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||| Time for some Sunday Late Night Art Radio Show Propaganda :

LITERATUR ALS RADIOKUNST / Summer Edition , ORF_1_ Kunstradio , Sunday , 1. 6. 2008 , 11.03 pm - 11.45 pm [ via UKW , via live- stream Oe1 , webcast KUNSTRADIO , Dolby Digital Surround ( 5.1. ) via OE1DD ]

ÜBERSETZUNG - ÜBERTRAGUNG

czz icon kunst radio brunDem dem fundamentalen Thema der Übertragung eines geschriebenen Textes ins auditive Medium wenden sowohl die namhafte deutsche Lyrikerin MONIKA RINCK als auch der bislang als der in Wien lebende ( Hörspiel- ) Autor und Literaturwissenschafter MICHAEL HAMMERSCHMID zu . Beide , die Dichterin und Literaturwissenschafter , haben bisher an anspruchsvollen Übersetzungen gerabeitet .

In der Literatur gebraucht man dafür allerdings eher das Wort von der “literarischen Übertragung” , wobei wir bereits mitten im Thema sind . Nämlich : Wie kann ich einen auf Papier nieder geschrieben Text adaequat ins akustische Medium übertragen ? - Wie kriege ich die Vieldeutigkeit der poetischen Rede gleichsam ins Radio hinein und wie wirkt sich dies wiederum auf die Hörenden dort draussen aus ? |||

AM APPARAT

Zunächst aber zitieren wir MONIKA RINCK , die sich am Telefon meldet und dabei die leicht antiquierte Formal “Am Apparat - ” gebraucht . Es gibt , erklärt die 1969 Geborene , heute in Berlin lebende und eben mit dem Heimrad- Bächer- Förerungspreis ausgezeichnete Dichterin , keinen Ausweg aus der universalen Apparatur .

Sei es der Telefonapparat , sei es der von Freud beschriebene psychische Apparat , sei es der Staatsapparat : Allesamt sind diese Apparate quasi “Maschinen” , die etwas prozessieren , verändern , weiterleiten , umleiten . Und das gilt für den Radio- Apparat nicht weniger als für den Entsafter , neben dem das Küchenradio steht , aus welchem einsame Stimmen in’s traute Heim sickern . |||

BLACK BOX & GEISTERSTIMMEN

czz icon kunst radio brunNicht zuletzt ist eben auch der Sprech- Akt eine Art von Apparat und nie können wir wissen , ob bei unserem Gegenüber auch tatsächlich herauskommt , was wir an Gefühlen und Wünschen in diese “black box” hineingelegt haben . Um diese Missverstädnisse, Fehlinterpretationen und Projektionen zu illustrieren , hat MONIKA RINCK den Telefonapparat als Metapher gewählt . Beziehungsweise das Handy , welches ubiquitär unseren ambulanten Alltag prägt : Was geschieht , fragt sie , mit all diesen nie angenommen oder unterbrochenen Gesprächen : sind sie es , die sich als Geisterstimmen per Radioapparat endlich Gehör und Erlösung verschaffen ? |||

IDEAL IM INNEREN OHR

Mit dem Übertragen von Schrift in Klang hat der 1972 geborene Literaturwissenschafter , Übersetzer und Hörspielautor MICHAEL HAMMERSCHMID bereits vielerlei Erfahrungen gesammelt . Vier Hörspiele wurden vom ORF aus Hammerschmids Textenvorlagen realisiert , dazu kamen zwei “freie” Produktionen . Und es ist ihm wie ( fast ) jedem Hörspielautor gegangen : Das , was schliesslich aus dem Radio drang , klang ganz anders als er es beim Schreiben dem Inneren Ohr vorschwebte . - Grund genug , es selbst auszuprobieren . Und zwar in Eigenregie . Und mit der eigenen Stimme . Denn auch diese ist ja ein eigensinniger Apparat , welcher sich nicht immer unserem Wollen und Wünschen fügt . |||

PREKÄRES PENDELN : PERSONEN & GENRES

czz icon kunst radio brunIm Experimentieren , im Entdecken und Wieder- Verwerfen fand sich schliesslich der richtige Ton , die geeignete Form , um sich sensibel anzunähern an das prekäre Setting von Hammerschmids Text : Ein minmaler Dialog pendelt sachte zwischen zwei Figuren , die recht eigentlich auch zwei Teil- Ichs einer einzigen Person sein könnten .

Mal keck und schlagfertig , dann wieder lyrisch oder gar in Form kleiner monologischer Essays : Mit Absicht bleibt es unentschieden , Wer es ist , der da eben spricht . Es ist just diese minimale Textur , gewebt aus diskret differenten Gepsrächsresten und -Themen , um welche es MICHAEL HAMMERSCHMID in seinem Hör- STÜCK geht : “ENDE GUT , ALLES GUT” ist eben dezidiert “Kein Hörspiel” .

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KLANGAPPARAT

Auf polymorphe Sound- Explorationen vorbereiten sollte sich wohl , wer sich in die “Regional” Zone des Sound Designers Tinitus aka Andres Nudelman ( Montevideo ) begibt . Versponnene melodische Fäden nähen czz hörempfehlungsich durch pastose Flächen und irgend wie weiss man nicht , wem das so entstehende Klangmäntelchen letztlich passen wird : Wir plädieren für’s Bucklicht Männlein” im Benjamin’schen Sinn . Fragil und Atari- kindlich , vermag es doch recht herrisch mit dem Taktfuss zu stampfen , wobei allerdings manches Krüglein überkommener Songformen und musikalischer Erzählverläufe zu Bruche geht . Echt eigen , was das Netlabel Phonocake da serviert . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. El beat de la contemplacion , el mate ( 4:00 ) | 02. Sushi de Pollo ( Chicken Sushi ) ( 3:35 ) | 03. Atardecer y enderezar ( 4:12 ) | 04. Ping Pong Andino ( 4:05 ) | 05. Astronautines ( to Ardilla Cereza ) (5:11 ) | 06. Quelonio ! ( 2:30 ) |||

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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur : LETZTE LOCKERUNGEN , schnellzeichnungen & schnellgedichte 1



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Salon Littéraire | Benedikt Ledebur | Matthias Goldmann ( Translation )

LETZTE LOCKERUNGEN schnellzeichnungen & schnellgedichte 1

LAST ROUND OF LOOSING UP - quick poems 1

schnellzeichnung_01_copyright_Benedikt_Ledebur

1

mit einem ruck

springt die rübe an:

los geht´s!

jeder sack kann das übrigens.

einen über die rübe:

gehört das zusammen?

schneide die ringe,

zickzack und zahl,

übe! beuge es.

zieht eine linie

zum gegenüber,

sieht sie.

ein satz über die brüstung,

ohne grund,

was der fall voraussetzt.

ein stück noch,

dann fass das ende,

ausschlag den boden ihm,

auf die maserung achte.

neuen verbindungen

zähne wachsen.

wie weit, als ob netze

diese zentner hielten,

kämme die gletscher fletschten,

damit ausfranst im freien

der aussicht reifen,

drehen im fall,

dass die fahrt endlich anfängt.

gleich den höhen von oben,

stechen messer die skalen,

schwellen dem krähen

erweiterte gefässe,

gestutzte flügel,

statt sturz in den absprung:

zieh leine endlich,

kürzeste linie

im fall, dass es aufprallt,

grundlos fassende

verfaltet im schirm.

a jolt

to the noggin:

let’s go!

besides, any jerk can do that.

a bonk on the noggin:

does that go together?

cut these rings,

zigzag and number,

practice! flex it.

drawing a line

to an opposite,

she sees.

a leap over the window breast,

on no grounds, taken

for granted in this case of

descent. a last stretch left,

then hold on to the end,

kick out his flooring

but mind the grain.

growing the teeth

of new connections.

so far, as if nets were

holding these hundredweights,

glaciers were bearing their combs,

adding fringes to the outdoors,

letting vistas mature,

falling and turning,

finally out on a ride.

like heights from above,

knifes stuck into scales,

puffing out to crow,

vascular widening,

clipped wings,

taking off instead of plunging:

get out of here,

across the shortest line,

in this case, towards an impact,

hold on for no reason,

folded into an umbrella.

schnellzeichnung_02_copyright_Benedikt_Ledebur

2

ein axiom, das leicht

aus der art geschlagen,

ein verfinstertes beispiel

zusätzlicher charade,

sollte das spiel bei chiasmus

und wette nicht genügen

für die weitere deutung.

das ansammeln großer zahlen

gehe nur deutlich zu

auf das allgemeine einerlei

größtmöglicher sicherheit.

das sich gleichbleibende

ist in der ferne egal,

stammeln und spucken

mit kernen aus genossenem

trifft da noch eher

die gesetzte grenze.

gebieten, die mir halt

bieten, entkommen irren

unter durchädertem joch

beinahe selbst, die spinnen

sich netze zu,

ständig in ketten.

nur halb steigt auf

der leiter der abteilungen,

nimmt, was stellt sie darin,

die mangel an sich leiden

können, dar langem grübeln.

das bein nach vor geworfen,

dem nutzen hinten nach,

orten noch die verbindlichsten

unde ihr glück, peilen

gehörnt unter qualen die quellen

an, reißen am schlingernden

weg ein stück,

bis der sich dem suchen löst

in verwertenden aus täuschen,

mit muster erstickender uhr.

phantasmen, die ich-vögel

spreizen, schwingen im warten

am x-fachen abzählreim,

alle ausflüge koordinierend,

bis sich die ypsilonachse biegt,

unter dem unbändigen, das

alles zu fall bringt.

an axiom, a little

wayward at that,

a darkened example,

additional charade,

if a game of chiasmus

and a bet won’t do

to add further interpretation.

piling up large numbers,

clearly walking towards

overall monotony,

maximum certainty.

the self-same, making

no difference far away,

stammering and spitting

leftover seeds and pits,

hitting, rather,

set limits.

my areas of support

escape me, wandering

under a veined yoke,

almost themselves, spinning

nets at each other,

in chains all the time.

promoted halfway,

head of departments, she

takes to her appearance as

it may suffer hardships

despite lengthy brooding.

kicking a leg out

to chase a profit,

the friendliest places

and happiness, aiming,

cuckolded, in great pain,

at sources, ripping at a

stretch of rolling road,

until it gives way to searching

and use that does the trick,

patterns of a stifled clock.

phantasms, these i-birds

spread, soaring while waiting for

umpteenth counting-out rhyme,

coordinating all outings

until the y-axis bends

under unbridled forces that

bring it all to grief.

schnellzeichnung_03_copyright_Benedikt_Ledebur

3

im prinzip weit

ausgeholt, alles in allem

überschlagen, ausgehöhlt,

bis auf neuralgische punkte,

die, zu elementen verbunden,

als mögliche verkettungen

zu beliebten schemen führen.

angezapft also das fass -

ende der vorstellung -

vom überfluss angezipft.

wenn etwas gesicht hat,

steigt chiffriert seichtes,

sei es ich oder nicht,

bis zum zeilenspiegel. weil

ein signal nie lang ist,

versagt der narziss an

der eigenen schreibweisse,

schloss, was verbunden

auftrat umsonst

(gewisser massen),

auf vorhänge. so steht es

eben dort. neben anderen

räten und schlägen,

schliess vor richtungen

nie die augen, oder:

auf die optik!

basically, it goes a long

way back, all in all

i tripped over myself, drained,

stripped, all sore spots,

which, connecting elements

to a possible chain of events,

lead to patterns that are high

in demand, drawn from the cask -

the show is over -

bored stiff by abundance.

when something shows face

encoded shallowness rises

whether it be me or my

word-wrapped character train.

because a signal is never long

narcissus gives way

to his own spelling.

lock what’s connected,

has occurred in vain

(in a way)

onto curtains. that’s

what it reads. aside from

other advice and blows,

never close your eyes when

faced with directions, or:

the book’s telling cover!


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Benedikt Ledebur

geboren 1964 in München , lebt in Wien . Studium der Theologie in Fribourg , Informatik und Philosophie in Wien . Literaturkritik , Aufsätze und Gedichte in diversen Zeitschriften wie Kolik , Zwischen den Zeilen , Schreibheft . Blog : POEMS .

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Buchpublikationen

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Herausgeber

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LITERATUR ALS RADIOKUNST | Monika Rinck im ORF- Studio | Produktionsnotizen



||| STARKE STIMME : MONIKA RINCK | CLOSE READING - CLOSE LISTENING | ÜBER : SETZUNGEN , STILLE | RICH TEXT & REAL AUDIO | REAL RADIO | KLANGAPPARAT

STARKE STIMME : MONIKA RINCK

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenAus dem Vollen Schöpfen : Nicht oft trifft dies auf die Situation einer Radioproduktion zu , wo - so sagt man wohl - “einfach alle Komponenten passen” . Drei Tage lang “Arbeit am Text” , Einstimmen , Auslauten . Schnitt und Reprise , Cut und Takt , Stimm- Melodie nach Halbton . Monika Rinck bringt aus Berlin nicht nur einen dicht gewebten , in viele Sinnrichtungen spielenden und wortlüsternen Text mit nach Wien , sondern auch ihre wirkungssichere Stimme ; nicht umsonst ist die Dichterin ein Jahrzeht über Lesebühnen getourt , ehe sie ihr erstes Buch publizierte . Dazu ein Ohr , durchs Übersetzen auf Nuancen trainiert …. UND : Die für die konkrete Arbeit auf Sendezeit und im Klangraum unverzichtbare Fähigkeit , sich von Wörtern , Sätzen , ganzen Passagen für diesmal zu trennen . Ein reueloses Sich- Einlassen- Können auf einen beweglichen und undogmatischen Dialog mit den Technikern , dem aufgenommenen Klangmaterial und dessen elektroakustisch generierten Verfremdungen .

Da die Sendereihe “Literatur als Radiokunst” ( @ ORF- “Kunstradio” ) den Literaturschaffenden alle Möglichkeiten öffnen möchte , unter professionellen Studiobedingungen mit und an der stimmlichen Verwirklichung eines Textes zu arbeiten , darf man sich getrost für einmal von der bei Live- Lesungen unererlässlichen Linearität trennen . Mehrstimmigkeit- und Gleichzeitigkeit der personalen Performance sind in der liearen Echtzeit der “Dichter vor Publikum” nun mal nicht zu haben . Hier im Studio dahingegen entstehen Versionen , Variationen , Shout & Response in sukzessiven Aufnahmen . Welche dann , Sekunde für Sekunde , Ton um Ton , im Surround- Panorama gemeinsam mit Cutter und Tonmeister neu komponiert werden . |||

CLOSE READING - CLOSE LISTENING

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenMit Anton Reininger und Stefan Wirtitsch stehen diesmal gleich zwei kompetente Gentlemen bereit , “The Lady in Black and White” drei Tage lang zu begleiten . Und einen Text in Szene zu setzen , welcher vom Einstimmen , Abstimmen , Anstimmen und … Unstimmigkeiten handelt .

“AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” spielt mit Motiven von Sprechen und Verstehen , dem Übersetzen des Gemeinten in die gemeine ( communis ) Wirk- lichkeit des Worts … Können wir uns überhaupt irgendwie connecten ? - Vom psychoanalytischen Vielsinn zum vierfachen Schriftsinn des biblischen Worts bis zum alltäglichen Einander- Verpassen . Manifestiert in prekären Dialogen am Handy , wo sich Eine/r in vielen Worten verliert … und die Verbindung zum Gegenüber . An diesem APPARAT sowie an einem , im fernen Berner Oberland einsam bimmelnden Telephon konkretisiert sich tragikomisch die unerhörte Unerhörtheit eines Begehrens …. Erhören , Erlösung finden nicht statt .

Traumbildliche Poesie der disembodied voices im ( oder aus dem ) Radio- APPARAT :

Die Stimmen aus dem Radio waren Übertragungen offengelassener Handygespräche, aus denen ein Körper flugs emanieren und sich auch gleich ganz wohlfühlen konnte. ( … ) Ich sagte: “Sie wissen schon, dass Sie nur hier sind, weil jemand vergaß, ein Gespräch zu beenden? Die Schleuse ist dieses Küchenradio hier.” |||

ÜBER : SETZUNGEN , STILLE

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenAufnahme , Neuaufnahme , Schnitt , Ersetzen : Kein Gespräch , welches ( wie jede Beziehung ) je wirklich ein Ende fände … Keine Übersetzung , welche je abgeschlossen wäre : Nicht umsonst hat Monika Rinck ihre Szenen der grotesken Vergeblichkeit zwischen drei englische ( ! ) Zitate des französischen Dichters Edmond Jabès gebettet . Und spontan deren deutsche Übertragungen ins Mikrophon gesprochen .

Beide Stimmen parallel gelegt , überraschen durch Einklang in Duktus und Rhythmus . Im Prozess dieses Anlegens von synchronen Spuren , im wiederholten Abhören dieser dualen Gleichzeitigkeit wird das “Zugleich” von Nähe und Differenz zwischen “Original” und “Übertragung” zum höchst sinnlichen Hörerlebnis : Als wäre Umarmung möglich , Vereinigung allerdings nie . Kein Zufall , dass die Jabès- Zitate allesamt das Moment der “Stille” dialektisch in den “Dialog” einschliessen . |||

RICH TEXT & REAL AUDIO

Monika_Rinck_ORF_2008_copyright_Christiane_ZintzenJa , und eben diese vergeblichen Umgarnungen , Bestrickungen am längst kabellosen Miniatur- Fernsprech- Gerät : Was in den planen Paraphrasen unseres Produktionsberichtes wie ein RICH TEXT FORMAT anmuten mag , gebärdet sich in REAL AUDIO absolut anmutig . Ein vazierendes Summen , das den Sprechtext umspielt , ein sich verdunkelndes rosa Rauschen … quicklebendig darin Monika Rincks Stimme , die sehr genau weiss , was sie da - und wie sie spricht .

Vielleicht darf ja manchmal der Ausdruck und die mediale Übetragung dessen glücken , was da handelt vom Ungenügen des Worts . Trivial gesagt , das alte Hofmannsthal’sche “Lord Chandos“- Paradoxon : Höchst beredt vom Fehlenden und den Fehlern der Rede zu sprechen .

O- Ton Monika Rinck :

Also.

Also, ich weiß nicht, da müssten Sie meinen Sprecher anrufen. Was sagt denn Ihr Sprecher? Rufen Sie ihn halt an.

Er sagt, dass Sie nicht zu sprechen sind. |||

REAL RADIO

“AM APPARAT ( Ihr Wahrheitsstil )” wird zu hören sein - in Sendungseinheit mit Michael Hammerschmids Arbeit “ENDE GUT , ALLES GUT - KEIN HÖRSPIEL” - am Sonntag , den 1. Juni , ORF- “Kunstradio” . Stereo via Radio und in 5.1- Surround- Sound per OE1DD . To be announced soon and separately . |||

KLANGAPPARAT

In Fortsetzung unserer gestrigen ( … darf man in diesem Kontext “Hommage” sagen ? … ) Hervorhebung der suggestiven Sounds , welche das russische Netlabel “electrosound” in schönem Unregelmass produziert , wollen wir heute eine träumerisch- psychedelische Trip- Hop- Variation czz hörempfehlungbetonen : Der Titel “Cocaine Ways” könnte in seiner selbstredenden Offensichtlichkeit allerdings zu Trugschlüssen führen . Tiefensatt gesetzte Beats in vexierenden Harmonien zielen auf depressiv gebrochene | intensivierte Lichter . Das alte Décadence- Motiv von der farbigen Glasscherbe , durch welche die Welt anzusehen wäre … Denis Borisov und Mikhail Gurov aka Abstracode bespielen das Genre , ohne in diesem zu versinken . Und das Ganze in voller EL PE - Länge : CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Slow Glow ( Intro ) | 02. 2 Days 2 Ways | 03. The Despair | 04. Finding a Doze | 05. Sniffing Cocaine | 06. Texturkki | 07. Endogenous Opiates | 08. Gradioz | 09. Sick Fantasy | 10. Eat My Dirt , Bitch ! | 11. Cemetry Of Dream | 12. Transitions | 13. The End Of Summer | 14. Detalkki | 15. Make Your Transition ( Outro ) |||

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Salon Littéraire | Monika Rinck : FÜNF AM STÜCK



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Salon Littéraire | Monika Rinck :

FÜNF AM STÜCK - telefontext

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du rauchst wieder. nein, ich glaube nicht. ich höre es an deiner stimme. ich hab gerade einen nassen pinsel in der hand. was hälst du von zyan? ne, die nackte hat frei. ich geometrisiere sie in das licht hinein. die neonwaffel, du verstehst? ich bleibe unbefriedigt vor dieser struktur. welcher. du warst nicht da. bist nicht. die matte ist gekippt. ich hab dann gleich fünf am stück geraucht.

Fünf_am_Stück_copyright_Monika_Rinck

theo, der trinker sagt, der tag sei geräumig. wenn der das sagt, dann wird das so sein. oder er meint das ornamental und als abwehr, türkenoper. so geht die mode. das kann ich aber in new york nicht verkaufen. die galeristin. welche? meine. hat eine macke, meine galeristin. müsste sie austricksten. da raushaun. via krise. vehikel. die krise inszeniert als vehikel zum rauskommen. muss man schon was von nerven verstehen. das tust du. und nachher? versuche zu heizen.

Fünf_am_Stück_copyright_Monika_Rinck

was weiß ich, ich krieg das nicht flüssig. diss material iss wie ein mousse aus plexiglas. meinst du damit: ein gelee? nein. sowas wie silikon. du willst mich nicht verstehen. auge auf, auge zu. zuzug am berg. die bungalows. mein atelier ist beheizt, jedoch nicht ausreichend. ich müsste. warte. jetzt: reden, mit dir. ich muss arbeiten. ich will jetzt nicht darüber nachdenken, wie es mir geht. es ist auch egal. wollen wir später noch mal telefonieren? ja. ich bin da. du kannst mich anrufen.

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und legt auf. fünf am stück geraucht. das zimmer nicht verlassen. wahnsinn, könnte man denken. kefir. oder tübingen. die hangel dieser stimme. wohin gegriffen, als kurze geschichte der übertragung: wir besprechen, was wir tun, oder was wir wollen. mögen anderes als dich. eine komplexe sanftheit, leicht mit feigen zu verwechseln, den menschen, nicht den früchten.

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kann ich dir vorlesen, dir vorspielen. kann ich mit dem hörer. kann ich näher. kann ich dir, warte, es ist alles hier. ich hab es gleich. warte. es ist das, es beginnt mit, hörst du zu. es ist so. wenn ich dir vorspiele, musst du sitzen und zuhörn, das kann ich dann wieder nicht aushaltn und muss das augenblicklich unterbrechen. das liegt aber nur an deiner eingearbeiteten verantwortung. die hast du wahrscheinlich noch von den christen, von früher, als du weich wie masse warst (mousse). und jung.

jugendpfleger machten sich lustig über meine verehrung der dadaisten. ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

musste einer verstehenswahnsinnigen mein buch erklären. ich wurd bekloppt davon. halsweh. spürte einen widerwillen, der der einer ganzen armee ist. mein heer murrt. ich bin wehrlos. lasst mich hier aus. die liste der fragen, wir wollen sie bombadieren. erklär mir, wie war es als borabora noch ein parfum war? meins, es war mein parfum.

Fünf_am_Stück_copyright_Monika_Rinck

und kann nicht ertragn, dass leute sich an mir orientieren. etwas rebelliert und ich komme nicht ran. als würd ich nicht rauchen. aber du rauchst. ja. ich rauche. muss aus dem haus. sachen kaufen. eh, ich schwöre, an dir orientier ich mich nicht. du schlechter witz. wie schwierig es sein mag, einen lächerlichen menschen zu lieben. das sind komplexitäten, von denen hat sie ihr lebtag noch nichts geahnt. jetzt sieht sie das geld im saugauge des nächsten. da geht es hinein, und hier ist die tür. ich muss dich ja wohl nicht hinbringen, liebes, du siehst sie doch selbst. dann bin ich wieder alleine. diese zeichnung ist mist. ich werde sie durchstreichen. fünf am stück.

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nein, wir haben immer nur telefoniert. er schaut mich an und er hat ekel im gesicht. die sublimierung ekelt ihn. telefoniert? ja. sonst nichts. sonst nichts. nur manchmal, räume ich ein, da wurde seine stimme so weich, da dacht ich dann, hat er seinen schwanz in der hand. und kippt nach hinten über. fragte ich: was machst du, sagte er: ich hör dir zu. so keusch. widerstandslos und trocken, ich habe alles gehört. ich wollte verstummen. ich wollte niemals verstummen. wir webten einen seidigen faden. der war auch kühl.

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war nicht die verbindung auch schlecht? sonst schon. diese billigen neoliberalen telefongesellschaften. der teufel soll, irgendwas. eben. aber. jetzt, jetzt, schreibst du mit: ich mache etwas, das leute kaufen wollen. es handelt von menstruation. bist du sicher? sehr. sicherer war ich nie. es handelt von menstruation und alten männern. ich mach es so, dass es sich verkauft. dann am gleichen abend noch ausgegangen. ich kann das tragen. du kannst das tragen. die dritte möglichkeit: eine verdrängungsfreie form des lebens. ich küsse dich, gutnacht. wir telefonieren morgen. elf. oder zwölf.

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und schau, dann warst du nicht da, dann hab ich gleich fünf am stück. geraucht. die anderen. hast du? ja weil. was? süße. süßer. ich hasse etwas um dich her. etwas, ähnlich dir. lad sie aus, die du eingeladen hast. warum. darum. weißt du, dass ich kinderlos bin, heißt nicht, dass ich mich um sachen kümmern will, die keine kinder sind, instead. du böse, böse sau. fünf am stück, das ist nichts. schau mir zu, ich mache 5 mal 5 am stück. dann du.

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keine lust etwas zu zeigen, bei ungenauem publikum. das sei die deinige, ich meine: lust. ich will auch nicht mich einweichen für blicke von ungenauen leuten. ich will nicht in fremden küchen irgendetwas machen. ich bin alt. ich werd ausbrennen mir die empathie. sorge in den haaren. ein juwel für blöde. ruf selber dir ein taxi, die barfrau hat die nummer. sehr gewiss.

Fünf_am_Stück_copyright_Monika_Rinck

und weiter hinter der berg, da ist peking. im letzten jahr hab ich mich ausgekannt, aber in diesem jahr hat sich sehr viel verändert. dann bin ich aufgewacht, weil das telefon geklingelt hat. es war 04:22 uhr. ich bin krank. ich muss gleich wieder dich erreichen. oder züge nehmen, das flugzeug vielleicht. bist du da? kann ich an deiner seite etwas tun wie liegen, ich komme sogleich. ich habe geld.

das versteh ich nicht.

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Monika Rinck

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