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NEUES VON FREUNDEN



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Sabine Scho farben cover

WIEN : REINHARD- PRIESSNITZ- PREIS

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Noch im Juni musste sie beim Ingeborg- Bachmann- Wettbewerb den Schwarzen Peter zu hoher Abstraktion einstecken ( Kategorie : Flacher Fun- Faktor ) , vorigen Montag wurde die östereichische Autorin Angelika Reitzer just für die Komplexität ihrer Texte mit dem Reinhard- Priessnitz-Preis 2008 ( und 3.700 € ) belohnt .

Mit dieser Auszeichnung haben die Juroren Gustav Ernst und Robert Schindel quasi ein bisschen Engel der Geschichte gespielt und dazu beigetragen , kränkende Kürzel ( “Wie nervend darf ein Text sein ?” ) durch eine explizite Ermunterung zu überschreiben :

Angelika Reitzer beeindruckt durch ihren souveränen Umgang mit Sprache. Ihre poetischen Bilder bestechen durch Präzision und Sparsamkeit. Im gekonnten Einsatz von Schnitten und Überblendungen, von Schärfe und Unschärfe und Lichtführung wird ihr Blick Kamera und ihre Erzählungen werden gleichsam zu Filmen.

Weiteres mag man in Reitzers jüngstem - ihrem dritten - Buch “Frauen in Vasen” ( Haymon ) sowie in ihrem sporadisch bespielten Blog “angelika express ” nachlesen .

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BERLIN : DAS ZWEITE BUCH

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In einer Glosse für das “Börsenblatt online” hat Rainer Moritz Anfang Jahr auf das “Problem des zweiten Buches” hingewiesen : Hinsichtlich der Wahrnehmungsbereitschaft für die zaudernd zweite Publikation eines eben noch als “Letzter Schrei” verhandelten Debütanten liege es mit der Literaturkritik im Argen :

Es geht um zweite Bücher, um jene Versuche von Autoren, den sympathischen Geruch des talentierten Debütanten abzustreifen und sich ein ‘Standing’ im Betrieb zu erarbeiten. Erste Male zeichnen sich, nicht nur in der Literatur, oftmals durch schönste Unbekümmertheit aus, die noch nicht von der Bürde übergroßer Reflexion belastet ist.

Das zweite Buch jedoch, womöglich das, das die Anerkennung, die das erste erfuhr, bestätigen soll, ist nicht selten eine schwierige Geburt. Die Literaturkritik trägt in letzter Zeit selten dazu bei, zweite Bücher angemessen zu begleiten. Natürlich, mag mancher Redakteur ausrufen, haftet diesen Zweitlingen nicht das Überraschende oder gar Sensationelle an, das sich herausstellen ließ, wenn ein unbekannter Autor am Firmament auftaucht.

Diesem frischfleischverzehrenden Phänomen setzt das Literarische Colloquium Berlin beherzt die Reihe “Das zweite Buch” entgegen und wartet mit seiner Veranstaltung am Mittwoch mit zwei unzweifelhaften poetischen Temperamenten auf : Hatte Nico Bleutge bereits mit “klare konturen” ( C. H. Beck 2006 ) eben diese erkennen lassen , empfing sein eben beim nämlichen Verlag erschienener Gedichtband “fallstreifen” sofort spontanes Lob .

Schwieriger , da in der Interzone zwischen Berlin und São Paulo pendelnd und in einem kleineren Verlag zuhause , hat es die energische , dem Klischee der elegischen Poetin entratende , Sabine Scho : Ihr erstes , von Thomas Kling edierte , Buch “Album” eben bei kookbooks in striktem Schwarz- Weiss wieder aufgeelgt , dicht gefolgt von einem nicht minder bibliophil gestalteten Band “farben” ( siehe Titelillustration ) . “Gemessen an den Ansprüchen, die wir an unsere Lebenswirklichkeit zu stellen gewohnt sind” , schrieb Liesl Ujvary in einem Textportrait ( pdf ) ,

… ist die Realität dieser Gedichte rücksichtslos, unangemessen, wahr. Es sind kompromisslose poetische Lehrstücke, ganz up to date und total lebendig.

Zwei Stimmen , welche , wie wir hoffen , auch @ in|ad|ae|qu|at zu vernehmen sein werden . - Literarisches Colloquium Berlin , 29. 10. 2008 , 20 H .

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WIEN : THE ATROCITY EXHIBITION

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Etwas heftiger wird es zugehen , wenn die Weirdo- Spezialisten Thomas Ballhausen und Edlinger ( Thomas , fm4 ) am Donnerstag im Literaturhaus die deutsche Neuauflage des seit 1970 unter verschiedenen Titeln verlegten hoch psychotischem Komposit- Romans “The Atrocity Exhibition” ( aka “Love and Napalm : Export U.S.A.” ) von J. G. Ballard präsentieren .

Liebe & Napalm – The Atrocity Exhibition” - als Band Zwei der im ehemaligen Frauenverlag , heute Milena , lancierten Reihe “exquisite corpse - Schriften zu Ästhetik , Intermedialität und Moderne” ein in der Tat starkes Stück . In der Sprache des inter- inter- meta- “projekts berggasse” formuliert :

miss k. + mr e. beschallen danach wieder gerne mit ihrer konzeptgeplagten lieblingsmusik die hallen des literaturhauses.
wir laden alle literatur-freaks und diskurs-(mit)tänzer ein, bei wein, bier und/oder saft mit uns zu diskutieren, zu tanzen und das neue buch zu feiern.
in diesem sinne, diesmal ein melodisches ‘you’ll see the horrors of a faraway place, meet the architects of law face to face

Na ja , dann … Literaturhaus Wien , 30. 10. 2008 , 20 H

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HIRN & WIEN MODERN

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Der spannenste Teil des fortgeschrittenen Wiener musikalischen Lebens ereignet sich sicherlich zur Zeit im Rahmen von WIEN MODERN , obgleich uns nicht ganz einsichtig sein will , warum sich ein Festival dieser Klasse einem Modethema wie der Hirnforschung andienen soll .

Egal , das Motto diesjahr lautet jedenfalls “Musik und Gehirn” und man ist sich nicht zu schade dafür , auch en makabren Ort des josephinischen Narrenturms ( aka Pathologisch-anatomische Bundesmuseum ) künstlerisch zu bespielen .

Lassen wir solchem Location- Exotismus einmal beiseite , ist mit Künstlern und Komponisten wie Peter Ablinger , Georges Aperghis , Harrison Birtwistle , Pierre Boulez , Brian Ferneyhough , Marino Formenti , Beat Furrer , Clemens Gadenstätter , Katharina Klement , Ernst Kovacic , Helmut Lachenmann , Bruno Maderna , Isabel Mundry , Enno Poppe , Salvatore Sciarrino , Karlheinz Stockhausen oder Iannis Xenakis für ge- höriges Brainfood gesorgt ( wie teilsweise bereits in Donaueschingen zu erleben ) .

Ein interessantes Komplement könnte dazu die Ausstellung “HÖREN hören” mit Arbeiten von Peter Ablinger in der Kunsthalle Exnergasse bieten ( Eröffnung , heute , 29. 10. ) :

Die Ausstellung ‘HÖREN hören‘ macht an zentralen Stationen von Peter Ablingers Arbeit seit den frühen 1990er Jahren Halt. Der Besucher taucht ein in eine Welt des Hörens, des Rauschens, Weißen Rauschens, der Summe aller Klänge. Die ‘Phänomenologie des Hörens‘ seines ehemaligen Lehrers Gösta Neuwirth geht den Untersuchungen Peter Ablingers voraus. Das Abziehen aller Zuordnungen, Bedeutungen und Konventionen, das Überwinden des Materials zugunsten einer Idee bildet einen Grundgedanken in dem der Konzeptkunst nahe stehenden Auffassung Ablingers. Als Konsequenz hören wir auf von Musik zu sprechen, nennen wir es Klänge oder noch besser: Geräusche.

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SWR : RADIOKUNST ON AIR

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HÖREN !” dürfte man ja jetzt copyrightfrei nach Manier der TV- Büchersendung rufen , wenn am Freitagabend auf SWR2 Anja Utlers mit dem Karl- Sczuka- Förderpreis ausgezeichnetes Literatur als Radiokunst- Stück “suchrufen , taub” nochmals zu vernehmen sein wird :

Das Hörspiel vom Hörspiel - Das Förderpreiswerk und Ausschnitte weiterer Werke aus dem diesjährigen Wettbewerb um den Karl- Sczuka- Preis” - SWR2 : Freitag , 31. Oktober , 22.03 H .

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WIEN | BERLIN : MONAT DER FOTOGRAFIE

Dass Mittwoch , 30. 10. der “Europäische Monat der Fotografie” startet und mit diesem ein lichtbildnerisches Panoptikum in Wien , Berlin , Bratislava , Luxemburg , Moskau , Paris und Rom will kaum mehr auf die sprichwörtliche Kuhhaut dieses Postings passen .

Allerdiings werden wir in|ad|ae|qu|at per “Salon Littéraire” und mit Akut- Ansagen den Themenkreis mehrmals queren . Die Wiener Zentrale eröffnet jedenfalls am Donnerstag ( 19 H ) im MUSA mit der Ausstellung “MUTATIONS II. Moving Stills” , das Wien Museum hatte es terminlich eilig und die Schau “Elfriede Mejchar - Fotografien von den Rändern Wiens” bereits vorige Woche eröffnet .

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KLANGAPPARAT

Visionär wie eine Glaskugel . Exotisch wie ein mundeblasenes paper- weight , in welchem psychedelische Muster schillern . Und ein wenig czz-hoerempfehlungkitschig wie die berühmte Schüttel- Schnee- Kugel : Zweifellos bezieht sich des Tirolers Beitegeuze ( aka Thomas Berberich ) EP “Concorde” weniger auf die so genannte Überschallfluapparatur denn auf den Einklang der ‘concordia’ . Indien meets ambient goes Japan : Dass das Graz | Wiener Netlabel l a r i d a e durchaus auch härte Klänge virtuos anspielen kann , wissen in|ad|ae|qu|ate Leser nur zu gut ( hier , hier , hier , hier und hier ) . Release 43 diesmals also auf den polymoph diversen Spuren der Sound- Experimente Bill Laswells : Nicht Schlimmeres soll uns g’schehn ! - CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM ( WMP ) -

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Audio aktuell : Klassisch abgründig & Heute Hören



||| NACH HALL IM RE- RUN | HEUTE HÖREN 1 | HEUTE HÖREN 2

Mag das Hörspiel unter allgemeinem Applaus endgültig im postdramatischen Genre angelangt sein ( die Kür der akustischen “Rimini Protokollierung” von Band Eins des Marx’schen “Kapitals” für den “Hörspielpreis der Kriegsblinden” sei ein nicht unulkiges Zeichen ) , schöpft die klug inszenierte Lesung aus dem Vollen des paradoxer Weise meist reduzierten “verdichteten” Textes .

NACH HALL IM RE- RUN

icon listening blackWenn unsere “aktuellen” Hinweise allesamt noch unter dem Erscheingungjahr “2007″ figurieren , so deutet dies auf den dankenswert langen Atem des pubplizierenden Organs sowie auf den geringen Raum für Rezensionen des Genres . Es sei . Immerhin ist mit der Kategorie der Hörbuch- Rezension wieder so etwas wie eine Art “Hörspielkritik” in die Zeitungen zurückgekehrt , wenn diese still zu Grunde gegangene Textsorte infolge des Audio- Book- Booms nicht überhaupt wiederbelebt wurde . Nichts Schlimmeres soll passieren -

Diesmal :

HEUTE HÖREN 1

icon listening whiteWer die bisherigen Sendetermine von “Karl Marx : Das Kapital, Band 1“. Von Rimini Protokoll ( Bernd Ernst , Helgard Haug , Stefan Kaegi , Daniel Wetzel , DLF / WDR 2007 ) auf SR 2 ( 1. 5. ) sowie auf RBB Kultur ( 2. 5. ) verpasst hat , mag sich im heutigen “Hörspiel- Studio” des ORF ( 20:31 Uhr , Ö 1 ) gütlich tun .

Die Begründung der Jury für die Zuerkennung des “Hörspielpreises der Kriegsblinden” möchte man angehörs des ziemlich zerstreut galoppierenden 50- Minüters zwar zart in Zweifel ziehen , doch bilde sich Eine Jede sein eigenes Urteil :

Ein weiteres grossartiges Stück der renommierten Gruppe “Rimini Protokoll” stellt auf erhellende Weise Experten des Alltags in einen artifiziellen Zusammenhang. Im Hör­spiel “Karl Marx: Das Kapital, Erster Band” erforschen Helgard Haug und Daniel Wetzel, wo in der Gesellschaft dieses Buch, das jeder kennt und kaum einer gelesen hat, seine Spuren hinterlassen hat. Menschen setzen ihr Leben in Beziehung zu dem Werk. Der eine hat es gründlich studiert, die andere damit geheizt. Ein Wissenschaftler, ein blin­der Plattensammler, ein früherer Maoist, ein Gewerkschafter, eine Prostituierte und andere erzählen von Habenwollen und Spielsucht, Anlagebetrug, von Menschen als Ware, Fetischen, vom Arbeitsalltag, vom Marxwein aus Trier, von Neokapitalismus und alter Ausbeutung.

Die authentischen Stimmen sind zu einem provokanten und zugleich kulinarischen Radio- Erlebnis komponiert. Brüche, Zusammenstöße, absurde Beziehungen und eine hintergründige Komik entstehen. Die Jury lobte diese zeitgemäße Weiterführung des Originalton- Hörspiels. Sie genoss subtilen Witz, scharfe politische Analyse, Geistrei­chelei, und schließlich und vor allem den akustischen Mehrwert. ( Hervorhebungen czz )

Zweifelsfrei und unbestritten ist , dass die Preisübergabe am 2. Juni erfolgen wird . |||

HEUTE HÖREN 2

icon listening blackMit All- und Nirgendsörtlichkeit der Handy- Telephonie beschäftigt sich nur - wie die Produktionsnotizen zur jüngsten Ausgabe von “Literatur als Radiokunst” erweisen - die jüngere Generation in Gestalt von Monika Rinck , sondern auch ein Altmeister . In der ( leider nur monatlichen ) “ars acustica”- Sendung des SWR2 steht heute ( 23:03 Uhr ) eine Ursendung des immer noch hoch agilen Mauricio Kagel auf dem Programm : “Erratische Blöcke ” -Radiostück aus akustischen Bildern ( Regie und Komposition : Mauricio Kagel , Produktion : SWR | HR 2008 ) .

Mauricio Kagel über die Handy- Verhältnisse in Analyse und klangkünstlerischer Umsetzung :

Die diffusen Standorte, an denen man mittlerweile mit Hilfe der Mobiltelefone kommuniziert, sind längst keine privaten, sondern betont öffentliche Räume. Man könnte das als ein “Kontinuum der Monologe mit austauschbaren Folien” bezeichnen. Zu den wesentlichen Merkmalen der üblichen Verwendung gehören der Tempowechsel der Gespräche, ihre oft störende Lautstärke und die Dichte der gleichzeitig stattfindenden Telefonate.

Das Material der “Erratischen Blöcke” fusst auf realitätsnahen Situationen; dessen Darstellung verfolgt jedoch nicht das gleiche Ziel, sondern beschreitet genau den umgekehrten Weg: Durch Zuspitzung bestimmter Zusammenhänge wird auf eine andere, ebenso mögliche Wirklichkeit hingewiesen. Die Orte und Räume der akustischen Bilder wechseln oft mit der Geschwindigkeit eines Feuerwerks, dies entspricht auch der globalen Verwendung des Handys, die zu einer vielfältigen Polyphonie sui generis geführt hat.

Eine schnelle Abfolge der Informationen, Telefonsignale und musikalischen Ereignisse sind darum Grundmassstab der Montage; Durchsichtigkeit jedoch bleibt das wesentliche Ziel dieser Arbeit. Als Kontrast zu der dominierenden Transparenz der Textur finden im Verlauf des Stückes, und zwar in fast regelmäßigen Abständen, Verdichtungen von relativ kurzer Dauer statt; sie basieren hauptsächlich auf der Gleichzeitigkeit von verschiedenen Fassungen eines Abschnitts.

Eine Polyphonie der Richtungen und Bewegungen mittels Schritten, laufenden Rollbändern (wie in manchen Flughäfen üblich), Rolltreppen, Verkehrsmittel aller Art inklusive Pferdekutschen und Tretbooten wird unter anderem Grundlage der räumlichen Artikulation. ( Mauricio Kagel )

Eine schöne Stelle zur Parallel- Lektüre bietet sich in Philip Roths “Exit Ghost” , wo der gute Nathan Zuckerman nach zehnjähriger Abwesenheit das erste Mal wieder New York betritt und dort erstaunt eine Population von atemlos in Handy- Apparate monologisierenden Stadtbenützern antrifft … |||

Neues von Freunden



||| FRISCHLIEFERUNG | TEXT DES MONATS | “DER SIEG IST ZU UMGEHEN” | HÖRT ! HÖRT ! | LESEN & HÖREN OFF BROADWAY | HÖREN : RADIOKUNST @ RADIO FRANCE | KLANGAPPARAT

FRISCHLIEFERUNG

czz neues von freundenEs hat sich eingespielt , dass wir in|ad|ae|qu|at dann die Karte “Neues von Freunden ausspielen” , wenn unser Leib- und Magen- Hausmusikant broque eine Frischlieferung bringt . Wer empfängt , der möge auch geben . So also brechen wir nun auch den - voriges Mal keusch verschwiegenen “brotcast” - und leeren gemeinsam den enorm gefüllten Märzenbecher . |||

TEXT DES MONATS

czz neues von freundenDer “Text des Monats“, mit welchem Liesl Ujvary den Berliner Schriftsteller Johannes Jansen vorstellt , klingt jedenfalls alles andere als gemütlich . Weitere Textproben verabreicht lyrikline in sozusagen homöopathischen Dosen : Aber just diese wollen erstmal verstanden und in dem , was Doderer noch “Desperatismus” genannt hätte , vergegenwärtigt sein . So etwa die Passage “Halbschlaf” ( Suhrkamp ) :

Unfähig zum Rückzug geht uns die Ankunft voraus. Wollen sie nun ankommen oder unterwegs sein, fragt die verfahrene Situation, ohne ein Lächeln zu vermeiden. Letzteres, heißt es, denn wir wollen nicht fertig sein, bevor sich die wechselnde Zeit nicht erfüllt hat. Alles ist möglich. Nichts ist möglich. Ein Spiel mit Aufbruch und Abscheu. Um unserer Existenz einen Zeitvertreib zu bereiten, spielen wir die Wege durch. Sie enden alle im Abseits, manche siegreich, doch der Sieg ist zu umgehen. ( with friendly regards to J. J. and lyrikline ) |||

“DER SIEG IST ZU UMGEHEN”

 

czz neues von freundenMan kann es auch “Passion Österreich” nennen , durchaus im vorösterlichen Sinne und 70 Jahre nach dem sogenannten “Finis Austriae” . Die Stadtkirche Darmstadt jedenfalls zeigt noch bis 16. März Angelika Kaufmanns Rauminstallation “Requiem” . Eine Reihe literarischer Matinéen ( sowie eine Kriminacht am 14. 3. mit Paulus Hochgatterer , Franz Schuh , Heinrich Steinfest und Stefan Slupetzky ) wird die Installation bis zur Finissage am 16. 3. mit Elfriede Gerstl und herbert j. wimer begleiten . Da ist Keiner dabei , dem es nicht nahe läge , allzu billige Siege zu umgehen .

Wer Angelika Kaufmanns Ver- Schriftungen auch jenseits von Darmstadt in Raum und Ausstellung sehen mag , muss seine Schritte ab Montag , 10. 3. nur in die Wiener Salvatorgasse lenken : Die Galerie Splitter Art zeigt den Zyklus “. . . reise nach . . . ” und wird bei dieser Gelegenheit auch gleich das feine Katalogbuch “Angelika Kaufmann : Arbeiten auf und mit Papier 2000 – 2007 | Works on paper and using paper” vorstellen . Ein paar Impressionen daraus waren auf in|ad|ae|qu|at ja bereits zu sehen .

Bereits ab diesen Donnerstag , 6. 3. wird Margherita Spiluttini in der Galerie Christine König gezeigt . Als Eyecatcher hat man das “Gebäude für Forschung und Schulung” ( Roche , Basel ) online gestellt : Und damit einen Teil der jahrzehntelangen photographischen Dokumentation des architekturalen Schaffens von Herzog & de Meuron ( hier mehr … ) . Die Wandgestaltung von Rémy Zaugg mit ihrem gewaltigen Schriftzug “DOCH ICH , DAS BILD ICH HÖRE DEM DUFT DES VEILCHENS ZU” fügt ein weiteres Exempel zu der an anderer Stelle angesprochenen Debatte über “Schrift in der Photographie” . |||

HÖRT ! HÖRT !

czz neues von freundenDie Literaturzeitschrift ZEITZOO feiert die schöne Achterschleife des entsprechenden Geburtstags am Mittwoch in der Galerie der Literaturzeitschriften des Literarischen Quartiers : Nikolaus Scheibner , Magdalena Knapp- Menzel , Günter Vallaster , Ilse Kilic und Fritz Widhalm u. a. beweisen am 12. 3. , dass es keinen Knud braucht , um fröhlich zur Grösse zu wachsen . Selbst dann , wenn nicht alle hinschauen .

Hinhören kann man - bei raumbedingt begrenzter Publikumszahl - ab sofort und einmal im Monat auch im Glücksschweinmuseum des Fröhlichen Wohnzimmers : Am 7. März heisst es zum zweiten Mal “P(L)OP” und “Hört , hört !” , denn oben besagter Fritz spielt und kommentiert “10 Musikstücke im histörrischen Kontext” ( 1080 , Florianigasse 54 , 19 Uhr ) . |||

LESEN & HÖREN OFF BROADWAY

czz neues von freundenÀ propos Kleine Leseorte : Selbstredend gelten A- Adressen und Top- Events wie Brigitte Kronauers Lesung aus ihrem köstlichen Three- in- One Roman “Errötende Mörder” ( Literarisches Quartier , 13. 3. ) oder Andrzej Stasiuks unverkennbare prosapoetischen Pilgerschaften unter dem Titel “Fado” ( Literaturhaus , 10. 3. ) als Top- Events . Zweifellos werden sie in der Tagespresse zureichende Beachtung entfachen .

Von den kleineren und versteckteren Schau- und Hörplätzen von Literatur erfährt der Zeitungsleser erfahrungsgemäss eher selten . Folgen also noch zwei Off- Broadway- Hinweise : 50 und kein Stück darüber hinaus umfasst das bibliophile Kunst- Buch- Werk “Hollis & Holly” . Text : Lisa Spalt frei nach “Hollywood” und “Frau Holle” ( siehe : “Grimms” ) , Zeichnungen und Siebdrucke von Georg Bernsteiner . Die Präsentation der Limited Edition findet in der Werkstatt für Kunstsiebdruck Andreas Stalzer statt . Termin : 10. 3. , 19 Uhr . Ort : 1060 , Barnabitengasse 6 .

Reizvoll lässt sich schon der Name von Lhotzky’s Literaturbuffet ( 1020 , Taborstraße 28 , Eingang Rotensterngasse) an , wo Birgit Schwaner aus ihren “Lunarischen Logbüchern” ( R : Sigrid Messner , Literaturhaus ) liest , nebst Lisa Spalt mit eventuell grimmigen Texten . Notiere : 14. 3. , 19 Uhr . |||

HÖREN : RADIOKUNST @ RADIO FRANCE

czz neues von freundenSpeziell im Nachspiel zu der vor freundlichem Publikum präsentierten “Literatur als Radiokunst 2007″ sei ein akuter Radiohinweis gestattet : In seiner schon legendären Sendung zur “ars acustica” präsentiert Andreas Hagelüken einen anthologischen Querschnitt durch die Radiokunst bei Radio France ( Reihe : Neue Radiokunst international ) . Heute , 4. 3. ,23.03 Uhr , SWR2 . |||

KLANGAPPARAT

Inklusive diverser Doppelungen von Net- und LP- Releases steht broque ( aka Der Werte Herr Christian ) mit seiner März- Veröffentlichung nun schon bei Nummer 50 : Was wir da von Seiten des Deutschen Max Cavalerra zu hören kriegen , kündet allerdings in keiner Weise von einer czz hörempfehlungmidlife- Krise . Eher nach einem Äquilibrum zwischen treibend perkussiven und souverän gesetzten melodischen Spektren . Sollte man den Ausdruck “adult pop” in positivem Sinne verstehen wollen , dann wäre im Fall der EP below zero mit gutem Fug und best- practice- Recht von “adult electronica” zu sprechen . - Kurz gesagt : Der Stilwille ist dezidiert und tanzbar , bewahrt gleichwohl eine gewisse Diskretion . Noch kürzer gesagt : Empfehlung ! - CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. the core | 02. quintessence of soul | 03. mono bot | 04. welcome to delta | 05. bermuda triangle |||