenens Duo ging , der Förderpreis an das radiophone Erstlingswerk einer poetischen Einzelgängerin .

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THOMAS MEINECKE & DAVID MOUFANG

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David Moufang , Thomas Meinecke , Hans Burkhard Schlichting

Jurysprecher Frank Kaspar rekapitulierte die seit Moufangs Realisierung der Hörspielfassung von Meineckes Roman “Tomboy” ( Buch 2000 , suhrkamp | Hörspiel , BR 1998 ) zehn Jahre lang währende Zusammenarbeit des Duos , wobei er als Novum von “übersetzungen | translations” die fortgeschrittene Durchdringung von “Sprache” und “Sound” hervorhob :

Die Ausgangsidee war, einmal nicht von von einem schon vorhandenen Text auszugehen, sondern ein Stück von vorneherein aus dem Zusammenspiel von Sprache und Musik zu entwickeln. Das gesamplete Sprach- Material sind hier einzelne Buchstaben: Thomas Meinecke hat die Tastatur seiner Schreibmaschien auf das Keyboard eines Symthesizers übertragen, indem er im Hörspielstudio des Bayerischen Rundfunks alle Buchstaben des Alphabets - einmal in deutscher und einmal in englischer Aussprache - in allen 12 Tönen der Tonleiter gesungen und aufgezeichnet hat. Seine Stimme liegt auf Taste, als er in David Moufangs Aufnahmestudio nach Heidelberg kommt.

Aus diesen Samples lassen sich zehn relativ willlkürlich | spontan gewählte lexikalische Sigifikanten ( von “Glockenblume” | “daffodil” bis hin zu “Henry Kissinger” ) synthetisch in frei verfügbaren Rhythmen und Klangfarben buchstabieren und ergeben im Mix mit elektronischen und analogen Klängen einen organischen musikalischen Flow : Linguistik als tanzbares Mantra bis hin zur Auflösung semantischer Gehalte im quasi instrumentalen Loop .

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ANJA UTLER

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Gruppenbild mit Anja Utler

Im Effekt des lautlichen , morphologischen und semantischen Aufbrechens und Neuformierens von Wort- und Sinngestalten sind - man vernimmt’s mit Erstaunen - Meinecke | Moufangs und Anja Utlers Arbeiten einander näher als es groovende Fülle und konzentrierter Takt zunächst vermuten lassen : Auch Anja Utlers Stück ist ausschliesslich im Hinblick auf eine audiophone Realisierung entstanden und wurde - den Möglichkeiten der fünfeinhalb Surround- “Stimmen” entsprechend - in eine quasi Mallarmé’sche Partitur gefasst .

Die Stimme spricht , unterbricht , doppelt und synkopiert den Wortlaut in verschiedenen Sprachen , hart an der Grenze von Einzelsilbe bzw. -Laut . Auch in “suchrufen , taub” entstehen also Loops , wenngleich unregelmässiger und irritierender getaktet als die am repetitiven Techno orientierten Sequenzen von “übersetzungen | translations” . Wobei das ( auch noch im Stereo- Downmix vernehmliche ) “Wandern” der Stimme im räumlichen Spektrum der Arbeit zusätzliche Dynamik verleiht .

… und tatsächlich hat gerade die Souveränität und Präzision, mit der Anja Utler die Möglichkeiten der räumlichen Gestaltung für ihr Radiostück genutzt hat, in der Jury grosse Zustimmung gefunden. ‘Der Körper, an dem die Strömungen des eigenen Munds vielleicht aufbrechen, verbleibt im Raum des Ungesehenen und Ungehörten‘, schreibt Anja Utler selbst zu ihrem Stück: ‘Er gibt nicht direkt Laut, aber er treibt Laute hervor.’ Die Genauigkeit, mit der sie sprachlich die Balance hält zwischen Konkretion und Abstraktion, mit der sie physische Details benennt aber die Körper dann doch durch Ausweichbewegungen der Beschreibung selbst auf offener Bühne verbirgt, macht die grosse Qualität dieses Textes aus, der mit dem exakten Timing ihres Vortrags überzeugend ins Radio findet.

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FAZIT

sczuka turnhalle

Raum für auditives Team- und Timing- Training

Was hier im Metadiskurs nach “strenger Kammer” tönt , nimmt sich als konkretes Hörerlebnis absolut plausibel aus . Und so fanden im Turnsaal zu Donaueschingen zwei Werke zusammen , deren Inspirationen und kulturelle Bezüge wohl differenter nicht sein könnten , als deren Ergebnis indes jeweils eine distinkte auditive Erkundung der Fundamente der Wörtlichkeit steht . Ein Schürfen im Bergwerk der gesprochenen Sprache .

Hier hat eine Jury für einmal “nicht aus jedem Dorf einen Hund” gewählt , um diversen Ansprüchen zu genügen , sondern zwei Arbeiten auserkoren , welche auf differenten Wegen zu korrespondierenden Ergebnissen gelangen .

Mit Ausnahme der problematischen Relation der höchst unterschiedlichen Abspielzeiten - hier 11:49 und dort 52:09 - hätte man sich kein besseres Team im Trainingsraum radiophoner Rede wünschen können . Auch für künftiger Hörer aller Generationen wäre es produktiv , beide Werke auch weiterhin in Korrespondenz wahrnehmen zu dürfen . Voraussetzung dafür wäre freilich - Gentlemen’s first ! - , die Spieldauer beider Werke einander anzunähern .

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LITERATUR ALS RADIOKUNST | Karl- Sczuka- Förderpreis 2008 an die Lyrikerin Anja Utler



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Wie berichtet , geht der vom SWR ausgerichtete Karl- Sczuka- Preis 2008 für Hörspiel und Radiokunst an Thomas Meinecke & David Moufang .

Den Förderpreis erhält die LITERATUR ALS RADIOKUNST- Produktion “suchrufen , taub” der Lyrikerin ANJA UTLER . Im Jahr 2004 war bereits die der genannten Reihe produzierte Produktion OSWALD EGGERS - “tuning , stumm” - mit diesem Preis ausgezeichnet worden .

Die Preisverleihung findet am 18. Oktober als öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2008 statt . Die integrale Vorführung der ausgezeichneten Werke erfolgt an zwei Terminen :

Das ORF- KUNSTRADIO hat dazu Informationsseiten in deutscher und englischer Sprache eingerichtet :

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