In : NZZ , 4. 4. 2008

czz - Zweisilbig effektvoll fügt die mörderisch erzählkräftige Regensburgerin Andrea Maria Schenkel ihre Titel : Was 2006 mit «Tannöd» begann und seither bei den Bestsellern zuoberst listet , setzte sie wenig später mit «Kalteis» fort . Das wirkungssichere Kalkül bleibt das nämliche : Inspiriert von historischen Kriminalfällen , geben fiktive Zeugen in der Vielfalt lokaler Mundarten und sozialer Jargons ihre Beobachtungen und Vermutungen zu Protokoll . Der Clou daran ist : Die Figuren wenden sich in suggestiver Unmittelbarkeit an ein Gegenüber , in welchem wir uns als Leserin bzw. als Hörer selbst erkennen .

Sei es der Familienmord auf einem Einschichthof Mitte der fünfziger Jahre ( «Tannöd» ) , sei es ein Münchener Mädchenmörder im Ambiente der dreissiger ( «Kalteis» ) : Beide Male sind die Puzzlesteine der Aussagen schnippischer Mädel , strammer Burschen und murmelnder Matronen nicht in eine lineare Chronologie eingefügt , sondern erschliessen ihren Sinn erst am Ende . Was bei «Tannöd» von diffusem Grusel verdeckt ist , tritt in Monica Bleibtreus beherzter Lesung der Moritat vom Mädchenschänder «Kalteis» deutlich zutage : Unter den historischen Sprechmasken verbirgt sich ein volkstheatralisch lüsterner Voyeurismus . Ödön von Horváth , Franz Xaver Kroetz und Martin Sperr stehen Pate , wenn kleinbürgerliche Dörfler auftreten , um Geschautes , Gehörtes , Geahntes über Aussenseiter zu berichten .

Der NDR hat das eminent akustische Potenzial dieses mundartlichen Soziodramas sofort erkannt und – eine Chance vergeben . Statt auf die Kraft der Sprache setzt die Regie auf überkommene Geräuschillustration .

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