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Blog 4 Burma : Zeit zu Schweigen - No Blogger’s Block



||| EMBLEMATISCHES “STENCIL” | KASKADEN VON NACHRICHTEN | PATHOSFORMELN | RHETORIK DER SUPERLATIVE | NO BLOGGER’S BLOCK | BLOG 4 BURMA

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Nach acht Monaten einer in 35 materialreichen Beiträgen dokumentierten Beobachtung , Beleuchtung und Bedenken der politischen , kulturellen und humanitären Situation in Burma -
Nach acht Tagen Hochdruck- Bloggens über die weitreichenden Folgen des Zyklons “Nargis” -
Nach achtundzwanzig Wochen der vorbereitenden und begleitenden Berichte zum zynischen “Referendum” -

- haben wir nun vierzehn Tage lang konsequent zum Thema geschwiegen . Und dies nicht ohne Grund . |||

EMBLEMATISCHES “STENCIL”

Ein von einem Tag auf den andern an einer Wiener Hauswand aufgetauchtes Stencil hat uns durch die Diskretion seiner semiotischen Signatur für’s Erste zum Innehalten unserer atemlosen Assemblagen von Namen und Daten und Nöten und Getöteten gebracht : In seiner fragmentarisch emblematischen Struktur der pictura ( = die plan geschwärzte Repräsentation der Landkarte ) so wie der appellativen inscriptio ( “Geteiltes Leid … ” ) blieb dieses Zeichen wohlweislich die moralisierend- erläuternde subscriptio schuldig . Man könnte auch sagen : Das unvollständige Emblem delegiert die conclusio an den Betrachter .

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KASKADEN VON NACHRICHTEN

Unsere in|ad|ae|qu|ate Konklusion bestand für’s Erste in der Einsicht , in unseren Nachtschichten keinesfalls dem internationalen Katastrophenjournalismus hinterherhecheln weder zu wollen noch zu sollen . Das Räderwerk der Agenturmeldungen , deren Presse- Ab- und Umschriften , der Betroffenen- und Korrespondentenberichte lief und läuft heute wie geschmiert : Nach Monaten des nahezu absoluten Nicht- Berichtens flatterten mit einem Mal die Meldungen , Meinungen und multimedialen Features auf wie eine schwarze Wolke aufgestörter Saatkrähen .

Bewegte und bewegende Bilder gehen , wie es heisst , um die Welt , je krasser , je besser . Unsere erste Konsequenz bestand folglich darin , die in der Hitze des Gefechts herangezogenen Fotografien von Verstorbenen nachträglich aus den Postings herauszunehmen . Vielleicht wäre es besser gewesen - überlegen wir jetzt - diese nicht kommentarlos zu eliminieren , sondern mit Hinweis auf … ( wir sparen die Worte “Pietät” und “Würde” hier absichtlich aus ) zu schwärzen ? - Allerdings wäre auch diese demonstrative “Durchstreichung” wiederum eine pathetische Geste gewesen . Weshalb wir sie hier lieber knapp und sprachlich anzeigen . |||

PATHOSFORMELN

Da wir hier keine dpa , AFP oder APA- Meldungen verfassen oder ( wie in der journalistischen Tellerwäscherzeit ) diese im Zeichen von Schlichtheit und Neutralität für die Zeitung umformulieren müssen , kommt das dem Medium des Blogs ( ebenso wie dem Genre der Glosse ) angemessene Moment des “Gefühls” ins Spiel und damit die Frage , wie dieses via Fakten- Dramaturgie und rhetorischer Inszenierung zu formulieren wäre , um beim Leser den gewünschten Effekt zu erzielen .

Jetzt tun Sie bitte mal nicht so , als wollten Sie Ihre Leser nicht - auf welche Weise immer - von den Gründen Ihrer Empörung überzeugen . Dazu benötigt auch die kühlste Argumentation eine triftige Linie . Beziehungsweise eine “Pointe” . Welche im vorliegenden Fall selbstredend eine makabere wäre .

Beliebt ist in diesem Kontext auch der rhetorische Trick des Vergleichs : Das Wort , “Nargis” sei quasi die biblisch strafende “Sintflut” für die Verbrechen Generäle , wurde oft beschworen , doch von der Wahrheit der rechtzeitig ins aridere Landesinnere ( Naypidaw ) übersiedelten Regierung fürchterlich Lügen gestraft . Nur wenige Kommentatoren haben dieses falsche , die Tatsachen auf den Kopf stellende Bild später selbst widerrufen . Auch Qualitätsfeuilletons schreiben für den Tag . Und spekulieren auf die gnädige Macht des Vergessens . |||

czz blog4burma inadaequat

RHETORIK DER SUPERLATIVE

Schliesslich wurden im Diskurs der Superlative angesichts der weiter steigenden Opferzahlen und hinsichtlich der Granit- Politik der lediglich an der Erledigung des “Referendums” interessierten Regierung die MÖGLICHEN WORTE rar . Viele hatten ihr lexikalisches Kapital bereits am “Fall F.” aufgebraucht ( in der metonymischen Verkürzung auf “Amstetten” - seit Cannes kennt man ja neuerdings wieder den Begriff der “Synekdoché ” - ) .

Auch wir geben in|ad|ae| qu|at unverholen zu , dass es uns à la longue an Worten gebrach . Allerdings erhoben und erheben wir in keiner Weise den “Anspruch” , Katastrophen besonders orginell darzustellen . Dies war aber nur der eine Grund für die Einbeziehung ausführlicher Zitate aus Korrespondentenberichten , regierungskritischen Exil- Zeitungen wie “Mizzima” und “The Irrawaddy” sowie aus Blogs . Der zweite Grund bestand in der Einsicht , dass es auf unsere Ansicht nicht ankam . Sondern auf die Derjenigen , die es besser wissen . |||

NO BLOGGER’S BLOCK

Späestens aber , als die FAZ den abenteuerlichen Bericht des CNN- Reporters Dan Rivers über seine veritable Verfolgung durch die Behörden ohne explizite Quellenangabe übersetzte und damit bei vielen Lesern den Eindruck hervorrief , Rivers habe exklusiv für das Frankfurter Blatt geschrieben , ist uns für’s Erste die Lust am Zitieren vergangen . Also haben wir uns jetzt mal still gestellt . Was keinem ( einer Schreibblockade | Writer’s Block analogen ) “Blogger’s Block” gleichkommt .

Es ist ja nicht so , dass innerhalb des Netzwerks “Blog 4 Burma” nicht schon handfeste Sinnkrisen hinsichtlich eines “Weiterschreibens trotz Meldungssteppe” zu diskutieren waren . Oder höchst kontroverse Auffassungen der Form des Bloggens bzw. der “Inszenierung” . Also bedeutet eine zeitweilige Stille an dieser Stelle weder eine Minderung unseres Interesses an Burma , noch eine Schwäche des Netzwerk- Projekts . Speziell unsere französischen und spanischen Kollegen haben unermüdlich weiter berichtet , sodass der Feed seit Anfang Mai über 100 - zum Teil ausgreifende - Beiträge lieferte .

“Lotta continua” hiesse demnach : Den Kampf wieder und weiter und wieder zu führen - gegen das träge , uninspirierte und desorganisierte Selbst . Auch wenn “wahrscheinlich wieder kein Schwein” hinsieht ( F. K. Waechter ) . |||

czz blog4burma inadaequat

BLOG 4 BURMA

Seit Oktober 2007 berichten wir in|ad|ae|qu|at über Burma . Ende Oktober | Anfang November hat sich ein von Anfang an internationales Netzwerk “Blog 4 Burma” konstituiert . Mittlerweile berichten Blogger aus Deutschland , Frankreich , Spanien , Andorra , Österreich , ein Schweizer Reisender und ein in Deutschland lebender Exilburmese . Sämtliche Postings fliessen in einem gemeinsamen RSS- Feed zusammen .

Dessen jüngste Nachricht stammt von Kathy , die den gestern referierten Artikel des Politikwissenschafters Rony Brauman heute Nacht noch einmal ge- updatet hat, geupdatet hat und am Samstag das gesamte Land zur “Death Row” erklärte : “Birmanie, un pays carcéral avec peine de mort collective” . An selber Quelle sind auch umfasende Überlegungen darüber zu lesen , ob sich die Junta des “Verbrechens gegen die Menschlichkeit” schuldig ( ge ) macht ( habe ) , während adaequat seinerseits die Gretchenfage stellt : “Unpolitische Hilfe oder Humanitäre Intervention ?” -

Jonas Lanter berichtet von den potemkinschen Dörfern , in die man den UN- Generalsekretär führte . Birma News United hat die Chronik des Zyklons “Nargis” endgültig rekapituliert , womit auch die absichtliche Desinformation der Bevölkerung seitens der Behörden zur Sprache kommt . Birmania libre liefert ein Video zur zweiten , in den schlimmst betroffenen Zonen um zwei Wochen gestundeten , Tranche des “Referendums” . Letzteres hat freilich wenig an News Headquarters Befund geändert : “92% Zustimmung für Verfassung nach Referendum im DDR-Style” . Grundsätzliches hat khaipi , selbst Angehöriger der Volksgruppe der Chin , zum Text des “Referendums” zu bemerken . Unser Video- Spezialist Daburna kompiliert eine förmliche “Nachrichtensendung” aus verschiedenen Quellen ( u. a. dem Myanmar’schen Staats- TV ) . Und Olivier bringt täglich praktikable Linklisten .

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Was tun bei Writers’ (Blogger’s) Block ?



Während quer- kreuz- und rund um die ehemalige k k. Haupt-, Reichs- und Residenz-Stadt der Tatzelwurm des CITY MARATHON zugange ist und ergo MENS SANA IN CORPORIBUS SANIS die Gegend behersscht , sitzet inadäquat itzo in denen Kemenaten , Haupt unter Helikoptergeflapper und Gemüt unter der Last schweren Niederschrift-Gebährens .Wie würde man den WRITER’S BLOCK im Falle des Bloggens wohl nennen ??? - BLOGGER’S’ BLOCK ??? - WRTER’S BLOG ??? - - - Da nun selbst das Um-den-Block-Lustwandeln in diesem Falle nicht verschägt und zwangsläufig zur Collision mit trabenden Körpermassen führen würde , bleibt nur das zweite praktikable Mittel, den in sich festgezurrten und verhärteten Geist per Dusche / Shower / Schauer mit milder Wasser Kraft zu lösen.

Laufen papunet net

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang die Rituale, welcher DER anarchische Abschweifer und Fadenverlierer LAWRENCE STERENE im 9. Band, Kapitel 13 zur Erstürmung obgenannter Barrieren und Barrikaden anempfielht . Wie jedem Adoranten des holden TRISTRAM SHANDY , Genleman ( 1759 - 1767 ) hinlänglich bekannt, gilt in diesem Wälzer vornehmlich der Weg als Ziel , sind also auch die kleinen Zureichungen , den Pegasus wieder flott zu kriegen , von ausladendem Duktus sondergleichen . - - - Da aber dieser Sonntag mit stillem Glanze Ländereien und Gemüt überstrahlet , darf inadäquat auf Stenre’s Fersen um wohlgesonnene Aufnahme der folgenden - shandyistischen - Ein- und Ausführungen bitten . Die holde Zitatation erfolgt übrigens aus der brandneuen Ausgabe , welche in der trefflichen Übertragung durch Michael Walzer bei Eichborn erschienen ist .

AIGA aerport information noir

Zurück also zu den - unserem Wasserplantschen nicht wesensfremden - Manövern gegen die Erstarrung der Säfte und Kräfte in schreibend Händen und Hirnen . Als kurzes Aviso sei vorangestellt , dass die folgende Peroratio nit einem Selbstlob anhebt , über die Kapitelgrenze hinweg dann allenthalben das Aufkommen gewisser “Stumpfheit” eingesteht , um dann des Weiteren die Körperpflege - namentlich das Balbieren - zwecks Glättung krauser Gedanken zu loben.

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Im Folgenden also einige possierliche Passagen aus Lawrence Sterne, Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman, QUOTE :::

Für alle gewöhnlichen ud alltäglichen Fälle hab’ ich denn kein Mittel erfunden, das bessere Dienste leistet, als folgendes -

- Ohn Zweifel, wenn auf Logik selbst auch nur die Bohne verlass ist, so muss doch etwas von einemm Originalgenie an mir sein, allein schon wegeen dieses Anzeichens, dass ich nämlich keinen Neid kenne: Denn kaum bin ich auf Erfindug oder Kunstgriff geraten, womit sich die Schriftstellerkunst befördern liesse, so mach ich’s augenblicklich publik: indem ich möchte, dass alle Menschen so gut schrieben wie ich.

- Wie sie gewiss tun werden, wenn sie ebensowenog denken.

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KAP. XIII.

In gewöhnlichen Fällen also, will heissen, wenn ich bloss stumpf bin und die Gedanken nicht recht fliessen wollen und mir zach wie Gummi aus der Feder tropfen -

Oder sei’s, dass ich unversehens in einen frost’gen bilderarmen Stümperstil geraten, woraus woraus ich mich, bei meiner Seel’, nicht straks befreien kann: und notgedrungen bis ans Ende des Kapitels weiterschreiben müsste wie ein niederländischer Kommentator, wenn nicht irgend etwas geschähe -

- Da halt’ ich keinen Augenblick mit Feder und mit Dinte einen Stehkonvent; denn falls eine Prise Schnupftabalk oder ein rascher Gang durchs Zimmer nichts ausrichten wollen, so greif’ ich alsofort zum Scheermesser; und hab’ ich erst die Schärfe am Mäulsein meiner Hand probieret, schneid’ ich mir ohne viel Federlesens, nur dass ich auf’s Einseifen nicht vergesse, den Bart; wobei ich lediglich drauf achte, dass wenn ja ein Haar stehenbleibt, dies kein graues sei: hierauf wechlse ich das Hemde - lege einen bessern Rock an - schicke nach meiner neuen Perücke - stecke meinen Topasring auf den Finger; werfe mich, mit einem Wort, von Kopf bis Fuss in meinen Galastaat.

Nun müsste es schon mit dem Leihaftigen zugehn, wenn das nichts verschlägt: denn bedenket, Sir, weil jeder Mann ganz in Person präsente ist, wenn ihm der Bart balbiert wird (keine Regel indessen ohne Ausnahme), und sich, solang’ als dies vonstatten geht, ganz notwendigerweise selbst gegenübersitzt, falls er nämlich mit Hand anlegt - so bringt einem diese Situation, wie jede andere auch, ganz eigene Vorstellungen in den Kopf

- Ich steh’ dafür, eine einz’ge derartige Prozedur strafft und verjüngt die Einfälle eines hauhbärt’gen Mannes um sieben Jahre; und liefen sie nicht Gefahr, ganz wegrasiert zu werden, so könnten sie durch fortwärendes Scheeren zum höchsten Grad der Erhabenheit getrieben werden - Wie Homer mit einem solchen Rauschebart hat schreiben können, ich fass’ es nicht - und insofern’s meine Hypothese wiederspricht, schiert’s mich auch wenig.” UNQUOTE. Englische Fassung im Anhang !!!

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Wohlan denn , Ihr Helden, Sklaven, Lustknaben & Kaltmammsells der Bellles Lettres ::: Was bei deren Herren seine selbstständliche Facies hat , muss wei Weibspersonen ja nicht gleich zum vertikalen Lächeln führen, ein Brasilian Waxing ( “Faster Pussycat , Wax ! Wax !” ) à la Bergdorf Blondes tut’s auch . Pudenda agenda ::: Allerdings , siehe oben , zu Schreib- und mitnichten zu Bikini-Zwecken ! - - - Gilt - wie Bekennerbriefe erweisen - übrigens auch für Mannsbilder .

laptop picto

Scribemus igitur - - -

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