“Ars Acustica” – eine Kunstform stellt sich vor

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NZZ , 6. 8. 2010

czz – «Radiokunst» ist eine Sparte, die innerhalb der öffentlichrechtlichen Sender einen Freiraum bietet für experimentelle Künstlerarbeiten zwischen Sprache, neuer Musik und konzeptuellen Sounds. Etwas weiter umfasst der Begriff der «Ars Acustica» auch Arbeiten, welche nicht notwendig an das Medium «Radio» gebunden sind, sondern etwa als Klanginstallationen figurieren.

Seit zwanzig Jahren besteht innerhalb der European Broadcasting Union (EBU) mit Sitz in Genf eine internationale Arbeitsgruppe zur «Ars Acustica». Theoretische wie praktische Überlegungen zu Zustand und Zukunft der Sparte werden hier diskutiert, Kooperationen etabliert. Zum 20-jährigen Bestehen hat die Arbeitsgruppe nun eine Audio-Edition herausgebracht, die vierzehn Arbeiten versammelt.

Arsenije Jovanovic’s Arbeit für Radio Belgrad gibt mit ihren wummernden Cluster ein akustisches Bild der Bangnis, das an die Luftangriffe auf Belgrad gemahnt. Ein subtiles Seestück liefert Hanna Hartmann mit ihrer Produktion für den schwedischen Rundfunk. Ihre «seascape» verwischt die Grenze zwischen O-Ton und synthetisch generierten Sounds, handle es sich um das Zischen und Gurgeln der Tide, um das Heulen des Windes oder um der Wasservögel Schrei.

Natürlich spielt in der «Ars Acustica» die menschliche Stimme als Medium sprachlicher Sinnstiftung eine erhebliche Rolle: Als prekäres Subjekt übermächtigen «Walls of Sound» gegenübergestellt, tritt die Verletzlichkeit des Humanen hervor (Tomáš Pálka, Tschechien). Vokale Kakofonien (Sofia Kamayianni, Griechenland) schliessen an die Tradition der Lautdichtung an, technisch verfremdete Stimmen (Miguel Azguime, Portugal) lassen eine Glossolalie erklingen, die das enorm emotionale Potenzial der «vox humana» offenbart.

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