Artmanns auditives Pastiche

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NZZ , 7. 8. 2009

czz – Wenn poésie pure und vollblütig vorwärtsdrängende Musik aneinandergeraten , muss dies nicht notwendig zum Vorteile Ersterer gereichen . Nun ist aber des 2000 verstorbenen österreichischen Dichters H. C. Artmann poetisches Werk kein ätherisches Wesen , sondern seinerseits ein munterer Mix aus Stilen und Genres des Hohen und Trivialen mit Anleihen aus Barock und Pulp , Trivialmythen und sonderlichen Idiomen .

Die anhaltende Begeisterung , welche die “Frankenstein!!“- Bearbeitungen ( 1970 / 1979 ) des Komponisten Heinz Karl Gruber erfahren , erweist , in welchem Masse es eines potenten Gegenübers bedarf , um Text und Musik je eigenberechtigt auszutarieren . Mit Peter Rosmanith , Georg Graf , Otto Lechner und Adula ibn Quadr sind an Spiel- und Zitierkunst Ebenbürtige zur Stelle , dem Artmannschen Schauerroman “dracula dracula” ( 1966 ) Paroli zu bieten . Ist mit dem Titel das Sujet hinreichend signalisiert , bleibt der mäandernde Verlauf eines Erzählflusses zu nennen , welcher mit jeder Biegung frische Genre- Samples aufnimmt : Bram Stoker , E. A. Poe und Jules Verne , balkanische Schnurren , vorgebliche Mythen und aberwitzig “huzulisch” gehaltene Reden .

Die zumeist an den ungerade getakteten Musikformen Mittel- und Südosteuropas orientierten Ensemble-Kompositionen treten quasi in Wechselrede zu dem von Erwin Steinhauer ebenso diskret wie heimtückisch intonierten Text . Herzzerreissend einsame Kantilenen wechseln mit erregend synkopierten Tänzen und Ausläufern des Guča- Brass . Im Arrangieren des Unvorhersehbaren im Poetischen hat H. C. Artmanns “dracula dracula” mit Peter Rosmaniths polysonoren Kompositionen seinen waschechten Widerpart gefunden : So aufregend und wenig blutleer begegnet man dem Herrn von Nosferatu sonst selten .

Ausführliches Booklet und gediegene grafische Ausgestaltung ( Linda Wolfgruber ) setzen die Reihe audio- bibliophiler “Klangbücher” des Wiener Mandelbaum- Verlags transsylvanisch fort .

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