Tag Archive for 'tristram-shandy'

FE / MALE



pictro man woman benefactum , maledictu oder umgekehrt ::: Im Tristram Shandy stehen beide Geschlechter sozusagen abwechselnd auf der Schippe , und das einigermassen prä-freudianisch . Das beginnt bekanntlich in der Stunde der Zeugung des ich-Erzählers Tristram , welche durch die versehentliche Zeitverschiebug des väterlichen Sonntagsrituals hervorgerufen . Als Beispiel für die unique Pünktlichkeit des Vaters führt der Erzähler die legendäre Uhren-Episode an, Quote ( übersetzt von Michael Walter ) ::::

“Um nur ein Pröbchen seiner ungemeinen Pünktlichkeit zu geben , deren Sklave er in Wahrheit war , - so hatte er’s sich sich seit vielen Lebensjahren zur Regel gemacht, - am ersten Sonntagabend eines jeden Monats im Jahr, - so gewiss wie dieser Sonntagabend kam, - mit eigener Hand eine grosse Hausuhr aufzuziehen, die wir auf dem oberen Absatz der Hinterstiege stehen hatten: - Und da er zu der Zeit, von der ich gesprochen habe, von den Fünfzig auf die Sechzig zusteuerte, - hatte er gewisse andere Familienobliegenheiten gleichfalls auf diesen Termin geschoben, um sie, wie er meinem Onkel Toby oft zu sagen pflog, alle auf einen Streich vom Hals zu haben und den Rest des Monats über nicht weiter damit geplagt und geplackt zu sein.” UNQUOTE. - - -

Original siehe - wie gestern - im Anhang . - Weitere Schlüpfrigkeiten gruppieren sich zuhauf um den biderben Veteranen Onkle Toby, seinen - nicht ohne erotische Konnotationen ins Werk gesetzten - Kriegsspielen , der nie näher explizierten Kriegsverletzung an der Schamleiste sowie seine tiefe Unschuld hinsichtlich, was “das gute” und was “das schlechte Ende einer Frau” sei . Von des Vaters Nasenforschung wollen wir hier schweigen , Meister Gogol & Professor Freud erledigen das schon selbst .

Immerhin fühlt sich der Vater wiederholt bemüssigt, seinen Bruder Toby in die fundamentalen facts of life einzuweihen, was - infolge unzähliger Digressionen, Abschweifungen und -lenkungen - de facto selbstredend nie gelingt ::: “Mich dünkte, erweiderte mein Vater, du solltest zuminfest dich das richtige Ende einer Frau vom falschen unterscheiden können.” - (Bd. II, Kap. VII.) - “Methinks, brother, replied my father, you might, at least, know so much as the right end of a woman from the wrong.”

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Da inadäquat angesichts der gelegentlichen Lexik-Exotismen der deutschen Übertragung ohnehin auf Bobo Mrozeks Lexikon der bedrohten Wörter hinweisen wollte , springt uns der Autor heute höchstselbst mit einer entsprechenden SPIEGEL-Glosse entgegen : zu unserer kleinen Abhandlung über Mannsbilder sowie die richtigen und falschen weiblichen Interfaces gesellt sich der “bedrohte” - lediglich durch Götz Georges Bildschirmauferstehung - neu belebte Begriff des MACHO hinzu . Der Vorspann lässt gleich die ganze Phalanx neuerer Männerwörter aufmarschieren ::: “Frauenversteher, Warmduscher, Abspüler, Leihvater: Die Wirklichkeit des deutschen Mannes kennt viele Wörter. Was ist nur aus dem Macho geworden? Bodo Mrozek geht auf die Suche nach dem Wort wahrer Männlichkeit” . - Dig in ! -

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Wo das Wort verloren geht , droht womöglich auch der Untergang der bezeichneten Sache , wie etwa Claus Peymann im FR-Interview freimütig eingesteht , dass seinem Theater (= dem BE) die “großen älteren Männerspieler” fehlen : Das sei “ein Riesenproblem” und “eine unserer Schwachstellen” . Zur Erinnerung an die bedrohte Spezies führt die SZ unter dem Titel DAS SIND MÄNNER eine zehnteilige Bildstrecke ins Treffen . Wenn MANN schon nicht - so wie die Abkonterfeiten - sein Ross satteln und einsam gen Westen reisen kann , bleibt immerhin noch das SL als Alternative mit absoluter Safer-Sex-Garantie , QUOTE ::: “Was für ein Glück also ,” notiert Ritchie Pettauer über Rotlicht in Second Life , “dass sich die Lust an der medialen Auslagerung der Sexualität, ihre Delegation an steril-geruchlose Sex-Telefonate, Pornofilme und Chats wie ein roter Impetus durch die Mediengeschichte zieht. In der Tat waren Pornoseiten die ersten Genre-Portale, die ausgiebig Gebrauch von Streaming Video und Audio machten. Und so locken die beiden zugkräftigsten Meta-Erzählungen immer mehr User ins virtuelle Zuhause: zügellose Schweinigeleien mit Gleichgesinnten im Schutz technisch zweifelhafter Anonymität und die Versprechung virtuellen Reichtums reichen durchwegs aus, um täglich Hunderte zur Installation der Clientsoftware zu motivieren.” UNQUOTE - - - Mehr ins richtige Leben führen die vielen bunten Männerbücher heran , welche die Zeitschrift LITERATUREN in einem aufdatierten Roundabout des Geschlechterkampfes vorstellt . Metrosexuelle, Dandies, Hausmann , bitte nicht kirre machen lassen , empfiehlt Jan Engelmann , QUOTE ::: “Von diesem immergleichen Drehmoment der Geschlechterdebatte – Frauen analysieren Männer, Männer tun derweil lustigere Dinge – einmal wegzukommen, hat sich die Anleitung zum Männlichsein der Brüder Andreas und Stephan Lebert zum Ziel gesetzt. Auch sie stellen einen Identitätsverlust fest. Allerdings möchten sie die Konsequenzen lieber untereinander verhandeln, ohne anbiedernden Rekurs auf eine Frauenstimme. Und siehe da: dieser inszenierte Ausschluss führt zumindest dazu, dass einmal Klartext gesprochen wird. Ein gewisser Männerguppen-Effekt tritt ein, nur ohne Batik-Tücher und verdruckste Ein-Stück-weit-Rhetorik.” UNQUOTE - - - Die “Ein-Stück-weit-Rhetorik” gehört prämiert , 1 Wortprägung hier als Preisstier.

picto handwash grossWas uns in der Blogosphäre mitunter bei Anonymae + Anonymi unter den Autoren interessiert , wäre deren echtes geschlechterdings (G. Rühm) . Janet D. Stemwedel bietet ein Tool zu solchem Doktorspiel an : Do I blog like a girl ? - Lass’ (d)einen Text durch den Algorithmus laufen, und ich sage Dir , wer Du bist . Nice call - - - aber leider nur zu anglo-amerikanischer Anwendung .

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lautsprecher und ohr>>> zu hören ::: mal wieder den eleganten stream >>> von cliphop idm c/o Soma FM

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Was tun bei Writers’ (Blogger’s) Block ?



Während quer- kreuz- und rund um die ehemalige k k. Haupt-, Reichs- und Residenz-Stadt der Tatzelwurm des CITY MARATHON zugange ist und ergo MENS SANA IN CORPORIBUS SANIS die Gegend behersscht , sitzet inadäquat itzo in denen Kemenaten , Haupt unter Helikoptergeflapper und Gemüt unter der Last schweren Niederschrift-Gebährens .Wie würde man den WRITER’S BLOCK im Falle des Bloggens wohl nennen ??? - BLOGGER’S’ BLOCK ??? - WRTER’S BLOG ??? - - - Da nun selbst das Um-den-Block-Lustwandeln in diesem Falle nicht verschägt und zwangsläufig zur Collision mit trabenden Körpermassen führen würde , bleibt nur das zweite praktikable Mittel, den in sich festgezurrten und verhärteten Geist per Dusche / Shower / Schauer mit milder Wasser Kraft zu lösen.

Laufen papunet net

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang die Rituale, welcher DER anarchische Abschweifer und Fadenverlierer LAWRENCE STERENE im 9. Band, Kapitel 13 zur Erstürmung obgenannter Barrieren und Barrikaden anempfielht . Wie jedem Adoranten des holden TRISTRAM SHANDY , Genleman ( 1759 - 1767 ) hinlänglich bekannt, gilt in diesem Wälzer vornehmlich der Weg als Ziel , sind also auch die kleinen Zureichungen , den Pegasus wieder flott zu kriegen , von ausladendem Duktus sondergleichen . - - - Da aber dieser Sonntag mit stillem Glanze Ländereien und Gemüt überstrahlet , darf inadäquat auf Stenre’s Fersen um wohlgesonnene Aufnahme der folgenden - shandyistischen - Ein- und Ausführungen bitten . Die holde Zitatation erfolgt übrigens aus der brandneuen Ausgabe , welche in der trefflichen Übertragung durch Michael Walzer bei Eichborn erschienen ist .

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Zurück also zu den - unserem Wasserplantschen nicht wesensfremden - Manövern gegen die Erstarrung der Säfte und Kräfte in schreibend Händen und Hirnen . Als kurzes Aviso sei vorangestellt , dass die folgende Peroratio nit einem Selbstlob anhebt , über die Kapitelgrenze hinweg dann allenthalben das Aufkommen gewisser “Stumpfheit” eingesteht , um dann des Weiteren die Körperpflege - namentlich das Balbieren - zwecks Glättung krauser Gedanken zu loben.

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Im Folgenden also einige possierliche Passagen aus Lawrence Sterne, Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman, QUOTE :::

Für alle gewöhnlichen ud alltäglichen Fälle hab’ ich denn kein Mittel erfunden, das bessere Dienste leistet, als folgendes -

- Ohn Zweifel, wenn auf Logik selbst auch nur die Bohne verlass ist, so muss doch etwas von einemm Originalgenie an mir sein, allein schon wegeen dieses Anzeichens, dass ich nämlich keinen Neid kenne: Denn kaum bin ich auf Erfindug oder Kunstgriff geraten, womit sich die Schriftstellerkunst befördern liesse, so mach ich’s augenblicklich publik: indem ich möchte, dass alle Menschen so gut schrieben wie ich.

- Wie sie gewiss tun werden, wenn sie ebensowenog denken.

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KAP. XIII.

In gewöhnlichen Fällen also, will heissen, wenn ich bloss stumpf bin und die Gedanken nicht recht fliessen wollen und mir zach wie Gummi aus der Feder tropfen -

Oder sei’s, dass ich unversehens in einen frost’gen bilderarmen Stümperstil geraten, woraus woraus ich mich, bei meiner Seel’, nicht straks befreien kann: und notgedrungen bis ans Ende des Kapitels weiterschreiben müsste wie ein niederländischer Kommentator, wenn nicht irgend etwas geschähe -

- Da halt’ ich keinen Augenblick mit Feder und mit Dinte einen Stehkonvent; denn falls eine Prise Schnupftabalk oder ein rascher Gang durchs Zimmer nichts ausrichten wollen, so greif’ ich alsofort zum Scheermesser; und hab’ ich erst die Schärfe am Mäulsein meiner Hand probieret, schneid’ ich mir ohne viel Federlesens, nur dass ich auf’s Einseifen nicht vergesse, den Bart; wobei ich lediglich drauf achte, dass wenn ja ein Haar stehenbleibt, dies kein graues sei: hierauf wechlse ich das Hemde - lege einen bessern Rock an - schicke nach meiner neuen Perücke - stecke meinen Topasring auf den Finger; werfe mich, mit einem Wort, von Kopf bis Fuss in meinen Galastaat.

Nun müsste es schon mit dem Leihaftigen zugehn, wenn das nichts verschlägt: denn bedenket, Sir, weil jeder Mann ganz in Person präsente ist, wenn ihm der Bart balbiert wird (keine Regel indessen ohne Ausnahme), und sich, solang’ als dies vonstatten geht, ganz notwendigerweise selbst gegenübersitzt, falls er nämlich mit Hand anlegt - so bringt einem diese Situation, wie jede andere auch, ganz eigene Vorstellungen in den Kopf

- Ich steh’ dafür, eine einz’ge derartige Prozedur strafft und verjüngt die Einfälle eines hauhbärt’gen Mannes um sieben Jahre; und liefen sie nicht Gefahr, ganz wegrasiert zu werden, so könnten sie durch fortwärendes Scheeren zum höchsten Grad der Erhabenheit getrieben werden - Wie Homer mit einem solchen Rauschebart hat schreiben können, ich fass’ es nicht - und insofern’s meine Hypothese wiederspricht, schiert’s mich auch wenig.” UNQUOTE. Englische Fassung im Anhang !!!

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Wohlan denn , Ihr Helden, Sklaven, Lustknaben & Kaltmammsells der Bellles Lettres ::: Was bei deren Herren seine selbstständliche Facies hat , muss wei Weibspersonen ja nicht gleich zum vertikalen Lächeln führen, ein Brasilian Waxing ( “Faster Pussycat , Wax ! Wax !” ) à la Bergdorf Blondes tut’s auch . Pudenda agenda ::: Allerdings , siehe oben , zu Schreib- und mitnichten zu Bikini-Zwecken ! - - - Gilt - wie Bekennerbriefe erweisen - übrigens auch für Mannsbilder .

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Scribemus igitur - - -

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