[ = Gemeinplätze , Commonplaces der Blogosphäre 02 ]
||| GOOGLE YOURSELF | U.S. - STUDIE | NETZHYGIENE … | … VS NARZISSMUS | SCREEN ALS SPIEGEL | FEEDBACK | BLICK AM TICKER | HYBRID- UND KUNSTFIGUR | KLANGAPPARAT : WHODUNIT ? | LINKS
Wenn ein sogenanntes “Thema” durch das OFFLINE- Presse- Wesen geht , bleiben den Kommentatoren immerhin einige Stunden , um das andernorts Ausgespähte für’s eine Blatt hinreichend zu reflektieren , um der Sache einen ( der Distinktion des Mediums förderlichen ) frischen Twist zu geben .
In der schönen weiten ONLINE- Welt ist die Reiz- Reaktions- Spanne wesentlich geringer - - vorausgesetzt freilich , man zählt zu den Bloggern und Selbstvermarktern , die ganz vorne mit dabei sein wollen : Sei’s auf der Achse der Zeit oder in der Kategorie des Impact Faktors .
GOOGLE YOURSELF
Nun gab es während der vergangenen Tage eine sonderbare Ballung um das Topic des Vanity- Search oder Ego- Googlen ( Googling Oneself ) . Die Studie Digital Footprints des Pew Internet & American Life Project belegt , dass rund 50 % der U. S.- User mindestens einmal im Leben den eigenen Namen in das Suchfeld einer Search Engine ( oft Google ) eintipppen > ENTER > there we go : Und mit ein paar Clicks und Blicken kann man - freilich oft mit Erstaunen - betrachten , in welchen Zusammenhängen man out there auftaucht .
U.S. - STUDIE
Benedikt Köhler resümiert ( @ Viralmythen ) die Studienergebnisse wie folgt ,
dass fast die Hälfte der US-amerikanischen Internetsurfer schon einmal ihren eigenen Namen in eine Suchmaschine eingegeben haben. Aber nur ein geringer Teil (3 Prozent) der “Selbst-Sucher” tut dies auch regelmäßig. Die Mehrzahl der Nutzer (60 Prozent) sehen es nicht als Problem, dass Informationen über sie im Internet abrufbar sind und nur 38 Prozent planen, die Preisgabe persönlicher Informationen im Netz zu reduzieren. Was auch interessant ist: Nur 11 Prozent sagen, dass der größte Teil der online gefundenen Informationen über sie nicht der Wahrheit entspricht – 2002 waren es noch 19 Prozent. Möglicherweise führt die zunehmende Selbstdarstellung im Netz über soziale Netzwerke und Weblogs (die bei vielen Suchmaschinen weit oben landen) dazu, dass mehr Informationen zu finden sind, die man selbst ins Netz gestellt hat. Oder aber: die Kritikfähigkeit der “Selbst-Sucher2 hat abgenommen.
NETZHYGIENE …
Nun haben uns allerlei Datenschützer , Journalisten und Job- Blogger alle Nase lang die Notwendigkeit von Daten- und Netzhygiene gepredigt , Firmen wie ReputationDefender oder International Reputation Management versprechen gegen gutes Geld eine www- Image- Bereinigung : dies alles aber meist im Kontext der zunehmenden Netz- Checks möglicher Arbeitgeber oder Vertragskontrahenten .
Was bitte möge an dieser Form der Selbst- Evaluierung das Bemerkenswerte sein ? - Abgesehen von der Tatsache , dass jetzt Raten , Prozente diese weit verbreitete Praxis numerisch dokumentieren , stellt die Google- Search nach dem eigenem Namen einen völlig alltäglichen Vorgang des Benchmarking dar . Dass sich “His Majesty the Ego” ( Sigmund Freud ) im Spiegel des Screens narzisstisch kitzeln kassen will , bleibt nicht dem OFFLINE- Kosmos vorhbehalten .
… VS NARZISSMUS
Welcher Studierende , der nach Abgabe der Pflichtexemplare seiner Dissertation nicht sofort zum Katalog der Universitäts- , Instituts- oder Nationalbibliothek eilte , um Eigennamen und Eigenwerk dort rubriziert zu sehen ? - Welchen ( tja , sechsstelligen ) Rang hat mein neues Buch @ Amazon ? - Und ist mein Sprössliing im Programm des Kinderchor- Konzerts auch wirklich und schön namentlich aufgeführt ?
SCREEN ALS SPIEGEL
Mit Jacques Lacan formuliert , schlägt das frühkindliche Spiegelstadium im langen Laufe unsere Lebens immer wieder zu . Erst , wenn wir im Spiegel überprüfen , wie sich unsere Aussensicht ( höchstwahrscheinlich ) den echtweltlichen Sozialpartnern präsentiert , können und wollen wir als distinktes Individuum agieren . Freilich gelangen wir nie an jene primäre Spiegelszene zurück , in welcher die Mutter dem Kind beim gemeinsamen Blick jene dort sichtbare Gestalt als dessen ICH deklariert . Erst im Kontaktschluss von Innensicht und Aussen- Aussehen entsteht das Individuum .
FEEDBACK
Gleichwohl bleibt diese ursprüngliche Fontanelle oder gap zwischen dem , wie ich aus meinen Augen heraus sehe und dem Konterfei , welches mir mein Spiegel präsentiert , verletzlich . Man muss nicht gleich ins Extrem der neuronal , traumatisch oder durch Drogen ausgelösten Ich- Dissoziation gehen , um den ständigen Bedarf an Rückbestätigung und externem Feedbacks entlang unseres lebenslangen Wandlungsweges ( z. b. Altern ) als systembedingt anzusehen .
BLICK AM TICKER
Warum das Nachschlagen des eigenen Namens , eigener Werke und Kontexte jetzt das ganz ANDERE und Web- Spezifische sein soll , ist nicht nachvollziehbar . Umso bemerkenswerter müssen die von etlichen Bloggern brav abgeschriebenen Befunde erscheinen , als doch just das Medium “Blog” seinen Betreiber ( = vulgo Schreiber ) gewissermassen stündlich und minütlich mit Klick- Raten , Rankings und Kommentaren ebenso wie durch Blog- Reactions und Incoming Links konfrontiert . So what ?
HYBRID- UND KUNSTFIGUR
Als dialektischer Seitenpfad bietet sich der Umstand an , dass viele Blogger und Forum- Kommentatoren sowieso unter identitätsverschleiernden Nicknames agieren , beziehungsweise für ihre Online- Showbox eine aus Stilisierung , Dichtung und Wahrheit hybrid gemixte Kunstfigur generieren . Don Alphonso hatte diese - für jeden professionellen Publizisten alltägliche - Binsenweisheit im Rahmen der ZKM- Tagung WEBLOGS, PODCASTING & VIDEOJOURNALISMUS : Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potentialen mit grossem Effekt präsentiert . So what ?
“Übereinstimungen mit realen Individuen sind in keiner Weise beabsichtigt und nur zufällig” : “Mashup” heisst das im laufenden Business der Datenmischung . Unvermeidlich muss da jetzt das berühmte Rimbaud- Diktum “Je est un autre” folgen . So what ?
KLANGAPPARAT : WHODUNIT ?
Mit Rollen , Sprechfiguren und der medialen Reduzierung einer Person auf eine Funktion , Position oder ein abrufbares Statement , beschäftigt sich auch der gestern hier unter dem Namen “NORMAN FAIRBANKS” vorgestellte Audio- Artist . Wer ein bisschen weiter in seine markant
gestalteten Seiten hinein liest , wird finden , dass “FAIRBANKS” selbst ein “fictitious character” ist . Es sind via Medien ins Fiktive transformierte Redefiguren , welche die linguistische Footage abgeben für “FAIRBANKS’ grandios durchkomponierte Suiten . czz hat mit dem Musiker ( selbiger weiterhin in der Rolle des “NORMAN FAIRBANKS” ) einen kleinen E- Briefwechsel über die konzeptuellen Grundlagen seiner Sprach | Soundarbeit geführt . Bevor wir Part 2 des Zyklus ONE AMERICAN SECOND in voller Länge von 54 Minuten präsentieren , zitieren wir aus “FAIRBANKS” Selbstauskunft , welche die Methode der Dekontextualisierung ( vulgo Cut- up ) und Zusammenhangsverfremdung aufs Trefflichste formuliert :
Well actually my piece is just a pure sound patchwork without any relevant ( political ) context - so it could basically fit to many angles or points of view . In the moment I take samples out of there original context they get a different meaning and their contents may vary depending on the new environment I put them in . The American language is an ideal playground for this but you could easily redo this idea in any other language or any other territory - it is repeating in itself . Maybe America just works better because their media is so much more omnipresent than any other media from any other country on this planet .
Dem Charisma der VOX HUMANA sozusagen anthropologisch konstant verfallen , werden wir beim Hören von gesprochener Sprache nie umhin können , gewisse Meanings und Assoziationen zu generieren . Jede Hörerin , each Listener kreiert sich hörend sein höchst eigenes Stück . [ Klammer für Making- Of- Freaks : Die Sache mit dem Tenori- On . ]
TAKE YOUR TIME and CLICK TRACK TO LISTEN : ONE AMERICAN SECOND , PART 2 : RADIO K.A.O.S. ( 54:12 ) |||
LINKS
- Vanity Search | Vanity Searching Ego Search | Ego Searching ( Wikipedia )
- Eine Sammlung persönlicher Daten die Schnüffler und Voyeure erfreut - “Google dich selbst”, um herauszufinden, was die Onlinewelt von dir weiß, wird möglicherweise bald abgelöst - von der Personality-Suchmaschine Spock ( Der Standard , 30. 8. )
- Datenschutz beim Identitätsmanagement ( heise , 27. 6. )
- Persönliche Infos im Netz: Alles kommt raus ( wiwo )
Selbstmarketing : Erfinde dich neu ! ( Zuender / ZEIT ) - Stoppt die Datenkraken ! ( Torsten Kleinz , DIE ZEIT , 23. 11. )
- Auf ewig gefangen im Netz ( Kai Biermann , DIE ZEIT , 29. 11. )
- Warnung vor Offenherzigkeit im Netz ( Futurezone , 24. 11. )
- Study : Googling Oneself Is More Popular ( Anick Jedanun , AP / WIRED , 16. 12. )
- Why you should Google yourself — and often ( ZDNet )
- Vom Ego- Googeln zum Reputationsmanagement : Vier Fragen an Klaus Eck ( Benedikt Köhler , Viralmythen , 19. 12. )
- Reputation als Inszenierung ? | Reputation : Wo kommt sie eigentlich her ? ( Christian Henner-Fehr , Das Kulturmanagement Blog )
- Netznarzissmus : Intime Öffentlichkeit im Internet . Das Internet verlockt zu radikaler Offenheit. Das kann in mehrfacher Hinsicht gefährlich sein ( Peter Glaser , Focus , 20. 12. )
- Pew Internet & American Life Project , Studie : Digital Footprints ( abstract | pdf )
- His Majesty the Ego : In : Sigmund Freud : Der Dichter und das Phantasieren [ Creative Writers and Day-Dreaming , 1908 ] @ The litterary encyclopedia
- Aus dem Leben einer Kunstfigur ( Rainer Mayer / Don Alphonso , 14. 9. ) , Vortrag ZKM- Tagung WEBLOGS, PODCASTING & VIDEOJOURNALISMUS : Neue Medien zwischen demokratischen und ökonomischen Potentialen |||







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