||| I. DAS AMSTETTEN- BURMA- KAMPUSCH- ABC | II. ALICE IN BURMA UND MÄNNLICHE MAULSCHELLEN | III. BLOG 4 BURMA | IV. LINKS

Im journalistischen Ringen um Superlative , was das Beschwören der humanitären und politischen Katastrophe in Burma betrifft - speziell nach dem Zyklon “Nargis” - , standen argumentative und metaphorische Entgleisungen förmlich auf der Einkaufsliste des Unvermeidlichen . Wobei dies freilich nicht nur für die Mainstream- Medien galt und gilt , wo Alice Schwarzers anti- imperialistisches Gejammere ihr prompt mehrere - männlich geführte Maulschellen ( Matussek und Folgen ) - eintrug , sondern auch für gewisse Blogs , die sich zum Vergleich mit anderen Ungeheuerlichkeiten hergaben . Resultat einer - wir betonen : freiwiliigen - Logorrhoe , wie sie Aufsehen erregende Inzidenzien stets hervorzurufen pflegen .
Wir haben diese unsägliche Dynamik des Meldens , Meinens und Vermutens in unserem vorigen Beitrag zum Thema “Burma” behandelt und die Konsequenz gezogen , in|ad|ae|qu|at für’s Erste einmal nicht weiter mitzusingen in der internationalen Kakophonie . Zu welchen Extremen selbige führt , sei an zwei Beispielen demonstriert .
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I. DAS AMSTETTEN- BURMA- KAMPUSCH- ABC
Nachdem die Nachricht von den offenbar allzu österreichischen Manns- Volksbräuchen , sich Sex- und exploitation- Objekte in Verliesen unter Tag heranzuziehen mit dem “Fall Amstetten” ( und dem dadurch noch einmal durchlauf- erhitzten “Fall Kampusch” ) um die Welt gegangen war , sah sich das unter hoher akademischer Patronanz stehende Blog “BURMA DIGEST” dazu veranlasst , Parallelen zu ziehen zur zynischen Leibeigenschaft , in welcher die Entourage des Generalissimus Than Shwe eine ganze Bevölkerung hält .
“What To Do About The Monsters Joseph Fritzl & Than Shwe” fragt man in polemischer Absicht , referiert die österreichischen Fälle unter besonderer Betonung der angeblichen Unwissenheit der je unmittelbaren lokalen und sozialen Umgebung der mutmasslichen Täter Fritzl und Prikopil :
Incredibly, Frau Fritzl and the neighbors never realized the truth until then. …. People shudder and shake their heads as to what to do about such monsters in their midst.
In bildlicher Parallelisierung des “73 year-old Austrian Monster Joseph Fritzl” sowie des “75 year-old Burmese MONSTER Than Shwe” werden die offensichtlichen Macht- und Kontroll- Freaks zu Vertretern ein und derselben Generation , welche sich - sei’s in Mitteleuropa , sei’s in Südostasien - ohne höhere Schulbildung während der Nachkriegszeit ihrerer respektiven Länder zu Popanzen emporgearbeitet haben . Gewürzt mit ein paar faschistischen Allusionen ( Österreich selbstredend sowie die von den während des Weltkriegs durch ihre besondere Brutaltiät notorischen japanischen Sonderkommandoos geschulten burmesischen Generäle ) verdickt sich die “argumentative” Suppe rasch zu einem “Burmese Hitler” .
Ein Schuft , wer sich da nicht erinnert fühlt an Hans Magnus Enzensbergers fatalen Vergleich Saddam Husseins mit Adolf Hitler im Februar 1991 …. und wie Günther Nenning den deutschen Parade- Intellktuellen postwendend in der ZEIT als “Ajatollah des Westens ” titulierte .
In sämtlichen Fällen , so das Totschlag- Argument , handelt es sich um offensichtlich und offensiv falsch verstandene Vaterbilder ( und damit Gottesbilder ) : Der “Father Allmighty” als schlechtest möglicher Hirte der ihm anvertrauten Herde von Kindern , Völkern , Populationen .
…. consider all the people in Burma being mistreated by this Burmese Fritzl. There are not only the Burmese people, but also the ethnic Karens, Karennis, Kachins, Chins, Shans, Mons, Arakans and many more subgroups. ( …. ) The Austrian Fritzl abused his children but in the end allowed them to go to hospital for much needed help. The Burmese Fritzl, in contrast, abuses 54 million national children and refuses to permit any outside help for fear he will be arrested like Fritzl.
Indem die “Befreiung” der Fritzl- Tochter und das Eingreifen der Polizei kontrastiert wird mit der Ignoranz- und Defensivpolitik von Burmas ASEAN- Nachbarn gelangt die Polemik zu ihrer Pointe :
To Frau Fritzl and her neighbors, do not blame yourselves. You did not take part in the rape of the Fritzl children nor did you exploit them like pimps, hiring them to others. Think of the case of Burma where the neighboring countries DO know what is going on and yet for the past 20 years since the Nationwide Uprisings of 8-8-88, they have been aiding and abetting the Burmese Fritzl in return for economic gain. Thus, these neighors deserve to be called sons of A BITCH (ASEAN, Bengla, India, Thai, CHina) .
Gut , wird man einwenden , ein roher Klotz verdient nichts Anderes als einen rohen Hammer . Dass dieser “Aufruf zum Hinschauen” auf das , was in Burma geschieht , unter der Rubrik “Cartoons & Humour” figuriert , wird Manchen wundernehmen .
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II. ALICE IN BURMA UND MÄNNLICHE MAULSCHELLEN
Kollege “Birma news united” hat den Kasus um Alice Schwarzers plötzlichen Aktionismus hinsichtlich der Rückeroberung des EMMA- Territoriums durch den Hinauswurf der nur zwei Monate zuvor als Chefredakteurin eingesetzten Lisa Ortgies trefflich in Zusammenhang gebracht mit der folgenreichen Burma- Kolumne der frisch gekürten Ludwig- Börne- Preisträgerin in der FAZ . Gleichwohl sei hier ein weiterer , in|ad|ae|qu|at|er Blick auf die weiblichen | männlichen Argumentations- und Reaktionsmuster geworfen .
Im Februar hatte die FAZ der Verleihung des Ludwig- Börne- Preises an Alice Schwarzer eine vergleichsweise breite Coverage eingeräumt : Schon dem Titel des entsprechenden Artikels mag man entnehmen , dass dies ohne Harald Schmidts Laudatio nicht der redaktionelle Fall gewesen wäre : Harald Schmidt ehrt das Sturmgeschütz Schwarzer . Nachdem Schwarzer im Juli 2007 in voller Montur des Slogans “JEDE WAHRHEIT BRAUCHT EINE MUTIGE, DIE SIE AUSSPRICHT” ausgerechnet für eine Kampagne des Boulevard- und Busenblatts BILD posiert hatte , sodann die doktrinäre EMMA der Töchtergeneration erst anvertraute , um sie dieser sofort wieder zu entreissen , schien es der FAZ offenbar angezeigt , der Feministin grossformatigen Raum zur freiwilligen Selbstdemontage zu gewähren .
In ihrem malerisch- gefühlvollen Essay “Warum Burma echte Freunde braucht” erfüllt Frau Schwarzer am 1. 6. in der FAz nicht nur jedes denkliche Klischee eines anderen , für die echten Menschen und deren einfaches Leben sensiblen Reisens , sondern plädiert im ZK- Ton eines mumifizierten Anti- Imperialismus , eine Erneuerung könne in Burma nur von innen heraus und durch echte ( vulgo die autochthone Kultur achtsam respektierende ) Beihelfer geschehen :
Versteht sich, dass das kleine Myanmar schon längst vom mächtigen Westen im Namen der Menschenrechte und Demokratie “befreit“ worden wäre, würde das mächtige China nicht die Faust darüber halten (und so ungestört in die eigene Tasche wirtschaften). Denn das alles ist ja weniger eine Frage der Moral, sondern mehr eine Frage der Macht.
Doch kein Vertun: Wäre ich Burmesin, ich würde selbstverständlich zur Opposition gehören und hoffen, dass diese alten Knochen so bald als möglich verschwinden! Dass das Land endlich aus seiner Erstarrung erwachen und durchatmen darf. Aber ebenso sicher wäre ich - wie fast alle, mit denen ich gesprochan den folgenden Tgen en habe - strikt gegen jegliche westliche Intervention und für die Bestärkung der innerburmesischen Kräfte für Erneuerung.
Normalerweise wäre es die Aufgabe einer sorglichen Redaktion , selbst Gastautoren vor deren eigenem Hang zur Selbstdemontage zu bewahren . Ein paar Mails , ein Telefonat , sanfte Änderungsvorschläge . Was auch immer hinter den Kulissen abgelaufen sein mag : Wie sehr man Schwarzer in das offene Messer des Skandals - noch schlimmer aber : dasjenige der Lächerlichkeit - laufen liess , erwiesen die an den Folgetagen nachgesandten relativierenden Artikel der eingesessenen Redakteure Michael Hanfeld ( Das grösste Übel , 3. 6. ) , Alexander Marguier ( Die Plattmacherin , 7. 6. ) und den Korrespondenten Jochen Buchsteiner ( Welche Hilfe für Burma ? , 7. 6. ) - Angesichts dieser gesammelten Anwürfe der Weltfremdheit , des Dogmatismus sowie der Vernachlässigung der journalistischen Sorgfaltspflicht hätte es der eilend- ätzenden Replik des Matthias Matussek ( Alice im Wunderland | Gefühliger Kitsch der Armutsverherrlichung , SpOn , 1. 6. ) kaum mehr bedurft .
So folgt denn - neben Zurechtweisung und Belehrung - Bekenntnis auf Bekenntnis . Wobei Matussek nicht minder subjektiv “menschelt” als Schwarzer , welcher er eben dieses gefühlige Stilmittel vorwirft :
Auch ich habe die schwimmenden Märkte auf dem Inle-See bepaddelt und natürlich habe ich mir auch die Pagoden-Landschaft des “mythischen Pagan” nicht entgehen lassen. Burma ist schön, aber ich habe gelitten darunter, dass Familienväter gezwungen waren, mich anzubetteln, und dass sie immer erst dreimal über die Schulter schauten, bevor sie sich dazu durchrangen. Und ich fand es ekelhaft, wie sich jeder kleine Uniformierte mit Schlagstock spreizte und die Angst genoss, die er auslöste.
Nein, mir ist nicht aufgefallen, dass im rauen Norden “die Menschen nicht so goldhäutig und heiter sind wie im Süden”, da haben Sie wohl einfach genauer hingeschaut. Aber schon damals, tatsächlich, waren alle “angefixt von den Kyats und Kugelschreiber verteilenden Touristen”.
Ich würde allerdings nicht zynisch von “anfixen” reden. Ist derjenige, der einen Kugelschreiber benötigt, suchtkrank? Ist es nicht einfach ein Skandal, dass der Lametta-behängte Schieberhaufen, der das Land aussaugt, noch nicht mal für Schreibgeräte sorgen kann, mit denen Ärzte ihre Rezepte, Kaufleute ihre Listen, Kinder ihre Hausaufgaben notieren können ?
Es hätte eines zwei Tage später willig nachwassernden Spiegel- Résumées von Thorsten Dörting ( Schwarzers Burma- Missgriff : “Verantwortungslose Polemik” , SpOn , 3. 6. ) kaum mehr bedurft , um das Mass der unter männlichem “Mitleid” nur unzureichend verdeckten Desavouierung einer erfahrenen Publizistin voll zu machen : Sekundiert von den erwartbar hämischen Belgeitmusik der SZ ( Stefan Klein : Sind so liebe Wasserbüffel , 3. 6. ) hat hier ein konzertierter Missbrauch des Themas “Burma” stattgefunden , um eine wegen “Urlaub” voraussehbar abwesnede und deshalb nur eingeschränkt satisfaktionsfähige Gegnerin gründlich zu demontieren . Was nicht heisst , dass wir in|ad|ae|qu|at nicht etwa entsetzt gewesen wären vom Courths-Mahler- Stil , in welchem Schwarzer “Authentizität” , “Betroffenheit” und abstruse politische Konzepte unrein vergor .
Die Frage wäre nur : Ist diese Selbstdemontage aus freien Stücken geschehen oder hat man den längst fälligen Esel absichtlich auf Eis geführt ? - Interessant , dass es - im Tages- Anzeiger ( Simone Meier ) wie in der SZ ( Cathrin Kahlweit ) - ausschliesslich Frauen sind , die diesen Hang zur “Selbstdemonatage” in einem weiter gefassten Kontext reflektieren .
Edit : AFi macht uns eben auf Ulrike Baureithels bemerkenswerten Essay über das “System Schwarzer” in der “woz” ( ! ) aufmerksam . Take this quote and go for it [ womit wir uns freilich schon ein ziemliches Stück weit vom ursprünglichen Thema dieses Beitrags entfernen : es lebe die Abschweifung ! ] :
Hätte die nun mit Heuchlertränen begleitete Lisa Ortgies ein bisschen in den Archiven gewühlt, wäre sie auf einen offenen Brief aus dem Jahre 1980 gestossen, in dem 32 ehemalige Mitarbeiterinnen der «Emma», darunter Christina von Braun, Christiane Ensslin, Claudia Pinl und Cillie Rentmeister, Alice Schwarzer «Respektlosigkeit» gegenüber der Arbeit ihrer Kolleginnen, Selbstherrlichkeit und Dogmatismus vorwarfen. ( …. ) Aber Alice Schwarzer ist eben mehr als irgendeine ziemlich unangenehme Chefin, mehr als eine nach «männlicher» Räson operierende Unternehmerin und mehr als eine fragwürdig urteilende Journalistin - Alice Schwarzer ist das Synonym für Feminismus made in Germany, und gäbe es so etwas für politische Marken, müsste hinter ihrem Namen das eingetragene Warenzeichen erscheinen.
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III. BLOG 4 BURMA
Während der publizistischen Kakophonie der einander überbietenden Daten , Dokumente und Dossiers in Folge des Zyklons “Nargis” ( Videos @ Daburna ) sowie der paranoiden Abwehr “westlicher” Katastrophenhilfe durch das Regime ist das Netzwerk “Blog 4 Burma” ein wenig leiser getreten : Es bedarf keiner Kopisten dessen , was in den Schlagzeilen steht . Den Bloggern aus Deutschland , Frankrecih , Spanien , aus der Schweiz und Österreich ist es eher darum zu tun , den wechselnden Moden der Berichterstattung zum Trotz standzuhalten und kontinuierlich über verschiedene Aspekte der Kultur und Politik - nicht zulezt aber auch über die Diskurse , welche in den Mainstream Media gerade kursieren - zu berichten . So erörtert Kathy die Möglichkeiten , Than Shwe wegen “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” anzuklagen .
Kathy ( en francais ) , Birmania libre ( in spanischer Sprache ) und Jonas Lanter ( auf Deutsch ) erinnern an den Geburtstag der ( noch immer unter Hausarrest stehehnden ) Dissidentin Aung San Suu Kyi am 19. Juni ( 1945 ) . Birma News united hat ein Portrait der regierungskritischen Zeitung “The Irrawaddy” in der ARD- Mediathek entdeckt sowie einen ersten Überblick über das Diskursdrama um “Alice in Burma ” zusammengestellt .
Khaipi berichtet die Verhinderung des freien Webverkehrs in seiner Heimat durch die Unterbindung von von Proxy-Servern ( leider derzeit nicht erreichbar ) , adaequat erwägt die Optionen unpolitischer Hilfe bzw. einer Humanitären Intervention . Zur Erinnerung : Breaking News über “92% Zustimmung für Verfassung nach Referendum im DDR-Style ” .
Olivier sammelt getreulich Links , Tag für Tag , und das seit fast sieben Monaten ( The real disaster in Burma , Le Myanmar prend des mesures préventives contre les catastrophes naturelles , Foreign Doctors Leave Cyclone-hit Burma en partie … ) . Und das Alles frei Haus per RSS- Feed .
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IV. LINKS
I.
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Illustration : Harn Lay ( copyright ) : “Burma Prison Art ” , The Irrawaddy
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What To Do About The Monsters Joseph Fritzl & Than Shwe ( Yebaw Day , Burma- Digest , 17. 6. 2008 )
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Kriminalfall von Amstetten ( Wiki )
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Entführung von Natascha Kampusch ( Wiki )
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Hitlers Wiedergänger : Hans Magnus Enzensberger über Saddam Hussein im Spiegel der deutschen Geschichte ( Der Spiegel 6 | 1991 , 4. 2. 1991 )
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Der Ajatollah des Westens ( Günther Nenning , DIE ZEIT, 15. 2. 1991 )
II.
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Alice in Burma ( Birma News united , 3. 6. 2008 )
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Kein Ort für Postfeminismus : Schwarzer ekelt “Emma”-Chefin raus ( taz , 31. 5. 2008 )
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Börne-Preis : Harald Schmidt ehrt das Sturmgeschütz Schwarzer ( FAZ , 6. 2. 2008 )
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Alice Schwarzer nicht zwangsprostituiert ( BILDblog. , 12. 7. 2007 )
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Warum Burma echte Freunde braucht ( Alice Schwarzer , FAZ , 1. 6. 2008 )
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Wer verantwortet Burmas Leid ? Das grösste Übel ( Michael Hanfeld , FAZ , 3. 6. 2008 )
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Alice Schwarzer : Die Plattmacherin ( Alexander Marguier , FAZ , 7. 6. 2008 )
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Burma und der Westen : Welche Hilfe für Burma ? ( Jochen Buchsteiner , FAZ , 7. 6. 2008 )
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Alice im Wunderland | Gefühliger Kitsch der Armutsverherrlichung ( Matthias Matussek , SpOn , 1. 6. 2008 )
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Schwarzers Burma- Missgriff : “Verantwortungslose Polemik” ( Thorsten Dörting , SpOn , 3. 6. 2008 )
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Alice Schwarzer über Birma : Sind so liebe Wasserbüffel ( Stefan Klein , SZ , 3. 6. 2008 )
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Die Selbstverblendung hat gesiegt ( Simone Meier , Tages- Anzeiger , 13. 6. 2008 )
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Alice Schwarzer : Allein unter Frauen ( Cathrin Kahlweit , SZ , 10. 6. 2008 )
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Alice Schwarzer - Als die Chefin vom Podest fiel ( Ulrike Baureithel , woz , 19. 6. 2008 )
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TAGBLATT UND “BLOGWURST”
Da nicht nur die Bock- sondern auch die “Blogwurst” derer Enden zwei hat, meldet sich das Feuilleton - nach anfänglichem Anbrat- Interesse vorigen Mai - nun pünktlich prêt à rapporter zum Finale des paradoxen Online- ist- gleich- “Privat”- Romans Elfriede Jelineks .Von “A” ( dem akkurat akut anverwandelten “Dungeon Man” [ NYT ] von Amstetten ) über “B” ( dem buchfrei verbleibenden Verleger , als sei der Berlin- Verlag mit dem Totschläger Littells nicht börsenreif beschäftigt ) bis “Z” ( dem berühmten “Zitierverbot” ) : Die Presse ist prompt zur Stelle , wenn’s auch mal auf den Kulturseiten ein “Fait divers” zu vermelden gibt .
Die NZZ am 8. 5. , die SZ am 9. und die FAZ am 13. 5. Dass es seit Publikationsbeginn des Romans ein material- und reflexionsreiches Online- Forum ( JeliNetz ) gibt , bleibt in den Meldungen freilich konsequent aussen vor . “Internet” heisst demnach nicht nur der Wechselbalg einer irgendwie exhibitionistischen “Privatsache” , sondern auch der Ort privatim getätigter Lektüren .
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VERZEHRENDER NETZ- TEXT
In der Verweigerung der Anerkennung eines medien- adaequaten Austauschs von An- und Einsichten rücken die ( durchwegs männlichen ) Referenten und Rezensenten die Online- Existenz eines literarischen Werks in den Bereich der Pornographie : Was nicht “über die Budel” ver- und handelbar ist , wird Objekt eines mit dem Ruch des Illegitimen behafteten Online- Voyeurismus . Wo die Text grenzenlos verfügbar sind , untersteht auch deren Lektüre keinem hergebrachten Komment und Reglement : Schon dieses Moment des Ausufernden und Unkontrollierbaren macht den Bild- Schirm- Text verdächtig .Dem Philologen und Kritiker , gewohnt an den gedruckt unverrückbaren Text- Korpus , muss die diskrete Wandelbarkeit eines E- Textes geradezu frivol anmuten . Der proteische und tendenziell unendlich veränderbare Charakter eines solchen Werks lehrt den Publizisten buchstäblich das Fürchten : Nicht nur , weil rund 1.000 Seiten Fliesstext ein schwer übersehbares Gelände | Gewirk darstellen , sondern weil dessen Wandelbarkeit dem Kritiker grundsätzlich die Gnade des Letzten Wortes entzieht . So ein dämlich änderlicher Text kann nämlich seinerseits und postwendend buchstäblich zurückschlagen , indem er mehr oder weniger offensichtlich , auf die im Print festgestellten Anmutungen reagiert .
Um solche Rück- Schläge festzustellen , müsste man freilich den integralen Text unter ständiger Beobachtung halten wie ein “Alien” oder ein “gefährliches Tier” wird : Wer weiss , ob dieses Monstrum sich den Publizisten und seine tagesjournalistisch getrimmten Worte nicht eines Tages einverleibt und verschlingt ?
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ABWEHRZAUBER UND WIEDERGUTMACHUNG
Mit Nennung der dem Werk einverleibten Kritik vollzieht Paul Jandl in der NZZ gleichsam einen Abwehrzauber :Was Elfriede Jelinek den Lesern als “E. J.” sagen will, scheint klar. Die zarte Camouflage ist Kriegsbemalung, denn in “Neid” wird zwar einmal mehr mit Österreich abgerechnet, vor allem aber mit sich selbst. Die Schreibstube am Wiener Jupiterweg wird zum Echoraum all dessen, was die Kritiker der Schriftstellerin vorwerfen, während diese sagt: Geschenkt! Dass es im Werk der Jelinek wenig Handlung gebe, dass es ihm an erfahrbarer Wirklichkeit mangle, dass es sich wiederhole und verzettle, tausendmal: Geschenkt! – In die Familiengeschichte steigt der Roman herab und spart auch dabei nicht mit Selbstvorwürfen. Die beinahe pornografische Entblössung des eigenen Ich treibt ein Buch voran, das den “Neid” des Titels pro domo nimmt. Der Lebenssünde, “Ich” zu sagen, hat Elfriede Jelinek ihr Todsünden-Projekt gegenübergestellt. Neben den Romanen “Lust” und “Gier” ist der Neid eine Verirrung von offenkundiger Virulenz. Das Leben da draussen, das Leben, dem sich die Schriftstellerin entzieht, wird zum Gegenstand der Sehnsucht wie der Verachtung. Ganz privat, nur im Internet, rechnet Elfriede Jelinek mit ihrer Rolle als öffentliche Frau ab.
Burkhard Müller scheint mit seiner jüngsten Reaktion in der SZ förmlich um Wiedergutmachung seiner ersten Ausfälle vor einem Jahr bemüht : Sie mög sich hüten , die Autorin , hatte es damals geheissen , den Unlustfaktor ihrer Texte nicht auch noch durch eine unhandliche Publikationsform zu verstärken . Jetzt dahingegen begrüsst derselbe Redakteur Jelineks rasches Reagieren auf “Amstetten” ( “Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist die Feuerwehr, wenn alle anderen noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen” ) , ihre Tuchfühlung “Im Verlassenen ” auf Leib und Seele “Österreichs” sowie deren Ästhetisierung :
Elfriede Jelinek verliert keine Zeit damit, Töne des Entsetzens auszustoßen. Das haben inzwischen schon andere hinlänglich getan. Sie beginnt ihren Text “Im Verlassenen”, abrufbar auf ihrer Homepage, damit, dass sie das Besondere und das Allgemeine des Falls ins rechte Verhältnis bringt. Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält.” Das ist zwar als Prosa gesetzt, tänzelt aber wie von ungefähr in Richtung des gereimten Epigramms. ( SZ )
Hat man voreilig geurteilt ? Verkannte man das Visionäre in Jelineks Kassandra- Reden ? - Ein Journalist leistet , an der Monstrosität der Echtwelt gereift , förmlich Abbitte :
Jelinek hat viele, die sie in den letzten Jahren hörten oder lasen, durch die Gleichform ihrer Beschwerde ermüdet. Das mag zum Teil ungerecht gewesen sein, denn wenn das Übel sich nicht ändert, warum sollte es die Beschwerde tun? Es war Jelineks Art, der Welt, ihrer Welt, die Treue zu halten. Und doch liegt im Ermüdenden ein literarisches Problem.
Nun aber ergibt sich am zwar typischen, aber doch herausragenden Anlass die Gelegenheit zu zeigen, dass der fehlende Biss ihrer Texte, den man konstatiert hat, am Brei lag, mit dem sie es zu tun hatte, und nicht an ihren Zähnen. Jetzt hat sie ihren Brocken; und da erweisen sich ihre Zähne auf einmal als scharf. ( SZ )
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KALAUER MIT “AUFGABE”
Auch die formalen und textgenerativen Mittel wie der früher als “ermüdend” eingestufte Kalauer wird via München unter Umständen einer “echten Aufgabe” plötzlich rehabilitiert :Also beschränkte sich Jelinek darauf, den Affekt, ganz sparsam, in den Doppelsinn eines einzigen Wortes zu verlegen, um unvermutet B hervorspringen zu lassen, wenn gerade noch A das Thema war. Aber nachdem man dieser Weiche eine Zeitlang beim Schalten zugesehen hat, wandelt sich das Unvermutete in das Erwartbare, und der Trick zieht nicht mehr. Hier aber zieht er plötzlich wieder, und zwar weil er eine echte Aufgabe bekommen hat. Das Bestürzende an den Entdeckungen von Amstetten lag darin, dass sich alles über so furchtbar lange Zeiträume erstreckt hat. ( … )
Darum ist die Rede vom “Ruf” Österreichs, wenn es um Dinge wie Amstetten geht, eine solche Perfidie. Es ist dieselbe Art von Rede, die das Verbrennen toter Babies als “Entsorgen” benennt und sich damit den logistischen Gesichtspunkt, die Sorge des Täters, zu eigen macht. Ein Ruf ist etwas, das aus der Kehle dringt, aber eben auch der gute oder schlechte, den man hat. Plötzlich kommen sich die beiden Bedeutungen, der Schrei und die Reputation, ganz nahe. Auf den Ruf bedacht sein, heißt den Schrei ignorieren. Darin eben liegt die allgemeine Tendenz, die der krasse Einzelfall offenbart. ( SZ )
Als Erste Hilfe und ultima ratio gegen die Sprachlosigkeit des Entsetzens - sowie der journalistischen Ratlosigkeit , wie das Unsägliche überhaupt ( noch ) zu covern sei - wird Elfriede Jelinek plötzlich wieder der Rede wert :
Was kann, was soll man zu Amstetten sagen? Man braucht schon einen Ton, der trägt. Den hat Elfriede Jelinek. Er ist, wie eine Berufsfeuerwehr, wohlgeübt, und wenn plötzlich die Katastrophe ausbricht, weiß die Feuerwehr im Unterschied zu den übrigen Passanten, die bloß die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, genau, was sie zu tun hat. ( SZ )
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WO BLEIBT DER “KLASSISCHE WERKBEGRIFF” ?
Solche thematischen Schnittstellen an | mit der ausserliterarischen ( Skandal- ) Realität , wertet Hubert Spiegel lediglich als Ephemera und Fortsetzung des Immergleichen unter Berücksichtigung frischer Datenlagen . Was den FAZ- Redakteur weitaus mehr irritiert , ist die “Aushöhlung des klassischen Werkbegriffs” durch stete Veränderlichkeit im Netz :Offenbar hat Elfriede Jelinek im Internet die Arbeitsbedingungen gefunden, die ihr am ehesten gemäß sind: Frei von jeglichen Verwertungszwängen herrschen hier autonome Innerlichkeit und Privatheit in ihrer denkbar öffentlichsten Form. So ist ein Werk entstanden, das die Mittel des Blogs benutzt, um nahezu sämtliche Fesseln des Romans abzustreifen. ( … ) Denn Änderungen sind jederzeit möglich. Damit tritt ein, was Autoren Traum und Albtraum zugleich ist: Kein Text ist jemals fertig. Alles bleibt vorläufig, fließend, in potentiell jederzeit zu beschleunigender Bewegung. ( … ) So wird die Aushöhlung des klassischen Werkbegriffs, die in Elfriede Jelineks Schaffen immer schon angelegt war, im Netz auf die Spitze getrieben. ( FAZ)
Die - für jeden Jelinek Kenner selbstverständlich nur cum grano salis zu lesende - Nachbemerkung “Unvollständige oder fehlerhafte Sätze bitte (jeder für sich selbst) ergänzen bzw. korrigieren” wird von Hubert Spiegel beim Wort genommen und als Zeichen dafür , dass das “Lektorat … an die Leserschaft übergegangen” sei . Mit dem “klassischen Werkbegriff” geht somit auch die “auctoritas” | Autorität des Autors den Bach der Blogrolle hinunter und reisst die ( “klassische” ) “Sinnstiftung” gleich mit :
Wo die Sinnstiftung an sich schon als Machtausübung verstanden wird, wo jede Organisation des Textes unter dem Verdacht der hierarchischen Handlung steht, wird Flüchtigkeit als Freiheitsgewinn verbucht: “Mir gefällt der Gedanke, dass jeder, der will, sich etwas von mir herunterladen kann, es irgendwo zerstreut, ein paar Seiten, auch auf dem Handy konsumiert, und dann verschwindet es wieder im Netz. Es ist da, für jeden”, sagt Elfriede Jelinek über ihr Projekt, “und gleichzeitig weg, das gefällt mir”. Dass der Roman sich nicht zwischen zwei Buchdeckeln materialisieren darf, könnte man fast als Sühne dafür nehmen, dass auch dieser Text seine Existenz einem Schöpfungsakt verdankt. ( FAZ )
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SÜHNE | SÜNDE : SCHÖPFUNGSAKT | KINDSWEGLEGUNG
Das Motiv der “Sühne” wurde bereits von Paul Jandl in der NZZ angesprochen . Dort war es allerdings auf Jelineks “Rolle als öffentliche Frau” gemünzt . Elfriede Jelinek hat sich über die Jahre hinreichend und ausführlich über die problematische Rolle der “öffentlichen Frau” geäussert . Aus der praktischen Erfahrung , dass diese von einer Öffentlichkeit , in welcher ( wie in den zitierten Artikeln ) “der Mann” das Sagen hat , als unangemessene Ermächtigung wahrgenommen wird, hat Jelinek ihr mediales , diskursives und literarisches “Fort | Da”- Spiel entwickelt . Es muss da nun doppelt paradox anmuten , wenn jetzt von Seiten des FAZ- Autors der Vorwurf ertönt , die Frau als Schriftstellerin negiere ihren “Schöpfungsakt” .Da dieser “Schöpfungsakt” spätestens seit der Genesis dem Gott , dem Mann , dem Autor vorbehalten ist , muss es sich wohl um im eigentlichen Sinne um die weibliche Sünde der “Kindsweglegung” handeln …
“geschlechterdings” ( Gerhard Rühm ) gerät selbst im Zeitalter der Männerforschung noch so Manches in auf- reizender Fehlleistung durcheinander .
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KLANGAPPARAT
Wir haben ihn vermisst . Nun aber ist er wieder da : DJ Tom Larson ( @ MySpace ) mit einem seiner die Grenzen von Raum und Zeit korrodierenden
Mixes . Diesmal mit “Elektronischen Schallwellen” @ Loopzilla . Womöglich nicht ganz frisch , aber nahezu klassisch . Go with the flow , knappe sechsundsiebzig Minuten und wieder … und wieder … CLICK LINK TO LISTEN STREAM . ||||||
LINKS
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“NEID” , 936 Seiten , Mai 2007 - Mai 2008 @ elfriedejelinek.com
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“Im Verlassenen” @ elfriedejelinek.com
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JeliNetz , Online- Forum @ Elfriede Jelinek Forschungszentrum Wien
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Ich bin raus ! Elfriede Jelineks neuer Roman “Neid” ist fertig greifbar – im Internet ( Paul Jandl , NZZ , 8. 5. 2008 )
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Jelinek reagiert auf Amstetten : Guter Ruf, böser Schrei ( Burkhard Müller , SZ , 9. 5. )
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Jelineks Internetroman “Neid” - Frauen , Männer , Klischees ( Hubert Spiegel , FAZ , 13. 5. 2008 ) |||
RELATED
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Elfriede Jelinek. Arbeit am Alibi : Zum “Privatroman” NEID ( in|ad|ae|qu|at , 7. 5. 2007 sowie @ JeliNetz)
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Elfriede Jelinek. Mediale Überschreitungen | NEID ( 1. 11. 2007 )
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Einatmen - Ausatmen : Elfriede Jelinek in Figuren der Radiophonie ( in|ad|ae|qu|at , repository )
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RADIO | JELINEK | REMIX : Video- Online- Première @ YouTube ( 11. 12. 2007 )
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RADIO | JELINEK | REMIX : Making Of ( 12. 12. 2007 )
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EDIT 20. 5. :
- Eine Immission obiger Auslassungen wurden im “Blogblick” der Netzeitung gesichtet . Gewissermassen das “dicke Ende” im Anhang .
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||| AVANT PROPOS | WORTFELDER EXTREMER LEKTÜRE | 1. A - IRIS RADISCH - DIE ZEIT | 1. B - RÉSUMÉE | 2. A - GEORG KLEIN - SZ | 2. B - RÉSUMÉE | 3. A - VOLKER WEIDERMANN - FAS | 3. B - RÉSUMÉE | NACHGETRAGEN : WEITERE TEXTE

AVANT PROPOS
Im Folgenden ist keine typische Blog- Lektüre zu erwarten . Eine Exercise de Stlyle , augenscheinlich nicht nach Jedermanns Geschmack . |||
WORTFELDER EXTREMER LEKTÜRE
Zwei Tage vor dem Erscheinungstermin von Jonathan Littells Roman LES BIENVEILLANTS | DIE WOHLGESINNTEN liegen die ersten Rezensionen vor . Statt weiter im FAZ- “Reading Room” ( Tag bzw. Folge 16 ) im Sinne einer sine ira et studio vollzogenen Lektüre 2.0 mitzuziehen , präsentiert in|ad|ae|qu|at einige Elemente der bislang erschienenen Besprechnungen .Wie am Beispiel der publizistischen Niederschläge von der Mosebach- Büchnerpreisrede und deren Kommentaren durchgespielt , tasten wir die Texte der Rezensionen ab nach deren Topoi und Attributen , indem wir die Wortfelder aus dem diskursiven Fluss filtern . These ist , dass sich speziell an den ADJEKTIVEN eines Textes die Herstellung und speziell die rhetorische Suggestion von Stimmungen ablesen lassen : Womit sich , einfach gesagt , in der puren Suzession der Eigenschaftswörter auch Drall und Drift der Argumentation und Überzeugungsabsicht offenbaren .
Bei einem so drastischen und ambivalent rezipierten Text wie dem der WOHLGESINNTEN verspricht dieses Verfahren ein immerhin interessantes Lexikon . Und damit erledigen wir auch gleich den DISCLAIMER , dass wir hier in|ad|ae|qu|at den Rezensenten etwa am Zeug flicken wollten .
Uns interessieren lediglich die Wörter und deren Wechsel im Grabenkampf mit der unzweifelhaften Zumutung der Lektüre und Charakterisierung dieses Buchs . Die Reihung erfolgt chronologisch nach Erscheinungsdatum der jeweiligen Rezension . |||
1. A - IRIS RADISCH , 14. 2. - DIE ZEIT
Am Anfang steht ein Missverständnis
viel ( Aufregung ) - literarisch mittelmäßig geratenes ( Debüt ) - dürftig geratenes ( Debüt ) - { gänzlich } unbekannter ( Autor ) - strategische ( Provokation ) - historischer ( Thriller ) - sprachliche ( Ambition ) - ungezählte ( Wälzer ) - andere ( Wälzer ) - splitternde ( Hirnschalen ) - ejakulierende ( Gehenkte ) - purpurrote ( Erwürgte ) - aufgeschlitzte ( Soldaten ) - jüdischer ( Autor ) - ( Täterschaft ) - detaillierter ( Bericht ) - zurückliegende ( Kriegserlebnisse ) - publizistische ( Lücke )literarische ( Welt ) - ( Selbstporträt ) - ( Mörder ) - ( Kaltblütigkeit ) - ( Amoralismus ) - ( Verwirrung ) - literarische ( Stellvertreterschaft ) - ( Projekt ) - dostojewskijsches ( Format ) - ungewöhnliche ( Perspektive ) - ambitionierter ( Roman ) - { nicht } ( Problem ) - ( Gegenteil ) - ( Chance ) - eminente ( Chance ) - ( Landser-Kitsch ) - ( Doku-Thriller ) - ( Edelporno ) - viele ( Stellen ) - { nicht } ( Problem ) - ( Dr. Max Aue ) - ( Platon ) - ( Stendhal ) - ( Flaubert ) - ( Plutarch ) - ( Kant ) - ( Hegel ) - ( NS-Mörder ) - ( Opfer ) - ( Exekution ) - ( Altgriechisch ) - solche ( SS-Musterschüler ) - jede ( Wahrscheinlichkeit ) - historische ( Wahrscheinlichkeit ) - historische ( Wahrscheinlichkeit ) - { kein } Kriterium - literarische ( Beurteilung ) - ( Max Aue ) { kein } Mensch - { nicht } ( Mörder Raskolnikow ) - { eher } ( Geisteszustand ) - ( Menschen ) - ( Fleisch ) - ( Blut ) - { kein } Nachteil - ( Literatur ) - weitester ( Sinn ) - ( Geisteszustand ) - große ( Freiheiten ) - ( Geschichte ) - { einzig } ( Problem ) - dieser ( Roman ) - welchem ( Endzweck ) - ( Littell ) - diese ( Freiheit ) - ( Problem ) - ( Max Aue ) - ( Geisteszustand ) - 1400 ( Seiten ) - ( Nachlass ) - ( Nationalsozialismus )
existenzieller ( Nihilismus ) - enttäuschter ( Nationalsozialist ) - unbekehrter ( Nationalsozialist ) - { keineswegs } selbstzerknirschter ( Nationalsozialist ) - alle ( Widerwärtigkeiten ) - aller ( Kitsch ) - aller ( Schwachsinn ) - weltanschaulicher ( Schwachsinn ) - dieses ( Buch ) - quälende ( Ausführlichkeit ) - ( Konto) - { nicht } ( Konto ) ( Littells ) - { zwillingshaft } ( Autor ) - ( Figur ) - viele ( Ausführungen ) ( Aues ) - ( Interviews ) ( Littells ) - zahlreiche ( Vorstellungen ) - zahlreiche ( Lieblingsautoren ) - diese ( Rollenprosa ) - endlose ( Rollenprosa ) - eines ( Nationalsozialisten ) - eines ( Rassisten ) - überzeugten ( Nationalsozialisten ) - überzeugten ( Rassisten )
( Littell ) - ( Interviews ) - ( Frankreich ) - ( Antwort ) - diese ( Lektüre ) - mühsame ( Lektüre ) - ekelerregende ( Lektüre ) - langweilige ( Lektüre ) - tiefste ( Motive ) - ( NS-Täter ) - ( Gespräch ) - französischer ( Historiker ) - ( Pierre Nora ) - ( Frage ) - ( Motive ) - ( Leute ) - ( Opfer )
starkes ( Argument ) - tiefste ( Motive ) - ( NS-Täter ) - - ungelöstes ( Geheimnis ) - ( Versprechen ) - ( Geheimnis ) - dieses ( Buch ) - endloses ( Buch ) - ( Augenblicke ) - alle ( Mühen ) - alle ( Qual ) - dieses ( Buch ) - geschwätziges ( Buch ) - alle ( Mängel ) - literarischen ( Mängel ) - großes ( Buch ) .
französische ( Kritik ) - diese ( Frage ) - vereinzelte ( Gegenstimmen ) - ( Littell ) - ( Wunder ) - ( Untiefen ) - ( NS-Täterschaft ) - ( Sumpf ) - ( Dante ) - ( Hölle ) - kostbare ( Erkenntnisse ) - ( Licht ) - ( Unmenschen ) - ( Menschen ) - ( Mördern ) - ( Gesicht ) - ( Familiengeschichte ) - europäische ( Literatur ) - große ( Erzählung des 20. Jahrhunderts ) - diese ( Lesart ) - dominierende ( Lesart ) - ( Jorge Semprún ) - ( Pierre Nora ) - ( Literaturteil ) - ( Le Monde ) - ( Frankreich ) - diese ( Lesart ) - alles ( Misslungene ) - ( Kolportage ) - ( Kitsch ) - ( Pornografie ) - ( NS-Geschwätz ) - notwendiger ( Baustein ) - ( Gelingen ) - ( Ganze ) - ( Buch ) - ( 23. Februar ) - ( Deutschland ) - deutsche ( Sicht ) - kostbare ( Erkenntnisse ) - { keine } Rede - dieses ( Buch ) - ( Bibliotheksfantasie ) - gebildetes ( Spiel ) - größenwahnsinniges ( Spiel ) - ( Unmengen ) - ( Archivmaterialien ) - viele ( Bücher ) - vorgefundene ( Materialien ) - ( NS-Materialien ) - ( Hauptvorwurf ) - ( Frankreich ) - ( Buch ) - literarisches ( Spiel ) - ( Dokumente ) - verstörende ( Arbeit ) - nationalsozialistischer ( Mythos )
vielerlei ( Gründe ) - ( Hauptgrund ) - unverständliches ( Bestreben ) - ( Held ) - ( Ideologie ) - gebildete ( Bestie ) - ( Oberseminar ) - nationalsozialistische ( Schlächter ) - moderner ( Nationalsozialismus ) - intellektueller ( Nationalsozialismus ) - reine ( Lehre ) - ( Sicherheitsdienst ) - leidenschaftlicher ( Wunsch ) - ( Absolutes ) - ( Grenzüberschreitung ) - bessere ( Zeiten ) - ( Kolloquium ) - ( Georges Bataille ) - ( Ernst Jünger ) - ( Bequemlichkeit ) - bürgerliche ( Gesetze ) - laue ( Sicherheit ) - ( Gesellschaftsvertrag ) - abstrakter ( Antisemitismus ) - intellektueller ( Antisemitismus ) - ( Massenabschlachtungen ) - ( Ukraine ) - blinder ( Technokrat ) - ( Edelnazi ) - ( Judenfrage ) - ( Deutsches Reich ) - dieser ( Nationalsozialismus ) - intellektueller ( Nationalsozialismus ) - nüchterner ( Nationalsozialismus ) - geläuterter ( Nationalsozialismus ) - { nicht } pervertierter ( Nationalsozialismus ) - { nicht } verderbter ( Nationalsozialismus )
derartige ( Ehrenrettung ) - gehobener ( Nationalsozialismus ) - diese ( Gedankensplitter ) - schnittige ( Gedankensplitter ) - juvenile ( Gedankensplitter ) - konservative ( Revolution ) - ( Nachtgewächse ) - französischer ( Diskurs ) - akademischer ( Diskurs ) - ( Lösung ) - schmerzhafte ( Frage ) - unsere ( Großväter ) - ( Mörder ) - literarische ( Figur ) - ärgerliches ( Spiel ) - schockierende ( Obsession ) ( … )
( Littell ) - ( Pierre Nora ) - “strukturalistische” ( Betrachtung ) - “funktionalistische” ( Betrachtung ) - ( Nationalsozialismus ) - ( Frage ) - individuellen ( Verantwortung ) - ( Rückkehr ) - ( Standard-Erzählung ) - ( Problem ) - ( Ausrottung ) - größtes ( Paradox ) - ( Roman ) - ( Autor ) - ( Erzähler ) - ( Ansicht ) - einzelner ( Mensch ) - ( Innenleben ) - ( Erklärung ) - deutsche ( Verbrechen ) { bedeutungslos } - ( Roman ) - diese ( Innenperspektive ) - persönliche ( Innenperspektive ) - ( Strukturzusammenhänge ) - ( Funktionsverläufe ) - ( Dokumente ) - { nicht } ( Seelen ) - ( Täter ) - ( Zentrum ) - ( Legendenbildung ) - ( Überhöhung ) - ( Täters ) - ( Stockholm-Syndrom ) - leidende ( Geisel ) - ( Heldenerzählung ) - nationalsozialistischer ( Held )
( Wort ) - sogenannter ( Stil ) - ( Roman ) - ( Pierre Nora ) - “kein” ( Ton ) , “einziger” ( Ton ) , “falscher” ( Ton ) - französisches ( Original ) - beträchtlicher ( Teil ) - ( Deutsch ) - ( Militärsprachliches ) - ( “Oberfehlshaber” ) - ( “Generalfeldmarschälle” ) - ( “Befehlsnotstände” ) - manche ( Sätze ) - ( Deutsch- Französisch ) - ( “Standartenführer” ) - ( “Leiter” ) - ( “Führervernichtungsbefehl” ) - ( “Schnaps” ) - ( “Herren” ) - ( “Genickschuss” ) - ( “Übermensch” ) - ( “Feldgrau” ) - ( “Strichjunge” ) - ( “Endlösung” ) - ( Deutsch ) - französischer ( Kritiker ) - ( Germano-Chic ) - ( “Endlösung” ) - ( “Erlösung” ) - ( Juden ) ( … )
ungelöstes ( Geheimnis ) - unsere ( Großväter ) - mitleidlose ( Mörder ) - dieser ( Roman ) - ( Schuldfrage ) - ( Kriegsverlauf ) - einzelne ( Stationen ) - technische ( Schwierigkeiten ) - ( NS-Ausrottungsprogramm ) - detailgetreues ( Werk ) - dokumentengetreues ( Werk ) - { nicht viel } ( Neues ) - ( Erfahrung ) - ausgebreitete ( Interna ) - ( NS-Netzwerk ) - ( NS-Ränkewesen ) - ihre ( Kleinkariertheit ) - staubige ( Kleinkariertheit ) - langweilige ( Kleinkariertheit ) - diese ( Ausführlichkeit ) - ( Sexualtragödie ) - letzte ( Winkel ) - feuchte ( Schwester-Vulva ) - küchenpsychologischer ( Nebenschauplatz ) - vulgärerotische ( Primanerfantasie ) - ( Attraktivität ) - trübe ( Niederungen ) - rassepsychologische ( Niederungen ) - ( Roman ) - unglückselige ( Zwillinge ) - ( Familie Aue ) - ( Juden ) - ( Deutschen ) - aussichtslose ( Zwillingsliebe ) - zerstörerische ( Zwillingsliebe ) - ( Beweislage ) - diese ( Deutung ) - ( Holocaust ) - ( Aue ) - ( Führer ) - kurzer ( Romanauftritt ) - ( Schläfenlocken ) - ( Gebetsriemen ) - ( Hitler ) - dessen ( Lebenstage ) - letzte ( Lebenstage ) - ( Führerbunker ) - übergroße ( Nase )
allerletzte ( Frage ) - dieses ( Buch ) - { schlecht } schreibender ( Idiot ) - sexuelle ( Perversionen ) - gebeutelter ( Idiot ) - elitäre ( Rasseideologie ) - antiker ( Schicksalsglaube ) - ergebener ( Idiot ) - gebildeter ( Idiot ) - diese ( Frage ) - { keine } ( Antwort ) |||
1. B - RÉSUMÉE
Iris Radisch liefert weitenteils ein Referat der französischen Debatten , beschränkt sich allerdings auf einen sehr schmalen Korpus von Interview- Zitaten . Grundsätzlich vollzieht die Kritikerin eine rhetorische Enumeratio , was der Roman NICHT ist . Damit hat sich die Rezensentin quasi eine zweifache Negativ- Kulisse eingerichtet , vor welcher sie positiv und in hoher Redundanz die TATSÄCHLICHE Charakteristik eines “Edelnazi” ( Aue / Littell ) zeichnet . Die zentralen Induktionen sind und bleiben stereotyp : Dass der Roman ein “Problem” darstelle . Und dass Littells Buch keine Erhellung des “Geheimnisses” liefere , “warum unsere Grossväter zu Mördern wurden” . |||
Zu welchem sprachlichen und rhetorischem Instrumentarium greift nun der Schriftsteller- Kollege Georg Klein , der zeitweilige “Shooting Star der deutschen Literaturszene” ( FR ) . Hervorgetreten mit einem Buch Von den Deutschen , allerdings auch mit einer feinen Reihe Essays über historische SF- Romane ( Über Arno Schmidts KAFF auch MARE CRISIUM , Die Zukunft von Gestern , 18 . 7. 2007 , ) .
2. A - GEORG KLEIN , 16. 2. - SZ
Figuren - Hochgestiefelte - Schwarzgewandete - Filme - Comics - Romane - Leser - Autor - Jahr - ehemaliger ( SS-Offizier ) - preisgekrönter ( Bestseller ) - französischer ( Bestseller ) - deutsche ( Übersetzung ) - vierzehnhundert ( Seiten ) - ( “Ich” )( Zeitgeschichte ) - ( Kenntnis ) - ( SS-Mann ) - ( Mord ) - ( Totschlag ) - großes ( Ausmaß ) - ( Rede ) - bürokratisch aufwendig organisierte ( Massenvernichtung ) und technologisch neuartig durchgeführte ( Massenvernichtung ) - ( Nationalsozialismus ) - minderwertige ( Menschen ) - ( Staatsfeinden )
( Verbrechen ) - faktische ( Erforschung ) - mediale ( Fiktionalisierung ) - letzte ( Hälfte des 20. Jahrhunderts ) - ( Nürnberger Prozesse ) - jüngste ( Buchproduktion ) - besondere ( Evidenz ) - ( Gräueltaten ) - ( Taten ) - übersachliche ( Augenfälligkeit ) - metaphysische ( Augenfälligkeit ) - ( Begriff des Bösen ) - ( Angehörige der SS ) - ( das “Böse schlechthin” ) - ( Deutsch ) - beschwörende ( Verdopplung )
( Littells Erzähler Max Aue ) - promovierter ( Jurist ) - hochrangiger ( Offizier ) - ( SS-Sicherheitsdienst ) - ( Bannspruch ) - ( Übereinkunft ) - ( Wirklichkeit des Geschehenen ) - eigene ( Worte ) - eigentlicher ( Lebensbericht ) - lange ( Reflexion ) - ( Amalgam ) - allgemeine ( Rekapitulation ) - zeitgeschichtliche ( Rekapitulation ) - populärphilosophischer ( Räsonnement ) - private ( Bekenntnisse ) - intime ( Bekenntnisse )
( Basis ) - einschlägige ( Literatur ) - wissenschaftliche ( Literatur ) - ( Zahl der Opfer ) - ( Krieg ) - ( Verfolgung ) - ( Schulterschluss ) - historische ( Forschung ) - ( Beschreibungsmacht ) - ( Deutungsmacht ) - ( Leugner ) - ( Verharmloser ) - gespannter ( Leser ) - beklommene ( Leserin ) - ( Morden ) - ( Totschlagen ) - spezifischesn ( Dabei-Sein ) - literarische ( Erzählung )
( Angriff ) - ( Sowjetunion ) - ( Leser ) - ( Protagonist ) - dessen ( Perspektive ) - ( Ereignisse ) - ( Geschehen ) - übersichtlich portionierte ( Szenen ) - ( Ich-Erzähler ) - enorm detailreiches ( Gedächtnis ) fotografisch getreues ( Gedächtnis ) - angeblich ( Erinnertes ) - kolportierende ( Trivialautoren ) - ( Drehbuchschreiber ) - legitime ( Erben ) - historischer ( Roman ) - vergangene ( Wirklichkeit ) - bewährte ( Bauteile )
derartiges ( Erzählen ) - allgemeines ( Bescheidwissen ) - individuelle ( Teilhabe ) - ( Doppelsimulation ) - gewohntes ( Verfahren ) - unsere ( Phantasie ) - ( Imagination ) - unsere ( Phantasie ) - verwandte ( Bilder ) - eigener ( Fundus ) - ( Gelesenes ) - ( Gesehenes )
( … ) etliche ( Lesestunden ) - folgende ( Schreckensszenen ) - ( Steigerung ) - ( Opfer ) - sowjetischern ( Geheimdienst ) - ( Pogrom ) - ukrainische ( Bevölkerung ) - jüdische ( Mitbürger ) - ( Aue ) - erstes ( Mal ) - einzelne ( Menschen )
( Erschießungsaktion der SS ) - ( Serialität des Vorgehens ) - ( Massenhaftigkeit des Tötens ) - ( Pistole ) - ( Schlucht Babyn Jar ) - ( Aufgabe ) - tödlich ( Getroffene ) - sogenannter ( Gnadenschuss ) - ( Tun ) - ( Beschreibung des Ermordeten ) - ( Rang ) - persönliche ( Begegnung )
erstes ( Opfer ) - zwei ( Sätze ) - ( Kontur ) - schreiender ( Mann ) - junger ( Mann ) - zweite ( Gestalt ) - gesichtslose ( Opfer ) - schönes ( Mädchen ) - fast nacktes ( Mädchen ) - deren ( Anblick ) - ( Gegenblick ) - ( Protagonist ) - ( Viertelseite ) - ( Kopf ) - ( Ergebnis ) - ( Platzen einer Frucht ) - solcher ( Vergleich ) - ( Figur des jungen Aue ) - erzählendes ( Alter Ego ) - ( Vermögen des Autors ) - ( Imagination des Lesers ) - stilistischer ( Gemeinplatz )
( Drastik ) - ( Ungeschick) - psychologischer ( Realismus ) - pornographische ( Kitschigkeit ) - ( Beschreibung ) - ( Passage ) - fatale ( Art ) - ( Rahmen ) - vorgegebene ( Mittel ) - erzählerische ( Mittel ) - ( Rahmen ) - trivialer ( Roman ) - ( Leser ) - ( Beteiligte ) - ( Das Böse ) - ( Literatur ) - ( Qualität der Handlung ) - ( Qualität des Stils ) ( …)
gleichförmige ( Programmierung ) - möglicher ( Schrecken ) - ( Besuche ) - ( Auschwitz ) - ( Ankunft ) - ( Selektion ) - ( Opfer ) - angebotener( Blick in die Gaskammer )
( Darstellung ) - direktee ( Gewalt ) - ( Umfang ) - ( Roman ) - nicht viel ( Raum ) - ( Passagen ) - ( Sehenswürdigkeiten ) - eroberte ( Städte ) - ( Widrigkeiten der Etappe ) - geselliges ( Beisammensein ) - andere ( Offiziere )
( Held ) - ( Schnapsglas ) - ( Pistole ) - ( Textstellen ) - ( Reflexionen ) - ( Mordaktionen ) - ( Durcharbeitung ) - ( Denken ) - ( Dialog ) - direkte ( Rede ) - direkte ( Gegenrede )
ideologische ( Begründung ) - sogenannte ( Endlösung ) - ( Zusammenhang ) - ( Massaker ) - ( Angriffskrieg auf die Sowjetunion ) - praktische ( Probleme ihrer Durchführung ) - komplexe ( Konsequenzen ) - alle ( Beteiligte ) - alle ( Betroffene ) - theoretischer ( Präsentierteller )verhandelt.
( Recherche ) - ( Gemeinschaft der Täter ) - heutiges ( Wissen ) - ( Gesamtumstände ) - ( im Strom der Ereignisse Schwimmende ) - kuriose ( Weise ) - ( Summe ) - ( Spektrum an Erkenntnissen ) - zeitgeschichtliche ( Forschung ) - ( Folgejahrzehnte ) - viele ( Quellen )
moralische ( Dimension ) - ( SS-Umfeld ) - eigene ( Typologie der Täterschaft ) - ( Neugier ) - ( Mordlust ) - ( Abscheu ) - ( Gewissensbisse ) - somatische ( Störungen )
( Ansichten ) - handelnder ( Aue ) - ( Zeit an der Ostfront ) - ( Ende Zwanzig ) - ( Alter Ego ) - ( Ausscheiden aus dem zivilen Arbeitsleben ) - siebtes ( Lebensjahrzehnt ) - ( Vielfalt der Kriegsereignisse ) - ( Schlamm ) - ( Blut ) - ( Mord ) - ( Totschlag ) - klarer ( Himmel ) - rationale ( Einsicht ) ( … )
aufgeklärte ( Harmonie des trivialen Realismus ) - erzählerische ( Verfahren ) - historischer ( Roman ) - psychologischer ( Roman ) - zurückliegende ( Jahrhunderte ) - späte ( Vollendung ) - triviale ( Vollendung ) - homogenisierende ( Macht ) - ( Quintessenz der gleichförmigen Gesamtschau ) - ( Geschehenes ) - ( Getanes ) - ( Erlittenes ) - genaue ( Betrachtung ) - ideologische ( Zusammenhänge ) - politische ( Zusammenhänge ) - militärische ( Zusammenhänge ) - bürokratische ( Zusammenhänge ) psychomechanische ( Zusammenhänge )
einzelne ( Menschen ) - ( Kontexte ) - verständliches ( Verhalten ) - plausible ( Reaktionen ) - plausible ( Entscheidungen ) - vorhersehbare ( Gräuel ) - ( Welt ) - ( Beschreibung ) - ( Erklärung ) - realistischer ( Einklang )
( Das Böse ) - ( Schwindsucht ) - ( Glaube ) - nicht angemessen beschreibbares ( Unheil ) - unfassbar großes ( Unheil ) - konventionelle ( Schilderung der Massaker ) - säuberliche ( Ausmalung ihrer Umstände ) - psychologisches ( Räsonnement ) , moralischesn ( Räsonnement ) , spirituelle ( Puste ) - ( Täter ) - metaphysisches ( Format )
( Tun ) - stupides ( Voranwursteln ) - reflektierte ( Pflichterfüllung ) - feige ( Anpassung ) - neugieriges ( Ausprobieren ) - pure ( Schlamperei ) - neurotische ( Übersprungshandlung ) - cholerischer ( Ausbruch ) - sadistischer ( Exzess ) - { keine } Tat - jenen angeblich elementaren ( Schrecken ) - anhaltend sakralen ( Schrecken ) - sichere ( Distanz unserer gewaltarmen Verhältnisse ) - große ( Morden ) - große ( Scheu ) - erhabenes ( Schaudern ) - flotter ( Selbstlauf dieses Realismuskonzepts ) - gemächlicher ( Selbstlauf dieses Realismuskonzepts ) - ( Trott der erzählerischen Vernunft )
( das Böse ) - abgerabenes ( Wasser ) - etwas ( Boshaftes ) - breite ( Maske des historisierenden und psychologisierenden Trivialromans )- glatte ( Maske des historisierenden und psychologisierenden Trivialromans ) - ( Mienenspiel des Autors ) - ( Text ) - zahlreiche ( Spuren ) - zwielichtige ( Gestimmtheit ) - ( der alte Aue ) - amerinaischer ( Historiker ) - ( Verfasser des Standardwerks “The Destruction of the European Jews” ) - ( Raul Hilberg ) - seltsame ( Ironie ) - süffisante ( Ironie ) - “respektablen” ( Professor Hilberg ) ( … )
figürliche ( Kontur des Erzählers ) - selbst ( Autor ) - dieser ( Anflug von Bosheit ) - fünf ( Jahre ) - lange ( Jahre ) - historisierender ( Wälzer ) - ( “Pour les morts” ) - ( Roman ) - vorangestellte ( Widmung ) - ( Leser ) - ( Autor ) beschriebenen ( Jüdin ) - deren ( Kopf ) - ( Metaphorik ) - zerspringende ( Frucht ) - literarisches ( Denkmal )
andere ( Seite ) - ( SS-Mann Max Aue ) - hohe ( Wahrscheinlichkeit ) - programmatische ( Einleitung ) - geringe ( Qualität der Lebensberichte ) - einige ( Wenige ) -
gewidmeter ( Roman ) - ( Denjenigen ) - deren ( Kriegstod ) - deren ( Hinrichtung ) - deren ( Untertauchen ) - ( Nachkriegswelt ) - ( Anteil am großen Abschlachten ) - ( Stummgebliebene ) - versäumtes ( Werk ) - literarisches ( Werk ) - ( Autor ) - boshafter ( Kobold ) - ( Jenseits )
ein wie wir ( Nachgeborener ) - ( Fülle des recherchierbaren Materials ) - ( Haut eines solchen Erzählers ) - ( Kostümierung ) - ( Entkleidung ) - ( Leser ) - ( Anteil ) - diese ( Entblößung ) - unser ( Verhältnis ) - zeitgenössisches ( Verhältnis ) - ( das Böse ) - schwächelnde ( Bannung ) - ( Historie ) - ( Literatur ) - gewisse ( Zeit ) - historisches ( Erzählen ) - historisierendes ( Erzählen ) - literarisches ( Erzählen ) - zermürbendes ( Erzählen )
( Bild des Bösen ) - ( das Böse par excellence ) - überstrapazierter ( Muskel ) - große ( mediale Manifestation ) - wichtige ( mediale Manifestation ) - erschöpfte ( mediale Manifestation ) - ( Erzählung ) - ( Schuld ) - ( Leid ) - tragische ( Größe ) - ( Verantwortung der Täter ) - ( Leid der Opfer ) - unermüdliches ( Mahlwerk ) - trivialer ( Realismus ) - literarischer ( Realismus ) - blödsinniges ( Pech ) - bloße ( Ungunst der Stunde ) - ( Missgeschick des Einzelnen ) - falsche ( Zeit ) - falscher ( Fleck ) - verkehrte ( Seite ) - zeitgeschichtlicher ( Roman ) - ( Verschwinden der Zeitzeugen ) - historischer ( Roman ) - große ( Evidenzmaschine der bürgerlichen Literatur ) - alte ( Mühle )
( Littell ) - ( sein Erzähler ) - ( Schwächung ) - ( Handlung des Romans ) - zunehmende ( Unwahrscheinlichkeit ) - groteske ( Elemente ) - phantastische ( Elemente ) - ( Erscheinung des Bösen ) - angeblich letzte ( Offensichtlichkeit ) - frei ( Vagierendes ) - nervlich zerrüttete ( Aue ) - historische ( Kulissen ) - ( Morde … an Mutter und Stiefvater … an einem schwulen Liebhaber und an seinem wichtigsten SS-Kameraden ) - bizarr privater ( Charakter )
( Text ) - ( Rand ) - seines ( Genres ) - ( Leser ) - triviale ( Spätform des historischen Romans ) - ( Nähe ) - ( Psychothriller ) - ( Splatterfilme ) ( … ) diesem ( Genre ) ( Exzess ) ( Zusammenhanglosigkeit ) - ( Unvernunft ) - ( das Böse ) - absoluter ( Rang ) - letzte ( Gewaltbilder des Romans ) - mediale ( Gegenwart ) - zentrales ( Faszinosum von “Die Wohlmeinenden” ) - ( Lösung des Bösen ) - ( Doppelbann von Historie und konventionell realistischer Erzählung ) ( … ) |||
2. B - RÉSUMÉE
Auch Georg Klein begegnet der materiellen und literarischen Monstrosität des Romans mit Hilfe von Aufzählungen , Katalogen und Listen . Anders als Radisch , verzichtet er auf Zusatzinformationen aus den französischen Debatten , sondern verlässt sich ganz auf seine eigene Lektüre . Mit Oswald Klein ist der Lesende und Referierende freilich selbst Autor , der - wie er mehrfach durchblicken lässt - sich mit den Formen und Möglichkeiten historischen und realistischen Erzählens produktionsästhetisch auseinandergesetzt hat . Seine zutreffende Beobachtung , dass diese literarischen Formen längst in den medialen Mainstream bzw. die Trivialliteratur übergegangen sind , lassen Litells Werk als anachronistisches Fuhrwerken erscheinen , welches noch in der Integration von Shocker- und Splatter- Movie- Effekten nur noch anachronistisch wirkt . |||
Wie klingt dies nun in der Version des ( von Hubert Winkels popliterarisch ) erklärten “Emphatikers” Volker Weidermann ? - Hier machen wir die Gegenprobe und sammeln für einmal - dem anekdotischen und narrativen Ansatz Weidermanns entsprechend , lediglich das ICH , die VERBEN und ADJEKTIVE . Einfach mal probieren .
3. A - VOLKER WEIDERMANN , 17. 2. - FAS
war - überfüllten - saß - schwieg - schien - zu dauern - ( ich ) las - war angekommen - unterstrich - mir wichtig erschienen - ruft - mir gegenüber - heraus: “ist - starker !” - “meinen Sie ?” - “Sie da eben unterstrichen haben - unglaublich stark !” - ( ich ) schaue - vor mir - schaue - verärgert - erstaunt - ( ich ) - hatte nicht bemerkt - ( sie ) - mitgelesen hatte - wollte ( sie ) - war“Doch wenn die Vergangenheit erst einmal die Zähne in euer Fleisch geschlagen hat, lässt sie euch nicht mehr los.”
plötzliches - ist mir unheimlich - ( sie ) fügt - schnell hinzu - ( sie ) - nicht nur für stark, sondern auch für sehr, sehr wahr halte, will - wissen - steht - gibt dann entschlossenes - sind weg - bleibt da
jeder ( Leser ) denkt - ist das für ein - schreckliches - grauenhaft - kitschig - brutal - pervers - obszön - schwul - leidenschaftlicher - klassischer - inzestuöser - verfallen - begleitet - beobachtender - deutschen - ( er ) ist - ersten dabei - ( er ) ist eingeschlossen - ( er ) ist - rasender - letzten - ganz allein - untergehenden -
das - erschien - wichtigsten - gewann - verkauft wurde - heftige - auslöste - hat - ersten - was - nicht braucht - es reiht - mich - erste bat - schrieb ( ich ) - ( ich ) hasste - ersten - ersten : “Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist.” - ( alles ) - diesem ersten - ist furchtbar - klebrig-umschlingende - freche - “wie es gewesen ist” - ( Erzähler ) - diese - zweiten aufnimmt - scheinbar gegen sich selber wendet - macht - noch unangenehmer: “Wir sind nicht deine Brüder, werdet ihr antworten, und wir wollen es gar nicht wissen.”
unangenehm geht ( es ) weiter - ( Erzähler ) stellt sich - vor - schwingt sich - deutet - an - stellt fest - frei von jeder Reue sei - frei von jeder Strafverfolgung blieb - kommt auf seine zu sprechen - diskutiert - offiziellen - tote - tote deutsche - tote sowjetische - errechnet - beendet: “Ich bin ein Mensch wie jeder andere, ich bin ein Mensch wie ihr. Hört mal, wenn ich es euch doch sage: Ich bin wie ihr!”
jeder ( Leser ) denkt an dieser -geht ( es ) los - berichtet - ( es ) gewesen ist - begann - ( er ) geht - deutschen - erste - ukrainische - werden keine - beschrieben - ( es ) beginnt - ersten - “Ist es das erste Mal ?”, fragte der Hauptmann leise. Ich nickte. “Sie werden sich dran gewöhnen”, fuhr er fort, “aber vielleicht nie so ganz.”
( Erschießungen ) beginnen - ( Littell ) spart nichts aus: “Um sicherzugehen, war es besser, auf den Kopf zu zielen als auf die Brust, dabei wurden die Männer jedoch mit Blut und Hirnmasse bespritzt, worüber sie sich beklagten.”
Will ( man ) - wissen - ist nur - ( wir ) erfahren - jedes - jede - kleinste - scheint sich - ( Erzähler ) - letzten - zu interessieren - letzten - ( Littell ) - wirkt - raubt - letzte - ( er ) mutet - zu: “Manchmal musste man, um an die Verwundeten heranzukommen, über die Leichen gehen, das war entsetzlich glitschig, das weiche, weiße Fleisch verschob sich unter meinen Stiefeln, die trügerischen Knochen brachen unter meinen Schritten und ließen mich straucheln, ich versank bis zu den Knöcheln in Schlamm und Blut.”
beschreibt - seinen - frisches - am Leben waren - “Immerhin ging es darum, den Menschen überflüssiges Leiden zu ersparen, allerdings konnte ich nur den zuoberst Liegenden den Gnadenschuss geben, unter ihnen lagen weitere Verletzte, die noch nicht ganz tot waren, es aber bald sein würden.”
( man ) hat - nur einen - ersten hundert , zweihundert - dieses - leisen - erzählerischer - denkt man sich - nicht abwenden kann - muss ( man ) - selber tun - dieses - beenden. ( … )
der nicht dabei war - ( er ) erzählt - aus - Max Aue - antritt - wird - gefragt: “Was wollen Sie sehen?” Und Aue antwortet nur knapp: “Alles.”
ist - eifrigen - ist - seines - dieses - wenn man lange genug - widerstanden hat - zuzuschlagen - ist man gefangen - gefangen - gefangen - all diesem - gefangen - all diesen - ( ich ) kann - noch nicht - sagen - ( es ) - kommt - man gefangengenommen wird - diesem - ( es ) ist - nicht - hat ( man ) - vorgeworfen - seinen drastischen Schilderungen - splatterhaften - bediene ( er ) gezielt - voyeuristischen - zeitgenössischen - hieß es - ersten deutschen - wird lesen - niedrigen - werden da bedient - ( wer ) - sucht - wird - kostet - besser anlegen können -
( es ) ist - anderes - ( man ) vertraut sich - an - scheint wahr zu sein - ( er ) schreibt - nimmt ( man ) - so hin - ist - beschäftigt - ist - erschüttert - bewusst wird - besonders unwahrscheinlichen - seiner - alten - angibt - 120 Jahre alt zu sein - belegen kann - ist - surreale - alte - führt - ( er ) weiß - sein - sein wird - heben - aus - erschießen - ist - solcher - aller - ( man ) sich - diesem - an - anvertraut - ( man ) hatte - früh begriffen - schreibt - jede - kennt - literarisch verarbeitet - erst - unwahrscheinlichsten - erkennt man - ( Littell ) - großer - ist - großer
sein größter - ist - ist - versucht - sympathisch zu finden - ( es ) ist - überzeugter - groß ist - ( er ) nicht - viele - überwinden muss - ( man ) - folgt - seinem - seiner - ist die große -
bald - wird - deutlich - sein muss - es ist - empfunden haben müssen - begann - schildert präzise - erbitterten - sei - genau - dieses - ist - weiter - voranschreitet - größer wird - bedeutender - technischen
herrscht - unglaubliche - ( man ) sich mit keinem - identifizieren kann - eingeblendet werden fehlt( es ) - ist schwer erträglich - halten einen fest - tiefen - menschliche Güte getragen ist - dieser - glaubt dieses - nichts mehr - ( alles ) ist immer - sind nicht - die - zu - gemacht - denen - erlaubt haben - zu - zu werden. “Aber das Unmenschliche - ich bitte um Entschuldigung -, das gibt es nicht. Es gibt nur das Menschliche, immer nur das Menschliche”
sagt - scheint - sich - übergroßer - freisprechen zu wollen - ist das - seines - dieses - es gibt keine - erstarren will - gehört - eigenen - mit dazu: “Ich will hier nicht behaupten, ich sei an diesem oder jenem nicht schuldig” - erklärt Max Aue - seines - “Ich bin schuldig, ihr seid es nicht, wie schön für euch. Trotzdem könntet ihr euch sagen, dass ihr das, was ich getan habe, genauso hättet tun können. Vielleicht mit weniger Eifer, dafür möglicherweise auch mit weniger Verzweiflung.”
es gibt - unglaublicher - leere - Welt - konzipiert scheint - unglaublicher - ( es ) ist - unglaublich - all - diesen - sah - all - ( man ) kennt - ( man ) gelesen hat - tiefe - möglich ist - ( Jonathan Littell ) ist - gelungen - einem schlägt |||
3. B - RÉSUMÉE
Mit den Substantiven sind viele der vermutlich aufsehenerregenden Wörter dieses Textes verloren gegangen ( weshalb wir auch - stark strapazierten Zitate beibehielten ) : Vom anfänglichen Schrecken und Horror hangelt sich Weidermann über die Anerkennung der Quellenkenntnis des Autors , um dann eine besonders drastische Schlüsselzene zu beschreiben . Das sei so krass , so unwahrscheinlich ( in Wahrheit kennt man viele solcher Szenen , bei welchen die Opfer ihrer eigenen Gräber aushoben ) , dass man sich von diesem Moment an dem Autor “anvertraue” .
Welche Gründe sollte der 1969 geborene Rezensent haben , sich dem zwei Jahre jüngeren Autor “anzuvertrauen” ? - Weidermann scheint geneigt , einen Pakt mit dem Generationsgenossen zu schliessen : Einem Generationsgenossen , welcher es an Provokation via Total- Emphase auf dem Feld des Totalen Kriegs noch ein ganz schönes Stück weiter gebracht hat als sein Kollege mit dezidiertem Subjektivismus auf dem Felde einer halbtotalen Literaturgeschichte ( Lichtjahre ) .
Die redundant gebrauchte Leerstellen- Vokabel “unglaublich” lässt selbst Littells Monstrositäten auf die Zimmergrösse des deutschen Subjektivismus schrumpfen . Man darf sicher sein : Weidermannn wird dran bleiben und noch mehrfach seine “Zähne in euer Fleisch” , wie es euch die Littells dieser Welt servieren , schlagen . |||

NACHGETRAGEN : WEITERE TEXTE
- Les Bienveillantes , version allemande ( Pierre Assouline , République des livres , 12. 2. 2008 )
- Am Ende bleibt die Faszination - Jonathan Littell vermischt in seinem Roman Fakten und Fiktion und wirft die Diskussion um die NS-Täter weit zurück ( Harald Welzer , DIE ZEIT , 14. 2. 2007 )
- L’Allemagne s’interroge sur “Les Bienveillantes” ( Alain Beuve-Méry & Thomas Wieder , Le Monde des Livres , 14. 2. 2008 )
- SS- Roman “Die Wohlgesinnten” : Der Scherge in uns ( Alexandra Senfft , SpOn , 15. 2. 2008 )
- Wohlgesinnt surfen ( Harald Taglinger , TP , 18. 2. 2008 )
- “Die Wohlgesinnten” - Eine Geographie des Grauens . Jonathan Littell weckt mit seinem Roman “Die Wohlgesinnten” heftige Gefühle : Abscheu , Ekel , Mitleid . Aus Orten werden Schauplätze des deutschen Massenmords ( Kurt Kister , SZ , 20. 2. 2008 )
- Jonathan Littell : “Die Wohlgesinnten” : Ein schlauer Pornograph - SS, Homosexualität, Inzest, Durchfall und Erbrechen - Pornographie will die ultimative Überschreitung: Jonathan Littells jetzt auf Deutsch erscheinender Roman “Die Wohlgesinnten” ernennt den Leser zum Voyeur ( Thomas Steinfeld , SZ , 22. 2. 2008 )
- Jonathan Littell : Einfühlung in die Täter des Holocaust ( Ina Hartwig , FR , 22. 2. 2008 )
- Holocaust als Kolportage : Jonathan Littells grossangelegter Roman “Die Wohlgesinnten” ist nun auch auf Deutsch zu lesen ( Jürgen Ritte , NZZ , 23. 2. 2008 )
- Vergangenheitspolitischer Rückschritt : Jonathan Littell verklärt den Holocaust zur antiken Tragödie ( Christoph Jahr , NZZ , 23. 2. 2008 )
- Richter und Henker : Jonathan Littells französischer Skandalroman um einen SS-Mann erscheint unter großem medialen Getöse in der Sprache der Täter ( Klaus Zeyringer , Der Standard , 23. 2. 2008 )
- Die jüdischen Zwillinge - Klaus Theweleit greift die Littell-Kritiker an ( Klaus Theweleit , FAS , 24. 2. 2008 )
- Frage des Tages , Warum sollte man Jonathan Littells Roman lesen ? - Zum Ende des Vorabdrucks : Resümees der Experten ( Hubert Spiegel , FAZ RR , 25. 2. 2008 )
- Die Frankophobie der Literaturkritik - Wem gehört der SS-Mann ? - Wir lassen uns unsere Nazis doch nicht von einem Franzosen wegnehmen : Ein Überblick über die deutsche Rezeption von Jonathan Littells “Die Wohlgesinnten” ( Klaus Theweleit , taz , 28. 2. 2008 ) |||
||| I . MY BLOODY VALENTINE | II. IM WUNDERSCHÖNEN MONAT MAI | III. SKEPTISCHE WESTPRESSE , SCHWEIGENDE “QUALITÄT” | IV. INFO WAR UND EIN GRELLER VERSUCH VON PR | V. HINTER DEN KULISSEN | VI. BLOG 4 BURMA : IN EIGENER SACHE |
KLANGAPPARAT| LINKSI . MY BLOODY VALENTINE

Der Cartoon zum Tage stammt wie schon das drastische Video von Feraya und bezieht sich weniger auf Geblümtes denn auf das unwillkommene Gedicht des Saw Wei .
Dass Valentinstag und dessen liebliche Sitten in Burma unerwünscht sind , erwies bereits im Januar die Verhaftung des “bekannten” Dichters Saw Wei infolge der Publikation eines anzüglichen Poems unter dem Titel “February the Fourteenth” ( BBC , Guardian ) . Nun , da der mit Liebe und Sex und ergo der im Stillen grassierenden HIV- Epidemie assoziierte Tag tatsächlich herangerückt ist , herrscht wieder - eisiges Schweigen ( Irrawaddy ) . |||
II. IM WUNDERSCHÖNEN MONAT MAI
Man verrimmt’s mit Unglauben : Burmas Militärjunta hat für Mai ein Verfassungsreferendum , welches Grundlage den Weg ebnen zu allgemeinen Parlamentswahlen im Jahr 2010 . Welcher wohlmeinende Zeitgenosse würde da - und anlässlich des heutigen Valetinstages nicht frei nach Heinrich Heine singen und dichten :
Im wunderschönen Monat Mai,
als alle Knospen sprangen,
da ist in Than Shwes Herzen
die Demokratie aufgegangen -
Im wunderschönen Monat Mai
da haben den Generäle der Restwelt gestanden
ihr Sehnen nach Bürgernähe und versöhnlichem Verlangen |||

III. SKEPTISCHE WESTPRESSE , SCHWEIGENDE “QUALITÄT”
Allein , die Pestilenz der westlichen Presse schreckt auch vor skeptischen Verunreingigungen dieser neuen Avance auf der blütenweissen Road- Map nicht zurück : Ein ehr dunkles denn helles Zeichen , ätzt die NZZ “für das, was die Junta als weitere Schritte auf dem Weg zur Demokratie bezeichnet” .
Le Monde setzt eines drauf wenn sie die die Wahlen 2010 nach offizieller Sprachregelung als “conformément à la nouvelle Constitution” bezeichnet - einer “Constitution” allerdings , deren vollständiger Wortlaut “demeure un secret d’Etat pour le moment” .
Als nachgerade zynisch wird man empfinden , wenn ausgerechnet von Generalleutnant Tin Aung Myint Oo - Erster Sekretär der unter dem euphemistischen Label State Peace and Development Council ( SPDC ) agierenden Regierung - verkündet , “that peace and stability had been restored to the country” ( NYT ) .
Noch Appetit auf grimmige Realsatire ? - Reuters liefert einige Silben aus dem Wortlaut der offiziösen TV- Offenbarung :
We have achieved success in economic, social and other sectors and in restoring peace and stability , the junta announced on state television four months after the army crushed monk-led pro-democracy protests, killing at least 31 people.
Während der sprichwörtliche Mann von der Strasse bzw. dem pensionierten Professor nicht viel mehr als das Prinzip Hoffnung bleibt ( “Just get on whatever horse you can catch. Then try to find better ones gradually” , Reuters ) , berichtet die NYT noch gestern von der gnadenlos andauernden Jagd auf Septemberaktvisten . Sollte Thailand nicht endlich den Inkriminierten politisches Asyl gewähren , bedeute das Verbleiben im Lande faktisch ein Todesurteil , wird in einem weiteren NYT- Bericht ein anonym bleiben wollender Flüchtling zitiert .
Während die Nachricht immerhin von der taz aufgegriffen ward , randaliert in FAZ und SZ beim Suchwort “Burma” weiterhin nur Rambo . Was täten wir , werter Herr Schirrmacher , ohne unsere “Qualitätsmedien” ?! |||

IV. INFO WAR UND EIN GRELLER VERSUCH VON PR
Da war die absurde Erhöhung der TV- Satellitengebühr , da war das allmähliche Verschwinden internationaler Presse , da waren Schikanen gegenüber Journalisten . Temporärer Blogspot- Block , verschärfte Modalitäten beim Gebrauch des Internet , welches sowieso gerade mal 0.1 Prozent Breitband bietet . Verhaftung und Verschwinden des unliebsamen Bloggers Nay Phone Latt … Übrigens kann Reporters without Borders mittlerweile berichten , dass der am 29. 1. festgenommene Nay Phone Latt in die Haftanstalt Insein nahe Rangoon überführt worden sei und dort eigentlich in einer “death row”- Zelle untergebracht sei . Im selben Gefängnis sitze bereits der wegen der oben genannten Valentinstag- Paraphrase arrestierte Dichter Saw Wei ein .
Unter Umständen der unaufhaltsam heran rückenden chinesischen Olympischen Spiele sowie deren fataten Beginn am unseligen 8. 8. scheint es dem Regime angezeigt , einen Versuch in Positiv- Reklame zu wagen .
Die Britische Burma Campaign sieht in der Referendums- Verlautbarung jedenfalls nicht mehr als einen “public relations spin” : All das habe “nothing to do with democracy” ( Reuters ) . Ähnlich kommentiert The Irrawaddy :
Observers see the Burmese junta’s referendum election as a move to ward off criticism from Western international community, and a way to shore up support from its closer allies, China, India and the Asean group countries. |||
V. HINTER DEN KULISSEN
Hinter den Papierkulissen der proklamierten Schönen Neuen Welt formulieren sich einmal mehr Wut und Aufruhr : Die 88er- Bewegung wehrt sich gegen eine unilateral autokratisch beschlossene “constitution” wo ja noch nicht einmal der überwältigende Wahlsieg der NLD anno 1990 anerkannt worden sei ( Democatic Voice of Burma ) . Mizzima News hat kritische Kommentare von Seiten ethnischer Minderheiten wie der Shan und Karen sowie von Repräsentanten der 88er und der NLD eingeholt .
Schärfer allerdings fällt noch der redaktionelle Kommentar aus : Mit einem simplen Boykott des Referendums durch die NLD wäre wenig zu genwinnen , sondern vielmehr weiterer Anlass für offzielle Marginalisierung , wenn nicht gar Liquidierung der Opposition gegeben . Beachtenswert auch die detailierte “Road- Map”- Chronologie am Ende des Artikels - |||

VI. BLOG 4 BURMA : IN EIGENER SACHE
Wie mittlerweile landauf , landab bekannt , bleibt das Netzwerk BLOG 4 BURMA seit Oktober am Roten Faden laufender Berichterstattung : Menschenrechtsorganisationen , Exilmedien , NGOs und eine Vielzahl von Blogs bleiben stete Quellen , selbst wenn die Berichterstattung seitens der offiziellen bzw. “Qualitätsmedien” über Monate hinweg schweigt .
So berichtet News HQ ereignisnah vom
geplantenangekündigten Referendum legt in knapper Form den Klartext hinter den Parolen frei . Birma News Utd. setzt indes seine Serie Birma in virtual media fort und trägt mit sozio- ökonomischen Hintergründen , einem Vergleich der Kulturtechnik “Essen” mit derjenigen im “Dschungelcamp” sowie dem Hinweis auf die Publikationen des eminenten Global- Ökonomnen Jared Diamond zu erheblichen Einsichten bei . Bonustrack : ein irres Zitat von Udo Lindenberg . Olivier stellt dankenswert wieder francophone Quellen zusammen . |||KLANGAPPARAT
Angesichts dieser Nachrichten entfällt am heutigen Tage der
Klangapparat : Die dissonanten Verhältnisse klingen gar zu schrill .LINKS
I.
- Valentine’s Day - Cartoon ( Feraya via Burma Digest , 24. 1. 2008 )
- Burma poet held for secret insult ( Steve Jackson , BBC , 23. 1. 2008 )
- Burmese poet arrested for veiled protest ( Guardian , 24. 1. 2008 )
- Valentine poem makes hidden swipe at Myanmar junta ( AFP , Please help Burma , 24. 1. 2008 )
- Valentine’s Day Takes Hold in Burma ( Saw Yan Naing , The Irrawaddy , 13. 2. 2008 )
III.
- Burmas Junta kündigt Verfassungsreferendum - Wahlen für das Jahr 2010 in Aussicht gestellt ( NZZ , 9. 2. 2008 )
- La junte birmane annonce un calendrier de retour au pouvoir civi ( Le Monde , 11. 2. 2008 via Olivier )
- Myanmar Junta Calls for Vote ( Thomas Fuller , NYT , 10. 12. 2008 )
- Myanmar junta pledges 2010 poll , a sham say critics ( Aung Hla Tun , NYT , 9. 2. 2008 )
- Myanmar people welcome junta election promise ( Aung Hla Tun , Reuters , 10. 2. 2008 )
Activists Flee Myanmar Crackdown to Thailand ( Reuters , 13. 2. 2008 ) - Verfassungsentwurf vorgestellt - Birma-Junta stellt Wahlen in Aussicht ( taz , 11. 2. 2008 )
IV.
- Schweiz bei Breitband-Internet weltweit an der Spitze - Die digitale Kluft zu den Entwicklungsländern wächst ( NZZ , 7. 2. 2008 )
- Journalist U Win Tin and blogger Nay Phone Latt transferred to Insein prison ( Reporters without Borders , 11. 2. 2008 )
- Burmese Referendum : Here We Go Again… ( Wai Moe , The Irrawaddy , 13. 2. 2008 )
V.
- 88 students slam government election pledge ( Democatic Voice of Burma , 13. 2. 2008 )
- Opinions on SPDC’s constitution and announced election ( Mizzima News , 11. 2. 2008 )
- The junta’s electoral gambit [ + Road- Map- Chronology ! ] ( Dr. Sein Myint , Mizzima News , 12. 2. 2008 )
VI.
- BLOG 4 BURMA : Die thematischen Artikel von NewsHQ , Daburna , Birma News United , Blogger for Freedom , Bloguer ou ne pas bloguer , Adaequat , Adicie , Khaipi und in|ad|ae|qu|at kann man auch als Feed abonnieren . |||
||| Mittlerweile hat es ja hinlänglich die Runde gemacht , dass sich nun auch die FAZ , nackt , wie die bisherigen Herausgeber Gottheiten sie schuf - vor die Musterungskommission eines vorgeblich zeitnahen Relaunch- Eingreiftruppe gestellt hat . Am HEUTIGEN TAGE wird das Resultat erstmal in die Hände und vor Augen der teilweise vorab verärgerten Stammleser gebracht .
Aus diesem Grunde ein paar Bemerkungen über die landauf , landab weitgehend in mokantem Ton gehaltenen Kommentare und es wird nun wirklich interessant , wie just das auf diverse Untergänge des Abendlandes fokussierte Blatt nun seinerseits zwischen die Argumentation- Stereotypen “JETZT FÄLLT AUCH DIE LETZTE BASTION” ( Kategorie : Kulturpessimismus ) , respektive : “WELCOME TO THE CLUB” der Fortschritts- Optimisten geraten ist .Lassen wir faierer Weise allerdings zunächst einmal die TANTE herself zu Worte kommen und wie sie den Paradigmenwechsel legitimiert ( Quelle : Dss neue Kleid der F.A.Z. . Einladend, frisch, übersichtlich ) :
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung erneuert ihr Erscheinungsbild und folgt damit dem Votum einer großen Mehrheit ihrer Leser. Von diesem Freitag an wird täglich ein Foto auf der Titelseite erscheinen. Statt der Frakturschrift FETTE GOTISCH wird eine TIMES- Schrift über den Kommentaren stehen. Längeren Artikeln auf den Innenseiten werden kurze Zusammenfassungen vorangestellt. Die bisher auf Mitte gesetzten Überschriften sind künftig linksbündig ausgerichtet. Die Linien zwischen den Spalten entfallen.
Eine ausführliche repräsentative Leserbefragung des Instituts für Demoskopie Allensbach ergab GROSSE ZUSTIMMUNG zu dieser Gestaltungsreform. Mehr als drei Viertel der Leser ziehen das neue Erscheinungsbild dem bisherigen vor. Die Neugestaltung wird in allen Alters- und Lesergruppen begrüßt, von Abonnenten wie von gelegentlichen Lesern. Besonders STARK IST DER ZUSPRUCH BEI FRAUEN UND BEI JÜNGEREN Lesern. |||
Ad FETTE GOTSCH vs TIMES dringend @ Ivos Fontwerk , bzw. Jürgen Siebert Fontblog und dessen TYPOGRAPHISCHE(r) ANALYSE schlau machen ( Ivos Font- werkt hier undercover ) !
Klingt ja nett , dieser Abschied vom GOTISCHEN FETT und der proklamierten Zuwendung zu “FRAUEN und jüngeren Lesern” . Wenn Erstes freilich auf die FORM und mitnichten auf die INHALTE auswirkt , wird man seine Bedenken anmelden dürfen . Gerade mal drei Tage ist es her , dass anlässlich des Deutschen Sieges bei der Frauenfussweltmeisterschaft in einer Feuilleton- Glosse RICHARD KÄMMERLINGS eine misogyn- polemische Darstellung femininer Exzellenz vom Fussball auf die Literatur übertrug . Wir werden dem p. t. Leser ( w / f ) leider den Volltext nicht ersparen können . Der Wortlaut spricht für sich .Wir sind Fußballweltmeisterin. Das ist ein Anfang - mehr nicht. Was kann man tun, damit diese „schönen Pflänzchen“ (Theo Zwanziger) nicht gleich vom nächsten Windhauch umgeblasen werden ? Etwas mehr “aktiver Mädchenfußball“ (Zwanziger) wird nicht reichen. Bis zur hoffentlich in Deutschland stattfindenden WM 2011 müssen alle Reserven mobilisiert werden, damit die ganze Nation wie ein, ähm, Mann hinter unserer, sorry, Mannschaft steht.
Auch die deutschen Schriftstellerinnen werden sich nicht länger drücken können, sondern dem Vorbild ihrer männlichen Kollegen folgen und ein eigenes Team aufstellen müssen. Jene golden generation, die der SPEGEL 1999 als “Fräuleinwunder“ der deutschen Literatur auf den Schild hob, hat die hohen Erwartungen sportlich ja nie eingelöst.
Elfriede Jelinek, die trotz ihrer österreichischen Herkunft naturgegebene Kandidatin für den Bundestrainerinnenposten, hat diese Misere früh entlarvt: “Einmal habe ich es mitsamt meinem Fleisch, nein, durch mein Fleisch, bis auf ein Titelbild geschafft. Das war mir mehr wert, als WM-Gold es hätte sein können“, lässt die Nobelpreisträgerin eine Figur in ihrem SPORTSTÜCK sagen und mahnt Birgit Prinz und Co. zur Bescheidenheit: “Dieses Land nimmt jede freie Stelle sofort ein, die der Sportler nicht mit sich selbst besetzt hält. So gierig ist es! Zuerst stellen sie den Sportler auf einen Balkon, brüllen wie verrückt, und dann vergessen sie ihn.“
Doch auf wen könnte DIE JELINEK , in ihrer aktiven Zeit selbst eine rasante Flügelspielerin, zurückgreifen ? Gesetzt sein dürften auf jeden Fall Routiniers wie Judith Hermann ( “Sommermärchen, später” ), Karen Duve ( “Regenschlachtroman“) oder Julia Franck ( “Die Mittagsstürmerin“ ). Ebenso ein Publikumsliebling wie Silke Scheuermann ( “Die neunzig Minuten zwischen Hund und Wolf” ). Und an Felicitas Hoppe, die zuletzt einen Roman über die heilige Johanna der Strafräume schrieb, dürfte sich der Gegner ebenso die Zähne ausbeißen wie die Literaturkritik. Wenn aber Andrea Maria Schenkel ( “Tannöd“, “Eiskalt“, “Beinhart“ ) nicht bald wieder in Form kommt, fehlt eine echte Knipserin.
Immerhin, die Defensive steht: An Katharina “Hacker“ [ ? ] in der Innenverteidigung wird man ebenso wenig vorbeikommen wie an Susanne Fröhlich, dem “Pfosten-Ich“. Doch wer wird Kapitän ? Soll man es wagen, eine Juli Zeh zu reaktivieren, die mit Werken wie “Spieltrieb“ und “Alles auf dem Rasen“ männliche Genreklassiker wie Toni Schumachers “Anpfiff“ oder “Halbzeit“ von Uli Stein und Martin Walser glatt in den Schatten stellte ? Oder wird sie wieder den Schiedsrichter in juristis
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