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czz – Man glaubte sie in Schule und intellektuellem Leben durch und durch verbucht : “Kindheitsmuster” und “Kassandra” von Christa Wolf . Wenn die Autorin auf CD aber mit eigener Stimme die Bedingungen einer in den Nationalsozialismus hineingewachsenen Kindheit befragt und Letztere hart gegen eine spätere Reise an die Schauplätze im deutsch- polnischen Grenzgebiet schneidet , umspinnt uns das Textgewebe aus unterschiedlichen Zeitschichten mit unverminderter Präsenz : Seismografisch verzeichnet die Chronistin Wesen und Werden dessen , was nur höchst ungenau zwischen einem unwillkürlichen “Ich” ( “nature” ) und dessen Sozialisation ( “nurture” ) zu scheiden ist .
Wo das offenherzige In- die- Welt- Hineinwachsen mit jäh wechselnden Werten konfrontiert ist , dringen – wie angesichts der neuen Ordnungen und Sprachregelungen des Nationalsozialismus – die Techniken der Verstellung tief ins Inwendigste . Durch all die anekdotenhaften Episoden hindurch bleibt die Frage nach der Konsistenz eines “Ich” ungemindert aktuell .
Noch in doppelter Verklausulierung – antiker Troja -Mythos plus Sammelporträt der politischen Chargen der DDR – wird die Stimme authentischen Aufbegehrens gegen die Strukturmuster der Gewalt vernehmlich . Es war zwar der Fluch Kassandras , als Seherin und als Frau nicht gehört zu werden : Am Ende hat sie mit der berühmten Bezeichnung des homerischen Superhelden als “Achill , das Vieh” für jedweden Krieg seither recht behalten .
- Christa Wolf liest : Kindheitsmuster , 8 CD ( 600 Min. ) – MDR | Random House Audio 2009
- Christa Wolf : Kassandra , gelesen von Corinna Harfouch , 4 CD ( 280 Min. ) – Random House Audio 2009
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