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||| Time for some Sunday Late Night Art Radio Show Propaganda :

LITERATUR ALS RADIOKUNST / Summer Edition , ORF_1_ Kunstradio , Sunday , 1. 6. 2008 , 11.03 pm - 11.45 pm [ via UKW , via live- stream Oe1 , webcast KUNSTRADIO , Dolby Digital Surround ( 5.1. ) via OE1DD ]

ÜBERSETZUNG - ÜBERTRAGUNG

czz icon kunst radio brunDem dem fundamentalen Thema der Übertragung eines geschriebenen Textes ins auditive Medium wenden sowohl die namhafte deutsche Lyrikerin MONIKA RINCK als auch der bislang als der in Wien lebende ( Hörspiel- ) Autor und Literaturwissenschafter MICHAEL HAMMERSCHMID zu . Beide , die Dichterin und Literaturwissenschafter , haben bisher an anspruchsvollen Übersetzungen gerabeitet .

In der Literatur gebraucht man dafür allerdings eher das Wort von der “literarischen Übertragung” , wobei wir bereits mitten im Thema sind . Nämlich : Wie kann ich einen auf Papier nieder geschrieben Text adaequat ins akustische Medium übertragen ? - Wie kriege ich die Vieldeutigkeit der poetischen Rede gleichsam ins Radio hinein und wie wirkt sich dies wiederum auf die Hörenden dort draussen aus ? |||

AM APPARAT

Zunächst aber zitieren wir MONIKA RINCK , die sich am Telefon meldet und dabei die leicht antiquierte Formal “Am Apparat - ” gebraucht . Es gibt , erklärt die 1969 Geborene , heute in Berlin lebende und eben mit dem Heimrad- Bächer- Förerungspreis ausgezeichnete Dichterin , keinen Ausweg aus der universalen Apparatur .

Sei es der Telefonapparat , sei es der von Freud beschriebene psychische Apparat , sei es der Staatsapparat : Allesamt sind diese Apparate quasi “Maschinen” , die etwas prozessieren , verändern , weiterleiten , umleiten . Und das gilt für den Radio- Apparat nicht weniger als für den Entsafter , neben dem das Küchenradio steht , aus welchem einsame Stimmen in’s traute Heim sickern . |||

BLACK BOX & GEISTERSTIMMEN

czz icon kunst radio brunNicht zuletzt ist eben auch der Sprech- Akt eine Art von Apparat und nie können wir wissen , ob bei unserem Gegenüber auch tatsächlich herauskommt , was wir an Gefühlen und Wünschen in diese “black box” hineingelegt haben . Um diese Missverstädnisse, Fehlinterpretationen und Projektionen zu illustrieren , hat MONIKA RINCK den Telefonapparat als Metapher gewählt . Beziehungsweise das Handy , welches ubiquitär unseren ambulanten Alltag prägt : Was geschieht , fragt sie , mit all diesen nie angenommen oder unterbrochenen Gesprächen : sind sie es , die sich als Geisterstimmen per Radioapparat endlich Gehör und Erlösung verschaffen ? |||

IDEAL IM INNEREN OHR

Mit dem Übertragen von Schrift in Klang hat der 1972 geborene Literaturwissenschafter , Übersetzer und Hörspielautor MICHAEL HAMMERSCHMID bereits vielerlei Erfahrungen gesammelt . Vier Hörspiele wurden vom ORF aus Hammerschmids Textenvorlagen realisiert , dazu kamen zwei “freie” Produktionen . Und es ist ihm wie ( fast ) jedem Hörspielautor gegangen : Das , was schliesslich aus dem Radio drang , klang ganz anders als er es beim Schreiben dem Inneren Ohr vorschwebte . - Grund genug , es selbst auszuprobieren . Und zwar in Eigenregie . Und mit der eigenen Stimme . Denn auch diese ist ja ein eigensinniger Apparat , welcher sich nicht immer unserem Wollen und Wünschen fügt . |||

PREKÄRES PENDELN : PERSONEN & GENRES

czz icon kunst radio brunIm Experimentieren , im Entdecken und Wieder- Verwerfen fand sich schliesslich der richtige Ton , die geeignete Form , um sich sensibel anzunähern an das prekäre Setting von Hammerschmids Text : Ein minmaler Dialog pendelt sachte zwischen zwei Figuren , die recht eigentlich auch zwei Teil- Ichs einer einzigen Person sein könnten .

Mal keck und schlagfertig , dann wieder lyrisch oder gar in Form kleiner monologischer Essays : Mit Absicht bleibt es unentschieden , Wer es ist , der da eben spricht . Es ist just diese minimale Textur , gewebt aus diskret differenten Gepsrächsresten und -Themen , um welche es MICHAEL HAMMERSCHMID in seinem Hör- STÜCK geht : “ENDE GUT , ALLES GUT” ist eben dezidiert “Kein Hörspiel” .

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KLANGAPPARAT

Auf polymorphe Sound- Explorationen vorbereiten sollte sich wohl , wer sich in die “Regional” Zone des Sound Designers Tinitus aka Andres Nudelman ( Montevideo ) begibt . Versponnene melodische Fäden nähen czz hörempfehlungsich durch pastose Flächen und irgend wie weiss man nicht , wem das so entstehende Klangmäntelchen letztlich passen wird : Wir plädieren für’s Bucklicht Männlein” im Benjamin’schen Sinn . Fragil und Atari- kindlich , vermag es doch recht herrisch mit dem Taktfuss zu stampfen , wobei allerdings manches Krüglein überkommener Songformen und musikalischer Erzählverläufe zu Bruche geht . Echt eigen , was das Netlabel Phonocake da serviert . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. El beat de la contemplacion , el mate ( 4:00 ) | 02. Sushi de Pollo ( Chicken Sushi ) ( 3:35 ) | 03. Atardecer y enderezar ( 4:12 ) | 04. Ping Pong Andino ( 4:05 ) | 05. Astronautines ( to Ardilla Cereza ) (5:11 ) | 06. Quelonio ! ( 2:30 ) |||

LITERATUR ALS RADIOKUNST | Monika Rinck im ORF- Studio | Produktionsnotizen



||| STARKE STIMME : MONIKA RINCK | CLOSE READING - CLOSE LISTENING | ÜBER : SETZUNGEN , STILLE | RICH TEXT & REAL AUDIO | REAL RADIO | KLANGAPPARAT

STARKE STIMME : MONIKA RINCK

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenAus dem Vollen Schöpfen : Nicht oft trifft dies auf die Situation einer Radioproduktion zu , wo - so sagt man wohl - “einfach alle Komponenten passen” . Drei Tage lang “Arbeit am Text” , Einstimmen , Auslauten . Schnitt und Reprise , Cut und Takt , Stimm- Melodie nach Halbton . Monika Rinck bringt aus Berlin nicht nur einen dicht gewebten , in viele Sinnrichtungen spielenden und wortlüsternen Text mit nach Wien , sondern auch ihre wirkungssichere Stimme ; nicht umsonst ist die Dichterin ein Jahrzeht über Lesebühnen getourt , ehe sie ihr erstes Buch publizierte . Dazu ein Ohr , durchs Übersetzen auf Nuancen trainiert …. UND : Die für die konkrete Arbeit auf Sendezeit und im Klangraum unverzichtbare Fähigkeit , sich von Wörtern , Sätzen , ganzen Passagen für diesmal zu trennen . Ein reueloses Sich- Einlassen- Können auf einen beweglichen und undogmatischen Dialog mit den Technikern , dem aufgenommenen Klangmaterial und dessen elektroakustisch generierten Verfremdungen .

Da die Sendereihe “Literatur als Radiokunst” ( @ ORF- “Kunstradio” ) den Literaturschaffenden alle Möglichkeiten öffnen möchte , unter professionellen Studiobedingungen mit und an der stimmlichen Verwirklichung eines Textes zu arbeiten , darf man sich getrost für einmal von der bei Live- Lesungen unererlässlichen Linearität trennen . Mehrstimmigkeit- und Gleichzeitigkeit der personalen Performance sind in der liearen Echtzeit der “Dichter vor Publikum” nun mal nicht zu haben . Hier im Studio dahingegen entstehen Versionen , Variationen , Shout & Response in sukzessiven Aufnahmen . Welche dann , Sekunde für Sekunde , Ton um Ton , im Surround- Panorama gemeinsam mit Cutter und Tonmeister neu komponiert werden . |||

CLOSE READING - CLOSE LISTENING

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenMit Anton Reininger und Stefan Wirtitsch stehen diesmal gleich zwei kompetente Gentlemen bereit , “The Lady in Black and White” drei Tage lang zu begleiten . Und einen Text in Szene zu setzen , welcher vom Einstimmen , Abstimmen , Anstimmen und … Unstimmigkeiten handelt .

“AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” spielt mit Motiven von Sprechen und Verstehen , dem Übersetzen des Gemeinten in die gemeine ( communis ) Wirk- lichkeit des Worts … Können wir uns überhaupt irgendwie connecten ? - Vom psychoanalytischen Vielsinn zum vierfachen Schriftsinn des biblischen Worts bis zum alltäglichen Einander- Verpassen . Manifestiert in prekären Dialogen am Handy , wo sich Eine/r in vielen Worten verliert … und die Verbindung zum Gegenüber . An diesem APPARAT sowie an einem , im fernen Berner Oberland einsam bimmelnden Telephon konkretisiert sich tragikomisch die unerhörte Unerhörtheit eines Begehrens …. Erhören , Erlösung finden nicht statt .

Traumbildliche Poesie der disembodied voices im ( oder aus dem ) Radio- APPARAT :

Die Stimmen aus dem Radio waren Übertragungen offengelassener Handygespräche, aus denen ein Körper flugs emanieren und sich auch gleich ganz wohlfühlen konnte. ( … ) Ich sagte: “Sie wissen schon, dass Sie nur hier sind, weil jemand vergaß, ein Gespräch zu beenden? Die Schleuse ist dieses Küchenradio hier.” |||

ÜBER : SETZUNGEN , STILLE

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenAufnahme , Neuaufnahme , Schnitt , Ersetzen : Kein Gespräch , welches ( wie jede Beziehung ) je wirklich ein Ende fände … Keine Übersetzung , welche je abgeschlossen wäre : Nicht umsonst hat Monika Rinck ihre Szenen der grotesken Vergeblichkeit zwischen drei englische ( ! ) Zitate des französischen Dichters Edmond Jabès gebettet . Und spontan deren deutsche Übertragungen ins Mikrophon gesprochen .

Beide Stimmen parallel gelegt , überraschen durch Einklang in Duktus und Rhythmus . Im Prozess dieses Anlegens von synchronen Spuren , im wiederholten Abhören dieser dualen Gleichzeitigkeit wird das “Zugleich” von Nähe und Differenz zwischen “Original” und “Übertragung” zum höchst sinnlichen Hörerlebnis : Als wäre Umarmung möglich , Vereinigung allerdings nie . Kein Zufall , dass die Jabès- Zitate allesamt das Moment der “Stille” dialektisch in den “Dialog” einschliessen . |||

RICH TEXT & REAL AUDIO

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenJa , und eben diese vergeblichen Umgarnungen , Bestrickungen am längst kabellosen Miniatur- Fernsprech- Gerät : Was in den planen Paraphrasen unseres Produktionsberichtes wie ein RICH TEXT FORMAT anmuten mag , gebärdet sich in REAL AUDIO absolut anmutig . Ein vazierendes Summen , das den Sprechtext umspielt , ein sich verdunkelndes rosa Rauschen … quicklebendig darin Monika Rincks Stimme , die sehr genau weiss , was sie da - und wie sie spricht .

Vielleicht darf ja manchmal der Ausdruck und die mediale Übetragung dessen glücken , was da handelt vom Ungenügen des Worts . Trivial gesagt , das alte Hofmannsthal’sche “Lord Chandos“- Paradoxon : Höchst beredt vom Fehlenden und den Fehlern der Rede zu sprechen .

O- Ton Monika Rinck :

Also.

Also, ich weiß nicht, da müssten Sie meinen Sprecher anrufen. Was sagt denn Ihr Sprecher? Rufen Sie ihn halt an.

Er sagt, dass Sie nicht zu sprechen sind. |||

REAL RADIO

“AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” wird zu hören sein - in Sendungseinheit mit Michael Hammerschmids Arbeit “ENDE GUT , ALLES GUT - KEIN HÖRSPIEL” - am Sonntag , den 1. Juni , ORF- “Kunstradio” . Stereo via Radio und in 5.1- Surround- Sound per OE1DD . To be announced soon and separately . |||

KLANGAPPARAT

In Fortsetzung unserer gestrigen ( … darf man in diesem Kontext “Hommage” sagen ? … ) Hervorhebung der suggestiven Sounds , welche das russische Netlabel “electrosound” in schönem Unregelmass produziert , wollen wir heute eine träumerisch- psychedelische Trip- Hop- Variation czz hörempfehlungbetonen : Der Titel “Cocaine Ways” könnte in seiner selbstredenden Offensichtlichkeit allerdings zu Trugschlüssen führen . Tiefensatt gesetzte Beats in vexierenden Harmonien zielen auf depressiv gebrochene | intensivierte Lichter . Das alte Décadence- Motiv von der farbigen Glasscherbe , durch welche die Welt anzusehen wäre … Denis Borisov und Mikhail Gurov aka Abstracode bespielen das Genre , ohne in diesem zu versinken . Und das Ganze in voller EL PE - Länge : CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Slow Glow ( Intro ) | 02. 2 Days 2 Ways | 03. The Despair | 04. Finding a Doze | 05. Sniffing Cocaine | 06. Texturkki | 07. Endogenous Opiates | 08. Gradioz | 09. Sick Fantasy | 10. Eat My Dirt , Bitch ! | 11. Cemetry Of Dream | 12. Transitions | 13. The End Of Summer | 14. Detalkki | 15. Make Your Transition ( Outro ) |||