czz – Dass es lohnt, just im Jetzt der wetteifernden Prognosen auf Zukunftsphantasien von gestern zu horchen, erweisen die Audio-Editionen zweier Klassiker. Zählt man den im März 2008 verstorbenen Arthur C. Clarke zur technisch orientierten Science-Fiction, scherte sich Ray Bradbury ( Jahrgang 1920 ) herzlich wenig um die wissenschaftliche Plausibilität seiner futuristischen Mythen.
Mit «Fahrenheit 451» benannte er allerdings korrekt jene Temperatur, bei welcher sich Papier entzündet, und damit einen Roman, der seit einem halben Jahrhundert zum Inventar weltliterarischer Dystopien gehört. Die drei Jahre zuvor erschienenen «Mars-Chroniken» nehmen manches Motiv vorweg, wobei sich die Geschichten um die Kolonisierung des roten Planeten nicht stringent aneinanderreihen, sondern als Laboratorium für Ideen und Genres fungieren: von atomarer Postapokalypse bis hin zur Satire auf den American Dream.
Arthur C. Clarkes «2001: Odyssee im Weltraum» wäre eine Short Story geblieben, hätte sich nicht Stanley Kubrick des Stoffes angenommen und die Skizze gemeinsam mit dem Autor in psychedelische Epik übergeführt. Clarkes Prosa vermag indes auch jenseits der Suggestion von Kubricks deliranten Kinobildern zu fesseln: Die Fabel saust im Schnelldurchlauf von der Urhorde zu interplanetarischen Missionen und retour in die rasante Rückentwicklung eines Saturn-Astronauten ins embryonale Stadium. Diese Zeit und Raum umstülpende LSD-Logik des 1968 publizierten Romans spiegelt ebenso den Zeitgeist ihrer Entstehung wie Bradburys Sorge um das Kulturerbe zwischen Zweitem Welt- und drohendem Atomkrieg.
Beide Autoren überraschen mit visionären Szenen, die uns mitten im Jetzt ertappen: Arthur C. Clarkes legendärer Supercomputer HAL und Bradburys Schilderung einer via TV-Riesen-Screens und Hörstöpsel zugedröhnten Gesellschaft dürften mit Fug und zu Recht zu denken geben.
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Ray Bradbury – Fahrenheit 451, Dt. von Fritz Güttinger – 5 CD ( 351 Min. ) , Lesung Rufus Beck – Diogenes-Hörbuch 2008
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Ray Bradbury – Die Mars-Chroniken, Dt. von Thomas Schlück – 8 CD ( 621 Min. ) , Lesung Rufus Beck – Diogenes-Hörbuch 2008
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Arthur C. Clarke – 2001: Odyssee im Weltraum, Dt. von Egon Eis, Lesung Wolfram Koch – 5 CD ( 352 Min. ) – Der Audio-Verlag 2008
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