NZZ , 4. 1. 2008 [ Neue Hörbücher ]
czz - Schnell war von “Auferstehung” die Rede , als der Schauspielstar Ben Becker im Oktober gerade noch rechtzeitig von einem dramatischen Kollaps genas , um termingemäss seine bombastisch instrumentierte Bibelshow auf die Bühne des Berliner Tempodroms zu stemmen . Beckers Performance “Die Bibel , eine gesprochene Symphonie” ( ! ) wird mit den Pauken und Trompeten des Deutschen Filmorchesters Babelsberg sowie Beat , Gospel und “Vizuals” zweifellos noch Tausende entzücken . Währenddessen zieht einer , der es ein bisschen besser und ein bisschen stiller weiss , als “Mann , der die Bibel las” mit einem unprätentiösen Vortragsprogramm durch die Lande . Es ist Sven Görtz , der – noch keine 40 Jahre alt – den integralen Text der Heiligen Schrift für Diogenes Audio einspielte . Neun Monate verstrichen , bis Altes und Neues Testament , Genesis und Apokalypse auf eine Laufzeit von 105 Stunden gebracht waren . Den evangelisch- freikirchlichen Lesetext bezog man aus der ( unrevidierten ) Elberfelder Bibel : Seit Mitte des 19. Jahrhundert gedruckt , gilt sie als eine der philologisch- theologisch zuverlässigsten Übersetzungen .
Stellt schon der kulturelle Rang des “Buchs der Bücher” keine geringe Bürde für einen Rezitator dar , sind auch im eher sperrigen Elberfelder Text allerlei Hürden zu nehmen : Eine “Einfühlung” im Sinne handelsüblicher Psychologie hat in diesem unausdeutbaren Werk wenig verloren . Gleichwohl kommt kein Vorleser umhin , Episoden und Szenen , Dialoge und Offenbarungen distinkt zu gestalten – und sei es auch nur , um dem “Abgleiten” der Aufmerksamkeit seiner Zuhörer vorzubeugen . Indem Görtz den Duktus der Rede an ein Publikum anstimmt , spricht er dem Geiste der Evangelisten das Wort . Einerseits . Anderseits ist der leicht angehobene Ton praktisch dazu angetan , den Versuchungen “privater” Empfindsamkeiten zu entsagen . Wenn sich die schlanke , doch durchaus entschlossene Stimme mitunter zum sprichwörtlich “biblischen Zorn” aufschwingt , dann geschieht dies nie in rhetorischem Selbstzweck , sondern markiert , dass es mit dem Gesagten eine Bewandtnis hat .
Es sind die Momente von Intensität ebenso wie der strikte Verzicht auf musikalische Sphärenklänge , die vom Hin- zum Zuhören führen : Je länger wir lauschen , desto mehr sind wir Ohr . Bis wir allmählich begreifen , dass das im Neuen Testament bei Matthäus , Markus und Lukas wiederkehrende Leitmotiv “Wer Ohren hat zu hören , der höre” , uns meint, die wir im Schallkreis unseres Abspielgerätes sitzen . “Hören” und “Zuhören” : Das ist ein Anfang . Und “im Anfang” , so Johannes ,”war das Wort” .
- Sven Görtz liest : Die Bibel , Gesamtausgabe , Elberfelder Übersetzung , ungekürzt , Regie: Martin Pfeiffer , 10 MP3- CDs ( 105 Stunden ) .
- Sven Görtz liest : Die Bibel , Neues Testament , ungekürzt , Regie : Martin Pfeiffer , 10 CDs ( 656 Min. ) – Die Edition ist auch in Einzelausgaben lieferbar ( z. B. : Die Erschaffung der Welt , Die Geschichten von Moses , Frauen im Alten Testament , Geburt und Kindheit Jesu , Die Bergpredigt , Die Passion , Die Apokalypse ), Diogenes 2006 , 2007















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