Arno Schmidt : Klorofülle Idyllen

| echt welt texte |

NZZ , 4. 9. 2009

czz – Mit Bargfeld hatte Arno Schmidt 1958 jenes weite Land gefunden , welches ihm Raum gewährte für sein fiktiv -sprachpralles Personal , das sich vornehmlich in anspielungsreichen Wechselreden ergeht . Das Abseits in karger Heidelandschaft sollte der Ort bleiben , wo Schmidt der deutschen Sprache die wunderlichsten Blüten entlockte . Nach dem Vorbild jener phonetischen Schreibweise , wie sie James Joyce in “Finnegans Wake” in unausdeutbare Dimensionen trieb , liess Schmidt jede Form der Recht- Schreibung links liegen , um erstarrten Wortkrusten flirrende Vieldeutigkeiten zu entlocken .

Was sich in den Erzählungen der frühen sechziger Jahre als narratives Variieren von kammerspielartigen Konstellationen ausnimmt , findet seinen Fluchtpunkt in “Zettels Traum” – jenem im Wortsinn riesigen Werk , wo Schmidt mittels dreispaltiger Notation sowie eines aus Tausenden von Karteizetteln gezogenen Zitaten- und Ideeninventars den traditionellen Lektüregewohnheiten enträt . Da die wenigsten das auf 1330 faksimilierten DIN- A3- Seiten gedruckte Werk je zu Gesicht bekommen , ist jede auch nur auszugsweise Neuausgabe zu begrüssen . Entsprechend erfreulich stellt sich die bei Hoffmann und Campe Saison für Saison vermehrte Arno- Schmidt- Audio- Edition dar , deren Auswahl und Einspielung von subtilen Kennern und performativen Könnern besorgt wird .

Mit Jan Philipp Reemtsma , Bernd Rauschenbach und Joachim Kersten sind kenntnisreiche Sachwalter des Schmidtschen Œuvre am auch vokal virtuosen Werk , so dass vieles , was dem lesenden Auge den Weg versperrt , sich akustisch ohne weiteres erheiternd erschliesst . Hätte man sich hinsichtlich der Simultanlesung der Parallelspalten von “Zettels Traum” gerne ein bisschen mehr als lediglich den Beginn und das Finale auf einer einzigen CD gewünscht ( die Gesamteinspielung würde 80 CD beanspruchen ) , stellen die linear gehaltenen ländlichen Geschichten auf 10 CD eine treffliche Einführung dar in die Muster , Motive und Manierismen des Schmidtschen Spätwerks .

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