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Dokumentation | Alte Schmiede : Wirtschaftspolitik und Kulturvernichtung - Trotzdem : Die “Alte Schmiede” lebt ( Gerald Grassl )



Alte Schmiede wohin ?

Fortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 ( Alte Schmiede ) vor zwei Monaten unternommenen DOKUMENTATION . - Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

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WIRTSCHAFTSPOLITIK UND KULTURVERNICHTUNG - TROTZDEM : DIE “ALTE SCHMIEDE” LEBT

( Gerald Grassl , Augustin Nr. 231 , Juli 2008 , S. 24f )

Die gute Nachricht: Entgegen anderer Medienberichte bleibt die Tätigkeit des Literarischen Quartiers “Alte Schmiede” in der Schönlaterngasse 9 zunächst aufrecht.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - VORGESCHICHTE

alte-schmiede-was-tunEs bleibt jedoch ein ganz normales Lehrstück in welcher Logik der Kapitalismus “funktioniert”, wenn Gemeindeeigentum privatisiert wird.
Im Barockhaus “Alte Schmiede” in der Schönlaterngasse 9 war noch bis in die 70er-Jahre die alte Schmiede in Betrieb. Als sich der Besitzer des Hauses zur Ruhe setzte, vermachte er das Gebäude der Gemeinde Wien. Unter einer Bedingung: Die Schmiedewerkstätte soll in Betrieb bleiben, und zwar als kleine Kunstschmiede und die anderen Räume sollen im Lauf der Zeit für Kulturinitiativen, Künstlerwerkstätten, Ateliers zur Verfügung gestellt werden.

Die Gemeinde Wien überließ das Haus dem damals noch gemeindeeigenen Jugend & Volk-Verlag in Verwaltung.
Der 1969 gegründete “Kunstverein Wien ” zog im Haus ein. Als “unabhängige Institution, die künstlerische Initiativen fördern will, die Künstlern bei der Verwirklichung von Projekten, bzw. bei der Schaffung der Voraussetzungen dafür helfen will” und der Kunstverein Wien “ist keiner bestimmten Kunstrichtung ( und ) keinem bestimmten Künstlerkreis ausschließlich verpflichtet.”

Die Literaturreihe des “Literarische Quartier begann am 9. Juni 1975 mit einer Lesung von Friedrich Heer, die Folgeveranstaltung bestritt Ilse Aichinger. In den weiteren inzwischen etwa 5.000 Veranstaltungen waren Nobelpreisträger wie Elias Canetti, Günther Grass, Elfriede Jelinek und Gao Xingjian ebenso zu Gast wie neue unbekannte Autoren, Literaturgruppen- und Zeitschriften. Fast parallel entwickelte die “Musikwerkstatt ” ein ähnlich dichtes Programm für neue Formen der zeitgenössischen Musik. Im “Musiklabor” wurden Klassiker der Moderne wie György Ligeti oder Roman Haubenstock-Ramati genauso präsentiert wie junge unbekannte Komponisten ( anlässlich des 30jährigen Bestehens der “Musikwerkstatt” wurde eine Doppel-CD mit Hörproben herausgegeben ).

Eine ungewöhnliche Idee war auch die Einrichtung der “Arthothek“, eine umfangreiche Sammlung von Grafiken österreichischer Gegenwartskünstler. Wie in einer Leibibliothek können sich Kunstfreundinnen gegen eine geringe Leihgebühr Werke aus dieser mehrere Tausend Blätter umfassende Kunstsammlung mit nach Hause nehmen. In den oberen Stockwerken wohnten Mieter, die noch ihre Mietverträge mit dem alten Schmied abgeschlossen hatten. Sollten diese Wohnungen einmal frei werden, gab es Zukunftspläne, sie als Wohnungen für Autoren frei zu halten, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten, oder andere Gäste aus dem Ausland.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - DIE WIENER STÄDTISCHE VERSICHERUNG KAUFT ….

alte-schmiede-was-tunDer Verlag Jugend und Volk ging in Konkurs ( ein eigenes Kunststückl, ein Unternehmen, das hoch subventioniert und gefördert wurde, und außerdem sehr gut im Schulbuchgeschäft vertreten war, in die Pleite zu führen ? ). Das Haus wurde 1987 von der damals noch gemeindeeigenen “Wiener Städtischen Versicherung ” übernommen. Als Kaufpreis wurde eine Million Schilling kolportiert. Das nennt man ein wirklich gutes “Schnäppchen”! Auf Anfrage ob dieser Kaufpreis stimme, gab es von Seite der “Wiener Städtische” darauf keine Antwort.

Das Versicherungsunternehmen blieb in den folgenden Jahren dem Auftrag des Stifters treu: Die Räume wurden neu renoviert und adaptiert, im Hof ein zusätzlicher Veranstaltungsraum erbaut. In den Keller zog die “Zukunftswerkstatt” der SPÖ ein, was allerdings dem “Kunstverein” den ( unberechtigten ) Verdacht einbrachte, ebenfalls eine versteckte Vorfeldorganisation der Sozialdemokraten zu sein.

Und dann wurde die “Wiener Städtische Versicherung” privatisiert. Damit wurde alles anders. Aus der Sicherheit einer Versicherung als Eigentümer entstand - in diesem Zusammenhang muss der Werbespruch “Ihre Sorgen möchten wir haben !” wohl als Drohung verstanden werden ! - Unsicherheit, denn die neuen Eigentümer haben sich nach Gewinnzuwächsen zu richten aber nicht an kulturelle Aufträge. Außer sie taugen im Zuge einer “Umwegrentabilität” für Werbezwecke, doch damit erreicht man auf dem Gebiet der Literatur leider nur eine sogenannte “qualifizierte Minderheit”.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - …. UND VERKAUFT

alte-schmiede-was-tunDie Wohnungen in den oberen Geschossen wurden leer. Vor dem letzten Jahresende erhielt die “Zukunftswerkstatt” die Kündigung.

Somit war die Immobilie für die Eigentümer wertvoller geworden. Mit Einschränkungen: Zum einen die lästigen Mieter ( “Kunstverein” ) zu ebener Erd’, zum anderen mindern die Auflagen der Denkmalschutzbehörden den Wert eines Hauses. Fachleute schätzen den derzeitigen Verkehrswert des Hauses auf etwa 2 Millionen Euro ( eher weniger ). Die “Wiener Städtische” bot das Haus um 6 Million Euro zum Verkauf an, und verkaufte es im Juni dieses Jahres um 5,6 Million an den Baumeister Martin Vogl und den Kaufmann Stefan Schmerschneider ( “IMMOKRASS ” ) . Beide sind Eigentümer und / oder Geschäftsführer mehrerer Bau- bzw. Handelsunternehmen.

Wenn diese “tüchtigen” Geschäftsleute überteuert ein Objekt erstehen, dann sicher nicht aus Liebe zur Barockarchitektur oder als Literaturmäzene.
- Weshalb also ? - Darüber kann nur spekuliert werden. Die Situation erinnert an die Geschäfte rund um das von Autonomen betriebene “Ernst-Kirchweger-Haus” in Favoriten. Das Haus gehörte ursprünglich der KPÖ. Um aus der Finanzkrise der Partei zu kommen, boten die Kommunisten die Liegenschaft der Gemeinde Wien zum Kauf an. Die Gemeinde Wien hatte zunächst kein Interesse an einem Kauf. Das Haus wurde an eine Immobilienfirma um 600.000,- Euro verkauft. Wie sich später herausstellen sollte, gehörten die Leute dieser Firma früher zum Umfeld der verbotenen ANR ( “Aktion Neue Rechte ” ). Einige Zeit später verkaufte diese Immobilienfirma das EKH an die Gemeinde Wien. Um 2,1 Millionen Euro.
Somit “diente” die Wiener Anarcho-Szene ungewollt als “Verhandlungsmasse”, um rechtslastigen Geschäftemachern zu optimalen Gewinnen zu verhelfen.

  1. Aber die neuen Eigentümer der Schönlaterngasse gehören weder der rechten Szene an, noch sind sie “Feinde der Literatur”.
    Wie würde nun ein “normaler”, nur auf satte Gewinne trachtender Immobilienhändler wahrscheinlich vorgehen ? - Dr. [ Stefan ]Schmerschneider empfahl in einer Kolumne im “Wirtschaftsblatt” am Beispiel des steirischen Immobilienhandels, dass man, um Gewinne machen zu können, den langen Atem benötige - bis 15 Jahre.
    Ein normaler Spekulant würde nun einfach das Haus der Gewalt der Natur, also das Haus verfallen lassen, keine Reparaturen mehr durchführen usw. bis das Gebäude für die letzten Mieter unwohnlich geworden ist. Dagegen wäre auch das Bundesdenkmalamt machtlos.
  2. Als die an Gegenwartsliteratur interessierte Öffentlichkeit vom Verkauf des Hauses erfahren hatte, erfolgte spontan eine Unterschriftenaktion für die Erhaltung der “Alten Schmiede“, die innerhalb von wenigen Tagen mehr als 1.000 Persönlichkeiten unterzeichnet wurde. Nun könnte sich Kulturstadtrat Mailath-Pokorny als Freund der Literatur präsentieren und veranlassen, dass das Haus von der Gemeinde Wien zurückgekauft wird, um es endlich dem ursprünglichen Zweck zu widmen.

Selbstverständlich möchte dann der bisherige Eigentümer eine gewisse Unkostenentschädigung für seine Risikobereitschaft haben…
Fast zur gleichen Zeit verkaufte “Wiener Wohnen ” übrigens die Hausanlage Schottenring 28 um kolportierte 20 Millionen Euro an die “Wiener Städtischen Versicherung“. Auch die Frage, ob diese Summe stimmt, blieb von der PR-Stelle der Versicherung unbeantwortet.
In diesem Gebäude waren bisher außer Dutzenden Mietern, einem Kindergarten auch der “Österreichische Jugendherbergeverband ” oder die jüdische Hilfsorganisation “SOCIETY OF THE FRIENDS OF ELTERNHEIM AND PEOPLE IN NEED ” untergebracht.

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LEHRSTÜCK ZUR LOGIK DES KAPITALISMUS - EINE FRAGE DER BUDGETS ?

alte-schmiede-was-tunEs stellt sich die Frage: Wäre es bei diesem Deal nicht möglich gewesen beim Verkauf dieses Objektes ein wenig runterzugehen und im Gegenzug Schönlaterngasse 9 zurück zu bekommen ?
Wie auch immer die Sache weitergehen mag, fragt sich: Aus welchen Budgetmitteln ?

Die Stadt Wien, die sich immerzu mit dem 1905 im bulgarischen Rustuk geborenen und 1938 aus Wien vertriebenen Literaturpreisträger Elias Canetti und der in Mürzzuschlag geborenen Literaturpreisträgerin Elfriede Jelinek brüstet, gab laut Kunstbericht im Jahr 2006 für Literatur 920.457,88 Euro aus, was 0,7% des Kulturbudgets entsprach. Während im Bereich Literatur stets eingespart wird, werden Subventionen im sogenannten “Event”-Bereich laufend ( die Tourismuswirtschaft als fordernde Lobby im Hintergrund ) erhöht: Für Musik, Theater, Großveranstaltungen 117,313.283,60 Euro oder 86,1 % des Kulturbudgets im Jahr 2006. Aber diese Missverhältnisse sind wenigstens öffentlich kontrollierbar.

Bei einem Privatunternehmen wie der “Wiener Städtischen” muss man sich mit netten Werbesprüchen zufriedengeben. Aus einem Mail :

Die ‘Wiener Städtische ‘ ist bereits seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Förderin von Kultur und Kunst. Dies ist integraler Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie und -kultur. Dabei stellen wir den Gedanken an den Nutzen für eine möglichst breite Allgemeinheit in den Mittelpunkt unserer kulturellen Aktivitäten.

Selten so gelacht.

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Kunst , Kultur , Diskurs , Sprache , Klang und Film als niedrigschwellig ereichbare offene Quelle : Was die Open Source im Netz , leisten czz-hoerempfehlungInstitutionen wie “Musikwerkstatt ” und “Literarisches Quartierim ( Wiener ) “Echtleben” ( welches unter Netiziens auch als “Real Life” figuriert ) . Das mannigfaltig subventionierte Ubuweb hat hinsichtlich Musik- , Literatur- und Mediengeschichte ein mittlerweile stupendes Archiv etabliert , wo es auch Dinge zu hören gibt , welche man sonst eher von kommerziellen Datenträgerobjekten bezieht . So kennt man Laurie Andersons Titel “Born , never asked” grundsätzlich von der 1982 herausgekommenen Release “Big Science” . Bei Ubu gibt es diesen und andere ( eher frühere ) Tracks als Gratis MP3 - in diesem Fall als Teil des von John Giorno initiierten “Dial-A-Poem Poets“- Projekts ( LP “You’re the Guy I Want To Share My Money With” , 1981 ) . HÖREN SIE : “Born, never asked” ( MP3 ) in der Fassung von 1981 - und in einer Amateur- Video- Inszenierung @ YouTube , dessen bester visueller Teil wohl im Screentyping der Lyrics besteht . |||

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Dokumentation | Alte Schmiede : Wiener Literaturförderungstrauerspiele ( Gerhard Ruiss )



Alte Schmiede wohin ?

Fortsetzung unserer seit der ersten Meldung über den möglichen Verkauf des Hauses Schönlaterngasse 9 ( Alte Schmiede ) vor zwei Monaten unternommenen DOKUMENTATION . - Artikellinks verschwinden , Berichte sinken ab ins kostenpflichtige Archiv : in|ad|ae|qu|at hält Meldungen , Meinungen , Äusserungen , Protestnoten und Politikerrepliken in chronologischer Folge fest .

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WIENER LITERATURFÖRDERUNGSTRAUERSPIELE
( Gerhard Ruiss , die seiten des Vereins für kulturelle Imformation , Nr. 2 | Sommer 2008 , Kommentar , S. 3 )

KOMMERZIALISIERUNG KOMMUNALER KULTUREN

alte-schmiede-was-tunSelbst vor öffentlichen Toiletten hat die Kommerzialisierung kommunaler und staatlicher Einrichtungen in den letzten Jahren nicht haltgemacht. Während auf Bundesebene Unternehmen verkauft wurden, Liegenschaften oder sogar Straßen, hat die Wiener Stadtverwaltung die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit öffentlicher Toiletten vorgenommen und deren Stillegung bzw. bessere Auslastung oder eines der sonst üblichen Ergebnisse solcher Untersuchungen überlegt. Wie die Pläne umgesetzt wurden, kann an Ort und Stelle überprüft werden, falls eine jeweils stillgelegte Toilettenanlage noch besteht bzw. nur noch gegen ein entsprechendes Eintrittsgeld betreten werden kann.

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WIENER MISCHUNG HOLDING

Dessen ungeachtet verfügt Wien nach wie vor über den größten österreichischen Haus- und Wohnungsbesitz und gehen Wien zahlreiche Unternehmen zur Hand, die es schwer machen, die kommunalen Interessen von privaten zu unterscheiden. Ein besonders Appetit machender Küchengruß der Wiener Spezialvermischung zwischen Stadt und privat ist vor kurzem aufgetischt worden.

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VERKAUF DAS PALAIS HANSEN AN DIE WIENER STÄDTISCHE

alte-schmiede-was-tunIn großer Eile hat die Wiener Städtische Versicherung, deren nunmehriger Generaldirektor mehr als ein Jahrzehnt Präsident des Wiener Kunstvereins und der Alten Schmiede war, die 1987 vom Wiener kommunalen Verlag Jugend und Volk um rund 100.000 Euro erworbene Liegenschaft Schönlaterngasse 9 mit dem dort untergebrachten Wiener Kunstverein und der Alten Schmiede, weil das Haus auf Grund seiner zu geringen Größe nicht in das Profil der Hauseigentümerschaften der Wiener Städtischen Versicherung passe, an einen neuen privaten Eigentümer verkauft. Dieser Verkauf war keine “drei Tage” alt, da hat die Stadt Wien ihre “für einen Gemeindebau atypische Liegenschaft” neben dem Ringturm am Schottenring an die Wiener Städtische Versicherung verkauft.

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DIE WIENER STÄDTISCHE STÖSST SCHÖNLATERNGASSE AB

Beides hat nichts miteinander zu tun, hätte aber etwas miteinander zu tun haben können. Noch Anfang Mai hat der Generalsekretär des Kunstvereins Wien den Wiener Finanzstadtrat darauf hingewiesen, daß das Haus Schönlaterngasse 9 von der Stadt Wien zu einem Kaufpreis von 4,5 bis 6 Mio Euro erworben werden könnte. Leider vergeblich. Ein solcher Kauf sei der Stadt Wien nicht möglich, lautete die damalige Antwort. Nun hat aber die Stadt Wien wenige Wochen darauf ihre Schottenring-Liegenschaft um mehr als 20 Millionen Euro an die Wiener Städtische Versicherung verkauft, also um das rund Vierfache des ihr nicht möglich gewesenen Ankaufs.

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KOMMUNALE KULTUR , ADÉ ?

alte-schmiede-was-tunDie Alte Schmiede und der Kunstverein Wien hingegen sind auf den guten Willen des neuen Eigentümers und auf die Finanzierung des Hausumbaues durch die Stadt Wien angewiesen. Auf diese Weise ist aus einem noch Mitte der 80er Jahre kommunalen Objekt allmählich ein kommunal und privatwirtschaftlich genutztes Objekt geworden und wird aus ihm in absehbarer Zeit vielleicht sogar ein ehemaliges kommunales Projekt geworden sein. Die unter viel Hohn aus dem Haus Schönlaterngasse abgesielte und aufgelöste “Zukunftswerkstätte” der SPÖ ist dieser Entwicklung bereits ebenso vorausgegangen wie die Artothek und diverse im Haus angesiedelt gewesene andere Kulturadressen.

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ALTE SCHMIEDE ALS “VORZEIGE- INSTITUTION”

Möglicherweise hätte dieser Verkauf weniger Staub aufgewirbelt, ginge es bei der Alten Schmiede und dem Kunstverein Wien nicht um von der Stadt Wien selbst ins Leben gerufene literarische bzw. kulturelle Vorzeigeinstitutionen. Und wäre es nicht um einen Hauseigentümer gegangen, der keine Gelegenheit ausläßt, um auf sich als Kultursponsor hinzuweisen. Und ginge es nicht um eine Stadt, deren Repräsentanten keine Gelegenheit verpassen, ihr den Ruf einer Kulturmetropole oder “Literaturweltstadt” (Andreas Mailath-Pokorny) umzuhängen. Diese Literaturweltstadt hat nur zwei, drei, vier Probleme, die der Glaubwürdigkeit einer solchen Bezeichnung im Weg stehen.

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FAKTEN , ZAHLEN

alte-schmiede-was-tunWie u.a. daß der Kultursprecher der seit Ewigkeiten regierenden Stadtpartei Angestellter der Wiener Städtischen Versicherung ist und man nur hoffen kann, daß seine weisungsgebundene Mitarbeit bei der Wiener Städtischen und sein weisungsfreies Mandat als Volksvertreter nie miteinander in Kollision kommen. Oder daß ihr Literaturförderungsbudget innerhalb der Kunstförderungen gerade einmal 0,7 Prozent beträgt bzw. 10 Prozent dessen, was die Stadt Wien zur Förderung von Bildender Kunst oder für die Filmförderung ausgibt. Oder daß sie im Bereich der neuen Medienförderungen den Subventionsvergabeautomaten zur Regelung der Verteilungsfrage eingeführt hat. Oder daß der Bürgermeister der Stadt Wien und eigentlich jedes andere Ressort der Stadt Wien bestimmender in das Kulturförderungsgeschehen eingreifen kann als es dem für Kultur und Wissenschaft zuständigen Stadtrat möglich ist.

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PARTEI- FESTE STATT KULTRURFÖRDERUNGSGESETZ

Ergänzend kommt dazu, daß Wien als einziges österreichisches Bundesland über kein Kulturförderungsgesetz verfügt und daß die Parteifestspiele der beiden größten Stadtparteien, das Wiener Stadtfest der ÖVP und das Donauinselfest der SPÖ eine Bilderbuchkarriere der Finanzierungsmöglichkeiten von neuen Kulturinitiativen hingelegt haben. Insoferne ist es auch alles andere als verwunderlich, wenn der Wiener Kulturstadtrat in einem Schreiben der Aktion zur Rettung der Alten Schmiede mit der auf keinen Fall uneinlösbaren Prognose beisteht: “Ich sehe daher weder die Existenz der Alten Schmiede, noch die Zukunft gefährdet.”

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