Tag Archive for 'voyeurismus'

Audio aktuell : Apokalypsen , allseits



||| Jedem auf seine Weise , eignet sämtlichen der folgend zart angedeuteten Global - , Familial- und Kriminal- Katastrophen etwas Apokalyptisches .

icon listening blackMit den Besprechungen der Audio Einspiellungen von Cormack McCarthy’s “The Road” , den von Andrea Maria Schenkel wirkungssicher arrangierten historischen Morden in der Provinz sowie letztlich den grossen Epochengemälden aus Deutschlands Depression von Hans Fallada und Anna Gmeyner sei der Keller des Stehsatzes aus 2006 ( ! ) und 2007 erschienenen Audio- Publikationen hoffentlich bald ausgefegt und wir dürfen demnächst auf die 2008er Modelle eingehen .

Hier die frische Liste :

Gerade Fallada erweist - oft unterschätzt - in der eben bei Rowohlt publizierte Korrespondenz , dass vieles Frühere dem scheinbar überlegenen Späteren analytisch und performativ weit voraus … bleiben wird . |||

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READING ROOM | Gegenlese : Littell in den Kategorien der Kritik



||| AVANT PROPOS | WORTFELDER EXTREMER LEKTÜRE | 1. A - IRIS RADISCH - DIE ZEIT | 1. B - RÉSUMÉE | 2. A - GEORG KLEIN - SZ | 2. B - RÉSUMÉE | 3. A - VOLKER WEIDERMANN - FAS | 3. B - RÉSUMÉE | NACHGETRAGEN : WEITERE TEXTE

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AVANT PROPOS

Im Folgenden ist keine typische Blog- Lektüre zu erwarten . Eine Exercise de Stlyle , augenscheinlich nicht nach Jedermanns Geschmack . |||

WORTFELDER EXTREMER LEKTÜRE

FAZ READING ROOM detailZwei Tage vor dem Erscheinungstermin von Jonathan Littells Roman LES BIENVEILLANTS | DIE WOHLGESINNTEN liegen die ersten Rezensionen vor . Statt weiter im FAZ- “Reading Room” ( Tag bzw. Folge 16 ) im Sinne einer sine ira et studio vollzogenen Lektüre 2.0 mitzuziehen , präsentiert in|ad|ae|qu|at einige Elemente der bislang erschienenen Besprechnungen .

Wie am Beispiel der publizistischen Niederschläge von der Mosebach- Büchnerpreisrede und deren Kommentaren durchgespielt , tasten wir die Texte der Rezensionen ab nach deren Topoi und Attributen , indem wir die Wortfelder aus dem diskursiven Fluss filtern . These ist , dass sich speziell an den ADJEKTIVEN eines Textes die Herstellung und speziell die rhetorische Suggestion von Stimmungen ablesen lassen : Womit sich , einfach gesagt , in der puren Suzession der Eigenschaftswörter auch Drall und Drift der Argumentation und Überzeugungsabsicht offenbaren .

Bei einem so drastischen und ambivalent rezipierten Text wie dem der WOHLGESINNTEN verspricht dieses Verfahren ein immerhin interessantes Lexikon . Und damit erledigen wir auch gleich den DISCLAIMER , dass wir hier in|ad|ae|qu|at den Rezensenten etwa am Zeug flicken wollten .

Uns interessieren lediglich die Wörter und deren Wechsel im Grabenkampf mit der unzweifelhaften Zumutung der Lektüre und Charakterisierung dieses Buchs . Die Reihung erfolgt chronologisch nach Erscheinungsdatum der jeweiligen Rezension . |||

1. A - IRIS RADISCH , 14. 2. - DIE ZEIT

Am Anfang steht ein Missverständnis

FAZ READING ROOM detail viel ( Aufregung ) - literarisch mittelmäßig geratenes ( Debüt ) - dürftig geratenes ( Debüt ) - { gänzlich } unbekannter ( Autor ) - strategische ( Provokation ) - historischer ( Thriller ) - sprachliche ( Ambition ) - ungezählte ( Wälzer ) - andere ( Wälzer ) - splitternde ( Hirnschalen ) - ejakulierende ( Gehenkte ) - purpurrote ( Erwürgte ) - aufgeschlitzte ( Soldaten ) - jüdischer ( Autor ) - ( Täterschaft ) - detaillierter ( Bericht ) - zurückliegende ( Kriegserlebnisse ) - publizistische ( Lücke )

literarische ( Welt ) - ( Selbstporträt ) - ( Mörder ) - ( Kaltblütigkeit ) - ( Amoralismus ) - ( Verwirrung ) - literarische ( Stellvertreterschaft ) - ( Projekt ) - dostojewskijsches ( Format ) - ungewöhnliche ( Perspektive ) - ambitionierter ( Roman ) - { nicht } ( Problem ) - ( Gegenteil ) - ( Chance ) - eminente ( Chance ) - ( Landser-Kitsch ) - ( Doku-Thriller ) - ( Edelporno ) - viele ( Stellen ) - { nicht } ( Problem ) - ( Dr. Max Aue ) - ( Platon ) - ( Stendhal ) - ( Flaubert ) - ( Plutarch ) - ( Kant ) - ( Hegel ) - ( NS-Mörder ) - ( Opfer ) - ( Exekution ) - ( Altgriechisch ) - solche ( SS-Musterschüler ) - jede ( Wahrscheinlichkeit ) - historische ( Wahrscheinlichkeit ) - historische ( Wahrscheinlichkeit ) - { kein } Kriterium - literarische ( Beurteilung ) - ( Max Aue ) { kein } Mensch - { nicht } ( Mörder Raskolnikow ) - { eher } ( Geisteszustand ) - ( Menschen ) - ( Fleisch ) - ( Blut ) - { kein } Nachteil - ( Literatur ) - weitester ( Sinn ) - ( Geisteszustand ) - große ( Freiheiten ) - ( Geschichte ) - { einzig } ( Problem ) - dieser ( Roman ) - welchem ( Endzweck ) - ( Littell ) - diese ( Freiheit ) - ( Problem ) - ( Max Aue ) - ( Geisteszustand ) - 1400 ( Seiten ) - ( Nachlass ) - ( Nationalsozialismus )

existenzieller ( Nihilismus ) - enttäuschter ( Nationalsozialist ) - unbekehrter ( Nationalsozialist ) - { keineswegs } selbstzerknirschter ( Nationalsozialist ) - alle ( Widerwärtigkeiten ) - aller ( Kitsch ) - aller ( Schwachsinn ) - weltanschaulicher ( Schwachsinn ) - dieses ( Buch ) - quälende ( Ausführlichkeit ) - ( Konto) - { nicht } ( Konto ) ( Littells ) - { zwillingshaft } ( Autor ) - ( Figur ) - viele ( Ausführungen ) ( Aues ) - ( Interviews ) ( Littells ) - zahlreiche ( Vorstellungen ) - zahlreiche ( Lieblingsautoren ) - diese ( Rollenprosa ) - endlose ( Rollenprosa ) - eines ( Nationalsozialisten ) - eines ( Rassisten ) - überzeugten ( Nationalsozialisten ) - überzeugten ( Rassisten )

( Littell ) - ( Interviews ) - ( Frankreich ) - ( Antwort ) - diese ( Lektüre ) - mühsame ( Lektüre ) - ekelerregende ( Lektüre ) - langweilige ( Lektüre ) - tiefste ( Motive ) - ( NS-Täter ) - ( Gespräch ) - französischer ( Historiker ) - ( Pierre Nora ) - ( Frage ) - ( Motive ) - ( Leute ) - ( Opfer )

starkes ( Argument ) - tiefste ( Motive ) - ( NS-Täter ) - - ungelöstes ( Geheimnis ) - ( Versprechen ) - ( Geheimnis ) - dieses ( Buch ) - endloses ( Buch ) - ( Augenblicke ) - alle ( Mühen ) - alle ( Qual ) - dieses ( Buch ) - geschwätziges ( Buch ) - alle ( Mängel ) - literarischen ( Mängel ) - großes ( Buch ) .

französische ( Kritik ) - diese ( Frage ) - vereinzelte ( Gegenstimmen ) - ( Littell ) - ( Wunder ) - ( Untiefen ) - ( NS-Täterschaft ) - ( Sumpf ) - ( Dante ) - ( Hölle ) - kostbare ( Erkenntnisse ) - ( Licht ) - ( Unmenschen ) - ( Menschen ) - ( Mördern ) - ( Gesicht ) - ( Familiengeschichte ) - europäische ( Literatur ) - große ( Erzählung des 20. Jahrhunderts ) - diese ( Lesart ) - dominierende ( Lesart ) - ( Jorge Semprún ) - ( Pierre Nora ) - ( Literaturteil ) - ( Le Monde ) - ( Frankreich ) - diese ( Lesart ) - alles ( Misslungene ) - ( Kolportage ) - ( Kitsch ) - ( Pornografie ) - ( NS-Geschwätz ) - notwendiger ( Baustein ) - ( Gelingen ) - ( Ganze ) - ( Buch ) - ( 23. Februar ) - ( Deutschland ) - deutsche ( Sicht ) - kostbare ( Erkenntnisse ) - { keine } Rede - dieses ( Buch ) - ( Bibliotheksfantasie ) - gebildetes ( Spiel ) - größenwahnsinniges ( Spiel ) - ( Unmengen ) - ( Archivmaterialien ) - viele ( Bücher ) - vorgefundene ( Materialien ) - ( NS-Materialien ) - ( Hauptvorwurf ) - ( Frankreich ) - ( Buch ) - literarisches ( Spiel ) - ( Dokumente ) - verstörende ( Arbeit ) - nationalsozialistischer ( Mythos )

vielerlei ( Gründe ) - ( Hauptgrund ) - unverständliches ( Bestreben ) - ( Held ) - ( Ideologie ) - gebildete ( Bestie ) - ( Oberseminar ) - nationalsozialistische ( Schlächter ) - moderner ( Nationalsozialismus ) - intellektueller ( Nationalsozialismus ) - reine ( Lehre ) - ( Sicherheitsdienst ) - leidenschaftlicher ( Wunsch ) - ( Absolutes ) - ( Grenzüberschreitung ) - bessere ( Zeiten ) - ( Kolloquium ) - ( Georges Bataille ) - ( Ernst Jünger ) - ( Bequemlichkeit ) - bürgerliche ( Gesetze ) - laue ( Sicherheit ) - ( Gesellschaftsvertrag ) - abstrakter ( Antisemitismus ) - intellektueller ( Antisemitismus ) - ( Massenabschlachtungen ) - ( Ukraine ) - blinder ( Technokrat ) - ( Edelnazi ) - ( Judenfrage ) - ( Deutsches Reich ) - dieser ( Nationalsozialismus ) - intellektueller ( Nationalsozialismus ) - nüchterner ( Nationalsozialismus ) - geläuterter ( Nationalsozialismus ) - { nicht } pervertierter ( Nationalsozialismus ) - { nicht } verderbter ( Nationalsozialismus )

derartige ( Ehrenrettung ) - gehobener ( Nationalsozialismus ) - diese ( Gedankensplitter ) - schnittige ( Gedankensplitter ) - juvenile ( Gedankensplitter ) - konservative ( Revolution ) - ( Nachtgewächse ) - französischer ( Diskurs ) - akademischer ( Diskurs ) - ( Lösung ) - schmerzhafte ( Frage ) - unsere ( Großväter ) - ( Mörder ) - literarische ( Figur ) - ärgerliches ( Spiel ) - schockierende ( Obsession ) ( … )

( Littell ) - ( Pierre Nora ) - “strukturalistische” ( Betrachtung ) - “funktionalistische” ( Betrachtung ) - ( Nationalsozialismus ) - ( Frage ) - individuellen ( Verantwortung ) - ( Rückkehr ) - ( Standard-Erzählung ) - ( Problem ) - ( Ausrottung ) - größtes ( Paradox ) - ( Roman ) - ( Autor ) - ( Erzähler ) - ( Ansicht ) - einzelner ( Mensch ) - ( Innenleben ) - ( Erklärung ) - deutsche ( Verbrechen ) { bedeutungslos } - ( Roman ) - diese ( Innenperspektive ) - persönliche ( Innenperspektive ) - ( Strukturzusammenhänge ) - ( Funktionsverläufe ) - ( Dokumente ) - { nicht } ( Seelen ) - ( Täter ) - ( Zentrum ) - ( Legendenbildung ) - ( Überhöhung ) - ( Täters ) - ( Stockholm-Syndrom ) - leidende ( Geisel ) - ( Heldenerzählung ) - nationalsozialistischer ( Held )

( Wort ) - sogenannter ( Stil ) - ( Roman ) - ( Pierre Nora ) - “kein” ( Ton ) , “einziger” ( Ton ) , “falscher” ( Ton ) - französisches ( Original ) - beträchtlicher ( Teil ) - ( Deutsch ) - ( Militärsprachliches ) - ( “Oberfehlshaber” ) - ( “Generalfeldmarschälle” ) - ( “Befehlsnotstände” ) - manche ( Sätze ) - ( Deutsch- Französisch ) - ( “Standartenführer” ) - ( “Leiter” ) - ( “Führervernichtungsbefehl” ) - ( “Schnaps” ) - ( “Herren” ) - ( “Genickschuss” ) - ( “Übermensch” ) - ( “Feldgrau” ) - ( “Strichjunge” ) - ( “Endlösung” ) - ( Deutsch ) - französischer ( Kritiker ) - ( Germano-Chic ) - ( “Endlösung” ) - ( “Erlösung” ) - ( Juden ) ( … )

ungelöstes ( Geheimnis ) - unsere ( Großväter ) - mitleidlose ( Mörder ) - dieser ( Roman ) - ( Schuldfrage ) - ( Kriegsverlauf ) - einzelne ( Stationen ) - technische ( Schwierigkeiten ) - ( NS-Ausrottungsprogramm ) - detailgetreues ( Werk ) - dokumentengetreues ( Werk ) - { nicht viel } ( Neues ) - ( Erfahrung ) - ausgebreitete ( Interna ) - ( NS-Netzwerk ) - ( NS-Ränkewesen ) - ihre ( Kleinkariertheit ) - staubige ( Kleinkariertheit ) - langweilige ( Kleinkariertheit ) - diese ( Ausführlichkeit ) - ( Sexualtragödie ) - letzte ( Winkel ) - feuchte ( Schwester-Vulva ) - küchenpsychologischer ( Nebenschauplatz ) - vulgärerotische ( Primanerfantasie ) - ( Attraktivität ) - trübe ( Niederungen ) - rassepsychologische ( Niederungen ) - ( Roman ) - unglückselige ( Zwillinge ) - ( Familie Aue ) - ( Juden ) - ( Deutschen ) - aussichtslose ( Zwillingsliebe ) - zerstörerische ( Zwillingsliebe ) - ( Beweislage ) - diese ( Deutung ) - ( Holocaust ) - ( Aue ) - ( Führer ) - kurzer ( Romanauftritt ) - ( Schläfenlocken ) - ( Gebetsriemen ) - ( Hitler ) - dessen ( Lebenstage ) - letzte ( Lebenstage ) - ( Führerbunker ) - übergroße ( Nase )

allerletzte ( Frage ) - dieses ( Buch ) - { schlecht } schreibender ( Idiot ) - sexuelle ( Perversionen ) - gebeutelter ( Idiot ) - elitäre ( Rasseideologie ) - antiker ( Schicksalsglaube ) - ergebener ( Idiot ) - gebildeter ( Idiot ) - diese ( Frage ) - { keine } ( Antwort ) |||

1. B - RÉSUMÉE

Iris Radisch liefert weitenteils ein Referat der französischen Debatten , beschränkt sich allerdings auf einen sehr schmalen Korpus von Interview- Zitaten . Grundsätzlich vollzieht die Kritikerin eine rhetorische Enumeratio , was der Roman NICHT ist . Damit hat sich die Rezensentin quasi eine zweifache Negativ- Kulisse eingerichtet , vor welcher sie positiv und in hoher Redundanz die TATSÄCHLICHE Charakteristik eines “Edelnazi” ( Aue / Littell ) zeichnet . Die zentralen Induktionen sind und bleiben stereotyp : Dass der Roman ein “Problem” darstelle . Und dass Littells Buch keine Erhellung des “Geheimnisses” liefere , “warum unsere Grossväter zu Mördern wurden” . |||

Zu welchem sprachlichen und rhetorischem Instrumentarium greift nun der Schriftsteller- Kollege Georg Klein , der zeitweilige “Shooting Star der deutschen Literaturszene” ( FR ) . Hervorgetreten mit einem Buch Von den Deutschen , allerdings auch mit einer feinen Reihe Essays über historische SF- Romane ( Über Arno Schmidts KAFF auch MARE CRISIUM , Die Zukunft von Gestern , 18 . 7. 2007 , ) .

2. A - GEORG KLEIN , 16. 2. - SZ

Die Bosheit der Toten

FAZ READING ROOM detail Figuren - Hochgestiefelte - Schwarzgewandete - Filme - Comics - Romane - Leser - Autor - Jahr - ehemaliger ( SS-Offizier ) - preisgekrönter ( Bestseller ) - französischer ( Bestseller ) - deutsche ( Übersetzung ) - vierzehnhundert ( Seiten ) - ( “Ich” )

( Zeitgeschichte ) - ( Kenntnis ) - ( SS-Mann ) - ( Mord ) - ( Totschlag ) - großes ( Ausmaß ) - ( Rede ) - bürokratisch aufwendig organisierte ( Massenvernichtung ) und technologisch neuartig durchgeführte ( Massenvernichtung ) - ( Nationalsozialismus ) - minderwertige ( Menschen ) - ( Staatsfeinden )

( Verbrechen ) - faktische ( Erforschung ) - mediale ( Fiktionalisierung ) - letzte ( Hälfte des 20. Jahrhunderts ) - ( Nürnberger Prozesse ) - jüngste ( Buchproduktion ) - besondere ( Evidenz ) - ( Gräueltaten ) - ( Taten ) - übersachliche ( Augenfälligkeit ) - metaphysische ( Augenfälligkeit ) - ( Begriff des Bösen ) - ( Angehörige der SS ) - ( das “Böse schlechthin” ) - ( Deutsch ) - beschwörende ( Verdopplung )

( Littells Erzähler Max Aue ) - promovierter ( Jurist ) - hochrangiger ( Offizier ) - ( SS-Sicherheitsdienst ) - ( Bannspruch ) - ( Übereinkunft ) - ( Wirklichkeit des Geschehenen ) - eigene ( Worte ) - eigentlicher ( Lebensbericht ) - lange ( Reflexion ) - ( Amalgam ) - allgemeine ( Rekapitulation ) - zeitgeschichtliche ( Rekapitulation ) - populärphilosophischer ( Räsonnement ) - private ( Bekenntnisse ) - intime ( Bekenntnisse )

( Basis ) - einschlägige ( Literatur ) - wissenschaftliche ( Literatur ) - ( Zahl der Opfer ) - ( Krieg ) - ( Verfolgung ) - ( Schulterschluss ) - historische ( Forschung ) - ( Beschreibungsmacht ) - ( Deutungsmacht ) - ( Leugner ) - ( Verharmloser ) - gespannter ( Leser ) - beklommene ( Leserin ) - ( Morden ) - ( Totschlagen ) - spezifischesn ( Dabei-Sein ) - literarische ( Erzählung )

( Angriff ) - ( Sowjetunion ) - ( Leser ) - ( Protagonist ) - dessen ( Perspektive ) - ( Ereignisse ) - ( Geschehen ) - übersichtlich portionierte ( Szenen ) - ( Ich-Erzähler ) - enorm detailreiches ( Gedächtnis ) fotografisch getreues ( Gedächtnis ) - angeblich ( Erinnertes ) - kolportierende ( Trivialautoren ) - ( Drehbuchschreiber ) - legitime ( Erben ) - historischer ( Roman ) - vergangene ( Wirklichkeit ) - bewährte ( Bauteile )

derartiges ( Erzählen ) - allgemeines ( Bescheidwissen ) - individuelle ( Teilhabe ) - ( Doppelsimulation ) - gewohntes ( Verfahren ) - unsere ( Phantasie ) - ( Imagination ) - unsere ( Phantasie ) - verwandte ( Bilder ) - eigener ( Fundus ) - ( Gelesenes ) - ( Gesehenes )

( … ) etliche ( Lesestunden ) - folgende ( Schreckensszenen ) - ( Steigerung ) - ( Opfer ) - sowjetischern ( Geheimdienst ) - ( Pogrom ) - ukrainische ( Bevölkerung ) - jüdische ( Mitbürger ) - ( Aue ) - erstes ( Mal ) - einzelne ( Menschen )

( Erschießungsaktion der SS ) - ( Serialität des Vorgehens ) - ( Massenhaftigkeit des Tötens ) - ( Pistole ) - ( Schlucht Babyn Jar ) - ( Aufgabe ) - tödlich ( Getroffene ) - sogenannter ( Gnadenschuss ) - ( Tun ) - ( Beschreibung des Ermordeten ) - ( Rang ) - persönliche ( Begegnung )

erstes ( Opfer ) - zwei ( Sätze ) - ( Kontur ) - schreiender ( Mann ) - junger ( Mann ) - zweite ( Gestalt ) - gesichtslose ( Opfer ) - schönes ( Mädchen ) - fast nacktes ( Mädchen ) - deren ( Anblick ) - ( Gegenblick ) - ( Protagonist ) - ( Viertelseite ) - ( Kopf ) - ( Ergebnis ) - ( Platzen einer Frucht ) - solcher ( Vergleich ) - ( Figur des jungen Aue ) - erzählendes ( Alter Ego ) - ( Vermögen des Autors ) - ( Imagination des Lesers ) - stilistischer ( Gemeinplatz )

( Drastik ) - ( Ungeschick) - psychologischer ( Realismus ) - pornographische ( Kitschigkeit ) - ( Beschreibung ) - ( Passage ) - fatale ( Art ) - ( Rahmen ) - vorgegebene ( Mittel ) - erzählerische ( Mittel ) - ( Rahmen ) - trivialer ( Roman ) - ( Leser ) - ( Beteiligte ) - ( Das Böse ) - ( Literatur ) - ( Qualität der Handlung ) - ( Qualität des Stils ) ( …)

gleichförmige ( Programmierung ) - möglicher ( Schrecken ) - ( Besuche ) - ( Auschwitz ) - ( Ankunft ) - ( Selektion ) - ( Opfer ) - angebotener( Blick in die Gaskammer )

( Darstellung ) - direktee ( Gewalt ) - ( Umfang ) - ( Roman ) - nicht viel ( Raum ) - ( Passagen ) - ( Sehenswürdigkeiten ) - eroberte ( Städte ) - ( Widrigkeiten der Etappe ) - geselliges ( Beisammensein ) - andere ( Offiziere )

( Held ) - ( Schnapsglas ) - ( Pistole ) - ( Textstellen ) - ( Reflexionen ) - ( Mordaktionen ) - ( Durcharbeitung ) - ( Denken ) - ( Dialog ) - direkte ( Rede ) - direkte ( Gegenrede )

ideologische ( Begründung ) - sogenannte ( Endlösung ) - ( Zusammenhang ) - ( Massaker ) - ( Angriffskrieg auf die Sowjetunion ) - praktische ( Probleme ihrer Durchführung ) - komplexe ( Konsequenzen ) - alle ( Beteiligte ) - alle ( Betroffene ) - theoretischer ( Präsentierteller )verhandelt.

( Recherche ) - ( Gemeinschaft der Täter ) - heutiges ( Wissen ) - ( Gesamtumstände ) - ( im Strom der Ereignisse Schwimmende ) - kuriose ( Weise ) - ( Summe ) - ( Spektrum an Erkenntnissen ) - zeitgeschichtliche ( Forschung ) - ( Folgejahrzehnte ) - viele ( Quellen )

moralische ( Dimension ) - ( SS-Umfeld ) - eigene ( Typologie der Täterschaft ) - ( Neugier ) - ( Mordlust ) - ( Abscheu ) - ( Gewissensbisse ) - somatische ( Störungen )

( Ansichten ) - handelnder ( Aue ) - ( Zeit an der Ostfront ) - ( Ende Zwanzig ) - ( Alter Ego ) - ( Ausscheiden aus dem zivilen Arbeitsleben ) - siebtes ( Lebensjahrzehnt ) - ( Vielfalt der Kriegsereignisse ) - ( Schlamm ) - ( Blut ) - ( Mord ) - ( Totschlag ) - klarer ( Himmel ) - rationale ( Einsicht ) ( … )

aufgeklärte ( Harmonie des trivialen Realismus ) - erzählerische ( Verfahren ) - historischer ( Roman ) - psychologischer ( Roman ) - zurückliegende ( Jahrhunderte ) - späte ( Vollendung ) - triviale ( Vollendung ) - homogenisierende ( Macht ) - ( Quintessenz der gleichförmigen Gesamtschau ) - ( Geschehenes ) - ( Getanes ) - ( Erlittenes ) - genaue ( Betrachtung ) - ideologische ( Zusammenhänge ) - politische ( Zusammenhänge ) - militärische ( Zusammenhänge ) - bürokratische ( Zusammenhänge ) psychomechanische ( Zusammenhänge )

einzelne ( Menschen ) - ( Kontexte ) - verständliches ( Verhalten ) - plausible ( Reaktionen ) - plausible ( Entscheidungen ) - vorhersehbare ( Gräuel ) - ( Welt ) - ( Beschreibung ) - ( Erklärung ) - realistischer ( Einklang )

( Das Böse ) - ( Schwindsucht ) - ( Glaube ) - nicht angemessen beschreibbares ( Unheil ) - unfassbar großes ( Unheil ) - konventionelle ( Schilderung der Massaker ) - säuberliche ( Ausmalung ihrer Umstände ) - psychologisches ( Räsonnement ) , moralischesn ( Räsonnement ) , spirituelle ( Puste ) - ( Täter ) - metaphysisches ( Format )

( Tun ) - stupides ( Voranwursteln ) - reflektierte ( Pflichterfüllung ) - feige ( Anpassung ) - neugieriges ( Ausprobieren ) - pure ( Schlamperei ) - neurotische ( Übersprungshandlung ) - cholerischer ( Ausbruch ) - sadistischer ( Exzess ) - { keine } Tat - jenen angeblich elementaren ( Schrecken ) - anhaltend sakralen ( Schrecken ) - sichere ( Distanz unserer gewaltarmen Verhältnisse ) - große ( Morden ) - große ( Scheu ) - erhabenes ( Schaudern ) - flotter ( Selbstlauf dieses Realismuskonzepts ) - gemächlicher ( Selbstlauf dieses Realismuskonzepts ) - ( Trott der erzählerischen Vernunft )

( das Böse ) - abgerabenes ( Wasser ) - etwas ( Boshaftes ) - breite ( Maske des historisierenden und psychologisierenden Trivialromans )- glatte ( Maske des historisierenden und psychologisierenden Trivialromans ) - ( Mienenspiel des Autors ) - ( Text ) - zahlreiche ( Spuren ) - zwielichtige ( Gestimmtheit ) - ( der alte Aue ) - amerinaischer ( Historiker ) - ( Verfasser des Standardwerks “The Destruction of the European Jews” ) - ( Raul Hilberg ) - seltsame ( Ironie ) - süffisante ( Ironie ) - “respektablen” ( Professor Hilberg ) ( … )

figürliche ( Kontur des Erzählers ) - selbst ( Autor ) - dieser ( Anflug von Bosheit ) - fünf ( Jahre ) - lange ( Jahre ) - historisierender ( Wälzer ) - ( “Pour les morts” ) - ( Roman ) - vorangestellte ( Widmung ) - ( Leser ) - ( Autor ) beschriebenen ( Jüdin ) - deren ( Kopf ) - ( Metaphorik ) - zerspringende ( Frucht ) - literarisches ( Denkmal )

andere ( Seite ) - ( SS-Mann Max Aue ) - hohe ( Wahrscheinlichkeit ) - programmatische ( Einleitung ) - geringe ( Qualität der Lebensberichte ) - einige ( Wenige ) -

gewidmeter ( Roman ) - ( Denjenigen ) - deren ( Kriegstod ) - deren ( Hinrichtung ) - deren ( Untertauchen ) - ( Nachkriegswelt ) - ( Anteil am großen Abschlachten ) - ( Stummgebliebene ) - versäumtes ( Werk ) - literarisches ( Werk ) - ( Autor ) - boshafter ( Kobold ) - ( Jenseits )

ein wie wir ( Nachgeborener ) - ( Fülle des recherchierbaren Materials ) - ( Haut eines solchen Erzählers ) - ( Kostümierung ) - ( Entkleidung ) - ( Leser ) - ( Anteil ) - diese ( Entblößung ) - unser ( Verhältnis ) - zeitgenössisches ( Verhältnis ) - ( das Böse ) - schwächelnde ( Bannung ) - ( Historie ) - ( Literatur ) - gewisse ( Zeit ) - historisches ( Erzählen ) - historisierendes ( Erzählen ) - literarisches ( Erzählen ) - zermürbendes ( Erzählen )

( Bild des Bösen ) - ( das Böse par excellence ) - überstrapazierter ( Muskel ) - große ( mediale Manifestation ) - wichtige ( mediale Manifestation ) - erschöpfte ( mediale Manifestation ) - ( Erzählung ) - ( Schuld ) - ( Leid ) - tragische ( Größe ) - ( Verantwortung der Täter ) - ( Leid der Opfer ) - unermüdliches ( Mahlwerk ) - trivialer ( Realismus ) - literarischer ( Realismus ) - blödsinniges ( Pech ) - bloße ( Ungunst der Stunde ) - ( Missgeschick des Einzelnen ) - falsche ( Zeit ) - falscher ( Fleck ) - verkehrte ( Seite ) - zeitgeschichtlicher ( Roman ) - ( Verschwinden der Zeitzeugen ) - historischer ( Roman ) - große ( Evidenzmaschine der bürgerlichen Literatur ) - alte ( Mühle )

( Littell ) - ( sein Erzähler ) - ( Schwächung ) - ( Handlung des Romans ) - zunehmende ( Unwahrscheinlichkeit ) - groteske ( Elemente ) - phantastische ( Elemente ) - ( Erscheinung des Bösen ) - angeblich letzte ( Offensichtlichkeit ) - frei ( Vagierendes ) - nervlich zerrüttete ( Aue ) - historische ( Kulissen ) - ( Morde … an Mutter und Stiefvater … an einem schwulen Liebhaber und an seinem wichtigsten SS-Kameraden ) - bizarr privater ( Charakter )

( Text ) - ( Rand ) - seines ( Genres ) - ( Leser ) - triviale ( Spätform des historischen Romans ) - ( Nähe ) - ( Psychothriller ) - ( Splatterfilme ) ( … ) diesem ( Genre ) ( Exzess ) ( Zusammenhanglosigkeit ) - ( Unvernunft ) - ( das Böse ) - absoluter ( Rang ) - letzte ( Gewaltbilder des Romans ) - mediale ( Gegenwart ) - zentrales ( Faszinosum von “Die Wohlmeinenden” ) - ( Lösung des Bösen ) - ( Doppelbann von Historie und konventionell realistischer Erzählung ) ( … ) |||

2. B - RÉSUMÉE

Auch Georg Klein begegnet der materiellen und literarischen Monstrosität des Romans mit Hilfe von Aufzählungen , Katalogen und Listen . Anders als Radisch , verzichtet er auf Zusatzinformationen aus den französischen Debatten , sondern verlässt sich ganz auf seine eigene Lektüre . Mit Oswald Klein ist der Lesende und Referierende freilich selbst Autor , der - wie er mehrfach durchblicken lässt - sich mit den Formen und Möglichkeiten historischen und realistischen Erzählens produktionsästhetisch auseinandergesetzt hat . Seine zutreffende Beobachtung , dass diese literarischen Formen längst in den medialen Mainstream bzw. die Trivialliteratur übergegangen sind , lassen Litells Werk als anachronistisches Fuhrwerken erscheinen , welches noch in der Integration von Shocker- und Splatter- Movie- Effekten nur noch anachronistisch wirkt . |||

Wie klingt dies nun in der Version des ( von Hubert Winkels popliterarisch ) erklärten “EmphatikersVolker Weidermann ? - Hier machen wir die Gegenprobe und sammeln für einmal - dem anekdotischen und narrativen Ansatz Weidermanns entsprechend , lediglich das ICH , die VERBEN und ADJEKTIVE . Einfach mal probieren .

3. A - VOLKER WEIDERMANN , 17. 2. - FAS

Das Verbrechen im Kopf

FAZ READING ROOM detail war - überfüllten - saß - schwieg - schien - zu dauern - ( ich ) las - war angekommen - unterstrich - mir wichtig erschienen - ruft - mir gegenüber - heraus: “ist - starker !” - “meinen Sie ?” - “Sie da eben unterstrichen haben - unglaublich stark !” - ( ich ) schaue - vor mir - schaue - verärgert - erstaunt - ( ich ) - hatte nicht bemerkt - ( sie ) - mitgelesen hatte - wollte ( sie ) - war

“Doch wenn die Vergangenheit erst einmal die Zähne in euer Fleisch geschlagen hat, lässt sie euch nicht mehr los.”

plötzliches - ist mir unheimlich - ( sie ) fügt - schnell hinzu - ( sie ) - nicht nur für stark, sondern auch für sehr, sehr wahr halte, will - wissen - steht - gibt dann entschlossenes - sind weg - bleibt da

jeder ( Leser ) denkt - ist das für ein - schreckliches - grauenhaft - kitschig - brutal - pervers - obszön - schwul - leidenschaftlicher - klassischer - inzestuöser - verfallen - begleitet - beobachtender - deutschen - ( er ) ist - ersten dabei - ( er ) ist eingeschlossen - ( er ) ist - rasender - letzten - ganz allein - untergehenden -

das - erschien - wichtigsten - gewann - verkauft wurde - heftige - auslöste - hat - ersten - was - nicht braucht - es reiht - mich - erste bat - schrieb ( ich ) - ( ich ) hasste - ersten - ersten : “Ihr Menschenbrüder, lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist.” - ( alles ) - diesem ersten - ist furchtbar - klebrig-umschlingende - freche - “wie es gewesen ist” - ( Erzähler ) - diese - zweiten aufnimmt - scheinbar gegen sich selber wendet - macht - noch unangenehmer: “Wir sind nicht deine Brüder, werdet ihr antworten, und wir wollen es gar nicht wissen.”

unangenehm geht ( es ) weiter - ( Erzähler ) stellt sich - vor - schwingt sich - deutet - an - stellt fest - frei von jeder Reue sei - frei von jeder Strafverfolgung blieb - kommt auf seine zu sprechen - diskutiert - offiziellen - tote - tote deutsche - tote sowjetische - errechnet - beendet: “Ich bin ein Mensch wie jeder andere, ich bin ein Mensch wie ihr. Hört mal, wenn ich es euch doch sage: Ich bin wie ihr!”
jeder ( Leser ) denkt an dieser -

geht ( es ) los - berichtet - ( es ) gewesen ist - begann - ( er ) geht - deutschen - erste - ukrainische - werden keine - beschrieben - ( es ) beginnt - ersten - “Ist es das erste Mal ?”, fragte der Hauptmann leise. Ich nickte. “Sie werden sich dran gewöhnen”, fuhr er fort, “aber vielleicht nie so ganz.”

( Erschießungen ) beginnen - ( Littell ) spart nichts aus: “Um sicherzugehen, war es besser, auf den Kopf zu zielen als auf die Brust, dabei wurden die Männer jedoch mit Blut und Hirnmasse bespritzt, worüber sie sich beklagten.”

Will ( man ) - wissen - ist nur - ( wir ) erfahren - jedes - jede - kleinste - scheint sich - ( Erzähler ) - letzten - zu interessieren - letzten - ( Littell ) - wirkt - raubt - letzte - ( er ) mutet - zu: “Manchmal musste man, um an die Verwundeten heranzukommen, über die Leichen gehen, das war entsetzlich glitschig, das weiche, weiße Fleisch verschob sich unter meinen Stiefeln, die trügerischen Knochen brachen unter meinen Schritten und ließen mich straucheln, ich versank bis zu den Knöcheln in Schlamm und Blut.”

beschreibt - seinen - frisches - am Leben waren - “Immerhin ging es darum, den Menschen überflüssiges Leiden zu ersparen, allerdings konnte ich nur den zuoberst Liegenden den Gnadenschuss geben, unter ihnen lagen weitere Verletzte, die noch nicht ganz tot waren, es aber bald sein würden.”

( man ) hat - nur einen - ersten hundert , zweihundert - dieses - leisen - erzählerischer - denkt man sich - nicht abwenden kann - muss ( man ) - selber tun - dieses - beenden. ( … )

der nicht dabei war - ( er ) erzählt - aus - Max Aue - antritt - wird - gefragt: “Was wollen Sie sehen?” Und Aue antwortet nur knapp: “Alles.”

ist - eifrigen - ist - seines - dieses - wenn man lange genug - widerstanden hat - zuzuschlagen - ist man gefangen - gefangen - gefangen - all diesem - gefangen - all diesen - ( ich ) kann - noch nicht - sagen - ( es ) - kommt - man gefangengenommen wird - diesem - ( es ) ist - nicht - hat ( man ) - vorgeworfen - seinen drastischen Schilderungen - splatterhaften - bediene ( er ) gezielt - voyeuristischen - zeitgenössischen - hieß es - ersten deutschen - wird lesen - niedrigen - werden da bedient - ( wer ) - sucht - wird - kostet - besser anlegen können -

( es ) ist - anderes - ( man ) vertraut sich - an - scheint wahr zu sein - ( er ) schreibt - nimmt ( man ) - so hin - ist - beschäftigt - ist - erschüttert - bewusst wird - besonders unwahrscheinlichen - seiner - alten - angibt - 120 Jahre alt zu sein - belegen kann - ist - surreale - alte - führt - ( er ) weiß - sein - sein wird - heben - aus - erschießen - ist - solcher - aller - ( man ) sich - diesem - an - anvertraut - ( man ) hatte - früh begriffen - schreibt - jede - kennt - literarisch verarbeitet - erst - unwahrscheinlichsten - erkennt man - ( Littell ) - großer - ist - großer

sein größter - ist - ist - versucht - sympathisch zu finden - ( es ) ist - überzeugter - groß ist - ( er ) nicht - viele - überwinden muss - ( man ) - folgt - seinem - seiner - ist die große -

bald - wird - deutlich - sein muss - es ist - empfunden haben müssen - begann - schildert präzise - erbitterten - sei - genau - dieses - ist - weiter - voranschreitet - größer wird - bedeutender - technischen

herrscht - unglaubliche - ( man ) sich mit keinem - identifizieren kann - eingeblendet werden fehlt( es ) - ist schwer erträglich - halten einen fest - tiefen - menschliche Güte getragen ist - dieser - glaubt dieses - nichts mehr - ( alles ) ist immer - sind nicht - die - zu - gemacht - denen - erlaubt haben - zu - zu werden. “Aber das Unmenschliche - ich bitte um Entschuldigung -, das gibt es nicht. Es gibt nur das Menschliche, immer nur das Menschliche”

sagt - scheint - sich - übergroßer - freisprechen zu wollen - ist das - seines - dieses - es gibt keine - erstarren will - gehört - eigenen - mit dazu: “Ich will hier nicht behaupten, ich sei an diesem oder jenem nicht schuldig” - erklärt Max Aue - seines - “Ich bin schuldig, ihr seid es nicht, wie schön für euch. Trotzdem könntet ihr euch sagen, dass ihr das, was ich getan habe, genauso hättet tun können. Vielleicht mit weniger Eifer, dafür möglicherweise auch mit weniger Verzweiflung.”

es gibt - unglaublicher - leere - Welt - konzipiert scheint - unglaublicher - ( es ) ist - unglaublich - all - diesen - sah - all - ( man ) kennt - ( man ) gelesen hat - tiefe - möglich ist - ( Jonathan Littell ) ist - gelungen - einem schlägt |||

3. B - RÉSUMÉE

Mit den Substantiven sind viele der vermutlich aufsehenerregenden Wörter dieses Textes verloren gegangen ( weshalb wir auch - stark strapazierten Zitate beibehielten ) : Vom anfänglichen Schrecken und Horror hangelt sich Weidermann über die Anerkennung der Quellenkenntnis des Autors , um dann eine besonders drastische Schlüsselzene zu beschreiben . Das sei so krass , so unwahrscheinlich ( in Wahrheit kennt man viele solcher Szenen , bei welchen die Opfer ihrer eigenen Gräber aushoben ) , dass man sich von diesem Moment an dem Autor “anvertraue” .

Welche Gründe sollte der 1969 geborene Rezensent haben , sich dem zwei Jahre jüngeren Autor “anzuvertrauen” ? - Weidermann scheint geneigt , einen Pakt mit dem Generationsgenossen zu schliessen : Einem Generationsgenossen , welcher es an Provokation via Total- Emphase auf dem Feld des Totalen Kriegs noch ein ganz schönes Stück weiter gebracht hat als sein Kollege mit dezidiertem Subjektivismus auf dem Felde einer halbtotalen Literaturgeschichte ( Lichtjahre ) .

Die redundant gebrauchte Leerstellen- Vokabel “unglaublich” lässt selbst Littells Monstrositäten auf die Zimmergrösse des deutschen Subjektivismus schrumpfen . Man darf sicher sein : Weidermannn wird dran bleiben und noch mehrfach seine “Zähne in euer Fleisch” , wie es euch die Littells dieser Welt servieren , schlagen . |||

FAZ READING ROOM 02

NACHGETRAGEN : WEITERE TEXTE

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LITERARISCHE BLOGS | poetologische positionen



||| WEBLITERATUR : EIN HYPE … | … UND SEINE FOLGEN | BLOGS , LITERARISCH | POETOLOGISCHE POSITIONEN | NON- EGO & ALLMÄHLICHE VERFERTIGUNG | PRAXIS ABSEITS DER INSTITUTIONEN | CHANCE TO CONNECT , ICH IN RELATION | MASSE UND MASSAGE | DISEMBODIED ONLY | LIVE-ACT MIT FRISCHEN IMPERATIVEN | SPIELMODELL “AUTONOMIE” IM “KÜNSTLICHEN PARADIES” | “WIR” - WO ANDERS ? | POETISCHER MOTOR WIEDER FLOTT | LINKS | KLANGAPPARAT

WEBLITERATUR : EIN HYPE …

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereEs muss irgendwann gegen Ende der 80er Jahre und ergo mitten im Web 1.5 gewesen sein : Als “Globalisierung” noch kein Unwort war und infinite Informationsströme nicht Synonym für Attention Deficit Disorder . Die Nerds out there im bläulichen Licht ihrer Konsolen verstanden sich als Synapsen eines superhumanen Hirns . Das Global Village bot neben den gesellschaftlichen Utopien von Dezentralisierung und Partizipation , der Hoffnung auf die ( dann tatsächlich eingetretenen ) Flexibilisierung von Tages- , und Lebensläufen auch eine Menge Treibstoff für Theorie- strotzende Triebabfuhr . Noch war man nicht “Schwarmintelligenz” , sondern Elite , Bleifuss fest auf dem “Diskurs” . Schliesslich galt es , mit babylonischen Neologismen , entlehnten Epistemen und laufend aufdatierten Projektdesigns Kredit zu kriegen in den realen und symbolischen Ökonomien .

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… UND SEINE FOLGEN

Als das Web Zwei Null plötzlich schnöde für Jedermann da und Rainald Goetz’ “Abfall für Alle” gedruckt , gebunden und teils schon wieder beim Antiquar gelandet war : Wo sind sie geblieben , die Apologeten des Hyper- , Meta- , Ultra- und Infra- Literarischen , respektive : des exquisiten Kadavers einer genuinen Netz- Literatur ? - Projekte wie “PooL” sehen heute nachgerade archäologisch aus , Protagonisten des Hypertext- Hypes haben sich einträglicheren Geschäftsmodellen wie readme zugewandt . Geblieben sind praktikable Online- Anthologien wie lyrikline.org , lyrikwelt.de oder lyrikkritik , Serviceportale wie Bluetenleser und das zeitweilig belachte Marbacher Literaturportal . Geblieben sind die Online- Schaufenster von Frischtext- Print- Periodica . Geblieben sind aber auch Kollektiv- Text- und Tagebücher wie Nensch . Geblieben die in sich geschlossenen kommunizierenden Gefässe wie Forum der 13 oder der goldene fisch .

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BLOGS , LITERARISCH

Geblieben ist allerdings auch eine Fülle “literarischer” Weblogs : Meist Ego- Shooter , welche mit mehr oder weniger Ernst teils in in strengen Kammern oder auf den Registern eines “erweiterten” Literaturbegriffs spielen . Gilt den Einen das ICH als hyperbolischer Weltenspiegel , splittern sich Andere knirsched oder grinsend in Partialsubjekte auf : also ganz wie in der belletristischen Echtwelt . Unter solchen Umständen ist es praktisch , wenn sich notorische Mono- Publisher

  1. zu einem Netzwerk der unterschiedlichen Temperamente und Performanzen zusammen schliessen sowie
  2. sich und einander je eine Definition des individuellen Verständnissen “literarischen” Bloggens abnötigen .

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POETOLOGISCHE POSITIONEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollerePunkt eins wurde mit litblogs.net ins Leben gerufen . Und Punkt zwei liegt mit Ausgabe 5 der Zeitschrift spa_tien in gedruckter Form vor . Der jetzt fällige DISCLAIMER folgt promt : Wenn sich in|ad|ae|qu|at seit kurzem zu den Benetzten zählen darf , so geschah dies nicht aufgrund ästhetischer Präferenzen oder literarischer Sekten und Schulen . Entsprechend stiessen wir erst längst nach Redaktionsschluss des vorliegenden Heftes hinzu . Nicht zum Liebesdienst , nicht als Eigenwerbung taugen unsere kurzen Bemerkungen zur diskursiven Selbstdarstellung “literarischer” Blogger : Die Überprüfung manch vollmundiger Thesen anhand der tagtäglich ins Web fliessenden Texte sei dem p. t. Lesenden selbst vorbehalten . Wir nehmen es jetzt strikt alphabetisch .

Manche der Selbstaussagen zum eigenen Blog- Werken wurden ihrerseits in bewusst poetischer Desinvolture gehalten , dass diese sich einer diskursiven Paraphrasierung ( vulgo theoretischen Einordnung ) entziehen . In diesem Sinne mag sich der Leser der spa_tien selbst ein Bild machen von den immanenten Poetiken , wie sie Helmut Schulze für sein Blog PARALLALIE oder Andreas Louis Seyerlein zu AIRMAIL formulieren .

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NON- EGO & ALLMÄHLICHE VERFERTIGUNG

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollere HARTMUT ABENDSCHEIN ( *1969 ) ist - zusammen mit Markus A. Hediger ( *1969 ) - Begründer von litblogs.net sowie Herausgeber der “spa_tien - zeitschrift für literatur” . In den diskursiven Überlegungen zum Thema praktiziert Abendschein die auch für sein Blog TABERNA KRITIKA charakteristische Form des ( fiktiven ) Dialogs . Was , nebenbei bemerkt , weniger “literarisch” anmuten muss , als es auf den ersten Blick wirkt : Die Vorliebe deutscher “A- Blogger” , einander gegenseitig zu interviewen , kann mittlerweile als notorisch gelten . Abendschein indes markiert Abstand zum trügerischen ICH des “Webtagebuchs” - ebenso allerdings zu den “trackback”- Techniken des Community- und Authority- Building :

hören sie mir doch bitte damit auf ! als machte ein link ein weblog aus ! die ganze diskussion um links und kommentare und trackbacks, pingbacks undsoweiter. lächerlich. ( … ) aber fakt ist: ich schreibe. das können sie gar nicht wegdiskutieren. und ja: ich benutze da so ein system. ob ich da nun verlinke oder auch nicht. überhaupt: das lesen und schreiben. eine einzige verlinkung. da braucht man gar kein <a href=”"></a>zu setzen.nein. das macht der leser oder die leserin selbst.

Für den Autor bietet das Blog Raum für jene “kleinen formen”, welche sich sukzessive in- und miteinander “verschalten” . Das Blog also als Medium , dem Druck des “grossen Wurfs” zugunsten von “Materialklumpen” zu entkommen oder , nach Kleist : “Über die allmähliche Vernetzung des Schreibens mit dem Schreiben ” allmählich “Werk” zu werden .

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PRAXIS ABSEITS DER INSTITUTIONEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereFür die in Wien lebende Juristin , Künstlerin und Autorin NEDA BEI ( * 1952 ) stellt die Usability des Weblogs zunächst eine pragmatische Form dar , “das schreiben [ zu ] retten” : Einerseits im Sinne einer “kleinen alternative zum grossen redaktionssystem einer statischen website” . Das “tröpfelnde verfassen neuer texte” vermag als Praxis und Ritual das “Weiterschreiben” eventuell sogar gegen die konkreten Anfechtungen des Echtlebens zu verteidigen . Auch gegen die Ein- und Auschlussmechanismen , Abhängig- und Gefälligkeiten des manifesten Literaturbetriebs :

werde ich nunmehr gefragt , ob ich noch schreibe , kann ich als kleinkapitänin auf mein logbuch verweisen.

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CHANCE TO CONNECT , ICH IN RELATION

Wie Abendschein interessiert sich auch MARKUS A. HEDIGER ( *1969 ) für die Diversifikationen und differenten Valenzen von Wort und Wert des ICH im Medium des Blogs ( HANGING LYDIA ) . Daher die - zunächst - virtuelle Kontaktaufnahme mit dem ICH- kargen Abendschein , daher aber auch die Faszination an der forcierten Fiktiv- ICH- Positionierung im Blog von MICHEAL PERKAMPUS . Hediger versteht sein eigenes Agieren als jeweils relatives - sei’s als Minimaldifferenz zur VernICHtigung eines Alter Ego , sei es in der offensiven Adoption eines künstlichen Schreib- ICHs im Rahmen des kapitelweise abwechselnd von HEDIGER und PERKAMPUS entstehenden Romans :

Seit einigen Monaten schreiben P. und ich an einem gemeinsamen Buch. Kapitel für Kapitel, abwechselnd jeweils, er eines, dann ich, dann wieder er. Wie kraftvoll P.-s Präsenz bis in dieses Projekt hineinwirkt , zeigt sich an den Kapiteln, die ich bisher schrieb: Da fallen die Grenzen, für mich bislang Unvorstellbares bricht in den Text hinein, es ist phantastisch.

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MASSE UND MASSAGE

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDass der Schriftsteller ALBAN NIKOLAI HERBST ( *1955 ) sein ICH durchaus autoritativ und im Sinne eines Ego- Branding setzt , ist jedem Besucher des Blogs DIE DSCHUNGEL.ANDERSWELT bekannt . Die emphatische ICH- , Werk- und Blog- Konzeption des Autors manifestiert sich unverholen in der Form seines “Beitrags” für die spa_tien- Anthologie : Herbsts “Thesen zu einer möglichen Poetologie des Weblog” erscheinen in Form eines 2005 gehaltenen Vortrags . Das Signal ist klar : Die Rede über das eigene Blog gilt dem Autor als hinreichend “wertig” , dass sich jede “Anpassung” bzw. Redaktion im Hinblick auf den Publikations- Kontext anno 2008 erübrigt .

Es ist hier @ in|ad|ae|qu|at nicht der Ort , die weit ausgreifenden Bögen einer auf - teils sehr diskutable Prämissen gestützten - Argumentation nachzuzeichnen . Nur einige Stichwörter : Das Blog beerbt die historischen Avantgarden im Zusammenspiel von Künstler und “Maschinisten” . Das sich im Blog technisch ( re ) produzierende Schreiben verliert die “Sakralität” der an der herkömmlichen Genieästhetik orientierten Literatur : “Das Internet aber ist, weil es profan ist - noch profan - geschichtslos” . Um diesen kalten und ahistorischen Leerraum mit Mythen , Märchen , Verheissungen zu möblieren , bedarf es des künstlerischen “Opfers” . Das Wort vom “Märtyrer” fällt und der Name der “Al Quaida ” ( ? ) .
Anders als der monadisch in seiner Klause vor dem leeren Blatt Papier eingekapselte Künstler driftet der literarische Weblogger in einem interaktiven ( “kybernetischen” ) Raum , wo durch Kommentare und Chats Momente von “Unmittelbarkeit” zustossen . Der literarische Blogger im Inter- Net schreibt in einer “Zwischenwelt” . Das Medium generiert und reflektiert das Kunstwerk mit ( siehe Kittlers “Aufschreibsysteme” plus Kritik ) .

Ich verstehe unter einem literarischen Weblog insofern nicht ein Weblog, das literarische Texte veröffentlicht, also Statthalter eines Printmediums im Netz ist, sondern eine Publikationsform, die sich selber zum poetischen Gegenstand macht, indem auch die sie basierende Technologie poetisiert und in die Gestaltung einbezogen wird: Sie ist ebenso Romanfigur wie jemand, über und/oder von dem erzählt wird. Dies schließt an eine der Grundbewegungen der ästhetischen Moderne an: Der Prozess der Entstehung wird selber zum Material des Kunstwerks.

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DISEMBODIED ONLY

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereJÖRG MEYER ( *1964 ) gibt sich dekonstruktivistisch und attribuiert dem Blog- Text ( PÖDGYR ) einen selbst- und subjektgenerierenden Willen . Die laut- und sprachspielende Ironie sei nicht auzuschliesen , wenn es über eine “disembodied texture” heisst :

Nur im TEXT.ÜBER.DEN.TEXT entsteht also überhaupt die frage: was ist was ? muss nicht nur das out.ohr im text er-tauben, sondern auch der leser verschwinden im/aus dem text ? dann, erst dann, wäre NUR.NOCH.TEXT. das wäre UR.KNALL. bloß: aus dem ur.knall entsteht sofort wieder materie. erstmal strahlung, aber dann daraus gleich wieder KÖRPER. Die im/vom text artikulierte sehnsucht, im text zu verschwinden ist die sehnsucht eines körpers, der ja andererseits im text gar nicht sein kann, nur als figur. Text, der nur noch text ist (also die autonome asymptote überschritten), der nicht mehr gelesen zu werden braucht, ist dabei eine rein akademische frage ( … ) . was im text, hinter dem text, verschwinden will, ist der körper. Der körper des out.ohrs, dessen, der “sich” als ingenieur.voyeur beschaut, sich wundert usf. die alte sehnsucht, NUR NOCH GEIST zu sein.

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LIVE- ACT MIT FRISCHEN IMPERATIVEN

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDie 1963 in Teheran geborene Autorin SUDABEH MOHAFEZ verfügt über Romanerfahrung , orientiert sich für ihre ZEHN ZEILEN allerdings an den genuinen Darstellungs- und Rezeptionsbedingungen des Mediums “Blog” . Im Unterschied zum üblichen Publizieren via Lektorat , Satz , Marketing und einem Verlag als “Panzer” um Buch und Autor biete das literarische Bloggen einen “Live- Schreibact vom Feinsten” . Produktive Komponenten dabei sind :

Die betont rasche Niederschrift innerhalb einer Viertelstunde sei reizvoll als selbst gestellte Aufgabe , biete zudem eine Art kontinuierliches Schreibtraining . Auch der Fokus auf optimale optische Strukturierung ( “auf einen Blick” ) sei - im Unterschied zur Grossnarration - ein lohnender Mehrwert . Im Verzicht auf die unendliche Korrektur und Revision tritt das Moment der “Improvisation” zu Tage : Performanz mit direkter Resonanz . Schliesslich böten die Inspiration und Zitation von im Netz gefundenen “Fremdtexten” schöne Möglichkeiten für intertextuelles Spiel :

Ideen teilen, Zugänge schaffen und Lesens- und Sehenswertes voicen .

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SPIELMODELL “AUTONOMIE” IM “KÜNSTLICHEN PARADIES”

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereDass dem Blog des Schriftstellers , Musikers und Schauspielers MICHAEL PERKAMPUS ( *1969 : P-’s VERANDA ) ein histrionisches Moment eignet , liegt auf der Hand . Kraftvoll plädiert der neue “Jedermann” für eine autonome Alternative zur Verwertungs- und “Geldmaschnine” der Verlage . Via Weblog komme Literatur ( “Lassen wir die Diskussion darüber, was Qualität bedeutet, einmal links liegen ” ) ohne die Zwischenfilter von Redaktoren , Lektoren direkt an die Leserin , den Leser . Welchen wiederum hinreichend Autonomie zugestanden wird , selbst über ihre Lektüren zu entscheiden :

Wenn also der Autor entscheidet, was er anbietet, dann entscheidet nicht zuletzt der Leser, was ihm gefällt und vertraut in erster Linie sich und dem Autor und nicht einem Verleger und einem Verlag. Beide, Leser und Autor, werden in diesem Zu stand der Freiheit völlig autark.

Ein weiteres Argument für das literarische Bloggen besteht für PERKAMPUS in der Offenlegung der oft noch provisorischen Form , in der Dokumentation des Schreibprozesses mit all seinen Stufen von Visionen und Revisionen . Dass diese ( nicht unbedingt mit “unmittelbar” gleichzusetzende , czz ) Öffnung seitens des Autors durchaus exhibitionistische Momente - und symmetrisch dazu beim Leser voyeuristische Freuden - aufweisen kann , mag zum Reiz des Spielmodells “literarisches Blog” durchaus beitragen : Pro domo et mundo gesprochen , wäre die Blogosphäre mit all ihrer Illusionistik , Ortlosigkeit und “Möglichkeitsform” ( Musil ) ein postmodernes “künstliches Paradies” .

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“WIR” - WO ANDERS ?

Alciati Emblematum liber 1531 Mentem non formam plus pollereBeim Text- und Bildblog LOGBUCH ISLA VOLANTE ist sicher nur , dass gar nichts sicher ist . Weder , ob das Autorenkürzel Rittiner & Gomez ( *1960 ) sich auf eine oder mehrere Autoren bezieht ( in der Fiktion des Blogs handelt es sich konsequent um ein “WIR” ) , noch , ob die virtuos ge- und bezeichneten Reisen Vision , Fiktion , Erinnerung oder Realit