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Salon Littéraire | Gundi Feyrer : 8 Künstlerfiguren en miniature - eine Ausstellung



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Salon Littéraire | Gundi Feyrer :

8 Künstlerfiguren en miniature - eine Ausstellung

( Keramik , bemalt )

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1 - MARKUS VALLAZZA ALS BEISPIELSWEISE DON QUIJOTE MIT GRAVIERNADEL; AUF DEM WELTEI BALANCIEREND
Höhe: 23 cm

Gestreift steht die Figur, halb und halb gehalten, eingesunken und selber haltend, in der sichtbaren Hälfte des torkelnden Welteis.figur_MARKUS_VALLAZZA_copyright_Gundi_Feyrer

Die Platte des Horizonts,
Abfluss der grünen Flüsse
und unerreichbar,
geht mitten durch
das Weltei hindurch
und lässt dessen andere Hälfte
im Dunkeln.

Die Figur ist jedoch
im Ei eingesunken
und wird so auch von
dunklem, unsichtbarem
Getorkel beeinflusst.

Und torkelt selbst, wird aber von ihren zu welteilichtem Gewicht gewordenen eigenen Füssen
sowie von Graviernadel, Pinsel und Bleistift am Nichtumfallen gehalten.

Ohne Welteilicht und Horizontgarten wäre alles zerschellt.

Die Markus-Vallazza-Figur ist der ständig wachsende Auswuchs des Welteis,
kalt auf und in Luft hinaufgewachsen, heiss und bunt in sie hinuntergewachsen,

figur_MARKUS_VALLAZZA_copyright_Gundi_Feyrerdabei immer grösser geworden
und von sich selbst,
dem weissalten Eisen
aus Welt und grünen Flüssen
(einzig Reales)
auf seinen Wegen gehalten,
die, zusammen
mit dem Gewicht seiner Füsse
nichts anderes
als das Weltei selber tun:
fliessen und torkeln.

Trapezkünstler, Seiltänzer und Geher, der mit dem Beil des Zeichnens Pfeile in die Luft schiesst.

ODER: die grünen Flüsse des Welteis küssen ihm die dauernd versinkenden Füsse.

VIER UND FÜNFRAD:

figur_MARKUS_VALLAZZA_copyright_Gundi_FeyrerWeich rollt alles weiter,
reich tollt die Weite weiter,
alles wird von der Drehung
unserer Wege gehalten,
aufgepickt,
mitgenommen
und entführt
und in
buchstäblicher Weite
hin- und hergerollt:

Als hätte niemand auf der Welt auch nur irgendeinen Halt
nirgendwo.

Markus Vallazza - Zeichner, Radierer, Maler.
Geboren in Bozen, lebt in Wien und Bozen.

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2 - KARIN HOCHSTATTER - IM SCHWEBEN IHRER ARBEIT ; MIT GEPARDENKOPF
Höhe: 22 cm

Jedes Nichts ist flach, weil wir weder Flächen noch das Nichts denken können.

figur_KARIN_HOCHSTATTER_copyright_Gundi_FeyrerJede Fläche dehnt sich im Raum
nach allen Seiten hin aus,
jeder Punkt besteht aus etwas.

Limitiert, begrenzt vom sich ausdehnenden Draht
unserer Gedanken,
versuchen wir ständig,
uns daran festzuhalten (Materie)
und zu trösten.

figur_KARIN_HOCHSTATTER_copyright_Gundi_FeyrerDarüber,
dass wir nichts tun als uns nach den Kreisen
in unserem Kopf zu drehen und zu tanzen.

Die Figur wird definiert vom ständigen Wunsch,
jegliches Volumen in undenkbare Flächen
(undenkbar flach) umzuwandeln;
gestützt von der Hand
ihrer zu Draht gewordenen
Ausmasse.

Die Platte, auf der alles ruht, ist selbst flackerndes Licht, das, an der Hand verbogener und barocker Treppengeländer einmal springt und uns ein anderes Mal weiterführt, indem sie uns an- oder absteigen lässt, ohne unsere Hand jedoch aus den Augen zu verlieren.

Alles dehnt sich immer aus und ein; Geländer, Treppen und Balkone prallen punktförmig und dauernd gegeneinander und besetzen uns mit Schnelligkeit.

figur_KARIN_HOCHSTATTER_copyright_Gundi_Feyrer

Ausgefällt
in Ton,
Höhe,
Bild und Thron,
sitzt die Figur,
frei vom Anspruch
auf voluminösen Halt
(+ ihn doch besitzend),
im Reich der Gedanken,
welches versucht,
das Unmöglich-Denkbare ins Aussen zu schleudern, um es greifbar zu machen.

Was aber
greifen
wir ?

Stromkreise werden geschlossen, Flüsse geöffnet und Funken sprühen -
nichts bleibt, ausser dem, was wir zu sehen imstande sind.

ODER: Sichtbarkeit im Hals der einzigen Hoffnung, die uns bleibt,
wenn uns die Welt im Fliegen voluminös durcheilt.

Karin Hochstatter - Bildhauerin, lebt und arbeitet in Köln.

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3 - RODRIGO LLOPIS - FILMER ALS INDIANER MIT BESONDERER LEITERKAPAZITÄT FÜR WASSER, LUFT UND SCHAUM
Höhe: 12 cm

Augenfahrzeug aus Gedanken verstrebt unendliches Bilderheer
mit Säulen leuchtender Geschwindigkeitssäbel.

figur_RODRIGO_LLOPIS_copyright_Gundi_Feyrer

Bilder
werden
eines
nach
dem
andern
abgestochen,
um sie
ins Konkrete
zu zwingen.

Altes Schwarz, neues Weiss, auch das heisst Grau.

Körper und Bögen aus gezacktem Sessel, Gefährt, das im Wasser des Sehens treibt.
Und darüber hinaus, über die Wellen eigener Sicht hinaus.

An den Horizont getriebener Verstand, zu Leinen verflochten, an die Wand geschleudert.
figur_RODRIGO_LLOPIS_copyright_Gundi_Feyrer

Sessel aus Auf -
alte Bilder zerreissen -
Sessel aus Ab -
Wind einflechten,
um die Maschen
des Segels
unseres Verstehens
mit frischer Luft
zu füllen.

Zusammengeflickte Bilder treiben lose herum und heben den Wunsch, das von uns
unabhängige Licht in Bilder zu sperren, in die Höhe, um ihn zu schütteln.

ODER: Ewigkeiten werden vom Segel der Gedankenaugen weitergetrieben
und legen Hand an den Strom immer wilderer Bilder, um sie am Ende in die Luft zu sprengen.

figur_RODRIGO_LLOPIS_copyright_Gundi_Feyrer

Unsere Füsse
stehen auf der Sonne,
wenn es Nacht ist,
unsere Sonnen
stehen auf dem Kopf,
wenn wir etwas sehen.

Gedanken grasen Augenfelder ab,
fressen mal hier, mal da,
um schlussendlich
alles wieder auszuspucken.

Während alle das Gewicht, das die Wasser gewöhnlicher Sicht zerdrückt, suchen:
wahrhaft Schuldiger
ist hier
das Auge,
selbst.

Rodrigo Llopis - Dokumentarfilmer und Drehbuchautor.
Geboren in Madrid, lebt derzeit in Córdoba.

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4 - BARBARA WIEN - ANZIEHUNGSKRAFT DES HIMMELS MIT EINEM BUCH BESCHWERT UND - GELÖST
Höhe: 22 cm

figur_BARBARA_WIEN_copyright_Gundi_FeyrerSchwere Kraft und krause Waben aus Erde,
leicht und flüssig fortbewegte Bahn
aus kreiselndem und flachem Himmelsgewölbe.

Die Erde ist Honig, ist zäh wabernder Magnet,
der ständig an uns klebt und uns an sich bindet,
während wir, wenn wir
in den Himmel sehen,
nur ins Freie fallen möchten.

figur_BARBARA_WIEN_copyright_Gundi_Feyrer

Oder: der Himmel zieht uns weniger kraftvoll als die Erde an.
Deshalb zieht er unsere Gedanken mehr an als unsere Körper,
die aber letztlich auch nicht viel mehr als klebriges Licht sind.

Die Figur B.W. steht auf dem Kopf, weil ihre Füsse im Himmelsgewölbe baumeln
und damit in der Materie Buch stehen, deren Inhalt sich mehr dem Licht
als der eigenen Materie widmet, sodass es kein Halten mehr gibt,
wenn das Innere der Sterne, zu Pirouetten verdreht, unsere Gedanken verschmilzt,
damit sie leuchtend im Himmel untergehn.

figur_BARBARA_WIEN_copyright_Gundi_FeyrerOder: immer geht es nur darum,
wie das Leben am besten
zu verschwenden sei:
unser Körper ist nichts
als sich um sich selbst
drehendes Honiglicht.

Die Figur B.W. steht kopf,
weil ihre Füsse geschützt
im flachen Dach
eines Buchhimmels baumeln,
dessen Inhalt in uns
den Wunsch
nach dem Freiem Fall
zum Leuchten bringt.

Insofern steht sie schon richtig.
Materie ist nichts
als zäh gedachter
und flüssiger Gedankenhonig.

HINWEIS: auch hier ist die Rolle des aufmerksamen Betrachters zu spielen.

ODER: Alles, was uns stützt, sind Namen.

Barbara Wien - Verlegerin und Galeristin. Barbara Wien Galerie, Berlin

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5 - ROSA POCK IM CAFÉ HUMMEL
Höhe: 18 cm

Als einzige Figur sitzt sie nicht auf einer Platte, Insel, einem Untersatz, der das Obere, die Figur als voluminöser Name, ästhetisch abgrenzen würde, sie durch einen imaginären Raum vor der Umgebung auf irgendeine Weise schützen würde.

figur_ROSA_POCK_copyright_Gundi_FeyrerStünde sie
in einem Museum/ Kunstraum,
würde sie zu einem Kunstobjekt
in einem Kontext,
dem sie
keinen Widerstand
leisten würde.

Stünde sie
in einer
Küche,
wäre sie
bald mit

Petersilie, Basilikum oder Lorbeer geschmückt.

Sie kann, da sie ästhetisch keiner besonderen ideologischen Zuordnung gehorcht,
nach überallhin transportiert werden, einfach in die Hand genommen und versetzt werden,
da sie sich zwar einen eigenen Raum um sich herum schafft,
jedoch keine unsichtbaren und dennoch denk- und fühlbaren - und somit festen - Wände.

Die Figur ist ein offenes Haus, ihr eigenes Denk- und Wahrnehmungszentrum:
Zentrum und Schale in Einem.

figur_ROSA_POCK_copyright_Gundi_FeyrerDie Haltung der Figur
ist die eines Herrschers,
der sein Gebiet aufbreitet,
es zur Verfügung stellt,
zur Umgebung hin öffnet.

Die Grenzen dieses Gebiets
sind nicht klar definiert
(das Fehlen des
Untersatzes, der Platte),
erlauben somit Überschreitungen,
hängen von der Umgebung ab
(die Figur ist kompakt,
bricht nicht leicht,
kann leicht transportiert werden):
sind fliessend.

Die souveräne Haltung
deutet auf Herrschercharakter,
während sie sich andererseits
wegen des Mangels an
abstraktem Geschmücktsein
und mitgeliefertem Kontext (Platte)
in jede Umgebung
real und problemlos einfügt,
da sie nur als Figur/Name sowie immens verkleinertes und schlechtes Abbild
(Schuld des Bildhauers) von Rosa Pock existiert:

nackt und ungeschützt, was ideologisch-ästhetische Beheimatungen betrifft.

Sie wird hier ohne einen Kontext aufstellenden Raum präsentiert, um zu behaupten, dass jeder Raum, in dem sie aufgestellt wird, von solcher Nacktheit und Ungeschütztheit angesteckt wird, damit auf Grund stösst, also da, wo aufgesetzte und nur halbgelebte Inszenierungen durch Präsenz und Direktheit blossgestellt werden, sich die Idee der Freiheit im Denken Platz schaffen kann.

Die sie begleitenden Teile, eine Sitzbank für zwei,
ein dem Originaltisch des Kaffeehauses Hummel

figur_ROSA_POCK_copyright_Gundi_Feyrer(schlecht) nachgebildeten Kaffehaustisches
samt Zuckerstreuer, Zigarettenschachtel und Papier
(einzig abstraktes Zubehör),
sind alle lose und voneinander unabhängig,
in alle Winde verstreut.

Sitzbank und Tisch, um die Füsse abzustellen,
können auch für sich stehen.
Die Figur selbst kann auch allein
und ganz woanders für sich sitzen.

In einem Haufen Bücher oder auf irgendeiner Treppe.
Etwas Anlehnung braucht sie jedoch.

ODER: Uns umgibt ein gewaltiges, strukturiertes Gefüge physikalischer Objekte und Effekte (Wirbel unsichtbarer, kreisförmiger Linien um den Magneten herum).

Rosa Pock - Schriftstellerin. Lebt und arbeitet in Wien.

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6 - INADAEQUAT AVATAR - czz
Höhe: 23 cm

Portrait eines Tuns, und der sich ständig verändernden und sich ausdehnenden Ergebnisse eines Tuns, in dessen Mitte sowie dahinter die dieses Tun Tuende steckt.

Sie steckt dort nicht wiedererkennbar erkennbar dahinter
als czz genauso wie oben auf der Kommandobrücke als Kapitän
und direkt am richtungsgebenden Vorne als Galionsfigur ihres
mit hilfe des Maschinenwerkmeisters KP gebauten Küstenfahrzeugs,
mit dem sie alle noch so fernen Buchstaben- und Bilderweltmeere befährt
und unermüdlich nach neuen und frischen Exemplaren Ausschau hält.

figur_INADAEQUAT_AVATAR_copyright_Gundi_Feyrer

Die Fischermütze
auf dem
gedanken-
blauen und
tinten-
dunklen
Kopf erklärt,
dass sie
ein Jäger ist,
der an der
Hand von
Stromkabeln,
Gedanken-
Licht- Ge-
Schwindig-
keit,
Bilder-
Schmuck-
Frequenz
sowie
Klangweisen
misst,
um zu
sehen,
ob sie
in das
von ihr
ver-
schlüsselte
und
glänzende
Netz ihrer
zielsicheren
Suche
passen.

Einmal dazu entschlossen, diese oder jene Art von Tintenfisch oder Meeresbucht anzuheuern und einzufangen, werden jene mit Begeisterung sofort in ihr Logbuch aufgenommen, danach von Mond, Sonne und Sternschnuppen abgelichtet, um schliesslich auf der von ihr genauso selbst erstellten Logarithmentafel, auf der alle Möglichkeiten der Potenzierung zahlreicher und faul herumtreibender Sinnraubfische chiffriert enthalten sind, eingraviert zu werden (gelegentlich auch in der Art der Holzfäller, mit der Axt ihrer Entscheidung dort einzurammen), und schliesslich registriert (manchmal werden sogar ganze Atolle als 1:1 Landkarten dort ausgelegt).

figur_INADAEQUAT_AVATAR_copyright_Gundi_FeyrerAnschliessend wirft sie jede Beute
sofort wieder zurück
in jedwedes Weltbuchstabenmeer,
damit sich jene
kurz gefangengenommenen
und gegen jede Erwartung
lebendig gebliebenen Exemplare
wieder ins Getümmel der anderen Weltbucht- und Buchstabenmeerbewohner werfen können,

figur_INADAEQUAT_AVATAR_copyright_Gundi_Feyrer

sich dort von ihrem Lichtschreck
erholen und erfrischen,
um dank dieser durch czz
getätigten und unendlich vielen Würfe
die nicht unbedingt konstante
Weltgedankenlichtgeschwindigkeit
wieder gemeinsam
auf frischen Buchstabenvordermann
zu bringen.

So befreit von jeder Beute
und gleichzeitig so
jede Beute von sich befreiend,
segelt czz stetig mit neuem Wind voran,
beflügelt und durchströmt
von Wind, Gewitter und
sämtlichen Weltgedankenstromkreisen,
welche das Segel ihres Tuns stetig vorantreiben,
auf der Suche nach immer neuen,
unentdeckten und sauerstoffreichen Zielen.

ODER: Licht ist ein Kollektiv, das weder Anfang noch Ende hat
und sogar dann zu sehen ist, wenn es dunkel ist.

czz - Editor in|ad|ae|qu|at

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7 - LIESL UJVARY - PERPETUUM MOBILE
Höhe: 20 cm

Die Figur sitzt auf einem Bürofahrradgestühl mit grün vergrössertem Reitsattel, der in roten Rücken verdrehenden und seidig schwankenden, haarigen Grasröhren (Lilien) endet, die eine pflanzliche Rückenlehne bilden (auch umgekehrt als Handwirk- oder Cowboystuhl verwendbar).

figur_LIESL_UJVARY_copyright_Gundi_Feyrer

Das Sitzrohr des Arbeitsrads
ist zum Bürostrumpfbein/ Fuss
geworden,
dessen Fusskreuz
auf 5 Nussbaumarmen steht,
von denen zwei
zum Schaffenstriebrahmen
hochgeklappt wurden,
um die Richtung der
Inspirationsschlenker
vor einem Ausscheren
zu bewahren.

Die Mandelbaumzweigarme
haben weder Lasträder
noch Schuhrollen,
da das Weiterkommen
allein vom Rad übernommen
werden muss -

die verbleibenden 3 nicht existierenden Rutsch- oder Scharr-Bodenrollen würden nur die Fahrtrichtung durcheinander bringen und so jedes eifrige Rennen unmöglich machen.

Die Figur wird mittels eines Kabels an der Mitte des Schöpf-(ungs)rads an- und ausgesteckt. Der Strom wird von der Drehung des Rads erzeugt und über ein drahtiges Kabel weitergeleitet.

figur_LIESL_UJVARY_copyright_Gundi_Feyrer

Grün verbrämt
läuft es neben
der Körperröhre
vorbei und
färbt sich
nach einigen
Irrwegen
mal so , mal anders
(die aleatorisch
auftretenden Farbreste /
Kabelzungen
und
Arbeits-
Störungen
werden

durch unkontrollierbare und noch unbekannte Spannungen erzeugt und sind zähneknirschend zu tolerieren), da sich die äusseren Kreise sowie die im Kopfinnern der Figur, chaotische Schleifen ziehend, exstatisch zu Brotkantensprüngen, Pedalkurven und animalischen Schiesspulvergeschwindigkeiten steigern, sodass singende Blätter insektenförmige Liederkränze bevölkern und japanische Stierkampfarenas russische Sprachkühe reparieren, etc.

Kurzzeitig ermattet, verdichten sie sich in der rechten Hand zu einer weiss-rotglühenden Kamera, die die sie selbst bildenden Kabel und Blumen blasenden Musikstücke abfotografiert, um sofort und wie magisch von der linken Hand angezogen, ein weisses, bipolares Kometenfeld zu durchlaufen (zwei Hände - zwei entgegengesetzte Pole), mutig die linke Hand zu durchrasen, um in einer lärmenden Seemannsgarnrolle (Zufallsknäuel, Sonnenspule, Windböenstrauss) schnellhellgelb zu enden.

figur_LIESL_UJVARY_copyright_Gundi_Feyrer

Dies alles raubt der
schaffenden Figur L.U.
zwar den Atem,
ist aber nicht das Ende.

Im Gegenteil.

In diesem
knallenden
Knäuelende
steckt
- wie in
der Drehung
des Büro-
Fahr-
Stuhl-
Rads -
ein jeder
immerneue
Anfang.

Der
schwirrende
Eindruck,
den die
wurm-
linien-
förmige
Bemalung
der Platte
auf das Auge
macht, ruft
schreiend die Idee der Bewegung im Betrachter auf.

Acrylenergie wird in brausendes & schwirrendes Federgewicht umgewandelt.

Die Sturmquelle, fälschlich still ruhender Plattenbemalung zugeordnet, speist sich aus unendlich grosser Täuschungsenergie und wird vom Betrachter unbedacht auf das Kabelknäuel übertragen, womit automatisch die Stromübertragung hergestellt ist, d.h., real Sturmstrom weitergeleitet wird.

Die wahre Bewegung steckt im augenfällig stillstehenden Rad (es kann sich tatsächlich bewegen), die unwahre in der Platte, aber, da der Betrachter, optisch getäuscht und geohrfeigt, sie allzu freudig in fliessenden Augenhonig sowie denkende Eulen verwandelt, muss sie hier als realer und wahrer Springfluss angenommen werden.

Sobald also die Kabelrolle die Platte auch nur berührt, wird der unwahr-wahre Plattenstrom in die Kabelrolle geleitet: der Kreis schliesst sich.

AXIOM (klassisch): Die Wege des Schöpfers - hier Liesl Ujvary - versetzen zwar das Rad in Bewegung, bringen es in Schwung und werden vom selbsterzeugten Strom selbst wieder in Schwung gebracht, wären aber ohne den Betrachter, der den Stromkreis dank seiner Lust an der Illusion schliesst, bald am Ende.

So jedoch läuft die Maschine endlos, lustvoll, eifrig und ewiglich auf Hochtouren weiter.

Liesl Ujvary - geboren 1939 in Bratislava, Slovakei,
lebt als Schriftstellerin in Wien. Texte, Bilder, Musik.

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8 - GUNDI FEYRER - SELBSTPORTRAIT MIT ACHTBEINIGEM TISCH
Höhe: 13 cm

Hier singen Stuhl, Figur und Tisch gemeinsam und ineinander verschmolzen,
wie holziges Pech in schwefligem Chor:

figur_GUNDI_FEYRER_SELBSTPORTRAIT_copyright_Gundi_Feyrer Jeder Part ist durch irrsinnige Instabilität charakterisiert, sodass der an sich achtbeinige Tisch real nur auf zweien fusst, während die restliche Tischbeine in der Luft hängen und, da nur Menschen auf zwei Beinen längere Zeit stehen können, gibt es auch hier keine Ausnahme.

Das rettende und tragende dritte Element ist das einsame Stuhlbein (die zwei verbleibenden und der Figur einverleibten Beine schweben ebenfalls), sogesehen zum dritten Tischbein geworden, während der Rumpf der Figur als Brücke zwischen Stuhl und Tisch fungiert, um als schweres Gas das Gesamtgewackel gerade noch am Stehen zu halten; bzw. in fussfester Schwebe zu verbeinen.

Wunderlicherweise verwandelt sich hier der Mangel an Stabilität und Stimmfestigkeit in sein Gegenteil: durch das ununterbrochene Kontinuum an zitterndem Ungleichgewicht hat sich dessen konstante Obertonfrequenz dermassen in die Luft gebissen, dass diese ewig gleiche (Biss- )Spur auf diese Weise zu einer festen Linie, ja, gar zu einem Schiffstau koloratiert wurde, an dem schliesslich das dreiteilige, lose Konstrukt unsichtbar befestigt ist - um damit den dauernden Lebens- und Liebesbeben die Stirn besser bieten zu können (siehe auch: Komplott aus Stuhl, Figur, Tisch).

AXIOM (modern): Mangel ist gleich Fülle.

figur_GUNDI_FEYRER_SELBSTPORTRAIT_copyright_Gundi_FeyrerTönendes
und
stimmliches
Un-
Gleich-
Gewicht,
bei dem
die Mühsal
des
unentwegten
Aus-
Gleichens
(Gleich-
Gewichts-
Produktion)
zur
konstanten
Zitterachse
geworden ist,
an der
die ohnmächtigen Teile der künstlerischen Produktion lose, asymmetrisch und unvorstellbar aufgehängt sind.

figur_GUNDI_FEYRER_SELBSTPORTRAIT_copyright_Gundi_Feyrer

Die ganze Einheit ist
mit der einhergehenden
Funktion eines
Universaltisch- und
Stuhlbebendämpfers
identisch geworden
und gibt nun
lebenslänglich Kunde
über die
jeweils auftretenden
Kometenbomber
über die im Tisch eingelegte Hieroglyphenplatte ab.

ZUSATZ: Die im Gegensatz dazu unvorstellbare Stabilität von Weinflasche plus Glas auf dem geneigten Tisch lacht noch jedem Newtonschen Gravitationsgesetz ins Gesicht.

Gundi Feyrer - Schriftstellerin, Zeichnerin, etc. Lebt derzeit in Córdoba.

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Gundi Feyrer

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BLOG 4 BURMA | Ein Jahr nach der Aktion “Free Burma” | Eine Chronik



||| EIN JAHR AKTION “FREE BURMA” | CHRONIK | KLANGAPPARAT

EIN JAHR AKTION “FREE BURMA”

free-burma-oct-4Ob sich noch jemand an den 4. 10. 2007 erinnert , als die Aktion “FREE BURMA” Tausende Blogger auf den Plan rief , per synchronen Postings ein Zeichen zu setzen wider ein menschenverachtendes Regime ? -

Parallel zur - mehr oder weniger illusorischen - politischen Agenda wurde die Aktion “FREE BURMA” ein an vielen einzelnen Punkten , in vielen Communities und in vielen Kommentaren vollzogenes Nachdenken über den Charakter und die Möglichkeiten des Mediums “Blog” . Benedikt Köhlers Aufsehen- erregende Visualisierung von Mobilisierungsmustern in der Blogosphäre dokumentiert anhand der FREE BURMA- Aktion “unser” Funktionieren als Empfänger und Weiterverteiler von Nachrichten . QUANTITATIV . Die für das Barcamp MUC vorbereitete Bild- für Bild- Analyse dokumentiert allerdings auch die - für Deutschland wohl spezifischen - WEAK LINKS zum anderssprachigen Ausland .

Inwieweit die Nachrichten mit dem Grad ihrer Weiter- Verteilung etwa QUALITATIV reflektiert werden , vermag eine solche Dokumentation freilich nicht darzustellen . Die Beobachtung war viel eher diejenige , dass es im Rahmen der sogenannten SCHWARMINTELLIGENZ erkennbare und nennbare SCHNELL- SCHWÄRME gibt , die dazu neigen , per COPY & PASTE das BURMA- DING mal schnell mitzumachen . Viel faszinierender war indes , anhand eines gemeinsamen Themas genuine und originelle Denkorte aufzufinden .

Die Überlegungen zur ( Selbst- ) ORGANISATION informeller Netzwerke fokussieren bei Robert Basic ( Burma Action: Zwischenfazit II ) . Wir haben uns von Trittbrettfahrern und etlichem Kollateral- Junk nicht beirren lassen , fanden uns im November mit Bloggern aus Deutschland , Frankreich , Spanien und der Schweiz zum Netzwerk “BLOG 4 BURMA” zusammen und haben unsererseits die Ereignisse eines Jahres nach ( freilich begrenzten ) Kräften mitnotiert .

Auf diese Weise ist “auch eine” Chronik entstanden . In|ad|ae|qu|at halt . Gleichwohl sei diese im Folgenden dokumentiert .

czz-blog4burma-inadaequat

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CHRONIK

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KLANGAPPARAT

Dass “BLOG 4 BURMA” sich nicht als abgehobenes Gutmenschentum versteht , ist bekannt . Es ist in Wahrheit ein ständiges Waten durch die Mühen der Ebenen . Da braucht’s mitunter schon rhythmische Energieschübe , den Momenten der Trägheit entgegen zu wirken . Wo blosse czz-hoerempfehlungVergeistigung nicht reicht , muss Handfestes her zum heftigen Herzschlag - oder schlicht um im Lichte des einsamen Bildschirm mal wieder eine Nacht durchzumachen . Da kommt das ebenso schlichte wie triftige Mix des Russen Widestream gerade recht : Drum’n'Bass auf ukrainischer Plattform in eher flacher Variante . Aber durchaus effektiv getaktet : Mit einem dezidierten “Ja” zur angewandten | Gebrauchsmusik & thx 2 deepgoa wollen wir den Wirbelwind noch einmal loslassen . CLICK LINK TO LISTEN TO STREAM .

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Ein Exil im Lexik der Poesie - Laudatio für Rosa Pock



EIN EXIL IM LEXIK DER POESIE

Für Rosa Pock
Literaturpreis des Landes Steiermark 2007 , 4. 6. 2008
Von Christiane Zintzen

Ein Freund ging nach Amerika
Und schrieb vor einigen Lenzen
Schick mir Rosen aus Steiermark
Ich hab eine Braut zu bekränzen -

icon ac voltage sourceMan mag die wohlbekannte Strophe des Peter Rosegger an diesem Ort , in dieser Zeit in vielerlei Hinsicht verwerfen : Was sie anspricht und was für die Dichterin Rosa aus Steiermark sehr wohl gilt , ist das Bild des Exils und der Fremde . Rosa Pock , die auszog , um auf den Wegen der Philosophie das Dichten zu lernen , hat sich mit Willen , Wort und Wirken einer Unheimatlichkeit verschrieben . Im Licht der Prismen ihrer Dichtung erscheint das Selbstverständliche fremd , das Vertraute befremdlich .

Zwischen Prosa und Poesie , zwischen Sprechen und Schweigen , zwischen Archaik und Avantgarde setzt sie ihre systematisch programmierten Sprechfiguren auf den Plan und sich selbst ziwschen die Stühle der Schulen und Stile .

Sicher sind wir Lesende nie , von WO aus die gebrochene Stimme zu uns dringt . Wir drehen uns um Kreise und suchen nach Orientierung : WER spricht hier und wer zieht hier eben die Fäden dieser redenden Marionetten ? - Wo ist sie , die rettende Regel ? -

Über 15 Jahre hinweg hat Rosa Pock mit einer Reihe von hoch konzentrierten poetischen Personifikation eine Fährte gelegt . Was wir hier tun können ist : Eine Witterung aufnehmen , eine Spur suchen , ein paar Beobachtungen beibringen . Oder , um ein von Rosa Pock selbst gern gewählte Bild zu borgen : Ein paar Glieder der Hundekette ineinander zu fügen . Bleiben dabei dicht am Hand- Werk , am Material . Denn wenn es ETWAS gibt , das Pocks Dichtung immer wieder neu zu bedenken gibt , dann ist dies der Appell , sich im Vorläufigen einzurichten , dabei aber den Blick wachzuhalten auf DAS , was da vor uns liegt .

So gibt sich mancher Text prima vista sperrig und karg . Sehen wir länger und geduldiger hin, tauchen - wie bei einem photographischen Entwicklungsvorgang - langsam Muster auf , erkennen wir Patterns, entstehen Parallelen. Und mittendrin immer wieder die Umrisse dessen , was fehlt .

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SELBST | LEXIKON

icon ac voltage sourceKeiner Norm konform oder einer stetigen Ästhetik, repräsentiert Rosa Pock geradezu den Albtraum des Lexikographen. Die Tracht eines sogenannten “Personalstils” , die Legende von frühem Leid und später Vollendung , die an der Werkliste her- buchstabierbare Statistik einer Entwicklung : Dieses Kostüm einer humanistischen Künstlervita will so gar nicht auf ein Werk passen , welches sich seine eigenen Mass- Stäbe setzt .

Wenn schon “Lexikon” - Dann : “die hundekette . mein eigenes revier” ( 2000 ) versammelt 79 Begriffe von A bis Z .

Wenn schon eine Geschichte der Empfindlichkeit - Dann : “Eine kleine Familie ” ( 2004 ) gibt eine satirische “Entwicklungsgeschichte” der eigenen ( so genannten 68er ) Generation .

Wenn schon Rollenbild der “Frau” als Kunst- Werktätiger - Dann : Hat Rosa Pock SELBST in den 31 Figuren des Kurzprosabuches “spielmodell m” ( 1996 ) einen ganzen Katalog von Rollen vorgeschrieben .

“Keinem” , sagt Ovid in den Metamorphosen , “bleibt seine Gestalt” . Rosa Pocks esprit poétique ist ein proteisches Wesen . Sich treu nur im stetigen Wandel , erschafft es sich seine Welt mit jedem Werkstück in neuem Format : Form als Funktion und Fassung der verschiedenen Versionen von Realität . Dabei situiert sich jedes dieser Spielmodelle in einem abgezirkelten Setting gewisser Prämissen und Regeln , welche als SETZUNGEN unwiderleglich sind .

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SPRECHEN | JETZT

icon ac voltage sourceUnwillkürlich fühlen wir uns an Mythen und Märchen erinnert, wo Götter und höhere Mächte ihren Günstlingen spezielle , allerdings immer nur begrenzte Kräfte schenken .

Beides - gedankliche splendid isolation sowie eine als Defizit dargestellte insulare Einkapselung - gilt für Rosa Pocks Sprechfiguren . Sie sind schiere Papierwesen , Zwitschermaschinen , auf ein definiertes Lied programmiert und damit in sich logisch geschlossen . Sich loszureissen und einfach fortzufliegen wird diesen “excellent birds” ( Laurie Anderson ) allerdings nicht gewährt . Ihr Ort bleibt das Werk , der Text , der Käfig des Systems , kurz : “mein eigenes revier” . Nur hier ist die Bühne , wo ihr Monolog hingehört , wo die Wellenlänge ihres Gesangs überhaupt gehört wird . Die syntaktisch zerrüttete , rhythmisch in antiker Prosodie getaktete Stimme in “Monolog braucht Bühne” bekundet diese Gleichzeitigkeit von Allmacht und Ohnmacht wie folgt :

Ich umschiffe / meinen Hafen / wie Odysseus den seinen / zu erzählen Geschichte von Irrfahrt mit Eleganz , / wobei begangene Fehleinschätzung von Gefahr ich vergesse / und Verblendung mich treibt / in immer tieferes Wundgebiet / bis Lustangst von Schrecken abgelöst. ( “/” von czz )

Es scheint, als dürften diese Figuren überhaupt nur qua Sprache existieren . Die “Infantin” etwa präsentiert sich von Anbeginn an als das Resultat eines Benannt- Werdens . WER diese Benennung einst vollzog , bleibt im Ungewissen :

1. Tag - Später Herbst; und ich werde von Kindesbeinen an Infantin genannt, weil ich nicht zur Sprache finden wollte. Diese Bezeichnung ist mir geblieben, obwohl ich das Stummsein verliess, sozusagen wie eine Definition aus einem alten Lexikon, die bleiben wird, auch wenn sich die Bedeutung des Begriffes längst geändert hat. ( “Ein Halbjahr aus dem Leben einer Infantin” )

Da sie jetzt aber spricht , EXISTIERT diese Figur , und ihr “Kopfkissenbuch” berichtet von einem ganzen Inventar von Verweigerungen gegenüber dem System , das isolierend sie umgibt . Wie der gefangene Affe in Kafkas “Bericht an eine Akademie” ist es nicht eine abstrakte “Freiheit” , die sie sucht , sondern schlicht einen “Ausweg” .

Wirklichkeit wird diesen Figuren nur in ihrer schieren Wörtlichkeit gewährt . So sehr diese “Infantin” , die “spielmodelle” , ja noch das Mathematik- Mädchen Gelatina aus der “Kleinen Familie” mitunter an archaisch verwunschene Wesen aus Märchen oder Mythos erinnern , so sehr fehlt ihnen der Richtungsvektor einer Teleologie . Rosa Pocks Sprechfiguren sind von Vergangenheit und Zukunft abgetrennt . Sie existieren nur im Augenblick . Dabei sind sie ganz an ihrem Platz und befinden sich gleichzeitig in einer Art von Exil : Verbannt , gebannt starren sie auf die Positiv- oder Negativ- Form eines Umspringbildes . Der Blick auf das Integrale bleibt ihnen verwehrt .

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ORGANISATION | SYSTEM

icon ac voltage sourceIm Paradigma der Moderne bieten sich Spiel- und Systemmodelle als Bezugsrahmen an. Codierungen , Wort- und Buchstabenspiele verweisen auf die konkrete und visuelle Poesie . So etwa sind die Texte sämtlich nach genau bestimmten Zahlenmustern organisiert . Allerdings sind die Ziffern grösstmöglich bedeutungsoffen : “Monolog braucht Bühne” ist aus 39 Einzeltexten komponiert : 3 mal die Primzahl 13 . Auch das “Halbjahr aus dem Leben einer Infantin” basiert mit seinen 181 Tagesnotizen auf einer Primzahl . Gleiches trifft zu für die 31 in “spielmodell m” vorgeführten
weiblichen Mannequins . Primzahlig letztlich : Die 79 lexikalischen Einträge in “die hundekette . mein eigenes revier ” …

Solche Organisationsprinzipien lassen sich ohne inhaltliche Deutelei anzeigen . Ebenso kann ohne Raunen einer tieferen Bedeutung festgestellt werden , dass Rosa Pock sehr bewusst mit dem Medium “Buch” umgeht : Text und Nicht- Text ( die seit Mallarmé unübersehbaren “blancs” ) greifen sichtlich ineinander . Im Unterschied zur herkömmlich gesetzten Lyrik mit ihrer vertikalen Orientierung sind Pocks Textblöcke horizontal orientiert : Den schwarzen Lettern des Fliesstextes folgt eine halbe ( “Monolog” ) bzw. eine Viertelseite ( “Infantin” ) “weisses Schweigen”.

Das reizvollste Spiel mit den Eigenschaften des physischen Datenträgers “Buch” findet sich im Lexikon “die hundekette . mein eigenes revier“. Jeder Eintrag beansprucht eine Seite . Mit Ausnahme des ersten Lemmas ( “ahorn” ) sowie des letzten ( “zweifel” ) kommen alle anderen Einträge auf Doppelseiten zu liegen . Bei näherem Blick erweist sich , dass sich diese parallel gesetzten Texte in vielfältiger Weise aufeinander beziehen . Das trifft formal höchst einleuchtend auf ein Buch zu , welches thematisch wie kein anderes im Werk Rosa Pocks vom “grossen Paar” handelt . Die Titel der Einträge lesen sich - Doppelseite für Doppelseite - wie duale Konstellationen , Frage und Antwort , Positiv- | Negativ- Verschränkungen :

“in agonie” | “arsenik” - “das begehren” | “das beileid” - “der charakter” | “ein credo”

So läuft also - buchstäblich quer zum “Haupttext” der lexikalisch geordneten poetischen “Definitionen” - ein Schriftband am oberen Seitenrand entlang: Hier hat sich offensichtlich die konkrete Gestalt des Texte an der Vorlage | Vorgabe des aufgeschlagenen Buches inspiriert .

Wenn Rosa Pock solche Organisationsprinzipien aufgreift , Anleihen beim Anagramm nimmt , serielle Verfahren wie Aufzählungen und Listen verwendet oder gar den Zufall per Computer- Übersetzung in ihre Texte einbezieht , dann zitiert die Dichterin Verfahren des Surrealismus , von Oulipo , der konkreten poesie , kurz : der literarischen Avantgarden .

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WORTE | WÖRTER

icon ac voltage sourceDamit wären wir beim Stichwort der “Methode” angelangt : Also die Art und Weise , WIE Wörter ausgesucht werden , wie Wörter gedreht und gewendet werden , die Komposition von Worten zu Sätzen und diese zum Werk . Dabei besteht die VERDICHTUNG der Form bei Rosa Pock paradoxerweise im augenscheinlichen VEREINFACHEN : Gesuchte , gewundene und poetisch parfümierte Wörter wird man in ihrem Werk nicht finden .

Man mag dabei an Ilse Aichingers Plädoyer für die “schlechten Wörter” denken , an deren “Nein” gegenüber Metaphysik und Ideologie .

Mit gleichem Recht liesse sich allerdings das Bild des Naturwissenschafters zitieren : Um ein VERFAHREN optimal durchzuführen und dessen Wirkung in möglichster Deutlichkeit studieren zu können , sind “reine” Grundstoffe nötig . Das scheinbar Einfache wäre demnach als REAGENS zu denken und damit unablöslich vom jeweiligen Prozess . Das augenscheinlich einfache Wort steht also nicht AN und FÜR sich . Ebenso wenig kann der basale Begriff als “Urwort , orphisch” verstanden werden oder gar : als “naturnahes” , “gefühlsechtes” Ausdrucksmittel einer ( eventuell sogar weiblichen ) “Authentizität” .

In ihrem jüngsten Buch “Eine kleine Familie” spielt Rosa Pock ein trügerisches Spiel mit den Fiktionen , Effekten und Lektüren des “Authentischen” . Im Genre des Tagebuchromans , im Jetzt- Stil der zeitnahen Mitschrift sowie in dem Themenkreis von turbulenter Adoleszenz , Familienkiste und junger Liebe verführt das mit flüssiger Prosa ( ! ) gefüllte Buch zu jener Lektüre einer psychologischen “Eigentlichkeit” , wie sie der Literaturbetrieb gerne praktiziert .

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EIGENSPRACHE | EIGENSINN

icon ac voltage sourceWas fehlt , ist vorderhand die Bereitschaft , Poesie und Dichtung dem Zweckdienlichen zuzurichten . Selbst als Organigramm von Erkenntnis verspricht sie keine Sicherheit . Es ist Rosa Pocks weitgehend undogmatischer und von der Ideologie des Progressiven befreiter Umgang mit den Figuren , Formen und Formeln der Moderne , der ihren Texten eine erstaunliche Deutungsoffenheit - Polyvalenz - verleiht .

Gerade mit “Eine Kleine Familie” hat die Autorin ein perfides Exempel dafür vorgelegt , dass sie den beliebten Erzählton aus dem Vollen der Episoden , Themen und Gegenstände quellen lassen kann . Aber Achtung : Durch die Stimme dieses Tagebuchmädchens , das da von Leben und Lieben schrulliger Anverwandter erzählt , dringt das ferne Gelächter aus Voltaires “Candide oder Der Oprimismus” über Gottfried Wilhelm Leibniz’ ursprünglich gottgläubiges Postulat , wir lebten in der besten aller möglichen Welten . Ein Credo , das seither von jeder Ideologie usurpiert worden ist .

Wer sich nicht dreinfügt , wird keine Heimat finden . Mit ihrer Skepsis gegenüber den akkordierten Rezepten zum Besserleben , Bessersprechen , Besserschreiben , bleiben Rosa Pocks Figuren freilich alleine . Entprechend oft werden Motive der Melancholie , des Exils und der Isoliertheit zitiert . Ein Beispiel aus “die hundekette . mein eigenes revier” :

… und vergeblich du sprichst / sodass du nichts ausrichtetst / mit der spache / WIE du sie sprichst / überhaupt / dein vergebliches bemühen / du kannst es vergessen. ( “vergeblich” )

Obwohl dieser sprachliche Eigensinn der Figuren ganz offensichtlich im Konflikt liegt mit den umgebenden Konventionen , ziehen sie das Drehmoment aus Wut und Trotz dem Einschwenken auf die allgemeine Linie vor . So formuliert das “Modell- Mädchen” der “kleinen Familie” ihren Widerstand gegen die beste aller möglichen Welten wie folgt :

… mein Motor bleibt die Unzufriedenheit mit allem und mit mir - wo käme ich hin, wenn ich nie mehr mein eigener Feind wäre .

Man merke , hier wird kalkuliert : Wie hohe Eigenkosten zeitigt der Eigensinn , damit die Eigensprache auf ihre Rechnung kommt ?

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ASKESE | ANARCHIE

icon ac voltage sourceFreilich führen die hoch artifiziellen Sprechfiguren viel Fehlendes in ihrer Rede . In allen Formen begegnen diese Textkörper der ewigen Spannung zwischen Begehren und Entfremdung mit dem Ruf nach Regel , Regime und Askese . Als wollten sie sich in der Re- Duktion ganz auf sich selbst zurückführen . Konzentrieren . Aber die Autorin verweigert ihren Figuren das Pathos der letzten Konsequenz . Bevor noch die eiligen Eins- zu Eins- Exegeten herbeieilen und den Topos der weiblichen Selbstverletzung besetzen , haben die Textwesen bereits die selbst aufgestellte Regel verletzt .

In diesem Wechsel zwischen Regel und Übertretung , System und Anarchie, in diesem unkalkulierbaren “Justament” mag man die poetische Signatur Rosa Pocks wahrnehmen . So divers sich die Systeme der einzelnen Texte gestalten , so bleibt ihnen das Wasserzeichen eines nonkonformen Trotzes stets eingewebt .

In diesem festen Fundament ankert nicht nur die immanente Skepsis gegenüber einer unmenschlichen Mechanik , sondern auch die Fähigkeit und der Wille zur Empathie .

Die Welt , das Reale , ist kein Objekt . Sie ist ein Prozess . ( John Cage )

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