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Audio aktuell : Auf- und Ausbruchsversuche



||| UTOPIEN - ( K ) EINE PRIVATSACHE ? | ERINNERUNG - ALTER - VERSCHWINDEN | TALKING ‘BOUT MY GENERATION : BEATS IM MIX | LINKS | RELARED | KLANGAPPARAT

icon listening whiteEin paar Nachträge zur akustisch publizierten Frühjahrsernte , bevor Ho ( r ) ch- Sommer , Vers- druss und ( - Drusch ) sowie die heranreifenden Herbst- Spezialitäten das eben noch Frische in die Regale des ver- Gessenen jagen .

Obwohl wir uns in|ad|ae|qu|at weiter weigern wollen würden , auf das minder beleumundete Wort des “Hörbuchs” zurückzugreifen , kommen wir gegen die Masse einer so genannten “Warengruppe” nicht an .

Die ausschliesslich auf CD veröffentlichte Live- Erzählung des Peter Kurzeck leistet dabei für das Gemeinverständnis genuin auditiver Literatur womöglich mehr als zehn Jahre aufwendig vorbereiteter , produzierter und auch vor Live- Publikum vorgeführter “Literatur als Radiokunst” . Tant mieux .

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UTOPIEN - ( K ) EINE PRIVATSACHE ?

icon listening blackVom Schreiten der Utopien gescheiterten handeln - je auf seine Weise und jeder von einem anderen Perspekivpunkt auf der Skala zwischen dem Intimen und dem Gesellschaftlichen aus - Lars Gustafssons früher Roman “Wollsachen” ( in einem feinen Hörspiel des SWR | edition parlando ) sowie Urs Widmers duale Verabschiedungen der Eltern : Da der stimmlich versatile Autor selbst spricht , kommen alle Nuancen der diversen Befremdlichkeiten im scheinbar leichten schweizer Singsang ambivalent zu Geltung .

Allerdings sei - wer etwa Widmer Shakespeare - Nacherzählungen nicht kennt - hinsichtlich akustisch atemberaubender Energieschübe bereits an dieser Stelle zart vorgewarnt ( Diogenes ) .

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ERINNERUNG - ALTER - VERSCHWINDEN

icon listening whiteDass Ruth Klügers epochale Erzählung über in Kindheit verschiedenen KZs weit über diese Opfergeschichte hinausreicht , sondern zudem von einer höchst problematischen Muter- Tochter- Beziehung handelt , wird manchem , auf “Themem” fokussierten Leser leicht entgangen sein . Grund genug , das Buch und eine während der achtziger Jahre eingespielten und im Medium der Tonkassette weit hinter Zeit und usability zurückgefallene Lesung jetzt endlich auf einer MP3- CD zugänglich zu machen ( Wallstein ) .

Von ähnlichem Trotz gegen den unabwendbaren Gang der Verhältnisse ist die stets originelle Literaturwissenschafterin Silvia Bovenschen erfüllt : Mit ihrem Bestseller “Älter werden” erlaubt die exquisite Stilistin erstmals diskrete Blicke ins Private , ohne sich dabei preiszugeben . Auf ihre eindrucksvolle Stimme hat Bovenschen für den tückischen Erzählkranz “Verschwunden” aus nahe liegenden Gründen verzichtet , was der Wirkung der sich narrativ immer enger zuziehenden Schlinge allerdings nicht den geringsten Abbruch tut ( tacheles | roof music ) .

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TALKING ‘BOUT MY GENERATION : BEATS IM MIX

icon listening blackDie verdienstvolle Co- Edition von Prit und CD bleibt indes nicht dem Wallstein- Verlag mit der Re- Edition von “weiter leben” vorbehalten . Der Junge Verlag Voland & Quist hat sich Publikationsform ( ähnlich wie onomato ) geradezu zum Prinzip erhoben : Wir haben uns diesmal den rasanten kroatischen Erzähler Edo Popovic ausgesucht - kongenial übertragen von Alida Bremer - sowie die Lyrikerin Lydia Daher , welche hoch professionell sowohl das Print- als auch das akustische Medium bespielt .

Aus Herbert Kapfers Werks und Forschungsstätte “Literatur und Medienkunst” gehen gleich zwei BR- Produktionen des Schriftstellers , Popkultur- Theoretikers und Musikers ( FSK ) Thomas Meinecke hervor , beide male unter beat- mächtiger Unterstützung des Producers , DJs und Musikers David Moufang ( ala Move D ) . Von der basalen Arbeit am Laut ( ““übersetzungen | translations” ) bis hin zu einer narrativ- diskursiven Reflexion über das ( Gender- ) Wesen der w | m “flugbegleiter ” : Linguistik als tanzbares Mantra ( BR | intermedium ) .

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POST STRCITRUM , 7. 7. 23:53

Alle Jahre wider tagt in München das sog AUDItorium , eine von der Akademie des Deutschen Buchandels , des AK Hörbuchverlage sowie einem potenten Sponsor ausgerichtete Tagung im Münchner Literaturhaus . Im Unterschied zum vorigen Jahr , wo die Ankündigung de Generalthemas noch weit blumiger formuliert war und das proklamierte ““Comeback des Hörens” bzw. dessen “Renaissance” den Konferenzfokus auf den Themenbereich zu “Neuen Marketing- und Vertriebskonzepten für Hörmedien” schob , gibt sich das 4. AUDItorium inzwischen deutlich pragmatischer : “Qualität um jeden Preis ? - Produkt- und Pricingstrategien für den Hörmedienmarkt der Zukunft” lässt diesmal weniger heisse Marketing- Luft vom Stapel , sondern befasst sich “down to earth” mit den Kriterien und Handabungen handwerklicher Qualität .

Kein Wunder , kann doch nur ein Bruchteil der täglichen “Hörbuch”- Ware dem alten Kriterium der ( radiophonen ) “Sendefähigkeit” genügen und ist die Wachstumsrate der “Warengruppe Hörbuch” im Jahr 2007 mit nur 2,6 Prozent erstmals deutlich aus bisher zweistelligen Höhen ( 2006 : 17,4 Prozent , 2005 : 14,1 Prozent ) auf einen kargen Wert abgesunken .

Dafür hat man den im vorigen Jahr unübersehbaren Privatsponsor ( Sat- Sender und Discount- Hörbuch- Vermarkter Radioropa ) der nach wie vor kostenprfkchtigen Veranstaltung diesjahrs ( à 690.-) so keusch vesteckt , dass sich DIE ZEIT als Geldgeber erst über drite Quellen ermitteln lässt .

Ob hier ein Zusammengang mit dem von Florian Illies vor Die ZEIT konzipierten vierjährlichen glossy Literaturmagazin besteht, angetreten , um dem LITERATUREN sas Wasser abzugraben , bleibe vorerst dahingestellt .

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LINKS

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RELATED

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KLANGAPPARAT

Dass jeder Moment augenblicklich seine Vergangenheit generiert , manifestiert sich in den unmittelbaren reverses , welche der Ire Jimmy czz-hoerempfehlung Behan ( MySpace | Discogs ) seinen musikalischen Motiven einmontiert : Ihrerseits lautliche Manifestation , werden auch Rück- Spiegelmelodien , Echos und fades wiederum von der Furien des Verrschwindens erfasst und so versickern die a priori minimal gesetzten Ton- Konstellationen allmählich ins Jenseits des Hörbaren : Die beim Netlabel Zymogen erschienene EP “The Sudden Distance” gibt eine konsequent ins Werk gesetzte Studie des Erinnerns , die - obzwar minimalistisch angelegt - gleichwohl mit maximal klanglicher Grazie bezaubert . CLICK TRACKS TO LISTEN : 01. Box of Broken Things | 02. Embers | 03. Cathedral | 04. Downpour | 05. From a Height |||

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Burma | Bilanzen



||| Zehn Tage sind es nun , dass in|ad|ae|qu|at sich mit dem “Thema” BURMA beschäftigt . Zehn Tage der Versuch , auf die Rückseite der medial angelieferten Bilder zu blicken . Zehn Tage exzessives Sammeln der wichtigsten MSM- Features . Zehn Tage scratchen durch diverseste Blogs . Dabei feine Foren ( etwa die Wissenswerkstatt ) und gute Recherche ( Spiegelfechter ) entdeckt . Zehn Tage letztlich , in welcher die Idee einer BLOG- Aktion aufkam , mannigfaltig aufgegriffen wurde und auf Tausenden Blogs international aufschien .

question mark red gnu free docu licenseEs ist hier nicht der Ort , das Spektrum der diversen Approaches sowie der kritischen bis höhnischen Stimmen zu einer solchen Blog- Aktion aufzufalten . Die Frage nach dem WARUM und WIE wurde in sämtlichen unserer Beiträge behandelt . Die Diskussionen auf Robert Basics Resumée von Zwischenstand / Stimmen gewähren einen repräsentativen Schnappschuss der divergierenden Positionen , von “Mich interessiert’s nicht , ich blogge nicht” über den hier bereits mehrfach genannten Katastrophen- Relativismus ( “Warum Burma und nicht Darfur ?” ) bis hin zur Feier einer wie auch immer gearteten “Solidarität” . Die Wissenswerkstatt hat in Ruhe und umfassend die Argumente der Skeptiker zusammengetragen . Und mit Bertolt Brechts “Wirklich , ich lebe in finsteren Zeiten !” ( AN DIE NACHGEBORENEN ) ein gutes Punctum auf den Gedanken des Engagements gesetzt . Und setzt fort mit einem Fragebogen , adressiert an diejenigen der über 12.000 Personen , welche sich in der Supporter - Liste auf der Projekt- wiki- Seite eingetragen haben ( Statistiken folgen angeblich am Sonntag ) .

So ist und wurde die Aktion FREE BURMA parallel zur - gleichwie mehr oder weniger illusorischen - politischen Agenda ein an vielen einzelnen Punkten , in vielen Communities und auf vielen Kommentar- Rollen vollzogenes Nachdenken über den Charakter und die Möglichkeiten des Mediums “Blog” . Benedikt Köhlers Aufsehen- erregende Visualisierung von Mobilisierungsmustern in der Blogosphäre dokumentiert anhand der FREE BURMA- Aktion “unser” Funktionieren als Empfänger und Weiterverteiler von Nachrichten . QUANTITATIV . Die für das Barcamp MUC vorbereitete Bild- für Bild- Analyse dokumentiert allerdings auch die - für Deutschland wohl spezifischen - WEAK LINKS zum anderssprachigen Ausland .

question mark red gnu free docu licenseInwieweit die Nachrichten mit dem Grad ihrer Weiter- Verteilung etwa QUALITATIV reflektiert werden , vermag eine solche Dokumentation freilich nicht darzustellen . Dazu müssten wir uns die einzelnen Blogs , postings , Kommentare schon einzeln und händisch vornehmen , dabei freilich die Zeitachse beachten . Allenfalls wäre bei der Blog- Post- Kollekte bei rivva ein untersuchbares Sample gegeben . Ein Sample allerdings , welches - orientiert an den “A- Bloggern [ 100+ unique hits ] - leider die Weisheit des LONG TAIL nicht berücksichtigt . [ Oh no , boy , wir sprechen hier NICHT von SCHWARMINTELLIGENZ , ganz sicher nicht . ]

Die Beobachtung war viel eher diejenige , dass es erkennbare und nennbare SCHNELL- SCHWÄRME gibt , jawohl , allerdings diese eher dazu neigen , per COPY & PASTE das BURMA- DING ‘runter zu nudeln . Viel faszinierender war indes , anhand eines gemeinsamen Themas genuine und originelle Denkorte aufzufinden .

Die Überlegungen zur ( Selbst- ) ORGANISATION informeller Netzwerke fokussieren bei Robert Basic ( Burma Action: Zwischenfazit II ) . War es ein Fehler , Aktion und Reflexion über die Aktion über die Bühne eines persönlichen Blogs gehen zu lassen und hätte man nicht vielmehr - bereits vor der Einrichtung eines wiki - eine extra Plattform gründen müssen ? -

question mark red gnu free docu licenseWas Manchem als eine pur akademische bzw. FORMALE FRAGE anmuten mag , ist dem vermeintlich “ETHISCHEN” gar nicht so ferne , wie es auf den ersten Blick erscheint . Im schlimmeren Fall vereinnahmt eine Person mit ihrem Namen eine solche Agenda , nützt diese zur Steigerung des Traffic und geriert sich als Nadelöhr , durch welches wir thematisch nachfolgenden Kamele traben . Ein Glück , dass Basic , dessen Rang innerhalb der Deutschen Blogwelt nicht weiter hinauf fallen kann , diese seine “Autorität” und Rolle nach bestem Vermögen genutzt hat . Seine fortgesetzte Reflexion zu Verantwortung , Glaubwürdigkeit und Mobilisierung gibt davon Zeugnis .

Nicht zuletzt - und jetzt wühlen wir in der EIGENEN KISTE - gab und gibt die Aktion etliche Gelegenheit , UNSER TUN auf / in diesem Medium BLOG zu reflektieren . Wie wir uns überhaupt VERHALTEN können . Wie verhalten können und in Bezug WORAUF ? - Interessiert es IRGEND JEMANDEN , was wir in|ad|ae|qu|at von der konkreten politischen Lage in Burma halten ? - NEIN . - Ist es uns zumindest gelungen , einige p. t. Leser ( f / m ) für das “Thema” BURMA empfänglich zu machen bzw. zu interessieren ? - Nämlich eventuell einige p. t. Leser ( f / m ) AUSSERHALB der unmittelbaren BLOGWELT ? - Das können wir freilich NICHT wissen . - Wir haben versucht, unsere Fragen eines lesenden Arbeiters zu formulieren . Wir haben Linklisten zusammen gestellt . Wer wollte , mochte diesen Fährten folgen .

question mark red gnu free docu licenseLetztlich gab es - und dauern diese fort - etliche Debatten hinter den Kulissen . Welches das adäquate Vorgehen wäre . Wie etwa DENEN zu begegnen wäre , welche die Blog- Aktion als TRITTBRETTFAHRER für fragwürdige Agenden nützen . Und was davon zu halten ist , wenn - wie in Wien - die SUN MYUNG MOON- Leute es unternehmen , per Burma- Info ( Buffet inclusive ) die Stimmung zur Promotion ihrer UPF zu nutzen . Und was der Österreichische Gewerkschaftsbund mit einer BURMA- Kundgebung zu tun haben soll , wissen wir seit dem BAWAG- Skandal umso weniger .

Aber , so ist es eben , das Leben im Konkreten : Es gibt kein Handeln , das ohne Widersprüche wäre . Uns bleibt als Aufgabe die permante Güterabwägung . Ob somit ein glaubwürdiger Content entsteht , wissen nur unsere p. t. Leser ( f / m ) . Wir können es nur versuchen . Von daher hatte der Zeichner des 4. Oktober- Banners recht , wenn er den eurozentrisch aufgefassten Globus als Icon setzte : Arbeiten können wir , for better or worse , nun einmal NUR HIER . Das “WHAT ELSE … ” entnehmen Sie bitte der unten stehenden NGO- Liste .

Dass MSM wie etwa die FAZ die Aktion - ähnlich wie die Berliner Demonstration - ignoriert ( Ausnahme diesmal , die SZ ) , sei nur am Rande notiert . ||| [ pic : GNU Free Documentation License ]

Musikalisch heute ein Raum der Zeit , Störungen im ruhigen Schwingen von Atmosphären - was wäre auch Anderes zu denken , wenn das czz hörempfehlungNetlabel ZYMOGEN mit einer neuen Release ( # 016 ) herausrückt ?! - NA ALSO ! Falsche New- Age- Missversteher jetzt mal weghören . Wenn nämlich die Klangsucherin MARIHIKO HARA zu Werke geht , seine analogen Klaviertöne mit Spannungsknarzen , elektronischem Fiepsen , diversen bleeps und bits ins Unerhörte zu katapultieren , könnten etliche Schweb- Schwellen den Drive- By- Mystiker auf Falsche Fährten führen . Geist an , in und mit der Maschine , gehörige Störmanöver im Klang von NATUR , perfide psychoakustische Protuberanzen . Halt’ ein und nimm’ diese CESURA als das , was sie ist : Time to listen and to observe yourself listening . CLICK TRACKS TO LISTEN CLOSELY ( Volume up ! ) : 01. ripple | 02. composition | 03. Glasperlenspiel | 04. throb | 05. consonance | 06. Traumfolge | 07. cesura | - Wer sagte mir neulich , in Japan könne SCHÖNHEIT als solche nur KRAFT MINIMALER STÖRUNGEN von Ordnung entstehen … und die Anmassung der Perfektion sei unangemessen göttlich ? - NA ALSO ! |||

Bloglinks

Free Burma

Media

Supporting NGOs ( Wki )

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strange maps



Amerika, du hast es besser , Oder : Wie Strange maps den Amerikanern weltwirtschaftliche Verhältnisse in die Kartographie des Eigenen übeträgt . Ganz dem jeweiligen BIP bzw. GDP gemäss .

MAP USA WORLD BIP

Während Deutschland buchstäblich unvergleichlich bleibt , tritt Österreich in der Rolle Virginas auf den Plan , Frankreich passt gerade noch nach Californien , während sich ganz Brasilien in New York kondensiert . Tschechien schöpft dieselben Werte wie Nebraska , Ungarn läuft in der ökonomischen Liga New Mexikos . 291 Kommtare in zwölf Tagen - dafür punktet die an anderen GPD- Daten orientierten Schwesterkarte c / o The Big Picture mit prominenter Presse .

Strange music , verblasene Akkorde flattern um perkussive Beeps , czz hörempfehlungtypisch zymogen ! Takeshi Nakamura - Miscellaneous Goods punktet mit irrealen Klang- Insekten , krabbelnde , kribbelige clix ant cuz . Hier die Botanisiertrommel : 01. Collapse , 02. Degeneration , 03. Midwinter , Midnight , 04. Object , 05. Maggot , 06. Reality Distortion Field .

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Arbeit am Alibi : Jelineks Privatroman NEID



 

Verfasst für JeliNetz , Online- Forum @ Elfriede Jelinek Forschungszentrum Wien

 

Sämtliche hier wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden .

Die Autorin stellt einen Text ins Netz und wirft ein Netz darüber : Das ist ein PRIVATROMAN . Blickt durch die Maschen am WWW- Draht und deklariert : Hier beginnt der Zoo der Wörter , Sätze und Gestalten : NO TRESPASSING . Nicht füttern und nicht berühren ! Noli me tangere , denn die Genannten sind sämtlich Fleisch von meinem Fleisch , Geist von meinem Geist . Blümlein Rührmichnichtan , Touch-me-not , Mimosa pudica .

head devouring pac man fragezeichen UNTERM STURZ

Das Recht , ihr Wesen auf- und abzuspalten und deren Splitter in Figuren , Formen zu fügen , behält sich die Creatrix vor : Da soll und da kann ihr diesmal keiner was weg- und rausschneiden . Wie es Mutter Natur seit je widerfährt . Und den vielen, von den Moosbruggers aller Couleur aufgeschlitzten Jelinek- Frauen .

Elfriede Jelineks Textlaufwerk NEID sitzt als PRIVATROMAN im Netz : von A bis Z abgesperrt durch den Stacheldrahtverhau eines absoluten Zitierverbotes . Das zeugt vom Willen , die Werk werdende Privat- Obsession und hermetische Individualmythologie auch materiell gegen das Draussen zu versiegeln : “hermetisch abdichten” , ein Begriff aus der Alchemie , auf Neudeutsch “wasserdicht machen” . - Imperméable . Ein Alibi .

Pikierte Berichte erweisen , DASS und WIE auch das wasserdichte Alibi forensisch verhandelbar wird . Auf dem Forum der Öffentlichkeit und vor ihren Tribunalen . Nun sind es die Literaturgerichtsbarkeit der Kritik sowie die philologischen Verwertungs- und Ausschlachtungsdisziplinen , deren Hieb- , Stich- und Schneid- Instrumente an den von der Autorin ex cathedra versiegelten Geschichten abgleiten : “Ob sie ” , droht Burkhard Müller in der SZ , “den Unlustfaktor bei der Lektüre tatsächlich so leichterhand erhöhen möchte , wie sie es hier tut , das sollte sich vielleicht gerade Elfriede Jelinek genau überlegen .”

head devouring pac man fragezeichen WORT OHNE ORT

Seht her , wie er dasteht , der Text , vor aller Augen , mitten im Netz : “öffentlichste” aller “Öffentlichkeiten” , zugleich labyrinthisches Verwirrkabinett des Virtuellen . IRGENDWO gibt es einen Text , vielleicht DIESEN Text , an DIESER Webadresse , auf JENEM Server . Existiert diese “Roman”- Fläche , welche sich vorderhand nur als Stückwerk gibt , indes wirklich ? - Also gegenständlich wie seine gedruckten “faux amis” - die in Lettern gesetzten , dem Papier aufgestanzten , gepressten , beschnittenen , gebundenen und unfrei versandten Bücher ? - Ist das , was da im Netz steht - eventuell sich peu à peu dem “Peeping Reader” weiter preisgeben wird - tatsächlich das Ab- und Eben-Bild eines real existierenden Werkes ? - So wären wir’s jedenfalls gewöhnt , beanspruchen wir Gewohnheitsrechte .

Oder ist nicht vielmehr sogar das fiktionale Werk selbst eine Fiktion , aufgezogen auf die Kulisse einer Webseite ? - Das Netz als platonische Höhle : Auf unseren vielen kleinen Flimmerschirmen sehen wir Licht- und Schattenspiele . Die Brechung eines noch nicht umbrochenen “Romans”. Offenes Buch mit sieben Siegeln . Eher ein “Scroller” denn ein “Page-turner”.

head devouring pac man fragezeichen ZEITUNGSKREISE

Geil wollen wir hingreifen , “copy und paste” , im hermeneutischen Wettlauf losstarten : Wer weiss zuerst , wer berichtet zuerst , wer hat das bessere Interview , die vifere ( Be-) Deutung . Das Rattenrennen des Literaturbetriebs muss sich selbst als im Hamsterrad rasend betrachten . Textferner Leerlauf . Wer hat noch nicht , wer will noch mal , die Geschichte geht im Kreise : DER STANDARD ( 7. 4. ) , Wiener Zeitung ( 12. 4. ) , FR ( 14. 4. ) , börsenblatt ( 16. 4. ) , turi-2.blog.de ( 16. 4. ) , FAZ-Artikel + Interview ( 17. 4. ) , SZ ( 17. 4. ) , Welt-Online ( 17. 4. ) , taz ( 21. 4. ) …

GONG ! - und ausgezählt für die erste Runde , welche das fremdartige Genreding mit teils spitzen , teils leicht angewiderten Fingern fasste . Auch Kränkung ist im Spiel : NEID ist somit nicht nur Thema , sondern auch Effekt eines FORT| DA- Manövers , für welches die Autorin im Medium des Virtuellen ein virtuoses Vehikel entwickelt . Der Link zwischen PRIVATEN Lastern und ÖFFENTLICHEN Vorteilen ist seit Bernard Mandevilles THE FABLE OF THE BEES : OR , PRIVATE VICES PUBLIC BENEFITS stichhaltig :

“Nicht minder dient der Neid sowie
Die Eitelkeit der Industrie .”

head devouring pac man fragezeichen TAST- UND TAPP- EMBARGO

Dies klemmt just dem Journalismus seit jeher hinter dem Spiegel . Nicht nur dem Wochenblatt , welches maliziös-männlicher Hysterie vier volle Seiten M & Ms gewährte . Neid auf die Autorin , die ihre Wörter in einem zwiefachen Exhibitionismus “privat” und “für sich” behält . Ein Exhibitionismus zur Potenz : Ich zeige , dass ich zeige , und damit zeig ich’s euch . Den Text ausstellen , als wär’s ein Bild , ein Gemälde : Das ja auch nicht jedermanns “sticky fingers” auf- und ausgreifen dürfen . Von dem sich nicht jedefrau ein Stückerl abschneiden dar f. Kein - frei nach Valie Export - ” Tapp- und Tast -Text” eben .

Auf- und ausgestellt hinter Glas . Flachware in Vitrine . Cam-Cording eines DORT . Ort des Textes , der Autorin “Hortus Conclusus” . Wo wir - bei aller Illusion von Nähe eben NICHT sind . NIE sein werden . Wir haben die Sache eben nicht - wie die Filmsprache sagt - “im Kasten”. Der Aus- Druck , welchen wir selbst erledigen , mag Abbild sein , Anschein , wird aber Falschgeld bleiben . Lost Screenshot . Was von Seiten der Autorin nie für “gut zum Druck” und “fit to print” befunden , bietet uns weder Kopf noch Zahl von irgend barer Münze . Kein Hartgeld im Business der Kommentare . Allenfalls ein Options- und Spekulationsgeschäft : Ein “Work in Progress” als Schweinehälfte . Handel mit Derivaten . Wie dies Brouillon hier eines ist : Effekt der Projektionen eines TFT-Displays .

head devouring pac man fragezeichen MONSTRANZ

Der “Privatroman” erscheint im Bullauge unseres Monitors und - Jelinek selbst gibt das Bild - wird dort eingesargt und ausgestellt wie in einer Monstranz . Die BeWerkstelligung in der Stille der Heimstatt wird der “Societé du Spectacle” - so Jelinek gegenüber der FAZ - “entgegengehalten wie etwas Magisches , wie - für die Katholiken - eine Monstranz den Gläubigen “. Wer dächte in diesem katholisch-barocken Kontext nicht an Joseph Mosers makabere Kolomanimonstranz ( 1752 ) zu Melk : Der untere Teil der Hostienkapsel besteht aus der Reliquie - dem Unterkiefer ! - des Hl. Koloman, des Schutzheiligen der Gehängten , der Reisenden (wie Hermes) und des Viehs . - Schlingen hermetischer Verschlingungen : Ist es der Leser , welcher - dem alten Bild der RUMINATIO gemäss - den Text wiederkäut und verschlingt oder ist es umgekehrt : Verschlingt der DEEP THROAT des Monitors nicht allmählich den Leser ? - Mit TV- Verlaub gesagt : “Lesen !” |||

Sämtliche hier wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden .

 

Zur unheimlichen Heimat nicht nur der deutsch- österreichischen Wälder seien die souverän unterspielten Electronix von Jonathan Canupp a.k.a. czz hörempfehlungTEN AND TRACER empfohlen . Was sonst noch zum feinen Sprühregen auf BAKER’S BLOOD @ zymogen beiträgt ? - - - Passend zum angespielten Track WALDSTERBEN [ sic ] folgender Klangkrempel : “arranged twigs , sticks , field recordings , flutes , violins , roland jp-8000 , roland jx-10 , reaktor , max/msp , audition , fls6 , birds , strange tapes and rain .” - Man kriegt echt Lust , dem alten Geräusch- Band- Archiv des ORF nachzuweinen : Tausende Sekundenschnipsel mit field recordings , zum Teil zugeliefert von den sogenannten ( Hobby- ) KLANGJÄGERN . “Pistolenschuss , Wald” , “Pistolenschuss , Nacht” , “Pistolenschuss unscharf , Hall” . Alles schön alphabetisch . Und seitdem wir DAS hörten und sahen , sind auch wir permanent auf Klangpirsch . Wie tönt Pistole bei Mond ? |||