||| ANJA UTLER IM ORF- STUDIO | SCHORSCH KAMERUN IM INTERVIEW | LAST.FM AUFGEKAUFT - ARD RADIO DAY “LET’S GET LOUD” | RELATED
Viel Spott und Hohn hat es ertragen , das gute alte Radio . Aber auch das ist dem Kasten sozusagen beim rechten Ende der Senderskala hinein- und beim dessen linkem Ende hinaus gegangen . In|ad|ae|qu|at geht heute mit ein paar Impressionen akuter Radio Days auf Sendung . Und zwar
- pro und ex domo der aktuellen Kunstradio- Produktion
- über den Hörspielpreis der Kriegsblinden an Schorch Kamerun ( mit Interview und Nebenszenen ) sowie
- mit Vermischtem .
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ANJA UTLER IM ORF- STUDIO

Im grossen Hörspielstudio und dem legendären RP4 ( RP steht für Regieplatz ) geht heute die Literatur als Radiokunst- Produktion mit Anja Utler in ihren dritten und finalen Tag . Eben vom Berliner Festival der Jungen Literatur wieder in Wien , rückt die eben für ihren Band “brinnen” heftig akklamierte Autorin mit einer frappierend feinkomponerten Partitur in das tageslichtlose Studio-Submarine ein ::: “suchrufen, taub” - ein S.O.S. der anstrandenden , rückgeworfenen und erneut einanader überlagernden Silben . Wellen in Brechungen , Phänomen der Phoneme , unbekümmert über Wort-, Satz- und Sprachgrenzen hinweg mit stupender Artikulations- Kunst angestimmt .
Die Haupt- und Uhrmacher- Arbeit besteht nun im genauen Schnitt , der sorglichen Anlage und Aufspreizung in Spuren , welche sich logisch und arbeits- organisch in die 5.1- Surround- Kanäle splitten . Der schalltote Raum fern der Lärm- Welt und am letzten Ende des legendären Kafka- Ganges gelegen macht’s möglich ::: Wie gesagt , Radio Days at their very best . Zu hören ist ( wie bereits vermeldet ) diese Arbeit ín Vergemeinschaftung mit Ann Cottens kunstvoll ungefügem Klang- Diagramm eines ebenso poetischen wie profanen ( alkoholischen ?) Absturzes dann am 8. Juli sein : Stereo On Air und online , parallel in Surround via OE1DD.
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SCHORSCH KAMERUN IM INTERVIEW
Wie aber die Zeit bis diesem Sendetermin radiophon relevant verbringen ? - Da wäre Einerseits zu nennen das Zeremoniell der Verleihung [[ ? warum eigentlich "Verleihung" ?? > Man gibt den Preis ja nicht mehr zurück ?? ]] , also der Üb- ber- rei- chung des Hörspielpreises der Kriegsblinden an Schorsch Kamerun an 4. Juni . Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt heisst die WDR- Produktion , wobei Text, Regie , Musik und Sounds selbstredend aus einer Quelle fliessen ::: Kamerun & Friends .
Ein wenig sonderbar muss es da schon anmuten, wenn ein Werk , welches erfreulich wenig pathetisch durch die Pathologie des Alltagslebens von Prekariatlern , Praktikanten und sonst durch die Polymorphen Perversionen der Post- Post- Post- Moderne Perforierter ausgerechnet im ( gesellschafts- ) politischen Miseren- Quell- Gebiet - im Plenarsaal des Bundesrates zu Berlin - zelebriert wird .
Was sagt die “Entschliessung der Jury”?
Kamerun zeichnet das bestürzende Porträt einer Generation, die zwischen Mediengeschwätz, Lifestylemode und Kaufwelt, zwischen verordneter Wahlfreiheit und allgemeiner Beliebigkeit keine Chance auf ein originales Leben, auf authentische Wünsche hat. Kameruns Menschen, leben in einer indirekten Welt, zugeschüttet mit einem Übermaß an Null-Information. Sprechen sie, zitieren sie? Ist das Plattheit oder Ironie? Und wo sind wir überhaupt? In der Wirklichkeit, im Fernsehen, in einer Talkshow, im Gespräch, in der Satire? Kamerun lässt das offen, lässt das Publikum teilhaben an der Desorientierung seiner Figuren.
Sie drehen sich im Kreis, zwischen Praktika und Projekten, zwischen Leerlauf und Wiederholung. Dazwischen leuchtet wilde Wut auf, ohnmächtige Angst, ziellose Sehnsucht. Protest wird nicht gehört, geht unter im allgemeinen Medienbrei. Hoffnung findet nur vorgefertigte Wege. In bruchstückhaften Zitaten wird an eine Zeit erinnert, in der Aufklärung und Kunst Werte vorgaben. Heute ist Verweigerung der höchste Wert. Und von den Gedanken der Aufklärung bleibt die Erkenntnis, dass man einen Gedanken eben nicht zu Ende denken kann.
Kamerun inszeniert das mit bestem Gebrauch radiophoner Mittel. Musik und Atmosphäre geben das Thema vor, ein auswegloses Kreisen in Wiederholungen, mit winzigsten Variationen,mit seltenen Ausbrüchen von intensiver Heftigkeit. In Sprache und Musik sind sehr sorgfältig Kontraste montiert, die sich gegenseitig mattsetzen. Er arbeitet mit Groteske und Komik - aber wenn man lacht, ist man zugleich tief entsetzt.
Dieses irritierende Stück Gesellschaftskritik überzeugte in der Radikalität der Aussage und dem souveränen Gebrauch des Mediums Radio.
Wie sagte Adorno ::: Es gäbe kein richtiges Leben im Falschen .
Was sagt der Autor ? - Ein in|ad|ae|qu||ates Mail- Interview .
czz : Wie bereits in “Eisstadt” arbeitet das neue Stück mit Dialogen und Liedern, in verschiedenen Stimmen und Stimmungen über aussichtslose Arbeit, Krankheit, Einsamkeit, dabei moderiert ein flotter MC. Handelt es sich hier um eine Art tragikomische Gesellschafts- Operette ?
Kamerun : Ich nenne das eher Überprüfungsrevue. In diesem Fall geht es mir in erster Linie um eine Dokumentation im grellen Prekären. Revue ist die Art der Patchwork- Aufstellung. Ich wollte ich auschliesslich eine - wenn auch zum Teil überzeichnete - Aneinanderreihung von Wirklichkeitsbrocken. Wo allerdings Inszenierung und Realität immer ineinander verschwimmen.
czz : Eine Show der Shows , Entstellung von TV- Freak und Talk- Shows ?
Kamerun : Ich würde insofern zustimmen das “Freak” nun mal Wirklichkeit und gut verkaufbarer Warenwille ist.
czz : Das Grelle des Unterhaltungs- Spektakels steht im Kontrast zu den grimmigen Inhalten. Verzweiflung, Krankheit und Tod werden scheinbar leichthin gemixt und touchiert, so dass die Beklemmung dem Hörer eher an die Gurgel geht denn auf dessen Tränendrüsen drückt.
Kamerun : Ich glaube, das ist auch Glückssache im jeweiligen Zugriff. Ich interessiere mich gleichzeitig für Theorie, Germany’s Next Topmodel und liebe obendrein Thomas Bernhard. am selben tag. Das ist keine verdeckte Koketterie sondern eine Fortführung meiner gewundenen Sozialisation.
czz : Bei Bernhard gibt es ja auch “Vrai-Faux”: “Das Natürlichste ist immer auch das Künstlichste”. Und das scheinbar Artifiziellste - diesmal mit Elfriede Jelinek gesprochen - ist das “natürlich” übel Übliche ?
Kamerun : Das ja herrlich. Das ist genau der Punkt der mich jeden tag zum unsicheren, zweifelnden und manchmal auch erkennenden Aufschreiber macht. Ich versuche halt den absoluten Widerspruch als Schneekönigin auszuhalten.
czz : Schreiben Sie das Skript voll durch oder lassen Sie Ihre “Mitspieler” über bestimmte Themen improvisieren ? - Im Broadcast- Magazin CUT gab es ein Mini- Interview mit Ihnen, wo von “O-Tönen” die Rede war. Was verstehen Sie unter “O-Tonen” ? - Das gecoachte Team im Studio in relativ freier Rede ? - Sie werden ja nicht mit dem Recorder draussen in der Welt herumgestapft sein und dort irgendwelche Menschen spontan nach ihren Seelenlagen befragt haben ?
Kamerun : Ich beschäftige mich mit einem zentralen Thema und dann fange ich an mit einer Gruppe darüber zu sprechen. Das klappt ja luxuriöser Weise im Theater ganz gut. Ich versuche immer über das Kollektiv zu einer Schnittmenge zu gelangen, wobei ich meine Mitspieler Innen zur Improvisation ermutige. Mich selber im Übrigen auch immer wieder aufs Neue. Ich mag neue Felder. Manchmal geht dieses Bemühen auch zu schnell und ich bin noch nicht sicher genug auf einem Gebiet. Aber das ist ja eh das Verlangen der aktuellen Umgebung.
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Nach der eher ungünstigen ( Nachtkritik ) bis hämischen Aufnahme ( taz ) von Kameruns Inszenierung “Der kleine Muck ganz unten” an der Volksbühne Berlin bemühte sich die taz auf die Nachricht vom Grossen Preis hin um Wiedergutmachung durch ein versöhnliches Portrait . - - - Immerhin ist fest zu halten , dass sich Kameruns “Menschenbild” bei der Schluss- Auswahl zum Hörspielpreis gegen zwei Koppelmann- Inszenierungen sowie zwei Radio- / Hörbuch- Parallel- Releases behauptete ::: Hans Magnus Enzensberger: Josefine und ich (Leonhard Koppelmann, HR 2006 + Hörbuch, Der Hörverlag November 2006) , Sascha Stanisic: Wie der Soldat das Grammophon repariert (Leonhard Koppelmann, BR 2006 + Random House Audio August 2006) sowie Matthias Baxmanns Entweder bin ich irr oder die Welt, nach Texten von Einar Schleef (Ulrich Lampen, SWR / WDR 2006 - immerhin gleich doppelt nominiert für den ARD- Online- sowie für für den ARD- Hörspielpreis .
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LAST.FM AUFGEKAUFT - ARD RADIO DAY “LET’S GET LOUD”
Was wir nach alledem nun davon halten sollen, dass der CBS- Konzern Last.fm um 280 Millionen Dollar aufgekauft hat und die ARD ihren Radio Day am 13. Juni mit dem treudeutschen Motto Let’s get Loud ! versieht , bleibe jetzt einmal dahingestellt. Inadäquat hät es da eher mit dem PR- mässig leicht kippgefährdeten Nebentitel dieser Veranstaltung :
Radio: macht an .
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RELATED
- Surround- Auditorium : “Literatur als Radiokunst 2007″ im Literarischen Quartier ( in|ad|ae|qu|at , 3, 3, 2008 )
- LITERATUR ALS RADIOKUNST 1999 - 2008 ( in|ad|ae|qu|at page )
- Manifest gegen soziale Betriebsblindheit - Hörspielpreis der Kriegsblinden an Schorsch Kamerun ( NZZ , in|ad|ae|quat )
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Aber noch einmal zurück zur UFA und deren kriegszeitlichen Elaboraten . Es hat immerhin bislang noch Niemand für nötig befunden , die seit 2003 auf der
Immerhin verlinkt filmportal.de diesen Tobis-Film mit der 






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