NZZ , 5. 3. 2010
czz – Was mit einer alpinistischen Tragödie und einem nie aufgeklärten Todesfall begann, endete mit einer Weltkarriere: Tief in die dunkle Vorgeschichte des ab den vierziger Jahren durch seine Portrait- und Modefotos für “Life” zu Ruhm und Ehren gelangten Philipp/Philippe Halsmann (1906-1979) begibt sich die mit dem Feature-Preis der Stiftung Radio Basel ausgezeichnete Klangreportage Eva Roithers.
Die akustische Spurensuche führt ins Tiroler Zillertal, wo der passionierte Alpinist Morduch Max Halsmann an einem Septembertag des Jahres 1928 mit seinem 22jährigen Sohn zu einer Bergtour aufbrach, von welcher er nicht mehr zurückkehren sollte. Was, wie der Sohn und einzige Zeuge angab, zunächst wie ein tödlicher Sturz in das Bett eines Bergbachs aussah, erregte ob der ungewöhnlichen Verletzungen des Opfers Zweifel.
Auf Basis der nur ungenügend gesicherten Spuren fand ein Aufsehen erregender Indizienprozess statt, dessen Fragwürdigkeiten der Journalist und Autor Martin Pollack in seiner Studie “Anklage Vatermord” recherchiert hat. Neben Pollack kommen Historiker, Gerichtsmediziner und Nachkommen von Zeitzeugen zu Wort, so dass sich ein polyperspektivisches Panorama der Widersprüche auffaltet. Zeitgenössische Gelegenheitsreime künden dabei nicht minder von einem Klima der antisemitischen Vorverurteilung wie die Zeugnisse, in welchen sich Jakob Wassermann, Erich Fromm oder Albert Einstein für die Begnadigung des zu zehn Jahren Kerker verurteilten Philipp einsetzten.
Die diffizile akustische Dramaturgie der Originaltöne von Stimmen und Stimmungen führt die historische Fallgeschichte in die lebendige Szenerie ihres Geschehens zurück, die divergenten Meinungen und Kommentare diskret in Schwebe haltend.
- Eva Roither: Mord im Zillertal. Der rätselhafte Absturz des Morduchai Max Halsmann – 1 CD (53 Min.), Christoph Merian Verlag 2008
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