czz – Lange vermisst, ist einer der Klassiker der Schweizer Literatur nun als Hörbuch greifbar: Beat Sterchis Roman “Blösch” (1983) war über zweieinhalb Jahrzehnte vom Markt verschwunden. Umso begrüssenswerter ist die Initiative des Christoph-Merian-Verlags, das fundierte Doku-Drama zur Industrialisierung der Tierproduktion und -verwertung wieder herauszubringen.
“Blösch” ist nicht nur der Name der stolz-rotfarbigen Leitkuh des konservativen Knuchelbauern, der sich der Technisierung des Kuhstalls per Melkmaschine widersetzt und stattdessen den Spanier Ambrosio als Hilfskraft anheuert. Aus Ambrosios “fremder” Perspektive erscheint “das wohlhabende Land” in manch erstaunlicher Sitte.
Der Fiktion des Romans sei zugestanden, dass Ambrosio einige Jahre später am Schlachthof landet, wo ihm just die gute alte Blösch unters Messer gerät – abgemagert und verschlissen. In schonungslosen Details schildert Sterchi – der selbst Metzger gelernt hat – die Abläufe im Schlachthof, die den unausgesprochenen Gegensatz zum “ganzheitlich” geführten Knuchelhof implizieren.
Erscheint das Personal des Schlachthofs von aussen betrachtet als Kollektiv rauer Sitten, lässt die Nahaufnahme jedes Einzelnen die – meist beschädigte – Innenwelt der Fleischarbeiter zutage treten.
Vor dem Druckwerk zeichnet sich das Hörbuch durch an Originalschauplätzen des Romans aufgenommene Soundscapes aus sowie durch die ironische “Volksmusik” der Basler Band SULP (Swiss-Urban-Ländler-Passion).
- Beat Sterchi : Blösch , Literaturbearbeitung, 2 MP3-CD ( 18 Stunden ), Christoph-Merian-Verlag, 2010
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