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Monkey Business | Vienna Street Art 8



||| WAHL 2008 - APO DER STRASSE | FOOD FOR THOUGHT | RELATED | KLANGAPPARAT

WAHL 2008 - APO DER STRASSE

Angsichts des Monkey- Business eines ebenso sinn- wie inhaltsfreien Wahkampfes ( “Es darf uns nicht egal sein, ob wir eine Wien- feindliche oder eine Wien- freundliche Regierung haben.” , SPÖ Wien ) bitten wir drei Exponenten “der Strasse” ( formerly known as “Ausserparlamentarische Opposition” ) aufs Podest .

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( Wien 7 )

In Differenz zur Politk ist hier durchaus ein Hang zur Ironie festzustellen …

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( Wien 7 )

… sowie die Fähigkeit zur autopoietischen ( vulgo Selbst- ) Reflexion .

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FOOD FOR THOUGHT

Nachdenklich stimmt selbst den Affen von der Strasse ( Anthropoidea communes ) der Graben zwischen den von der Politik rosig versprochenen Visionen und …

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( Wien 7 )

… den realexistierenden Lebensbedingungen der Species- Kollegen …

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( Wien , Zoo Schönbrunn )

… in deren ( denkmalgeschützten ) Käfigen des Zoos zu Schönbrunn .

Dies nur als bescheidener Kommentar - gewissermassen unter Primaten .

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KLANGAPPARAT

Als akustisches Monkey- Business kann da durchaus das lustvoll- anarchische Mix “The In Sound From Way Out” gelten , das Brooklyns DJs Nick czz-hoerempfehlungCatchdub für das in New York und San Francisco situierte Metro- Mags XLR8R ( sprich “Accelerator” ) veranstaltet hat : Black ( explicit ) Lyrics in produktivem Clash mit ( weissen ) Breakbeats und obsessiven Sequencern : Das Stimmungspotential deckt das Spektrum zwischen euphorischem Irrwitz und aggressiver Entäusserung mühelos ab , mag also auch als Panazee gegen den absehbaren Nach- Wahl- Kater praktikabel sein … CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN .

P. S. : Schon bemerkt ?! - Der Freitag scheint sich unter der Hand als XLR8R- Day etabliert haben .

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Gemeinwohl und Werbung : Schöne neue Welt | Textes Trouvés 7



||| GLANZ & GLORIA | GEMEINWOHL- & -GUT | FLÄCHEN & DECKUNG | LINKS | RELATED | KLANGAPPARAT

GLANZ & GLORIA

Das Feuilleton der ZEIT räsonniert derzeit über Glanz und Gloria der Celebrities sowie der allumfassenden PR- Maschinerie , ohne welche keine Kunst mehr zu Markte zu tragen sei . Angesichts Tausender Anschläge im grossformatigen Blatt fällt trotzdem eher auf , was fehlt : Dass unverkaufter Raum rar geworden ist . Ob Sportlerbrust , ob Fernsehfrust : No “NO LOGO” anymore .

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Mag der französische Staatspräsident das “Prinzip PR” für sein Privatleben wählen : Der brave Citoyen hat nicht die Wahl , privat PR- frei seiner Wege zu gehen .

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GEMEINWOHL- & -GUT

Man mag sich streiten darüber , wem der Raum des “öffentlichen Verkehrs” nun wirklich gehört : Der “Öffentlichkeit” als der Summe aller gesellschaftlichen Kräfte ( damit also auch den Unternehmen der “Werbung” ) oder dem “Gemeinwesen” im Sinne des “Gemeinguts” ( common good ) im zwiefachen Sinne des “Eigentums” ( bonum ) der sowie des “Nutzens” ( commodum ) für die Gemeinschaft .

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Thomas Assheuer ( “Siehe , ich bin dein Star” ) erinnert an Ernst H. Kantorowicz‘ “zwei Körper des Königs” , einem aus der “politischen Theologie des Mittelalters” abgeleiteten Gedanken der gleichzeitigen realen und überhöht symbolischen Auffassung der Leitfigur . Im säkularen und post- utopischen Zeitalter seien es die Celebrities , Stars und deren Glamour , welche den visionslosen Blick beseelen :

Starkult und Eventindustrie sind die Antwort. Sie bilden ein ideales Zwillingspaar, um den Bilderbedarf der Gegenwart zu befriedigen, die unersättliche Sehnsucht nach Sinn, nach intensiven Bildern und Erlebnissen. Deshalb gibt es nicht wenige Intellektuelle, die beim Triumphzug der visuellen Industrie andächtig Spalier stehen. Sie tun es, weil sie glauben, die Hauptkrise der Gegenwart bestehe schon lange nicht mehr in sozialer Ungerechtigkeit, sondern im Verlust sinnstiftender Bilder, überhaupt im Intensitätsverlust des Lebens. Utopien seien mausetot, und mit siegreichem Kapitalismus müssten wir uns leider abfinden. ( … )

Solche Intellektuelle schwärmen vom ‘Kult-Marketing’ (Norbert Bolz); andere bejubeln Politstars, Managerstars und Künstlerstars als Helden der Wiederverzauberung, die Farbe in die Profanität des Alltags bringen, nämlich die Transzendenz des Glamours. ( … ) Stars ‘interpunktieren’ die sinnlose Zeit und stiften Gemeinschaftserlebnisse; sie liefern mit den Klatschgeschichten der Boulevardpresse ‘Skripte’, deren Geschichten wir dann in eigener Regie ins Leben umsetzen sollen. Nicht zufällig enthalten diese Skripte bunte Bilder von Glück und Unglück, von Gefühl und Leidenschaft, von ‘Tragik’ und ‘Größe’.

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Zu guter Letzt bekennt sich Assheuer rhetorisch zum Prinzip Hoffnung und setzt auf den Mut zum “Trotzdem” der Kunst : Gut Humanistische Lektüre einem Blatt , dessen Online- Ausgabe den redaktionellen ‘Content’ hinter permanent beweglichen Pop- Ups , Flashs und Werbe- Bannern ( von den Bildstrecken und Advertorials ganz zu schweigen ) nach Kräften versteckt .

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FLÄCHEN & DECKUNG

Man mag den Soaps aus dem Wege gehen , Zeitgeistmagazine oder das ZEIT- Magazin “Leben” meiden : Die Gestalten der glamourglänzenden Models spuken selbst in der U- Bahn . Hier hat Assheuer im sehr buchstäblichen Sinne recht , wenn er die Ab- Klatschgeschichten des ehemals Mondänen die “Drehbücher für das gewöhnliche Leben” nennt . Die Raumregie des öffentlichen Verkehrs verfügt seine Fahr- Gäste in willkürliche Bühnenbilder .

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Woche für Woche , Linie für Linie , Kurz- oder Langstrecke : Danke , Wiener Linien , für unsere täglich neue schöne Welt .

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LINKS

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Höchste ZEIT , das Kommode mit dem Nützlichen zu verbinden und und einen sommerlichen City- Soundtrack um die Ohren zu schlagen . Lärm gibt czz-hoerempfehlunges ja aufgrund der üblichen sommerlichen Baumassnahmen im und am öffentlichen Verkehrswesen in reichlichen Mengen zu bewältigen , resp. : zu übertönen . Für den Podcast des in New York und San Francisco situierten Metro- Mags XLR8R ( sprich “Accelerator” ) hat Niemand Geringerer als die britische Band The Orb ( = Kollektivsingular | home ) ein psychedelisch funkig flirrendes Mix zusammengestellt : “Full Orbient” dauert bedauerlich kurze 32 Minuten und neununddreissig Sekunden , “Replay” ist also angesagt . CLICK LINK TO SEE PLAYLIST AND LISTEN . |||

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Dokumentation | Alte Schmiede oder : “Ein Abgesang” auf die “sozialdemokratische Kulturpolitik”



||| In der Tageszeitung “Die Presse” veröffentlicht Wolfgang Müller-Funk am 13. 6. eine lesenswerte Reflexion über den Paradigmenwechsel innerhalb der sozialdemokratischen Kulturpolitik 1968 - 2008 .

Fortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 vor genau einem Monat unternommenen DOKUMENTATION . - Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

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ALTE SCHMIEDE: DAS ABSTOSSENDE, AMORALISCHE IHRES TUNS , von Wolfgang Müller-Funk

Weil die Wiener Städtische das Gebäude an einen Immobilienmakler verhökerte, ist das einzigartige Literaturhaus in Gefahr. Ein Abgesang auf Wien 1968 und sozialdemokratische Kulturpolitik.

alte-schmiede-was-tunVor einigen Wochen zeigte mir Walter Famler, der Generalsekretär des Wiener Kunstvereins, mit sichtlichem Besitzerstolz den neuen Zeitschriftenraum der “Alten Schmiede“ mit Literatur- und Kulturzeitschriften aus ganz Europa. Soeben war nämlich – auch das sinnträchtig – die Zukunftswerkstatt der SPÖ aus den Räumlichkeiten ausgezogen. Was ihm, dem kritischen Linken, damals vorschwebte, war, aus dem Altwiener Haus im ersten Bezirk einen Treffpunkt für Kultur zu machen, mit Wohnungen für Literaten und Künstler und eventuell gar einem kleinen Forschungszentrum.

Mittlerweile ist, wie auch in der “Presse“ zu lesen stand (vgl. Michael Hammerschmids Aufruf in der Wochenendausgabe vom 7./8. Juni), der Bestand der Alten Schmiede ernsthaft in Gefahr; Famler und sein Team müssen buchstäblich ums Überleben kämpfen. Der bisherige Besitzer des Hauses, die Wiener Städtische, die jahrelang im Vorstand des Trägervereins der Alten Schmiede vertreten war, hat das Haus, das sie einstmals für einen Pappenstiel erworben hat, zu einem kolportierten Preis, der nahe an die sechs Millionen Euro heranreicht, an einen Immobilienmakler verhökert.

EIN LEHRSTÜCK IN MODERNER ÖKONOMIE

alte-schmiede-was-tunSie ist jetzt keine kommunale “rote“ Versicherung mehr, sondern eine Aktiengesellschaft, die sich nicht lange mit Literatur und Kunst aufhalten will. Ein besonders abstoßendes Lehrstück in moderner Ökonomie. Zugleich ein Nachruf bzw. Abgesang auf Wien 1968. Begonnen hat nämlich die ganze Geschichte im Umfeld von 1968, in den Aufbruchszeiten sozialdemokratischer Kulturpolitik in Wien: Aus der einstigen Schmiede wurde kein Schmiedemuseum, der kommunale Verlag Jugend & Volk zog darin ein, schließlich übernahm die wiederum kommunale Wiener Städtische das Areal.

Und dann begann die fast einmalige Erfolgsgeschichte des vermutlich ältesten Literaturhauses im deutschsprachigen Raum. Liest man die Programme von einst und jetzt, so fehlt fast kein klingender Name der deutschsprachigen Literatur. Als Famler zum Generalsekretär avancierte, brachte er die Zeitschrift “Wespennest“ sowie ein europäisches Zeitschriftennetzwerk ein. Ein Stück literarischer Infrastruktur, ein Ort der viel beschworenen “Nachhaltigkeit“ im Bereich von Kultur, das nun ohne ersichtliche Not ins Trudeln gerät, weil die Politik verweigert, wofür sie zuständig ist: Verantwortung. Entgegen allem Augenschein war die Kohabitation von Literatur und Politik übrigens kein einseitiges “Geschäft“: denn die (Wiener) Sozialdemokratie, die Literatur förderte und finanzierte, erwarb sich durch diese Verbindung symbolisches Kapital, Ansehen. Sie wurde – gut sichtbar in der nachfolgenden Ära der gewiss eigenwilligen, aber profilierten Ursula Pasterk – eine aufgeklärte, urbane, moderner Kunst gegenüber aufgeschlossene politische Stadtpartei.

Damit ist es wohl ein für allemal vorbei. Im Neoliberalismus, den gerade die Wiener Sozialdemokratie rhetorisch so gerne attackiert und den sie doch seit Jahren klammheimlich befördert, ist der Spielraum für eine ambitionierte Kulturpolitik, die sich nicht den Gesetzen des Marktes und der Spaßkultur – siehe Euro 2008! – unterwerfen will, augenscheinlich eng geworden. In der Neuen Ökonomie gibt es keine politische Verantwortung: die Politik, die alles privatisiert, hat auf das Privatisierte keinen Einfluss mehr.

DIE WERBUNG MIT KLEIN-MAXIS TORTENSTÜCK

alte-schmiede-was-tunDie Wiener Kulturpolitik will oder kann der Alten Schmiede nicht helfen, weil das Haus ja der nunmehrigen Aktiengesellschaft gehört, die sich an dem einstmaligen Kommunalbesitz eine goldene Nase verdient, ja und die Wiener Städtische, die in ihrer aggressiven Fernsehwerbung den Zeitgeist der De-Solidarisierung feiert (Papi bekommt nichts von Klein-Maxis Tortenstück ab, deshalb muss man sich rechtzeitig lebensversichern), kann natürlich auch nichts anderes tun, als die fragliche Immobilie möglichst hochpreisig an wen auch immer zu veräußern. Die Literatur kommt dabei zum Handkuss; nun soll sich Famler mit dem neuen Eigentümer herumschlagen, der das teuer Erworbene wiederum gewinnbringend anlegen möchte. Da ist die Literatur, die bisher einen Gutteil des Hauses besetzt, ein ungebetener Gast. Deren einzige Trumpfkarte ist offenkundig ein wasserdichter Mietvertrag, der aber im besten Fall den Status quo sichert. Und der Eigensinn Famlers, der – ganz zum Ärgernis seiner “Genossen“ – an seinen linken Ansichten und an der Literatur festhält.

Bemerkenswert an der Causa ist das offensichtlich fehlende Bewusstsein der Beteiligten für das Abstoßende und Amoralische ihres Tuns. Das hat mit dem neuen ökonomischen Fatalismus zu tun. Ist die ökonomische Eigenlogik wirklich so zwangsläufig, wie jene suggerieren, die sich aus der Verantwortung stehlen wollen? Doch wohl nur, wenn man davon ausgeht, dass das ökonomisch Profitabelste immer schon die politisch beste Lösung ist. Befand sich die Wiener Städtische aber wirklich in einer ökonomischen Zwangssituation, aus der heraus sie das Haus unbedingt zum höchstmöglichen Preis hat verkaufen müssen ? Und hätte sich der Kulturstadtrat Mailath-Pokorny nicht rechtzeitig mit allen Beteiligten zusammensetzen können, um eine Lösung zu finden, etwa ein Stiftungsmodell, eine Kooperation zwischen Stadt, Eigentümer und Kunstverein ?

Man kann prosperierenden Unternehmen auch in den kapitalistischsten aller Welten nicht verbieten, sich aktiv für Kunst, Kultur und Wissenschaft einzusetzen. In den heute offenkundig als so vorbildlich angesehenen anglo-amerikanischen Ökonomien wird gerade auf solche Firmen erheblicher Druck ausgeübt, sich im sozialen, kulturellen oder wissenschaftlichen Bereich zu engagieren. Dahinter steckt die Idee, dass es so etwas wie eine soziale Verantwortung und ein soziales Gewissen gibt, dass der ökonomisch Glückliche etwas rückzuerstatten hat.

KAPITAL ERSETZT NICHT KULTURPOLITIK

alte-schmiede-was-tunVon den vier Millionen Euro Reingewinn, die die Transaktion der Versicherung wohl eingebracht hat, ließen sich, dem Musilschen Möglichkeitssinn folgend, einige kluge und wirksame Projekte in der Alten Schmiede finanzieren. Und wenn all jene Unternehmen, die nach 1989 in Zentraleuropa so unverschämt viel Geld verdient haben, nur einen Bruchteil in jene Bereiche investieren würden, die zwar selber nicht so ergiebig sind wie Immobilien, aber doch zur symbolischen Infrastruktur einer modernen komplexen Gesellschaft gehören, dann stünden Literatur, Film, Musik, schönen Künsten und Wissenschaften Mittel zur Verfügung, die Österreich wirklich zu einer kleinen Großmacht nicht nur im Bereich des kulturellen Erbes, sondern auch auf dem Feld der Innovation machen könnten.

Man braucht nicht in eine antikapitalistische Rhetorik zu verfallen, um die These zu riskieren, dass Geld und Kapital aus politischer Sicht kein Selbstzweck sein dürfen. Ökonomie ist nicht alles. Sie kann und darf Politik nicht ersetzen, schon gar nicht Kulturpolitik.

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Urbane Härte , codifizierte Protestkultur : Ein frisches Mix des in New Yorkczz-hoerempfehlung und San Francisco situierten Metro- Mags XLR8R ( sprich “Accelerator” ) erweist , dass ein wenig Abstand vom Eigenen dessen Konturierung dienlich sein kann : Aus dem Berliner “Exil” sendet der Labelchef , DJ und Producer Jay Haze einen alarmierend- elektrisierende Reminder , wachsam zu bleiben : “Keep Your Third Eye Open” . Roh , schwarz , unbarmherzig . |||

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Out now : Oliver Sacks “Musicophilia” auf Deutsch - “Der einarmige Pianist”



||| OUT NOW | MUSIK IM IPOD- ZEIALTER | NICHTS NEUROLOGISCH NEUES ? | FREAK SHOW ? | IM INTERVIEW : ZU POSITIV ? | IM INTERVIEW : DROGEN UND SYNÄSTHESIE | IM INTERVIEW : AUDIO @ NPR , VIDEO @ YOUTUBE | SCHÖNES FEATURE ÜBERS HÖREN UND ANDERE PHANTOME | VORABDRUCKE | KLANGAPPARAT | LINKS

OUT NOW

listen papunet netSeit Sommer 2007 kam man auf englischsprachigen Seiten für Wissenschaft , Musik und Hirnforschung kaum an den Chroniken eines angekündigten Fach- , Sach- und Lesebuchs vorbei : Die Ankündigung von Oliver Sacks‘ neuem Werk über die Auswirkungen von Musik auf Differenzierungsleistungen im Gehirn , Musiktherapie bei neurologischen Krankheiten wie Parkinson weckte hohe Erwartungen in Fach- und Laienkreisen . Als “Musicophilia - Tales of Music and the Brain” endlich am 16. Oktober bei Alfred A. Knopf erschien , gab es für die Coverage auf allen Kanälen kein Halten mehr .

Sacks’ Kunst , neurologische Beobachtungen populär fasslich in überschaubare Fallgeschichten zu präsentieren , hat ihm seit “Awakenings” ( 1973 ) | “Awakenings : Zeit des Erwachens ( 1990 ) , “A Leg to Stand On” ( 1984 ) | Der Tag, an dem mein Bein fortging ( 1989 ) oder “The Man Who Mistook His Wife for a Hat” ( 1985 ) | “Der Mann , der seine Frau mit einem Hut verwechselte” ( 1990 ) das Interesse breiter Publikumskreise eingebracht. .

Der Rowohlt- Verlag hatte die deutsche Übersetzung unter dem Titel “Der einarmige Pianist - Über Musik und das Gehirn” ursprünglich für März angekündigt . Dann kam ein Brief , die Publikation des Buches müsse auf unbestimmte Zeit verschoben werden . Ein weiteres Schreiben des ( mit seinem 100- Jahr- Programm offenbar mehr als ausgelasteten ) Verlags kündigte das Erscheinen des Buches schliesslich doch schon für Mai d. J. an : Und da liegt er nun frisch auf dem Tisch , gestern ausgepackt , mit Erscheinungsdatum “1. Juni 2008″ im Impressum .

Aus diesem Anlass geben wir in|ad|ae|qu|at ein paar Proben aus der angloamerikanischen Rezeption , sowie Links zu Interviews und Textauszügen . |||

MUSIK IM IPOD- ZEIALTER

listen papunet netBereits das Titelbild der englischsprachigen Ausgabe , welches den Autor bei sichtlichem Genusshören mit Kopfhörern zeigt ( die Umschlaggestaltung bei Rowohlt gibt sich abstrakt- symbolistisch ) gibt dem Magazin “Slate” zu denken :

In an era when music has become “head music,” delivered through iPod earbuds with the steady efficiency of an IV drip, it was inevitable that music, like language, religion, sex, and politics, would be given the popular-neuroscience treatment

“Wired” liefert neben einem Interview sogleich die eine autorisierte , technisch fiktive “Sacks’ IPod Playlist” : Er habe keinen iPod , so der Autor , “I’m too low-tech” . Hätte er ein solches Gerät , wären ausschliesslich Stücke aus dem klassischen Repertoire darauf gespeichert . Offenbar kann man Lieblingslisten im zeitgeistigen Medium nicht mehr anders codieren als durch ein modisches Gadget , dessen visuelles und begriffliches Interface .

Oliver Sacks ipod playlist source WIRED Click to XL

Sacks :

It is almost impossible to list my ten or twenty favorite pieces of music, because I have an omnivorous love of all classical music. In addition, I often develop a passion for a particular piece or a particular composer, which may last a month or a year, and then be replaced by a passion for something else. Thus I spent an entire year, 1979, playing Mozart’s Requiem and his Mass in C Minor, over and over. They absorbed me totally, and I did not want to listen to anything else.

Gleichwohl hat es sich die Mühe gemacht , zehn Stücke auszuwählen , von “Chopin’s Fantasy in F Minor, performed by Arthur Rubinstein” bis hin zu “Schubert’s Die Shöne Mullerin , sung by Dietrich Fischer-Dieskau” ( Roland Barthes hätte es beim Stichwort “Fischer-Dieskau” schon den Magen umgedreht ) und “Bach’s Chaconne in D Minor, played by Yehudi Menuhin” . Plus ausführlichen Gründen und Geschichten … der Clou der Sache ist , dass die Playlist auf der “Wired”- Seite tatsächlich funktioniert … |||

NICHTS NEUROLOGISCH NEUES ?

listen papunet netMit oder ohne Ohrstöpsel : “Slate” fasst den Autor als Neurologen nicht eben mit Samthandschuhen an und gibt sich ein wenig genervt durch die immergleiche Form der Anekdote , “at once creepy and cocktail-party colorful” :

The material has the distinctive Sacks touch: at once earnest, tender, and slightly amused. But the anecdotes about music and the neurological disorders associated with it - which are what the “tales” really amount to - reveal surprisingly little about music or about the brain, other than that the mystery and vitality of music are useful correlatives to the brain’s mystery and vitality. In recounting the circumstances of individual patients, Sacks doesn’t evoke the sound of music or the ways sound takes shape as music in the brain. The case studies become examples of the gap between what happens in our brains and what even our most literate experts can say about it. ( Slate )

Was indes die Passagen über Sacks’ eigene Musikerfahrung ( und die einiger älterer Musicophilen ) anbelangt , konzediert das Magazin immerhin Respekt gegenüber dem Literaten :

A man making his own experiences and those of the people he knows the representatives of the human condition: It sounds like a formula for bad science. And yet the formula for bad science turns out to be the formula for good writing. When he describes his friends, and himself, too, Sacks suddenly writes about music as music, at once a language and a mode of celebration that summons extreme but not unreasonable passions. ( Slate ) |||

FREAK SHOW ?

listen papunet netAuch die “New York Times” benennt Sacks’ erfolgreiches “Strickmuster” als eher emeotional bewegend denn wissenschaftlich aufklärend :

In his earlier collections of clinical tales - most famously in “Awakenings” (1973) and “The Man Who Mistook His Wife for a Hat” (1985) - Sacks presented with compassion, sensitivity and learning what, in coarser hands, might have been freak shows of the mind. The genre could have been an exploitative sideshow: a parade of misfits whose brains have been weirdly affected by disease, trauma, congenital defect or medical treatment. But Sacks is adept at turning neurological narratives into humanly affecting stories, by showing how precariously our worlds are poised on a little biochemistry. ( NYT )

Nach einem ordentlichen Referat einiger “Fallgeschichten” weist der Rezensent auf den Gemeinplatz erfolgreicher Musiktherapie seit den 1940er Jahren hin , dabei in einem hübschen “twist” auf Sigmund Freuds “talking cure” anspielend : “Indeed the benefits of the singing cure are more evident than those of the talking one.”

Was Sacks erzähle , sei stets erstaunlich , bewegend , erweitere letztlich aber kaum die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse :

In the end, Sacks’s catalog of oddities sheds little systematic light on the mystery of music. He cannot be blamed for this - the science of music is still in its early days. Readers will probably be grateful that Sacks, unlike Freud, is happy to revel in phenomena that he cannot yet explain. ( NYT ) |||

IM INTERVIEW : ZU POSITIV ?

listen papunet netIm Literaturjournalismus stellt das persönliche Interview bekanntlich die praktikablelste Art und Weise dar , “content” aus erster Quelle zu erhalten , einen “Authentizitätseffekt” unter der Sigle des Exklusiven zu generieren , ohne dabei freilich in die Mühen und Ambivalenzen einer kritischen Bewertung hinabsteigen zu müssen .

Anekdotengespickte Interviews gibt es demnach in “Discover” , “Wired” sowie als Audio- File des herrlichen “Radiolab” @ “National Public Radio” ( NPR ) .

Von “Discover” auf die Kritik angesprochen , seine “Fallgeschichten” würden die realen und tragischen Fälle über Gebühr “sentimentalisieren” und in letztlich positive Erlösungsgeschichten giessen , erklärt sich Sacks wie folgt :

Well, I want to draw attention to it, but it’s there with the negative. In the old-fashioned medical notes, one would write about the HPC, or “history of the present complaint.” The patient comes to a doctor because something is the matter; they have a complaint. And one goes through it with the patient, but one also wants at the same time to remind them of the powers which are preserved and which they can perhaps use and which can mitigate life. My interest is very much in rehabilitation. I won’t say “recovery”. And maybe rehabilitation sounds rather technical, but it’s making the fullest possible life under the circumstances. ( Discover )

Eine übrigens sehr amerikanische Attittüde , keine noch so tragische Geschichte ohne den Appell an das Potential des Individuums enden zu lassen . Was im Sozialdrama “skill” und “Wille” , sollen hier die verborgenen neurologischen Kraftwerke leisten . |||

IM INTERVIEW : DROGEN UND SYNÄSTHESIE

listen papunet netWired” interessiert sich selbstredend eher für Aspekte der Popkultur . Zum Beispiel , warum es ( Art Tatum , Joaquín Rodrigo , Blind Willie McTell , Stevie Wonder ) so viele exzellente blinde Musiker gebe .

Sacks antwortet mit einer - wenn wir das in|ad|ae|qu|at richtig einschätzen [ bitte korrigieren ! ] - etwas veralteten Kompensationsthese :

When one is born without a sense or loses it early, one turns to the other senses to construct the richest possible world and identity. People who are born blind seem to develop extraordinary auditory, tactile, and olfactory sensitivities. Absolute pitch [the ability to identify a note without hearing a reference tone] is pretty rare in the general population - maybe 1 in 10.000 have it. In professional musicians it’s 1 in 10. But in those born blind, musicians or not, it’s nearly 1 in 2. A third of all musical savants are blind. You can be blind without being musical, but there is a correlation. ( Wired )

Selbstverständlich lässt sich das Magazin für Bewusstseinserweiterungen aller Art auch das Thema “Drogen und Musik” nicht entgehen . Das Stöckchen dazu hat Sacks in seinem Buch selber geworfen , indem er von Amphetamin- Experimenten aus Studententagen erzählt . Zur Sprache kommt dabei das seit der Décadence beliebte Thema der Synästhesie ( hier : Farbe & Klang ) :

Hume wondered whether one can imagine a color that one has never encountered. One day in 1964, I constructed a sort of pharmacological mountain, and at its peak, I said, “I want to see indigo, now!” As if thrown by a paintbrush, a huge, trembling drop of purest indigo appeared on the wall — the color of heaven. For months after that, I kept looking for that color. It was like the lost chord.

Then I went to a concert at the Metropolitan Museum of Art. In the first half, they played the Monteverdi Vespers, and I was transported. I felt a river of music 400 years long running from Monteverdi’s mind into mine. Wandering around during the interval, I saw some lapis lazuli snuffboxes that were that same wonderful indigo, and I thought, “Good, the color exists in the external world.” But in the second half I got restless, and when I saw the snuffboxes again, they were no longer indigo - they were blue, mauve, pink. I’ve never seen that color since. It took a mountain of amphetamine, mescaline, and cannabis to launch me into that space. But Monteverdi did it too. ( Wired ) |||

IM INTERVIEW : AUDIO @ NPR , VIDEO @ YOUTUBE

listen papunet netAudio- Interviews gibt es ( jetzt wird in|ad|ae|qu|at angehörs seiner Lieblingssendung sentimental ) im legendären NPR- Gesprächsformat “All Things Considered” : Über Sacks’ Hunger nach “human’s stories” , die massensuggestive Macht der Musik ( Beispiel : The Greatful Dead ) , Parkinson- Patienten und den physiologisch erkennbaren Unterschied ziwschen den Hirnen von Musikern und amusikalisch lebenden Menschen .

Ähnliche Resultate hatte der von uns vor über einem Jahr referierte Artikel über Feldenkrais , Motorik und Hirnstruktur nachgewiesen .

Den Bericht über die Wirkung von Musik auf Parkinson- Patienten gibt es übrigens auch als Video @ YouTube , desgleichen ein Video über Amusia ( Amusie , Dysmusie oder Dysmusia ist die Unfähigkeit , trotz intakter Sinnesorgane Tonfolgen zu erkennen und diese vokal oder instrumental wiederzugeben ) . |||

SCHÖNES FEATURE ÜBERS HÖREN UND ANDERE PHANTOME

listen papunet netEine herrliche Ausgabe des “Radiolab” ( NPR ) lässt Oliver Sacks im Gespräch nicht seine bekannte Buch- PR abspulen , sondern befragt den Autor nach zum Thema der physischen und psychischen Verortung ( “Were am I ?” , MP3 ) , beziehungsweise nach “bonds between brain and body” . Schönes Feature übers Hören , Fühlen , Phantomschmerzen und Orientierung ( bis hin zu William James ) . Auch für Surround- Sound- Praktiker von Interesse ! |||

VORABDRUCKE

Auf der NPR- Seite ist die auch im New Yorker vorabgedruckte Episode “A Bolt from the Blue : Sudden Musicophilia” ) zu lesen , im “New Yorker” ist auch der Abschnitt über “Music and amnesia” einzusehen . |||

KLANGAPPARAT

In diesem Kontext steht ein Klangapparat natürlich unter enormem czz hörempfehlungLeistungsdruck . Doch dieser lässt sich davon nicht weiter irritieren und fährt mit den Städteportraits des Magazins XLR8R ( sprich : “accelerator” ) fort : “From L.A. With Love” mag da absolut hörenswertes Beispiel pop- kultureller Ver- Ortung das Mass der “Musicophilia” voll zu machen . CLICK LINK TO SEE PLALIST AND LISTEN TO STREAM . |||

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