||| ÜBERLIEFERUNG DES TEMPORÄREN | POÈME ELECTRONIQUE | LE CORBUSIER , XENAKIS , VARÈSE in VR | AUTORSCHAFT | SYNTHESE , SYNÄSTHESIE , IMMERSION | SPUR @ YOUTUBE | KLANGAPPARAT | LINKS
ÜBERLIEFERUNG DES TEMPORÄREN
Das Wissen um die Leistungen audio- visueller Avantgarden krankt meist am flüchtigen Charakter ihrer Aufführungen , Installationen und Interventionen . Beschreibende Texte tragen oft mehr schlecht denn recht das Wissen weiter . Wie wenig tauglich zur Übermittlung eines speziellen esprit eine plane Abfilmung von Performances sein kann , haben die YouTube- Videos der akut aufgeführten poésie sonore des kürzlich verstorbenen Henri Chopin erwiesen . |||
POÈME ELECTRONIQUE
Wenn es nun heisst , ein Meilenstein akustisch- räumlich- visueller Poesie sei rekonstruiert worden , mag der immer- schon- gewusst- haben- wollende Geist zunächst aufjubeln : Das von Le Corbusier , Yannis Xenakis und Edgar Varèse mit dem Philipps- Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel ( die mit dem Atomium ! ) als architektonisch- akustisch- visuelle Surround- Experience konzipierte POÈME ELECTRONIQUE hauchte sein Wesen mit dem Verklingen der Acht- Minuten- Komposition Varèses , dem Finale der Slide- Show und spätestens mit dem Abbruch der temporären Pavillon- Architektur Le Corbus am 30. Januar 1959 aus . Immerhin hatten zwischen 17. April und 19. Oktober 1958 zwei Millionen Gäste diese extreme Installation begangen , abgehört und betrachtet . |||
LE CORBUSIER , XENAKIS , VARÈSE in VR
Was sie in dem spektakulären Spitzbau ( Le Corbusier ) , dessen von Yannis Xenakis - dem Architekten , Komponisten und damaligen Assistenten Le Corbu ’s - nach akustischen Kriterien designten Innenraum erleben konnten , wurde nun anhand von Zeichnungen , Entwürfen , Notizen , Beschreibungen und unter Beiziehung der Musik Varèses in einem virtuellen Raum rekonstruiert . Das von der EU in Zusammenarbeit mit dem Turiner Virtual Reality & Multi Media Park (
C.I.R.M.A. - Centro Interdipartimentale di Ricerca sulla Multimedialità e l’Audiovisivo ) , der University of Bath , der TU Berlin u. a. realisierte Virtual Electronic Poem- Projekt ( VEP ) zog aus , die Gesamtheit von Architektur , Raum , Musik und Bildprojektion im virtuellen Raum zu rekonstruieren .
The concept for the Philips pavilion presented by world famous architect Le Corbusier rekindled the dream of an all encompassing work of art. From the early twentieth century onwards this idea has often caused creative artists to present overlapping concepts frequently associated with the notion of creating a new man, and allÂÂÂencompassing utopian societies. To create a symbol for the germinal electronic age, whose innovative technical possibilities would eventually produce a fundamental change in the habits of people’s perception and hence their everyday life, Le Corbusier, working in collaboration with Jannis Xenakis, designed an electronic poem for the Netherlands based Philips Electronics Group: a choreography of light, colour, image, rhythm, sound and architecture. Le Corbusier - painter, theorist, sculptor and architect - developed an unsupported roof design based on hyperbolic parabolas which spanned a concrete plate sunk into the ground. 40 cm thick concrete pillars were arranged cruciformally with different spacings, tensioned with seven millimetres thick iron rings to create a curved and dynamic net-like framework which was skinned with thin concrete slabs. Painted silver the overall impression was that of a light, floating sculpture - its membranous roofs creating the ideal acoustic space for the multimedia spectacle presented in the interior. ( History of World Exhibitions ) |||
AUTORSCHAFT
Ein Unternehmen , welches in Vielem interessante Einblicke verspricht : Zum Beispiel ist die Autorschaft an den Komponenten - mit Ausnahme von Varèses Komposition - in vielen Kategorien fliessend . Glaubt man den lesenswerten Texten , welche das ZKM über Yannis Xenakis , Aaron Zephir über den Pavillon sowie das History of World Exhibitions- Archiv über Anliegen , Ausführung und Aufführung des multimedialen Pavillons bereit stellen , dürfte Le Corbu ’s Autorschaft am Innenraum wie auch an der Slide- Show relativ begrenzt gewesen sein .
Zwar zeigt die Show - sehr absichtlich in keiner Weise mit Varèses musique concrète synchronisiert - etliche Anspielungen auf das Lebenswerk des grossen Architekten ( bezeichnender Weise erst ab der ca. 7. Laufminute und gegen Ende einer Art “Fortschrittsgeschichte” des Menschen sind der Modulor , Bilder von der Unité d’ Habitation sowie aus Chandigarh zu sehen ) - doch dürfte der Ausführende Künstler auch in diesem Fall Xenakis gewesen sein . Einblendungen der Bilder archaischer Statuen sowie von antiken Theatermasken ( personae ) tragen des Griechen Xenakis’ Handschrift . Die Annahme einer intendierten “Kulturgeschichte” wird übrigens von einem Zitat Le Corbusiers bestätigt : “LE POÈME ELECTRONIQUE proposes to show , within a distressing tumult , our civilization on her way to conquest modern times .” |||
SYNTHESE , SYNÄSTHESIE , IMMERSION
Gleichwohl soll mit einem Zitat noch einmal auf das Anliegen von “Synthese” , “Synästhesie” und “Immersion” hingewiesen werden :
The show waived fabricated objects, using instead electronically transmitted, automated light and sound effects which moved within the room in a synthesis. Visitors passed the control room containing the technical equipment through a tubular entrance zone, entering a hall with an organic, stomach shaped plan into which up to 500 persons could be simultaneously immersed in a magical world. Celestial sounds, compositions by Edgar Varèse, films projected on panoramic screens and abstract coloured lighting effects in an eight minute electronic poem which used state-of-the-art electronic media to generate a visionary retelling of the story of human development. ( History of World Exhibitions ) |||
SPUR @ YOUTUBE
Was uns im Netz zu betrachten steht , ist die Schwundstufe einer Video- Rekonstruktion der Slide- Show ( inklusive Varèses Musik ) auf Youtube . Hier waren die Komponisten | Sounddesigner Matteo Milani ( Mailand ) und Federico Placidi ( Rom ) am Werk , um auf ihrer Webseite einen minimalen Eindruck des POÈME ELECTRONIQUE zu gewähren . Hinzudenken müssen wir uns - ferne jeder virtuell immersiven Realität - freilich das Raum- Erlebnis . Die beigefügten Fotografien des Pavillons mögen dabei der räumlichen Vorstellungskraft ein wenig auf die Sprünge helfen .
Vorbereiten kann man sich auch , indem man Varèses Komposition zunächst “nackt” und ohne die Bilder hört : Die reale und beabsichtigte Distinktheit des musikalischen POÈME ELECTRONIQUE von den Bildern könnte zunächst einmal “pur” wahrgenommen werden . |||
KLANGAPPARAT
Edgar Varèse : POÈME ELECTRONIQUE für Tonband - CLICK AND LISTEN TO
SOUNDFILE ( Real Player )
LE CORBUSIER | YANNIS XENAKIS | EDGAR VARÈSE : POÈME ELECTRONIQUE ( 1958 ) [ Reconstruction by Matteo Milani | Federico Placidi , 2007 ]
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LINKS
- Virtual Electronic Poem- Projekt ( VEP ) via Networked News Review
- Das erste multimediale Kunstwerk der Welt wird rekonstruiert – das Poème électronique : TU-Professor Stefan Weinzierl erforscht die akustische Vergangenheit und lässt sie virtuell wieder auferstehen
- Yannis Xenakis - ZKM
- Aaron Zephir : Le Corbusier: Philips Pavilion , Brussels , 1958
- History of World Exhibitions | Brussels 1958
- Matteo Milani | Federico Placidi : Le Corbusier | Yannis Xenakis | Edgar Varèse : POÈME ELECTRONIQUE
- pictures WRT : TU Berlin , lovelymedia |||







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